Klimawandel [Sammelthread]

  • Spätestens nachdem gestern in allen Nachrichten zu hören war, dass unsere Behörde hier derzeit ordentlich Öl ins Feuer gießt, kann man diese Story so einfach ja niemanden mehr verkaufen…


    Das Problem ist allerdings nicht der Regulator, sondern das Feuer. Ist es nicht schön an einem Spekulationsmarkt zu hängen? Was hat sich an der physischen Verfügbarkeit geändert - überhaupt nichts. Würde Gazprom über Nord Stream 2 was anderes machen, als seine Verträge zu bedienen - mit ihrer Positionierung und der der russischen Regierung zumindestens zweifelhaft. Wäre Nord Stream 2 überhaupt vor März in Betrieb gegangen - völlig unklar. Selbst wenn der Preis ausschließlich durch irgendwelche Versorger oder sonstige Abnehmer bestimmt würde, die Panik ob ihrer Abdeckungslücke schieben, zeichnet es das Bild eines Systems, das mit Limitierungen nicht gut umgehen kann. Deshalb ist es auch auf die ständige Ausweitung der Ressourcenausbeutung angewiesen.

  • Der Teil mit "der Zeitpunkt zu dem wir Klimaneutralität erreichen spielt keine Rolle, sondern wie viel wir bis dahin an CO2 ausstoßen" hat mich übrigens dazu gebracht eine Station früher aus dem Bus auszusteigen, um meinen Unmut durch aggressives Gehen loszuwerden...


    Mensch Hohli, jetzt denk doch mal mit! Je länger wir mit der Reduktion warten, desto fantastischer wird die Technik sein, mit der wir das Ruder rumreißen.

  • Das Problem ist allerdings nicht der Regulator, sondern das Feuer. Ist es nicht schön an einem Spekulationsmarkt zu hängen? Was hat sich an der physischen Verfügbarkeit geändert - überhaupt nichts. Würde Gazprom über Nord Stream 2 was anderes machen, als seine Verträge zu bedienen - mit ihrer Positionierung und der der russischen Regierung zumindestens zweifelhaft. Wäre Nord Stream 2 überhaupt vor März in Betrieb gegangen - völlig unklar. Selbst wenn der Preis ausschließlich durch irgendwelche Versorger oder sonstige Abnehmer bestimmt würde, die Panik ob ihrer Abdeckungslücke schieben, zeichnet es das Bild eines Systems, das mit Limitierungen nicht gut umgehen kann. Deshalb ist es auch auf die ständige Ausweitung der Ressourcenausbeutung angewiesen.

    Nun ja, eine Inbetriebnahme im März, die sich im Februar sicherlich schon abgezeichnet hätte, hätte im Zusammenspiel mit einem Ausblick auf höhere Liefermengen schon einen Unterschied gemacht. So muss man natürlich weiter darauf hoffen, dass der Frühling schon im März beginnt, bzw. die Hochwintermonate mild ausfallen.

    Derzeit laufen ja auch kaum noch Gaskraftwerke, sondern halt Kohlekraftwerke oder wir importieren Strom von überall her…wo auch nur Atom oder Kohle läuft. „Der Markt regelt“ heißt in diesem Fall genau das… oder halt, dass sich diverse Abnehmer Gas und Strom schlicht nicht mehr leisten können. Fundamental betrachtet sind die Preise nachvollziehbar hoch. Energie ist gerade knapp. Und nun hat der Markt damit begonnen auszusieben.

    Inwiefern kann er also nicht mit „Knappheiten“ umgehen? Dass dabei am Ende auch mal ziemlicher Mist herauskommt, steht freilich auf einem ganz anderen Blatt….

  • Das Markt kann natürlich sehr gut damit umgehen, da erhöht sich nur der Preis. Im System ist es eine Krise. Oder wurde zumindestens medial als Krise vermittelt. Wobei man sieht, dass immer noch genug Raum für Externalisierung vorhanden ist. Also zum Beispiel das, was du ansprichst. Eine der Begleitfolgen ist, dass man neue Argumente für den Erhalt der Kohleverstromung an die Hand bekommt. Mit einer Limitierung so umzugehen, dass man auf Kosten einer nun nicht mehr allzufernen Zukunft über die Grenze geht, würde ich keinen guten Umgang nennen.


    Nebenbei, scheinen wir allerdings auch im November immer noch oft Nettoexporteur zu sein:


    https://energy-charts.info/cha…o&interval=month&month=11

  • …. vor allem „weil Putin Gaslieferungen kürzt“ 😂.

    Was für ein Schwachsinn! Spätestens nachdem gestern in allen Nachrichten zu hören war, dass unsere Behörde hier derzeit ordentlich Öl ins Feuer gießt, kann man diese Story so einfach ja niemanden mehr verkaufen… aber ich weiß schon…ist wohl ne ältere Ausgabe, wenn mich nicht alles täuscht.

    Der älteste Politik-Trick der Welt, für eigenes Versagen einen Sündenbock ausfindig machen und zum Abschuss freigeben. Funktioniert hier nach außen. Im deutschsprachigen Raum sucht man die Schuldigen auch gern im Innern.

  • https://www.bild.de/politik/au…luecht-78275584.bild.html


    Zitat

    Also werden Sie Scholz sagen: „Stoppt Nord Stream 2!“


    Morawiecki: „Ja, natürlich, Nord Stream 2 muss gestoppt werden!“


    Ich überlege, ob sich die Positionierung der Polen geändert hat, aber das ist vermutlich hauptsächlich für das heimische Publikum und Transatlantikerkumpels. Andererseits wähnen die sich im Kriegszustand und denken hinter den Aktionen von Weißrussland steckt in Wahrheit der Kreml, soweit ich das mitbekomme. Also vielleicht meint Morawiecki es auch ernst.

  • Deutsche und europäische Klimapolitik: post-politischer neoliberaler Öko-Populismus?


    [...] Over the past decade or so, a widespread consensus has emerged over the state of nature and the precarious environmental conditions that may lead to the premature end of civilization as we know it (IPCC, 2007). The environmental conditions and, in particular, global climate change are increasingly staged as signalling a great danger, of epic dimensions, that, if unheeded, might radically perturb, if not announce the premature end of civilization before its sell-by date has passed.

    The imminent danger to the future of our common human and non-human world calls for radical changes in all manner of domains, from the way we produce and organize the transformation and socio-physical metabolism of nature to routines and cultures of consumption (for a standard review, see Giddens, 2009).

    A fragile consensus on both the ‘nature’ of the problem and the arrays of managerial and institutional technologies to mitigate the most dramatic consequences has been reached, despite differences of view, opinion or position (Hulme,2009); a consensus that is now largely shared by most political elites from a variety of positions, business leaders, activists and the scientific community. The few remaining sceptics are increasingly marginalized as either maverick hardliners or conservative bullies.


    This elevation of climate change and its consequences onto the terrain of public concern and policy has unfolded in parallel to the consolidation of a political condition that has evacuated dispute and disagreement from the spaces of public encounter to be replaced by a consensually established frame that interlocutors like Slavoj Žižek, Jacques Rancière and Chantal Mouffe define as post-democratic or post-political (Mouffe, 2005; Rancière,2006; Žižek, 1999).

    This post-political frame is structured around the perceived inevitability of capitalism and a market economy as the basic organizational structure of the social and economic order, for which there is no alternative.

    The corresponding mode of governmentality is structured around dialogical forms of consensus formation, technocratic management and problem-focused governance, sustained by populist discursive regimes (Swyngedouw, 2009). The post-political suturing of the terrain of the public encounter is, furthermore, institutionally choreographed in the form of post-democratic institutional configurations (Crouch, 2004; Marquand,2004). [...]


    While the part-anthropogenic process of the accumulation of greenhouse gases in the atmosphere is readily acknowledged, the related ecological problems are externalized as are the solutions. CO2 becomes the fethishized stand-in for the totality of climate change calamities and, therefore, it suffices to reverse atmospheric CO2 build-up to a negotiated idealized point in history, to return to climatic status quo ex-ante.

    An extraordinary techno-managerial apparatus is under way, ranging from new eco-technologies of a variety of kinds to unruly complex managerial and institutional configurations, with a view to producing a socio-ecological fix to make sure nothing really changes. Stabilizing the climate seems to be a condition for capitalist life as we know it to continue.

    Moreover, the mobilized mechanisms to arrive at this allegedly more benign (past) condition are actually those that produced the problem in the first place (commodification of nature – in this case CO2), thereby radically disavowing the social relations and processes through which this hybrid socio-natural quasi-object (Latour, 1993; Swyngedouw, 2006) came into its problematic being.


    Populist discourse‘displaces social antagonism and constructs the enemy. In populism, the enemy is externalized or reified into a positive ontological entity [excessiveCO2] (even if this entity is spectral) whose annihilation would restore balance and justice’ (Žižek, 2006a: 555). The enemy is always externalized and objectified. Populism’s fundamental fantasy, for Žižek, is that of ‘intrud-ers’ who have corrupted the system.

    CO2 stands here as the classic example of a fetishized and externalized foe that requires dealing with if sustainable climate futures are to be attained. Problems therefore are not the result of the ‘system’, of unevenly distributed power relations, of the networks of control and influence, of rampant injustices, or of a fatal flaw inscribed in the system, but are blamed on an outsider (Žižek, 2006a: 555).

    That is why the solution can be found in dealing with the ‘pathological’ phenomenon, the resolution for which resides in the system itself. It is not the system that is the problem, but its pathological syndrome (for which the cure is internal), that is posited as ‘excess’. While CO2 is externalized as the socio-climatic enemy, a potential cure in the guise of the Kyoto principles is generated from within the market functioning of the system itself.

    The ‘enemy’ is, therefore, always vague, ambiguous, socially empty or vacuous (like ‘CO2’); the ‘enemy’ is a mere thing, not socially embodied, named and counted.[...]


    Populism as a project addresses demands to the ruling elites (getting rid of immigrants, saving the climate . . .); it is not about replacing the elites, but calling on the elites to undertake action. The ecological problem is no exception. It does not invite a transformation of the existing socio-ecological order but calls on the elites to undertake action such that nothing really has to change, so that life can basically go on as before.

    In this sense, environmental populism is inherently reactionary, a key ideological support structure for securing the socio-political status quo. It is inherently non-political and non-partisan. A Gramscian ‘passive revolution’ has taken place over the past few years, whereby the elites have not only acknowledged the climate conundrum and, thereby, answered the call of the ‘people’ to take the climate seriously, but are moving rapidly to convince the world that, indeed, capitalism can not only solve the climate riddle but also that capitalism can make a new climate by unmaking the one it has co-produced over the pastf ew hundred years through a series of extraordinary techno-natural and eco-managerial fixes.

    Not only do the elites take these particular demands of the people seriously, it also mobilizes them in ways that serve their purposes.[...]


    This post-democratic constitution reconfigures the act of governing to a stakeholder-based arrangement of multi-scalar governance in which the traditional state operates institutionally together with experts, NGOs and other ‘responsible’ partners (while ‘irresponsible’ partners are excluded).

    They operate with a generally accepted consensus of a global and largely (neo)liberal capitalism, the right of individual choice, an eco logical awareness and the necessity to continue this, to sustain the state of the situation. Discussion and dispute are tolerated, even encouraged, in so far as the general frame is not contested. Not only are radical dissent, critique and fundamental conflict being evacuated from the political arena (and relegated to the terrain of ‘extra-political’ and unauthorized violence), but also the parameters of democratic governing itself are being shifted, announcing new forms of governmentality, in which traditional disciplinary society is transfigured into a society of control through democratically disembedded networks (like ‘the KyotoProtocol’; ‘the Dublin Statement’, the ‘Rio Summit’, etc. . . .). [...]

    _________________________________________________________-

    Erik Swyngedouw: Apocalypse Forever?: Post-political Populism and the Spectre of Climate Change, Theory Culture & Society 2010 (https://fdocuments.in/reader/full/apocalypse-forever)

  • Gibt es keine Alternative zum kapitalistischen (Profit-)Wachstum, um den Klimawandel zu bekämpfen ?

    A RESPONSE TO POLLIN AND CHOMSKY: WE NEED A GREEN NEW DEAL WITHOUT GROWTH

    Robert Pollin and Noam Chomsky have a new book out, Climate Crisis and the Green New Deal. It’s an important contribution to the emerging GND literature, from two thinkers I respect. But in recent interviews, when Pollin has been asked about degrowth, he has responded with claims that are factually incorrect and, I think, intentionally misleading.



  • Nun ja, eine Inbetriebnahme im März, die sich im Februar sicherlich schon abgezeichnet hätte, hätte im Zusammenspiel mit einem Ausblick auf höhere Liefermengen schon einen Unterschied gemacht.

    Wirklich?

    NS1 ist nicht ausgelastet. Es wäre also kein Problem auch ohne NS2 mehr Gas zu liefern. Das ist also nicht gewollt, egal ob aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen.

    Ich habe aber keine Panik. Wir haben eine ausreichend hohe Gasreserve und werden laufend beliefert.

  • Wirklich?

    NS1 ist nicht ausgelastet. Es wäre also kein Problem auch ohne NS2 mehr Gas zu liefern. Das ist also nicht gewollt, egal ob aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen.

    Ich habe aber keine Panik. Wir haben eine ausreichend hohe Gasreserve und werden laufend beliefert.

    Dass NS1 nicht ausgelastet ist, halte ich für ein Gerücht.


    Die mittlere Spalte sollte NS1 sein....


    https://www.gazprom.com/invest…sclosure/actual-supplies/

  • interessant. man liest das aber häufiger, dass ns1 nicht ausgelastet ist. alles nur atlantikbrückenpropaganda?

    Ich habe das bislang nur als Twitterkommentar gelesen. Irgendwo müsste man bei ENTSOG genaue Daten finden, aber ich habe gerade keine Zeit…

    Durch die anderen Routen fließt freilich weniger, aber NS1 sollte, auch nach den Marktberichten, die ich kenne, ausgelastet sein.

  • alles nur atlantikbrückenpropaganda?


    Im Prinzip, also wenn das von ihnen kommt.


    Die mittlere Spalte sollte NS1 sein....


    https://www.gazprom.com/invest…sclosure/actual-supplies/


    Die mittlere Spalte "Supplies from Russia to EU, mln m3" ist Nord Stream plus South Stream/Turk Stream, also alles was in die EU kommt ohne über Weißrussland oder die Ukraine zu laufen. Im Juli wurde Nord Stream gewartet:


    https://www.gashub.at/remit/details.xhtml?id=47054-1-2021


    Zitat

    From 13 July to 23 July 2021, Nord Stream AG will temporarily shut down both lines of its gas pipeline system for annual routine maintenance works.


    Das sieht man in den Gazprom-Daten für Juli. Die tägliche Lieferung fällt zeitweilig um 150 Millionen m³ ab.


    Die beiden Stränge von Nord Stream haben zusammen eine Kapazität von 55 Milliarden m³ jährlich. Geteilt durch 365 Tage, sind das etwa 150 Millionen m³ pro Tag.


    Man kann sich auch die von der Nord Stream AG veröffentlichten Daten anschauen:


    https://www.nord-stream.info


    "Physical Flow" auswählen und einen Zeitraum. Da sieht man dann, das sie konsistent etwa 1.7 Milliarden kWh pro Tag transportieren. Mit dieser Umrechnung:


    1Nkbm = 11,2 kWh


    Als einem Faktor 11.2 wären das ca. 0.15 Milliarden m³ oder 150 Millionen m³.


    Das ist übrigens in keiner Weise überraschend, denn Gazprom hat Lieferverträge zu bedienen, die über das Volumen von Nord Stream hinausgehen, und jeder Kubikmeter Gas, den sie über diese Route schieben können, spart ihnen Transitkosten. Sie müssten draufzahlen, wenn sie die Pipeline nicht vollständig auslasten.

  • Biden sorgt sich um Europa und sanktioniert Unternehmen deren wichtigste Handelspartner eh China, Asien und Russland ist. Das ist ja so als würde ich Daimler drohen mir in Zukunft keinen Mercedes-Benz zu kaufen, weil ich es eh nie vor hatte : )


    Und ohne Nordstream2 ist die Welt natürlich in Ordnung *hüstel*


    Die Pipeline ist ja eh nur ein russisches Einflussmittel (wortwörtlich) das man uns quasi in die Tasche geschoben hat, wir haben ja nichts bezahlt, keine Interessen und keine Verträge unterschrieben. Merkel musste Nordstream2 nicht gegen Russland verteidigen, sie musste die Pipeline gegen die USA verteidigen und sich Sanktionen gegen deutsche Firmen verbitten ... also wer versucht was zu beeinflussen? : )


    Nun, das könnte ein Zeichen sein, dass sich die neue deutsche Regierung hinter den Kulissen bezüglich Nord Stream 2 wacklig zeigt, schließlich gab es da gerade erst eine Einigung. Andererseits betreffen die Sanktionen eine russische Firma, die am Bau beteiligt war, und das Ding ist ja nun fertig gebaut.


    https://www.state.gov/impositi…ction-with-nord-stream-2/


    Hat wohl eher damit zu tun, dass sie denken Russland würde eine Invasion der Ukraine vorbereiten?

  • Hat wohl eher damit zu tun, dass sie denken Russland würde eine Invasion der Ukraine vorbereiten?


    Das glaube ich aber nicht, wir hatten das Panzer-Hin-Und-Herfahren schon öfters. Die Ukraine ist abgehakt für die NATO, wie Georgien - das war für Russland wichtig. Ob die wankende, bankrotte Regierung in Kiew noch 2 Jahre länger vor sich hin schmollt oder nicht spielt keine Rolle, früher oder später ist die auch weg. Tut nicht Not was zu tun, Moskau kann es länger aussitzen wie Kiew.

  • Moskau kann es länger aussitzen wie Kiew.

    Ich würde sogar behaupten das der jetzige Status der Ukraine für Moskau perfekt ist.


    Die Ukraine wird ausgeschlachtet und der Westen investiert dort viel zu wenig um die Bevölkerung vollends auf seine Seite zu ziehen. Die sehen alle nur zu wie sie mit dem Hintern an die Wand kommen. Da ist kein Aufbruch Richtung Osten zu erwarten und Rußland ist groß genug. Die haben ganz andere Probleme und mit der Krim einen Zugang zum schwarzen Meer.

  • Hauptsache beim Klimawandel wird nicht über die grundlegenden Probleme durch kapitalistische Strukturen geredet...

    Greenwashing im großen Stil

    Wie „nachhaltige“ Fonds die Klimakrise befeuern, korrupte Vorstände finanzieren und die Verletzung von Arbeitnehmerrechten tolerieren

    ...„Wer in nachhaltig ausgerichtete Unternehmen investiert, gibt der Zukunft eine Richtung und unterstützt Umweltschutz, faire Arbeitsbedingungen sowie eine weitsichtige Unternehmensführung.“ Die vollmundigen Werbeversprechen der Anbieter treffen auf einen extrem boomenden Markt: Innerhalb der letzten zwei Jahre hat sich das Vermögen von Publikumsfonds und ETFs, die sich als „nachhaltig“ bezeichnen, fast verdoppelt.

    Angesichts der Flut an als „nachhaltig“ beworbenen Geldanlagen fragt man sich: Wo wird das ganze grüne Geld eigentlich angelegt? ... 314 Fonds mit einem Volumen von etwa 100 Milliarden Euro wurden näher untersucht. Das Ergebnis ist ein vernichtendes Zeugnis für den Boom grüner Geldanlagen. ...

    ... Weder besonders problematische Unternehmen noch schädliche Sektoren werden bei nachhaltigen Fonds ausgeschlossen: So liegen über 70 Prozent der nachhaltigen Investitionen in Energie in fossilen Energien, darunter fast 100 Millionen Euro in Kohle. Auch ein Schwerpunkt auf klar zukunftsträchtige Investments ist nicht erkennbar.

    ...

    Wenn nachhaltige Fonds also oftmals kaum anders investieren als konventionelle, dann schaffen sie keine Anreize für Firmen, sich zu wandeln. Damit wäre dann auch das Versprechen an Anlegerinnen hinfällig, mit der Geldanlage eine Rendite zu erzielen und gleichzeitig mehr Nachhaltigkeit zu bewirken. ... Außerdem ist für Anlegerinnen schwer ersichtlich, ob das Engagement auch etwas bewirkt oder nur ein Feigenblatt ist.

    ...insgesamt lässt sich nur das traurige Fazit ziehen: Das große Versprechen vieler grüner Fonds, mit der Geldanlage gleichzeitig Gutes für Mensch und Umwelt zu tun, ist kaum mehr als Grünfärberei.

    ...

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