Beiträge von Utan

    Da schau her, wer plötzlich Finanzminister werden will...

    (aber erst in der nächsten Legislaturperiode)

    oder hab ich den Mann falsch verstanden?

    Ich glaube er will hinterher einfach nur sagen können, dass man ja gewollt habe, aber dass das mit der Union leider nicht zu machen gewesen sei.

    Wenn ich recht verstehe, geht es an dieser Stelle der Diskussion doch immer, wenn auch hier unausgesprochen, um die Frage, ob man „normalen Menschen“ ihre Ressentiments gegenüber Ausländer*innen, genauer: Flüchtenden, vorwerfen soll oder sie lieber einladen, das Ziel ihres Unmuts in Richtung Gesellschaftsordnung zu ändern. Die „Kunst der Politik“ bestünde also darin, an Ressentiments anzuknüpfen, ohne sie zu schüren. Geht das?


    Ein logisches Problem hierbei scheint mir darin zu bestehen, dass man nicht anknüpfen kann, ohne anzuerkennen. Wenn Du damit anfängst zu erklären, die Angst verstündest Du wohl, aber sie richte sich an die falsche Adresse, hast Du schon verloren, Du abgehobener, intellektueller Arsch, der den normalen Leuten ihre eigenen Gefühle erklären will. Das jedenfalls ist meine eigene Erfahrung. Wenn Du aber das Ressentiment anerkannt hast, wie willst Du dann erklären, dass Du es doch eigentlich falsch findest?

    Du machst hier leider - ob gewollt oder nicht - genau das, was ich damit meine, wenn ich kritisiere, dass (von mir so genannte) "identitäre" Linke sich mehr mit ihrer eigenen gefühlten moralischen identität, bzw. mit der Identifizierung ihrer Feindbilder beschäftigen, als mit den tatsächlichen materiellen Verhältnissen in denen die Menschen leben, von denen sie überhaupt erst mal in ausreichender Zahl gewählt werden müssten, um ihre hehren Ideale auch in die Tat umsetzen zu können.


    Und zwar machst Du das, indem Du keinen Unterschied zwischen dem Ernstnehmen eines absolut menschlichen Bedürfnisses nach Sicherheit auf der einen, und der Anerkennung von Ressentiments auf der anderen Seite zulässt. Letztere können sich zwar aus der Angst vor der Unsicherheit ableiten, aber sie müssen keineswegs zwingend daraus hervor gehen.


    Ressentiments entstehen immer aus Angst. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob die angsthabenden Menschen rechts, links, liberal, reaktionär, männlich, weiblich, trans, non-binary, schwarz, braun, weiß oder grün mit rosa Punkten sind.

    Die Angst als solche nicht zu verteufeln, sondern sie als menschlich anzuerkennen, heißt nicht im Umkehrschluss, dass man das gezielte Schüren von Angst befürwortet. Und es heißt schon gleich gar nicht, dass man sich mit den politischen Zielen all jener gemein macht, die Ängste schüren, um damit gesellschaftliche Ressentiments zu etablieren und (scheinbar) zu legitimieren, welche ihren politischen Zwecken dienlich sind.


    „Die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer ist eine Schande. Aber …“


    Wenn ich in einem früheren Kommentar schrieb, De Masis verdienstvolle Arbeit sei vor allem wertvoll für mich, dann möchte ich jetzt anfügen: Meine Aufgabe sehe ich dagegen darin, Leute wie De Masi zur Einsicht zu geleiten, dass man auf den Satz: „Die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer ist eine Schande.“ auf keinen Fall, aber unter wirklich keinen Umständen ein „Aber“ folgen lassen darf. Und selbst das scheint mir eine fast unlösbare Aufgabe zu sein.

    Leider hast Du in Deiner kleinen Zitatsammlung - vielleicht vor lauter Empörung über ein "aber" im Zusammenhang mit der unsäglichen Europäischen Asyl- und Fluchtpolitik? - vergessen zu zitieren, was nach dem "aber" kommt. Ich zitiere es gerne nochmal vollständig:


    Zitat von Faboi de Masi

    Die humanitäre Katastrophe im Mittelmeer ist eine Schande. Aber die Zerstörung der Lebensgrundlagen von Millionen Menschen durch Krieg, unfaire Handelspolitik und Klimawandel wird auch nicht durch die Abschaffung von Grenzen beendet. Es braucht immer beides: Perspektiven in Herkunftsländern und starke Kommunen, die Geflüchteten Zukunft jenseits von Massenunterkünften im Industriegebiet bieten können.


    Der Entscheidende und - im Gegensatz zur bloßen (und rein moralisch aus linker Sicht auch von mir absolut nicht zu bestreitenden) Forderung nach einer Aufnahme der Geflüchteten - überaus materielle, konkrete und an der Lebenswirklichkeit der potenziellen WählerInnen orientierte Teil des Absatzes ist der, in dem de Masi erklärt, dass man Geflüchteten vor allem dort ihr ebenso berechtigtes Bedürfnis nach Sicherheit erfüllen kann, wo kein von rechten Angstmachern aufgescheuchter Mob mit brennenden Mistgabeln vor der hastig irgendwo im provinziellen Hinterland aus Conatinern aufgebauten Massenunterkunft aufmarschiert, und wo statt dessen eine "starke Kommune", also eine Gemeinschaft besteht, die nicht von Ängsten und Ressentiments geplagt ist, sondern von einer ganz pragmatischen Solidarität mit Mitmenschen in Not.


    An keiner Stelle in diesem Text oder in irgendeiner Rede im Bundestag, haben "populistische" Linke wie de Masi jemals gefordert, die Grenzen komplett dicht zu machen, oder das Asylrecht zu verschärfen. Aber es ist nunmal eine traurige Tatsache, dass eine Gesellschaft, in der die Angst vor dem Statusverlust und dem sozialen Abstieg sich immer weiter ausbreitet, ein gefundenes Fressen für die rechten AngstmacherInnen von der sogenannten "Alternative" und für andere rechtspopulistische Schlangenölverkäufer - auch in lange etablierten "Volksparteien" - ist.


    Und die ernähren sich, neben der Angst, unter anderem auch ganz besonders gut von der trotzigen Wut, welche Menschen recht häufig befällt, wenn man ihnen mit erhobenem Zeigefinger vom sozialwissenschaftlich studierten Katheder herab vorhält, dass alleine der Umstand, dass sie sich vor fremden Menschen fürchten eigentlich schon eine moralische Ungeheuerlichkeit sei, derer sie sich schleunigst zu schämen und ihr alsbald abzuschwören hätten, wenn sie nicht als herzlose Charakterschweine und billigende bis willfährige FaschismusgehilfInnen abgeheftet und rechts liegen gelassen werden wollen.


    Der Punkt ist, dass hier aus einer konkreten, materiellen Problematik, eine postmaterialistische Frage des Prinzips gemacht - und von der rechten Seite genau umgekehrt als Waffe gegen dieses Prinzip verwendet wird.

    Die berüchtigten "Sorgen und Ängste" jenerMenschen ernstzunehmen, welche sich - von konservativ bis links - vom etablierten Parteienspektrum nicht mehr vertreten fühlen, darf für Linke natürlich nicht bedeuten, sich mit den resentimentgeladenen Prinzipien gemein zu machen, die den "Besorgten BürgerInnen" von rechten Demagogen angeboten werden, sondern es muss bedeuten, dass man den materiellen - im Sinne von konkreten! - Ursachen der Besorgnis auf den Grund geht, und versucht sie zu beseitigen.

    Wenn die Linke allerdings statt dessen gegenüber der potenziellen Wählerschaft zuerst auf Bekenntnisse zu ihren (an sich völlig richtigen!) Prinzipen besteht - wenn sie sich also nur noch mit dem Überbau beschäftigt, ohne sich überhaupt die Mühe zu machen, ihn argumentativ auf eine materielle Basis zu stellen, und wenn sie sich dann erst irgendwann in Zukunft mal darum zu kümmern vornimmt, wie die hehren Ideale mit den tatsächlich herrschenden materiellen Verhältnissen denn nun in Einklang zu bringen seien, dann wird sie keine neuen WählerInnen finden, weil sie dann nur noch für Leute interessant bleibt, die ihre Prinzipien ohnehin schon teilen.


    Und mit Sicherheit wird sie dann auch für immer daran scheitern, jene Prinzipien verwirklichen zu können.

    "Wir sollten die Worte Recht, Krieg und gerecht nicht mal gemeinsam denken."

    Das klingt erstmal gut, hätten das die USA, Australien und viele andere Nationen vor einem dreiviertel Jahrhundert das genauso gesehen, wäre zwar die Dresdner Altstadt noch original, aber wir würden schwarzweißrote Fähnchen schwenken und Juden gäbe es keine mehr in Europa.

    Sorry Marner, vielleicht hast Du es jetzt nur mal schnell dahin geschrieben, aber das ist leider ein billiger Argumentersatz aus der untersten Propagandaschublade der transatlantischen Antimilitarismus- und Friedensbewegungs-Gegner.


    Es stimmt natürlich, dass der Einmarsch der Alliierten uns Nachkriegsgenerationen in Europa davor bewahrt hat, in einer menschenverachtenden Diktatur aufzuwachsen - wenn man dabei auch gerne hätte berücksichtigen können, dass zu jener Allianz gegen das 3. Reich auch die Sowjetunion gehörte - also ein von einem paranoiden Diktator geführtes Land, welches einerseits mit Abstand die größten zivilen und militärischen Opferzahlen des Krieges aufzuweisen hatte, und dessen Ausbreitung nach Westeuropa die West-Alliierten andererseits unbedingt verhindern wollten.


    Aber es stimmt leider auch, dass seit der Beendigung des 2. Weltkrieges vor bald 76 Jahren nie wieder ein gewaltsamer Einmarsch einer vom globalen Hegemon angeführten "Koalition der Willigen" irgendwo zu einer dauerhaften Befriedung oder gar Demokratisierung des betroffenen Landes geführt hätte - Genausowenig - natürlich - wie der sowjetische Einmarsch in Afghanistan, wo heute die NATO den Taliban dabei hilft, ihre Daseinsberechtigung als Gottes Widerstand gegen die ungläubigen Invasoren aufrecht zu erhalten, und wo selbst der dortige Kommandeur unserer tapferen StaatsbürgerInnen in Uniform im Interview mit unserem Forumsbetreiber nicht so richtig erklären konnte, wie seine Jungs und Mädels in Flecktarn da eigentlich genau die deutsche Freiheit am Hindukusch verteidigen.


    Im Gegenteil: Nicht nur die amerikanischen Einmärsche in Korea und Vietnam (inklusive Verminung und Flächenbombardements ganzer Landstriche mit Chemiewaffen, die Wälder zerstörten und fruchtbares Ackerland vergifteten) waren nicht vom gewünschten Erfolg gekrönt.


    Besonders die diversen Interventionen - ob mit oder ohne völkerrechtliche Legitimation - in der arabisch-muslimischen Welt haben bisher todsicher entweder zu noch mehr Destabilisierung geführt - bis hin zur Gründung eines "islamischen Staates" durch religiöse Fanatiker der übelsten Sorte und ihre Unterstützer aus den ehemaligen irakischen Streitkräften, oder zur Installation von zwar völkerrechtlich anerkannten, und dem Westen gewogeneren, aber nicht weniger diktatorischen und menschenrechtsfreien Regimen, und in Folge zu weiterem Elend in den jeweiligen Zivilbevölkerungen.


    Auch die zahlreichen offenen militärischen, oder klandestinen geheimdienstlichen Interventionen des US-Imperiums in Mittel- und Südamerika, haben eigentlich nirgends zur nachhaltigen Verbesserung der Lebenssituation der dortigen Bevölkerungen geführt, sondern im - auch nicht immer grantierten - Erfolgsfall lediglich zu einem Austausch der vorherigen Machthaber gegen solche, mit denen die Nordamerikaner bessere Geschäfte machen konnten.


    Der zweite Weltkrieg war das grausame Ende einer Epoche. Der Sieg über Nazi-Deutschland war nur unter gewaltigen Verlusten an Mensch und Material möglich und wurde vor dem Hintergrund einer globalen Umwälzung der politischen Verhältnisse und der Aufspaltung in ideologische West- und Ostblöcke erkämpft - mit Deutschland und seiner des millionenfachen Völkermords schuldigen antidemokratischen Führung im geographischen wie politischen Zentrum.


    Alleine die Landung der Westallierten in der Normandie hat innerhalb weniger Tage schätzungsweise 37.000 Soldaten und 20.000 Zivilisten das Leben gekostet und bei den, final den Krieg beendenden Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki wurden durch nur zwei Sprengköpfe innerhalb weniger Stunden ca. 100.000, und durch radioaktive Verseuchung und andere Spätfolgen weitere ca. 130.000 Menschen getötet. Die Opferzahlen des gesamten Krieges lagen bei geschätzten 60 Millionen durch Kampfhandlungen und bei bis zu 80 Millionen durch Spätfolgen und die Mordaktionen der Nazis an den Zivilbevölkerungen.


    Ohne den amerikanischen Kriegseintritt, hätte sich die US-Wirtschaft vermutlich nicht so schnell vom beinahe-Totalzusammenbruch nach der Weltwirtschaftskrise erholen und den New Deal zum neuen Volkswirtschaftlichen Leitbild für den prosperierenden Nachkriegswesten machen können.


    Kein "Bewaffneter Konflikt" davor oder danach hat jemals eine auch nur ansatzweise gleichermaßen gewaltige Zahl an Menschenleben gefordert und so viel Leid und Zerstörung über die Menschheit gebracht.


    Wenn tatsächlich irgendwann mal der nächste Hitler halb Europa erobern und 6-7 Millionen Menschen in eine industrialisierte Mordmaschine treiben, und sich mit dem nächsten japanischen Gottkaiser und seiner faschistoiden Regierung verbünden würde, dann wäre der Vergleich mit dem 2. Weltrkieg vielleicht tatsächlich legitim.

    Bis es soweit ist, - was schon allein angesichts der heutigen atomaren Bewaffnung der damaligen Alliierten als eher unwahrscheinlich einzustufen wäre - ist das aber leider nur verantwortungsloses Maulheldentum irgendwelcher Schreibtischstrategen und olivgrüner Möchtegernhumanist*innen, die entweder vor lauter Planspielerei den Bezug zur historischen Wirklichkeit verloren haben, oder denen es schlicht egal ist, wer und wessen Kinder irgendwo am anderen Ende der Welt dafür umgenietet werden müssen, dass sie ihre geostrategischen und weltverbesserlichen Theorien auch mal in der Praxis ausprobieren können.


    In jedem Fall sind die Profiteure der westlichen Machtprojektion in den Rest der Welt eigentlich nie die vom eigenen Regime geknechteten, oder von den Bomben ihrer "Befreier" zerfetzten Zivilbevölkerungen, sondern nur die militärisch-industriellen Komplexe, die das teure Kriegsgerät produzieren und die dafür zuständigen PolitikerInnen durch ihre Drehtüren schleusen, sowie die Konzerne, die sich dann nach der "erfolgreichen" Anwendung des offensiven Technikpotenzials die erbeuteten Rohstoffe und die lukrativen Staatsaufträge zum Wiederaufbau der zerbombten Städte und Infrastrukturen unter den Nagel reissen.

    Und das wäre dann so in etwa das, was ich mit "linkem Populismus" meinte.


    Schade dass er aufhört.

    p.s.:


    Allzu leicht ersetzt der patzige Vorwurf, der andere mache es sich im Elfenbeinturm gemütlich, die inhaltliche Auseinandersetzung mit der schlechten Nachricht. Wem ist damit geholfen? Wie sieht denn nun der ‚linke Populismus‘, der hilft, aus? Butter bei die Fische, Waldmensch. Stänkern gildet nicht.

    Ja wenn ich wüsste wie man das machen soll, dann würde ich meine Zeit nicht damit verschwenden, hier ein obskures Nischenforum mit Schachtelsätzen vollzustellen, um mir den Frust von der Seele zu schreiben.


    Dass das einfach wäre habe ich jedenfalls nicht behauptet.

    Für Deine „steile These“, die Untauglichkeit des Kapitalismus sei „unter den ‚einfachen‘ Leuten eigentlich längst common sense“ hätte ich gern empirische Belege. Sicher, auch ich höre ab und zu diffuse Lippenbekenntnisse, aber bei der letzten Bundestagswahl hatte die einzige kapitalismuskritische Partei 9,2%. Wie kommst Du auf Deine These?

    Die These ist eigentlich, dass die Leute zwar durchaus verstanden haben, dass "Das System" nicht zu ihren Gunsten funktioniert, und dass sie zumindest eine Ahnung davon haben, dass es so nicht mehr lange gut gehen wird, aber natürlich können sie nicht benennen was konkret daran falsch läuft. Deshalb wählen sie ja auch keine kapitalismuskritischen Parteien, sondern solche, welche die Ursache für die Schieflage überall sonst verorten - zu wenig Marktregulierung, zu viel Marktregulierung, zu viele Ausländer, zu alte Inländer, zu wenig privates Aktien- und Wohneigentum, zu niedige zinsen, zu wenig Bildung, zu viele gierige Banker, zu wenig kreative Unternehmer, etc. pp - nur halt genau nicht da wo sie eigentlich herkommt: aus dem Kapitalismus und seinem unbändigen Wachstumszwang.


    Aber das lernen die halt nicht, wenn es zwar irgendwo im Linken Parteiprogramm steht, das sowieso kein Schwein liest (wie ja auch alle anderen Parteiprogramme) der nicht ohnehin schon ein gesteigertes politisches Interesse hat, oder in dicken alten Büchern, die erst recht kein Mensch liest, der nebenher noch arbeiten und sich um eine Familie kümmern muss. Und sie lernen es schon gleich gar nicht, wenn Linke die es gelernt haben es ihnen nicht so erklären können, dass man es auch kapiert, ohne die ganzen dicken Bücher gelesen zu haben.

    so rein funktional hätte ich zum populismus noch eine frage: sind das nicht eher mediale kommuikative techniken (zunehmend auch digital) die dem zweck dienen eine person ins bewusstsein zu rücken anstatt einer idee (diese sind da doch eher mittel zum zweck)?

    Ich habe das mit dem "Populismus" jetzt nicht in einem soziologisch oder politikwissenschaftlich korrekten Sinn gemeint, sondern eher mit dem Blick auf populäre, mehrheitsfähige Positionen, die sich - propagandistisch - mehr an konkreten Bedürfnissen ausrichten, und nicht so sehr an abstrakten Werten oder Idealen.

    Deshalb habe ich ja auch den neueren amerikanischen Linkspopulismus erwähnt, der meiner Auffassung nach von Leuten wie Bernie Sanders (jedenfalls vor seiner Kapitulation vor dem demokratischen Establishment) und vielen seiner AnhängerInnen vertreten wird.

    Allerdings sehe ich nicht, dass das zwingend mit irgendeiner bestimmten Person verbunden sein muss. Wer auch immer die "populistischen" Positionen vertreten soll, muss natürlich glaubwürdig sein. Die "Idee" wäre da jedoch wesentlich wichtiger, als die Person - nur eben nicht als abstraktes, hehres Ideal, sondern als konkrete, materielle Änderung der Verhältnisse im Sinn der arbeitenden Bevölkerung.


    Natürlich setzt das auch die Betonung eines gewissen Antagonismus zwischen dem Populus ("Volk" ist leider zu rechtslastig besetzt) auf der einen, und den etablierten kapitalistischen und politischen Eliten auf der anderen Seite voraus. Immerhin sind es Letztere, die aktiv verhindern, dass sich Politik nach den Bedürfnissen der Menschen ausrichtet, und statt dessen alles dafür tun, sie den Profitinteressen des Kapitals unterzuordnen.

    Deshalb halte ich es ja auch für so wichtig, das Ganze durchaus mit einer theoretisch unterfütterten, aber eben verständlich gemachten Benennung systemischer Ursachen zu verbinden und nicht einfach nur Wut gegen "die da Oben" zu schüren und zu hoffen, dass die dann nicht von völkischen Demagogen aufgegriffen und gegen Minderheiten, und letztendlich auch gegen Linke instrumentalisiert wird.

    Ich will Schnaps.

    Ohne Frikadellenbullettenfleischpflanzerlknobbelinchenwienerfrankfurterzeugt.

    Zur Frikadelle wird natürlich Champagner, mindestens ein erlesener Wein, oder wenigstens ein arschteures exotisches Import-Craftbier gereicht, und nicht irgend so ein Proletengesöff!


    Kulturwüste Deutschland...

    Linker Populismus scheint mir so oder so der Weg zur dunklen Seite der Macht zu sein. De Masis Arbeit ist meiner Ansicht nach nicht für den intuitiv weisen Arbeiter wertvoll, sondern für mich, als Prüfung und Material der Gesellschaftskritik. Und von dieser Kritik können nur Menschen profitieren, die noch nicht gesellschaftlich konform gehen. Und die brauchen keine Anerkennung ihrer inhumanen Ressentiments, die brauchen Fakten, dialektischen Geist und insbesondere die Erfahrung, dass sie nicht ganz allein sind.

    Was heißt Denn für Dich "nicht gesellschaftlich konform gehen"?


    Wer kann im Kapitalismus leben, ohne sich - zumindest zum Zweck des Broterwerbs - den kapitalistischen gesellschaftlichen Verhältnissen anzupassen?


    Wenn Linke so etwas wie die Aufdeckung des Wirecard-Skandals nur als "Prüfung und Material" für ihre eigene elaborierte Gesellschaftskritik nützlich finden, aber daraus keine auch in der breiten Masse "populäre" und somit mehrhreitsfähige Gesellschaftskritik machen wollen, was ist dann Sinn und Zweck des "links"-Seins - jenseits einer ebenso fatalistischen (bis zynischen) wie eitlen Selbstbeweihräucherung als jene, welche hinterher ja schon immer vorher gewusst haben, dass alles den Bach runter gehen werde, aber leider, leider nichts dagegen tun konnten, weil das gemeine Volk einfach zu geistesfaul, zu verroht, oder anderweitig zu hoffnungslos verdorben war, um das kritische linke Elaborat nachzuvollziehen?


    Natürlich darf man von der "Weisheit einfacher Leute" nicht erwarten, dass man ihnen nur endlich den großen, nonkonformistischen Gegenentwurf zum profitgetriebenen Gesellschaftsmodell zu präsentieren brauche, um sie zur revolutionären Klasse umzuformen. Aber man braucht weder Marx noch Freud, weder Bourdieu noch Foucault und weder Zizek noch Chomsky (und um Himmelswillen nicht Luhmann!) studiert zu haben, um zu kapieren, dass dieses System auf Sand gebaut ist, und dass jeder der heute noch das Gefühl hat, davon zu profitieren, schon morgen bei der nächsten Krise zu den Verlierern im großen Casinobetrieb gehören kann.


    Ich würde sogar die steile These aufstellen, dass diese Erkenntnis vor allem eher unter den "einfachen" Leuten eigentlich längst common sense ist. Nicht so überzeugt von der Hirnlosigkeit der herrschenden kapitalistischen Verwertungslogik ist eher das gebildetere Bürgertum, bis tief hinein ins "links"-Liberale Lager, wo man sich mit den diversen ökonomischen Theorien und allerhand sozialdemokratischer bis neoliberaler Stellschraubenmechanik befasst, um sich einreden (lassen) zu können, dass man aus dem ganzen Zirkus am Ende doch noch ein gepflegtes Bildungstheater mit Ermäßigung für Schlechterverdienende machen könne, wenn die politische Klasse nur endlich mal den oder die richtige Führungslichtgestalt dazu hervorbrächte.


    Was den "einfachen" Leuten, bei denen es mit der Theroiebildung nicht so weit her ist allerdings fehlt, ist die Solidarität all jener Besserinformierten - und oft auch -Verdienenden -, die eigentlich dazu in der Lage wären, den Frust und die Wut in eine für die gesamte Gesellschaft vorteilhaftere, transformative Bewegung zu kanalisieren, indem man ihnen nicht mit kategorischer Ablehnung begegnet, sondern dafür Erklärungsansätze bietet, die sich eben nicht in der oberflächlichen Symptomkritik und anschliessender Schuldsprechung irgendwelcher elitären Verschwörer erschöpft, die man bei der rechten "Alternative" oder beim florierenden Konspiratistikgroßhandel zu hören bekommt.


    Es ist allerdings hingegen eher eine von der eigenen idealistischen Moralität über Gebühr überzeugte Haltung, welche die linke Intelligenzia in ihrer eigenen Wagenburg einmauert, und all jenen, die sich der gleichen humanistischen Ethik nicht bereitwillig mit Haut und Haaren verschreiben zu unterstellen, sie würden nicht nur "billigend" - also mit voller Absicht - dabei zusehen,...

    , wie andere Menschen anderswo ertrinken, als Sklaven verkauft, in Minen gequält werden. Jene Menschen sind nämlich schwer krank und charakterlich gepanzert, da reichen ein paar Aperçus von Gregor Gysi wohl leider nicht.

    ...wie anderen Menschen zu ihrem eigenen Vorteil Leid zugefügt werde, sondern sie seien auch noch zu "schwer krank" und von irgendwie zu schlechtem, weil "gepanzertem" Charakter, um sich ihrer eigenen Schlechtigkeit tatsächlich bewusst zu werden.


    Tatsächlich kann sich selbst ein noch so linker Mensch nicht permanent bei vollem Bewusstsein der kolossalen Ungerechtigkeit gewahr sein, welche täglich die materiellen Ressourcen des Planeten zu seinen und seiner Mitmenschen im goldenen Westen Gunsten umverteilt, ohne darüber seelisch krank zu werden - weshalb die "Panzerung" der Seele gegen ein "richtiges" Leben im Falschen eben nicht bloß die ungebildeten niederen Schichten ergreift, sondern eigentlich in besonderem Maße uns linke KapitalsimuskritikerInnen, denen die ganze Misere ja eigentlich viel präsenter, aber eben gleichzeitig insofern erträglicher ist, als wir sie systemischen, gesamtgesellschaftlichen Verhältnissen zuordnen können, für die man kein einzelnes Individuum, welches in ihnen leben muss ernsthaft verantwortlich machen kann.


    Genau diese Verantwortung wollen identitäre Linke aber auf andere gesellschaftliche Gruppen abwälzen. Ob das jetzt die "alten weißen Männer", AfD-WählerInnen, die ewig gestrigen "Jammerossis", oder sonstwelche feindlichen Identitäten sind, von denen man sich mit ganz "harter Kante" aufs schärfste abgrenzt, um anhand der social media-befeuerten Reibung an ihnen vor allem sich selbst die eigene moralische wie kritisch-theoretische Überlegenheit zu beweisen, und dies dann final - weil innerhalb der üblichen linken Diskurse eigentlich unanfechtbar! - damit zu legitimieren, dass man gegen "Faschisten" keinerlei Toleranz üben dürfe.


    Linker Populismus würde vor allem bedeuten, dass wir Linke von unseren hohen Rössern steigen müssen. Aber das ist natürlich einigermaßen unbequem, weil man dann selbst laufen und sich die sensiblen Füße schmutzig machen muss.

    was aber eben richtig ist: bhagdi verlangt nach tests, die eine relevante zahl von toten als voraussetzung der feststellung von gefährdung beinhalten, diese zumindest mutwillig in kauf nehmen.

    Mensch hansj. !


    Du verstehst das natürlich nicht, weil Du zu geradeaus (auf Linie!) denkst.

    Du musst da mehr Querdenken™, bzw. am besten kreisförmig - da ist man erstens tangential eigentlich immer irgendwie quer zum Streckenverlauf, und zweitens klappt's dann auch mit dem Zirkelschluss, den Herr Prof. Dr. Bhakdi natürlich perfektioniert hat, indem er eine zweite wichtige Regel der neuen Gegenaufklärung und ihrer "kritischen" Diskurstheorie befolgt: Immer vom Ergebnis her denken!


    Wenn Professordoktor Bhakdi also - als langjähriger Spezialist mit Forschungsschwerpunkt Gefäßkrankheiten natürlich auch eine absolute Überkapazität auf dem Gebiet der Virologie und Epidemiologie! - schon vor der eigentlichen Forschung zum fachkundigen Ergebnis kommt, dass der ganze Aufriss wegen einer etwas schwereren Grippe sowieso völlig überzogen sei, und dass schlimmstenfalls maximal 0,1% der Infizierten an der Infektion sterben würden, dann kann er natürlich völlig problemlos ein absurdes Menschenexperiment vorschlagen, von dem er genau weiß , dass niemand es ernsthaft durchführen würde, denn er weiß ja - wir erinnern uns: Immer schön gleichmäßig und kreisförmig vom Ergebnis her und wieder zum Ergebnis zurück! - dass dabei sowieso nichts anderes heraus kommen würde, als das was er schon von Anfang an behauptet hat.


    Ich habe das mal anhand einer informativen Grafik dargestellt:

    Da sag ich ja auch nichts gegen, ich frag mich halt immer noch, wie diese perfiden Taschenspielertricks auf linker Seite aussehen sollen und du sagst ja auch selbst, dass die am Ende nicht wirklich etwas bringen.

    Ich glaube nicht, dass Die Linke es mit "Taschenspielertricks" versuchen sollte. Das hat die Gegenseite einfach zu sehr perfektioniert, als dass man ihr da von links noch das Wasser reichen könnte.


    Natürlich muss die Argumentation vor allem an das moralische Empfinden der Menschen appelieren.

    Aber es ist schon ein Unterschied, ob man ein moralisches Argument auf der Abgrenzung gegenüber bestimmten gesellschaftlichen Gruppen aufbaut, um damit die eigene Gruppenidentität zu stärken und dann alle auszugrenzen, die sich damit nicht bedingungslos identifizieren wollen, bzw. können, oder ob man sich dabei eher an in allen menschlichen Gesellschaften gültigen Moralvorstellungen orientiert, die von weiten Teilen der Bevölkerung - ungeachtet des politischen Lagers - prinzipiell geteilt werden könnten, wenn man ihnen nicht permanent einreden würde, dass "pragmatische" Sachzwänge und die ökonomische Realität™ es leider nicht zuliessen, solchen grundsätzlichen (wertkonservativen!) moralischen Prinzipien wie Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und gemeinsame Verantwortung für die Mitmenschen - inklusive einer intakten Umwelt und eines menschengerechten Klimas für alle - Vorrang vor dem endlosen Wachstumsbedürfnis und der alternativlos aufrecht zu erhaltenden Wettbewerbsfähigkeit von privaten Unternehmen und Konzernen einzuräumen.


    Das größte Problem für linke "Populisten" ist natürlich auch die fortschreitende neoliberale Naturalisierung eines eigentlich völlig artifiziellen hyperindividualistischen bis explizit anti-kollektivistischen Menschenbildes, zu einer scheinbar grundlegenden Wesenhaftigkeit der Spezies, welches sich in dieser Form überhaupt erst etablieren konnte, seit der moderne Kapitalismus die sozialen Beziehungen in der arbeitsteiligen Gesellschaft größtenteils auf geldwerte geschäftliche Interaktionen reduziert und den Individuen so das Gefühl vermittelt hat, sie könnten im Prinzip völlig losgelöst von gesellschaftlichen Konventionen und Zwängen ihr materiell befreites Dasein fristen, sofern sie es nur irgendwie zustande brächten, sich die nötige Kaufkraft dafür zu erarbeiten.


    Die Deutsche Gesellschaft ist von diesem - überaus kollektivistischen! - Selbstbetrug natürlich in ganz besonderem Maß betroffen, weil wir hier seit dem Ende des zweiten Weltkrieges das große "Glück" haben, von den größeren systemischen Verwerfungen noch weitgehend verschont geblieben zu sein, die sich im Rest der kapitalistischen Welt und auch überall im europäischen Umland bereits großflächig - und durch die Pandemie noch beschleunigt - in diesen globalen american dream hinein fressen, und dabei immer größere Kohorten aus der ehemaligen Mittelschicht ins Prekariat abstürzen lassen.

    Auch hierzulande treibt die Beschäftigung mit dem an den unteren Rändern der Gesellschaft allmählich austreibenden Elend gerade all jenen, die noch nicht selbst davon betroffen sind, erst recht die nackte Angst vor dem Verlust dieser individuellen Konsum-Freiheit ins Gebein und führt leider zu noch mehr Wagenburgmentalität und Abgrenzungsbedürfnis gegen den drohenden Statusverlust.


    Das Framing der (neo)liberalen bis konservativen Parteipropaganda rahmt sich dabei quasi von selbst ein Bild, in dem alles was in der Sozialen Marktwirtschaft™ schief laufe, vor allem den realitätsverweigernden linken Sozialromantikern und ihren blindwütigen staatlichen Interventionsangriffen auf den freien marktwirtschaftlichen Wettbewerb angelastet werden müsse. An der Marktwirtschaft selbst - so lautet der ideologische Zirkelschluss - könne es ja wohl nicht liegen, denn die ist ja schon sozial.

    Als einzig probates und pragmatisches Mittel gegen den weiteren Niedergang der Wirtschaftswundergesellschaft folgt daraus selbstredend erst recht die Beförderung jenes Wettbewerbes und seiner "kreativsten" unternehmerischen Wettbewerber. Das Beispiel Wirecard zeigt eigentlich völlig klar, wie sehr die politische Klasse von dieser Ideologie vereinnahmt ist, und wie dicht die kognitiv-dissonanten Scheuklappen sitzen, die sie von einem Blick auf das eigentliche Dilemma abschirmen.


    Ein Linker Populismus sollte eigentlich gerade nicht versuchen, den ungebildeten "Pöbel" mittels irgendwelcher Tricksereien - auch entgegen der Prägung durch sein eigenes, von Kindesbeinen an trainiertes kleinbürgerliches Bewusstsein - an der Nase herum auf die linke Seite zu führen, um ihn dann dazu anzustacheln, sich mit brennenden Mistgabeln bewaffnet auf dem großen, sinnentleerten Areal zwischen Reichstag und Kanzleramt zu massieren.

    Das führt am Ende nur zu noch mehr diffusen Ängsten und einer in der Gruppendynamik erst recht aufgepeitschten Wut, die sich in Ermangelung einer besseren Erklärung eigentlich gar nicht anders entladen kann, als in irgendeiner Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und einer kollektiven Hatz auf personalisierte Sündenböcke.


    Linker Populismus müsste sich vielmehr die Aufdeckung der - zum Teil unbewusst ideologischen, zum Teil ganz pragmatisch und mit voller Absicht vollzogenen - Taschenspielereien des politischen Gegenspielers und der ihm mit Rat, Tat, und Kommentariat zur Seite stehenden unternehmerfinanzierten Lobbyverbände, Thinktanks und MedienvertreterInnen zur Aufgabe machen, so wie de Masi es hier ja auch exemplarisch dargestellt hat.

    Das politische Alleinstellungsmerkmal der linken PopulistInnen sollte nicht darin bestehen, sich selbst als die verschlagensten unter den politischen TrickbetrügerInnen zu erweisen, sondern darin, sich als echte, faktenorientierte AufklärerInnen der ganzen Scharlatanerie hervorzutun.

    Eigentlich müssten jedes mal wenn politische SchlangenölverkäuferInnen aus dem pro-kapitalistischen Lager den Planwagen auf dem Marktplatz aufbauen, Linke daneben stehen und sie dazu zwingen, entweder so lange vor dem versammelten Dorf ihr eigenes nutzloses Wunderwasser zu schlucken, bis es die angebliche Wirkung zeigt, oder ihren Laden dicht zu machen und für immer von dannen zu ziehen.


    Der weitaus schwierigere Teil bestünde allerdings darin, dem erfolgreich über die Gaunerei aufgeklärten Publikum klar zu machen, dass es nicht die Gier der Gierigen, die Lügen der Verlogenen und die krimnielle Energie der BetrügerInnen sind, die dazu führen, dass politische Quacksalber ihren WählerInnen so erfolgreich kleine Zuckerbrötchen als magischen Impfstoff zur individuellen Befreiung von der Peitsche der kollektivistischen Knechtschaft verkaufen können, sondern dass all das nur möglich ist, weil unser sozio-ökonomisches System wie ein gigantisches Spielcasino organisiert ist, in dem die größten Gewinner gleichzeitig Spielbank und Hütchenspieler sind und in dem Gier, Lug und Betrug sich einfach als ökonomisch rentabler erwiesen haben, als irgendwelche moralischen Werte.


    Allerdings ist das ganze ja nicht ohne Beispiel. Die erste Primary-Kampagne von Bernie Sanders hat eigentlich allen Linken auf der Welt gezeigt wie es geht. Gescheitert ist sie ja nicht an der mangelnden Popularität der vermittelten Inhalte, sondern an der gezielten Sabotage des Kandidaten durch [edit: seine eigene] die Partei, für die er in Ermangelung einer Alternative gezwungen war anzutreten.


    Als aller erstes müsste man als deutsche Linke dazu allerdings mal wieder verstanden haben, dass man politische Mehrheiten nicht mit abgehobenen Wertediskursen gegen politische Gegner gewinnt, die sich für Werte eigentlich nur interessieren, wenn man hinten ein Dollar- oder Eurozeichen dran schreiben kann, sondern mit solchen Profanitäten wie z.B. bezahlbarem Wohnraum, menschenwürdigen Arbeitslöhnen und -Bedingungen, einer intakten Umwelt, oder mit funktionierenden Sozial- und gerechteren Steuersystemen - also mit genau den materiellen, konkreten Themen und Forderungen, die von Millionen von Menschen aller Couleur als wertvoll und erhaltenswert erachtet, und nur deshalb nicht vehement eingefordert werden, weil ihnen niemand mehr ernsthaft und in einer verständlichen Sprache erklären will, dass man sich das alles als eines der reichsten und technologisch fortgeschrittensten Länder der Welt nur dann nicht leisten kann, wenn man an einer Marktwirtschaft festhält, welche die Finanzierung dieses Wohlstands für Alle allein vom Wohlwoilen der mächtigsten Marktteilnehmer abhängig macht.


    P.s.: Es ist natürlich nicht so, als würden PolitikerInnen der Linkspartei all das nicht permanent fordern. Aber sie machen sich leider unglaubwürdig als VertreterInnen jener allgemeinen Bedürfnisse, und werden - trotz dieser Forderungen - öffentlich nicht als solche wahrgenommen, wenn sie im nächsten Atemzug weite Teile der Allgemeinheit dadurch ausgrenzen, dass sie ihnen mit dem strengen moralischen Zeigefinger vorhalten, nicht die einzig wahre und richtige Gruppenidentität zu vertreten.

    Dabei scheinen sie offenbar völlig vergessen zu haben, was für Linke zu Zeiten als sie noch aktive Bewegungen auf die Straße brachten und sich nicht auf rein parlamentarische und akademische Debattierklubs beschränkten noch selbstverständlich war: dass bei entsprechendem Abstand vom liberalen, bildungsbürgerlichen Habitus immer noch erst das Fressen kommt und dann die Moral, und dass das Sein das Bewusstsein bestimmt, und nicht umgekehrt.

    Amazon sperrt seine Server für Parler? Warum nicht Kabelnetzbetreiber dazu bringen, Fernsehsender wie Fox News und andere Sprachrohre des politischen Gegners nicht mehr auszustrahlen? - Denken sich die Demokraten im Kongress.


    Herr Greenwald, der alte "Faschismus"-Relativierer, hat natürlich was dagegen:

    House Democrats, Targeting Right-Wing Cable Outlets, Are Assaulting Core Press Freedoms

    Democrats' justification for silencing their adversaries online and in media -- "they are spreading fake news and inciting extremism" -- is what despots everywhere say.


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