Klimawandel [Sammelthread]

  • "Gegner von Klimaschutzmaßnahmen haben eine übergroße Gelegenheit erhalten, diese Debatte zu beeinflussen", sagte Rachel Wetts, die Autorin der Studie.



    https://grist.org/climate/the-…ia-coverage-for-30-years/



    Haben Sie sich jemals gefragt, warum Amerikaner Klimaschutzmaßnahmen so langsam unterstützt haben? Eine neue Studie gibt der Medienbias einen Teil der Schuld: Drei der einflussreichsten Nachrichtenquellen des Landes haben 30 Jahre lang den Argumenten, dass die Welt keine entscheidenden Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels ergreifen sollte, zu viel Glauben geschenkt.


    "Gegner von Klimaschutzmaßnahmen haben eine übergroße Gelegenheit erhalten, diese Debatte zu beeinflussen", sagte Rachel Wetts, die Autorin der Studie. Ihre Ergebnisse wurden am Montag in den Proceedings der National Academy of Sciences veröffentlicht.


    Sie stellte fest, dass 14 Prozent der Pressemitteilungen zwar Nachrichten gegen Klimaschutzmaßnahmen enthielten - Argumente wie „Es wäre zu teuer, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren“ -, 14 Prozent davon jedoch gedruckt wurden. Im Gegensatz dazu wurden die häufigeren Pressemitteilungen, die sich für persönliche, unternehmerische oder politische Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels aussprachen, nur in 7 Prozent der Fälle behandelt. Die am wenigsten abgedeckten Pressemitteilungen stammten von Gruppen mit dem größten Fachwissen in Wissenschaft und Technologie, wie der American Academy of Arts and Sciences und IBM.


    Edward Mailbach, Direktor des George Mason University Center für Kommunikation zum Klimawandel, bezeichnete diese Schlussfolgerungen als beunruhigend. "Anstatt eigennützige Stimmen zu marginalisieren und Expertenstimmen in den Vordergrund zu rücken, haben diese Papiere genau das Gegenteil getan", sagte er.


    Wie erklären sich die Ergebnisse? Wetts sagte, ein Grund für das Ungleichgewicht könnte mit journalistischen Normen der Objektivität zusammenhängen, die Reporter und Redakteure oft als Notwendigkeit interpretieren, jeder Geschichte unabhängig von der Wissenschaft mindestens zwei Seiten zu geben. Sie nannte dies „falsches Gleichgewicht“, weil es unbegründete Meinungen auf die gleiche Grundlage stellen kann wie gut etablierte Tatsachen. Im Fall des Klimawandels sagte sie, dass die Praxis denjenigen, die den Klimawandel leugnen, Legitimität verliehen habe, was die Leser zu der Annahme veranlasste, dass Ablehnung „mehr als eine Randhaltung“ sei.


    Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass diese Praxis - auch als „Bothsidesism“ bekannt - Mitte der 2000er Jahre abnahm. Die Analyse von Wetts ergab jedoch keine statistisch signifikante Änderung der Abdeckung über den Zeitraum von 30 Jahren der Studie. Sie sagte auch, dass der Trend nicht durch eine übermäßige Berichterstattung über Pressemitteilungen gegen das Klima im wirtschaftsfreundlichen Wall Street Journal erklärt werden könne. Behauptungen, dass Schritte zur Eindämmung der CO2-Emissionen zu kostspielig wären oder beispielsweise die Unabhängigkeit der USA im Energiebereich untergraben würden, fanden auch in der liberal ausgerichteten New York Times Anklang.


    Da die Klimaverweigerung aus der Mode kommt, hat die sogenannte "Klimaverzögerung" einen Teil ihres Platzes in Anspruch genommen. Dies ist der Fall, wenn die Menschen die Realität des Klimawandels anerkennen, aber versuchen, große Anstrengungen zu unternehmen, um ihn anzugehen, indem sie manchmal die Verantwortung für die Klimakrise auf die Verbraucher umleiten und die Nachteile dringender Maßnahmen hervorheben.


    Wetts suchte in Pressemitteilungen nach Klimaverweigerung und Verzögerung - alles, was gegen Klimaschutz sprach - unabhängig davon, ob sie die Wissenschaft akzeptierten.


    "Vielleicht decken die Leute Klimaleugner etwas weniger ab", sagte Wetts, "aber dann ersetzen sie stattdessen andere konservative Stimmen. Sie sprechen von Menschen, die aus einem anderen Grund gegen Klimaschutz sind, als die Wissenschaft zu leugnen. "


    Jennifer Marlon, eine leitende Forscherin am Yale-Programm zur Kommunikation über den Klimawandel, gab zu, dass sich das Medienumfeld seit Mitte der 2010er Jahre verändert hat - insbesondere die New York Times hat ihre Klimaberichterstattung verstärkt -, vermutet jedoch, dass das falsche Gleichgewicht weiterhin Einfluss hat das nationale Gespräch. Zum Beispiel könnten Zeitungen Gegner von Klimaschutzmaßnahmen besser kontextualisieren und erklären, dass ihre Ansichten außerhalb des Mainstreams liegen. "Aber diese Argumente sind immer noch da draußen und spielen eine große Rolle", sagte Marlon.


    Wetts forderte die Forscher auf, die Auswirkungen von Medienversatz auf die öffentliche Ordnung zu untersuchen. Die von den Medien verstärkten Botschaften "können den politischen Willen dämpfen, gegen den Klimawandel vorzugehen", sagte sie in einer Erklärung, "mit potenziell schwerwiegenden Konsequenzen dafür, wie wir als Gesellschaft dieses Problem angehen oder nicht angehen."



    Die Studie


    https://academic.oup.com/sf/ar…8?redirectedFrom=fulltext



    Models and Morals: Elite-Oriented and Value-Neutral Discourse Dominates American Organizations’ Framings of Climate Change

    Rachel Wetts


    ABSTRACT

    Is climate change discourse highly politicized and divisive, or has the debate instead become “post-political,” oriented around consensus, problem-solving and administrative management? Adjudicating this debate is important for pragmatic and theoretical reasons. Pragmatically, these divergent characterizations suggest different barriers climate discourse might pose for engaging public concern and citizen mobilization. Theoretically, these characterizations provide different understandings of how elites respond to structural crisis. Using automated text analysis to describe a large corpus of organizations’ press releases about climate change from 1985 to 2013 (N = 1,768), I find that this discourse has been largely expert-oriented and technocratic, neglecting concerns of values and identity widely believed to be important for social movement mobilization. Organizations predominantly frame climate change as a problem that, while real and serious, is best handled through the careful and deliberate work of scientific, political, and economic elites. Surprisingly, these observations remain true even among advocacy organizations. These findings provide empirical support that a “post-political” framing of climate change, where the issue is discussed in a way that neutralizes social and political power dynamics, dominates American organizations’ official pronouncements about climate change. To the extent that earlier scholars are correct that conflict-oriented discursive strategies—such as identification of a common antagonist—are effective at rousing public concern, this discourse is unlikely to mobilize strong public emotion and activism.



    ABSTRAKT

    Ist der Diskurs über den Klimawandel stark politisiert und spaltend oder ist die Debatte stattdessen „postpolitisch“ geworden und auf Konsens, Problemlösung und Verwaltungsmanagement ausgerichtet? Die Beurteilung dieser Debatte ist aus pragmatischen und theoretischen Gründen wichtig. Pragmatisch gesehen deuten diese unterschiedlichen Charakterisierungen darauf hin, dass der Klimadiskurs unterschiedliche Hindernisse für die öffentliche Besorgnis und die Mobilisierung der Bürger darstellen könnte. Theoretisch liefern diese Charakterisierungen unterschiedliche Erkenntnisse darüber, wie Eliten auf strukturelle Krisen reagieren. Mithilfe der automatisierten Textanalyse zur Beschreibung eines großen Korpus von Pressemitteilungen von Organisationen zum Klimawandel von 1985 bis 2013 (N = 1.768) stelle ich fest, dass dieser Diskurs weitgehend fachlich orientiert und technokratisch war und Bedenken hinsichtlich Werten und Identität vernachlässigte, von denen allgemein angenommen wird wichtig für die Mobilisierung sozialer Bewegungen sein. Organisationen betrachten den Klimawandel vorwiegend als ein Problem, das zwar real und ernst ist, aber am besten durch die sorgfältige und bewusste Arbeit wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Eliten gelöst werden kann. Überraschenderweise gelten diese Beobachtungen auch unter Interessenvertretungsorganisationen. Diese Ergebnisse liefern empirische Belege dafür, dass ein „postpolitischer“ Rahmen des Klimawandels, in dem das Thema auf eine Weise diskutiert wird, die die soziale und politische Machtdynamik neutralisiert, die offiziellen Erklärungen amerikanischer Organisationen zum Klimawandel dominiert. In dem Maße, in dem frühere Wissenschaftler Recht haben, dass konfliktorientierte diskursive Strategien - wie die Identifizierung eines gemeinsamen Antagonisten - die Besorgnis der Öffentlichkeit wecken, ist es unwahrscheinlich, dass dieser Diskurs starke öffentliche Emotionen und Aktivismus mobilisiert.

  • „Haltung sticht Ahnung oder?“


    Na ja, zumindest vergrabe ich nicht meinen Text im Zitat des Vorredners. Wo gedenkt Frau Wendland ihren Atommüll zu verbuddeln? Im Wendland?


    Du hast das Interview gehört, die Endlagerung war doch sicher Thema. Oder?

  • Du blickst das nicht mit der Zitierfunktion, @Cle . Was blickst du überhaupt?


    Ich distanziere mich jedenfalls ausdrücklich von dem Zitat, was mir da von dir untergeschoben wurde.

  • Stimmt. Danke für den netten Hinweis dass ich die Zitierfunktion falsch nutze. Liegt daran, dass es keine Antworten Funktion gibt und ich sie dafür benutzt habe.


    Darüber hinaus blicke ich scheinbar immerhin so viel, dass ich dich nicht von der Seite anmachen muss und auch keine Wissenschaftler beleidige sondern Argumente habe. Fällt dir was auf?

  • @Cle

    Na, geht doch mit dem Antworten.


    Du machst hier in Fettdruck Werbung für Atomenergie und ich finde das Kacke. Und zwar beides, den Fettdruck und die Werbung, und habe dementsprechend meine Meinung mittels Emoji zum Ausdruck gebracht.


    Was denkst du, sollen wir das vertiefen? Argumente austauschen und so? Meinen grundsätzlichen Einwand gegen AKW habe ich vorgebracht, du hast dem nichts entgegenzusetzen als irgendwas mit Klima. Das probiert die AKW-Lobby seit den Achzigern (James Hanson sagt dir was?), also besonders originell ist das nicht.


    Lassen wir‘s. Du hast recht und ich meine Ruhe.

  • Ich finde den Einwand mit der Atomenergie eigentlich ganz interessant. Habe mal deren Basisgleichungen durchgerechnet und ja, in gewisser Weise haben sie Recht. Dennoch finde ich ein Konzept, wie es Bill Gates vorschlägt auf neue Reaktortypen zu setzen wichtiger. Deutsche Meiler sind zu störungsanfällig. Um das Klima zu retten wäre es tatsächlich gut eher langsam aus Atom und schnell aus der Kohle auszusteigen. Dann muss man aber auch sagen: Raus aus Atom und 100% Erneuerbar.

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