Beiträge von Danton 1.1

    Übrigens, wenn das Gemüse überhaupt gewachsen ist, ohne gasabhängige Düngerproduktion.

    MWh meinte ich natürlich, also 50ct./kWh. Das können wir im Winter ohne Probleme sehen…halt je nach Wetterlage. Und trotzdem gibt es von der DuH, vom DIW, etc. die Aussage, dass wir das Gas gar nicht brauchen… ich weiß nicht, was da los ist. Man kann derartige Prognosen und Studien nicht aus einem ideologischen Impuls heraus anfertigen und sich als vermeintlich objektiver „Wissenschaftler“ dazu äußern. Das ist doch völlig unredlich.

    Na, ich denke das ist Teil des Theaters, um dem Eindruck entgegenzuwirken, Deutschland würde sich russischen Forderungen beugen. Die USA haben die Pipeline doch längst abgenickt.

    Anders herum gedacht könnte es auch Theater auf US-Seite sein, weil sie wissen, dass die EU-Gasrichtlinie die Pipeline bereits hinreichend behindert und es keinerlei Drohungen mehr bedarf…

    Die Sache ist, die Bundesnetzagentur wird nicht den Eindruck entstehen lassen wollen, dass sie unter Druck handelt. Die EU-Kommission kann sich das noch weniger leisten, weil sie die Interessen der Mitgliedsstaaten gleichermaßen im Blick behalten soll, gerade gegenüber den Polen vor dem Hintergrund des Streits um die rechtstaatlichen Standards. Eine beschleunigte Zulassung ist meines Erachtens nicht drin und ich denke das ist auch den Russen klar.


    Nord Stream 2 wäre nur unverzichtbar, wenn sie mehr Gaslieferungen tatsächlich an die Zulassung knüpfen, ansonsten ist über Weißrussland und Polen Kapazität offen, kommt ebenso aus Jamal. Warum Gazprom aber offenbar auch im November nach Kapazitätsbuchung zu schließen, erstmal kein großes zusätzliches Gasvolumen liefern wird, liegt aus meiner Sicht daran, dass der Kreml nicht bereit ist, den Spotmarkt zu bedienen. Das ist deren rote Linie. Zwar lassen sie da Geld liegen, aber das wird dennoch als Entgegenkommen ohne Gegenleistung gesehen.


    Die Frage ist eigentlich nur, ob jetzt gerade über eine angemessene Gegenleistung zwischen EU-Ländern und Russland verhandelt wird.

    Nein, der Kreml ist offenbar nur über Nordstream2 bereit den Spotmarkt zu bedienen. Und jetzt stell Dir mal folgendes Szenario vor; Mitte Dezember wird klar, dass sich weiterhin keine zonale Wetterlage einstellt, sondern, im Gegenteil, ein Ausbruch arktischer Luftmassen für Anfang Januar; eine Woche lang 3-5Grad unter Normal, an manchen Orten bis zu minus 15Grad. Auch da bucht Gazprom keine zusätzlichen Kapazitäten. Gleichzeitig wird zum Jahreswechsel festgestellt, dass noch weniger ankommt (neues Quartal, neue Vertragsmengen). Was meinst Du, was dann los ist? Die Preise am Energiemarkt sind mehr oder weniger nach oben offen. Ich habe kein Verständnis für solche Eitelkeiten (der Eindruck, dass wir Druck nachgaben darf nicht entstehen). Was meinst Du was Gemüse im März kosten wird, wenn die kWh 500€ im Strom kostet? Wieviele Energieversorger werden dann noch, bzw. bis dahin Pleite gehen? Ich verstehe diese Ruhe nicht mehr.

    Mal ein Update zur „Energiekrise“ bzw. „Preiskrise“; Aktuell scheint sich der Gaspreis im TTF (europäischer Leitindex) und JKM (asiatischer Leitindex) auf 100€/MWh einzupendeln, was unsere Energieversorger vor echte Probleme stellt. Der „übliche“ Preis lag halt bei 20€/MWh. Im Strom sehen wir eine ähnliche Entwicklung, wobei bei derartig hohen Gaspreisen plötzlich wieder Kohlekraftwerke eine Renaissance erleben und die Strompreise eher beim vier- als beim fünffachen Niveau halten. Man hat das Gefühl, dass man seitens der Politik einfach auf einen milden, windigen Winter hofft, getreu dem Motto: „et hätt noch immer jot jejange“. Das kann sich als fatale Fehleinschätzung herausstellen und man wird bei kalten Wettervorhersagen noch doppelt so hohe Preisniveaus als derzeit bestaunen können. Man wird auf Putin schimpfen, aber das ist natürlich zu einfach und wird außerdem dann niemanden mehr helfen. Fakt ist: Bei einem Winter wie dem letzten reichen die Gasspeicher kaum aus und werden bis an den Rand leer gefahren. Zudem werden wir dank der hohen Kohlekraftwerkslaufzeit unsere Klimaziele mehr als krachend verfehlen. Was ich mich an der Stelle frage: Ist Geopolitik der EU, aber auch Deutschland und nicht zuletzt den Grünen, wirklich wichtiger als Klimapolitik oder gar Versorgungssicherheit? Es scheint so zu sein. Nord Stream 2 ist das Projekt an dem gerade alles hängt. Man kann es aus klimapolitischen Aspekten durchaus kritisieren, jedoch ist es für eine Beerdigung nun doch etwas zu spät. Wenn die EU/DEU den Transit über die Ukraine gewollt hätte, hätte man früher darauf hinwirken müssen. Man hätte schon vor der Planung der Pipeline Signale Richtung Gazprom senden müssen, dass eine 2. Nord Stream unerwünscht ist und der Ukraine finanzielle Mittel an die Hand geben müssen, damit die bisherige Pipeline modernisiert wird. Man hätte auch Gazprom bei den Transitgebühren entgegen kommen müssen, aber so wie es jetzt aussieht, scheint mir die EU (inkl. Pipelinegegner) vollkommen widersprüchlich und unseriös zu argumentieren. Man kann nicht einfach einem 10mrd.-Dollarprojekt nachträglich einen anderen Rechtsrahmen geben (2019- EU-Gasrichtlinie) in der Hoffnung, dass die Pipeline entweder nie in Betrieb genommen oder der Kontrolle deutscher Behörden übergeben wird und dann herum lamentieren, wenn der Betreiber seine schon lange bekannte Marktmacht ausnutzt um nach den alten Rechtsrahmen über die neue Pipeline liefern zu können.

    Gefährlich ist mittlerweile der Umstand, dass keiner von beiden ohne Gesichtsverlust diese Krise mehr lösen kann. Einzig ein aufhebendes Urteil des EUGH wäre vielleicht noch ein Ausweg, aber ansonsten muss bei einem kalten Winter die EU nachgeben oder Gazprom akzeptiert dieses Gesetz (was ich mir überhaupt nicht vorstellen kann). Sollte es eskalieren und Gazprom zur Einschätzung gelangen, dass sich auf einem derartig hohen Preisniveau auch ohne NordStream2 genug Geld verdienen lässt, können wir unsere bisherige Klimaschutzstrategie vergessen. Diese sah schließlich einen massiven Ausbau der erneuerbaren Energien vor in Verbindung mit ausbalancierenden Gaskraftwerken (die anders Atom- und Kohle je nach Wind und Sonne schnell hoch und wieder herunter gefahren werden können). Was ich schon immer befürchtet habe, scheint nun schneller einzutreten, als ich es mir jemals vorstellen konnte; wir werden Probleme mit unserer Energieversorgung bekommen.

    Das Thema wird je nach Wetter den ganzen Winter über bleiben. Bald gehen auch bei uns die Briefe raus, die eine spürbare Preiserhöhung vorsehen und schon im November könnten die Nachrichten voll sein mit Meldungen über den „Preishammer“. Es könnte die erste richtige Krise der neuen Koalition werden…. Man wird die Pipeline in Betrieb nehmen müssen und Klimaschutzorganisationen werden sich von den Grünen verraten fühlen. Man vereinfacht einfach zu viel. Man müsste erklären, zuhören und abwägen anstatt polemische Kommentare auszutauschen. Das ist wirklich das größte Problem, was ich mit dieser ganzen Debatte so habe.

    Wow! Einfach Wow! Bin gerade zu sehr durch den Wind gewesen um mal Zeit auf einer Zugfahrt zu finden…

    Ich glaube, dass man eines Tages vielleicht doch mal dahin kommt der entgegengesetzten Meinung, zu Gunsten eines aufgeschriebenen Diskurses, grundsätzlich einen Wert beizumessen. Es ist nicht langweilig das hier zu verfolgen, allerdings verstehe ich nicht, warum man sich nicht grundsätzlich etwas respektvoller begegnen kann. Hier ist soviel Intelligenz und Potenzial. Ich hätte sogar richtig Lust Euch mal in einer echten Kneipe zu treffen… auch wenn ich mich hier selber mal im Ton vergriffen habe.

    Also: Das hier ist das intelligenteste Forum, das ich kenne. Verliert bitte nicht den Respekt voreinander.

    Die ganzen Sanktionen gegen Russland zahlt man irgendwann selbst zurück, immer.


    Europa drängt Russland den Gas-Durchfluss durch die Ukraine zu erhöhen, Putin sagte eben, das alte Pipeline-System liege bei 80% Belastung und "wenn man Pech hat" könnte die ganze Route ausfallen - Russland spielt auf unserer Außen/Energiepolitik wie auf einer Kinderflöte - die Hilflosigkeit im Westen ist erschreckend. Ist auch erschreckend das Europa keine langfristigen partnerschaftlichen Strategien hat und statt dessen abwechselnd manisch oder depressiv reagiert und dann noch schmollend Hilfe vom sogenannten Feind einfordert...

    So ist es!!

    Ich glaube ja weiterhin nicht, dass es an Nord Stream 2 hängt. Insofern könnten wir doch mal auf die Eröffnung wetten. Alles zwischen morgen und nie. Ich würde sagen sie bekommen eine Betriebsgenehmigung Mitte Dezember (dieses Jahr, natürlich).

    Unter der Voraussetzung, dass es weiter eskaliert und die Wettervorhersagen Richtung kalten Winter gehen, kann ich mir das mittlerweile durchaus vorstellen. Ansonsten bin ich skeptisch. Ich hab seit gut 1,5Jahren Wetten laufen, dass die Pipeline nicht in Betrieb geht.

    Sollte die Ampel kommen, wird es nochmal schwerer. Ich glaube einfach bei unseren Politikern ist das Problem noch nicht so richtig angekommen. Die hoffen vielleicht auch einfach auf einen milden Winter in Vogel-Strauß-Manier.

    Winter is Coming… daran dachte ich auch schon ^^

    Ja, ich hatte den Kommentar auch gehört und nur den Kopf geschüttelt. Bald werden sich mal alle ganz schön wundern. Also... keine Ahnung was der so raucht, aber wenn Stahl- und Aluminiumbetriebe oder Heidelberg-Zement andeuten, dass Sie dann mal die Produktionen schließen, dann heißt das, dass neue Probleme auf uns zukommen. Ich weiß nicht was diese Regierung gerade tut?! Die müssen einfach zum Hörer greifen, die Nummer der BNetzA wählen und um ein Gespräch über eine "vorläufige Inbetriebnahme" von Nord Stream 2 bitten. Dann ist der Spuk vorbei, das wars.... aber nööööö, man möchte den Russen lieber noch ein bisschen ärgern, den einen oder anderen Energieversorger Pleite gehen sehen und vielleicht noch die ein oder andere Werkschließung in Europa erleben. Hauptsache ist: "Man kauft nicht beim Russen!"

    Idioten, Vollidioten!

    Gut so, wie Marie Antoinette schon so schön gesagt hat, „Wenn sie sich kein Gas oder Strom leisten können, dann sollen sie doch neue energiesparende Geräte und Heizungen installieren! “


    Faceplam Picard, Riker and Alien.


    "Arbeit ist die wärmste Jacke!" :P


    Bildvorschläge?


    Plakatidee für die Eon

    Auf die Idee, dass die Macht genauso genutzt wird, dass es zum jetzigen Problem kommt, weil die ihre Macht falsch einsetzen... kommst Du nicht?


    ...


    Aber Du stellst die Behauptung auf, die Politiker wüssten eigentlich, wie es "richtig" geht, hätten nur keine Macht, sich durchzusetzen. Ich glaube dagegen... sie wissen gar nicht, oder noch besser - sie WOLLEN teilweise gar nicht wissen, was für ein Quatsch ihnen ihre Suffleusen in die Köpfe setzen.

    Naja... also wenn ich jetzt mal so in groben Zügen die Energiepolitik der nächsten 10 bis 15 Jahre nach allen erdenklichen Verlautbarungen beschreiben müsste, würde ich sagen, der Plan war bisher:


    Erneuerbare so schnell wie möglich ausbauen, vor allem Wind und Solar und das Ganze dann mit flexiblen (Erd-)Gaskraftwerken ausbalancieren. (Nebenbei Wasserstoffkapazitäten aufbauen und im Zweifel dem Erdgas beimischen) + Ausstieg aus Kohle und Atom


    Das hat jeder Verstanden und erschien halbwegs machbar. Dann muss man allerdings auch dafür sorgen, dass Erdgas in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht. Wenn man das nicht macht, kann man weder Kohle- noch Atomkraft abschalten. Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass auf Grund der sehr trägen technischen Fahrweise bei Windspitzen bspw. derartige Überkapazitäten entstehen, dass abgeriegelt werden muss. Es ist völlig BallaBalla wie hier mit dem wichtigsten Energielieferanten für Erdgas umgesprungen wird! Ohne Erdgas braucht es eine völlig neue "Vision" wie denn die Energiewende in welcher Reihenfolge vonstatten gehen soll.


    Es ist hier immer die Rede davon, dass Russlands Ruf als Energielieferant auf dem Spiel stände. Ich sehe das eher umgekehrt, Europas Ruf als Handelspartner steht auf dem Spiel, wenn wir bei solch entscheidenden Dingen erstmal das "okey" aus Washington brauchen. Wieso sind wir nicht in der Lage so simpel und pragmatisch wie möglich vorzugehen? Und da weiß ich jetzt auch nicht mehr ob das wirklich "Absicht" ist oder einfach nur saudämlich?! Was glauben denn die Europäer was Russland nach dieser Nummer für Schlüsse zieht? Die können zu dem Ergebnis kommen, dass Europas Politiker im Zweifel lieber Geopolitik betreiben als Wirtschafts-, Energie- oder Klimapolitik. Dann werden die sich sagen: "Wir brauchen vielleicht neue Geschäftspartner, die ebenfalls Interesse an unserem Erdgas haben könnten." Also mir fallen da jetzt eine Menge Geschäftspartner ein. Und wir können uns dann, angewiesen auf ein paar LNG-Frachter, unsere gesamte Wirtschafts-, Energie, oder Klimapolitik in den Hintern schieben. Da wird China dann deutlich bessere Produktionsbedingungen dank russischem Erdgas geboten bekommen haben.


    Vielleicht hast Du also recht: Es geht nicht um Machtlosigkeit oder fehlendem Mut. Es geht vielleicht nur darum, das die kognitiven Fähigkeiten unserer Entscheidungsträger nicht ganz so gut ausgeprägt sind. Wenn dann noch Arroganz dazu kommt ist die Katastrophe wirklich perfekt!

    Geil! 75 ist das Neue 70. So in etwa müssen sich die letzten Jahre der DDR angefühlt haben.


    Zur Erklärung: Seit Tagen blicken alle Beteiligten mit Sorge auf den Gasspeicherstand:




    Quelle: https://agsi.gie.eu/#/historical/DE



    Natürlich schaue ich da auch drauf und ging heute morgen davon aus, dass dieser Fehler behoben wird. Jetzt lese ich diesen Artikel (Zeit) und bin sehr "beeindruckt". Man erklärt jetzt also die gleiche eingespeicherte Gasmenge seien nicht mehr 70% sondern 75%... vielleicht weil man bestimmte Speicher gar nicht mehr mitzählt? Krass, krass, krass. Die Energiepolitik, die hier betrieben wird, ist einfach nur noch rein semantischer Natur. Irre! Absolut irre! Aber nun die gute Nachricht: so wie es aussieht kriegen wir bis weit in den November hinein milde Temperaturen. Und wenn man dann noch ein paar Gasspeicher weniger mitzählt kommen wir vielleicht noch auf 110% Planübererfüllung.


    Hier der Artikel falls Paywall:

    Europäische Union_ EU-Kommission erwägt gemeinsamen Gaseinkauf _ ZEIT ONLINE.pdf

    Und könnt ihr das übernommene Risiko packen? Auf den ersten Blick klingt das für mich nach Domino spielen.

    Werden jetzt halt Mondpreise für unseren Landrat, aber das muss letzten Endes der Geschäftsführer entscheiden und wenn nicht muss der Landrätin mal mindestens erklärt werden, dass wir ihr da sehr entgegenkamen. Könnte an anderer Stelle noch hilfreich sein.

    Aber klar. Zurzeit ist es nicht einfach. Wir haben gerade weder im Gas, noch im Strom irgendetwas übrig, sondern eher jetzt schon zu wenig. Einstellige Prozente, aber deutlich sechsstellige Beträge bei den Marktpreisen. Das kommende Jahr sieht dafür bislang sehr gut aus.

    Domino trifft es ganz gut. Da wird noch mehr kommen. Die Krise ist brutal. Einzig die Aussicht auf Wind und mildere Temperaturen gibt mir gerade Hoffnung.

    Gibt's beim Gas eine Analogie zur Grundversorgungspflicht beim Strom?

    Ja, gibt es. FunFact; alle Abnahmestellen unseres Landratsamts fallen ab morgen in die Grundversorgung, also in unsere Versorgung. Kindergärten, Schulen, Verwaltungsgebäude etc. Die haben vor 2 Jahren eine Ausschreibung (waren sie gesetzlich zu verpflichtet) gemacht bei der irgendein Billiganbieter auf den Spotpreis zockte. Das wird jetzt immer mehr.

    Ich schätze mal EON zog auch deshalb dicht. Die sind nämlich ein ziemlich großer Grundversorger und denen dämmert jetzt langsam was auf sie zukommt. Eine richtige Pleitewelle diversester Energieversorger. Mein Tipp ist am Ende YELLO.

    Macht und Mut um was zu tun?

    Macht in Bezug auf Führung. Ein*e, in meinen Augen, mächtige*r Staatsmann/Frau würde es gar nicht soweit kommen lassen, dass sich innerhalb von wenigen Wochen Energiepreise vervielfachen. Ich sehe darin wirklich ein Scheitern und vor allem Machtlosigkeit.


    Mut in Bezug darauf, dieses Scheitern auch einzugestehen. Heute laufen wieder alle möglichen Kohlekraftwerke, die fast doppelt soviel CO2 emittieren wie Gaskraftwerke und zudem völlig unflexibel vor sich hintuckern. Man müsste sich als Politker*in jetzt vor eine Kamera stellen und sagen: "Liebe, Bürger, wir haben in der Vergangenheit viele Fehler gemacht. Der 1. und wichtigste Fehler war der mangelhafte Ausbau der erneuerbaren Energien samt Speicheranbindung. Der 2. Fehler war, dass wir glaubten über Wettbewerb am Energiemarkt eine Situation herzustellen in der die Energiewende besser möglich ist als ohne Wettbewerb. Auch hier lagen wir falsch. Der 3. Fehler war geopolitische Interessen vor die Versorgungssicherheit Europas zu stellen und eine sich längst im Bau befindliche Pipeline des russischen Gasunternehmens Gazprom zu sabotieren. Der 4. Fehler war, dass wir uns eher in Ankündigungen zur Energiewende, als mit der Ausarbeitung einer konsistenten Strategie beschäftigt haben....."


    Also... in meinen Augen ist die komplette EU-Klimapolitik mit dieser Krise komplett gescheitert. Das Problem ist, dass sie Bürger, Unternehmen und Energieversorger im Grunde nur noch damit helfen kann diese verdammte Pipeline zu öffnen. Ob jetzt der Wegfall der EEG-Umlage wirklich hilft, glaube ich gar nicht mehr. 65€ pro MWh kann der Markt innerhalb einer Woche zulegen, wenn bspw. für Januar kalte Temperaturen vorhergesagt werden und windstille Tage. Dann wäre nämlich ohne zusätzliche Gasmengen klar, dass die Gasspeicher nach dem Winter noch leerer sein werden als im vorangegangenen. Wenn dann immer noch nicht klar ist vorher eigentlich bezahlbares Erdgas kommen soll, befinden wir uns in einer Endlosschleife in der solange höhere Preise aufgerufen werden, bis klar ist, dass die Nachfrage schrumpft und Angebot und Nachfrage wieder ausgeglichen sind. Und schrumpfende Nachfrage sehe ich nur dann, wenn große Energieabnehmer den Laden dicht machen. Man kann das als einen erwünschten und längst überfälligen Transformationsprozess begreifen. Ich glaube allerdings, dass das der Anfang vom Ende einer grünen Energiepolitik wäre. Derart hohe Energiepreise, wie die jetzt bald drohen, haben ein revolutionäres Potential. Aber diese Revolution wäre keine linke, sondern eine ziemlich rechte....



    EDIT:


    Ich meine, wenn Du seit heute, als Privatperson, mit EON keinen Gasvertrag mehr abschließen kannst, dann muss Dir doch irgendwie klar sein, dass hier ganz gewaltig etwas schief läuft!

    Seit Putins Ansage ist der Markt schon relativ deutlich zurückgekommen und stagniert seitdem auf einem noch immer extrem hohen Niveau (85€/MWh im Gas , normal waren 19€/MWh). Dem endsprechend sieht es im Strom ganz ähnlich aus (200€/MWh anstatt 40€/MWh). Vorher waren die Preise kurzzeitig schon bei 160€/MWh im Gas.... Da war die Kacke halt so richtig am dampfen.


    Man verlässt sich gerade auf die Ankündigung, dass ab November deutlich mehr geliefert wird. Ich denke allerdings, dass die kleinste Enttäuschung seitens der Russen oder kalte Wetterläufe die Situation erneut hochkochen lässt. Von unseren Politikern hört man dazu GAR NICHTS, es sei denn man gibt Putin persönlich die Schuld. Noch nie habe ich so klar und so deutlich gesehen wie wenig Macht, wie wenig Mut und wie wenig Einsicht unsere Staatenlenker eigentlich haben. Diese Ignoranz nimmt mir den Atem. Man kann es normalerweise in einem Industrieland schlicht und einfach nicht zulassen, dass sich die Energiepreise innerhalb weniger Wochen verfünffachen. So etwas ist für eine industrielastige Wirtschaft wie der unsrigen tödliches Gift. Aber ich höre von keinem Lösungsansatz, der jedoch klar aufgezeigt wird; "Genehmigt Nord Stream 2."


    Offenbar fühlt sich die EU hier etwas erpresst. (Was mir natürlich völlig egal ist. Solche Befindlichkeiten haben beim Ausmaß dieser Krise ja eher hinten anzustehen!) Und dabei hat sich die EU selber in diese Situation gebracht. Man kann eben einem 10 Mrd.€-Projekt kurz vor der Fertigstellung keiner neuen rechtlichen Rahmenbedingung (EU-Gasrichtlinie 2019) unterwerfen, nur weil Trump mal Launen bekam und sich hinterher noch im Recht fühlen. Sich jetzt in Schuldzuweisungen Russland gegenüber zu ergehen und über den LNG-Preis Asien gleich mit in die Scheiße zu reiten, ist schon ein ganz besonderes Kunststück, welches unsere EU-Kommission und nun die BNetzA hier vollbringt. Ich weiß nicht wie man auf der einen Seite sich selber so derart wichtig nehmen kann und auf der anderen Seite das Ausmaß der Krise einfach weg zu schweigen.


    Gestern wurde bei "Hart aber fair" derart viel Blech geredet, dass ich vor Schock darüber wie lächerlich wenig Kenntnis und Ahnung zum Thema die NRW-Landesvorsitzende der Grünen (Mona Neubauer) hier Preis gab, kaum in den Schlaf kam. Sie hat dem Problem geradezu explodierender Energiepreise ihre Hoffnung entgegengehalten, dass die 900 kommunalen Stadtwerke diese Preise vielleicht gar nicht weitergeben. Na klar Mona! Wir fühlen uns gerade total wohl damit mit unseren derzeit gültigen Tarifen (die halt nur 1mal jährlich angepasst werden) gut 30% besser als Eon oder Vattenfall zu sein! Wir hätten jetzt richtig Lust darauf so einen Billigheimer, wie Hermann-Josef Tenhagen (war auch in der Sendung) zu uns zu locken, damit wir dann am Spotmarkt für seine zusätzlichen Mengen drauflegen und dann, wenn wir etwas an ihm verdienen könnten die Kündigung präsentiert zu bekommen. Allein wegen solcher Typen machen wir genau DAS nicht. Natürlich werden ALLE, liebe Mona, die Preise deutlich anheben. Mal gucken ob Du das Problem dann irgendwann mal in Deiner Partei für gesprächsbedürftig genug einschätzt.


    Ich gebe zu die Grünen tatsächlich per Erststimme gewählt zu haben. Noch nie habe ich eine Stimmabgabe derart bereut. Diese Partei wird nicht in der Lage sein dieses Problem zu lösen. Das garantiere ich heute schon. Sie müsste tatsächlich dazu bereit sein pragmatische Wege zu gehen, ansonsten werden sich all diejenigen, die zuvor schon von einer unbezahlbaren Energiewende sprachen nur noch bestätigt fühlen. Man darf in dieser Situation, die ich für brandgefährlich halte, nicht FFF hinterherrennen, sondern muss realpolitisch agieren, sonst gibt es in wenigen Monaten schon Aufstände. (wenn nicht hier, dann woanders in Europa)