Ja keine Ahnung ob sie das selbst dann auch so akzeptieren würden. Ich glaube unseren deutschen Expertinnen, die mir täglich erzählen, dass der Russe nur unter horrenden Verlusten wenige Meter pro Tag voran komme, und deshalb (schon seit zwei Jahren) kurz vor dem Zusammenbruch stehe jedenfalls nicht, dass sie damit ein realistisches Bild der Lage an der Front vermitteln. Aber umsonst bekommen Putin und seine Gang das natürlich auch nicht alles, und entgegen so mancher Darstellung des Autokraten als schlimmstem Hitler seit Hitler, schätze ich Putin nicht so ein, dass ihm die Stimmung in der eigenen Bevölkerung bei steigenden Kriegskosten völlig egal ist.
Der Punkt den ich machen wollte war eigentlich, dass die Russen vermutlich davon ausgehen, dass dieser Plan von Selenskyj und "Uns" so nicht akzeptiert werden würde. Und Selenskyjs gestrige PR-Aktivitäten auf TwiX, wo ihm - ganz spontan uns bestimmt nicht untereinander abgesprochen - in kurzer Folge ein europäischer Führer nach dem anderen seine Solidarität bekundete, und das Publikum darauf hinwies, dass natürlich nicht ohne DieUkraine™ über die Ukraine verhandelt werden könne, scheint meinen Verdacht zu bestätigen.
De facto wird das vermutlich bedeuten, dass jetzt wieder wilde transatlantische Reisetätigkeit stattfinden und versucht werden wird, Trumps Ultimatum bis nächsten Donnerstag entweder zu verlängern, oder ihn zu weiteren Verhandlungen - dieses mal aber bitte unter Einbeziehung der Ukrainer und der Europäer - umzsutimmen.
Da man bei Trump unmöglich vorhersagen kann, ob das wirken, und was es dann für Auswirkungen haben wird, ist das also Zeit, in der die Russen weiter - und zunehmend schneller - Richtung Westen (bzw. Norden) marschieren und weiter ukrainische Infrastruktur zerstören können, um bei den am Ende irgendwann sicher nicht zu vermeidenden direkten Verhandlungen der russischen mit der ukrainischen Delegation noch mehr Zugeständnisse erpressen zu können.

Ich sehe gerade, dass Donetsk eigentlich auch noch nicht vollständig erobert wurde. Da würde den Russen also tatsächlich zumindest in etwa ein Viertel der ehemaligen abtrünnigen "Volksrepublik" zugestanden, das sie noch gar nicht kontrollieren.
Aber auch bei den beiden zusätzlichen, bisher nur bis etwa zu zwei Dritteln eroberten Oblasten geht's denen sicher nicht nur um "ein paar Quadratkilometer" (das sind im übrigen schon ein ganze Menge davon), sondern auch um den Umstand, dass Putin das ihm hörige russische Parlament etwas übermütig schon relativ zu Beginn der "militärischen Spezialoperation" dazu gebracht hat, die Annexion der vier Oblaste und der Krim in der Form festzuschreiben dass sie nun zu Russland gehören.
Das ist also nach russischem Verständnis (und nach der russischen Verfassung) nun ohnehin schon russisches Staatsgebiet, das immer noch teilweise von den Ukrainern besetzt wird. Das mag für uns hier absurd sein, aber wenn Putin darauf jetzt verzichten würde, käme er schon in Erklärungsnot gegenüber den Hardlinern in den eigenen Reihen, denen der Krieg sowieso nicht brutal genug geführt wurde.
Ich weiß natürlich nicht, wie man die militärische Lage in Moskau tatsächlich einschätzt, wie lange man dort glaubt, den Sanktionen noch standhalten zu können, oder was die Amerikaner eventuell noch alles an Geheimdiplomatie z.B. mit China betrieben haben, um mehr Druck auf Putin auszuüben.
Aber nach allem was mir an öffentlich zugänglichen Informationen so bekannt ist, halte ich es für unwahrscheinlich, dass diese 28 Punkte tatsächlich so von den Russen vorgeschlagen wurden, bzw. wenn dem wirklich so war, dann können sie eigentlich nicht geglaubt haben, dass sie damit so durchkommen, wie Trump sich das jetzt offenbar wünscht. Masalas Reaktion ist ja ebenso erwartbar wie exemplarisch für die helle Empörung unter den eruopäischen Wertepartnern.
Unterhändler Witkoff ist hingegen schon bekannt dafür, dass er bei seiner "diplomatischen" Hintergrundarbeit gerne mal unangenehme Sachverhalte schöner redet, oder sie so falsch versteht wie sie verstanden werden müssen um seinem launigen Imperator zu gefallen.