HANS JESSEN SHOW - Deine Politiksprechstunde

  • Anrufen kann ich nicht. Fragen hätte ich trotzdem an den GröVaZ.


    1.) Wie hoch ist denn mittlerweile der Anteil der Europa ParlamentarierInnen die nachweislich kriminell und/oder vorberstraft und/oder korrupt sind?

    Wie hoch ist der Anteil in der EVP?


    2.) Wie könnte man in Zukunft abstellen, dass Brüssel das Auffangbecken (bzw. die zweite Chance) für alle PolitikerInnen ist und bleibt welche auf nationaler Ebene durch Inkompetenz und/oder kriminelle und/oder illegitime Aktivitäten aufgefallen sind.


    3.) Lebt der Genosse Semsrott noch und gibt's noch Verbindungen zu DIE PARTEI?

  • Bei vier Themen fand ich Sonneborn schwach:


    1. Austritt von Nico Semsrott

    2. Innerparteiliche Kritik

    3. Impfen, u.a. Impfstoffe und Imfpung von Kindern

    4. Nord Stream 2


    Bei Nord Stream 2 führt er das geopolitische Argument ins Feld mit dessen Analyse er völlig recht hat. Dennoch macht seine moralische bzw. prinzipielle Entscheidung die Realität nicht besser, dass Nord Steam 2 nicht gut für den Klimaschutz sind, der eigentlich Priorität haben sollte.


    Ich schätze die aufklärerische Arbeit von Sonneborn mit satirischen Mitteln über politische Misstände, Korruption und den politischen Betrieb allgemein. Sie ist sehr gut! Schönes Beispiel für mich war die Direktkandidatur von Marco Bülow. Als eigentlich sehr beliebter Dortmunder Politiker hat er nun überhaupt keine Präsenz mehr, weil er bei den vermeintlich unseriösen Schmuddelkindern der Partei mitmacht.

  • Ich fand seine Äusserung zu Semsrott total nachvollziehbar. Er thematisiert das von sich aus nicht und wenn darauf angesprochen, äussert er seine Enttäuschung. Dass man bei der Art des Ausscheidens von Nico einfach so tut, als hätte seine Depression nichts damit zu tun, finde ich merkwürdig.


    Gleiches gilt für mich bei NS2. Wie wir in der letzten RegPK gelernt haben, spielt ein kurzfristiger Austritt vom Erdgas keine Rolle. Fracking-Gas aus den USA hat keinen klimarelevanten Benefit - eher das Gegenteil. Die ganze Nummer ist rein geopolitisch und da sollte man sich nicht für dumm verkaufen lassen. Die Ukraine ist kein verlässlicher Partner und die Boards der Energiefirmen dort ist gespickt mit US-Amerikanern. Hier sollte man aufhören so eindimensional zu denken, finde ich.


    Beim Impfthema und der Entscheidung, die Eltern hier für Ihre Kinder zu treffen haben, halte ich seine persönliche Unsicherheit auch für absolut nachvollziehbar. Die Daten geben einfach keine Sicherheit und keine absolute Notwendigkeit. Es will da auch nicht in meinen Kopf, warum ich meine Kinder impfen lassen sollte, nur um an anderer Stelle das Hamsterrad möglichst ungestört weiter rotieren zu lassen. Das halte ich nicht für verantwortungsvoll.

  • Dennoch macht seine moralische bzw. prinzipielle Entscheidung die Realität nicht besser, dass Nord Steam 2 nicht gut für den Klimaschutz sind, der eigentlich Priorität haben sollte.

    Das verstehe ich nicht so ganz. Ebenfalls Tilos Punkt, dass NS2 klimaschädigend und sinnlos sei, weil wir ohnehin den Bedarf an Gas bereits decken würden.


    Wenn das der Fall ist, fangen wir doch nicht einfach an wegen NS2 mehr Gas als notwendig zu importieren? Warum wird davon ausgegangen, dass NS2 eine zusätzliche Klimabelastung ist?


    Habe keine Aktien in NS2 oder der Gas-Technologie an sich - kann meinetwegen gerne früher als spät verschwinden, aber Tilos Nachbohren entlang dieser Argumente warf bei mir doch ein paar Fragen auf :?:

  • Gibts die Politiksprechstunde mit freien Themen nicht mehr?

    Hatte schon vor Wochen eine Anfrage (bzw Wunsch) per Email gestellt, aber bisher gabs keine Reaktion.

    "Das zwanzigste Jahrhundert war durch drei Entwicklungen von großer politischer Bedeutung gekennzeichnet: das Wachstum der Demokratie, das Wachstum der Unternehmensmacht und das Wachstum der Unternehmenspropaganda als Mittel zum Schutz der Unternehmensmacht vor der Demokratie." A. Carey

  • Mit etwas Verspätung möchte ich einen Gedanken formulieren, der sich mir aufdrängt hat, als Tilo und Precht über das Grundeinkommen "philosophiert" haben - der komischerweise nicht formuliert wurde bisher (obwohl er sich aufdrängt), und zwar einen Gedanken, der die Klima- und die Gerechtigkeitsdebatte vielleicht etwas näher zusammenbringt. - Zunächst ist zu sagen, daß Prechts Larifari-Forderung 1500€ Netto Grundgehalt und dann noch halbtags 1500€ Netto hinzuverdienen, sodaß man auf 3000€ Netto kommt, mir wirklichkeitsfremd vorkommt. Und was soll der Glückspilz, der quasi mit Nichtstun auf 3000€ kommt, mit der Kohle anfangen? - Soll er damit an unserer Glücks-Konsum-Antiklima-Gesellschaft teilhaben und teilnehmen, von der er bisher aus rein ökonomischen Gründen ausgeschlossen war? - Wäre es nicht - und das ist mein Gedanke - an der Zeit, die linken Forderungen nach Verteilungsgerechtigkeit mit den vollkommen berechtigten FfF-Forderungen Forderungen so zu verbinden, daß man nicht das niedrige ökonomische Niveau an die hohen Niveaus und Konsum-Niveaus heranführt, sondern daß man umgekehrt die hohen Niveaus hinabführt und angleicht an niedrigere Niveaus (irgendwo derzeit im Bereich 1000€ Netto pro Nase zzgl. Miete)? - Wenn wir aus Klimagründen einen Systemwandel brauchen, dann kann dieser nicht beinhalten, meine ich, daß die, die jetzt nix haben, später soviel haben, daß sie den Konsum ungebremst und unreflektiert weitertreiben! Stattdessen sollte das Ideal eines klimaneutralen Lebens beinhalten, daß einer wenig hat und trotzdem, obwohl er nicht mehr im Konsumrausch der letzten 50Jahre schwelgen kann, etwas mit seinem Leben anzufangen weiß. Mein Gedanke etwas plakativ auf die Spitze getrieben: Der Harzer sollte (in ökonomischer Hinsicht) das Erfolgs-Ideal sein, nicht der Multimillionär. Nur so ließen sich Verteilungsgerechtigkeit und Klima global zusammenführen, ist wenigstens meine Vermutung.

    Von Precht als Philosophen hätte ich mir in folgender Frage mehr erwartet, als sinnlose und überzogene ökonomische Forderungen zu formulieren - nämlich Antworten auf die Frage, wie ein Menschenleben ohne Konsum und ohne ökonomischen Reichtum reich, erfüllt und lebenswert sein kann. Können wir nur glücklich werden, wenn wir 3000€ Netto in der Tasche haben? - Das ist doch DIE Frage der Zeit, die sich (insbesondere im Zusammenhang mit der Idee eines Grundeinkommens) stellt, weil wir, wenn wir 1,5Grad erreichen wollen, nicht nur CO2 einsparen müssen, sondern viel Grundsätzlicheres verändern müssen in unserem Konsumverhalten, in unserem Lebensselbstverständnis, in unserer Weise, wie wir "Erfolg" und "Gelingen" definieren, was eine ganz andere als geldlastige Einstellung und Erfolgsdefinition zu einem gelingenden Leben voraussetzen würde. Von geistvollen Menschen erwarte ich in dieser Frage Antworten - und diese Antworten müssen wir finden, wenn das globale kapitalistische System ernsthaft überwunden werden soll, um das Klima retten zu können. Precht hat hier nichteinmal eine Idee formuliert.

  • Mit etwas Verspätung möchte ich einen Gedanken formulieren, der sich mir aufdrängt hat, als Tilo und Precht über das Grundeinkommen "philosophiert" haben - der komischerweise nicht formuliert wurde bisher (obwohl er sich aufdrängt), und zwar einen Gedanken, der die Klima- und die Gerechtigkeitsdebatte vielleicht etwas näher zusammenbringt. - Zunächst ist zu sagen, daß Prechts Larifari-Forderung 1500€ Netto Grundgehalt und dann noch halbtags 1500€ Netto hinzuverdienen, sodaß man auf 3000€ Netto kommt, mir wirklichkeitsfremd vorkommt. Und was soll der Glückspilz, der quasi mit Nichtstun auf 3000€ kommt, mit der Kohle anfangen? - Soll er damit an unserer Glücks-Konsum-Antiklima-Gesellschaft teilhaben und teilnehmen, von der er bisher aus rein ökonomischen Gründen ausgeschlossen war? - Wäre es nicht - und das ist mein Gedanke - an der Zeit, die linken Forderungen nach Verteilungsgerechtigkeit mit den vollkommen berechtigten FfF-Forderungen Forderungen so zu verbinden, daß man nicht das niedrige ökonomische Niveau an die hohen Niveaus und Konsum-Niveaus heranführt, sondern daß man umgekehrt die hohen Niveaus hinabführt und angleicht an niedrigere Niveaus (irgendwo derzeit im Bereich 1000€ Netto pro Nase zzgl. Miete)? - Wenn wir aus Klimagründen einen Systemwandel brauchen, dann kann dieser nicht beinhalten, meine ich, daß die, die jetzt nix haben, später soviel haben, daß sie den Konsum ungebremst und unreflektiert weitertreiben! Stattdessen sollte das Ideal eines klimaneutralen Lebens beinhalten, daß einer wenig hat und trotzdem, obwohl er nicht mehr im Konsumrausch der letzten 50Jahre schwelgen kann, etwas mit seinem Leben anzufangen weiß. Mein Gedanke etwas plakativ auf die Spitze getrieben: Der Harzer sollte (in ökonomischer Hinsicht) das Erfolgs-Ideal sein, nicht der Multimillionär. Nur so ließen sich Verteilungsgerechtigkeit und Klima global zusammenführen, ist wenigstens meine Vermutung.

    Von Precht als Philosophen hätte ich mir in folgender Frage mehr erwartet, als sinnlose und überzogene ökonomische Forderungen zu formulieren - nämlich Antworten auf die Frage, wie ein Menschenleben ohne Konsum und ohne ökonomischen Reichtum reich, erfüllt und lebenswert sein kann. Können wir nur glücklich werden, wenn wir 3000€ Netto in der Tasche haben? - Das ist doch DIE Frage der Zeit, die sich (insbesondere im Zusammenhang mit der Idee eines Grundeinkommens) stellt, weil wir, wenn wir 1,5Grad erreichen wollen, nicht nur CO2 einsparen müssen, sondern viel Grundsätzlicheres verändern müssen in unserem Konsumverhalten, in unserem Lebensselbstverständnis, in unserer Weise, wie wir "Erfolg" und "Gelingen" definieren, was eine ganz andere als geldlastige Einstellung und Erfolgsdefinition zu einem gelingenden Leben voraussetzen würde. Von geistvollen Menschen erwarte ich in dieser Frage Antworten - und diese Antworten müssen wir finden, wenn das globale kapitalistische System ernsthaft überwunden werden soll, um das Klima retten zu können. Precht hat hier nichteinmal eine Idee formuliert.

    Ich hab Dir darauf auch beim Grundeinkommens-Thema geantwortet aber warte sowieso gespannt darauf bis jemand bei Hans das Thema BGE anspricht :S also kommt hier jetzt nochmal die gleiche Antwort:
    Dein Wunsch die Klima & Gerechtigkeitsfrage zusammenzubringen findet sich in der Idee des ökologischen Grundeinkommens, beispielsweise ausformuliert von Ulrich Schachtschneider (der Text im Anhang ist jetzt schon ein paar Jahre alt - man findet sicher auch aktuelleres). Was hältst Du davon? Die (auf die Spitze getriebene) Forderung, dass der Harzer in ökonomischer Hinsicht das Vorbild sein sollte und das die einzige Möglichkeit ist ökologische und Klimagerechtigkeit zusammenzubringen, widerstrebt mir aus mindestens zwei Gründen:
    1: Der aktuelle Hartz-IV-Satz scheint mir aktuell oft doch viel zu niedrig zu sein und wirkt eher als Gängelung für Arbeitslose (und als Druckmittel damit die Schwelle um Jobs anzunehmen niedrig ist) denn als Sicherung des Existenzminimus. Ich finde das kann auch in ökonomischer Hinsicht nicht das Ziel sein. Es ist auch fraglich ob das für die Umwelt so toll wäre, wenn es weiterhin so ist dass ökologischerer Konsum oft teurer ist als billig produzierte wenige nachhaltige Ware. Man zwingt die Menschen (mit wenig Geld) quasi zu umweltschädigendem Konsum (oder natürlich zur Enthaltsamkeit - da gibt es beim Existenzminimum aber auch Grenzen dessen was wirklich wünschenswert wäre).
    Das führt zu 2: Ich lese eine unterstellte Annahme heraus, dass wenn man den Menschen nur mehr Geld gibt, sie dann auch mehr konsumieren. Das klingt vielleicht logisch aber ich bin mir nicht sicher ob der Zusammenhang so einfach ist. Es könnte sein, dass die Menschen mit mehr verfügbarem Geld ökologischerer und fairere Lebensmittel & andere Konsumgüter kaufen, zumindest ein Teil der Menschen. Weiterhin gibt es auch die Möglichkeit Geld in Dienstleistungen zu stecken die nicht immer ökologisch schädigend sein müssen (auf der Seite von mein-grundeinkommen.de wird genau dieser Effekt [Wandel zu postmateriellen Einstellungen durch das BGE] berichtet - das ist nicht repräsentativ für die ganze Bevölkerung aber zumindest beachtenswert). Versteh mich nicht falsch, ich möchte hier keine Lanze brechen für grünes Wachstum - ich finde Deine Befürchtung in Teilen schon auch berechtigt (insofern dass es insgesamt in der Gesellschaft eine ganz andere Konsumkultur braucht - und auch eine andere Einstellung zu Erfolg etc.) aber in Deiner Formulierung und mit den unterstellten Annahmen zu absolut? Im Übrigen könnte man anmerken dass die Idee des Grundeinkommens in der Regel eine Umverteilungsidee ist und keine Gelddruckidee - Deine Annahme müsste also sein dass das Geld dort wo es bisher ist nicht/weniger für umweltschädigenden Konsum ausgegeben wird als dort wo es nach der Umverteilung landet...ist das so?

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