Beiträge von Tilo

    weils mir gestern als ich über das alles nachgedacht habe noch eingefallen ist - ein gutes beispiel was mir in derzeitigen politikerinterviews fehlt ist das interview das tilo mit olaf scholz geführt hat. da hast du ja quasi überhaupt keine detailfragen gestellt sondern hast das ganze gespräch unter diesem "wie würdest du aliens unsere welt und gesellschaft erklären" ansatz gefahren. ich fand das ganz spannend.

    Das war 10 Tage vor der BTW und Scholz' Niederlage stand fest. Da noch ein Interview mit wahlkampfrelevanten Themen zu führen, fand ich verschenkt. Also habe ich was komplett anderes probiert.

    Der Vorwurf lautet, dass Du dem von Dir selbst erhobenen Anspruch,...

    ...zu "grillen" ganz offensichtlich nicht mehr gerecht wirst, weil Du Deine eigene moralisch(-politisch)e Haltung™ diktieren lässt, ob du die Interviewten Vollgas über offener Flamme röstest, oder ob Du sie nur auf eine lauwarme Herdplatte setzt.

    Und genau dem würde ich mit Haut und Haaren widersprechen. Das Gegenteil ist der Fall.

    Sollte ich supporten, habe ich gerade die Lust verloren - dann haben nur noch die eine Stimme die es sich leisten können, schade

    Und deshalb war das Forum hier auch immer kostenlos. Am liebsten bleibt es so.


    Aber ich verliere die Lust, wenn bei den immer selben Akteuren die immer selben Beschwerden von denjenigen kommen, die mich hier seit Jahren begleiten. Man kann die Uhr nach stellen. Ich grille alle Parteileute. Von links bis rechts. Offenen Flanken werden aufn Tisch gepackt. Gäste straucheln oder Gäste zeigen, was sie können. Das ist die Aufgabe von politischem Journalismus. Ich arbeite in Interviews so, wie ich es von allen anderen erwarte: hartnäckig, kritisch, umfassend vorbereitet, auf Antworten pochend. Bohren, bohren, bohren. Res publica.


    Und wenn dieses Handwerk auch bei Persönlichkeiten angewendet wird, die hier von vielen geschätzt werden, dann ist es plötzlich ein Problem. Dann bin ich derjenige, der das Interview versaut. Dann bin ich derjenige, der übertreibt. Im Mainstream werden die wahlkämpfenden Politiker mit 0815-Fragen nicht gefordert, in der neuen renditeorientierten Podcast- und Youtube-Ökonomie, wo es auf "Harmonie" und "den Menschen einfach mal ausreden lassen" und "einfach mal kennenlernen" ankommt, erst recht nicht. Diese Entwicklung ist dramatisch und absehbar demokratiegefährdend.


    Ich werde einen Teufel tun mich dem anzupassen und tatsächlich offene Flanken, Widersprüche, fragwürdige Plakate oder Ankündigungen etc nicht zu bearbeiten.


    Wenn ein Gast mehrere Stunden an meinem Tisch sitzt, will ich die Zeit für alles aus meiner Sicht Relevante nutzen. Dass Gäste in anderen 1on1-Sendungen stattdessen die Zeit für alles aus ihrer Sicht Relevante nutzen wollen, können sie gerne - wenn man sie lässt. Dieses Angebot gibt es zuhauf. Die Nachfrage danach offenbar auch. Ich folge aber meinem journalistischen Ethos. Dass das oftmals unangenehme Interviews zu folge hat, ist doch nur folgerichtig.


    Deshalb ist es frustrierend hier geschätzte schlaue Menschen zu lesen, mit denen man sich seit teils Jahren genüsslich austauscht nur um dann wieder bei Meinungsverschiedenheiten und Befindlichkeiten rauszukommen und gefühlt bei Null anzufangen.

    Der Kategorienfehler liegt eigentlich woanders, nämlich in der Annahme, es gäbe ein "Handwerk", das man sauber von der eigenen Position trennen könnte....Jahrelanges Aufwachen! war doch Training, dass im ÖR die bloße Prozedur des journalistischen Akts doch ständig als guter (kompetenter) Journalismus geframed wurde und jemand wie du in seinen Anfängen als schlechter (inkompetenter) Journalist geframed wurde, weil biased und deswegen aktivistisch. Also nochmal im Klartext: ich halte dich grundsätzlich nicht für inkompetent, aber ich hab ein Problem mit deiner Vorauswahl und Schwerpunktsetzung im Interview, ohne (!) dass ich Lüders Positionen 1:1 übernehme und ja, in diesem Interview fand ich es handwerklich schwächer als in vieöen anderen Fällen. Ferner erlaube ich mir die Frage, warum ein Precht (für mein Gefühl) ähnlich angegangen wurde wie Lüders, wo er doch kein (unseriöser) Politiker ist? (Fun fact: der hatte auch 'nen Shitstorm an der Backe, weil man ihm den Antisemitismusvorwurf gemacht hat.) Aber das sprengt hier echt den Rahmen, ich will dich auch nicht Outcallen oder ein Wahlprogramm Eckpunktpapier von dir und wie du dich positionierst. Es fühlt sich nur so an, dass du mit deinem Themenschwerpunkt "Faschismus in Unserland" eine Auswahllogik gefunden hast, mit der Abweichler vom Konsens markiert werden und dass der Fragekatalog und der Interviewstil darunter leidet. Die Überschneidung zum ÖRR mag nicht identisch sein, aber mein Eindruck ist, dass es hier inzwischen Parallelen in der Konsenslogik gibt. Du darfst meine Einschätzung auch gerne wahnsinnig finden, aber das ist meine Meinung vom Grundgesetz gedeckt.

    Dann haben wir einen deutlich anderen Eindruck meines handwerklichen Schaffens.


    Warum werden Gäste mit sektenartigen Fancommunities und teils merkwürdigen Hot Takes kritisch beleuchtet? Tja, warum wohl? Meine Güte.

    seit wann sind Views auf Youtube für uns wirtschaftlich von Relevanz? Wir haben noch nie für Klicks gearbeitet.


    (die Nutzung hat sich zudem auf Podcast verschoben.)

    bin nicht tilo aber man kann das bsw gut und gerne insgesamt als eher unseriöse partei bezeichnen. siehe katja wolf vs parteivorstand oder zb auch, dass der co-spitzenkandidat zur berlin wahl ein 15 seitiges wahlprogramm auf seiner website veröffentlicht, dass laut lüders keine gültigkeit hat etc etc...


    also ich will jetzt tilo nicht bevormunden aber ich fühl mich auch ein bisschen schuldig an dem unfrieden hier und dass tilo sich hier so viel zeit nehmen muss, also dachte ich ich schreib jetzt schonmal so relativ offensichtliche dinge auf, dann muss er vielleicht nicht mehr.


    was lüders selbst betrifft - unseriös trifft das nicht ganz aber ich finde sein auftreten in dem interview auch unangemessen. er ist viel zu eitel und zu stolz und lässt das ganze interview den bach runtergehen. wenn er nicht auch mal mit vermeintlich dummen oder plumpen fragen konfrontiert hätte werden wollen hätte er sich nicht dazu entscheiden sollen politiker zu werden sondern hätte in seiner rolle als "nahostexperte" bleiben sollen. diesen habitus kann man sich nicht wirklich leisten wenn es zur rolle dazugehört, dass man öffentlich um stimmen wirbt.

    Cleo

    welchen sinn hat eine vermeidung wenn die nicht vermeidung keine gefahr für jüdisches leben darstellt und eine solche absicht auch nicht unterstellt wird?

    ist das eine ernstgemeinte Frage?


    weil wir in Deutschland eine dunkle Geschichte in puncto Antisemitismus, antisemitische Klischees und Propaganda haben. Dieses Plakat hängt, anders als zB in Berlin, breitflächig in Sachsen-Anhalt - wo fast die Hälfte rechtsextrem wählt oder wählen könnte.

    Dienstag, 1. September, ab 14 Uhr LIVE



    Zu Gast im Studio: Bert Hoffman, Politikwissenschaftler am GIGA German Institute of Global and Area Studies in Hamburg. Er leitet das Berlin-Büro des GIGA, ist Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin, und Präsident des CEISAL (Europäischen Rates für sozialwissenschaftliche Lateinamerikaforschung). Hoffmann forscht zu politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Lateinamerika. Über Kuba hat er eine politische Landeskunde sowie zahlreiche Aufsätze über die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung geschrieben.


    Her mit euren Fragen zu Kuba!


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    und du wirfst ihm in dem gespräch ja schon vor sich aufgrund des plakats nicht an die eigens verordnete antisemitismus definition zu halten. was für einen zweck hat dieser vorwurf wenn du selbst ebenfalls nicht denkst, dass da "voll auf die antisemitismustube gedrückt wurde"

    weil auch nur jede Anspielung oder jeder Grenzfall zu vermeiden ist.


    Es wurde auch kein "Elefant" drauß gemacht. Es war eine ganz kurze Passage im Plakat-Abschnitt.


    Im Nachhinein sehe ich mich bestätigt und bin sehr froh es thematisiert zu haben angesichts des Unverständnisses selbst in diesem Forum.

    sie haben allerdings auch keineswegs voll auf die antisemitismustube gedrückt mit diesem plakat. das plakat ist doch wenn überhaupt ein grenzfall bei einer sehr strengen auslegung dieser antisemitismusdefinition wo ich jetzt für diesen fall sagen würde, dass sie gar nicht mehr zielführend ist. also ich meine siehst du ernsthaft durch dieses plakat jüdisches leben gefährdet?

    Niemand hat was von "voll auf die Antisemitismustube gedrückt" gesagt oder suggeriert.


    Um den Grenzfall, wie selbst du ihn feststellst, ging es. Denn schon ein solcher ist zu vermeiden. Genau dafür ist die JDA da. Von Gefährdung jüdischen Lebens hat ebenfalls niemand gesprochen.


    Im Übrigen ging es bei der Plakat-Auseinandersetzung bei Lüders primär darum, dass wir laut BSW von der überfallenen Ukraine "abgezockt" werden, dass wir die Opfer der Ukraine seien (wie von Lüders genauso gesagt). Man kann über die finanziellen und militärischen Hilfsleistung an die Ukraine denken, was man will. Aber dieser Populismus, diese Täter-Opfer-Umkehr ist schäbig. Der jüdische Aspekt kam noch dazu.