Sollte ich supporten, habe ich gerade die Lust verloren - dann haben nur noch die eine Stimme die es sich leisten können, schade
Und deshalb war das Forum hier auch immer kostenlos. Am liebsten bleibt es so.
Aber ich verliere die Lust, wenn bei den immer selben Akteuren die immer selben Beschwerden von denjenigen kommen, die mich hier seit Jahren begleiten. Man kann die Uhr nach stellen. Ich grille alle Parteileute. Von links bis rechts. Offenen Flanken werden aufn Tisch gepackt. Gäste straucheln oder Gäste zeigen, was sie können. Das ist die Aufgabe von politischem Journalismus. Ich arbeite in Interviews so, wie ich es von allen anderen erwarte: hartnäckig, kritisch, umfassend vorbereitet, auf Antworten pochend. Bohren, bohren, bohren. Res publica.
Und wenn dieses Handwerk auch bei Persönlichkeiten angewendet wird, die hier von vielen geschätzt werden, dann ist es plötzlich ein Problem. Dann bin ich derjenige, der das Interview versaut. Dann bin ich derjenige, der übertreibt. Im Mainstream werden die wahlkämpfenden Politiker mit 0815-Fragen nicht gefordert, in der neuen renditeorientierten Podcast- und Youtube-Ökonomie, wo es auf "Harmonie" und "den Menschen einfach mal ausreden lassen" und "einfach mal kennenlernen" ankommt, erst recht nicht. Diese Entwicklung ist dramatisch und absehbar demokratiegefährdend.
Ich werde einen Teufel tun mich dem anzupassen und tatsächlich offene Flanken, Widersprüche, fragwürdige Plakate oder Ankündigungen etc nicht zu bearbeiten.
Wenn ein Gast mehrere Stunden an meinem Tisch sitzt, will ich die Zeit für alles aus meiner Sicht Relevante nutzen. Dass Gäste in anderen 1on1-Sendungen stattdessen die Zeit für alles aus ihrer Sicht Relevante nutzen wollen, können sie gerne - wenn man sie lässt. Dieses Angebot gibt es zuhauf. Die Nachfrage danach offenbar auch. Ich folge aber meinem journalistischen Ethos. Dass das oftmals unangenehme Interviews zu folge hat, ist doch nur folgerichtig.
Deshalb ist es frustrierend hier geschätzte schlaue Menschen zu lesen, mit denen man sich seit teils Jahren genüsslich austauscht nur um dann wieder bei Meinungsverschiedenheiten und Befindlichkeiten rauszukommen und gefühlt bei Null anzufangen.