Beiträge von Skidrow

    TrueKraut

    Das ist der Punkt, wo Leute wie Wolfgang Schmidt am Ende Hand in Hand gehen werden mit Faschisten. Denn in einem Punkt sind sich beide einig: Die Gier nach mehr und die dafür notwendige Plünderung von Mensch und Natur zum eigenen Vorteil soll fortgesetzt werden!


    Und da unser materielles Konsumniveau nur für einen sehr sehr kleinen Teil der Erdbevölkerung möglich ist (ohne Zerstörung von Bio- und Ökosphäre!), folgen beide, Linke wie Rechte, den beiden Prinzipien: "Nach mir die Sintflut!" und "Der letzte macht das Licht aus!".


    Deswegen kommt Schmidt die kapitalistische Konsumgesellschaft mit ihren global verlagerten Wertschöpfungs- und lieferketten im Grunde sehr gelegen. Und wenn die Umweltkatatastrophen zunehmen, kann man immer noch jede Verantwortung von sich weisen an die bösen Chinesen, Amerikaner oder wen auch immer.

    Vielleicht sollte Schmidt seinen Podcast umbenennen in "Wohlstand für eine sehr kleine (deutsche?) (finanzstarke?) Elite".

    Herausragendes Interview. Ich kenne Silja Graupe durch ihre regelmäßigen Beiträge in der Agora42.


    Aus meiner Sicht wichtige Sätze:

    "Wirtschaftswachstum, gemessen am BIP, ist eine gigantische Maschinerie des Verschweigens über die Probleme, die wir eigentlich haben."

    und

    "Zerstörerische Trias: 1. Immer mehr haben wollen. 2. Das muss berechnet werden. 3. Der technische Fortschrift wirds schon richtig machen."


    Bei 1:33 trifft Tilo den Nagel auf den Kopf: "Heißt Preis festlegen für Emissionen nicht eigentlich, das, was man eigentlich gar nicht will, weiter ermöglicht?"


    Bemerkenswert ist auch, dass Frau Graupe mehrmals Begriffe wie "blinde Technikgläubigkeit", "Suffizienz" und "Kultur des Genug" verwendet. Ich gehe davon aus, sie kennt folgendes Buch von Manfred Volkers und Niko Paech sehr gut: "All You Need Is Less - Eine Kultur des Genug aus ökonomischer und buddhistischer Sicht".

    In dem Buch habe ich übrigens die schönste Definition von Suffizienz gelesen: "Suffizienz lässt sich auch als Zurückweisung all dessen verstehen, was die Schönheit dieser Welt verschüttet oder zerstört."


    An einer Stelle spricht Frau Graupe darüber, dass demokratisch verhandelt werden müsse, welche Konsumpraktiken weiterhin möglich sein sollen, und welche nicht. Hier kann es helfen, Konsumtätigkeiten einzuteilen nach Schadensintensität sowie in Grundbedürfnisse und Luxus zu unterscheiden. (Siehe Anhang.)


    Die Seite im Anhang ist einer Präsentation entnommen, die Niko Paech im April an der Uni Gießen hielt. Man kann sie hier herunterladen. Im Grunde enthält sie alles, was man zum Thema Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit und Grünes Wachstum wissen muss. Folienseite 22 "Angenommen, die Politik wäre handlungsfähig ..." empfehle ich besonders. Sowie Folie 24, die zeigt, warum eine CO2-Steuer kein geeignetes Mittel zur Emissionssenkung darstellen kann.


    Ganz vergessen: An einer Stelle spricht sie davon, dass StudentInnen von ihr zum Thema Postwachstum geforscht hätten. Finde die Stelle leider nicht mehr, aber zu dem Thema hätte ich mir Nachfragen seitens Tilo gewünscht.

    Lange bekannt

    Da irrst du in meinen Augen gewaltig. Dass eine Entkopplung vom BIP und planetarischer Zerstörung möglich ist - und zwar durch technischen Fortschritt - wird fast überall geglaubt.

    Wer geht in den Supermarkt und sagt: "Ja ich hätte gerne Lebensmittel, die von 7 jährigen Kinder in Bangladesh verarbeitet wurden und die fünf mal um die Welt gefahren werden."?? Niemand.

    Da es sich um ein typisches "Strohmann-Argument" handelt, gehe ich nicht näher darauf ein.

    Aber wenn sich einschränken bedeutet, dass man in Armut leben muss, dann ist es klar, dass niemand das will.

    Das nennt man in der Populismusforschung ein "Falsches Dilemma".

    Ich hab für solche Sachen echt keine Zeit.

    Einige Umfragen zeigen doch schon lange, dass sich die Leute mehr Umweltschutz in allen Bereichen wünschen und sie sich sogar in ihrem Konsum einschränken würden.

    Das denke ich auch. Natürlich wünscht sich ein Großteil der Leute mehr Umweltschutz. Und vielleicht gib es auch eine signifikante Menge an Leuten, die ihren Konsum ändern würden. Darüber habe ich keine Zahlen.

    Aber solange überall der Mythos verbreitet wird, man könne die Umweltprobleme durch Technik lösen, wird es schwierig, Mehrheiten zu finden, die einen postwachstumstauglichen Lebensstil eingehen und die dafür notwendigen politischen Transformationen einfordern.


    Was ihnen wichtig ist, ist ein soziales Miteinander mit Familie und Freunden. Zu übermäßigem Konsum greifen sie nur, wenn das soziale Miteinander zerstört ist. Wenn man alleine und einsam ist und keine Zukunftsperspektiven hat, dann versucht man sich durch den Konsum wenigstens ein bisschen kurzfristig gut zu fühlen.

    Da stimme ich dir vollends zu.

    Ich fasse zusammen:


    Wenn man ganz böse ist, könnte man sagen, dass Deutschland in den letzten 50 Jahren keine militärischen Eroberungskriege benötigte. Geplündert wurde auf andere, subtilere Weise. Die „imperiale Lebensweise“ (U. Brand, M. Wissen) wurde fortgeführt, nur halt mit anderen Mitteln.


    Das ist vermutlich für einigermaßen aufgeklärte Menschen nichts neues. Neu ist hingegen für die meisten, dass diese Plünderung konstitutiv für unseren materiellen Wohlstand ist! Unser Konsumniveau ist ohne diese Plünderung nicht möglich. Nicht mal theoretisch.


    Und die Fortführung dieser Plünderung wird parteiübergreifend gefordert! Es gibt keine Ausnahme.

    Der Glaube, man könne durch technische Innovationen Umweltschäden verringern, erweist sich wohl als der folgenschwerste Irrtum des 20. und 21. Jh.


    Die Forderungen nach neuen technischen Innovationen (Erhöhung der ökonomischen und technischen Effizienz, Ausbau von EE, Kreislaufwirtschaft) sind also nichts anderes, als dem Motor einer ausbeutenden und umweltzerstörerischen Industrie neuen Kraftstoff zu geben. Und dann kann man auch verstehen, wie es sein kann, dass wir uns seit rund fünf Jahrzehnten milliardenschwere Umweltschutzorganisationen wie den WWF oder Greenpeace leisten, während genau in der gleichen Zeit die planetarische Zerstörung erst so richtig an Fahrt aufgenommen hat. Diese Unternehmen bieten eben das beste Alibi, den ökologischen Vandalismus weiterzutreiben, und sich durch eine Spende auch noch gut fühlen zu können.


    Das Dilemma ist offensichtlich: Den Umweltschutzorganisationen würden - würden sie den Menschen postwachstumstaugliche Lebensstile aufoktroyieren - sofort von der Bildfläche verschwinden. Hier geht es ihnen wie der Politik. Es ist eben einfacher, an ein durch Ingenieure hervorgebrachtes technisches Wunder zu glauben; und es ist einfacher, die Verantwortung an die Politik zu delegieren. Lindners Ausspruch vor einigen Jahren, Klimaschutz sei eine Sache für Profis, hat weiterhin Bestand. Parteiübergreifend. Von rechts bis links.


    Eine demokratisch gewählte Regierung kann viel tun, nur eines eben nicht: Sie kann nicht gegen die Lebensrealität der Wählermehrheit vorgehen. Nicht nur, weil das politischer Selbstmord ist, sondern weil es nicht demokratisch ist. Und wenn sich die Lebensrealität nicht verändert, wird sich die Politik nicht verändern.


    Es geht also darum, dass Menschen postwachstumstaugliche Lebensstile langsam aber sicher schrittweise einüben. Ohne Übung keine Veränderung. Ein nachhaltiges Leben ist eben keine Frage von richtigen Kaufentscheidungen, Produktdesigns und Investitionsentscheidungen, sondern es geht um die Kunst der Unterlassung. Und das muss eingeübt werden. Eine ungeübte Gesellschaft wird sich nicht aufzwingen lassen, was sie überfordert. Und als „soziales Tier“ übernimmt der Homo sapiens Handlungsmuster nur, wenn sie sich als nachahmenswerte Praxis normalisieren.

    4.7.2 Verwendungsseite des BIP: Finanzielle Rebound-Effekte

    Selbst wenn es punktuell gelänge, Wertschöpfungszuwächse zu entmaterialisieren, müssten die mit dem Wachstum unvermeidlich korrespondierenden Einkommenszuwächse ebenfalls ökologisch neutralisiert werden, um Entlastungseffekte zu erzielen. Aber es erweist sich als schlicht undenkbar, den Warenkorb jener Konsumenten, die das in den vermeintlich grünen Branchen zusätzlich erwirtschaftete Einkommen beziehen, von Gütern freizuhalten, in deren globalisierte Produktion fossile Energie und andere Rohstoffe einfließen. Würden Personen, die in den grünen Branchen

    beschäftigt sind, keine Eigenheime bauen, nicht mit dem Flugzeug reisen, kein Auto fahren und keine üblichen Konsumaktivitäten in Anspruch nehmen – und zwar mit steigender Tendenz, wenn das verfügbare Einkommen wächst?


    Ein zweiter finanzieller Rebound-Effekt droht, wenn grüne Investitionen den Gesamtoutput erhöhen, weil nicht zeitgleich und im selben Umfang die alten Produktionskapazitäten zurückgebaut werden (die gesamte Wohnfläche nimmt durch Passivhäuser zu, die gesamte Strommenge steigt durch Fotovoltaikanlagen), was tendenzielle Preissenkungen verursacht und folglich die Nachfrage erhöht. Speziell den Stromsektor betreffend sei auf Tab. 2.5 verwiesen. Hier zeigt sich das Wachstum der Bruttostromerzeugung durch Gaskraftwerke, Biomassenutzung, Wind- und Fotovoltaikanlagen. Dass der Strompreis in Deutschland für die Haushalte nicht sank, ist den Besonderheiten der Energiewende geschuldet, auf die im Abschn. 5.1.1 eingegangen wird. Dies ändert aber nichts an der grundsätzlichen Kapazitätsproblematik des Green Growth-Paradigmas. Ein dritter schon von Jevons [149] beschriebener finanzieller Rebound-Effekt tritt ein, wenn Effizienzerhöhungen die Betriebskosten bestimmter Objekte (Häuser, Autos, Beleuchtung etc.) reduzieren.


    Theoretisch ließen sich diese finanziellen Rebound-Effekte vermeiden, wenn sämtliche Einkommenszuwächse abgeschöpft würden, aber wozu dann überhaupt Wachstum: Was könnte absurder sein, als zunächst Wachstum zu generieren, um dann die damit intendierten Einkommenssteigerungen zu neutralisieren? Die Behauptung, durch grüne Technologien könne Wirtschaftswachstum mit einer absoluten Senkung von Umweltbelastungen einhergehen, ist also nicht nur falsch, sondern kehrt sich ins genaue Gegenteil um: Aus der Perspektive finanzieller Rebound-Effekte haben grüne Technologien allein unter der Voraussetzung eines nicht wachsenden BIPs überhaupt eine Chance, die Ökosphäre zu entlasten. Und dies ist nicht einmal eine hinreichende Bedingung, weil die materiellen Effekte, insbesondere die unzähligen Verlagerungsmöglichkeiten auf der Entstehungsseite, ebenfalls einzukalkulieren sind.


    (Quelle: Kümmel, Lindenberger, Paech (2018) Energie, Entropie, Kreativität - Was das Wirtschaftswachstum treibt und bremst, Springer Spektrum)



    Ich komme nun zu einem weiteren wichtigen Kapitel des Buches:


    4.7 Rebound-Effekte

    Dennoch wird an der Hoffnung auf einen plünderungsfreien Überschuss festgehalten, der nicht nur das vorindustrielle Niveau deutlich übertreffen, sondern stetig quantitativ und qualitativ gesteigert werden soll. Das ist verständlich: Denn so unhaltbar ökonomische Effizienz- und Fortschrittsprojektionen aus thermodynamischer Sicht auch sind – dies einzugestehen würde bedeuten, das Glaubensfundament der Moderne zu erschüttern. Die seit mehr als einem Jahrhundert handlungsleitende Vision, der zufolge Frieden, Gerechtigkeit und bequemer Konsumwohlstand durch nie endendes wirtschaftliches Wachstum herzustellen seien, ließe sich nur schwer legitimieren. Dabei reicht es nicht einmal aus, das BIP konstant zu halten, um ein bestimmtes materielles Versorgungsniveau zu stabilisieren. Binswanger [145] hat zeigen können, dass unter industriellen Produktionsbedingungen bereits ein Aussetzen der Wachstumsdynamik (also keine Reduktion, sondern lediglich Nullwachstum) dazu führt, eine Abwärtsspirale der Wertschöpfung auszulösen.


    Um dieses Dilemma zu lösen, wird versucht, die moderne Wohlstandsvision durch „grünes“ Wachstum zu retten. Aber das Unterfangen, wirtschaftliches Wachstum mittels technischer Innovationen von Umweltschäden zu entkoppeln, ist – insbesondere bezogen auf Klimaschutz – bislang gescheitert. In der Nachhaltigkeitsforschung setzt sich zunehmend die Auffassung durch, dass dies kein Zufall, sondern systematischen Ursprungs, nämlich auf sog. „Rebound-Effekte“ zurückzuführen ist. Dabei lassen sich zwei besonders wichtige Rebound-Kategorien identifizieren, deren erste darauf gründet, dass die Beseitigung eines Umweltproblems damit erkauft wird, anderswo, später oder auf andere Weise ein zusätzliches oder neues Umweltproblem zu verursachen. Wenn beispielsweise Energiesparbirnen eingesetzt werden, um durch Effizienz den Elektrizitätsbedarf zu senken, steht dem entgegen, dass die Produktion und Entsorgung dieser Leuchtmittel schon wegen ihres Quecksilbergehalts eine neue Schadensquelle hervorrufen. Die zweite Kategorie, nämlich finanzielle Rebound-Effekte, beruht beispielsweise darauf, dass die Einsparungen an Stromkosten (um bei obigem Beispiel zu bleiben) zusätzliche Kaufkraft entstehen lässt, die wiederum für andere Güter verwendet werden kann, so dass im Saldo die Energieverbräuche nicht sinken oder sogar steigen können.


    Beide Rebound-Typen, auf die in den Abschn. 4.7.1 und 4.7.2 eingegangen werden soll, implizieren indes nicht, dass umweltentlastender technischer Fortschritt per se wirkungslos sein muss. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn die entsprechenden Innovationen unter den Vorbehalt gestellt werden, dass der Industrieoutput weiter wachsen soll. Ein Überblick über dieses Thema findet sich bei Paech [146,147] und Santarius [148].


    Steigerungen des BIP setzen zusätzliche Produktion voraus, die als Leistung von mindestens einem Anbieter zu einem Empfänger übertragen werden muss und einen Geldfluss induziert, der zusätzliche Kaufkraft entstehen lässt. Der Wertschöpfungszuwachs hat somit eine materielle Entstehungsseite und eine finanzielle Verwendungsseite des damit induzierten Einkommenszuwachses. Beide Wirkungen wären ökologisch zu neutralisieren, um die Wirtschaft ökologisch unschädlich wachsen zu lassen. Mit anderen Worten: Selbst wenn sich die Entstehung einer geldwerten und damit BIP-relevanten Leistungsübertragung technisch jemals entmaterialisieren ließe – was mit Ausnahme singulärer und kaum hochskalierbarer Laborversuche bislang nicht absehbar ist –, bliebe das Entkopplungsproblem so lange ungelöst, wie sich mit dem zusätzlichen Einkommen beliebige Güter finanzieren lassen, die nicht vollständig entmaterialisiert sind. Beide Entkopplungsprobleme sollen kurz am Beispiel der Energiewende beleuchtet werden.


    4.7.1 Entstehungsseite des BIP: Materielle Rebound-Effekte

    Wie müssten Güter beschaffen sein, die als geldwerte Leistungen von mindestens einem Anbieter zu einem Nachfrager übertragen werden, deren Herstellung, physischer Transfer, Nutzung und Entsorgung jedoch aller Flächen-, Materie- und Energieverbräuche enthoben sind? Bisher ersonnene Green Growth-Lösungen erfüllen diese Voraussetzung offenkundig nicht, ganz gleich ob es sich dabei um Passivhäuser, Elektromobile, Windturbinen, Fotovoltaikanlagen, Blockheizkraftwerke, Smart Grids, solarthermische Heizungen, Carsharing, Energiesparbirnen, digitale Services usw. handelt. Nichts von alledem kommt ohne physischen Aufwand, insbesondere neue Produktionskapazitäten, Distributionssysteme, Mobilität und hierzu erforderliche Infrastrukturen aus, was somit zu einer weiteren materiellen Addition führen muss, solange sich daraus wirtschaftliches Wachstum speisen soll.


    Aber könnten die „grünen“ Lösungen die weniger nachhaltige Produktion nicht einfach ersetzen, anstatt addiert zu werden, sodass im Saldo eine ökologische Entlastung eintritt? Nein, denn erstens wäre es nicht hinreichend, nur Outputströme zu ersetzen, solange der hierzu zwangsläufig nötige Strukturwandel mit einer Addition an materiellen Bestandsgrößen und Flächenverbräuchen (wie bei Passivhäusern oder Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien) einherginge. Folglich wären die bisherigen Kapazitäten und Infrastrukturen zu beseitigen. Aber wie könnte die Materie ganzer Industrien, Gebäudekomplexe oder etlicher Millionen an fossil angetriebenen Pkw (um sie durch E-Mobile zu ersetzen) und Heizungsanlagen (um sie durch Elektro- oder solarthermische Anlagen zu ersetzen) ohne Entropieproduktion verschwinden?


    Zweitens könnte das BIP gerade dann nicht systematisch wachsen, wenn jedem grünen Wertschöpfungsgewinn ein Verlust infolge des Rückbaus alter Wertschöpfungsstrukturen entgegenstünde. So entpuppen sich die momentan als Flaggschiff einer prosperierenden „Green Economy“ bestaunten Wertschöpfungsbeiträge der erneuerbaren Energien bei genauerer Betrachtung als Strohfeuereffekt. Nachdem nämlich die vorübergehende Phase des Kapazitätsaufbaus abgeschlossen ist, reduziert sich der Wertschöpfungsbeitrag auf einen Energiefluss, der nur vergleichsweise bescheidene Effekte auf das BIP und den Arbeitsmarkt haben dürfte und sich nur dadurch steigern ließe, dass der Bau neuer Anlagen unbegrenzt fortgesetzt würde. Aber dann drohten unweigerlich zusätzliche Umweltschäden: Die materiellen Bestandsgrößen expandierten und die schon jetzt kaum mehr akzeptierten Landschaftszerstörungen nähmen entsprechend zu.


    Damit wird ein unlösbares Dilemma deutlich: Insoweit auch „grüne Technologien“ niemals – schon gar nicht bei ganzheitlicher Betrachtung aller Systemvoraussetzungen – immateriell, also zum ökologischen Nulltarif zu haben sein können, besteht ihr theoretisch maximaler Entlastungseffekt ohnehin nur darin, Umweltschäden in andere Erscheinungsformen zu transformieren oder in andere ökologische Medien zu verlagern, statt sie zu vermeiden. Dies erfolgt auf vierfache Weise.


    1. Die physische Verlagerung lässt sich am Beispiel der Energiesparbirne demonstrieren, die zwar im Vergleich zum Standardleuchtmittel energieeffizienter ist, sich jedoch in der Produktion und Entsorgung als problematischer erweist.

    2. Räumliche Verlagerungseffekte bestehen darin, umweltintensive Prozessstufen der Herstellung in entfernt liegende Länder (oft China oder Indien) zu verschieben, so dass die ökologischen Schäden in den Umweltbilanzen Europas nichtmehr erfasst werden.

    3. Manche umwelttechnologischen Neuerungen wie etwa Wärmedämmverbundsysteme oder Fotovoltaikanlagen verwandeln sich nach ca. 20 Jahren in ein Entsorgungsproblem, so dass hier eine zeitliche Verlagerung vorliegt.

    4. Wiederum andere Maßnahmen wie etwa Windkraftanlagen erzeugen zwar vergleichsweise weniger Emissionen (vollkommen emissionsfrei können sie schon infolge der Anlagenproduktion nicht sein), verbrauchen oder beeinträchtigen dafür Landschaften und Flächen. Hier liegt eine systemische Verlagerung vor, d. h. Umweltschäden werden von einem physischen Aggregatzustand in einen anderen überführt, aber eben nicht vermieden. Überdies stößt eine derartige Verlagerung irgendwann an quantitative Systemgrenzen, etwa wenn alle geeigneten Flächen besetzt sind.


    Mutmaßlich umweltentlastende Innovationen können sogar mehrere der oben genannten Verlagerungseffekte verursachen. Deshalb sind die Versuche gegenstandslos, ökologische Entlastungserfolge der Energiewende empirisch zu belegen, zumal sich die Verlagerungseffekte nicht in CO2 -Äquivalente umrechnen lassen. Selbst wenn es irgendwann zu erwähnenswerten CO2 -Einsparungen käme – wie viel Hektar an beeinträchtigten oder zerstörten Landschaften wäre eine von dramatischer Flächenverknappung betroffene Gesellschaft bereit, als Preis dafür zu zahlen? Und selbst wenn dieser Preis akzeptiert würde, ließe sich wohl kaum von einem Nachhaltigkeitsfortschritt sprechen, insoweit lediglich eine bestimmte Schadenskategorie gegen eine anderen ausgetauscht würde. Dieser Befund deckt eine Ambivalenz jenes technischen Fortschritts auf, durch den wirtschaftliches Wachstum von Umweltschäden entkoppelt werden soll: Er basiert – zumindest wenn alle indirekten und verästelten Folgen einbezogen werden – auf einem Tausch und eben nicht auf einer Vermehrung von Optionen: Ein Mehr im Hier und Jetzt wird mit einem Weniger anderswo und später erkauft.

    (Quelle: Kümmel, Lindenberger, Paech (2018) Energie, Entropie, Kreativität - Was das Wirtschaftswachstum treibt und bremst, Springer Spektrum)

    Im darauf folgenden Kapitel 4.6 geht es um die Grenzen von ökonomischer Effizienz:


    "4.6 Ökonomische Effizienz als Irrtum?

    Tatsächlich war ein „reiner“, also plünderungsfreier Effizienzeffekt über lange Menschheitsepochen hinweg prägend, jedoch nicht nach, sondern nur vor Anbruch des Industriezeitalters, also in vormodernen Agrar- und Handwerkerökonomien. Ein Beispiel: Durch den Übergang von der autarken Schuhherstellung durch einzelne Individuen zum spezialisierten Schusterbetrieb konnte innerhalb eines Dorfes die Produktion (nicht nur der Schuhe) signifikant gesteigert werden. Durch Lernprozesse und intraorganisationale Spezialisierung konnte der Verschnitt in der Leder- und Schuhsohlenverarbeitung verringert werden. Die benötigten Werkzeuge oder Maschinen mussten zudem nur einmal angeschafft werden.


    Dies führte zu geringeren Durchschnittskosten, denn vorher brauchte jeder Haushalt für seinen kleinen Schuhbedarf eigenes Schusterwerkzeug. Verbesserte Organisationsstrukturen sowie geschicktere und konzentriertere Verrichtungen konnten die Arbeitsproduktivität steigern. So wurde es möglich, mit einem unveränderten Inputbündel innerhalb eines gegebenen räumlichen Systems ein verglichen mit reiner Selbstversorgung höheres Produktionsergebnis zu erzielen oder für dasselbe Versorgungsniveau weniger knappe Ressourcen zu benötigen; die Einsparungen konnten wiederum für andere Güter verwendet werden. Insgesamt stieg der materielle Wohlstand.


    Aber die Potenziale dieser idealtypischen Effizienzsteigerung erwiesen sich aufgrund ihres präfossilen Charakters als äußerst begrenzt, insbesondere durch

    • die limitierte räumliche Reichweite interorganisationaler Spezialisierung,

    • die schnell erreichte Obergrenze der physischen Arbeitsleistung der Beschäftigten sowie

    • die kaum zu steigernde Geschwindigkeit, mit der Ressourcen und Leistungseinheiten innerhalb des Wertschöpfungsprozesses bewegt werden können.


    Aus dieser dreifachen Beschränkung resultierte eine jahrhundertelang statische Ökonomie mit entsprechend bescheidenem Niveau an Gesamtproduktion, Optionenvielfalt und technischer Entwicklung. Erst die räumliche, physische und zeitliche – also dreifache – Entgrenzung mithilfe von Mechanisierung, Automatisierung, Elektrifizierung und schließlich Digitalisierung, was die vermehrte Verfügbarkeit fossiler Energieträger voraussetzte, verhalf dazu, aus der Begrenzung auszubrechen

    und jene Steigerungsdynamik auszulösen, die mit Effizienz verwechselt wird. Denn die Wirkung des entgrenzenden Verstärkerarsenals beruhte weniger darauf, durch reine Kreativität quasi aus dem stofflichen Nichts heraus die Produktivität der bisher genutzten Ressourcen zu steigern, als vielmehr darauf, den Weg in die effektivere Erschließung und Addition externer Ressourcen zu bahnen. Anstelle einer verbesserten Ziel-Mittel-Relation, wie es der Definition ökonomischer Effizienz entspräche,wurden schlicht zusätzliche oder neue Ressourcen erschlossen.


    Wie kann etwa die immense Zunahme der landwirtschaftlichen Erträge (=Output) pro Hektar (=Input) ernsthaft als Effizienzsteigerung bezeichnet werden, wenn der damit einhergegangene zusätzliche Energie-, Chemie-, Dünger-, Maschinen- und Logistikeinsatz berücksichtigt wird? Überdies sind manche der zusätzlichen Inputs, die den Flächenertrag so prägnant erhöht haben, absurderweise selbst das Resultat anderer Flächeninanspruchnahmen in Asien oder Lateinamerika (beispielsweise Tierfutter auf Basis von Sojaprodukten).


    Angenommen, im obigen Schusterbeispiel wären alle prä-fossilen Spezialisierungspotenziale innerhalb des Dorfes ausgeschöpft. Wie ließen sich dann weitere Wohlstandssteigerungen erzielen? Zunächst könnte der Schuster dazu übergehen, auch eine benachbarte Stadt zu beliefern, um den Absatz derart steigern zu können, dass über Größenvorteile ein noch geringeres Durchschnittskostenniveau erreicht wird. Im Gegenzug könnte in der Nachbarstadt die Brotproduktion ausgedehnt werden, so dass die Brotnachfrage beider Städte von nur einem Produzenten bedient wird, der durch eine entsprechend höhere Ausbringung die Kosten senken kann. So kommt es zwecks Kostensenkung zu einem höheren Spezialisierungsgrad, weil nun

    der Absatz beider Produkte über den bisherigen Aktionsradius hinaus erweitert wird (Downstream-Entgrenzung).

    Eine weitere Kostensenkung könnte erzielt werden, wenn sich der Schuhproduzent weiter spezialisiert, indem er die Schuhsohlen nicht mehr selbst produziert, sondern von einem Betrieb bezieht, der an einem anderen Standort – beispielsweise in China oder Indien – kostengünstiger fertigen kann. Ebenso könnte die Bäckerei kostengünstige „Teiglinge“ aus weiter Ferne importieren (Upstream-Entgrenzung). Dies verbilligt die Schuhe und Brote abermals und erhöht folglich die Kaufkraft.


    Aber welchen physischen Aufwand verlangt diese zunehmende Entgrenzung? Die Bäckerei und die Schusterwerkstatt wachsen auf Fabrikgröße, benötigen neue und größere Produktionsanlagen, Gebäude, Lagereinrichtungen, Transport- sowie Kommunikationssysteme und dehnen den Aktionsradius ihrer Lieferantennetzwerke und Absatzkanäle permanent aus. Die öffentliche Infrastruktur muss an den zusätzlichen Transport-, Logistik- und Flächenbedarf angepasst werden. Zudem sind Energie-, Bildungs- und Informationssysteme entsprechend auszubauen. Hier beginnt die Industrialisierung. Durch sie werden die oben genannten Begrenzungen einer vormals statischen Ökonomie durchbrochen, deren von nun an expansive Entwicklung auf die gesamte Gesellschaft übergreift und sich in stofflicher Okkupation äußert. Das Dilemma besteht darin, dass die Ausschöpfung „reiner“, also prä-fossiler Effizienzpotenziale bis zum Erreichen des „Entgrenzungspunktes“ nur einen bescheidenen und kaum wachsenden Wohlstand erlaubt, der aber als ökologisch nahezu plünderungsfrei gelten könnte. Alle darüber hinaus wachsenden Produktionsniveaus basieren auf einem technisch verstärkten und räumlich entgrenzten Verschleiß

    ökologischer Quellen und Senken.


    Externe Effekte sind also keine Nebenfolge der bemerkenswerten Wohlstandsmehrung seit Beginn der Industrialisierung, sondern deren Voraussetzung. Sie sind ähnlich einem nicht zu substituierenden Produktionsfaktor unabdingbar für das Güterwachstum. Mit anderen Worten: Wenn es nicht mehr möglich wäre, ökologische Schäden zu externalisieren, verlöre das Industriesystem seine Basis. Bei konsequenter Vermeidung externer Effekte verbliebe als ökonomischer Überschuss kaum mehr als das Niveau am oben beschriebenen Entgrenzungspunkt."

    (Quelle: Kümmel, Lindenberger, Paech (2018) Energie, Entropie, Kreativität - Was das Wirtschaftswachstum treibt und bremst, Springer Spektrum)


    Hierdurch wird deutlich: Wir haben es nicht nur mit dem Problem zu tun, dass technische Effizienz überhaupt erst der Treiber von Umweltschäden ist (weil es zu Wirtschaftswachstum und dadurch unweigerlich auch zu Produktions- und Konsumsteigerungen führt). Hinzu kommt, dass häufig von Effizienz gesprochen wird, wo aber per definitionem keine Effizienz vorliegt sondern nur eine Verlagerung und Ausweitung von ökologischen Schäden.

    Einen wichtigen Satz aus meinem vorherigen Post hebe ich noch mal hervor:


    "Schumacher identifizierte in seinem 1973 erschienenen Klassiker Small is Beautiful [141] als Kardinalfehler zeitgenössischen ökonomischen Denkens – ganz gleich ob neoliberal oder marxistisch –, dass Substanzverzehr mit Überschüssen verwechselt wird. Aber einen mutmaßlichen Überschuss „gerecht“ verteilen zu wollen, der in einer gerechten Welt gar nicht existieren dürfte, weil er auf irreversibler Plünderung beruht und somit zukünftige Lebensperspektiven zerstört, führt sich selbst ad absurdum [142]."


    Im darauffolgenden Kapitel 4.5 Externe Effekte und Effizienz geht es um die verbreitete Vorstellung, man müsse nur die externalisierten ökologischen Folgekosten, durch Anreize, Steuern, oder "den Markt" in die eigene Volkswirtschaft internalisieren:


    "Orthodoxe Ökonomen adressieren zwar durchaus die Frage nach dem „wahren“ Überschuss, bedienen sich dabei jedoch der fragwürdigen Konzeption sog. „externer Effekte“, die unter anderem von Pigou [143] und Kapp [144] etabliert wurde. Demnach werden die durch nicht intendierte Nebenwirkungen verursachten Schäden als eine Form des Marktversagens aufgefasst, weil die beeinträchtigten Umweltgüter keinen Preis aufweisen. Folglich kann der Marktmechanismus nicht dafür sorgen, dass knappe Ressourcen effizient, gegebenenfalls hinreichend sparsam verwendet

    werden: Unternehmen werden nicht mit den vollständigen Kosten ihrer Handlungen konfrontiert, die somit nicht in der betrieblichen Gewinnmaximierung berücksichtigt werden.


    Um diesen Systemfehler zu korrigieren, empfiehlt die Umweltökonomik eine „Internalisierung“ der negativen externen Effekte, indem den Verursachern die tatsächlichen (ökologischen) Kosten ihrer Aktivitäten auferlegt werden, etwa durch Umweltsteuern oder Verschmutzungslizenzen („Cap and Trade“). So werden die Emittenten motiviert, Umweltschäden und Ressourcenverschwendung zu vermeiden, weil andernfalls Kosten zu Buche schlagen, die den Profit mindern. Diese nicht nur logisch erscheinende, sondern auch weithin akzeptierte Vorgehensweise wird dem eigentlichen Problem aus mindestens den folgenden Gründen nicht gerecht.


    1. Der Externalisierungsdiskurs suggeriert, die Umweltschäden des modernen Industriesystems seien prinzipiell vermeidbar, wenn nur „bessere“ Substitute, Technologien, Institutionen und Organisationsstrukturen angewandt würden. Was aber, wenn ausgerechnet für die ökologisch ruinösesten Praktiken (insbesondere Flugreisen) absehbar keine Alternativen existieren, die nachhaltiger sind und zugleich aus Verbrauchersicht als funktional gleichwertig akzeptiert werden? Dann würden nur generelle Verbote oder prohibitiv hohe Preise helfen, die aber verteilungspolitisch als verwerflich, zumindest mit demokratischen Mitteln als nicht durchsetzbar gelten.


    2. Die Theorie externer Effekte impliziert nicht, ökologische Degradationen vollständig zu vermeiden, sondern nur auf ein „optimales“ Schadensniveau zu senken. Da ökologisch schädliche Aktivitäten einen ökonomischen Nutzen erzeugen – andernfalls würden sie nicht stattfinden – und Umweltschutz überdies kostenträchtig ist, resultiert ein Abwägungsproblem. Demnach wäre die Reduktion ökologischer Schäden nur so lange rational, wie die Umweltschutzkosten (inklusive Wohlstandsverluste) geringer sind als der Nutzen des Umweltschutzes. Aber so lässt sich theoretisch-wissenschaftlich rechtfertigen, was die Politik alltäglich praktiziert: Ökologisch noch so desaströse Handlungen werden damit begründet, dass die daraus erwachsenden Vorteile und Chancen eben höher als die Umweltschäden zu bewerten seien. Im Zweifelsfall wird argumentiert, dass die Konkurrenzfähigkeit der Volkswirtschaft auf dem Spiel stünde oder Arbeitslosigkeit drohe. Der ökonomische Nutzen oder die sozialpolitische Notwendigkeit jeglichen Eingriffs in die Natur kann durch pure Spekulation beliebig hoch veranschlagt werden. Folglich existiert keine Grenze für die in Kauf zu nehmende ökologische Zerstörung: Der Zweck heiligt die Mittel.


    3. Das Modell des wachsenden Wohlstandes um negative Externalitäten bereinigen zu wollen, läuft darauf hinaus, lediglich die ökologischen Details eines ansonsten nicht hinterfragten Industriesystems zu optimieren. Unschwer erkennbar wird damit ein Steuerungsoptimismus, der eine schonungslose, jedoch überfällige Reflexion moderner Industrie- und Konsumgesellschaften verhindert: Wie hoch wäre der nach Abzug oder Korrektur aller Umweltschäden verbleibende, also

    plünderungsfreie Überschuss der industriellen Produktionsweise?"

    (Quelle: Kümmel, Lindenberger, Paech (2018) Energie, Entropie, Kreativität - Was das Wirtschaftswachstum treibt und bremst, Springer Spektrum)



    Zusammengefasst: Die Folge der oft geforderten Internalisierung der Umweltkosten würde zwangsläufig in eine Postwachstumsgesellschaft führen. Konsumaktivitäten wie Flugreisen beispielsweise wären nicht einfach nur teurer, sie würden nicht mehr stattfinden können.

    Worin bestehen ihre positiven Zukunftsentwürfe? Und wie wollen sie die realisieren?

    Ohne das Wort 'nicht' zu benutzen!

    Also nicht "ich will hier keine Ausländer", sondern was tust du dafür, dass Menschen aus Afrika nicht hierher kommen?


    Was würde die AFD, wenn sie morgen Regierungsverantwortung hätte, hinsichtlich des Ukrainekriegs ganz konkret tun?

    Ich habe mir das gesamte Gespräch angehört und habe großen Respekt vor Frau Verheyen. Eine mutige Frau, die auf dem richtigen Pfad ist. Trotzdem ein paar Anmerkungen von mir.


    Bei 1:13 geht's um die Schuldenbremse.

    Das Problem ist: Schulden sind vor allem vorgezogener Konsum und vorgezogenes Wirtschaftswachstum! Mit Umweltschutz sind Schulden also nicht vereinbar - zumindest nicht bei den oft geforderten Größenordnungen.

    Und hier zeigt sich wiedermal die Crux: Probleme wie Erderhitzung, Artensterben usw. können nicht allein mit Geld gelöst werden.


    1:16 Verheyen: "Das Verkehrsministerium war noch nie unter der Leitung eines irgendwie klimagewillten Menschen. Das muss man mal ganz klar sagen."

    Natürlich nicht. Weil der "motorisierte, fetischisierte Individualverkehr" (Richard David Precht) niemals umweltfreundlich gestaltet werden kann. Auch nicht mit E-Autos oder mit Wasserstoffantrieb.


    Bei 1:24 geht's ums Lieferkettengesetz.

    Würde man ein Lieferkettengesetz in Deutschland umsetzen, welches Umweltschutz, Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz usw. entlang aller Lieferketten berücksichtigen würde, wären wir in einer Postwachstumsökonomie - mit all ihren Segnungen, Schwierigkeiten und Anpassungsleistungen.


    Bei 2:04 sagt Tilo: "Angenommen, man könnte ein bisschen träumen, hier gucken junge Leute zu, die sagen Hey, wir müssen was am System ändern, wir müssen hier grundsätzliche Sachen entweder neu machen oder hinzufügen...Hast du da Ideen"

    Neben "neu machen" und "hinzufügen" vermisse ich den eigentlich wichtigsten Begriff: "unterlassen".

    Zitat

    Wer die Überlebensfähigkeit der menschlichen Zivilisation wieder herstellen will, der steht nicht vor einem Projekt des zusätzlichen Bewirkens sondern des kreativen Unterlassens. (Niko Paech)

    Zitat

    (...) Aber wir haben kein Konzept vom Aufhören, obwohl wir mit gewissen Dingen dringend aufhören müssten. (Harald Welzer)

    Verheyen antwortet auf die Frage nach ihren Ideen dann wie folgt: "Ein Menschenrecht auf eine saubere und gesunde Umwelt."

    Klingt super, keine Frage. Aber wieder geht es nicht um die Frage, wie das Leben in einer Gesellschaft denn dann aussähe. Wie würde sich die Umsetzung eines solchen Gesetzes auf unsere Konsumgesellschaft auswirken? Fragen, die bei Jung&Naiv so konsequent verdrängt werden, dass es weh tut.



    Am Ende wird's noch mal richtig interessant: Auf die Frage von Hans, was der Gesetzgeber grundsätzlich tun könnte, antwortet Verheyen (bei 2:49): "Flächenversiegelungsstopp, Pflicht zur Ausweisung von absoluten Schutzgebieten terrestrisch und im Meer, Zulassungsstopp von Verbrennungs-PKW, Tempolimit, Abschaffung von umweltschädlichen Subventionen."


    Darauf Hans: Es ist eine Frage des politischen Willens, wenn's nicht stattfindet."

    Verheyen: "Ja, genau".


    Mal abgesehen davon, dass das Zulassungsstopp natürlich auch für E-Autos gelten müsste - diese logische Konsequenz müsste Verheyen selbst auffallen, denn bei einem Flächenversiegelungsstopp dürften auch keine Flächen mehr für Wind- und Solaranlagen versiegelt werden, die aber in großem Maße benötigt werden für E- oder Wasserstoff-Autos - wird hier wiedermal der schwarze Peter allein der Politik zugeschrieben. Würden wir alle Forderungen Verheyens morgen umsetzen, wären wir in einer Postwachstumsgesellschaft! Aber da die unvermeidbaren Folgen für den vorherrschenden Lebensstil, hier wie anderswo, stets ignoriert werden, kann der gemeine Jung&Naiv Zuschauer sich bequem über "die da oben" erhitzen, ansonsten aber weiterleben wie bisher, getreu dem Motto der Umweltpolitik der letzten 40 Jahre: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!

    Ergänzend zu meinem vorherigen Beitrag:

    im Kapitel 4.2 des oben genannten Buches beschreibt Niko Paech die Konsequenzen aus eben diesen Gesetzen der Thermodynamik und spricht von der Nullsummenlogik der Thermodynamik. Die Überwindung dieser Nullsummenlogik bezeichnet er als "modernen Mythos" und den Grund dafür, dass alle bisherigen Nachhaltigkeitsbemühungen nicht nur gescheitert sind, sondern dass

    Zitat

    (...) sich kein ökologisch relevantes Handlungsfeld finden lässt, in dem die Summe der seit Langem bekannten und neuen Schadensaktivitäten nicht permanent zugenommen hätte.

    Paech beschreibt, dass diese Erkenntnis bereits 1973 durch den Ökonomen Ernst Friedrich Schumacher beschrieben wurde:

    Um mal wieder dem Thema dieses Threads zurückzukommen:

    Ich hatte ja weiter oben schon das Buch Energie, Entropie, Kreativität Was das Wirtschaftswachstum treibt und bremst empfohlen. Der Physiker Reiner Kümmel zeigt darin auf, dass die Idee der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und planetarischer Zerstörung den Gesetzen der Thermodynamik widerspricht. Kümmel spricht dort vom "Zerberus vorm Schlaraffenland" und schreibt, dass wenn diese Entkopplung möglich wäre, es auch möglich sein müsste, ein Perpetuum mobile 2. Art zu entwickeln (Er nennt dieses Beispiel, um die Absurdität aufzuzeigen.)


    Er schreibt, dass als Konsequenz aus dem Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik bei jedem Geschehen in unserem Universum Exergie (der nützliche Teil einer Energiemenge) vernichtet und Anergie (der unnütze Teil, also z. B. Emissionen, Abwärme) vermehrt werde. Und über deren Summe sage der Erste Hauptsatz der Thermodynamik, der Satz von der Erhaltung der Energie:

    Energie = Exergie + Anergie = konstant.

    Weiter schreibt er: "Unvermeidlich folgt aus dem Zweiten Hauptsatz, dass mit jeder Nutzung einer Einheit der "natürlichen Ressource" Energie der in ihr enthaltene Exergieanteil verringert wird und schließlich - oft auch schon nach der ersten Nutzung - unwiederbringlich für die Produktion der Wertschöpfung, also des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder Teilen davon, verloren ist."


    Deswegen sei die "ökologische Katastrophe" unausweichlich, wenn wir weiter an Wirtschaftswachstum festhalten.

    Mir ist auch nicht ganz klar wie du auf dieses Bild kommst die Reichen Menschen seien dazu verdonnert ihr Geld für fossilen Konsum auszugeben, weil die Alternative ist, das Geld zu verbrennen.

    Da es weder per se nachhaltige Technologien noch nachhaltige Produkte gibt, sind die Umweltschäden, die ein Einzelner verursacht und zu verantworten hat, proportional zur jeweils zur Verfügung stehenden Kaufkraft. Wer 10 Millionen auf dem Konto hat, kann dieses Geld nicht nachhaltig ausgeben. Es ist unmöglich.

    Du weest aber schon, dass Leute in Teilzeit arbeiten können, weil ihr Lohn hoch genug ist?

    Ich frag mich in welcher Lebensrealität du dich bewegst, aber die Entwicklung die ich sehe sieht eher so aus, dass ein Großteil der Menschen gerade genug für Miete und Essen haben. Klar selbst schuld, wenn man sich so Verantwortungslos gibt und erlaubt ein Kind mit einzuplanen.

    Diesen Menschen jetzt zu sagen, sie sollten einfach Mal weniger arbeiten dann wird das schon, ist ein wenig kurz gedacht.

    Es steht doch völlig außer Frage, dass derartige Lebensstiländerungen nicht von allen Bevölkerungsschichten angestoßen werden können. Hat aber auch nie jemand behauptet. Natürlich würde ich jemandem, der prekär beschäftigt ist, nicht den Rat geben, seine Arbeitszeit zu halbieren. Das wäre ja völlig irre!

    Aber was spricht eigentlich dagegen, dies von den mittleren und reichen Schichten zu fordern? Es geht ja nicht darum, dass nun alle Menschen von heute auf morgen auf Postwachstum umschalten, aber es muss in der Bevölkerung eine kritische Masse an Menschen mit veränderten Lebensstilen heranwachsen.

    Ohne diesen vorherigen kulturellen Wandel ist auch kein politischer Wandel denkbar, weil sich keine demokratische Regierung ungestraft gegen die Lebensrealität der Wählermehrheit wenden kann.


    In diesem Forum ist es ja en vogue, "die Reichen" insofern zu kritisieren, dass sie reich sind. Damit holt man sich hier günstig Applaus ab. Wichtiger wäre es aber, deren Konsumstile zu kritisieren. Dann bekäme die Kritik an den Reichen Substanz. Weil hier aber niemand Konsumstile kritisieren will, bleibt es eben bei der billigen Forderung, man müsse doch nun endlich mal irgendwas gegen die Reichen unternehmen.



    Neulich gabs eine Diskussion mit dem Thema 'Warum wir Kapitalismus neu denken müssen'. Die Diskutanten waren, neben Gert Scobel:

    - Jens Beckert: Professor für Soziologie an der Universität zu Köln und Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung
    - Marcel Fratzscher: Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin
    - Markus Gabriel: Professor für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit und Gegenwart an der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität Bonn und Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie


    An dieser Diskussionsrunde kann man beispielhaft erkennen, warum wir noch sehr weit entfernt sind von einer nachhaltigen und gerechten Gesellschaft. Abgesehen von Hautfarbe und Geschlecht gibt es in dieser Runde nämlich eine viel interessantere Gemeinsamkeit: alle vier sind vermögend! Alle vier besitzen eine überdurchschnittliche Kaufkraft (auf Deutschland bezogen, global erst recht) und konsumieren entsprechend (weit) überdurchschnittlich Ressourcen und Energie. Und es ist sehr wahrscheinlich, dass diese vier Personen in einem sozialen Umfeld leben, wo Kaufkraft und Lebensstil entsprechend hoch sind. Und hier kommen wir zum Kernproblem:


    Wenn Menschen dieser Art zusammenkommen um über Kapitalismus, Ethik und planetarische Zerstörung zu reden, ist es quasi unmöglich, dass Diskussionen über Lebensstiländerungen angestoßen werden. Menschen neigen zur "interessegeleiteten Kognition". Das bedeutet, dass Menschen, selbst wenn sie einen hohen akademischen Abschluss haben und eigentlich gut darin sind, Sachverhalte rational und Argumente nüchtern betrachten zu können, versagen, sobald es um emotional aufgeladene Themen wie Klimawandel und Lebensstiländerungen geht. Gruppenzugehörigkeit (in diesem Fall: Die Gruppe der Vermögenden) ist der stärkste Auslöser, Vermeidungsstrategien gegenüber der Wahrheit zu entwickeln. Der amerikanische Psychologie Dan Kahan hat hierzu viel geforscht und spricht von "motivated cognition".

    (Das ist, nebenbei bemerkt, auch der Grund, warum Menschen mit einem akademischen Abschluss in Medizin an Unsinn wie Homöopathie glauben.)


    Deswegen kommt am Ende einer solchen Diskussion auch nichts anderes heraus als so ein Quatsch wie Gabriels "Ethischen Kapitalismus". Einen ethischen Kapitalismus kann es genauso wenig geben wie Grünes Wachstum oder nachhaltige Technologie.


    Das ist auch der Grund, warum bspw. Philipp Blom (neulich bei Jung&Naiv) hinsichtlich Themen wie Klimawandel und erneuerbarer Energien einen Unsinn nach dem anderen verbreitet. Eigentlich ein kluger Kopf, aber aufgrund seines monetären Vermögens und seines Lebensstils ist er zur Schwarmdummheit verdammt; und seine Fähigkeit zum rationalen Denken setzt aus.


    Deswegen ist aus meiner Sicht zu Beginn eines Gesprächs, sofern es im Gespräch um Themen wie Klimawandel etc. gehen soll, die Frage nach der jeweils zur Verfügung stehenden Kaufkraft wesentlich aussagekräftiger als die Frage nach Herkunft und Berufe der Eltern.



    Das ist der Grund, warum Kritik an den Reichen niemals eine Änderung hervorbringen wird! Nur eine Kritik an deren Konsumstilen kann zu gesellschaftlichen Änderungen führen.

    Was müsste passieren, damit Niko Paechs Idee von einer deutlichen Verkürzung der Lohnarbeitszeit und einer drastischen Reduktion der Nachfrage umgesetzt würde?

    Zunächst müssten die Menschen aufgeklärt werden, dass es kein grünes Wachstum geben kann, was bedeutet, dass es niemals grüne Technologien geben wird; dass also die Technik die Umweltprobleme nicht wird lösen können. Grünes Fliegen gibt es genauso wenig wie grünen Individualverkehr. Und es gibt auch keine grünen Smartphones und keine grüne Digitalisierung.


    Ferner müssten die Menschen darüber aufgeklärt werden, dass unser materieller Wohlstand nicht zufällig auf Ausbeutung von Mensch und Natur (rund um den Globus) beruht, Es liegt also nicht daran, dass wir nicht die richtigen Technologien hatten oder weil wir nicht effizient genug gewirtschaftet haben oder dass wir Auswirkungen auf Mensch und Natur entlang der Lieferketten außer Acht gelassen haben; Sondern es liegt am materiellen Wohlstand selbst: Kaufkraft und die jeweils verursachten Umweltschäden sind proportional zueinander! Ein Reicher kann seine Umweltschäden nicht reduzieren! Außer er verbrennt sein Geld.


    Das bedeutet, dass eine Gesellschaft, für die Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit nicht nur Buzzwords sind, nicht herum kommt, die Lebensstile, an dir wir uns gewöhnt haben, zu überdenken und den Verbrauch an Energie und Ressourcen zu reduzieren, Dies wiederum ist nicht möglich, ohne Reduzierung lohnabhängiger Erwerbsarbeit, um zum einen die Kaufkraft zu reduzieren und zum anderen Zeit zu haben für Subsistenz usw.


    Es gibt heute schon viele Menschen, die in Teilzeit arbeiten und ihre restliche Zeit mit Ehrenamt verbringen, oder in Ressourcenzentren arbeiten oder zeitweise (freiwillig und unentgeltlich!) beim Rote Rüben ernten mithelfen.

    Und komischerweise werden diese Menschen nicht vom Teufel [Kapitalismus] gezwungen, Flugreisen zu buchen und ein neues Iphone zu bestellen. Und diese Menschen wirken sogar ziemlich zufrieden.

    Wer soll das wie durchsetzen und wie soll man das sowohl gegenüber den privaten Eigentümern der Produktionsmittel - die dann eines großen Teils des Verwertungspotenzials ihrer Investitionen verlustig gingen - als auch gegenüber den Eigentümern der Arbeitskraft rechtfertigen, denen damit die Möglichkeit beschnitten würde, ihre Lohneinkünfte zum freien Erwerb von Waren und Dienstleistungen zu verwenden?

    Genau darum geht es doch. Es geht darum, Lohneinkünfte zu reduzieren und stattdessen entmonetarisiert Versorgungsleistungen zu vollbringen.

    Genau das ist die Voraussetzung für die Abschaffung des ausbeuterischen Kapitalismus. Die Lebensqualität eines Menschen bemisst sich eben nicht nur in Geld sondern in Fähigkeiten. Das ist Grundlage in der Sozialpsychologie.

    eifrig beworbene Professor Paech überhaupt keinen realistischen Plan zur Umsetzung seiner Vorstellungen einer Postwachstumsökonomie hat, dass seine und Deine Ideen also reine Hirngespinste sind.

    Streich doch mal Paech aus deinen Gedanken. Sogar der Hausmeister von Jung&Naiv weiß mittlerweile, dass du ihn mit der Glut des Apostels zu bekämpfen versuchst. Und dein Hass ihm gegenüber macht deine Sätze inhaltsleer.

    Und als jemand, der selbst vom Rednerpult die individuelle ökologische Verantwortung abzuschaffen gedenkt und die Menschen in die Hoffnung wiegt, auf den Messias zu warten, der uns dann endlich - vielleicht mit einer unsichtbaren Hand - den Kapitalismus vom Hals zaubert, solltest du vielleicht mit derartigen Vorwürfen etwas bedachter umgehen.

    nicht einfach vom Rednerpult herab irgendeine von einem Ökonomie-Professor ausgedachte bessere Ideologie verordnen, sondern dass man sie nur durch Aufklärung über die tatsächlich herrschenden Verhältnisse dazu ermächtigen kann

    Hatten wir doch alles schon. Er ist Wissenschaftler und veröffentlicht seine Forschungsergebnisse. Fertig.

    Wisch dir jetzt erst einmal den Schaum vom Mund.

    Wenn man die Verschwendung von natürlichen und menschlichen Ressourcen, die für diese Art der "Wert"-Schöpfung zwingend nötig ist tatsächlich beenden wollte, dann müsste man dafür sorgen, dass nicht mehr für den Profit, sondern für den tatsächlichen Bedarf produziert wird. Und das ginge nur, wenn man den Profiteuren ihr privates Eigentum an den Produktionsmitteln weg nähme.

    Wie könnte dies deiner Meinung nach von statten gehen? Also, was müsste passieren, damit den "Profiteuren ihr privates Eigentum an den Produktionsmitteln" weggenommen werden könnte? Und wie sieht deiner Meinung nach der "tatsächliche Bedarf" aus, wer legt diesen Bedarf fest?

    Und wie löst sich die Nachfrage nach Flugreisen auf?

    wobei sich dieses Problem vorallem auf die oberen Teile der Gesellschaft beschränken,

    Hast du dir schon mal die Frage gestellt, warum das so ist? Sind die Reichen einfach von Grund auf böse und konsumieren die falschen Produkte? Du bist doch hier Chef-Lobbyist für sog. grüne Technologien; bald werden die Reichen klimaneutral fliegen können und alles andere wird auch "grün" nutzbar sein, wo ist also das Problem? Dann sind die Reichen doch fein raus, oder?

    Interessante Assoziation...


    Rentner auf Kreuzfahrtschiffen mit Gewalttätern zu vergleichen ist jedenfalls nicht gerade ein hilfreiches Argument

    Ich habe Kreuzfahrten mit Gewalttätern in so fern verglichen, dass deine gesamte Argumentation letztendlich auf der selben Art des Relativierens und des Whataboutism beruht. Diese Argumentationsform kennt man vor allem von FDP-Anhägern: "Wir sind doch nur für 2 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich! Sollen doch erst mal die anderen ran! Was können wir schon ausrichten!"

    Es sind genau diese kindlichen Muster, von denen Frank Augustin, Chefredakteur der agora42, mal in einem Vorwort sprach:

    Zitat

    (...) Und ist es nicht verrückt, dass in dieser Periode kindliche Verhaltensmuster wie Selbstüberschätzung, Grenzenlosigkeit (man denke an ungezügelten Konsum und ungebremste Produktion), fehlende Selbstkritik sowie mangelnde Um- und Voraussicht geradezu Leitbildfunktion für die ganze Gesellschaft bekommen haben? Zeigt sich nicht ganz deutlich, dass sich viele „Erwachsene" für die drängenden Probleme nicht zuständig fühlen und immer mehr dieser „Erwachsenen" der Ansicht sind, eh nichts am Lauf der Dinge ändern zu können (Stichworte Klimawandel, Umweltverschmutzung und Ungleichheit)? Entspricht dies nicht genau der kindlichen Haltung, der zufolge (natürlich) die Erwachsenen die wichtigen Dinge zu regeln hätten?

    Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) hat übrigens in einem Sondergutachten vom Mai 2023 betont, dass individuelle Verhaltensänderungen und entsprechend von der Politik gesetzte Anreize essentiell für erfolgreiche Umweltpolitik und die Bekämpfung der Erderhitzung sind.

    obwohl sie nur etwa 0,0025% aller rund 8 Milliarden ErdenbürgerInnen ausmachen

    Interessante Relativierung... Wenn hier morgen auf der Straße eine Gewalttat geschieht, spielt das ja keine Rolle, denn es passiert ja so viel Gewalt in der Welt. Das entbindet den Gewalttäter dann auch von jeglicher Verantwortung.

    zurecht gebastelt

    Das Gefühl, dass du Tatsachen leugnest und dies hinter pseudo-intelligentem Gequatsche geschickt verbirgst, habe ich schon sehr lange.

    Ich ärgere mich, dass ich mit dir meine Zeit verschwendet habe.

    Zumindest scheint mir so, dass du auf dieser Ebene an den Texten vorbei schreibst.

    Ich befasse mich hier mit den Thema dieses Threads. Also der Unmöglichkeit einer Entkopplung von Wirtschaftswachstum und planetarischer Zerstörung und den Folgen daraus.

    Ziemlich sicher würde zum Beispiel die eh schon unverhältnismäßige Preissteigerung der Miete weiter anziehen.

    Warum?

    Und für Selbstversorger hat die Industrie ja schon die Lösung Patente auf Samen zu packen, die dann Wachstum bei den Anwälten ermöglicht. Und Samen die nur eine Saison nutzbar sind, Wachstum beim Verkauf.

    Dazu kann ich nicht viel sagen und ich will diese Gefahr nicht kleinreden.

    Nur, warum sollte eine gemeinschaftliche SOLAWI hierfür ein besonderes Risiko darstellen und landwirtschaftliche Betriebe rund um den Globus nicht?

    Die eingesparte Energie//Umweltverschmutzung würde genutzt werden um in anderen Gebieten mehr Schmutz machen zu dürfen.

    Das ist genau das, was aktuell geschieht.

    Bereiche die den Wachstumszwang bedienen und wenig Umweltlast mit sich bringen zu fördern

    Welche sind das?

    die archaischen Bereiche zu sanktionieren

    Welche sind das?


    Utan

    Lassen wir doch Paech und seine PWÖ einfach mal weg. Deinen offensichtlichen Hass auf ihn nervt. Ich hab verstanden, dass er für dich der Teufel in Person ist. Das ist völlig OK. Tun wir so, als gäbe es ihn nicht, Und versuch doch bitte mal einen Moment, nicht an meine grauenvolle Signatur zu denken.

    Ja so ist da. Ich schreibe auch alle meine Posts hier auf einer alten mechanischen Schreibmaschine.

    Dachte ich mir.

    Und Kreuzfahrten...

    Zitat

    Weltweit verzeichnet der Markt für Kreuzfahrten rund 20 Millionen Passagiere pro Jahr. Dabei sind Kreuzfahrten mit weitem Abstand bei US-Amerikaner:innen am beliebtesten, gefolgt von Deutschen und Brasilianer:innen.

    sind bei den Deutschen deswegen so beliebt, weil sie gezwungen sind

    mittels gesellschaftlicher Arbeit auf Teufel komm raus private Profite zu steigern, damit die ganze private Finanzierung nicht aus Mangel an Geldwachstum zusammenbricht.

    ? Hab ich das richtig verstanden? Dann handelt es sich ja doch um willenlose Marionetten. Aber, da sagtest du ja

    Der Kapitalismus macht die Menschen überhaupt nicht zu willenlosen Marionetten. Er zwingt sie aber in gesellschaftliche Verhältnisse, in denen ihnen bei der freien Willensausübung ganz materielle Grenzen gesetzt sind - zu Beispiel in der Form, dass sie ihren ganzen freien Willen darauf verwenden müssen in der allgegenwärtigen Konkurrenz um Arbeitsplätze möglichst Wettbewerbsfähig zu sein,

    Ich frage dich jetzt das zweite Mal:

    Zum fett markierten Begriff: Was genau ist denn der freie Wille der Bürger?