Der SARS-CoV-2-Thread

  • Zweite Einschränkung: Ich habe allerdings den Verdacht, dass in Wirklichkeit die Produktionsstätten von Pfizer (plus unkompliziert zukaufbare Kapazitäten) in der EU und den USA der Marktgröße entsprechend dimensioniert sind. Soweit ich verstehe, werden aus den EU-Werken auch andere Länder beliefert wie Großbritannien (Israel?). Vermutlich müsste man solche Anteile einrechnen.


    Scheinbar alle Länder, selbst die US-Nachbarn Kanada und Mexiko bekommen ihre Lieferungen aus Europa. Man findet immer die gleiche Geschichte: Die ersten Dosen sind mit dem Flugzeug aus Belgien/Brüssel eingeflogen worden. Also ist die US-Produktion wirklich nur auf die Bedienung der USA ausgerichtet. Das ist denke ich ein Vorteil.


    Erstbestellung Geänderte Bestellung
    Q1-Lieferung wöchentlich
    EU 200 M 600 M
    45 M 3.5 M
    UK 40 M
    - ? ?
    Mexiko 34.4 M
    ? ? ?
    Kanada 20 M 40 M
    4 M
    ?
    Israel 8 M
    ? ? ?
    Schweiz 3 M
    - ? ?


    Dazu kommen zum Beispiel Kuwait, Qatar, Serbien, Singapur und VAE. Da habe ich nicht direkt Bestellzahlen gefunden.


    Also wenn man mal annimmt, dass die Erstbestellung die Q1-Lieferung bedingt (EU und Kanada haben einen ähnlichen Faktor) und sich der wöchentliche Wert in Näherung aus den Q1 geteilt durch 12 Wochen ergibt, könnte man die Tabelle mit Schätzwerten auffüllen:


    Erstbestellung Q1-Lieferung wöchentlich
    EU 200 M 45 M 3.5 M
    UK 40 M
    8 M
    666 K
    Mexiko 34.4 M
    7 M
    600 K
    Kanada 20 M 4 M
    333 K
    Schweiz 3 M
    600 K
    50 K


    Dann wäre der gegenwärtige Output in Europa in einem ähnlichen Bereich wie er in den USA im Januar gewesen zu sein scheint.


    Das heißt die Liefermenge im Januar ist vielleicht schon eher 4-5 M pro Woche.


    Und mit den anstehenden Kapazitätssteigerungen kommt man wohl auch mit der US-Produktion mit.


    Biontech hat noch eigene deutsche Produktionsstätten (abgesehen von dem Werk in Marburg, das sie jetzt eröffnen und das Teil der deutlichen Kapazitätsausweitung ist). Aber ausschlaggebend ist gegenwärtig wohl nur Pfizers Werk in Puurs.


    https://www.pfizer.be/nl-be/covid-19


    Zitat

    De productie: Made in Belgium


    Onze site in Puurs is geselecteerd als een van de productiesites voor het nieuwe vaccin.

    Dat is geen verrassing, want Pfizer Puurs is internationaal een van de grootste productie- en verpakkingsvestigingen van Pfizer. Het is gespecialiseerd in aseptische productie en verpakking en produceert steriele, injecteerbare geneesmiddelen. Elk jaar worden in Puurs meer dan 400 miljoen doses injecteerbare vaccins en geneesmiddelen geproduceerd. Ze worden ter plaatse verpakt in ampullen, flacons, plastic flesjes, spuiten en patronen voor injectiepennen.


    400 Millionen Dosen Arzneimittel pro Jahr, also 100 M pro Quartal. Kann man sicherlich nicht einfach umlegen und ich weiß auch nicht, ob sie ihre gesamte sonstige Produktion dort komplett umstellen, aber es wäre vorstellbar, dass dieses Werk auch für die EU 100 M Dosen im ersten Quartal hätte liefern können. Nur nicht, wenn man sich die Produktion mit dem Rest der Welt teilt. Die abgeschätzten Q1-Lieferungen zusammengerechnet, würden sich schon zwei Drittel der sonstigen Produktion ergeben und da kommen etliche weitere Mengen kleinerer Länder hinzu und wohl auch die 8 M Dosen für Israel, die offenbar keine Verzögerungen hatten und mutmaßlich priorisiert werden oder vielleicht garantiert das Deutschland über die Produktion von Biontech.


    Keine Ahnung wie es bei Astrazeneca aussieht, aber das gegenwärtig nicht Teil des Vergleichs zwischen EU und USA. Insofern sind die Zweifel an Lauterbachs Erkläung von der fehlenden Investition in Kapazitäten meines Erachtens berechtigt. Von dem, was ich an Hinweisen gefunden habe, hat sich wohl Pfizer einfach intern so organisiert, dass die gesamte internationale Produktion in der EU ist. Also zum Beispiel hätten sie ja ohne weiteres die Ausfälle in Belgien zu ungunsten der US-Lieferung kompensieren können, um etwa Kanada zu beliefern, die auch von den Umbauten in Puurs betroffen waren (aber kann sein, dass da Trumps executive order gegriffen hat).


    Nachtrag: Eine Sache kommt noch hinzu. Pfizer wird auch 40 M Dosen an COVAX verkaufen und die Lieferungen beginnen wohl ebenfalls jetzt, nehme an wieder aus der Produktion in der EU.

  • Grade die aktuelle Lagedernation (227) gehört. Deutschlandzu 2,5% durchgeimpft, Israel zu 60%, dann versuchen die zwei das minutenlang gesund zu beten ("man muss auch mal die absoluten Zahlen anschauen, Israel sind eben nicht so viele").


    Sich mit Israel zu vergleichen ist aber auch wirklich unsinnig. Man kann sich mit UK vergleichen und dann jammern oder mit den ganzen anderen EU-Staaten und dann sitzt man nur mehr oder weniger im gleichen Boot. Oder die USA mit der EU und dann wieder jammern.


    Kann nicht sagen, dass ich dafür Anlass sehe.

  • Der Spahn hat's versaut, wir wählen unseren Bundestag nicht damit sich das feige Pack hinter EU-Entscheidungen versteckt!


    Was noch angesprochen wurde, war die sehr sparsame Herangehensweise (hauptsächlich durfte Impfen nix kosten, Tote egal).


    Nach Corona/ im September gibt's da was abzurechnen...

    Der gute Herr Spahn. Habt ihr auch noch im Ohr, wie Stefan ihn Anfang des (edit) letzten Jahres für seine Krisenbewältigung lobte, obwohl schon damals ein Fail den nächsten jagte.
    Ich bin mir bei ihm nicht immer sicher, ob das wirklich alles Unvermögen. Milliardengräber für Masken und Impfstoff und auf der anderen Seite Profiteure für die auch sonst bevorzugten Akteure in der Krankheitsindustrie. Wenn man bedenkt, wie vielen Menschen man mit den Milliarden in der Krise hätte helfen können.


    Der Scheuer ist auch so ein Kandidat. Sowas nennt man gemeinhin Untreue. Aber in unserer Bananenrepublik dürfen Politiker sich inzwischen alles erlauben.

  • Bisschen Rechercheabfall:


    Kanada hat erst jetzt die Empfehlung auf fünf auf sechs Dosen geändert und stellt sich raus, dass richtige Entnahmematerial wir dann auch mal knapp:


    https://www.ctvnews.ca/health/…ne-label-change-1.5284445


    --


    Norwegen hat AZD1222 von Astrazeneca ebenfalls nicht für Leute über 65 Jahre zugelassen:


    https://www.reuters.com/articl…irus-norway-idUSKBN2A40V2


    Die Schweiz lässt AZD1222 von Astrazeneca gar nicht erst zu bevor nicht die Studien in Amerika abgeschlossen sind:


    https://www.reuters.com/articl…astrazeneca-idUSKBN2A32GV


    --


    Als hier der Aktionismus ausgebrochen ist, weil die fehlgeleitete mediale Behandlung des Impfthemas die EU-Politik angetrieben hat, hat Kanada seine Optionen erwogen wie sie Vergeltung üben keine. Leider keine Details wie das ausgesehen hätte:


    https://www.iheartradio.ca/610…ccines-flowing-1.14491987

  • Das es ein Hauen und Stechen um die ersten Chargen des Impfstoffs geben würde war doch aber eigentlich jedem klar, oder? Das mit der Zulassung nicht plötzlich unbegrenzt Impfstoff aus dem Wassrehahn läuft ja auch, oder?


    Selbst mit dem sofortigen Aufbau "Volkseigene EU-Impfstoffproduktion" oder umfangreichen public-private partnerships oder einem Geldregen Richtung Pharmabranche wäre die aktuelle Situation der Knappheit nicht geheilt, sondern bestenfalls geostrategisch verschoben worden.


    Ich glaube vieles von dem Frust über die Politik liegt darin verborgen das satte Europäer es einfach nicht gewöhnt sind mit Mangel umzugehen und nicht akzeptieren können das wir nicht als erste "bedient" werden. Das passt nicht in die Welt der gutsituierten Journalisten und Bürger die mit kapitalistischer "instant gratification" aufgewachsen sind und immer zeitnah alles gewünschte kaufen/klicken/nehmen konnten.


    Ja, die EU hätte mehr ausgeben können/sollen/müssen. Und dann? Wäre spannend geworden wenn die gesamte Impfstoffproduktion zuerst bei uns aufgeschlagen wären. Dann würde vermutlich schon die amerikanische Flotte vor Frankreich parken, mit Ultimaten zur Herausgabe von Impfdosen...

  • Dein Ernst?


    Drei Punkte:


    1. Ich sehe eigentlich keinen Grund, warum überhaupt ein Land eine Durchimpfung der eigenen Bevölkerung anstreben sollte, bevor nicht erstmal die vulnerable Bevölkerung und das Personal in den Krankenversorgungssystemen weltweit geimpft ist. Okay, vielleicht als Feldversuch. Ist auch dann ein Gerechtigkeitsproblem und hat gerade im Fall von Israel den bitteren Beigeschmack, dass sie ihre Verantwortung für die von ihnen besetzte Bevölkerung offenbar überhaupt nicht wahrnehmen.
    2. Im Fall von Leuten, die der Überzeugung anhängen, dass man die Marktwirtschaft nicht überwinden kann, kann ich nur sagen ja dann kauft man sich eben solche Ergebnisse mit ein. Natürlich hätte eine Planwirtschaft das besser hinbekommen.
    3. Im Endeffekt sprechen wir hier über eine Reihe von Einzelentscheidungen und nachdem ich mir aufgrund meiner Abneigung gegen die Diskussion über das Impfthema viel zu viel davon etwas näher angesehen habe, kann ich nicht sagen, dass ich den Eindruck habe, dass hier gravierende Fehleinscheidungen mit dem jeweiligen Kenntnisstand getroffen wurden. Wobei es auch Fälle gibt, wo noch viel unklar ist, warum etwa von Moderna so wenig geliefert wird. Da habe ich noch kein Urteil.

    Zu 3: Auf welche Entscheidung würdest du denn deuten?

  • Ja, die EU hätte mehr ausgeben können/sollen/müssen. Und dann?


    Das wäre so der eine große Punkt gewesen, den man hätte universell besser machen können: Einfach von allem so viel bestellen wie möglich - denn damit hat Lauterbach sicherlich recht im Zweifelsfall ist der Impfstoff billiger als Kontrollmaßnahmen. Und man kann die Überschüsse dann spenden.


    Hätte das bedeutet, dass sich die Jahresproduktion der Hersteller nochmal deutlich steigert? Nicht undenkbar. Hätte sich die Produktion im ersten Quartal 2020 deutlich gesteigert? Eher nicht. Im zweiten Quartal? Unsicher. Und dann hätte die restliche Welt schön warten können bis wir das Gefühl haben jetzt können wir etwas abgeben.


    Vielleicht so wie Schweden, die haben sich wohl proportional mehr gesichert und verkaufen oder geben das jetzt offenbar weiter:


    https://www.reuters.com/articl…irus-norway-idUSKBN29Q13C


    Zitat

    [Norway] is part of the bloc’s vaccination purchase programme via Sweden, which is buying more than it needs and passing on doses.


    https://www.reuters.com/articl…astrazeneca-idUSKBN2A32GV


    Zitat

    The Swiss government said it had signed a deal with Germany’s Curevac and the Swedish government for the delivery of 5 million vaccine doses, [...]

  • Israel hat 5000 Impfseren abgegeben

    Im Weiteren ist es kompliziert.

    Wie alles im Nahen Osten.

    In diesem Artikel wird ganz gut erklärt warum.


    "OsloerVerträge auf deren Grundlage die israelische Regierung argumentiert, zählt die medizinische Versorgung im Westjordanland und Gaza zu den Aufgaben der Palästinenser. Israels Gesundheitsministerium erklärte deshalb, ohne Gesuch der Palästinenser keine Hilfe anbieten zu können. Gleichzeitig hat Israel das Westjordanland besetzt, kontrolliert den Gazastreifen. Entsprechend der Genfer Konventionen, auf deren Basis auch internationale Nichtregierungsorganisationen Israel nun kritisieren, ist Israel als Besatzungsmacht für die Gesundheitsversorgung der Palästinenser verantwortlich.

    Besatzer oder nicht?

    Die Diskussion berührt den Kern des israelisch-palästinensischen Konflikts. Würden die Palästinenser um Unterstützung bitten, könnte der Eindruck entstehen, man habe sich mit der Besetzung arrangiert. Helfen die Israelis, ohne danach gefragt zu werden, bestätigen sie ihre Rolle als Besetzungsmacht."


    https://www.zeit.de/politik/au…nland-gaza-menschenrechte

  • So ein paar Alarmisten Am Militär angeflanschte data miner der Israelis sagen eine neue Welle für Israel voraus. Trotz (bzw ein bisschen wegen) der Impfung.


    https://www.haaretz.com/israel…lvr.it&utm_medium=twitter



  • Ich habe allerdings das Gefühl würde der Wille wirklich bestehen, ließe sich leicht ein Feigenblatt finden. Etwa, dass man den Impfstoff im Rahmen einer Sicherheitskooperation weitergibt - die Epidemiebekämpfung in der unmittelbaren Nachbarschaft ist im Interesse von Israel und die Autonomiebehörde benötigt aufgrund der wirtschaftlichen Situation im palästinensischen Gebiet Mittel. Im Fall von Gaza könnte man das gleich über UNRWA aushandeln.

  • Ich bin mir bei ihm nicht immer sicher, ob das wirklich alles Unvermögen. Milliardengräber für Masken und Impfstoff und auf der anderen Seite Profiteure für die auch sonst bevorzugten Akteure in der Krankheitsindustrie.


    Ich kann allerdings nicht umhin zu bemerken wie leicht sich das Narrativ - lageabhängig - von "zu wenig oder zu billig bestellt" zu [crickets] zu "zuviel Geld für teures Zeug rausgeschmissen" verschiebt. Womit ich nicht sagen will, dass hier kein Filz zu vermuten ist.

  • Wolle mer ma hoffe das sich das nicht bestätigt (zweite Dosis / Entwicklung des vollen Impfschutzes könnte da noch was reissen).



  • Hui, endlich mal erfrischernder (und nicht der üblich muffig stinkende) Gegenwind im SARS-Thread - gefällt mir ja zunächst schon mal.

    Sich mit Israel zu vergleichen ist aber auch wirklich unsinnig. Man kann sich mit UK vergleichen und dann jammern oder mit den ganzen anderen EU-Staaten und dann sitzt man nur mehr oder weniger im gleichen Boot. Oder die USA mit der EU und dann wieder jammern.


    Kann nicht sagen, dass ich dafür Anlass sehe.

    Also hat die USA eine bessere Impfquote, obwohl sie zu der Zeit des ausgehandelten Deals einen Präsidenten hatten, den man gut und gerne als Coronaleugner hätte bezeichnen können, richtig? Auf's Jammern komme ich gleich noch zurück....

    Das es ein Hauen und Stechen um die ersten Chargen des Impfstoffs geben würde war doch aber eigentlich jedem klar, oder? Das mit der Zulassung nicht plötzlich unbegrenzt Impfstoff aus dem Wassrehahn läuft ja auch, oder?


    Selbst mit dem sofortigen Aufbau "Volkseigene EU-Impfstoffproduktion" oder umfangreichen public-private partnerships oder einem Geldregen Richtung Pharmabranche wäre die aktuelle Situation der Knappheit nicht geheilt, sondern bestenfalls geostrategisch verschoben worden.

    Wenn das Problem bekannt war, dann heißt das nicht, dass man diesen Umstand akzeptiert. Nochmal: Die Kommunikation der Regierung lautete, die Pandemie könne nur durch einen Impfstoff gestoppt werden. Und dann steckt man den Kopf in den Sand ob der AUssicht, es gebe ein Hauen und Stechen um Impfstoffrationen? Nein, dann sollte dieser Umstand konsequent angegangen werden und zumindest gedämpft werden! Hierzu standen und stehen immer noch mittel der Patentfreigabe und Offenlegung der Rezepturen etc. zur Verfügung, schlichtweg mehr Gelder, eine Notkomission, die zum Bau notwendiger Infrastruktur benötigt wird.

    Käme beim Klimawandel jemand auf die Idee zu sagen: "Ja gut, hätten wir in den 90ern schon mehr in Solar und WIndkraft investiert wäre besser gewesen, aber damit hätte man das Problem nur geostrategisch verschoben"

    Zitat von Kulturmarxist

    Ich glaube vieles von dem Frust über die Politik liegt darin verborgen das satte Europäer es einfach nicht gewöhnt sind mit Mangel umzugehen und nicht akzeptieren können das wir nicht als erste "bedient" werden. Das passt nicht in die Welt der gutsituierten Journalisten und Bürger die mit kapitalistischer "instant gratification" aufgewachsen sind und immer zeitnah alles gewünschte kaufen/klicken/nehmen konnten.


    Ja, die EU hätte mehr ausgeben können/sollen/müssen. Und dann? Wäre spannend geworden wenn die gesamte Impfstoffproduktion zuerst bei uns aufgeschlagen wären. Dann würde vermutlich schon die amerikanische Flotte vor Frankreich parken, mit Ultimaten zur Herausgabe von Impfdosen...

    Zunächst mal wehre ich mich gegen den Vorwurf, dass hier ein Sattheitsgefühl von gutsituierten Europäern ausschlaggebend für die Kritik ist, weil es von den 500 Millionen Europäern, so reich sie im internationalen Vergleich sein mögen, tatsächlich einen hohen Anteil gibt, der aktuell sehr stark leidet. Das kann man dann gerne mal in's lächerliche ziehen, aber der Zeitfaktor in dieser Pandemie ist doch sicherlich nicht von der Hand zu weisen, oder?

    Und der zweite Punkt ist ja nicht wirklich einer, der ist eher so in Richtung Satire zu verordnen. Die Amis hätten sich nach dem Pispers-Prinzip auch nicht ihre Kohle mit den dem Flugzeugträger geholt. Militarismus hat dieser Tage seine Grenzen.

    Drei Punkte:



    Ich sehe eigentlich keinen Grund, warum überhaupt ein Land eine Durchimpfung der eigenen Bevölkerung anstreben sollte, bevor nicht erstmal die vulnerable Bevölkerung und das Personal in den Krankenversorgungssystemen weltweit geimpft ist. Okay, vielleicht als Feldversuch. Ist auch dann ein Gerechtigkeitsproblem und hat gerade im Fall von Israel den bitteren Beigeschmack, dass sie ihre Verantwortung für die von ihnen besetzte Bevölkerung offenbar überhaupt nicht wahrnehmen.

    Jetzt kann man bei Israel gerne den Fokus auf die Besatzung Palästinas legen und dann davon ablenken, worum es in dem Thema eigentlich geht.

    Von einer Durchimpfung der gesamten Bevölkerung habe ich übrigens auch nicht gesprochen, weil es mir (ähnlich wie dir) schon mal reichen würde wenn ich wüsste, wann medizinisches Personal und Risikogruppen safe sind. Wann ist das denn bitte genau? Der Faktor Zet dürfte doch auch hier eine Rolle spielen, oder? Danach könnte man nämlich auch wieder aktiver das Problem angehen, aus der jetzigen Situation rauszugehen (Stichwort: "Lockerung") die für viele nicht einfach nur bedeutet, ihre kapitalistisch indoktrinierten Bedürfnisse nicht stillen zu können, sondern tatsächlich existentiell vor großen Herausforderungen stehen. Nicht zuletzt würde man durch schnelleres Handeln auch Menschenleben von den oben genannten Risikogruppen retten können.

    Zitat von Wemir

    Im Fall von Leuten, die der Überzeugung anhängen, dass man die Marktwirtschaft nicht überwinden kann, kann ich nur sagen ja dann kauft man sich eben solche Ergebnisse mit ein. Natürlich hätte eine Planwirtschaft das besser hinbekommen.

    Verstehe nicht ganz, worauf die hinauswillst. Ist es jetzt einer deiner Punkte? Es wurde in den USA doch auch in kommunistischer Manier so eine Art Kriegsrecht ausgerufen, damit Firmen mit der Maskenproduktion anfangen, oder war das eine Ente? Wo ist diese Flexibilität des Markts, wenn man sie braucht? Ne, ich glaub, ich verstehe den Punkt nicht.

    Zitat von Wemir

    Im Endeffekt sprechen wir hier über eine Reihe von Einzelentscheidungen und nachdem ich mir aufgrund meiner Abneigung gegen die Diskussion über das Impfthema viel zu viel davon etwas näher angesehen habe, kann ich nicht sagen, dass ich den Eindruck habe, dass hier gravierende Fehleinscheidungen mit dem jeweiligen Kenntnisstand getroffen wurden. Wobei es auch Fälle gibt, wo noch viel unklar ist, warum etwa von Moderna so wenig geliefert wird. Da habe ich noch kein Urteil.

    Zu 3: Auf welche Entscheidung würdest du denn deuten?

    Mag ja sein, dass du eine Abneigung gegen das Impfthema hast, aber das ist immer noch die Grundlage dessen, worüber wir seit dem Sommer 2020 sprechen, wie wir hier aus dieser Situation rauskommen. Mag sein, dass es eine Reihe von EInzelentscheidungen gegeben hat, aber dann sollte man sich ja mal Fragen, wieso man diese immanent wichtige Thema von nur einer handvoll Einzelentscheidungen abhängig gemacht hat.


    Zitat von Wemir

    Ich kann allerdings nicht umhin zu bemerken wie leicht sich das Narrativ - lageabhängig - von "zu wenig oder zu billig bestellt" zu [crickets] zu "zuviel Geld für teures Zeug rausgeschmissen" verschiebt. Womit ich nicht sagen will, dass hier kein Filz zu vermuten ist.


    Kannst du das anhand von ein paar Beispielen benennen? Vielleicht helfe ich dir dann auch hinsichtlich der argumentativen Stützung des jeweiligen Narrativs. Es kann ja durchaus 'ne Kausalität dafür geben, dass Fehlentscheidungen in beide Richtungen gehen.


    Und abschließend nochmal in Kürze: Das alles hier mag von meiner Warte aus Jammern sein, aber ähnlich wie unser Knallköpfiger Verschwörungseumel bin ich mir ja durchaus der Situation der vielen Menschen bewusst, die wirklich unter den Bedinungen zu leiden haben. Dafür, dass die Coronakrise medial zu einer Jahrhundertkrise hochstilisiert wurde war man erstaunlich zaghaft in derlei Hinsicht, dass man diese Krise möglichst kurz halten will.


    Zu viel Impfstoff hätte niemandem geschadet!

  • Dass es ein Hauen und Stechen um die ersten Chargen des Impfstoffs geben würde, war doch aber eigentlich jedem klar, oder? Das mit der Zulassung nicht plötzlich unbegrenzt Impfstoff aus dem Wasserhahn läuft, ja auch, oder?

    Witzig. Das aktuelle Impf-Angebot-Versprechen der BReg klingt genauso, nur eben terminiert auf kurz nach der Wahl. Man kann ja selbst hochrechnen, wie realistisch das ist.

  • Mittlerweile wurde ja nachbestellt, aber man kann hier nochmal die Situation mit Stand 19. November letztes Jahr sehen:


    https://www.nature.com/articles/d41586-020-03370-6



    Der Vergleich lohnt sich wieder nur mit großen Ländern wie Brasilien, China, Indien und USA, allein für sich hätte Deutschland vermutlich auch anders bestellt als im EU-Verband. (Nebenbei Israel hat wohl hauptsächlich auf die mRNA-Impfstoffe gesetzt.)


    Da sich die anderen großen Länder soviel weniger gesichert haben, braucht man wiederum nur auf den Unterschied zwischen EU und USA schauen und der besteht hauptsächlich darin, dass die USA sich mehr Optionen ausverhandelt haben. Vermutlich der bessere Abschluss und war vielleicht auch nur möglich, weil sie früher die Verträge gemacht haben. Dennoch kommt es mir so vor als wären sie damit Trittbrettfahrer, denn - wie schonmal gesagt - ich weiß nicht, ob die Unternehmen von Optionen so stark dazu motiviert werden in die Produktion zu investieren wie von verkauften Dosen. Andererseits kommt es natürlich auch auf den Zeitpunkt des Verkaufsabschluss an. In dem Bereich wäre es interessant zu wissen, wie der spätere Zeitpunkt für den EU-Vertragsabschluss zu stande kam - jenseits des Anekdotischen - und wie sicher die Abnahmemenge aus den Vorverhandelungen schon gegenüber dem jeweiligen Hersteller feststand.


    Vom Prinzip her sollte das vermutlich 1 oder 2 Dosen mal Zahl der Hersteller von denen man bestellt sein, aber dann kommen Fragen wie Preis, Nützlichkeit (etwa mit Blick auf die Tieftemperaturanforderungen für manche Länder) und nationale Interessen bei bestimmten Herstellern zu bestellen mit hinein.

  • RobFord Lumpen-Pazifist

    Sterbezahlen sind der untere Graph. Klar ist das kein endgültiges Bild, aber hey - nach 60 Prozent Durchimpfung, sollte man da nicht mehr erwarten? Wenn man schon sein Land zum Versuchslabor macht?

    Ich denke, ein bisschen mehr Geduld sollte man schon mitbringen. Wenn sich längerfristig nichts tut, kann Spahn ja die Bestellungen immer noch stornieren.

  • Wenn das Problem bekannt war, dann heißt das nicht, dass man diesen Umstand akzeptiert.

    Wie gesagt: eine Lösung die uns vor der JETZIGEN Knappheit gerettet gab es realistisch nicht. Ich verweise auf das Werk das Biontech im September "auf gut Glück" gekauft hat. Das war schon ein Impfstoffwerk, der Umbau dauert vorausichtlich bis Ende Februar. Retooling anderer Pharmabetriebe dürfte ähnlich lange dauern, oder länger wenn sich noch irgendwelche bottlenecks ergeben weil plötzlich 10 Werke nach Spezialmaschinen verlangen. Neubau ab dem Punkt "grüne Wiese" dürfte eher so 2 Jahre dauern.


    Dieser Hinweis bedeutet nicht das man es nicht "nach vorne raus" machen sollte. Von mir aus mit Patententeignung, Zwangslizenzen, ist mir einigermaßen wumpe. Nur für den jetzigen Zeitraum hätte sich nix geändert.

    Die Kommunikation der Regierung lautete, die Pandemie könne nur durch einen Impfstoff gestoppt werden.

    Richtig, und das war eine falsche Hoffnung die da geweckt wurde, nicht nur von der Regierung, auch von den Medien. Gründe unter anderem: siehe oben.

    Und dann steckt man den Kopf in den Sand ob der AUssicht, es gebe ein Hauen und Stechen um Impfstoffrationen? Nein, dann sollte dieser Umstand konsequent angegangen werden und zumindest gedämpft werden! Hierzu standen und stehen immer noch mittel der Patentfreigabe und Offenlegung der Rezepturen etc. zur Verfügung, schlichtweg mehr Gelder, eine Notkomission, die zum Bau notwendiger Infrastruktur benötigt wird.

    Siehe oben, nach vorne raus stimm ich DIr da zu. Für die "Krümel" die jetzt kurzfristig aus der anlaufenden Produktion rausfallen war die Konkurrenz vorprogrammiert.

    Zunächst mal wehre ich mich gegen den Vorwurf, dass hier ein Sattheitsgefühl von gutsituierten Europäern ausschlaggebend für die Kritik ist, weil es von den 500 Millionen Europäern, so reich sie im internationalen Vergleich sein mögen, tatsächlich einen hohen Anteil gibt, der aktuell sehr stark leidet.

    Klar, es ist immer relativ. Mein Punkt ist: man fühlt sich (zu Recht oder Unrecht) vom Kapitalismus betrogen, der doch immer so toll für uns gesorgt hat und nimmt erstmal wahr das es halt ein "Recht des Stärkeren/Finanzstärkeren" ist. Das mag nicht für jeden gelten, und auch tendenziell nicht für die Foristen, aber ich nehm einige Berichte und Kolumnen in den Medien so wahr.


    Letztlich ist ja auch die Frage was man kritisiert. Kritisiert man das zu wenig Impfstoffe da sind? Geht aktuell nicht anders, siehe Produktionsengpass. Kritisiert man das "die anderen" geimpft werden (UK/USA) statt uns? Dann geht das Richtung Egoismus oder Nationalchauvinismus.


    Angenommen man hätte eine Weltregierung die den Impfstoff gleichmäßig und gerecht verteilt - dann würden wir mit den bereits zur Verfügung stehenden Dosen bislang nur Risikogruppen und essentielles Personal rund um den Globus impfen. Für den mittelalten Otto Normalverbraucher ohne Vorerkrankung würde es also noch lange dauern. Und die hiesigen Medien würden vermutlich genauso toben, nur mit anderen Vorzeichen.

    Und der zweite Punkt ist ja nicht wirklich einer, der ist eher so in Richtung Satire zu verordnen. Die Amis hätten sich nach dem Pispers-Prinzip auch nicht ihre Kohle mit den dem Flugzeugträger geholt. Militarismus hat dieser Tage seine Grenzen.

    Natürlich war das überspitzt. Aber ich mal mal ein Bild: Moderna gibts nicht, Biontech findet den Impfstoff, kooperiert mit Bayer zur Produktion innerhalb der EU. EU verhängt Exportstopp bzw hat alles mit wasserdichten Verträgen aufgekauft. Impfstoff bleibt hier im Land. Den AZ-Impfstoff horten die Briten. Jetzt mal Du mir ein Bild von der Reaktion unserer transatlantischen Freunde, die vor der Wahl "Pandemiedurchseuchung" oder Sputnik / Sinovax stehen.


    Also vielleicht keine Flugzeugträger, aber ich wüsste nicht wie diese Reaktion als "freundschaftlich" beschrieben werden könnte.

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