#534 - AfD-Experte Andreas Kemper, Teil 3

  • Montag, ab 16 Uhr, LIVE



    Zu Gast im Studio: Andreas Kemper, Experte für Faschismus, Antifeminismus, Klassismus und für "Landolf Ladig" alias Björn Höcke ist zurück bei Jung & Naiv. Wir sprechen u.a. über die AfD vor der Bundestagswahl, Hans-Georg Maaßen, Klassismus im Wahlkampf uvm.


    Ihr kennt ihn ja eh! Also her mit euren Fragen!


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  • Es wurde ja im konservativ-bürgerlichen Millieu in den letzten Jahren immer gerne behauptet, Angela Merkel habe die €dU nach links geführt. Unter anderem wird von einigen auch der steile Aufstieg der AfD dadurch erklärt.


    Meine These wäre, dass die Unionsparteien unter Merkel, Seehofer und Söder vor allem wirtschafts- und sozialpolitisch eigentlich eher weiter nach rechts gewandert sind, aber nicht schnell genug, um jenen Teil der "bürgerlichen Mitte" einzufangen, der sich von angeblicher linker Verbotspolitik, Meinungszensur, "Etatismus" und Enteignungsterror bedroht sieht.


    Jetzt wo Merkels Tage gezählt sind, werden hingegen alte rechtslibertäre Haudegen wie Friedrich Merz wieder aus der Versenkung geholt und als Minister gehandelt, oder eindeutige Reaktionäre wie Hans-Georg Maaßen und rechtsaußen-affine Jungstars wie Phillip Amthor für den Bundestag nominiert.

    Auch die Aufdeckung von Korruptionsskandalen und die Offenlegung einer traditionell äußerst fragwürdigen Verquickung mit der Wirtschaft scheinen bei den Unionsparteien keinerlei Schamgefühl mehr hervorzurufen. Darin ähneln sie immer stärker der AfD. Gleichzeitig, scheuen Teile der Union immer weniger davor zurück, den alten Antikommunismus aus dem kalten Krieg wieder aufzuwärmen und sich als letzte Rettung gegen die Übernahme durch "Sozialisten" zu verkaufen.


    Daher die Frage:


    • Glaubst Du, dass die AfD deshalb in den Umfragen keine nennenswerten Zugewinne hatte, weil sich die Stimmung unter den WählerInnen eher nach links verschoben hat, oder liegt das vielleicht eher daran, dass viele AfD-WählerInnen jetzt nach Merkels baldigem Abgang ihre Heimat wieder bei einer deutlich schneller nach rechts wandernden €dU und €$U finden?
    • Zusatzfrage. Die fdP ist unter Christian Lindner ja auch deutlich weniger berührungsängstlich mit dem rechtslibertären Rand geworden und konnte in der Wählergunst dennoch deutlich zulegen. Könnte es sein, dass auch sie jetzt Stimmen aus dem AfD-Lager bekommt?
    • Was hätte eine vollumfängliche Beobachtung dieser Partei durch den "Verfassungsschutz" zur Folge? Wie sähe die Durchsetzbarkeit davon dann aus (gerade im Hinblick auf die vielen Anhänger in Polizei und Justiz)?
    • Was könnte 2024 in Sachsen passieren, wenn die AfD als stärkste Fraktion im Landtag vertreten ist?
    • Mal den worst case angenommen, AfD & CDU regieren in Sachsen: Wie kriegt man diese Regierung schnellstmöglich wieder weg?
    • Was ist deine Prognose für die Wahlen des AfD-Bundesvorstandes auf dem kommenden Parteitag im Dezember? Höcke z.B. betont (u.a. erneut im MDR-Sommerinterview), dass er seine Rolle zunächst in der Thüringer Landespolitik verortet, lehnt aber nie eine Kandidatur für den Bundesvorstand per se ab. Hälst du eine Abwahl Meuthens und damit eine vollständige Übernahme des völkisch-nationalistischen Parteiflügels mit Höcke als treibende Kraft zum jetztigen Zeitpunkt für wahrscheinlich?


    • Gibt es Neuigkeiten in der Causa "Landolf Ladig"? Du hast in einer Analyse auf deinem Blog dargelegt, dass Höcke sich in einem Interview aus diesem Jahr auf seine alten Ladig-Texte bezieht. Kannst du dir erklären, warum er das immer noch macht, obwohl er sich als Vorsitzender der Thüringer AfD in einer prominenten Position befindet? Ist das für ihn als Parteipolitiker nicht sogar schädigend?


    • Kurz vor der Bundestagswahl verbreitet die AfD das Narrativ eines möglichen Wahlbetrugs, u.a. Höcke bei einer Pegida-Demo in Dresden. In den sozialen Medien ruft die Partei und ihre Mitglieder:innen Menschen auf, sich als Wahlbeobachter:in aufstellen zu lassen. Fügt sich dieses Narrativ in die Umsturzfantasien des völkisch-nationalistischen Flügels ein? Gibt es auch einen Bezug zum "Stop the count"-Narrativ nach der US-Wahl und dem Sturm auf das Kapitol in Washington?


    • Was macht eigentlich Andreas Kalbitz derzeit nach seinem Parteiausschluss? Spielt er immer noch eine wichtige Rolle zwar nicht mehr in, aber trotzdem für die AfD?


    • HG Maaßen verbreitet belegbar antisemitische Verschwörungsideologien und steht in seinen politischen Positionen der AfD im Nichts nach. Dennoch behauptet er von sich, dass er die AfD als Partei ablehnt und mit seiner Kandidatur möglichst viele Stimmen wegnehmen will. Hälst du seine Aussagen für glaubwürdig oder ist er derjenige, der die Brücke vom rechten Flügel der CDU zur AfD schlägt?


    • Ulrike Herrmann bezeichnete zuletzt in der Hans Jessen Show den Umgang mit Annalena Baerbock als "fair". Teilst du diese Bewertung oder erkennst du im Umgang mit ihr als Weibliche Spitzenkandidatin im Wahlkampf (und der medialen Berichterstattung) auch antifeministische Muster?


    • Hast du schonmal überlegt ein neues AfD-Buch zu schreiben (oder dein altes zu überarbeiten), in welchem du alles mal zusammenfasst, was du zu den AfD-Netzwerken, den Ideologien in der Partei usw. bereits umfassend bei Jung & Naiv, bei Online-Vorträgen oder deinem Podcast erzählt hast?
  • Moin zusammen,


    hier ein paar Fragen an Andreas Kemper:


    Einige Wirtschaftsliberale, oder von Andreas Kemper auch als Totalkapitalist*innen Bezeichnete, fahren ja in letzer Zeit sehr auf "Privatstädte" ab. Um das Thema drehen sich ja auch bereits ein paar Artikel auf der Seite von Kemper. Und neben Leuten aus dem Dunstkreis der AfD, Atlasinitiative und Degussa Goldhandel, taucht auch der Name der FDP und der Friedrich-Neumann-Stiftung im Zusammenhang mit dem Thema auf:


    "Aber es gibt hinsichtlich der totalkapitalistischen Ambitionen in Honduras auch Bezüge zur deutschen Rechten: Der Putsch von 2009 wurde vom damaligen Repräsentanten der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung in Honduras, Christian Lüth, verteidigt. Lüth erhielt Rückendeckung durch den Vorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung, Wolfgang Gerhardt."

    ( https://andreaskemper.org/2021…aedte-zede-in-honduras-i/ )


    Da Christian Lüth ja bekanntlich zur AfD wechselte und selbst dieser Partei heute zu rechts ist, könnte man ja die Verbindung Privatstädte - FDP abhaken. Lüth ist jedoch nicht der einzige FDPler gewesen, der sich für die großindustriellen Putschisten in Honduras einsetze/sie verteidigte.

    • Deshalb frage ich mich, inwiefern totalkapitalistischen Ideen wie Privatstädte auch heute noch in die FDP vertreten sind.
    • Gibt es diesbezüglich auch in der FDP antidemokratische Tendenzen?
    • Wie sind die Beziehungen der FDP zu wirtschaftsliberalen, aber autokratischen oder dikatorischen Regimen (z.B Honduras, Pinochet, Bolsonaro)?


    Eine andere Frage bez. Wirtschaftliberalismus (vertreten von der FDP) und Demokratie:

    • Ist unsere Demokratie mit dem wachsenden Machgefälle zwischen Wohlhabenden und armen/armutsgefährdeten Menschen - durch die wachsende Schere zwischen Arm und Reich und dem Abbau des Sozialstaaten/Deregulierungen und Steuersenkungen für Reiche - überhaupt vereinbar?
    • Anders formuliert: Untergräbt eine nicht demokratische Wirtschaft (auf lange Sicht) einen demokratisch verfassten Staat (Demokratie vs. Plutokratie)?
  • naja die " linken " parteien wollten einen noch härteren lockdown und berlin hat quasi ein demoverbot ( Grundrecht! ) für die querdenker erlassen.


    Wie hart hätte eine "linke" Partei einen lockdown durchgezogen ? analog zu china?


    Vor allem die Aussage, das autotäre Regime immer rechts sind ist ein no true scotsman Argument

  • Andreas: Nein. Sowas wäre theoretisch möglich und es wäre dann auch ideal möglich sogar, für eine rechte Partei, wenn sie an der Macht wäre, aber das ist mit der CDU nicht passiert und mit der SPD.

    Man kann es aber auch so verstehen, dass er die CDU durchaus als rechte Partei sieht, er aber trotzdem keine faschistoiden Tendenzen in der Coronakriese erkennen kann.

  • Man kann es aber auch so verstehen, dass er die CDU durchaus als rechte Partei sieht, er aber trotzdem keine faschistoiden Tendenzen in der Coronakriese erkennen kann.

    Meine Interpretation ist, dass er eigentlich rechtsradikale Partei meint. Am Anfang des Interview hat er nämlich gesagt, er finden den Begriff rechts-"radikal" unpassend. Von daher denke ich, dass er unter Interviewdruck dann einfach rechts gesagt hat und die CDU halt keine rechtsradikale Partei ist.

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