#563 - EZB-Direktorin Isabel Schnabel

  • Am Donnerstag, ab 20 Uhr, LIVE



    Zu Gast im Studio: Ökonomin Isabel Schnabel. Seit 2020 ist sie Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB) sowie seit 2015 Professorin für Finanzmarktökonomie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn. Von 2014 bis 2019 war sie zudem Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Wirtschaftsweise“). Ihre Forschungsgebiete sind Finanzkrisen, Wirtschaftsgeschichte und das Bankenwesen.


    Habt ihr Fragen an Isabel? Her damit! Entweder live im Chat oder vorab hier im Forum.


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  • 1.) Wie "entsteht" Geld bzw. wie wird Geld "vernichtet"?

    (Alternativ: wie, wann und warum erhöht oder verringert sich die Geldmenge?)

    Welche Rolle spielen dabei die EZB, die nationalen Zentralbanken und die Privat- bzw. Geschäftsbanken?


    2.) Ist sie zufrieden mit der Geldpolitik und der Fiskalpolitik auf deutscher und europäischer Ebene der letzten 20 Jahren? Was sollte man ändern? Wie bewertet sie in diesem Zusammenhang die Positionen der anderen Länder der EU?

  • EZB-Tower is watching


  • Die US Fed und Zentralbank in UK haben angesichts der hohen Inflationsrate die Zinswende eingeleitet. Wann wird die EZB das tun? Ist es nicht richtig, dass aufgrund der immensen Staatsverschuldung die Politik hohen Druck auf die EZB ausübt, die Zinsen nicht zu erhöhen, weil wir sonst in der EU wieder Staatspleiten sehen würden?

    Nach langen Negativzinsen vernichtet nun die Inflation das Geld der Bürger – mit hohen Preisen und Geldentwertung von Sparguthaben.

  • Das mit dem Club of Rome war so lehrreich. Das ist eine Geschichte die die Ökonomen sich selbst erzählen und dann glauben. Ausgerechnet jetzt, wo wir Kriege, Umweltkatastrophen, Pandemie, Flucht, Missernten, usw erleben sagt sie: "Die These des Club of Rome wurde wiederlegt".


    Ich finds unfassbar. Natürlich hat sie Limits to growth wohl nicht gelesen, sondern weiss nur die Mythenerzählungen in den Kreisen der Ökonomen. Wahrscheinlich auch keine andere Veröffentlichung des COR wie ich annehme. Limits to growth war natürlich auch keine "These" sondern eine Modellrechnung von Experten in der Theorie dynamischer System. Sehr ähnlich eigentlich den Klimamodellen.


    Widerlegt wäre das Modell wenn sich die Realität anders entwickelt hätte als das Modell. Leider aber sind wir natürlich seit 50 Jahren ziemlich nah dran.


    The 1972 book Limits to Growth, which predicted our civilisation would probably collapse some time this century, has been criticised as doomsday fantasy since it was published. Back in 2002, self-styled environmental expert Bjorn Lomborg consigned it to the “dustbin of history”.


    It doesn’t belong there. Research from the University of Melbourne has found the book’s forecasts are accurate, 40 years on. If we continue to track in line with the book’s scenario, expect the early stages of global collapse to start appearing soon. ...

  • Es macht mich ehrlich gesagt fertig, dass in allen einflussreichen Positionen in Wirtschaft und Politik an das Märchen geglaubt wird, man könnte sich durch Innovation aus dem Klimakollpas und den negativen Folgen des Wachstums rauserfinden. Das gerade jemand wie Isabel Schnabel, als Wächterin über unser Finanzsystem, den Kapitalismus offenbar nicht verstanden hat ist Krass.

    Offenbar ist es in unseren Eliten völlig normal keine der zahllosen EIndeutigen und Fachübergreifenden Veröffentlichungen wahrzunehmen die diese Märchengeschichte untersucht und als völlig fern der Realität eingestuft haben. Wir werden von einer Liga von Kapitalismusschwurblern geführt. "Klimakollaps ist nur ne kleine Grippe des Kapitalismus".


    Hier z.B. ein Newsletter einer ganzen Reihe an Forschungen dazu vom Max Planck Institut für Gesellschaftswissenschaften mit Fachübergreifenden Studien der Max Planck Institute darüber ob der Kapitalismus mit dem Klimakollaps fertig werden kann (Spoiler: das Egebnis ist Nein):


    https://econsoc.mpifg.de/43808/22-3

  • Must watch interview!


    Teaser


  • Was ausserdem sehenswert an dem Interview ist, ist wie sie wenn man genau zuhört erklärt, dass die zentrale Aufgabe der EZB ist dafür zu sorgen, dass Reiche reicher werden.


    Preisstabilität soll über ein 2% Inflationsziel erreicht werden, dass es erlaubt Lohnerhöhungen zu kompensieren oder sogar effektiv Reallohnverlusste zu verursachen, da Lohnerhöhungen nicht Rückgängig zu machen sind. (Ein Umstand der irgendwie aus ihrer Sicht Negativ zu bewerten war?)


    Die EZB verschiebt also das Verhältnis Lohn gegen Vermögenswerte immer inkrementell in Richtung vermögenssicherung und zum Ungunsten der Löhne. Die Vermögenszuwächse, so wird deutlich, müssen immer höher sein als die Preissteigerung, damit die Vermögen weiter wachsen können.


    Man könnte Inflation auch anders steuern. Anstatt über eine Vermögenssteuer könnte man mit einer Inflation die Lohngetrieben ist soziale Ungleichheit und die Schere zwischen Arm und Reich auch langsam schliessen. Wenn man in der Geldpolitik (und Lohnpolitik, z.B. in dem der Staat mit Lohnerhöhungen voran geht) darauf achten würde, dass die Lohnsteigerungen der treibende Faktor der Inflation wären, und die Preissteigerung hinter den Lohnzuwächsen zurück bleibt, dann käme mehr vom Wachstum bei den Lohnempfängern an und Realvermögen würden im Verhältnis zu Einkommen und Kaufkraft langsam schrumpfen.


    Aber genau WEIL das nicht passieren soll, betreibt die EZB die Politik die sie macht. Isabel Schnabel erklärt also in dem Interview ganz deutlich warum die EZB (Bzw. alle Zentralbanken) eine der Institutionen ist auf denen der Kapitalismus heute ruht.


    Wachstum soll also nicht nur immer weiter gehen, sondern ausschliesslich der Kapitalakkumulation zugeführt werden.


    Dabei erscheint sie so sympathisch ....

  • Wenn man genügend Wachstum hätte, könnte man (wie in den 70ern z.B.) gleichzeitig Löhne und Vermögen von der Produktivitätssteigerung profitieren lassen. Da aber die Vermögen und damit die Vermögenszuwächse inzwischen so groß sind und das Wachstum (wie sie es formuliert) eine "schwäche" hinnehmen musste, können Vermögenszuwächse nur durch Lohnkürzungen erzeugt werden (wozu auch Sozialbezüge, Renten usw gehören).


    Das BIP ist einfach ausgedrückt die Summe aus Löhnen und Vermögensakkumulation. Das ist natürlich eine Tatsache die Ökonomen gerne verschleiern und behaupten dass Gewinne und Investitionen da eine Rolle spielen, aber der Finanzmathematiker Jürgen Kremer kann das rein mathematisch aus der Lehrbuchökonomie herleiten: (Klick).


    Wenn also BIP = Löhne + Vermögenszuwächse
    und das BIP Konstant ist, während Vermögenszuwächse steigen, müssen Löhne zwangsweise sinken.

    Einen Teil der Kräfte die dafür sorgen, dass diese Rechnung genau so aufgeht ist also wie uns Isabel Schnabel erklärt, die EZB.


    Irgendwann aber sind die Armen zu Arm um die Reichen noch reicher zu machen. Das ist natürlich ein schlimmes Problem für die Reichen. Das ist auch schon dem DIW aufgefallen. Siehe "Ungleichheit ist schlecht für die Konjunktur"


    Dabei hilft natürlich wieder was? Wachstum, richtig.


    PS: besonders wichtig dabei ist, dass die EZB "unabhängig" ist um nicht Einseitig einen Teil der Bevölkerung zu bevorzugen. (Das war Ironie)

  • Abgesehen von ihrem "Glauben" an die Möglichkeit ewigen Wachstums gefällt mir eigentlich ihr Verweis auf die "knappen" Ressourcen am besten, deren möglichst effiziente Verwertung Verteilung durch kluges Wirtschaften die vornehmste Aufgabe der Ökonomie sei.


    Ein großes Merkmal der kapitalistischen Industrialisierung war es eigentlich, Knappheiten durch maschinelle Massenproduktion zu beseitigen. Wo vor der industriellen Revolution noch jedes Gut - von der Rohstoffextraktion bis zur Endfertigung - in personalintensiver Handarbeit gefertigt werden musste, brachte die Herrschaft des in Maschinen investierten Kapitals einen ungeheuren Produktivitätsschub mit sich, und verwandelte schliesslich die Arbeitskraft selbst in eine Massenware, die im Überfluss vorhanden war, und nur noch dann von den Arbeitsplatzeigentümern am Arbeitsmarkt nachgefragt wurde, wenn sie sich zu wettbewerbsfähigen Preisen anbot.


    Heute ist Massenware in der reichen westlichen Welt so allgegenwärtig, dass Supermärkte Tonnenweise industriell hergestellte Lebensmittel auf den Müll werfen müssen, weil es trotz (relatv) geringer Preise gar keine ausreichende Nachfrage für den gigantischen Warenüberschuss gibt. Konzerne geben heute zum Teil mehr Geld für Marketing und Werbung aus, als für Forschung und Entwicklung, um die Nachfrage nach immer neueren, immer "besseren" Produkten überhaupt erst zu erzeugen.


    Die Waren des täglichen Bedarfs sind mit moderner Technologie schon lange im Überfluss produzierbar. Ihre "Knappheit" drückt sich im Kapitalismus erst am Markt aus, wo Preise nicht so tief sinken dürfen, dass die privaten EigentümerInnen der Produktionsmittel mit dem Warenverkauf keinen Profit mehr auf ihr eingesetztes Kapital realisieren können, und wo sich Kartelle und Monopole bilden, die sich eine politische Klasse halten, mit deren Hilfe der Markt im Sinne ihres Profitinteresses "reguliert" wird.


    Tatsächliche "Knappheit" besteht vor allem in eigentlich rohstoffreichen Enwicklungsländern, wo das westliche Kapital die Ressourcen für seine Industrielle Produktion zu extrem wettbewerbsfähigen Preisen von den herrschenden Eliten einkauft, während die von diesem für allerlei Autokraten, Despoten und Erbdiktatoren höchst lukrativen Gechäft ausgeschlossene Landbevölkerung nicht mal genug Kaufkraft hat, um sich das genmanipulierte Saatgut vom westlichen Agrar-Monopolisten für den Anbau von Lebensmitteln - auf Ackerflächen, die von westlichen Bodenspekulanten aufgekauft, und aus Sicht der lokalen Population damit ebenfalls "verknappt" werden - am Markt zu besorgen und so wenigstens ihre eigene Reproduktionsfähigkeit zu erhalten.


    Aber es war jetzt auch nicht zu erwarten, dass ausgerechnet eine deutsche Zentralbankdirektorin jemals auch nur in die Nähe einer ernsthaften ökonomischen Analyse gekommen wäre, die nicht davon ausgeht, dass die herrschende Ordnung eine aus der MenschlichenNatur™ erwachsene Alternativlosigkeit sei, und dass es der ganzen Welt viel besser ginge, wenn bloß endlich alle Völker dieser Erde genauso effizient aus Geld mehr Geld machen würden, wie das westliche Kapital.

  • Vor allem sitzt sie dem allgemeinen Irrglauben auf, dass es sich bei fossilen Energieträgern um normale Ressourcen handeln würde. Öl ist auch eine Ressource aber vor allem liefert(e?) Öl nunmal Energie mit einem EROEI den keine andere Energiequelle die wir haben bisher erreichen kann. Dass es sich daher mit Energie anders verhält als mit (knappen) Ressourcen ist Ökonomen nicht nahezubringen.


  • Der von (COR Mitglied) Ugo Bardi in dem Artikel genannte Vortrag von Charlie Hall wäre für Ökonomen wie Isabel vielleicht mal ein Augenöffner. Vielleicht schaut sich Ja Isabel das mal an. (Aber wahrscheinlich natürlich nicht, weil der COR natürlich ihrer Meinung nach eine Gruppe von pessimistischen Untergangspropheten ist die total widerlegt sind).


  • PS: Zitat aus dem Video: "Money is essentially a lean on energy". (Wobei ich denke dass Charlie Hall besser "profit is a lean on energy" hätte sagen sollen). Ich denke Isabel wird das nicht einmal in betracht ziehen, dass Energie und Wachstum irgendwie einen Zusammenhang haben. Sonst wäre ihre Theorie vom ewigen Wachstum schwer erschüttert.

  • Das mit dem Club of Rome war so lehrreich. Das ist eine Geschichte die die Ökonomen sich selbst erzählen und dann glauben*. Ausgerechnet jetzt, wo wir Kriege, Umweltkatastrophen, Pandemie, Flucht, Missernten, usw erleben sagt sie: "Die These des Club of Rome wurde wiederlegt".

    Auch Christian Lindner, der sich so gern das schmückende Mäntelchen der Rationalität, Bildung und Wissenschaftlichkeit ("Das überlassen wir besser den Profis") überstreift, habe ich wörtlich von den "sogenannten Grenzen des Wachstums" sprechen hören. Dem Kapitalismus fiele in seiner Kreativität immer wieder etwas Neues ein. Er verweist auf den seit den Prognosen des Club of Rome gewachsenen Finanzmarkt.


    Was er damit meint, sind sicherlich die immer raffinierteren Finanzprodukte, die Kriegserklärungen gegen jedes Gemeinwohl darstellen, die das Geld aus der Gesellschaft ziehen, die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufklaffen lassen, die sozialen und ökologischen Lebensgrundlagen der Gesellschaft marodieren lassen, die Demokratie aushöhlen und den Nährboden für die Rattenfänger von rechts schaffen.


    Die sogenannte "Freiheit" seiner exklusiven "Nach mir die Sintflut"-Wählerklientel ist damit freilich gesichert und die Welt von seinesgleichen in Ordnung.


    Was immer wieder fassungslos macht, ist, wie eine erdrückende Übermacht von Menschen gegen ihre ureigensten Interessen und gegen jede himmelschreiende Realität die Erzählungen einer verschwindenden Minderheit von Profiteuren glaubt - im Extremfall, bis es zur tödlichen Gefahr wird, sich noch zu rühren (siehe z.B. Nazi-Deutschland, das aktuelle China, Russland...)


    Vielleicht lässt sich solche Konstanz im Verhalten mit dem über Jahrmillionen entwickelten instinktiven Erbe unserer Sippenkultur erklären, mit der blinden Orientierung an Leitfiguren und am Verhalten der anderen (hierzu passt das "Konformitätsexperiment von Asch" von 1951)?


    Wenn wir trotzdem positiv bleiben wollen (Einstein: "Wie lautet die Alternative?"), dann hilf es nichts: Wir müssen unser "Werkzeug Verstand" einsetzen. Der erste Schritt ist Aufklärung und Bewusstmachung und dann vielleicht das Aufbegehren gegen das Instrumentalisiert-, Manipuliert- und Ausgebeutetwerden...


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    * Hier ein Artikel aus der taz, der veranschaulicht, warum das so ist und wie dafür über Generationen immer neu das Fundament gelegt wird - mit allen gesellschaftlichen Auswirkungen:


    https://taz.de/Einseitige-Hochschulbildung/!5357889/


    Buchtipp zum Thema: "This is not economy - Aufruf zur Revolution der Wirtschaftswissenschaft" von Christian Felber

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