Der SARS-CoV-2-Thread

  • Natürlich war es anfangs nie das Ziel, autoritär aus dem Ruder zu laufen. Nicht in Shanghai, nicht in Australien, wo ebenfalls Quarantäne-Lager eingerichtet wurden oder wie bei uns, wo anfangs auch schon eine Warnung vor einer Impfpflicht durch die Hintertür als Verschwörungstheorie diffamiert wurde und für die Auslöschung medialer Existenzen genügte. Es fängt immer klein an und steigert sich witzigerweise immer genau dann, wenn die Erfolge der gewählten Strategie ausbleiben.


    Der Ansatz hinter beiden Strategien war derselbe, die Zurückdrängung des Virus durch einen niedrigen R-Wert. Dieses Ziel war aber recht früh zum Scheitern verurteilt, was auch die Experten im medialen Wissenschafts-Pop hätten wissen können. Denn früh war klar, das Reservoir des Virus war nie auf den Menschen beschränkt und ohnehin hätte die ganze Welt mitmachen müssen.


    Trotzdem wurde lange der Eindruck vermittelt und so in der Bevölkerung manifestiert, das Virus könne mit genug Anstrengung irgendwie wieder verschwinden. Flatten the Curve wurde zum Auslaufmodell. Auf Basis dieser Idee wurden dann auch die Strategien entworfen. Ein Umdenken kam erst zustande, als dieses dann mit der Impfkampagne verbundene Versprechen offenkundig nicht mehr einzulösen war.

    Statt aber Ross und Reiter zu benennen, über den längst wissenschaftlicher Konsens herrschte, und Glaubwürdigkeit zu retten, wurden die Impfunwilligen und ihre Verteidiger zu Schuldigen erklärt und mehr oder weniger offen deren Diskriminierung betrieben, bis hinein in die Gesetzgebung, die noch immer gilt, je nach Willkür der Landesfürsten.


    Zwar hatte sich bei den Meisten mittlerweile herumgesprochen, dass die Endemie unausweichlich ist. Trotzdem ritt man weiter auf der Welle der vermeintlichen Pandemie der Ungeimpften. Bis jetzt trauriger Höhepunkt waren kürzlich die beiden Bundestagsdebatten zur Impfpflicht. Fortsetzung folgt spätestens im Herbst.


    Inzwischen geht jedes Mal, wenn mir im Hamburger ÖPNV nach Fahrtbeginn in ohrenbetäubender Lautstärke die Pflicht zum Tragen der FFP2-Maske nahegelegt wird, die fliegende Mitteilungs-Drohne in dem Video aus Shanghai durch den Kopf. Same Mood. Unwissenheit schütz nicht vor Strafe. Aber immerhin schützen wir den zu Bestrafenden vor Unwissenheit.

    Wir befinden uns im dritten Corona-Frühling und haben die niedrigsten Todesfälle und Hospitalisierungen aller Zeiten. Hoch lebe die Inzidenz, obwohl selbst die mittlerweile zu wünschen übrig lässt, ob hier im Hotspot oder bei den Gefahrensuchern im Rest der Republik.


    Im ersten wirklich gefährlichen Jahr gab es bei uns im ÖPNV übrigens null Beschränkungen. Im zweiten wurden medizinische Masken Pflicht. Im nun dritten gilt 3G und FFP2-Pflicht. Da geht doch noch was.

  • Probleme bei der Implementierung. Ok. Krasse Untertreibung, aber es hat keinen Sinn, das mit dir zu diskutieren, solange du das aus einer bewussten Uninformiertheit heraus tust. Auf der anderen Seite fehlt mir dafür dann auch die Motivation, in diesem Rahmen sowieso.


    Also ein Beispiel, die Sendung lief gerade erst vorhin, das Segment beginnt ab 23 Minuten. Da hört es sich so an, als wären die Darstellungen der Situation in Shanghai ziemlich übertrieben:


    https://www.wbai.org/archive/program/episode/?id=30533


    Und solche Einschätzungen habe ich jetzt schon ein paar Mal gehört. Natürlich müsste ich jetzt versuchen herauszufinden, was nun stimmt, um das wirklich entscheiden zu können. Dafür interessiert es mich aber tatsächlich nicht ausreichend.


    Kurzfristig mag es geholfen haben. Langfristig hat es wenig gebracht, wie du ja selbst doch irgendwie feststellst (ziemliches großes Potenzial an Erstkontakten), und die sichtbaren Kollateralschäden mit im Blick ist es doch eine ziemliche Katastrophe.


    Also es ist eine Strategie zur Überbrückung bis zur eigentlichen Lösung. Nicht ganz sicher, warum die Chinesen solange daran festhalten. Aber selbst wenn die chinesischen Impfstoffe nicht so gut sind, hat man sicherlich viel vorbereitende Immunisierung der Bevölkerung erzielt. Und das ist ja letztlich der Punkt das ganzen Vorgehens, dass man den unvermeidlichen Eintritt von SARS-CoV-2 in die naive Population abfedert.

  • Der Punkt interessiert mich. Wie kommst du zu dieser Auffassung?


    Vertrete ich schon lange. Als klargeworden ist, dass Omikron eine sehr starke Immunumgehung hat und sich unter den Geimpften verbreiten kann, war auch klar, dass es sehr schwierig ist, die tatsächliche Gefährlichkeit des Virus korrekt zu bestimmen.


    Hier hatte ich eine Arbeit verlinkt, die die Probleme dabei erklärt: RE: Der SARS-CoV-2-Thread


    Und hier letztens verlinkt, im Prinzip die Bestätigung für diese Auffassung: RE: Der SARS-CoV-2-Thread


    Das war der Vergleich von zwei Bevölkerungen, die weitgehend ohne bisherigen Viruskontakt gewesen sind, als die Ausbreitung von Omikron begonnen hat - in Hongkong und Neuseeland. Ohne die hohe Impfabdeckung bei den Älteren im Fall von Hongkong ist die Letalität von Omikron vergleichbar mit der von Varianten vorher, während es in Neuseeland als "mild" erscheint.


    https://twitter.com/jburnmurdoch/status/1503420660869214213



    Aber es hatte sich eben als Narrativ früh durchgesetzt, dass Omikron milder und in der Verbreitung nicht zu stoppen ist und so ist gilt das eben weiterhin als wahr.


  • Einiges wäre aufzuarbeiten, was in den letzten zwei Jahren geschah. Zuerst muss die den Pflegenotstand verschärfende Impfpflicht weg. Und vor allem muss die fixe Idee aus den Köpfen verschwinden, die aus einem selbst und aus den Mitmenschen eine potentielle Bedrohung für Gesundheit und Leben macht. Dieser Wahn hält sich offenbar dort besonders hartnäckig, wo auch die No-Covid-Idee ihren Ursprung hat. Elvira Rosert auf Twitter:


    Maßgeblich für das eigene Kontaktverhalten wäre also viel weniger als bisher die eigene Symptomatik oder das eigene körperliche Wohlbefinden, sondern die Frage, ob man ansteckend sein könnte. Die Schlussfolgerungen daraus wären durchaus unterschiedlich.

    Diese Public-Health-Infrastruktur müsste einiges von dem beinhalten, was gerade wieder zurückgebaut wird, beispielsweise Maskenpflicht in Innenräumen und öff. Verkehrsmitteln, Kontaktnachverfolgung, Isolations- und Quarantäneverpflichtungen und natürlich Testangebote.

    Was daraus folgt: statt sinnvolle, niedrigschwellige und effektive Maßnahmen abzuschaffen, weil eine noch laufende Pandemie politisch für beendet erklärt wird, sollten wir das Gegenteil tun, nämlich überlegen, was davon fortan zu einer Dauerinstitution werden kann und sollte.“


    https://mobile.twitter.com/elv…tatus/1516394462792069133


  • "Nur leichte und wieder abklingende Erkältungssyptome"


    Ach...schade eigentlich Gottseidank!

  • Hier ist auch nochmal eine wissenschaftliche Arbeit zur Letalität der Omikron-Variante in Hongkong:


    https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/71/wr/mm7115e1.htm


    Zur Impfquote:


    Zitat

    Although overall 2-dose vaccination coverage was 64%, rates varied between age groups and were lower among older adults: 2-dose vaccination coverage was 63% among persons aged 60–69 years, 45% among those aged 70–79 years, and 18% among those aged ≥80 years.


    Die Zahlen in der Altersgruppe ab 80 Jahre sind natürlich besonders schlecht und kommen zur Risikoverteilung hinzu. Insofern ist dann auch die Verteilung der Mortalität nicht überraschend:


    Zitat

    The daily mortality rate increased from zero on January 6 to 34.8 per million on March 21 and peaked at 37.7 on March 14. Among all deaths, 4,118 (70%) occurred in unvaccinated persons and 5,655 (96%) occurred in persons aged ≥60 years. Unvaccinated decedents aged ≥60 years (3,970) accounted for 67% of total deaths, and among the 5,655 deaths in persons aged ≥60 years, 70% were in unvaccinated persons. Unvaccinated decedents aged ≥70 years (3,661) and ≥80 years (3,036) accounted for 62% and 51% of all deaths, respectively.


    Der Vergleich zu Neuseeland wird auch nochmal gezogen:


    Zitat

    New Zealand, a country with a much lower population density than Hong Kong, also had largely vaccine-derived immunity. Although New Zealand’s 2-dose COVID-19 vaccination coverage was 95% among persons aged ≥60 years, the country experienced a similar increase in incidence after introduction of Omicron; however, mortality in New Zealand peaked at 2.1 per million population per day compared with 38.0 in Hong Kong.


    Die Bevölkerungsdichte hat sicherlich damit zu tun, dass die Sterblichkeit in Hongkong als "among the highest reported worldwide since the COVID-19 pandemic began" beschrieben wird, aber ansonsten ist Omikron einfach in seiner Gefährlichkeit ähnlich vorhergehenden Varianten und nur in Bevölkerungen, in denen die impf-induzierte und durch Infektion bzw. eher Erkrankung erworbene systemische Immunität einen Großteil gegen einen schweren Verlauf schützt, scheinbar weniger letal.

  • Weitere Arbeit, ein preprint, gleiches Ergebnis:


    https://www.researchsquare.com/article/rs-1601788/v1


    Zitat

    SARS-CoV-2 Omicron Variant is as Deadly as Previous Waves After Adjusting for Vaccinations, Demographics, and Comorbidities


    Abstract


    The B.1.1.529 (Omicron) variant of severe acute respiratory syndrome coronavirus 2 (SARS-CoV-2) has previously been reported as more transmissible, but less severe than other SARS-CoV-2 variants. To test this assumption, we linked state-level vaccination data with quality-controlled electronic health records from a large healthcare system, including 13 hospitals, in Massachusetts, USA. We then performed a weighted case-control study to compare risks of hospital admission and mortality across the SARS-CoV-2 waves in over 130,000 COVID patients. Although the unadjusted rates of hospital admission and mortality appeared to be higher in previous waves compared to the Omicron period, after adjusting for confounders including various demographics, Charlson comorbidity index scores, and vaccination status (and holding the healthcare utilization constant), we found that the risks of hospitalization and mortality were nearly identical between periods. Our analysis suggests that the intrinsic severity of the Omicron variant may be as severe as previous variants.

  • Damit es nicht langweilig wird, die Pocken sind in den meisten Teilen der Welt unterwegs.


  • Sehr gut! Dann trifft das ja nur diese lästigen hysterischen Baumkarnickel, und stolze Primaten wie ich sind nicht davon betroffen.


    Eichhörnchen? Die sind auch Ziel-Wirtstiere...


    Affenpocken jetzt auch in fünf europäischen Ländern


    Neben Großbritannien melden am Donnerstag weitere Länder Fälle von Affenpocken bei Menschen. In Deutschland mahnt das RKI Ärzte zur Wachsamkeit, die WHO ruft zur Kontaktverfolgung auf. Was steckt hinter der seltenen Virusinfektion? Ein Überblick. »


    Schmierinfektion, solidarische Grüße von meiner letzten Magen-Darm-Grippe...

  • Auch AIDS wird - entgegen vieler Gerüchte aus den 80ern, als die Krankheit zuerst auftrat - nicht durch bloße Nähe zu HIV-infizierten übertragen sondern nur durch intensiven Schleimhautkontakt oder Austausch von Körperflüssigkeiten. So ähnlich funktioniert das auch bei den Affenpocken.


    Wer das mit Covid19 vergleicht ist entweder sehr schlecht informiert, oder will einfach noch ein bisschen mehr Panik schüren. Wirtschaftskrise, Klimawandel und der 3. Weltkrieg reichen offenbar nicht.

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