Interessante Sendungen und Links

  • Kampf um Wohnraum: Die unmögliche Aufgabe der Politik

    Während Mieten und Immobilienpreise immer weiter steigen, kennt die Politik keine andere Antwort als "Bauen, Bauen, Bauen". Und auch das Hauptinstrument der Union für mehr Wohnungsneubau wirkt eher wie ein sinnloses Steuergeschenk: Selbst CDU-Großspender und Bauunternehmer Christoph Gröner nennt die Sonderabschreibung für bezahlbaren Wohnraum wirkungslos. So wird aus dem Instrument vielmehr ein lukratives Geschenk. Und obwohl laut Politik Klimaschutz "sozial verträglich" sein soll, auch beim Wohnen, zahlen die CO2-Abgaben bisher nur die Mieter.


    (featuring den netten Milliardär von nebenan mit frisch grüngewaschenem Öko-Anstrich, Bauinvestor Christoph Gröner. Und auch Friend of the Show Kai Wegner - Hauptberuflich Immo-Lobbyist und Ober-Schleimbatzen Spitzenkandidat der Berliner €dU im Nebenerwerb - darf seinen schmierigen Senf abgeben.)

  • Impfen, Klima und andere Dramen Wenn die Moral alles nur schlimmer macht

    Die Deutschen haben einen Drang, missliebiges Verhalten zu strafen – statt Anreize zur Besserung zu setzen. Emotional ist das verständlich, gesellschaftlich aber desaströs. Das Impfdrama belegt es.


    [...] Das gilt für den seit Wochen schwelenden Streit über den richtigen Umgang mit Leuten, die sich nicht impfen lassen oder lassen wollen. Ebenso wie bei der Frage, was die Menschheit am schnellsten dazu bringt, Sachen zu tun, die weitere Klimakatastrophen verhindern helfen. Und womöglich sogar für Eurokrisen.

    Das Grundproblem ist immer ähnlich. Jeder soll so sein, wie er will – solange er keinen anderen stört. Das kann der Fall sein, wenn es um Dinge wie Corona oder Klima geht, wo das Verhalten des Einzelnen in Summe Konsequenzen für alle hat. Wer sich nicht impfen lässt, entscheidet eben doch nicht nur für sich selbst, wenn eine mangelnde Impfquote in der Summe das Risiko einer neuen Welle erhöht – also das Leben anderer gefährdet. Ähnliches gilt in Sachen Klima. Die Frage ist, was dabei besser hilft. Pein oder Lohn.

    Wie tief bei uns der Hang zur moralisierenden Strafpolitik sitzt, haben Kanzlerin und Ministerpräsidenten diese Woche gezeigt – mit der bizarren Idee, ab Oktober keine Gratis-Coronatests mehr anzubieten. Warum? Weil sonst ja jeder kommen könnte – und sich einfach nicht impfen lasse, weil er sich ja (bisher) einmal die Woche gratis testen lassen könne. Dabei ist weder plausibel, dass es viele Leute gibt, die genau so denken. Noch, dass die Aktion gegen die nächste Welle hilft.

    Im Gegenteil. Wie Experimente etwa der Karlsruher Verhaltensökonomin Nora Szech gezeigt haben, wirken schon relativ geringe Kosten für solche Tests abschreckend – mit der Folge, dass im Zweifel einfach nur weniger getestet wird und Coronafälle unerkannt bleiben, ohne dass sich deshalb so viel mehr Leute impfen lassen. Wirklichkeit schlägt Moral.[...]

    Deutschland 2021: Die einen wollen ImpfgegnerInnen bestrafen - die anderen wollen Volkstribunale gegen das Merkel-Regime.


    Bürgerliche Moral im Endstadium.

  • Man kann sich da durchaus nochmal an Vietnam erinnern und man kommt auf eine 1:1 Übereinstimmung der politischen und militärischen Fehlschläge - wie man nach Vietnam nochmal dieselben Fehler machen konnte ist mir schleierhaft.


    - der Krieg wurde von 3 Präsidenten schöngeredet und auswegsloser weitergereicht

    - keine flächenmäßige Kontrolle ergo keine Entwaffnung

    - kein Unterschied zwischen Bürger und Kämpfer

    - maximale militärische Überlegenheit die zu nichts führt

    - nachdem die Zahl der GI-Särge größer wurde ließ man einheimische Truppen sterben




  • Der Typ, der Wisecrack gemacht hat, mit "Philosophie von ...[dies und das]" hat nie eine Philosophie klasse besucht. Er hat ein Abschluss in irgendwieso Film und Editing. Er beschreibt sich selbst als eher so 9 to 5 - Arbeiter und erzählt über seinen Charakter, den er in diesem Channel aufgebaut hat und die Werbung für die er auch diesen Charakter aufgebaut hat.


  • Morality itself is not an end to itself. It's instrumental to people living in hundred years from now. Or 500 years from now. It's only justifiable if you actually think that it will lead to people or increase the probability of people being around in that timeframe. And a lot of people don't actually don't believe that. At least not actively. Most people don't believe that they can afford to act on such a model. Basically what happens in the US is as I think that the healthcare system is for a lot of people no longer sustainable. Which means that if they need the help of the healthcare system they are often not able to afford it. And when they can not help it they are often going bankrupt. It's I think the leading cause of personal bankruptcy is the healthcare system. And that would not be necessary. It's not because people are consuming more and more medical services and are achieving a much much longer life as a result. That's not actually the story that is happening. Because you can compare it to other countries. And life expectancy in the US is currently not increasing and it is not as high as in all the other industrialized countries. Some industrialized countries are doing better with a much cheaper healthcare system. And what you can see is for instance administrative bloat. The healthcare system has, maybe to some degree deliberately, set up as job placement program to allow people to continue living in middleclass existence despite not having useful use case in productivity. So they are being paid to push paper around. And the number of administrator in the healthcare system has been increasing much faster than the number of partitioners (oder practitioners? glaub er meint participants). And this is something that you have to pay for. And also the revenues that are being generated in the healthcare system are relatively large and somebody has to pay for them. And the result why they are so large is because market mechanisms are not working. The FDA is largely not protecting people from malpractice of healthcare providers. The FDA is protecting healthcare providers from competition.

    So this is a thing that has to do with values. And this is not because people are malicious on all levels. It's because they are not incentivized to act on a greater whole on this idea that you treat somebody who comes to you as a patient like you would treat a family member.

    [...]

    Do we live in a society that is ever correcting. Do we observe that our models of what we are doing are predictive of the future and when they are not we improve them. Our laws adjudicated with clauses that you put into every law "what is meant to be achieved by that law" and the law will be automatically repealed if it is not achieving that.

    ....

  • Frau Günther (Ex-Stichwortgeberin und Belehrungsempfängerin des Diplomsoziologen, Jugendaktivisten und selbstgefühlten Podcastpioniers S. Schulz) hat ein sehr interessantes Gespräch über Lobbyismus mit dem PARTEI-Politiker Marco Bülow geführt:

    Einmischen podcast: Im Lobbyland mit den Selbstgerechten unterwegs

    (Triggerwarning: Der zweite Teil, in dem sich Frau Günther und ihr Kollege eher kritisch mit dem neuesten literarischen Werk der Genossin Wagenknecht auseinandersetzen, könnte Teile der Forumsbevölkerung verunsichern.)

  • Manchmal schreibt sie tatsächlich was kluges:

    Bundestagswahlkampf - Ideologen, das sind immer die anderen

    Laschet redet gern von »Ideologie«, wenn er linke Ideen meint. Dabei sind doch alle aktuellen Diskussionen über die Pandemie, über Klima- oder Migrationspolitik ideologisch geprägt.

    [...] Wenn der Begriff Ideologie fällt, ist damit meist so etwas wie Dogmatismus gemeint. Das ist schade, denn »Ideologie« ist eigentlich ein Begriff, mit dem man viel anfangen könnte, wenn man ihn so gebrauchen würde, wie die Kritische Theorie ihn auf Marx aufbauend verwendet hat: Bei Adorno ist Ideologie »objektiv notwendiges und zugleich falsches Bewusstsein, ... Verschränkung des Wahren und Unwahren«. Also nicht einfach eine falsche Weltsicht, die sich mit ein paar Fakten gerade biegen ließe, sondern eine Weltsicht, die für diejenigen, die sie haben, durchaus irgendwie funktioniert und die sich aus den Verhältnissen ergibt, in denen Menschen leben.

    Alle aktuellen Diskussionen über die Pandemie, über Klima- oder Migrationspolitik, über Streiks und Lohnerhöhungen, über Bildung und Gesundheitsversorgung sind Diskussionen, die von Ideologien geprägt sind. In all diesen Debatten geht es immer wieder darum, ob die vorherrschende bürgerliche, kapitalistische, rassistische und sexistische Weltsicht, an die wir alle uns auf irgendeine Art mindestens gewöhnt haben, dem guten Leben für alle nicht doch irgendwie im Wege steht. Dass man Ideologie bei anderen feststellt, heißt nicht, dass man selbst keine hat. Man müsste sich aber weniger mit Symboldebatten über Currywurst und Lastenfahrräder aufhalten, wenn man die dahinter liegenden Ängste vor bestimmten Entwicklungen und Idealvorstellungen einer Gesellschaft expliziter benennen würde. Oder anders gesagt: Wenn den Leuten klarer wäre, dass ihre Weltsicht nicht neutral ist, sondern aus den Verhältnissen entstanden ist, in denen sie leben, könnte man besser darüber sprechen, wie man die Verhältnisse zum Guten ändern will. Dann wäre auch der Wahlkampf vielleicht weniger peinlich.

  • Bananenrepublik Deutschland #3

    CumEx Files: Scholz, Kubicki, Merz: Die Rolle der Spitzenpolitiker bei Cum Ex

    An einer ernsthaften Aufbereitung des Steuerskandals scheinen CDU, SPD und FDP wenig Interesse zu haben. Das könnte auch mit einem Glaubwürdigkeitsproblem ihrer Vertreter zu tun haben


    [...] Viele deutsche Politiker scheinen wenig Interesse an einer tiefschürfenden Debatte zu Verantwortlichkeiten und Lösungen zu haben, wie die Aktuelle Stunde im Bundestag gestern verdeutlichte.

    Gleich drei Spitzenpolitiker von drei Parteien haben ein massives Glaubwürdigkeitsproblem, wenn es um eine ehrliche und ernsthafte Aufarbeitung des Steuerskandals geht: Der stellvertretende Bundestagspräsident, der Bundesfinanzminister und ein Anwärter auf den Parteivorsitz der größten Partei Deutschlands.

    Wolfgang Kubicki, FDP

    Die Farce begann damit, dass ausgerechnet Wolfgang Kubicki die Sitzung leitete – der Mann mit dem größtmöglichen Interessenkonflikt bei dem Thema. Kubicki ist stellvertretender Chef der FDP-Fraktion, Vize-Bundestagspräsident – und Anwalt von Hanno Berger, einem der Hauptangeklagten in den Fällen, um die es hier geht. Er vertritt also einerseits das Volk, das um Milliarden beraubt wurde und andererseits den wichtigsten deutschen Strippenzieher des Raubzugs.[...]

    Für den werden Armin oder Olaf sicher auch noch ein kleines Eckchen auf der Regierungsbank frei machen.

  • https://www.spiegel.de/kultur/…e1-43f8-b984-1dc5a9ef39fd


    der artikel kratzt für mich an der oberfläche eines dunklen flecks des kapitalismus. dieser versucht aus seiner inneren logik heraus allem einen wert zuzumessen, ist dabei aber ziemlich blind für das was die autorin moralische verletzungen nennt. weil man denen nur schwer einen wert zumessen kann, vor allem keinen finanziellen. gleichzeitig würde ich mal behaupten wollen, dass der kapitalismus in manchen bereichen wie zb der pflege sogar dafür sorgt, dass moralische verletzungen zunehmen. sei es durch standartisierte arbeitsschritte, damit man alles dokumentieren und abrechnen kann, effizienzsteigerung zur profitmaximierung der trägerkonzerne/einsparung bei krankenkassen etc. und das ist ein bereich, wo diese entwicklung und diese beobachtung relativ offensichtlich ist und auch oft angeprangert wird, ich glaube aber dass es diese fälle in nahezu allen bereichen des lebens gibt, der kapitalismus macht das ständig und in eigentlich allen bereichen. da kommt man dann sehr schnell wieder zur debatte, dass in einem sozialistischen system der materielle wohlstand vielleicht geringer sein mag, die zufriedenheit und glücklichkeit der bevölkerung aber trotzdem höher. und ich meine selbst wenn man jetzt am kapitalistischen system festhalten will, was würde dagegen sprechen sowas mit in die ganz große rechnung mit einzupreisen? warum soll sowas keine berechtigung haben? wieso muss ich jemand schmerzensgeld und ggf schadensersatz zahlen, wenn ich ihm ein blaues auge verpasse, aber nichts wenn ich ihm seelischen schaden zuführe? erst recht wenn dieser systemisch ist?

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