Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Ach der "letzte Ukrainer" Spruch aus der Kreml-Propaganda.

    Das ist keine Kreml-Propaganda sondern es stammt vom Ex Us-Diplomaten und Ex-Direktor des transatlantischen Thinktanks Atlantic Council Chas Freeman. Der hat sicher eine Menge Dreck am Stecken, aber dass er für den Kreml arbeitet, kann man mit ziemlicher Sicherheit ausschliessen.

    "[...] I think one of the mistakes Mr. Putin made in upping the ante was to make it very difficult for Ukraine to become neutral.

    But on the question of what Mr. Zelenskyy was told, I think this is remarkably cynical, or perhaps it was naïve and unrealistic on the part of leaders in the West. Zelenskyy is obviously a very intelligent man, and he saw what the consequences of being put in what he called limbo would be: namely, Ukraine would be hung out to dry. And the West was basically saying, ‘We will fight to the last Ukrainian for Ukrainian independence,’ which essentially remains our stand. It’s pretty cynical, despite all the patriotic fervor. And I’d add, I have heard, I know people who have been attempting to be objective about this, and they’re immediately accused of being Russian agents. Or let us just say, the price of speaking on this subject is to join the pom-pom girls in a frenzy of support for our position, and if you’re not part of the chorus, you’re not allowed to say anything, and you can’t sing. [...]"


    Die Produktivität des Westens ist über 7 mal höher als die Produktivität vom Rest.

    Mal abgesehen davon, dass China und andere Schwellenländer in den letzten 20 Jahren viel höhere Produktivitätszuwächse verzeichnen konnte, als der auf hohem Niveau stagnierende Westen, braucht diese hohe Produktivität des Westens zwingend Rohstoffe und Vorprodukte aus anderen Ländern, um überhaupt irgendwas produzieren zu können - vor allem weil die Produktion mittlerweile auf just-in-time delivery optimiert wurde, um Lagerkosten zu sparen und niemand irgendwo größere Vorräte hat, die er bei einer Mangellage verbrauchen könnte.


    Wenn der deutschen Autoindustrie die Kabelbäume fehlen, die sie vor dem Krieg billig im Niedriglohnland Ukraine produzieren ließ, oder wenn deutsche Logistiker die Euro-Paletten ausgehen, die sie zwingend brauchen, um deutsche Produkte irgendwo hin zu verschiffen, weil die Nägel dafür in Russland produziert werden und jetzt wegen der Sanktionen nicht mehr geliefert werden können, dann nützt denen ihre hohe Produktivität überhaupt nichts.

  • Der dümmste tweet des Tages:



    Dafür mussten vorher auch nur ca. 200.000 französische, 400.000 amerikanische, 500.000 britische und 10.000.000 sowjetische Soldaten sterben. (Quelle: wikipedia)


    Da geht also noch was. :thumbup:

  • Lernfrage:

    Turbine ist verschütt und Gasfelder sind nicht einfach an- und abschaltbar.

    Was geschieht derzeit an den Gasfeldern, wo aus unserer Sicht derzeit zu wenig Gas abfließt? Landet das in russischen Speichern? Wird in der Pipeline zwischengelagert? Weiß man wie es gehandhabt wird, wenn im normal Fall solche routine Arbeiten anstehen?


    Du kannst die Produktion schon drosseln, aber ich vermute, dass man das erstmal vermeidet. Überschüssige Mengen kann man durch Einspeicherung, mehr Verbrauch auf dem heimischen Markt (zu dieser Jahreszeit vorallem durch die Industrie), möglicherweise Export in andere Länder abfangen. Wobei das Netzwerk, das von der Jamal-Halbinsel gespeist wird, und die Routen in Richtung China glaube ich nicht wirklich verknüpft sind.


    Das Gas fließt nicht in einem Zug durch, wenn du das meinst. Zum Beispiel die Gasturbinen sind zur Verdichtung da, dafür muss es zwischengespeichert sein. Entlang solcher Pipelines gibt es abschnittsweise Verdichterstationen. Die Leistung bei der Station in Wiborg, wo jetzt die Gasturbinen fehlen, ist allerdings so hoch, dass es dort ohne Zwischenstation bis nach Deutschland durchfließt.

  • Polen hat seine Speicher jetzt fast voll: 96,7 %.

    Baltic Pipe: How Poland is speeding up its exit from Russian gas

    To compensate for lost Russian imports, Poland is quadrupling its gas import capacity with a pipeline from Norway and an LNG terminal. It could soon be able to help out Berlin, scrambling to replace its own Russian gas.


    [...] Baltic Pipe is slated to become operational in October, alongside extensions to a liquefied natural gas (LNG) import terminal in Swinoujscie, northwest Poland. "In these severe times this is a very timely project," Brabo said.

    Baltic Pipe is a joint venture between Polish firm Gaz-System and Danish firm Energinet and estimated to cost between €1.6 billion and €2.1 billion ($1.9 billion and $2.5 billion). It will be an offshoot of the existing Europipe II pipeline from Stavanger in Norway to Dornum in Germany on the North Sea bed.

    It then runs east of Europipe II on the bottom of the North Sea until landfall near the western Danish town of Varde. Then it will run through Denmark until going back underwater in the Baltic Sea near the island of Zealand before turning south for landfall in Pogorzelice in Poland, situated 60 kilometers (37 miles) east of Swinoujscie, where Poland is extending its LNG import capacity.

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  • Ach der "letzte Ukrainer" Spruch aus der Kreml-Propaganda.

    Das ist keine Kreml-Propaganda sondern es stammt vom Ex Us-Diplomaten und Ex-Direktor des transatlantischen Thinktanks Atlantic Council Chas Freeman.


    Ich erinnere mich ebenfalls es erstmals von einem westlichen Kommentator gehört zu haben. Aber der Gedanke ist jetzt auch nicht übermäßig originell, so dass Ihor Kolomojskyj, der die ganzen rechtsradikalen Kämpfer 2014 für den Donbass-Bürgerkrieg finanziert hat, schon vor zweieinhalb Jahren damit das Ziel der US-Amerikaner beschrieben hat:


    https://www.nytimes.com/2019/1…or-kolomoisky-russia.html


    Zitat

    Instead, he said, the United States is simply using Ukraine to try to weaken its geopolitical rival. “War against Russia,” he said, “to the last Ukrainian.”


    Sagen wir die Ukraine hat 30 Mio Einwohner und 30.000 Soldaten verloren. Eine Armee wird nicht kampfunfähig weil 1 Promille der Bevölkerung im Krieg gefallen ist. Auch wenn sie nicht "unendlich elastisch" ist.


    Schöne Theorie, das ist die Praxis:


    https://mwi.usma.edu/time-is-n…and-attrition-in-ukraine/


    Übrigens dieser Punkt:


    Zitat

    Of course, the Russians continue to take even higher casualties, but with their vastly greater pool of manpower, it is unlikely that these losses will have a significant impact—at least not in the short term.


    Zweifelhaft.


    Doch. Genau das. Die Produktivität des Westens ist über 7 mal höher als die Produktivität vom Rest.


    Was ist die Metrik dafür BIP pro Arbeiter oder pro Arbeitsstunde? Das hat all die Probleme, die ich herausgestellt habe.


    Aber man muss immer jemand finden, der bereit ist die horrenden Kosten für die Berater zu bezahlen. Jemanden der Maschinen baut. Denn gegenseitig beraten können die sich ja nicht alle, die brauchen schließlich Essen, Wohnung, Kleidung usw. aber gut, wenn der Marktwert nur ein gefühlter Wert ist und es noch einen "wahren" Wert gibt, ist das BIP natürlich dann ohne wahre Aussagekraft.


    Es ist einer von verschiedenen Ansätzen um Wirtschaftsaktivität zu messen. Das heißt nicht, dass er besonders gut darin ist. Du kannst dir ja mal auch die kaufkraftbereinigten Zahlen angucken. Für die Industrieproduktion könnte man auch einfach auf die Treibhausgasemissionen schauen. Da hat China 30% und das fängt die Bedeutung vermutlich schon recht gut ein.


    Deutschland hat da nicht viel dichtbesiedelte intensiv bewirtschaftete Küsten kontrolliert.


    Selbst ganz ohne eigene Kolonien hätte Deutschland vom Kolonialismus profitiert, zum Beispiel weil es Rohstoffe auf dem Weltmarkt einkaufen konnte.

  • Erinnert sich noch jemand? Russisches Gas floss von Deutschland nach Polen?


    https://amp.n-tv.de/politik/Na…-Gas-article23296676.html


    Polen hat seine Speicher jetzt fast voll: 96,7 %.


    Deren Kapazität ist nicht so groß, um den Faktor 6-7 kleiner:


    https://erdgasspeicher.de/en/g…e/gas-storage-capacities/


    ines_gasspeicher_kapazitaete_eu.jpg



    Du kannst dich schon mal emotional darauf einstellen, dass die vielleicht irgendwann Gas aus unseren Speichern benötigen.

  • Baltic Pipe: How Poland is speeding up its exit from Russian gas


    To compensate for lost Russian imports, Poland is quadrupling its gas import capacity with a pipeline from Norway and an LNG terminal. It could soon be able to help out Berlin, scrambling to replace its own Russian gas.


    Milchmädchenrechnung? Die Norweger können ihre Produktion über die nächsten Jahre etwas steigern, aber wenn sie das Potential hätten Russland zu ersetzen, dann wären wir jetzt viel entspannter. Also vielleicht können sie dann Gas, was nicht sowieso über ihre Pipelines zu uns kommt:


    https://www.norway.no/de/germa…erungen-nach-deutschland/


    Zitat

    Insgesamt gelangen hierdurch pro Jahr rund 45 Milliarden Standardkubikmeter Gas und damit 40% der norwegischen Gasexporte nach Deutschland. Mehr als die Hälfte hiervon geht an deutsche Verbraucher und deckt 26% des deutschen Erdgasverbrauchs.


    Noch durch die Ostsee nach Polen leiten und nehmen dass dann von ihrem LNG-Handel oder so. Aber wenn die Preise für Flüssiggas weltweit weiter hochbleiben verkaufen sie vielleicht doch lieber woanders hin.

  • Gute Frage.


    Im DW-Artikel wird am Schluss auch noch ein deutscher Ex-Funktionsträger erwähnt, der erzählt, es wäre doch eigentlich viel sinnvoller, die Abzweigung in Deutschland am endpunkt von NS1 anlanden zu lassen und dann von dort aus weiter zu verteilen.


    Vielleicht will man sich dann doch nicht auf die guten Freunde und EU-partner östlich der Oder verlassen?

  • möglicherweise Export in andere Länder abfangen.

    Frage unter der Annahme, dass dieser Export kurzfristig nicht möglich ist. Was mich dazu führt zu glauben, das man kurzfristig die Politik des knappen Gases anhand der Erschließung von Gasfeldern ablesen könnte.(?) Vielleicht nicht der Erschließung, eher dem Umgang mit den schon bestehenden...

    Wobei es wohl nicht sehr wichtig sein wird in welchem Stadium der Erschließung man ein Projekt abricht, solange das Gas noch nicht fließt(?)


    (zu dieser Jahreszeit vor allem durch die Industrie)

    Düngerherstellung? was bleibt sonst noch an Industrie?

  • Wie Wemir schon sagt ist der Speicher von Polen deutlich kleiner, der hat nur etwas über 36TWh Kapazität, Deutschland hat über 240TWh, daher kann der Speicher dort auch schneller befüllt werden, deren (sogenannte) Injection Capacity liegt zwar nur bei 345GWh am Tag, aber die können sie wenigstens komplett nutzen, Deutschland hat mit 4000GWh Injection Capacity zwar technisch im Prinzip mehr Potenzial, aber es kommt halt nicht genug Gas an, gestern/Samstag waren es z.B. etwa 800GWh/0,8TWh die in deutsche Gasspeicher eingespeist wurden.

    Deren Kapazität ist nicht so groß, um den Faktor 6-7 kleiner...

    Bei Portugal ist der Unterschied noch extremer, die haben nur etwas mehr als 3,6TWh Gasspeicherkapazität und haben den daher ruckzuck 100% voll.


    Wenn man Deutschland - Füllstand der Speicher aktuell 61% - mit anderen Ländern vergleichen will dann muss man sich größere Länder wie Frankreich oder Italien etc angucken, Frankreich hat 63% Füllstand, Italien hat 59%...die Niederlande (zwar kein großes Land, gehören aber mit zu den größten Gasverbrauchern in Europa) haben sogar nur 53%.

  • Deutsche Haubitze im Feld:


    https://southfront.org/german-…ainian-forces-in-donbass/


    Tja, ist vermutlich nicht besonders beziehungsfördernd, aber unsere Regierung scheint die historischen Analogien ja schon überwunden zu haben:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Donezbecken-Operation


    Ich habe auch eine Geschichte darüber gesehen, dass eine PzH-2000 mit einer deutschen Panzerfaust ausgeschaltet wurde. Soll von Bild berichtet worden sein, aber ich glaube das ist fabuliert.

  • Frage unter der Annahme, dass dieser Export kurzfristig nicht möglich ist. Was mich dazu führt zu glauben, das man kurzfristig die Politik des knappen Gases anhand der Erschließung von Gasfeldern ablesen könnte.(?) Vielleicht nicht der Erschließung, eher dem Umgang mit den schon bestehenden...

    Wobei es wohl nicht sehr wichtig sein wird in welchem Stadium der Erschließung man ein Projekt abricht, solange das Gas noch nicht fließt(?)


    Nicht ganz sicher was du meinst. Einmal angebohrt, kann das Gas nur noch abgelassen werden? Also ich denke das lässt sich auch wieder versiegeln und so wird die Förderung gedrosselt. Aber da kenne ich keine Details.


    Düngerherstellung? was bleibt sonst noch an Industrie?


    Ganz allgemein Strom für energieintensive Prozesse. Prozesswärme. Rohstoff für die Chemieindustrie. Russland hat denke ich auch mehr gasgetriebene Fahrzeuge. Da gibt es schon einige Senken, jedenfalls wenn eine Mehrauslastung möglich ist.

  • Deutsche Haubitze im Feld


    So kann die Wirkung dann aussehen, fieses Zeug:


  • So kann die Wirkung dann aussehen

    Ernst gemeinte Frage: Was unterscheidet diesen Beschuss von anderen, die nicht (vorgeblich) mit einer Panzerhaubitze 2000 getätigt werden? Worauf achtet ein waffengeschulter Beobachter bei solchen Snippets?

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