Ich bin raus!

  • Je mehr ich hier lese, umso eher wünsche ich mir naive Fragen an Gunnar Kaiser, um den mal einzuordnen. Scheint ja zu polarisieren der Typ. Andererseits hat der nicht mal einen eigenen Eintrag bei psiram. Warum die Aufregung?

    die aufregung würde ich auch nicht teilen, aber die diskussion ob man einer person ggf. ein plattform bietet ist vielleicht fruchtbar (auch wenn die entscheidung nicht bei uns liegt). die interviews mit politisch rechten waren mmn mit politikern, um aufzuklären und bedachtsam mit der eigenen reichweite umzugehen. ich kenn mich jetzt nicht mit diesem gunnar kaiser aus, daher will ich auch nicht zuviel sagen.

    aber oswald spengler ist mir im zuge der technik-schnüffelei auch zwischen die finger gekommen: "Spengler wird zur nationalistischen und antidemokratischen „Konservativen Revolution“ gerechnet, lehnte aber den Nationalsozialismus und namentlich dessen Rassenideologie ab. Sein Ideal sah er eher in Benito Mussolini verwirklicht, dem Diktator des faschistischen Italiens.

    [...]

    Den Nationalsozialismus lehnte Spengler ebenso ab wie die Weimarer Republik. Ein Angebot Gregor Straßers, des NSDAP-Gauleiters von Niederbayern, an den Nationalsozialistischen Monatsheften mitzuwirken, schlug er 1925 aus, weil ihm die „primitive Lösung eines Antisemitismus“ zuwider war. Aus dem gleichen Grund lehnte er 1927 eine Mitarbeit an der völkischen Zeitschrift Deutsches Volkstum ab." (wikihausen)


    ich habe z.b. bewusst auf ihn verzichtet, weil seine philosophie offensichtlich wurzel vieler übel ist und seine sicht auf technik mmn auch nicht relevant ist. hab auch einige zeit gerungen heidegger im forum zu behandeln...eigentlich immer noch. wobei seine technikphilosophie interessant seyn könnte. (hat mmn nen kybernetischen ansatz)....aber egal ich schweife vom thema ab.

  • Oswald Spengler ist historisch interessant. "Der Untergang des Abendlandes" war ein sehr einflussreiches Buch. Heidegger wurde übrigens von Spengler beeinflusst.

    Naja, der Buchtitel ist das einzige an dem Buch, was wirklich noch davon übrig geblieben ist. Und das eher als Parolengeber auf entsprechenden Demos.


    Aufstieg und Untergang von Zivilisationen werden heute nicht mehr als solche behandelt. Man redet eher von Transformationen, denk ich. Beispiel: Der Untergang Roms

    Das Römische Reich ging 500 unter? Ja, aber nur das Weströmisches Reich. das Oströmische Reich ging erst nach 1400, also schon fast am Ende des Mittelalters, "unter" und selbst dann musste Konstantinopel irgendwie ein paar Mal besetzt werden bis es aufgelöst wurde. Und selbst dann ging das Römische Reich im "Heiligen Römisches Reich Deutscher Nationen" weiter und das prägt bis heute unseren Förderalismus - gehört das noch zur Römischen Geschichte? Jede Grenze, die gesetzt wird, wo man einen scheinbaren "Untergang" sieht, hat eine bestimmte Absicht und Idee, die ihr vorausgeht und dann eben die entsprechende Grenze, Untergang uvm. setzt. Das ist ganz einfach die Konserve: früher war alles besser und es geht stetig den Bach runter. Das hat sich in Europa einfach nicht bewahrheitet. Man will eher Angst machen und dann eben sowas wie Hitler an die Macht bringen oder Arbeitslose zu Zwangsarbeit schicken mit Verweisen auf eine "Spätrömische Dekadenz"(die eher eine Dekadenz der Oberschicht und Eliten war).


    "Der Untergang des Abendlandes" wird höchstens mal genannt bei geschichtsphilosophischen Schriften, aber eher als Anmerkung oder Fußnote nach der man suchen muss, und wenn man ehrlich ist: niemand liest mehr Geschichtsphilosophie und wenn mal ein solches Geschichtsphilosophisches Buch rauskommt, dann wird das mit der Zeit eher verlacht (siehe "Das Ende der Geschichte")


    Ok, was man mal rauskramen könnte aus den Diskursarchieven ist die Frage nach dem technologischen Fortschritt, aber Fortschirtt an sich wird heutzutage, sobald es intellektueller wird, eher belächelt. Siehe auch Markus Gabriels äußerst peinliches letztes Buch über "moralischen Fortschirtt".


    Hier ist übrigens eine sehr interessante Literatursammlung:

  • Das Werk ist wie gesagt historisch interessant. Abgesehen davon, dass viele Intellektuelle sich damit auseinandergesetzt und es als Einfluss benannt haben, hat es einen Teil des Zeitgeistes der Deutschen Republik und darüberhinaus eingefangen. Wobei Spengler durchaus ein komplexerer Denker war, weshalb er vielleicht nicht erfolgreich von den Nationalsozialisten eingespannt werden konnte, aber er hat natürlich eine erste Skizze ihrer politischen Vision mit "Preußentum und Sozialismus" entworfen. Spengler hat konservatives Denken auch außerhalb von Deutschland beeinflusst, zum Beispiel in Italien wurde er wohl intensiv rezipiert.

  • Das Werk ist wie gesagt historisch interessant. Abgesehen davon, dass viele Intellektuelle sich damit auseinandergesetzt und es als Einfluss benannt haben, hat es einen Teil des Zeitgeistes der Deutschen Republik und darüberhinaus eingefangen. Wobei Spengler durchaus ein komplexerer Denker war, weshalb er vielleicht nicht erfolgreich von den Nationalsozialisten eingespannt werden konnte, aber er hat natürlich eine erste Skizze ihrer politischen Vision mit "Preußentum und Sozialismus" entworfen. Spengler hat konservatives Denken auch außerhalb von Deutschland beeinflusst, zum Beispiel in Italien wurde er wohl intensiv rezipiert.

    Joah, kann man machen. Hab gerade auf Wikipedia geguckt, da gibt es zB:

    Hitler las Spenglers Werk 1924 in der Haft, war aber, wie Rudolf Heß schrieb, „nicht sehr erbaut von ihm“. Als Reichskanzler distanzierte er sich in einer Rede zum Maifeiertag 1935 explizit von dessen Kulturpessimismus: „Nicht Untergang des Abendlandes muß es heißen, sondern Wiederaufstehung [sic!] der Völker dieses Abendlandes!“

    Heutzutage wird das Werk mit Postmodernen Methoden in der Luft zerfetzt.


    Nachtrag: Aber es findet bis heute Resonanz. Hier das letzte Buch von Herfried Münkler: https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=459280

  • Als Reichskanzler distanzierte er sich in einer Rede zum Maifeiertag 1935 explizit von dessen Kulturpessimismus


    Ja, aber zu dem Zeitpunkt war der Bruch schon da. Hitler ist da vielleicht auch nicht ausschlaggebend. Rosenberg war zum Beispiel sehr an Spengler interessiert, hat sich aber auch an ihm abgearbeitet, weil die Rasse, eine Kategorie, die von Spengler abgetan wurde, im Zentrum seines Denkes stand. Umgekehrt wird Spenglers Urteil über den Mythus ja als "Ein Buch, an dem nichts stimmt außer den Seitenzahlen." überliefert.


    Aber wie gesagt Spenglers Idee einer Art Untertanen-Sozialismus kann man durchaus als Vorläufer der NS-Ideologie sehen.


    Heutzutage wird das Werk mit Postmodernen Methoden in der Luft zerfetzt.


    Also ich habe den Eindruck, dass du denkst, ich spreche über den Inhalt des Buches, ich spreche aber von der Wirkungsgeschichte. Dennoch was sind den "postmoderne Methoden"? Klingt für mich wie irgendwas, was außer Mode gekommen ist.

  • Also ich habe den Eindruck, dass du denkst, ich spreche über den Inhalt des Buches, ich spreche aber von der Wirkungsgeschichte. Dennoch was sind den "postmoderne Methoden"? Klingt für mich wie irgendwas, was außer Mode gekommen ist.

    Kann man Inhalt des Buches von seiner Wirkungsgeschichte trennen? Ist nicht der Gebrauch und Wirken eines Textes dessen Inhalt?

    Außerdem ist die Wirkungsgeschichte bei diesem Buch doch eine sehr düstere. Ich würde wetten, dass wenn man bei einem Dozenten damit ankommt, dann verdreht er die Augen nach dem Motto "Was willst du den damit?". Man kann damit heutzutage kaum mehr einen interessanten Mehrwert bilden oder Forschung betreiben.


    Postmoderne Methoden:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Dekonstruktion

    Die Dekonstruktivisten beschreiben beispielsweise wie Frauen in Liebesgedichten unterdrückt werden. Und hier bei dem Buch will sich der Autor die Geschichte untertan machen. Das Schicksal ruft zum unausweichlichen Untergang genauso wie die Wirtschaftskrisen voraus gesagt werden: so "Der Größte Crash aller Zeiten" kommt und ist unanweichlich.


    Zudem ist da auch immer eine Mythenbildung und eine sogenannte Meistererzählung im Spiel.

  • Kann man Inhalt des Buches von seiner Wirkungsgeschichte trennen? Ist nicht der Gebrauch und Wirken eines Textes dessen Inhalt?


    Na, genau das wäre ein postmoderner Gedanke, dass die Wirkung über dem Inhalt steht. Und nein der Inhalt ist, was im Text steht.


    Außerdem ist die Wirkungsgeschichte bei diesem Buch doch eine sehr düstere.


    Ja und?


    Ich würde wetten, dass wenn man bei einem Dozenten damit ankommt, dann verdreht er die Augen nach dem Motto "Was willst du den damit?". Man kann damit heutzutage kaum mehr einen interessanten Mehrwert bilden oder Forschung betreiben.


    Äh, das hängt doch sehr von der Disziplin ab.



    Auch nicht mehr so modern die Methode. Scherz beiseite. Für mich ist Dekonstruktion im Prinzip ein schon historischer Begriff. Da wurde eine weitere Analyseebene erschlossen. Das kann man integrieren und es gibt keine Notwendigkeit, es als separate Methode zu beschreiben.


    Ich sehe auch nicht, warum es dagegen sprechen soll, dass ein Text interessant ist, wenn er dekonstruierbar ist, denn das ist jeder Text.

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