Ich habe hier die Primärliteratur (leider) nur teilweise gelesen, aber der Gramsci hat mit seiner Hegemonie und dem, was vernünftig ist, eben ein Machtinstrument beschrieben. So schützen die Linksliberalen sich nicht nur gegen den vermeintlich allgegenwärtigen Faschismus sondern aucj vor jeder Kritik an die aktuell bestehende Machtordnung.
Hegemonie bei Gramsci ist auf Zustimmung ausgelegt. Es soll eine führende Gruppe Interessen formulieren, als Allgemein durchsetzen und so eine Lebensweise einführen. Diese Lebensweise kombiniert Ideologie, integrierten Staat (Zivilgesellschaft + Kommandostrukturen) und die Produktionsverhältnisse. Das ist nicht moralisch gemeint oder eine Gruppe muss nicht automatisch marxistisch sein. Gramsci sieht z.B. in Henry Ford einen organischen Intellektuellen, der eine Lebensweise einführt, die die Massenfertigung einfängt (Massenfertigung + Lebensweise = Fordismus für Gramsci, also eine Hegemonie ).
Fordismus ist ebenso für Gramsci die amerikanische Modernisierung, die sich im europäischen Faschismus zeigt. Die Europäer mussten ihre Produktionsverhältnisse modernisieren, kamen nicht hinterher und landeten in totalitären Strukturen (das ist sehr vereinfacht gesagt, lest da nochmal nach). Die Nachkriegsordnung fing den Fordismus dann auf mit dem Sozialstaat und Konservatismus. Toleranz und Intoleranz ist dann eine Formel der Ideologie, die die richtige Lebensweise vorzeigen soll. Es geht imo nicht unbedingt um Kritik und die bestehende Machtordnung, sondern darum dass die ökonomischen Strukturen in eine intolerante Lebensweise abrutschen kann und das quasie "zu viel Disziplinierung" ist.
Ich empfehle diese Abschnitte in Gramscis Büchern zum Fordismus. Leider sind die vollständigen Hefte etwas teuer und speziell, aber es erzählt auch so ein wenig, dass heutzutage auch Leute mit den Produktionsverhältnissen und ihrer Lebensweise kämpfen. Die Aufmerksamkeitsökonomie, das ständige Lernen und Digitalisierung tut den Leuten nicht gut, gerade wenn sie noch die Vorstellung von Kleinfamilie, Karriere und Gewerkschaften usw haben.
geschrieben ohne LLMs
Nachtrag: ich denk, man kann das etwas genauer ausführen über Toleranz als Element der Lebensweise, aber das ist nur schnell runtergeschrieben. Ich wehre mich erstmal nur gegenüber diese Verkürzung von Gramscis Hegemonie als "Deutungsdominanz" oder "was gesagt werden darf". Bei ihm war Hegemonie nichts negatives, sondern positiv, es soll ein Ausgang aus einer Miserie zeigen.