Beiträge von Janno

    Der "lustige" Teil davon ist:

    Die Mittelschicht wird in kurz bis mittelfristiger Zeit rein demokratisch eine Minderheit sein, habe gerade eben erst in einem anderen Thread die Nachricht verlinkt das bereits etwas 40% der Menschen Pleite sind...die Unterschicht wird daher bei der aktuellen Entwicklung bald rein demokratisch eine Mehrheit haben, nur leider haben die "Medien" - zusammen mit rechten Politikern/Hetzern - mit ihrer Propaganda größere Teil der Bevölkerung so gehirngewaschen, die Unterschicht bemerkt teilweise garnicht mehr das sie Unterschicht ist, ich habe schon oft genug Leute gesehen/gehört die von sich dachten/denken sie wären Mittelschicht.

    Es scheint jeder seine eigene Definition was Mittelschicht ist zu haben. Merz z.B. meint ja Mittelschicht sei, wenn man sich einen Privatjet leisten kann. Und tatsächlich kommt es ja immer auf den Blickwinkel an, global betrachtet könnte man die Unterschicht in Deutschland als Mittelschicht bezeichnen.
    Vielleicht ist es deswegen so leicht die deutschen Arbeiter vom Lohnabstandsgebot zu überzeugen. Denn wenn die Arbeitslosen auf einmal so viel bekommen, dass es zum Leben reicht, würde die Illusion der Arbeitenden sie wären Mittelschicht wahrscheinlich endgültig platzen. Und diese Illusion von Status beizubehalten scheint ihnen wichtiger zu sein, als das was sie tatsächlich im Geldbeutel haben.


    Die Frage ist doch, wie schaffen wir ein Bewusstsein dafür das die Menschen in Armut verstehen das sie rein demokratisch eine Mehrheit sein werden und diese eigentlich für sich nutzen könnten wenn sie sich nicht immer spalten lassen würden...

    Ich fürchte das eigentliche Problem ist, dass diese Mehrheit kein Vertrauen in Demokratie hat. Erziehung und Schule hat dafür gesorgt, dass sie Hierarchien verinnerlicht und sich daran angepasst hat. Jeder sieht sich als Einzelkämpfer, der sich opportunistisch den Strukturen unterwirft und immer dort wo sich die Chance ergibt zu seinem Vorteil handelt, ohne Rücksicht auf andere. Ich denke nur deswegen konnte der Kapitalismus ideologisch überhaupt so fruchten.
    Jetzt auf einmal solidarisch sein, gemeinsam Dinge zu erkämpfen und den dafür nötigen langen Atem zu haben ist für die meisten so, als müßten sie von heute auf morgen in einer total fremden Kultur zu recht kommen. Kulturell stecken wir einfach immer noch zu sehr im Mittelalter bzw. Feudalismus fest.

    https://www.tagesschau.de/inla…gergeld-hartz-iv-101.html


    Das war ja wieder eine bestens choreografierte Shitshow der großen Parteien:
    Akt 1: Regierunsgparteien machen einen Gesetzesentwurf der nur minimal humaner ist als der alte und feiern das als Zeitenwende.
    Akt 2: Opposition sieht dadurch das Abendland in Gefahr und stellt sich quer.

    Akt 3: "Kompromisse" werden gemacht und am Ende bleibt nur die Namensänderung von Hartz4 in Bürgergeld.

    So haben alle Parteien was sie von Anfang an wollten. Gleichzeitig konnte man dem Bürger aber ein Stück Demokratie vorspielen und im Subtext wochenlang medial aggressiv die Botschaft verbreiten "Krall dich so fest du kannst an deinen Job und mach alles was dein Chef von dir verlangt, denn sonst wirst du finanziell und im Ansehen unendlich tief fallen!"

    Zitat

    Sanktionen sollen umfassend vom ersten Tag an möglich sein, wenn Betroffene etwa eine zumutbare Stelle nicht antreten. Leistungen können dann beim ersten Mal um zehn Prozent gekürzt werden - bei einer weiteren Pflichtverletzung binnen eines Jahres um 20 Prozent und bei einem nochmaligen Verstoß um 30 Prozent.

    Das war es worum es in Wahrheit die ganze Zeit ging! Das ganze Gelaber über die Schon- und Karrenzzeit war schlichte Ablenkung.


    Zitat

    Das Bürgergeld soll anders als Hartz IV auf langfristige Beschäftigungsmöglichkeiten setzen anstatt auf die schnelle Vermittlung auch in Aushilfsjobs. Dies gilt insbesondere für die Zeit, in der eine Weiterbildung gemacht wird.

    Das hatte man bereits schon mit Hartz4 versprochen. Realität war, dass Millionen Menschen auf Steuerzahlerkosten in sinnlose Weiterbildungsmaßnahmen gesteckt wurden und so wird es auch wieder kommen.


    Die 50 Euro mehr so wie die erhöhten Zuverdienstmöglichkeiten (aka subventionierte Arbeitskräfte) werden von der Inflation gefressen. Hier also auch keine Verbesserung.


    Wenn Ulrike Hermann mit ihrer Einschätzung, dass die Mittelschicht die Unterschicht verachtet recht hat, werden wir dank dieser Shitshow nach den nächsten Wahlen wieder die CDU in der Regierung sitzen haben.
    Ich meine, wir haben ja Meinungsfreiheit und man kann ja so denken und empfinden, aber dann sollte man wenigstens ehrlich dazu stehen und einfach sagen, wir wollen Hartz4 behalten, anstatt so eine verlogene Show abziehen. Trump stand doch auch ehrlich zu seiner Verachtung von armen Menschen und es hat ihm nicht geschadet.
    Aber wahrscheinlich will man dem deutschen Mittelschichtler seinen miesen Charakter nicht all zu sehr spiegeln, sonst kommt er vielleicht doch noch ins Grübeln. Andererseits hat er ja nicht mal Probleme damit selbst die eigenen Kinder in total unterfinanzierte, rückständige Schulen und KiTas zu schicken und damit deren sozialen Abstieg zu forcieren. Und auch sein Umgang mit dem Klimaproblem zeigt ja, dass es ihn nicht stört, dass er seinen materiellen Wohlstand nicht nur auf Kosten der Arbeiterschicht, sondern auch auf Kosten der Zukunft der eigenen Kinder nährt.


    Zitat

    Das ist auch das Maximum: Laut einem Karlsruher Urteil von 2019 sind Leistungsminderungen nur von bis zu 30 Prozent zulässig. Es untersagte damals noch mögliche Kürzungen der Bezüge von 60 Prozent beim zweiten Pflichtverstoß pro Jahr als unzumutbar.


     

    Wir müssen alle auf Knien dafür danken, dass wir eine Verfassung haben die einigermaßen verhindert, dass wir Verhältnisse wie in einem Dritte-Welt-Land bekommen. Leider war es den Regierenden trotzdem möglich das Urteil zu lange hinauszuzögern und die Verfassung damit fast 20 Jahre lang auszuhebeln. Wo war da eigentlich der Verfassungsschutz?

    Warum gilt die Erkenntnis, dass Kinder altroistisch ihr Essen mit anderen Teilen als Beweis dafür, dass der Mensch biologisch gut/sozial ist? Jedes Kind wurde doch als Baby gefüttert und umsorgt, d.h. ihm wurde das altroitische Verhalten bereits vorgelebt und immitiert dies nun bei anderen (Kinder bei denen das nicht so war kann es in den Studien eigentlich nicht gegeben haben, da Babys die nicht umsorgt werden schlicht sterben).

    Dass die meisten dieser Kinder dann später von diesem Sozialverhalten abrücken liegt dann an der Erziehung, die das Vorleben von Verhaltensweisen durch das Vorgeben von Verhaltensweisen ersetzt.


    Auch eine Erziehung mit Belohnungssystemen verstärkt das:


    Der ganze Artikel: https://www.unerzogen-magazin.de/artikel/?articleID=842



    Wenn man das ernst nimmt ist der Vorschlag von Maren Urner kontraproduktiv einem Kind zu applaudieren, wenn es offen zugibt das es etwas nicht weiß. Stattdessen sollte im Umfeld schlicht eine Selbstverständlichkeit herrschen, dass Unwissenheit nicht bestraft wird. Diese Bestrafung ist besonders in der Schule aber heute noch üblich.


    Obwohl ich als Kind keineswegs zu den scharfsinnigen Kindern gehörte - ich war eher dauerhaft verwirrt - beschreibt das Wort Ekel exakt das was ich empfunden habe, wenn man versucht hat mich mit Lob und Mutmachung dazu zu bringen Dinge zu machen/lernen die ich eigentlich nicht wollte. Das führte dazu, dass ich nur soweit mitgemacht habe, dass ich möglichst in Ruhe gelassen wurde. Nach Außen wirkte es dann als hätte diese positive Verstärkung funktioniert, in Wahrheit bewirkte es aber nur, dass ich Lernen als etwas Negatives erlebte.

    Ein extrem interessantes Gespräch!
    Die Rückbaufähigkeit, der Neubau ohne Bodenversiegelung und die Priorisierung von bereits versiegelten Flächen sollte auf jeden Fall zur Pflicht gemacht werden. Das würde von der Bevölkerung auch eher akzeptiert werden als ein Verbot von Einfamilienhäusern und ein erzwungenes Wohnen in Hochhäusern.
    Versiegelte Flächen (und damit genügend Platz) haben wir bereits durch die vielen überflüßigen Straßen und Parkplätze. Wie wäre es wenn "die Linken" das soziale mit dem ökologischen verbindet indem sie Alternativen zum Auto propagiert/fördert und gleichzeitig mehr attraktiven Wohnraum propagiert/fördert, der auf den Straßen errichtet werden kann die durch die Mobilitätsalternativen überflüßig geworden sind?

    Es wären sicherlich viel mehr Menschen bereit ihr Auto aufzugeben, wenn sie dafür eine bessere Lebensqualität in Bezug auf ihre Wohnsituation erhalten würden. Ich meine damit nicht, dass jedem jetzt ein Einfamilienhaus hingestellt werden soll. Aber mehr Platz für jeden sollte doch drin sein. Es gibt so viele Kinder - besonders von Geringverdienern - die nicht mal ein eigenes Zimmer haben, obwohl es ihnen vom Gesetz her zusteht. Aber auch Besserverdienende für die Homeoffice ein Thema ist würde man damit vielleicht abholen.

    Die Frage ist nur wieviel Neubau möglich ist, ohne den ökologischen Gewinn den die alternative Mobilität einbringen würde wieder kaputt zu machen.

    Zitat von Bundesministerium des Innern für Bau und Heimat - 05.05.2021 : Beispielsweise widerspricht die Aufteilung einer Gesellschaft nach dem Merkmal der produktionsorientierten Klassenzugehörigkeit der Garantie der Menschenwürde.

    Darf man dann in Zukunft erwarten, dass sämtliche Arbeitgeberverbände vom Verfassungsschutz beobachtet werden? Schließlich haben diese zum Ziel diese gegen die Menschenwürde verstoßene Klassengesellschaft weiter zu festigen.
    Die Ideologie die sie dabei als Rechtfertigung nutzen ("der Markt ist ein Naturgesetz") hat zudem religiöse Züge und fällt damit unter die Definition von: "Demgegenüber stellt die unbedingte Unterordnung einer Person unter ein Kollektiv, eine Ideologie oder eine Religion eine Missachtung des Wertes dar, der jedem Individuum um seiner selbst willen zukommt."

    Sorry, scheinbar habe ich nun den Geist aus seiner Flasche in diesen längst brach liegenden Thread geholt und damit Mehrarbeit verursacht.


    Ich hatte relativ früh mitbekommen, das hier ein "Geist" immer mal wieder sein Unwesen trieb, was mich zu dem Schluss führte zu denken, dass die bestimmt jetzt denken, dass ICH auch dieser "Geist" sein könnte. Das führte dazu, dass ich natürlich zuviel darüber nach dachte, was ich Schreibe und was besser nicht.

    Das kenne ich, ich wurde auf Twitter schon mal von links geblockt, weil ich die Sichtweise der Rechten zu einem Thema wiedergegeben hatte ohne deutlich genug kenntlich zu machen, dass ich diese Sichtweise nicht teile.

    Im Sinne der Fairness:

    Der Forenungeist ist ein strammer Querdenker, aber allzu braun anmalen sillte man ihn dann doch nicht.

    Da sind zu Aufwachen!-Zeiten ganz andere aufgelaufen.

    Syd hat einmal (was ich mit bekommen und hängen blieb) daneben gelangt mit Judenstern und Impfkennzeichnung.

    Sicherlich trifft das nicht auf jeden Einzelnen zu und rechts bedeutet auch nicht gleich braun zu sein. Aber die Initiatoren solcher Bewegungen sind Meister darin den Narzissmus in den Menschen anzusprechen. Somit kann man deren Anhänger wenn auch nicht unbedingt als Nazis zumindest aber als Narzis bezeichnen.

    Ich habe jahrelang KenFM und die "Onlinezeitung" Rubikon verfolgt, weil beide Plattformen Psychologen Raum gegeben haben, die sich damit beschäftigen wie sich Kindheitstraumen auf die Gesellschaft auswirken. Ein Thema das ich sehr essenziell finde, das aber kaum öffentlich diskutiert wird. Daher war ich sehr dankbar dafür. Aber je mehr Content dazu kam wurde mir klar, dass diese Thematik lediglich dazu benutzt wurde den Zuschauern/Lesern rechtes Gedankengut unterzujubeln. Es wurde ständig davon geredet wie der 2. Weltkrieg die deutschen Kinder traumatisiert habe und dass dieses Trauma bis heute nachwirkt. Auch wenn ich dem inhaltlich vollkommen zustimme, fand ich es sehr verdächtigt und enttäuschend, dass man anstatt darüber zu diskutieren wie wir diesem Trauma verantwortungsvoll entgegentreten können, man das Opferdasein glorifizierte - wie es halt auch die Neonazis machen. Als "Therapie" bot man lediglich ins esoterisch abdriffdende Methoden an und betonte die Notwendigkeit der narzisstischen Eigenliebe (natürlich entsprechend positiv umschrieben). So und auf ähnliche Weise schaffen sich solche Anführer treue Anhänger die jede Verschwörungstheorie die auf ihren Plattformen verbreitet werden als die reine Wahrheit aufsaugen und penetrant verteidigen.


    Das kannte ich noch nicht.
    Klingt auf jeden Fall lustig. :)

    War eigentlich nur ein Schreibfehler den ich besser jetzt korrigiere bevor mir noch Homophobie oder ähnliches vorgeworfen wird.

    Dieses Forum hat schon ein kleines paranoia Problem.

    Genau diese Paranoia ist wohl ein Langzeitziel der rechten Trolle. Nicht nur hier, überall im Netz. Solange alles mit rechten, verschwörungsgläubigen Gedankengut zuscheißen und geschickt mit sachlicher (oft traditionell linker) Kritik vermanschen, bis sich die Linken in einem permanenten Verteidigungsmodus verrannt haben und in jeglicher abweichender Meinung verkappte Nazipropaganda vermuten.
    Das Traurige daran ist, dass diese Trolle damit die Mächtigen stärken, welche sie angeblich bekämpfen wollen. Wäre ich Verschwörungsgläubiger wäre ich davon überzeugt, dass diese ganzen rechten Bewegungen (wie Querdenken) von Oben gesteuert werden. Wenn man sich die realen Machtverhältnisse anschaute wäre das zumindest eine glaubwürdigere Verschwörungstheorie als dieser Stuss über eine linke Weltverschwörung.

    Lauterbach ist also auf Grund seiner Erfahrungen in den USA in die deutsche Politik gegangen. Er hat in Amerika gesehen wie prekäre Verhältnisse zu einem ungesunden Leben und damit zu vielen Krankheiten führen. Und seine Lösung dafür sah er dann darin auch in Deutschland per Agenda 2010 diese prekären Verhältnisse einzuführen? Wo da die Logik sein soll konnte man in den langen drei Stunden leider nicht erfahren. Auch nicht woher sein Sinneswandel kam. Seine Lösung ist nun die Verhältnisse wieder herzustellen die vor der Agenda 2010 eingeführt wurden. Und selbst dieses Eingeständnis scheint nicht ernst gemeint zu sein, wenn man sich die von Utan gespostete Abstimmung anschaut.

    Er wollte soziale Verelendung verhindern, aber hat dabei geholfen sie zu verstärken. Kurz bevor die Agenda 2010 eingeführt wurde, arbeitete ich Teilzeit im Lager und hatte Netto monatlich ca. 900 Euro. Ich hatte psychisch eine sehr schwere Zeit hinter mir und war gerade dabei mich wieder zu fangen. Ich hatte mich bewußt dazu entschlossen Teilzeit zu arbeiten (und dementsprechend mit wenig Geld auszukommen) um mehr Zeit zu haben mich sozial für Kinder zu engangieren. Doch bereits nach 18 Monaten wurde meine Stelle gestrichen, ich wurde arbeitslos und lebte von Arbeitslosenhilfe. Anfangs wurde ich weitgehend in Ruhe gelassen und konnte (mit viel weniger Geld) wenigstens an meinem sozialen Engangement weiterarbeiten. Dann kam Hartz 4 und der Druck wurde so hoch, dass meine alten psychischen Probleme wieder aufflammten und ich entsprechend gelähmt war. Einerseits war ich verpflichtet Vollzeitstellen anzunehmen, da dank der Agenda (Leiharbeitgesetz) Teilzeitstellen finanziell nicht mal mehr das Nötigste abdeckten. Andererseits wurden mir aber kaum Stellen vermittelt auf die ich mich bewerben konnte. Stattdessen zwang man mich zu Bewerbungstraining und 1-Euro-Jobs. Das zog sich über 4 Jahre hin. Erst durch Connections(!) meiner Mutter zu einer Leihfirma bekam ich überhaupt an einen Job.


    Und da erlebte ich dann mit voller Wucht was die Arbeitsmarktreformen bewirkt hatten. Während ich als Lagerarbeiter 20 Stunden die Woche relativ chillig Neuwaren auspackte, auszeichnete und in den Verkaufraum stellte, mußte ich nun als Leiharbeiter für das selbe(!) Geld 40 Stunden die Woche in Wechselschicht und Sonntagsarbeit am Band stehen und Autoteile verpacken. Das hielt ich nur ein knappes Jahr durch.
    Dank amtsärztlicher Gutachten konnte ich nach jahrelangen Kampf glücklicherweise erreichen, dass ich heute nur noch in Teilzeit arbeiten und keine Leiharbeit mehr machen muss. Leider sind auch die Teilzeitjobs dank der Reformen inzwischen mit so einem hohen Arbeitspensum verbunden, dass sie einem fast so viel Energie rauben wie es früher eine 40-Stunden-Woche tat.
    Trotzallem stehe ich jetzt endlich kurz davor mein Musikprojekt - bei dem es um Kinderrechte geht - fertig zu stellen. Auch wenn es nicht darauf ausgelegt ist, hat dieses Projekt vielleicht sogar das Potenzial mich finanziell unabhängig - und damit auch unabhängig von (aufstockender) Arbeitslosenhilfe - zu machen. Wäre der jahrelange lähmende Druck und die Vollzeitarbeit nicht gewesen wäre ich ziemlich sicher schon etliche Jahre früher an diesen Punkt gekommen und hätte somit weniger finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen müssen.


    Lauterbach hat in Amerika Menschen behandelt die wegen sozialer Mißstände krank wurden, aber er versteht bis heute nicht was sie dort hinbrachte. Es wird gerne behauptet Erwerbslose verfallen dem Alkohol, dem Tabbak und/oder der Fettsucht, weil sie nichts zu tun hätten und sich daher gehen ließen. Ich habe in den ganzen Jahren Kollegen kennengelernt die genau diesen Süchten verfallen waren, trotz Arbeit. Ich behaupte diese schlechtbezahlte, perspektivlose und undankbare Arbeit hat sie überhaupt erst in die Sucht getrieben oder hält sie zumindest darin gefangen.
    Überlegt mal, ihr arbeitet 40+ Stunden in einem Job der monoton, körperlich anstrengend und schlecht bezahlt ist. Hättet ihr dann abends noch die Energie irgendeinem erfüllenden Hobby, Sport oder Ehrenarbeit nachzugehen? Das einzige was einen da noch "erfüllen" kann sind Essen und Drogen.
    Ich selbst hatte glücklicherweise nie etwas für Drogen übrig, aber war dafür einige Jahre lang übergewichtig. Erst der Entschluss mein Leben den Kinderrechten zu widmen hat mir eine Orientierung gegeben und motivierte mich in einer joblosen(!) Phase dazu das ganze Gewicht wieder loszuwerden. Und nur wegen meiner Vorgeschichte mit Depressionen und Suizidversuchen wurde ich (dank der ärztlichen Gutachten) vor den schlimmsten Jobs verschohnt.
    Die meisten anderen in meiner Situation sind dem schutzlos ausgeliefert. Sie haben dadurch gar keine Möglichkeit sich zu entfalten und Wege aus ihrer Situation zu finden.

    _Das_ ist es was diese Menschen eigentlich süchtig und krank macht, nicht ein fehlender Job.


    Wieviel weniger Menschen hätten ohne die Agenda 2010 heute eine chronische Krankheit? Wieviel besser wäre das Gesundheitssystem heute aufgestellt (auch in Bezug auf Covid-19)?

    Die Pandemie hat manchmal auch etwas Gutes. Hier entlarvt sie welchen Zweck Schule tatsächlich hat:

    Von wegen Bildung.
    Und immer wenn das Thema "lüften in Klassenzimmern" aufkommt und erzählt wird, dass sich die Fenster in manchen Schulen nicht einmal öffnen lassen, muß ich an eine Szene aus der Serie "The Wire" denken. In der gibt eine Lehrerin einem neuen Lehrer den Rat, die Fenster geschlossen zu halten, damit die Kinder müde werden und dadurch ruhig bleiben.

    Ich sehe es immer als Sieg, wenn jemand auf Stil und Äußerlichkeiten drauf haut, weil er inhaltlich nichts zu kritisieren findet. Hätten Peter Dausend und seine Kollegen in den letzten Jahrzehnten ihren Job richtig gemacht, wäre Tilo heute nur einer von vielen und sein Jung & Naiv Konzept vermutlich überflüßig.

    Jetzt wo die SPD auf dem Weg ist die Rolle einer Oppositionspartei einzunehmen erkennt er natürlich die Fehler von vor 10 Jahren. Vor zwei Jahren fand er noch Hartz 4 sei richtig gewesen, nur jetzt nicht mehr nötig:

    Immer gerade wie ers braucht.


    Die Haltung zu ändern wenn es um einen Virus geht wie Covid ist nachvollziehbar. Der Virus tauchte plötzlich auf und es mußte schnell gehandelt werden. Die damalige wirtschaftliche Lage hingegen war nicht so akkut schlimm, dass es die eingeführte Agenda gerechtfertigt hätte. Zu so einer Agenda zu stehen/gestanden zu haben, offenbart schlicht eine menschenverachtende Haltung und Vorurteile gegenüber sozial Schwachen.

    Ergo: wer seinen Nächsten liebt gibt ihm einen schlecht bezahlten Job und wird damit von Gott mit einer saubilligen Dienstleistung belohnt. Wenn ich mir die ganzen fetten Autos auf den Straßen und die immer mehr werdenen überfüllten Cafés, Restaurants und Shoppingmeilen so ansehe, hat das für die deutsche Mittelschicht ja sehr gut funktioniert.