Beiträge von fruchtoase

    Wie würdest Du den Prozess beschreiben der dazu geführt hat dass zwei der drei ursprünglichen Grundpfeiler der Grünen Partei (Pazifismus und direkte Demokratie) bei der Transformation zur staatstragenden Partei mit der Zeit über Bord geworfen wurden, obwohl diese Grundpfeiler einer linken Politik in der Bevölkerung grosse Zustimmung geniessen?

    Vielleicht sollte man sie einfach auch fragen, ob sie in den Grünen überhaupt eine "linke" Partei sieht und was sie unter diesem Begriff versteht.

    Ich versuche, es freundlich zu formulieren:

    Seid ihr in der grünen Partei eigentlich Annalena Baerbock genauso dankbar wie ich für 1. ihren grandiosen Wahlkampf und 2. dass sie sich ihren persönlichen Traum vom Außenministerium auf Kosten des alles blockierenden Finanzministeriums für die fdP erfüllt hat?

    • Soziologe Wolfgang Engler schrieb mal ein Buch mit dem Titel "Die Ostdeutschen als Avantgarde" und aktuell sieht es in vielerlei Hinsicht mal wieder danach aus, als träfe der Titel ins Schwarze. Siehst Du in der (vor allem von jungen Menschen) entvölkerten Ex-Zone ebenso die Blaupause für die bundesweite Rentnerrepublik und wenn ja, kann man das irgendwie progressiv für den Rest der Republik nutzen?
    • In der kürzlich mal wieder aufgeflammten Debatte um eine Sozialdienstpflicht ging der u. A. von RD Precht vertretene Vorschlag, eine solche wenn dann unbedingt für jung und alt einzuführen, leider erwartbar etwas unter. Wie beurteilst Du die Möglichkeit und die Möglichkeiten dieser?
    • Sollte der Bundespräsident mehr als ein Grüßaugust sein (jaja, ich weiß, er kann theoretisch Gesetze nicht unterschreiben, passiert aber so gut wie nie, trotz reichlich nicht-verfassungskonformer Gesetze)? Bzw. braucht man ihn überhaupt, wenn er kaum mehr als das ist?
    • Sollte der Bundespräsident direkt vom Volk gewählt werden?

    Ja, aber so wie ich das sehe, ist das nicht hauptsächlich ihre Zielgruppe und sie sagt auch selbst, dass sie ihre Sprache so ein bisschen an die jeweiluge Gruppe anpasst.

    Verstehe ich alles, aber es geht ja nicht nur darum, seine Meinung in die Welt zu tragen. In einer Demokratie muss man halt auch irgendwie eine Mehrheit davon überzeugen, dass die Meinung gut und sinnvoll ist.

    Wenn Sie der Katalysator ist, der die ihr zuhörenden dazu bewegt, die Alten (die es ja in jeder Familie gibt, zu überzeugen, dann ok. Dann geht es auch eher nur darum, denen konkrete Argumente an die Hand zu geben. Die Buzzwords diffundieren aber meiner Erfahrung nach ebenso in die Argumentation hinein und dann kommt doch nichts sinnvolles bei rum. Ich weiß es ja auch nicht, man könnte doch auch ohne diese twitter-Rhetorik argumentieren, denke ich. Mir stößt das jedenfalls immer übel auf, obwohl ich inhaltlich wohl zu sehr großen Teilen mit dem übereinstimme, was sie sagt. Aber der Ton macht eben die Musik und wenn ich diesen identitätspolitischen Sermon höre, schalte ich innerlich schon auf Durchzug.


    Jetzt habe ich in LDRs Beitrag irgendwie im Geiste aus Finanzminister eine unausgegorene Mischung von Firlefanzminister und Filzminister gemacht. Die Nacht war kurz, ich gehöre ins Bett.

    Naja, an diese Art der politischen Kommunikation sollte die breite Gesellschaft sich gewöhnt haben. Ist 'ne Gratwanderung, und man wird von Springer und Wokebubble von der jeweils einen Seiten mit Scheiße beworfen, also eigentlich sehe ich sie (leider) gegen Windmühlen kämpfen. Machen kann man es trotzdem, das Buch dazu ist ein Klassiker geworden.

    Hat sie nicht.

    Die breite Gesellschaft ist eben nicht der urbane thirtysomething.

    Wie sagt der Herr Schulz immer so schön, wir leben in einer Rentnerrepublik.

    Und die hocken in ihren Eigenheimen im Vorort und kriegen Ausschlag, wenn ihnen eine hippe Göre, die wahrscheinlich noch nie richtig gearbeitet hat (so in etwa klingt die Beschreibung dann), was von sexistischer Verkehrspolitik erzählen will. Die schalten da ab. Und das obwohl es potentiell bzw. tatsächlich um ihre Tochter oder Schwiegertochter geht, die sich mit Fahrrad mit Kind im Kindersitz, auf einem keinen Meter breiten Radstreifen, von mit 50 km/h vorbeidonnernden 40tonnern, mit garantiert keinen 1,50m Abstand, auf dem Weg zum Kindergarten überholen lassen muss und sich dabei vielleicht nicht ganz so sicher aufgehoben fühlt.

    Man muss Menschen mit Geschichten abholen, so funktioniert das Gehirn.

    Naja, ich hab mir das Interview angehört und ich wüsste nicht, warum sie keine Mobilitätsexpertin ist. Sie weiß nämlich, wie man anhand von Zahlen etwas sehr plastisch und (in meinen Augen im positiven Sinne) linkspopulistisch verwenden könnte (etwaiger Wortlaut):


    "Ein Parkplatz nimmt 12 m2 ein und kostet teilweise nichts, ist nur tote Masse, ein Kinderzimmer ist mitunter kleiner und kostet nicht selten 500€"


    Was bringt uns die Erkenntnis, die wir schon vor Jahrhunderten (!) hatten, dass Schienenverkehr zu Land die energieeffizienteste Form des Transports ist - mal vom nichtelektrisch betriebenen Fahrrad abgesehen? Wir brauchen dieser Tage Populisten, Influencer und Lobbyisten als Expertin für Klimawandel und linke Motive. Unser Verkehrsminister ist sicherlich auch Mobilitätsexperte, und zwar in der Hinsicht, wie man Kapital so mobilisiert, dass es in die Taschen der Autohersteller landet.

    An sich Zustimmung.

    Wenn diese Botschaft allerdings mit wirklich jedem Buzzword aus dem woken Giftschrank garniert wird, wird aus der breiten Gesellschaft niemand denken, dass es da um ihn geht.

    Nö schließt sich nicht aus. Sag das mal zu Studenten, die eine Fragestellung für ihre Hausarbeit finden müssen. Abgesehen davon muss man die Rahmenbedingungen des Formats beachten. Soll Tilo erstmal 15 min die Frage vorlesen? Es gibt ausserdem auch Leute, die noch gerne anderen Fragen hören wollen und dafür muss auch Zeit bleiben. Aber Tilo hat ja gemeint, er bringt auch mal Punkte, die im Forum gemacht wurden mit ein. Also lohnt es sich schon hier Fragen zu formulieren, die interessant sind. Kann ja auch inspirieren.

    Weil sich Hausarbeiten ja auch so oft durch intelligente Fragestellungen auszeichnen...
    Hat sich an Deiner Überheblichkeit und Besserwisserei nach einer handvoll Semester an der Uni also noch nichts geändert.

    Na ja, als gute Erinnerung daran, warum ich hier so selten reinschaue, reicht es.

    Denke, dass die Fragen im Forum vielleicht oft zu umfangreich sind. Besser sind kurze, aber intelligente Fragen und viele.

    Das schließt sich halt idR gegenseitig aus.

    Kurze Fragen sind gezwungenermaßen meist pauschal und wenig differenziert.

    Von geübten Interviewgästen werden die dann mit Floskeln abgebügelt.

    "Allgemeine" Fragen werden im Interview selbst schon gestellt und auf im Interview geäußerte Aussagen mit kurzen Rück-/Detailfragen antworten kann man schlecht im Voraus.


    Und wenn man sich dann bei Fragen Mühe gibt, aber nie eine dran kommt, spart man sich die Arbeit halt irgendwann. Zumindest ging mir das so.

    Ich fand ja, kurz bevor das Thema Gendersprache eingeführt wurde, hatte er so ziemlich alles dazu (im Sinne von zur Identitätspolitik, zu der die Gendersprache gehört, während die soziale Stellung schlicht ignoriert wird) gesagt, was es dazu zu sagen gibt (von einigen rein linguistischen Aspekten mal abgesehen).


    Ansonsten fand ich sehr schön, dass er die hier-Fixiertheit unseres Denkens (und damit auch unserer Politik) thematisiert hat.


    Ein interessantes Gespräch, auch wenn er eher zum Schriftsteller als zum Redner geboren ist. ^^

    Ich hätte da ein paar Fragen:


    • Wie ist Deine bzw. hast Du eine (auch im demokratietheoretischen & gesellschaftlichen Kontext) Haltung zu (a)sozialen Medien, die einerseits aus dem Leben Deiner Generation als alltägliches Gebrauchsmittel ja im Prinzip nicht mehr wegzudenken sind, anderseits aber ständiges Eskalations-, Empörungs- und Propagandapotential mit sich bringen und durch die Öffentlichkeit der Kommunikation auch kein Vergessen ermöglichen?
    • Kann die Klimakrise im kapitalistischen System überwunden werden?
    • Wie beurteilst Du, als jemand, der in einem Hartz-Haushalt aufgewachsen ist, die Altersvorsorgepläne über kapitalgedeckte Rentenfonds?
    • Was ist Deiner Meinung nach wichtiger: Inhalte oder Identifikation? Zu verstehen im Sinne von lieber scheiß Politik mit Frau Merkel als Kanzlerin oder gute Politik mit dem alten weißen Mann Hans-Christian Ströbele? Wie bewertest Du in diesem Kontext die Leistung von Baerbock im Wahlkampf?

    also hätte mans bleiben lassen sollen? und das stand ja bei uns auch nicht schon immer in der verfassung sondern wurde irgendwann mal erkämpft sowie jeder gesellschaftliche fortschritt auch.


    und jo natürlich ist der effekt nicht so stark, dass man andere starke effekte damit dominieren kann, aber nochmal, das hat auch niemand jemals behauptet.


    ich glaube an den effekt und somit ist es für mich sinnvoll, völlig unabhängig davon ob das jetzt irgendwelche anderen effekte unterwirft oder nicht. ich find auch gut dass frauen in saudi-arabien wählen dürfen. wird sicher nicht der oberbringer sein, aber machts ein klein bisschen weniger schlimm als vorher.

    Homöopathie

    ich diskutier ja hier auch schon wieder mit jemand anderes. und nein sorry, das argument, dass gendergerechte sprache nichts bringt weil es regionen auf dieser welt gibt, deren sprache gendergerecht ist, wo aber andere starke unterdrückungsmechanismen gelten und die unterdrückung immer noch da ist, ist und bleibt quark.

    Das ist ja auch nicht das Argument.

    Das Argument ist: Es gibt Regionen, in denen es diese sprachliche Benachteiligung nicht gibt, trotzdem herrscht dort noch größere Ungerechtigkeit. Wie groß kann da der Effekt (wenn es ihn denn gibt) dieser sprachlichen Neuregelung überhaupt sein? Oder haben wir es hier eher mit einem Zuschreibungsproblem zwischen Korrelation und Kausalität zu tun?

    Offensichtlich ist der Effekt jedenfalls nicht groß genug, um die anderen Effekte zu dominieren, so viel ist jedenfalls offensichtlich.

    Nochmal: Ich bestreite den möglichen Effekt nicht, ich ziehe aber durchaus in Zweifel, ob es ihn gibt und wenn es ihn gibt, ob seine Wirkmacht nennenswerte Relevanz hat.

    wenn man dein argument konsequent zuende denkt könnte man auch genauso gut sagen "es macht keinen sinn, dass frauen wählen dürfen, solange sie nicht gleichen lohn für gleiche arbeit bekommen".

    Ja, kann man auch sagen, denn es gilt der Gleichheitsgrundsatz.

    Deshalb steht selbstverständlich beides in unserer Verfassung.

    Es gibt einfach gewisse Sachen, bei denen gibt es nur entweder oder.


    In Saudi Arabien dürfen Frauen jetzt übrigens auch wählen, das ändert an ihrer strukturellen Behandlung als Menschen zweiter Klasse nichts.

    es sät überhaupt nichts, wenn die gleichstellung aufgrund anderer faktoren so stark behindert wird kann das eine gleichberechtigte sprache eben auch nicht ausgleichen, wie auch.

    Ach so, na wenn keine Zweifel aufkommen, obwohl man selbst einen Effekt nicht eindeutig zuschreiben kann, offensichtliche Widersprüche dann aber eben an anderen Umständen liegen, dann scheint mir die Sicherheit, mit der Du die Wirksamkeit hier propagierst, allerdings irgendwie mehr ideologischem denn erkenntnistheoretischen Ursprunges zu sein.


    Ich würde nicht behaupten, dass es keinen Effekt gibt, aber dass es einen gibt, sehe ich ebensowenig.

    dann schreibt halt "ich zweifle generell daran ob es einen effekt hat und wenns einen hat ist mir der zu gering gemessen am aufwand" oder so. dann bin ich zwar immer noch anderer meinung, aber das ist wenigstens ne ernstzunehmende position.

    Habe ich. Beitrag 33.

    Deine Antwort in Bezug auf gesäte Zweifel dazu: "es sät überhaupt nichts"

    niemand behauptet dass man alleine durch gendern eine gleiche gesellschaft erreicht, aber es ist ein beitrag dazu bei. darum ist dieses "warum sind frauen in ländern mit turksprachen ohne grammatikalisches geschlecht trotzdem so ungleich" auch ein relativ leicht zu widerlegender strohmann. in diesen ländern findet die unterdrückung von frauen vor allem aufgrund von religiösen überzeugungen statt, neben den dort sicher auch weit verbreiteten patriarchalen strukturen.


    ich hab auf alle fälle letztens bei lesch was dazu gesehen, mädchen entscheiden sich laut der da behandelten studie häufiger für berufe wenn sie durch die anrede mitangesprochen werden, also wenn man gendergerechte sprache verwendet, als wenn man das generische maskulinum verwendet. und genau darum geht´s halt. und man muss und sollte das nicht gegenüber anderen diskriminierungen die auch vorherrschen ausspielen, sondern nebeneinander denken.

    Die Frage ist nur, stimmt das denn überhaupt?


    Und wie stellen denn die Studien, die es zu solchen Sachen ja durchaus gibt, eigentlich sicher, dass es tatsächlich die Sprache ist, die hier den Unterschied macht? Die Studien, von denen ich bisher gehört habe, taten das nämlich nicht. Sie verglichen unterschiedliche Umgebungen. Und da stellt sich dann, wenn man an einer objektiven Beurteilung tatsächlich interessiert ist, schon die Frage, ob die Ergebnisse dann daran liegen, dass man es mit einer aufgeschlossenen Umgebung zu tun hat (in der solche Sprachnormen dann auch viel eher angenommen werden) oder eben nicht. D. h. ob die Sprache hierbei tatsächlich Katalysator oder eher Begleitumstand darstellt. Ich persönlich tippe, ohne Anspruch auf Gewissheit selbstverständlich, auf letzteres.


    Natürlich ist der Verweis auf Turksprachen und die dort vorherrschenden Gesellschaften kein "Beweis" für die Unwirksamkeit, es sät allerdings durchaus Zweifel an der Wirksamkeit.

    er sagt gendern ist dumm, Vielfalt auch.. so ein Quatsch..

    Das ist natürlich kein Quatsch.

    Er spricht davon, dass Vielfalt als Selbstzweck kein Wert ist.
    Und das ist völlig richtig, denn der letzte Bundeskanzler war bzw. ist eine Frau, Präsident der EU-Kommission ist eine Frau, Vorsitzende der letzten verbliebenen "Volkspartei" Deutschlands war vor Kurzem eine Frau, hat das irgendetwas "besser" gemacht? Was unterscheidet eine Julia Klöckner von einem Andreas Scheuer? Oder sollten es vielleicht besser Inhalte und Taten sein, die den Wert von etwas bestimmen?

    Wenn der Bundestag mit 700 Hans-Christian Ströbeles, seines Zeichens ein alter, weißer Mann, gefüllt wäre, dieses Land wäre ein besseres.

    Aber alle die ich kenne, die gerndern bei Arbeit, privat, auch durch mein trans sein, die sind sensibilisiert, wollen so sprechen, weil sie eben sensibel sein möchten dem anderen gegenüber, sei es ne Frau, nen Mann, oder jemand non-binäres, oder jemand mit Migrationshintergrund.

    Dann sollen sie das tun.

    Niemand hindert sie.

    Wegen mit müssen wir große Werke nicht umschreiben. Aber wir müssen sie richtig einordnen.

    Und das passiert nicht?

    Das halte ich für ein Gerücht.

    deshalb muss man nicht die Sprache verhunzen...verdammte Hacke, so intellektuell unterirdisch, und auch gegen alle Fakten... Wir in unserer Firma machen grad nen Projekt zu diversity... Wir haben 81 % Männer in Führungsposition. Man schaue sich den Bundestag an... die Verteilung... man schaue sich die Vorstände in Unternehmen an, die Frauenquote... Wo lebt Precht, es muss ein anderes Land sein, in dem ich lebe... Dann Menschen mit Migrationshintergrund, auch völlig unterrepräsentiert...

    Na ja, dass die Sprache dadurch verunstaltet wird, müssen wir, die ideologische Debatte mal gänzlich außen vor lassend, doch wohl nicht diskutieren?

    Sprechpausen, Ambiguitäten, Sonderzeichen etc.

    Ästhetik sieht anders aus.


    Und da machen wir dann direkt die Rolle rückwärts. "Diversity" ist eben kein Wert an sich.


    Wenn ein "weißer alter Mann" durch Klöckner, Merkel, UvdL, AKK oder lesbische, schwarze, behinderte ersetzt werden, die die gleichen Werte vertreten, wird absolut nichts besser, außer dass Frauen dann bei der Arschlochquote aufholen.

    Seine Aussage zu Muslimen toppt aber alles, da gibt es ja quasi auch keine Probleme mit der Religion, das sind wir auch schon sehr weit...What... wir diskutieren immer noch in weiten Kreisen, ob der Islam zu Deutschalnd gehört... und das heisst, ob die Menschen zu Deutschland gehören.. sorry ich kann das nicht trennen...

    Nein, das heißt es eben nicht.

    Der Islam gehört so wenig zu Deutschland, wie der Hinduismus zu Deutschland gehört und mir wäre es sehr lieb, wenn auch das Christentum nicht zu Deutschland gehörte. Die Menschen, die an diesen Schwachsinn (und zwar egal an welchen) glauben, gehören aber selbstverständlich zu Deutschland, sofern sie hier leben (oder die Staatsangehörigkeit haben). Das ist zu trennen und dass Du das nicht kannst - also nicht willst - ist nicht Prechts Schuld.

    Der deutschsprachige Wortschatz bietet für viele Situationen und Gefühlslagen sehr exakte und ästhetische Wörter und Sprichwörter. Gibt es auch etwas, das kompakt ausdrücken kann: "Ich habe mich keinen Illusionen von Utopien hingegeben, aber wurde trotzdem bitter enttäuscht"?


    Was macht man mit und in einer Gesellschaft, die mehrheitlich (zumindest nach zählbarer Meinungsabgabe) keine sein möchte?


    Das Wort, welches Du suchst, lautet gescholzt.

    Vor etwas mehr als 70 Jahren ist aber auch etwas mehr als 70 Jahre her.

    Wir schreiben heute das Jahr 2021 und wenn Du heute auch nur ANSATZWEISE ähnliche Umstände IN DEUTSCHLAND in der Bevölkerung siehst, wie drei Jahre nach dem vielleicht verheerensten Krieg der Menschheitsgeschichte, dann könnte man diesen Verweis für irgendwas gelten lassen. Ich sehe null Ähnlichkeit gesellschaftlich, wirtschaftlich wie auch die staatspolitische Einhegung in die restliche Welt betreffend zum heutigen Deutschland. Was also soll einem dieser Verweis sagen? Wie bringt er die kapitalismuskritische Sache voran? Wie überzeugen wir damit die, um die es eigentlich gehen sollte? Ich sehe es nicht. Ich sehe nur immer wieder die gleichen Platitüden von müsste, sollte, würde und theoretisch... Daraus erwächst in der Realität politischer Arbeit absolut nichts. Dass die Hohepriester der Kapitalismuskritik hier meinen, ausgerechnet mich bekehren zu müssen, zeigt dann auch die Absurdität des Ganzen. Ich setze mich in jeder Diskussion für linke Ideale ein, wähle links, betreibe Konsumverzicht und weiß der Geier, was noch. Währenddessen regiert die cdU seit tausenden von Jahren und ich bin schuld, dass der Kapitalismus nicht zusammenbricht, weil ich nicht (ein)sehe, dass er zusammenbricht.

    Was heißt hier zwingen? In einen Unternehmen wie BMW walten alle möglichen Sachzwänge, die Mensch und Natur zerstören, wieso wird denn das nicht als Zwang gesehen, der überwunden werden muss? Falsche Prioritäten würd ich sagen. Eine Chemiefabrik kippt Chemieabfälle in einen Fluss. Würdest du das als ein "zwingen" sehen, wenn wir diesem Unternehmen verbieten, das zu tun? Wär das moralisch fragwürdig, das zu verbieten, weil Zwang ein Teil davon wäre? Sehe ich anders, es muss ein Imperativ sein, so ein Verhalten über Zwang zu verbieten.

    wat?

    Metadiskussion über Zwang?


    Ich verzweifle...

    Es geht einzig und allein um die Frage, wie wir aus der seit Marx vorhandenen Erkenntnis Resultate bekommen. Darauf kommen von euch auf wieder und wiedermalige Nachfrage null Antworten.

    Ich weiß, dass der Kapitalismus scheiße ist.

    Wie schaffen wir ihn ab?