Beiträge von AlienObserver

    Ich hatte die Aussage der sich selbst zerfressenden Linken bisher ja nie so richtig verstanden. Aber danke für dich und das Forum für diese eindrucksvolle Demonstration dessen was damit gemeint ist.

    Wie war das mit der Selbstreflektion? Ausgerechnet Utan wird von ausgerechnet dir diesbezüglich angegriffen?


    Bisher war es immer so, dass (u.a.) Utan sich zu einer Sache äussert um dann von den Mackern hier dafür persönlich angegriffen wird worauf er sich wehrt und dann die Diskussion ausschliesslich persönlich wird.

    Zitat von Wikipedia

    Selbstgerechtigkeit


    Unter Selbstgerechtigkeit versteht man den Habitus von Personen, die sich gewohnheitsmäßig mit anderen vergleichen und dabei immer wieder zu der Überzeugung gelangen, dass sie selbst die Sitten strenger einhalten als die anderen. Das Verhalten von Menschen, die andere spüren lassen, dass sie sich diesen sittlich und moralisch überlegen fühlen, wird von den Betroffenen meist als anstößig, beleidigend und herabsetzend empfunden.

    Ja, das mit der Flexibilität muss man auch immer erwähnen wenn es um Digitalisierung geht.


    Gerne wird ja Digitalisierung als innovation verkauft un der Anschein von "Dynamik" und "Flexibilität" erweckt. Wieder ist die Realität da eher das Gegenteil. Unternehmen die ihre Proesse durch maßgeschneiderte Software automatisieren werden lange, lange nichts mehr daran ändern. Die Dynamik von Unternehmen wird durch Software eingefroren. Innovation der Unternehmensprozesse wird massiv erschwert weil sie bedeutet, dass man neben der Anpassung der Strukturen und Prozesse auch die teure Software ersetzen muss.

    Ich hab die gewagte Theorie, dass wenn die Politik etwas ändert es meist zu marginalisierung der Bürger und Ermächtigung von Institutionen führt.


    Ich fürchte eigentlich muss man Bürokratieabbau von unten gegen die Politik durchsetzen weil unsere Politiker von oben immer einen Bürokratieaufbau betreiben. Es gibt da leider keine Ausnahme. (Keine Ahnung allerdings wie)

    Als Entwickler und mit meiner Erfahrung in der Erstellung von Software für unseren Staat und Bürokratische Unternehmen, kann ich mich nicht uneingeschränkt für die Automatisierung der Bürokratie aussprechen. Seit 20 Jahren erlebe ich meist eine massive Ausweitung digitaler Bürokratie zum Schaden der Arbeitenden und der Bürger.


    Automatisierung oder Digitalisierung können vieles bedeuten.


    Es könnte bedeuten dass der Kunde/Bürger ermächtigt wird, dass der einzelne selbstständig bürokratische Aufgaben bewältigen kann weil er die unterstützung von praktischen digitalen Werkzeugen erhält. Manchmal passiert das sogar.


    Leider aber ist diese Form der Digitali-/Automatisierung die absolute Ausnahme. Im Normalfall werden heute Aufgaben die von hilfreichen und kompetenten Mitarbeitern für Kunden/Bürger erledigt wurden an diese übertragen (Beispiel:Verkäufer, Pfandannahme, Beliebige Portale).

    Oft in einer Form die die Aufgabe verkompliziert und den Zugang erschwert. Die Arbeit insgesamt steigt, der Endnutzer/Bürger wird dabei immer mehr belastet.


    Gute Digitalisierung könnte Hirarchien Abbauen und die durch die Werkzeuge ermächtigten Anwender müssten nicht mehr für jede Entscheidung die Erlaubnis von Vorgesetzten einholen.

    Leider ist der Normalfall wieder das Gegenteil.


    Software zementiert hirarchien, sie kontrolliert Angestellte oder Bürger, sie marginalisiert abhängig Beschäftigte um sie durch "Offshoring" oder prekär Angestellte ersetzen zu können.


    Staatliche digitale Bürokratie bedeutet häufiger intransparente, autoritäre Kontrolle des Bürgers als digitale Demokratie.

    Wer pflaumt wen an?

    Stimmt, klar. Aber als Normalbürger muss man nicht im kleinsten Detail wissen, was an dem Sytem falsch läuft, man muss auch nicht Karl Marx gelesen haben. Kapitalismus ist keine Quantenphysik, die man lange studieren muss, um zu wissen, wie sie funktioniert (jetzt kommt bestimmt danton mit zitat von feynman). Kein Handwerker muss die Theorie des Mehrwerts verstehen, um zu verstehen, dass er bei der Arbeit übers Ohr gehauen wird und weniger bekommt als er selbst erwirtschaftet hat.

    Die meisten Menschen wissen intuitiv, dass dieses System ungerecht ist und dass damit etwas nicht stimmt, und da muss man als soziale Bewegung ansetzen.

    Es kommt gar nicht auf akademisches Wissen an. Um was es geht ist, dass man versucht seine eigenen Schlussfolgerungen zu ziehen und neugierig die gesellschaftliche Prägung hinterfragt. Dazu benötigt man nur die Bereitschaft es zu tun und den Mut dem Widerstand aus dem sozialen Umfeld zu begegnen. (Vor allem vom Chef).


    Diejenigen die den Weg des geringsten Widerstandes gehen können nicht erkennen, was sie glauben zu wissen weil ihr Umfeld es von ihnen erwartet und welche Erkenntnisse aus ihnen selbst stammen. Das ist was Jay Forrester meint. Schreibst du dein eigens Stück oder spielst du deine Rolle die das System dir aufzwingt?


    Ich hab mich auch deswegen vorsichtig ausgedrückt. Erkenntnis bekommt man in dem man die Realität neugierig aus möglichst vielen Perspektiven betrachtet. Sozialtheorien helfen einem in dem sie Perspektiven bieten deren Erkenntisgewinn erprobt ist, sie sind aber keine Vorrausetzung.

    Donella Meadows war Mitautorin der Limits to Growth Studie von 1972 am MIT und unter den Autoren die entscheidende Expertin für Systemanaylse. Meadows ist die wissenschaftliche Ziehtochter des Begründers des Fachgebiets, Jay Forrester.


    Die Frage "wie verändert man Systeme" ist wohl die Fragestellung die der Systemanalyse zugrunde liegt. Jay Forrester postulierte, dass jedes System bestimmte Hebelpunkte (Leverage Points) hat, an denen der Krafteinsatz eine Veränderung herbeizuführen besonders wirksam ist. Folgende empirische Beobachtung von Jay Forrester kann wohl jeder aus der persönlichen Erfahrung im Berufsleben bestätigen:

    "People know intuitively where leverage points are. Time after time I’ve done an

    analysis of a company, and I’ve figured out a leverage point — in inventory policy, maybe, or in the relationship between sales force and productive force, or in personnel policy. Then I’ve gone to the company and discovered that there’s already a lot of attention to that point. Everyone is trying very hard to push it IN THE WRONG DIRECTION!”


    Donella Meadows hat in ihrer Forschungsarbeit 12 allgemeine Hebelpunkte postuliert, die in Systemen Veränderungen ermöglichen können.


    Wie sind die Massnahmen gegen den Klimaschutz einzuordnen?


    CO2 Zertifikate Kategorie 11

    CO2 Bepreisung wäre ein Hebelpunkt der Kategorie 12 wenn so macht wie die CDU sich das vorstellt oder Kategorie 7 wenn man es wirklich so macht wie es z.B: das Potsdam Institut vorschlägt. usw.


    Da aber nur noch wenig Zeit bleibt und man bisher vehement an den entscheidenden Hebelpunkten in die falsche Richtung geschoben hat, wäre es meiner Meinung nach notwendig beim Klimaschutz anzuschauen was Kategorie 1 "The power to transcend system paradigms", zu bieten hätte.


    "Paradigmen des Sytems" ist der zentrale Punkt mit dem sich die Sozialtheorethiker wie Karl Marx. Pierre Bourdieu, Max Weber, Michel Foucault, Theodor Adorno, Ernesto Laclau usw. beschäftigten. Wenn wir in der Lage wären die Prägung durch die Gesellschaft zu überwinden wären wir auch in der Lage ein neues System zu gestalten. Wie kommt man da hin?


    Wenn man sich mit Sozialtheorien beschäftigt wird es leichter einen Blickwinkel einzunehmen der Systemkritik und die Überwindung des Systems möglich macht. Wenn man die Paradigmen des systems nicht versteht, besteht die Gefahr, dass man wieder nur mit vollem Einsatz in die falsche richtung steuert.

    Utan Mir schien es dass wieder die von dir genannte "Naturalisierung" als Argument ins Feld geführt wurde. Wenn "Märkte" zwangsweise aus dem "natürlichen drang des Menschen zu handeln nd zu Feilschen" (Smith) hervorgehen, dann ist die "Marktwirtschaft", also der Kapitalismus das einzige natürliche Wirtschaftssystem und andere Wirtschaftssystem sind "gescheitert", "unnatürlich", "realitätsfremde, romantische Utopien! usw. Wir haben dieses Gefecht schon oft genug geführt.

    Der Wikipedia Eintrag ist irreführend. Ich denke nicht dass Anthropologen jemals vom perfekten Geschenk ohne Gegenleistung sprechen und eine verklärte Vorstellung von diesen Gesellschaften haben. Ausserdem ist es falsch, dass wir nur Potlatch und Kula Ringe als Beispiele von Geschenkökonomien kennen. (Graeber zitiert weit mehr Quellen).


    Ahistorisch ist der "natürliche Triebe des Menschen zu Handeln und zu Feilschen" wie er bei Smith postuliert wird. Hier findet die eigentliche "Romantisierung" statt. Wie Graeber beschreibt kann man den Taushhandel (Barter) nur in Gesellschaften historisch nachweisen in denen es vorher schon eine Marktwirtschaft gab und Geld nicht mehr verfügbar ist. (z.B. Schwarzmarkt in der Nachkriegszeit).


    der Normalfall in jeder Gesellschaft ist, dass verschiedene Formen des Austauschs in verschiedenen ausprägungen existieren.

    - Gegenseitiges Helfen und Schenken und kommunistisch, egalitäre Beziehungen innerhalb der engen Familie, unter guten Freunden, Nachbarn etc.

    - Schenken in der Erwartung einer späteren Gegenleistung.

    - Handel mit Geld auf enem Markt


    Was Graeber historisch nachweist ist, dass die Enwicklung des Geldes und der reinen Marktbeziehung eine relativ späte Entwicklung ist, die vor allem der Existenz stehender Heere von Berufssoldaten geschuldet ist und nicht aus einem "Tauschhandel" hervorgeht.

    Doch.

    Markt ist nur ein anderes Wort für Tausch und dieser fand immer in bestimmten (Tausch-)Verhältnissen statt, die sich änderten.


    Alles was Sie sonst beschreiben sind Marktmanipulationen zum Vorteil der Mächtigen.

    Am Waldrand haben die Bauern trotzdem "gehandelt", so wie Sie es mit dem Nachbarn und Freunden tun.

    Nein. Das ist eine Legende die von Adam Smith ohne Belege in anthropologischer Forschung in die Welt gesetzt wurde. Es stimmt aber nicht, dass vor dem "Markt" der "Tausch" existierte.


    Ich dachte mit dieser Vorstellung hat Graeber aufgeräumt. Bevor es einen Markt gab, lebten die Menschen vor allem in Schenkökonomien.