Technik & Ges(t)ellschaft

  • ich bin mit dem dokument noch nicht ganz durch, aber bisher konnte ich nirgends lesen, dass die technokraten eine planwirtschaft realisieren wollten. vielleicht kannst du ja die entspr. stelle kurz zitieren.

    etwas anders zu organisieren bedeutet ja nicht immer automatisch planwirtschaft. gerade deswegen ist cybersin so interessant, da ging es ja eher um selbstorganisation als um planwirtschaft:

    andere spielarten von organisation der wirtschaft sind bestimmt auch interessant und befruchtend :S


    Naja es gibt eigentlich nur zwei Methoden, wie Güter verteilt werden können. Über Marktsysteme (die aber vielfälltig sein können) oder über Planung. Ein System ohne Markt muss zwangsläufig Planung beinhalten. Eine Mischung geht auch. Wie schon geschrieben war die Technocracy Bewegung eine Bewegung gegen den Liberalismus und Kapitalismus:


    The first principle of technocratic planning rejected as irrelevant the liberal conception of a competitive economy. By contrast, the second principle used the change in the economic landscape to offer a positive alternative to the liberal vision of capitalism: the world to come was to be dominated not by the invisible hand of competition but by a visible hand of planning and conscious coordination. Some of the impetus for an organised capitalism through amalgamations and cartel arrangements in nineteenth-century Germany, and later in other countries, was in response to economic back-wardness: an attempt to generate scale efficiencies and to conserve, through centralisation, the scarce human and institutional resources available for enterprise management (see Chapter 2). However, for a broad swathe of opinion, the most significant motivation for an acceptance of consolidation and organisation was that the planned, ordered economy offered a possibility of relief from the gyrations in prices, production and employment that seemed to be endemic to capitalism.


    https://link.springer.com/chap…007%2F978-1-137-56396-5_4


    Auch das System von Alende sollte planwirtschaftliche Elemente haben, die mit Arbeiterselbstverwaltung kombiniert waren und die durch rationale wissenschaftliche Methoden der Planung (wie lineare Optimierung, Statistik usw.) unterstützt werden sollten, also auch ein Element von technokratischer Regierung. Das System wurde nie vollendet, heutzutage bin ich aber sicher, dass so etwas funktioniert.

    Technokratie finde ich vom Absatz her nicht schlecht. Das Problem ist eben, dass sich eine technokratische Elite herausbildet, die auch undemokratisch Politik machen würde. Man macht es entweder von Anfang an dezentral machen, oder eben mit Mechanismen, die Zentralisierung verhindert (z. B. mit Rotations- und Wahlsystem).

  • soweit ich es verstehe, ist dies ein beispiel der undifferenzierten verwendung des begriffs welche ich oben ausgeführt habe: in diesem buch geht es um eine technokratische planung des sozialismus (als abwertender vorwurf), nicht um die politische bewegung der technocrats in den usa und deren politische agenda. aber ich kenne mich wie gesagt mit der politischen bewegung der technocrats nicht gut genug aus, als das ich behaupten könnte eine planwirtschaft hätte nicht auch auf deren agenda gestanden.

    ja, die alt bekannte eliten verschwörung...entlarvend :S

    Beispiele für die Wahrheit dieser "Verschwörungstheorie" gibt es ja genug.


    Und ich bin zu faul jetzt, ein Zitat rauszukramen, aber ich frag mal anders: Wie wollten die Technocrats deiner Meinung nach die Wirtschaft gestalten?

  • https://twitter.com/FrankPasquale/status/1358814420344922113

  • keine ahnung, bin ja kein technokrat...deswegen frage ich ja. aus dem dokument welches vorliegt, konnte ich bisher folgende punkte welche die wirtschaftliche umorganisation betreffen herauslesen:

    - preis-system auf basis energie umstellen (theory of energy S.12)
    - umverteilung der gesamtgesellschaftlich arbeit auf alle arbeitnehmenden

    - festsetzung des mindesteinkommens auf 20.000$


    welchen ansatz ich eher bedenklich finde ist z.b.: "the Technological system would be applied to grade and classify all human beings so that some would be factory workers, some domestic workers, some secretaries and so on." (S.22). passt imo irgendwie üerhaupt nicht zum versprechen der individuellen freiheit: "if Technocrazy threatens to destroy individualism or spread of progress it wil be rejected." (S.12)
    vielleicht finden sich ja weitere quellen aus denen hervorgeht was da des pudels kern ist :S

    Welches Dokument?


    Ich würde auch behaupten, dass wir wieder in Zeiten der Technokraten leben. Die neoliberale Ideologie setzt auf Marktlösungen und diese Märkte werden von Wirtschaftswissenschaftler designed (marketdesign, marketcraft).

  • Nevada will lokale Regierungsmacht an Tech-Firmen abtreten – samt Gericht (heise.de)

    "Nevadas Gouverneur will Tech-Firmen erlauben, neue Städte zu bauen. Die Firmen wären dort Regierung, Schulbehörde, Polizei und Justiz in einem."


    und was mein ihr? kapitalismus, neoliberalismus, technokratie oder planwirtschaft?
    fände ich spannend wie ihr das einsortieren würdet und mit welcher begründung.

    Man braucht nicht lange überlegen zu was das führt.

  • ein indikator dafür die richtigen fragen zu stellen sind oft die fehlenden antworten :S

    Hast du jetzt gewonnen oder soll ich noch was schreiben? Ich mein, Spengler kann nicht verteidigt werden. Seine Bücher sind Verirrungen und historisch und ideologisch falsch. Das einzige, was von ihm übrig bleibt, sind Phrasen: Untergang des Abendlandes oder hier faustische Maschinenkultur (Wobei man hier auch einfach Adorno bemühen kann).


    Er beschreibt eine Art Klimawandel, den er falsch vorhersagt, aber für ihn ist es auch nur ein Untergang....


    Hmmm... kA, macht daraus was ihr wollt. Ich dachte, es reicht, den Link zu posten, wenn da Technik drinn vorkommt. Ich hatte schonmal eine Diskussion um ihn und es ist es einfach nicht wert. Man sieht nur seine zerrütteten Charackterzüge und Ideologie.

  • Aber wie immer kann man ja schauen, was er interessantes schreibt. Das nehmen, was gut ist und das, was nicht gut ist, halt ablehnen.

    Hab geliked weil es mit dem Thema hier zu tun hatte. Kenne Spengler nicht wirklich.

    Hitlerunterstützer, Weimarer Republik. Berühmt ist sein geschichtsphilosophisches Werk Der Untergang des Abendlandes (ich warte immer noch darauf). Historisch ist er meistens inkorrekt. Im Prinzip sind seine anderen Bücher so ähnlich. Das, was ich gepostet habe, endet auch mit dem Untergang der westliche Zivilisation weil die Maschinenkultur eine ökologische Katastrohe auslöst.

  • Hitlerunterstützer, Weimarer Republik. Berühmt ist sein geschichtsphilosophisches Werk Der Untergang des Abendlandes (ich warte immer noch darauf). Historisch ist er meistens inkorrekt. Im Prinzip sind seine anderen Bücher so ähnlich. Das, was ich gepostet habe, endet auch mit dem Untergang der westliche Zivilisation weil die Maschinenkultur eine ökologische Katastrohe auslöst.

    War das so ein 2.000 seitiger Wälzer? Hab ich mal in der Buchhandlung gesehen, aber nicht weiter beachtet, weils ja eine typische Phrase von "eher" rechtsorientierten ist. (Was aber nicht bedeutet, dass ich allgemein rechte Literatur ablehne.) Aber danke für die kurze Zusammenfassung.

  • War das so ein 2.000 seitiger Wälzer? Hab ich mal in der Buchhandlung gesehen, aber nicht weiter beachtet, weils ja eine typische Phrase von "eher" rechtsorientierten ist. (Was aber nicht bedeutet, dass ich allgemein rechte Literatur ablehne.) Aber danke für die kurze Zusammenfassung.

    Wo ziehst du die Grenze bei der Ablehnung von rechter Literatur (zum einen was siehst du als rechts an und zum anderen, was wirst du garantiert nie lesen?).

    Die Google-Suche sagt, es sind ca 800 Seiten, Das Kapital hat etwa genauso viel.
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  • Wo ziehst du die Grenze bei der Ablehnung von rechter Literatur (zum einen was siehst du als rechts an und zum anderen, was wirst du garantiert nie lesen?).

    Die Google-Suche sagt, es sind ca 800 Seiten, Das Kapital hat etwa genauso viel.
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    Ich lese im Prinzip alles (ausser Romane oder so). Weil man aus allem etwas lernen kann.

  • Hier noch was zwiespältiges: https://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Kaczynski#Manifest


    Das Manifest des Unabombers: Industrial Society and Its Future / The Unabomber Manifesto

    https://archive.org/details/fc.manifesto/mode/2up

    Zitat

    Zentraler Begriff seines Manifests ist „das industriell-technologische System“ („the industrial-technological system“). Kaczynski behauptet, die Technisierung unserer Gesellschaft infolge der Industriellen Revolution sei desaströs für die Menschheit gewesen, da hierdurch ein „System“ mit einem inhärenten Selbsterhaltungstrieb habe entstehen können, welches mehr und mehr Einfluss auf den einzelnen Menschen nimmt. Dies führe zur Aushöhlung von Freiheit und Würde des Individuums und zu konkreten psychischen Problemen wie Minderwertigkeitskomplexen und Depressionen.

    https://www.psychiatrie-erfahr…%20Manifest%20deutsch.pdf

  • was imo beim prof rieck gut herauskommt, ist das dispositiv des technischen ge-stells der anwendung welches mit vor-entscheidet wie sich das soziale kommunikative handeln ent-faltet (oder auch nicht) :S

    Ich bin nicht so der Foucaultkenner, aber ich find den Begriff des Dispositiv ganz nett, obwohl da wie immer auch bissl Unklarheit herrscht, wie Foucault das jetzt meint. Aber ich würd seine Werke einfach wie die von Marx sehen. Man nimmt sich die guten Sachen und ignoriert den Quatsch (wobei es bei Marx halt nicht so viel Quatsch gibt IMO).

  • https://twitter.com/rob_heinze/status/1362724486315986951


    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mythos_der_Maschine

  • https://twitter.com/rob_heinze/status/1362724486315986951


    https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mythos_der_Maschine

    Ich würde diese Bilder gerne sehen. Skandal, dass die nicht in die neueren Ausgaben gekommen sind.🤔

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