Technik & Ges(t)ellschaft

  • here we go again:

    Wir leben in einer von Technik geprägten Welt, in einer Technokultur, in einem technologischen Zeitalter. Es begann mit der Technik, als unsere Urahnen vor Hunderttausenden von Jahren die ersten Werkzeuge verfertigten. Für die Vorgeschichtler ist der Werkzeuggebrauch, der Anfang der Technik, ein wichtiges Kriterium der Menschwerdung. Die Entdeckung des Ackerbaus und der Viehzucht führte zur Sesshaftigkeit - ein Umbruch in der Geschichte der Menschheit welcher als neolithische Revolution bezeichnet wird. Durch die Jahrtausende hindurch haben neue Erfindungen und Produktionsmethoden immer wieder die Lebensbedingungen und die Lebensmöglichkeiten der Menschen geformt. Der Mensch hat damit jedoch auch seine natürliche Umwelt durch technische Eingriffe derart verändert, daß seine Welt gleichsam zu einem künstlichen Produkt geworden ist. Dies beinhaltet nicht nur die Artefakte oder Dinge, sondern auch Strukturen, Archiktekuren, die Natur selbst - bis hin zum Menschen welcher in dieser "künstlichen" Welt aufwächst, sich sozialisiert und die Technik als Kultur realisiert - mit ihr und durch sie lebt und sich selbst zur Entfaltung bringt. Diese komplexe Verwicklung und deren unvorhergesehenen und verdeckten Folgen wollen wir in diesem Thread betrachten.


    Dabei werden wir die Blickwinkel der Kunst, Geisteswissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Naturwissenschaften zu rate ziehen, da sich das Phänomen Technik über all diese Bereiche beobachten lässt und diese wiederum selber untrennbar mit Ihnen verwoben sind. Diese Wechselbeziehungen verdeutlichen die Schwierigkeit einer Abgrenzung, zeigen jedoch auch die Notwendigkeit einer Aufklärung auf. Um so erstaunlicher scheint es, dass "Die Technik" gegenüber der Bedeutung und Auswirkungen für Mensch und Natur als auch den gesellschaftlichen Alltag, sich erst seit kurzem in den Wissenschaften als Disziplin etabliert. Die Liste dieser Bewältigungsdefizite ist lang: Die praktische Bewältigung der Technik, ihrer Entstehungs- und Verwendungszusammenhänge, ist längst noch nicht gelungen. Die „Perfektion der Technik“ ist ein Mythos, der nur auf einem unzureichenden Technikverständnis gedeihen kann. Dieser Mangel an theoretischer Bewältigung der Technik aber ist nicht nur für deren Unvollkommenheit selbst, sondern auch für die hilflosen und unsachlichen Reaktionen verantwortlich, mit denen viele Menschen jener Unvollkommenheit begegnen. Hier wollen wir daher für eine mögliche Aufklärung Sorge tragen und stellen dieses wissenschaftliche und damit auch gesellschaftliche Defizit in den Vordergrund.

    (eine Mischung aus Hans Lenk/Günter Ropohl und SeBu- Ich hoffe es ist OK wenn ich hier nicht die wissenschaftlichen Zitationsregeln anwende.)


    Da eine Realdefinition des Begriffs Technik einem Versuch der Festlegung des "Wesens der Technik" gleichkommen würde, möchte ich mit einer Übersicht der Bedeutungen beginnen:


    Das Wort Technik stammt von griechisch τεχνικός technikós und leitet sich ab von τέχνη téchne, zu Deutsch etwa Kunst, Handwerk, Kunstfertigkeit. „Technik“ kann bedeuten:

    - die Artes mechanicae oder die „praktische Künste“. Sie wurden während des Altertums, des Mittelalters und der Renaissance unter dem Begriff der „Technik“ zusammengefasst.

    - die Gesamtheit der menschengemachten Gegenstände (Maschinen, Geräte, Apparate, Artefakte usw.)

    - ein besonderes Können in beliebigen Bereichen menschlicher Tätigkeit (Fertigkeit, Geschicklichkeit; Gewandtheit usw., z. B. körperlich: Technik des Weitsprungs; geistig: Technik des Kopfrechnens; sozial: Technik der Unternehmensführung, Sprachtechnik)

    - eine Form des Handelns und Wissens in beliebigen Bereichen menschlicher Tätigkeit (Instrumentell, Planmäßigkeit, Zweckrationalität, Wiederholbarkeit usw.)

    - das Prinzip der menschlichen Weltbemächtigung.

    (wikipedia einige Anpassungen)

  • (falls beteiligte möchten, dass jene kommentare des alten forums hier nicht erscheinen, bitte melden. sonst können wir ggf. da weiter machen wo wir aufgehört haben.)

  • SeBu

    Hat den Titel des Themas von „Technik & Gesellschaft“ zu „Technik & Ges(t)ellschaft“ geändert.
  • Es begann mit der Technik, als unsere Urahnen vor Hunderttausenden von Jahren die ersten Werkzeuge verfertigten.

    Zum x-ten Mal: Nein. Es begann vor Milliarden Jahren, als erste Tiere begonnen haben, Elemente der Umwelt als Werkzeuge zu nutzen.


    Werkzeuge zu verwenden ist kein exklusives Verhalten von hochentwickelten Primaten.


    Einige Tiere haben sogar die Umwelt angepasst und umgebaut. Und bereits ganz früh gab es durch die ersten Pflanzen einen extrem wichtigen Klimawandel, als zum ersten Mal freier Sauerstoff in die Atmosphäre freigesetzt wurde.


    Wir Menschen sind auf einem völlig anderen Level und unser Abstraktionsverhalten ist dem von Tieren weit, weit voraus. Aber Technik ist nichts, was Menschen erfunden hätten. Den Begriff natürlich schon. Das Prinzip aber nicht.

  • Nein. Es begann vor Milliarden Jahren, als erste Tiere begonnen haben, Elemente der Umwelt als Werkzeuge zu nutzen.

    Werkzeuge zu verwenden ist kein exklusives Verhalten von hochentwickelten Primaten.

    keine ahnung. aber hier würde ich gerne den unterschied von etwas als werkzeug nutzen und ein werkzeug verfertigen treffen. also bewusst mit hilfe von abstraktionsvermögen (welches uns dank bewusstsein ggf. von anderen tieren unterscheidet) eine idee in form bringen (z.b. mit hilfe von steinen (werkzeuge) steine (material) in form bringen (idee/energie/mensch)-->steinzeit). und da haben wir dann ggf. einen begriff von technik der unseren ansprüchen genügt. "ideen" wiederum könnten ganz unplatonisch der natur und selbstbeobachtung entnommen werden. da vermute ich auch die wurzeln der philosophischen metapher der organprojektion (ernst kapp). jedenfalls könnte man von einer art externalisierten projektion von durch erkenntnis gewonnenen ursache-wirkung prinzipien sprechen. andere biologische systeme machen sowas ggf. auch (ursache-wirkung prinzipien), jedoch meist nicht auf basis von erkenntnis und erfahrung sondern selektion und variation internalisiert in genetik [/edit]. das gemeinsame prinzip lässt sich mmn über die kybernetik abgreifen:

    ich versuche mich da im moment mit hilfe der kybernetik zu nähern:

    technik als relation der selbstbeobachtung (1.Ordnung) des menschen (organprojektion). erkenntnisse der wissenschaften spiegeln sich dadurch in dieser relation technik wieder (ideen der natur). der input des technischen systems wird historisch technisiert:
    materie (werkzeuge)
    energie (mechanisierung)
    information (automatisierung)
    Beobachtung 1.Ordnung (digitalisierung)
    Beobachtung 2.Ordnung (ki)

    mit kybernetik als gemeinsamen prinzip, stimme ich dir daher größtenteils zu:

    Einige Tiere haben sogar die Umwelt angepasst und umgebaut. Und bereits ganz früh gab es durch die ersten Pflanzen einen extrem wichtigen Klimawandel, als zum ersten Mal freier Sauerstoff in die Atmosphäre freigesetzt wurde.


    Wir Menschen sind auf einem völlig anderen Level und unser Abstraktionsverhalten ist dem von Tieren weit, weit voraus.

    wenn du mich jetzt fragst was kybernetik ist, keine ahnung.

    daher die frage nach entsprechenden links, videos oder literaturhinweisen?!

    2 Mal editiert, zuletzt von SeBu () aus folgendem Grund: (ursache-wirkung kopplung hinzugefügt)

  • "[...] man geht immer weiter und weiter, weil man vom Gesetz der Technik bestimmt wird [...] man könnte sagen: Der Kategorische Imperativ der Industriegesellschaft ist der technische Fortschritt, dass man das machen muss, was technisch möglich ist. Die Ausdehnung der Technik ist ihr eigenes Gesetz." Erich Fromm

    wohlstand für jede

  • Aus Neugier habe ich mir bei youtube folgendes Video angesehen.



    Computer Tomographie für additiv gefertigte Teile – Chancen und Limitierungen



    Ich hatte gar keine Ahnung davon, aber der Lennart hat es aus seinem Wohnmobil aus Kroatien, ganz hervorragend erklärt.


    Zumindest über additiv gefertigte Teile - 3-D Druck habe ich ein bisschen Ahnung bekommen und ja, ich habe da Feuer gefangen! Das ist ja super spannend ! <3


    Wieso gibt es eigentlich gar keine DIN Norm für additiv gefertigte Teile ?


    In Deutschland hat doch alles eine Industrie Norm, von der Zahnbürste über den Schnürsenkel zum Fön.


    Warum der 3-D Druck nicht ?


    Können dich sich nicht einigen ?


    Prüfung für die additive Fertigung / 3-D Druck


    https://www.tuvsud.com/de-de/b…estung/additive-fertigung


    Es gibt gar keine Industrie Norm für additiv gefertigte Teile.


    https://www.dgzfp.de


    Die Zerstörungsfreie Prüfung ist ganz wesentlich mitverantwortlich für Unfälle und Katastrophen,

    die nicht passieren. Vermutlich ist das die Ursache dafür, dass sie trotz der enormen Bedeutung, die sie für das tägliche Leben jedes Einzelnen hat, so wenig im Bewusstsein der Menschen präsent ist.


    Dies zu ändern, durch alle Möglichkeiten der Information und Kommunikation, ist gegenwärtig eine der wichtigsten Aufgaben der Deutschen Gesellschaft für Zerstörungsfreie Prüfung (DGZfP).


    Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen, Computertomographie, Video- und Endoskopie sind Begriffe, die den meisten Menschen bekannt sind. Dass diese und viele andere Methoden aber nicht nur in der Medizin genutzt werden, sondern auch zur Zerstörungsfreien Prüfung (ZfP) von Bauteilen und Materialien, ist weitgehend unbekannt.


    Der Wunsch, Werkstoffe und Werkstücke zerstörungsfrei – das heißt in einer Weise, die die spätere Verwendung nicht beeinträchtigt – zu prüfen, ist so alt wie das Vermögen der Menschen, diese zu bearbeiten.


    Falls hier jemand aus der Luft- und Raumfahrt ist 8o hey Hallo, das Thema ist total spannend ! :*

  • Die Zukunft der Arbeit :|


    Neues System von Daimler überwacht Mitarbeiter jede Sekunde und könnte Menschen überflüssig machen


    Daimler eröffnet im Werk Sindelfingen eine neue Fabrik. Ihr System überwacht Mitarbeiter in der Produktion in Echtzeit und soll sie um 15 Prozent effizienter machen.


    Ja, das erklärt der Lennart in seinem Vortrag auch so ganz nebenbei, das Daimler und Airbus daran arbeiten, irgendwann voll automatisiert zu sein. Ohne Menschen.

    Und ich weiß gar nicht, ob die Politik sowas überhaupt realisiert ?! :/


    https://www.bw24.de/stuttgart/…-kaellenius-90019194.html

  • Neues System von Daimler überwacht Mitarbeiter jede Sekunde und könnte Menschen überflüssig machen


    Daimler eröffnet im Werk Sindelfingen eine neue Fabrik. Ihr System überwacht Mitarbeiter in der Produktion in Echtzeit und soll sie um 15 Prozent effizienter machen.

    ich würde es in der oben von mir vorgeschlagenen logik so interpretieren: die beobachtung der produktion (qm) wird durch digitalisierung technisiert. nächster schritt ist dann vermutlich mo360 mit einer ki aufzurüsten, um prozesse zu optimieren und fehlerursachen zu beseitigen. interessant finde ich auch die überwachung von menschen arbeitern, weil diese teil des technischen produktionsprozesses sind, also werkzeuge deren funktionalität und operationen zu überwachen sind.

    Ja, das erklärt der Lennart in seinem Vortrag auch so ganz nebenbei, das Daimler und Airbus daran arbeiten, irgendwann voll automatisiert zu sein. Ohne Menschen.

    Und ich weiß gar nicht, ob die Politik sowas überhaupt realisiert ?! :/

    ja spannende politische und gesellschaftliche fragestellung: welche verhältnisse entstehen durch mechanisierung, automatisierung, digitalisierung und ki in der wirtschaft einer gesellschaft. wenn merkel weiterhin von vollbeschäftigung dank europas größten niedriglohnsektor spricht, habe ich so meine zweifel. aber da sich sowohl politisch und damit auch in den die politik-reflektierenden medien diesbezüglich keine diskussion stattfindet, muss man wohl eigene gedanken bemühen.

    also, was denkst du denn über dieses thema? hast du ggf. informationsquellen an der hand, welche sich mit diesem thema auseinandersetzen?


  • Seit 2014 weisen Firmen darauf hin, sich auf ein einheitliches Prüfverfahren zu einigen.

    Das wird ja auch alles schon verwendet, in und an Menschen, was aus einem 3D - Drucker plumpst ...

    Und so merkwürdig für deutsche Verhältnisse, das es keine Normen gibt. :/

  • Seit 2014 weisen Firmen darauf hin, sich auf ein einheitliches Prüfverfahren zu einigen.

    Das wird ja auch alles schon verwendet, in und an Menschen, was aus einem 3D - Drucker plumpst ...

    Und so merkwürdig für deutsche Verhältnisse, das es keine Normen gibt. :/

    meine vermutung ist: es läuft halt so wie immer. wir wissen auch nicht wie nanopartikel sich auf die umwelt auswirken und dann die mit umwelt angereicherten nanopartikel wiederum auf menschen.


    die firmen welche ein einheitliches prüfverfahren fordern sind vermutlich nicht groß genug. soweit ich weiss wird 3d druck auch noch nicht im industrie-maßstab eingesetzt. was ich damit sagen möchte: wir haben z.B. DIN (deutsche industrie norm). es gibt keine technik norm (zwar iso und en), weil wir die steuerung der technik großteils der wirtschaft/industrie überlassen (daher kommen die vorschläge für iso und en). und die hat halt andere anforderungen an die technik, also als produkt oder wahre (gewinnmaximierung und son gedöns). din, iso und en gelten mmn jedoch dann auch für 3d-drucker sachen - ist ja "nur" ein neues fertigungsverfahren.


    der grundsätzliche mechanismus die technik erstmal auf die gesellschaft loszulassen, um dann zu beobachten was so passiert, weil man das angeblich nicht prognostizieren kann (und man dann immer noch eine technische lösung entwickeln kann), ist eine durch glauben und meinung überlieferte tradition, welche seit beginn der sesshaftigkeit existiert.

    wer hätte denn schon ahnen können, dass wenn alle kulturen der welt ihre energie durch verbrennen von fossilen brennstoffen gewinnen, sich die eigenschaften der atmosphäre ändern.
    #klimakatastrophe

  • Deutschlandfunk Kultur: SEIN UND STREIT | Beitrag vom 09.08.2020

    Philosophie des Silicon Valley - Der Geist des digitalen Kapitalismus

    Oliver Nachtwey im Gespräch mit Simone Miller

    "Für jedes Problem gibt es eine technische Lösung. Auf diesem Versprechen beruht der Erfolg von Internetgiganten wie Google, Amazon und Facebook. Doch deren Philosophie habe auch autoritäre Züge, warnt der Soziologe Oliver Nachtwey.


    Heißluftballons, Drohnen oder gleich Satelliten? Das sind nur drei der Ideen, mit denen sich Facebook, Google und andere Unternehmen des Silicon Valley in Afrika in Stellung bringen, um einen stabilen Internetzugang auf dem gesamten Kontinent zu garantieren. Aus Sicht der Tech-Giganten gehen dabei Weltverbesserung und Profitmaximierung Hand in Hand. Nichtregierungsorganisationen sehen allerdings die Gefahr einer wachsenden Abhängigkeit von der privaten Infrastruktur und geringe Mitsprache beim Datenschutz."

  • Habe beruflich damit nur punktuelle Berührung, aber:


    -soweit ich weiß finden sich z.B. im Airbus A350 3D-gedruckte Titanbauteile. Ähnliches gilt auch für Helikopter Bauteile seit letztem Jahr: http://www.helicopters.airbus.com/website/es/press/Airbus-Helicopters-druckt-Bauteile-für-A350-in-Großserie_2207.html

    Lila: vor dem Einbau werden diese Teile dann IMMER über zerstörungsfreie Prüfverfahren geprüft


    - Und natürlich gibt es auch DIN/DIS für 3D-Druck (z.B. ISO/ASTM DIS 52941

    »Additive manufacturing — System performan- ce and reliability — Standard test method for acceptance of powder-bed fusion machines for metallic materials for aerospace application«)

    https://www.beuth.de/de/themen…itive-fertigungsverfahren

    Hier zur Übersicht: https://www.beuth.de/resource/…ve-fertigung-pdf-data.pdf

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