Beiträge von JonnyBadFox

    ja ich glaube da sind wir in unterschiedlichen bubbles unterwegs. ich werd die linke wählen, bin aber vermutlich der einzige in meinem freundeskreis, der das tut. aber es ist jetzt nicht so, dass eine linke die wahlprogramme aufstellt, die nicht völlig utoptisch sind nicht auch von vielen bekannten von mir gewählt werden könnte. die wählen halt gerade grün, weil die größere chancen haben tatsächlich in der regierung zu landen/professioneller wirken etc. jetzt lass die grünen mal in der ampel zerschellen und nichts erreichen und die linke professioneller werden, dann gibt´s bei der nächsten bundestagswahl viel potential für die linke. ich mein wo sollen die leute hin, wenn spd und grüne nicht liefern? die großen themen für diese menschen sind klimaschutz, wachsende ungleichheit, rassismus, mieten, freie liberale gesellschaft(nicht die dumme fdp version davon) etc. so viele alternativen gibt´s da nicht.


    und na ja ich finde die aktuelle haltung der linken zur nato auch in ordnung. die sagen ja trotzdem nicht, dass sie geil ist, aber dass deutschland mit der nächsten regierung aussteigt ist halt utopisch. und du musst das ja eben auch mal aus der perspektive der fluiden wähler aus dem linken spektrum wählen. für die wird die linke eine gute alternative sollten vor allem die grünen nicht liefern, aber halt eben nur dann, wenn die linke wenigstens so tut als würde sie auch tatsächlich regieren wollen. wenn sie sich komplett verweigern und an ihren utopien festhalten ist es halt viel leichter für spd und grüne zu sagen "guckt euch die doch mal an, mit denen geht´s halt nicht". und nochmal, ich spreche mich hiermit überhaupt nicht gegen diese utopien aus, ich hab früher hier schonmal geschrieben, dass es für die linke sinn machen würde quasi zweigleisig zu fahren. einmal die sozialitische utopie, die das übergeordnete langfristige projekt ist. und einmal ein pragmatisches linkes programm, dass regierungsbeteiligungen ermöglicht und dabei möglichst vielen menschen hilft, gemessen daran wie wenig stimmen die linke momentan bekommt. ist natürlich kein einfacher spagat, da müssen die mitglieder und potentiellen wähler auch dahinter stehen. und deine seite wird jetzt vielleicht auf die gefahr hinweisen, dass die linke dabei verwässert und irgendwann zu so ner spd 2.0 wird und ja, die gibt´s natürlich. und ich würde dem entgegen, dass frontalopposition bisher weder das land besser noch die linke stärker gemacht haben, letzteres vielleicht sogar im gegenteil.

    Ja keine Ahnung, das ist mir zu viel Glaskugelei, am Ende findet man immer eine Begründung dafür, warum es "beim nächsten mal" dann klappt. Das System funktioniert so ungefähr seit 150 Jahren (je nachdem) und hat nur geliefert mit Massenorganisationen im Hintergrund, diese Massenorganisationen sind seit Mitte des 20. Jahrhunderts nicht mehr da, also sollte das System auch nicht mehr da sein. Jetzt kommt bestimmt gleich wieder jemand um die Ecke und fasselt was von die Revolution geht nicht blabla, aber braucht man ja auch nicht. Die Ideen von Rudi Dutschke find ich nicht schlecht, why not? Wenn Menschen in der Vergangenheit nicht an das Unmögliche geglaubt hätte, wären heute einige Dinge gar nicht möglich geworden (allgemeines Wahlrecht ect.).

    Übrigens mal zu dem Mythos, dass Die Linke in Regierungsverantwortung irgendwas verhindern würde:


    https://diefreiheitsliebe.de/p…ltelinien-und-stillstand/


    Analytisch kann man die Partei vielleicht einordnen als Stabilisierung bürgerlicher Verhältnisse mit Mikroreformismus und Weiter So. In Opposition hat sie wenigstens eine Art Strukturzwang dazu die Übeltaten der regierenden Parteien aufzuzeigen, aber in Regierungsverantwortung prostituieren als neue SPD? Nein danke.

    Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Golo Mann (Sohn von Thomas Mann).


    Endlich fertig ;) fetter Schinken von über 1000 Seiten. Hat keine Fußnoten, nur eine Bibliographie am Ende und ist in Prosa geschrieben. Bis heute aber immernoch ein Standardwerk.

    Glaubst Du, dass die, jetzt wo sie alle zum ersten mal die Chance wittern, auch mal bei den ganz Großen mitzuspielen, plötzlich in den letzten zwei Wochen vor der Wahl noch mal so richtig radikal werden?

    Aus der Nato austreten zu wollen und einfach ihr typisches Programm wieder zu bestätigen hat nix mit Radikalität zu tun🥴



    ..müssen sie doch erst mal in eine Position kommen, in der sie die Möglichkeit dazu haben irgendwas zu verändern.


    ..kapitalistischen Marktwirtschaft systemisch daran gehindert wird, die dafür nötigen Veränderungen von sich aus einzuleiten.


    Ja was davon jetzt?


    Für mich geht's dabei eigentlich nur noch darum zu verhindern, dass die fdP mitregiert. Die Vorstellung macht mir tatsächlich Angst und der Jacobin-Artikel da oben erklärt auch ganz gut, warum.


    Und das heißt? Du willst Die Linke wählen?

    Wollte es mal als eigenen Fred aufmachen.


    Komisch diese Wählerwanderungen 🤔 Oder vielleicht Neuwähler? Hat jemand Theorien dazu?

    Es ist halt jede Bundestagswahl der selbe Scheiß 🤷‍♂️ Erst Annäherung, dann Distanzierung, dann Annäherung, dann Distanzierung usw. und am Ende wieder nur Mist. Die Wirtschaft hat dazu noch gar nicht ihr Wort gesprochen, dann kommen nämlich wieder die üblichen Drohungen und die Diskussionen mit den Lobbyisten. Man kann sich drehen, wenden, zappel, schreien, wie man will. Der CO2 Ausstoß wird nicht im Ansatz gestoppt, die Ungleichheit erreicht regelmäßig neue Rekorde. Die Reformfähigkeit der parlamentarischen Demokratie ist ausgeschöpft. Zwar hat Marx auch an den Kommunismus auf parlamentarischem Weg geglaubt in den fortgeschrittendsten Ländern, aber wir sind ja bis jetzt nicht mal bis zu einer dauerhaft stabilen Sozialpolitik gekommen mit dem System. Ich versteh halt nicht die Euphorie alle vier Jahre immer, als wären die Erinnerungen an die letzten Wahlen ausgelöscht, ganz zu Schweigen von der Geschichte der parlamentarischen Demokratie selbst. Naja.

    ich halte es auch für einen irrglauben, dass die stimmen der radikalen wie jonny mehr sind als die, die linken von grünen oder spd holen könnten. aber um um diese stimmen überhaupt werben zu können, müssen sie halt ein halbwegs realistisches wahlprogramm haben, das optionen auf eine regierungsbeteiligung ermöglicht. weil wenn man da ist wo jonny ist, schenkt man sich so ne wahl ggf ja eh, andere dinge sind eh wichtiger. und ich will das gar nicht als nicht valide denkweise hinstellen, aber ich finde es widersprüchlich so zu denken und dann trotzdem von der linken zu fordern diese linie zu fahren.

    Naja Die Linke macht halt ne gute Oppositionsarbeit zur Schadensbegrenzung oder Aufklärungsarbeit. Wenn sie einige ihrer Parteiprogramme aufgeben, wie Nato Ausstieg oder Abschaffung der Schuldenbremse, dann gibt es keine Opposition mehr dazu. Ihr Parteiprogramm haben sie ja, wie Utan weiter oben verlinkt hat, ja zwar noch nicht verändert, aber wenn der Anfang halt mal gemacht ist, naja. Die Linke war eigentlich immer standhaft und dass sie jetzt mit der sehr sehr zweifelhaften Aussicht (Jacobin Artikel sagt ja auch, dass die Zeichen auf FDP stehen) auf Regierungsbeteiligung nicht mehr Standhaft ist, finde ich halt sehr riskant und selbst in RRG wäre ihr Wirken nur Marginal. Und ich denke, dass die 5-7% tatsächlich viele der radikaleren Wähler sind, die eben diese Standhaftigkeit von der Partei fordern und die mit dem Klasse gegen Klasse Artikel angesprochen werden (die halt noch ein Horse in the Game haben, obwohl sie das System vielleicht ganz ablehnen, aber Gedankenlesen kann ich auch nicht). Es lohnt sich einfach nicht für sie, weil die Kosten höher sind als der Nutzen und sie am Ende noch ihre Stammwähler verlieren.


    ein guter populist würde ne absolute mehrheit erreichen, egal aus welchem lager er ist...

    Das ist halt ne Bankrotterklärung des Parlamentarismus. Fast schon Zustände wie in den USA, wo der Kongress eine Beliebtheit von 10% oder so hat.

    Jetzt auch noch von links gegen die einzige Partei zu schiessen, die das zumindest ganz eventuell noch verhindern oder wenigstens abmildern könnte, wenn sie an der Regierung beteiligt würde, kann nicht im Sinne jenes wachsenden Teils der arbeitenden und arbeitslosen Klasse sein, der schon unter den gegenwärtigen Zuständen zu leiden hat.

    Es geht nicht darum, gegen die einzige Partei zu schießen, die noch irgendwas für die Arbeiter machen will (woher weißt du eigentlich, dass die Partei das machen wird? Bis jetzt waren sie nie in der Regierung und in der Landesbeteiligung ist die Bilanz nicht gerade sehr gut), es geht, jedenfalls mir, darum, zu verhindern, dass sie noch mehr abrutscht und von ihren alten Positionen abkehrt, wie es mit den Grünen passiert ist. Mit Kipping und Co. gabs das ja schonmal. Übrigens ist es ein Mythos zu glauben, dass Politiker in einer Partei aus reiner Herzensgüten gute Reformen durchbringen, es braucht eine Verbindung "on the ground", selbst bei den Linken und selbst wenn das bedeutet, die Leute "on the ground" fordern eine Revolution.


    Nach der Wahl kann man sie gerne umso härter kritisieren und revolutionären Druck von unten organisieren.


    Nach der Wahl, wenn sie ihr Parteiprogramm geändert haben, Koalitionsvereinbarungen haben, wieder bei Null anfangen? Und für ein Partei, die derzeit bei vielleicht 5-7% steht, denke ich nicht, dass sie ihre Stammwähler auch noch entfremden sollte. Was sollen sie überhaupt mit so wenig Stimmen in einer RRG-Koalition bewirken? Sehr riskant und unüberlegt. Aber wie gesagt, wenn sie das durchziehen, mir solls recht sein, gibt Energien frei für wichtigeres. Vielleicht würde es der Partei auch gut tun, einfach mal eine Legislaturperiode zu verschwinden, um sich neu zu sammeln, aber das ist ein Zizek Pro-Trump Argument, wäre zu gefährlich ohne richtige Opposition.

    Das kann man allerdings auch nur skandalisieren, wenn man bisher der irrigen Annahme gewesen ist, DIE LINKE sei eine revolutionäre Bewegung und keine politische Partei.

    Wo wird das denn im Text bitte gemacht? Die Idee von revolutionärer Bewegung und gleichzeitig Partei ist übrigens kein Widerspruch. Alle rechts-marxisten (oder im verständnis der bürgerlichen wirtschaftsgeschichte einfach nur Marxismus genannt), und davon gibt es einige in der Partei, glauben genau daran. In der Realität ist Die Linke natürlich auch schon in die bürgerliche Demokratie integriert, wie man auch in den Landtagsregierungen mit ihr sieht und auf Bundesebene erfüllen sie die Rolle in der Opposition, ihr Verhalten ist nicht wirklich überraschend🤷‍♂️ Wenn Bewegungen "on the ground" dadurch jetzt weiter vom Parlamentarismus entfremdet werden, ist das nur ein begrüßenswerte Entwicklung IMO, die mehr Energie für Aktivismus vor Ort bei den Leuten freiwerden lässt, anstatt die Partei zu hofieren. Die Klimabewegungen sind auch nicht weit davon entfernt sich das einzugestehen.

    Den Abschnitt:


    Wir schlagen vor, nicht die Einheit mit einem Reformismus zu wahren, der für die Regierungsbeteiligung alle Prinzipien aufgibt, sondern gemeinsam Schritte in Richtung der Einheit der Linken auf revolutionärer Grundlage zu gehen. Damit können wir endlich für ein Sofortprogramm kämpfen, das seinen Namen verdient.


    Verstehe ich nicht als Aufruf zur Revolution, sondern als Abwendung vom Parlamentarismus hin zum Aktivismus, Mobilisierung, Organisieren, Aufklären usw. vor Ort, um dort Einheit zu schaffen, und so ist es auch gemeint. Und da stimme ich dem Autor zu.


    Und schon gehts los