Beiträge von Tilman

    Gute Besserung Tilo, Hans hat dich gut vertreten. War ein interessantes Gespräch in dem der ganze Komplex mal etwas eingeordnet wurde.


    An einer Stelle bin ich allerdings zusammengezuckt, hansj., nämlich als es um das Gesetz in Polen ging, und die "polnischen KZs". Richtig ist, wie ihr auch angesprochen habt, dass dieses Gesetz ziemlich problematisch ist, weil es verhindert dass über bestimmte Aspekte der Kollaboration und Antisemitismus in Polen während des Zweiten Weltkriegs gesprochen werden kann, daher wurde es ja auch von Israel etc. scharf kritisiert.


    Aber der Aspekt "polnische KZs", die ja eindeutig deutsche KZs waren, passt da nicht rein. Man kann diskutieren, ob das unbedingt unter Strafe gestellt werden sollte, aber zumindest haben die Polen in diesem Aspekt ja durchaus einen Punkt, daher hab ich nicht ganz verstanden warum er als Beispiel angeführt wurde.

    Weiß nicht, wenn ich mir überlege - lieber in Berlin mein Ding machen, oder in Kiew als Staatssekretär (das wird wohl in etwa das sein, was ein "Vize-Außenminister" ist) die Linie meines Chefs zu vertreten, ich glaube das wird ein wesentlich weniger bequemes Leben.

    Ich wage zu bezweifeln das man da noch so flink Brennstäbe zur Weiterbetreibung herstellen oder wenigstens organisieren kann.

    Angeblich kann man die ja einfach mit dem vorhandenen Inventar im "Streckbetrieb" weiterlaufen lassen, leisten dann halt etwas weniger.

    Gebt doch, insbesondere bei solchen heiklen und vielschichtigen Fragen, euren Interviewees die Möglichkeit, sich vorzubereiten.

    Also sorry, aber Herr Melnyk ist Botschafter. Und wenn er sich ein wenig über Jung & Naiv informiert hätte, hätte er auch wissen können dass diese Fragen kommen. Und es hat ihn auch niemand daran gehindert zu sagen "darüber weiß ich nichts", stattdessen hat er den Antisemitismus Banderas rundheraus geleugnet. Und die Kritik an seiner Bandera-Verehrung ist ja nun wirklich nicht neu, da kann man sich schonmal mit Argumenten bewaffnen, wenn man nicht komplett untergehen will in einem Interview. Wenn es denn Argumente in Melnyks Sinne gibt.


    (es heißt allerdings Candy Crush^^)



    Bin gespant, ob Melnyk darüber stürzt. Eigentlich müsste er es.

    Ich wills nicht relativieren, ich finde allerdings dass es legitime Aspekte gibt und nicht-legitime. Ich würde den Ukrainern der 40er nicht vorwerfen, dass sie mit den Nazis kollaboriert haben, in der Hoffnung eine Unabhängigkeit zu erreichen. So wie ich es den Finnen nicht vorwerfen würde, dass die im sogenannten Fortsetzungskrieg versucht haben, die Gebiete die sie im Winterkrieg an die UdSSR verloren hatten, zurückzugewinnen. Das waren jeweils legitime Interessen, die sich durch den furchtbaren Krieg der deutschen als Möglichkeit ergaben, aber man darf die verschiedenen Interessen und den Wahnsinn der Nazis nicht zusammenrühren.


    Keine Entschuldigung gibt es aber für die Faschistischen Gedanken und den Antisemitismus. Darauf wollte ich hinaus. Dadurch wird der Wunsch nach Unabhängigkeit ja nicht zu einem illegitimen Anliegen, und man kann Bandera auch gedenken, aber man darf die schlimmen Sachen an denen er bzw. seine Kämpfer beteiligt waren nicht verleugnen - wie Melnyk es aber leider tut.

    Ich hatte zwischendurch das Gefühl, dass Tilo ihn zu einem Abbruch provozieren will, bin froh dass es nicht passiert ist.


    Ein interessantes Gespräch. Hatte es krawalliger erwartet, im direkten Umgang wirkt er ja plötzlich ganz umgänglich.


    Im Bandera-Part ist er aber schon ziemlich ins schwimmen gekommen. Ich verstehe nicht ganz, warum man nicht einfach sagen kann, er war ein Antisemit - aber ist als Freiheitskämpfer dennoch ein wichtiges Symbol. So wie Luther auch Antisemit war, aber halt trotzdem eine wichtige Rolle bei der Gründung des Reformkirchen gespielt hat. Leider ist es aber Melnyk offenbar nicht möglich, diese große Schattenseite Banderas offen anzusprechen.