Beiträge von baxbear

    Super Interview, vielen Dank and Alle.

    Tilos Kritik, dass er Teil des russischen Propagandanetzwerks gewesen zu sein ist durchaus berechtigt. Aber ich versteh auch, dass er das nicht so stehen lassen will und auf die inhaltliche Unabhängigkeit und die tatsächlich produzierten Inhalte verweist. Damit wehrt er sich gegen den Vorwurf russische Propaganda verbereitet zu haben (was etwas Anderes ist als durch Finanzierung Teil eines Netzwerks gewesen zu sein).

    Das ist auch wichtig für die Beurteilung, ob AFA eine Nachfolgeorganisation ist. Die These "das ist halt was er danach gemacht hat und es hat irgendwas mit rot ihm Namen" ist nicht sonderlich schlüssig. Den Telegram Kanal zwecks Reichweite behalten zu haben ist verständlich.


    Volle Solidarität mit Hüseyin, möge die Leute die diesen kafkaesquen Angriff auf die Presse- und Menschenfreiheit der Blitz beim Scheißen treffen.

    Aus dem Interview habe ich vor allem mit genommen, dass ich schlussendlich nicht bewerten kann, wie viel Propaganda er gemacht hat oder nicht. Allerdings wirkt er halt doch vergleichsweise wenig unabhängig (entgegen seiner Darstellung), bei seinen Verwicklungen und wenn man die Verwicklungen seiner Frau mitbetrachtet. Sein Temprament und Umgang mit diversen Medien in professionellen Situationen ist auch bestenfalls "ungeschickt".


    Nichts davon rechtfertigt selbstverständlich den sich selbst abschaffenden Rechtsstaat und die Pressefreiheit.


    Aber ich finde, da hat Tilo seine Haltung zu den verschiedenen Positionen klar gemacht und auch gut im Interview herausgearbeitet. Hat mir insgesamt gut gefallen. Irgendwann zwischendurch blieb Tilo etwas darauf hängen, dass Dogru und er unterschiedliche Positionen zum Thema und der Einordnung von Propaganda haben. Das hätte man dann auch irgendwann stehen lassen können. Eine ähnliche Aussage hat er ja selber zur BPK getroffen, wenn die Leute da ihre Position und Haltung klar gemacht haben sagt er ja selber, bringt es auch nichts, die gleiche Frage den gleichen Leuten in der gleichen Sitzung noch dreimal zu stellen.

    Nur mal zum Programmierteil - mir egal, was andere mit der KI machen - aber wenn man genau weiß, was man will und Test-Driven entwickelt, man sämtliche Invarianten sauber definiert hat und die algorithmischen und architekturellen Überlegungen festgesetzt hat, kann man mit der KI unglaublich Zeitsparen - natürlich investiere ich seit dem viel mehr Zeit in das Schreiben von Testfällen - schreibe auch mit unglaublicher hoher Abdeckung Mutationstests etc. was vorher wahnsinnig viel Zeit gekostet hätte, dies flächendeckend zu tun. Meine Agentensysteme (man kann hier tatsächlich auch sehr viel mit einem lokalen KI Cluster schaffen, für die meisten Anwendungsfälle völlig ausreichend) sind natürlich auch klar fokussiert mit stark limitierten Rechten wo und was sie ändern können und in welchem Rahmen - unterschiedliche Sandboxen.

    - um die Sache abzukürzen, ich kann manche Sache in zwei Monaten realisieren, da hätte man früher 10 Mann und zwei Jahre dafür gebraucht.

    Selbst wenn ich moderne Modelle "Vibe Coden" lasse, liefern die meisten AI Agenten noch bessere Ergebnisse als irgendwelche Junior-Devs... - noch schlimmer Studenten - ich hasse es Masterarbeiten zu betreuen (wobei programmieren fast nie das Problem ist, der Code ist schlecht, weil die Leute nicht wissen wo sie hinwollen und nicht in der Lage sind ihre algorithmischen Überlegungen im kleinen und großen anzustellen und sich über Zeit- und Platzkomplexitäten keine Gedanken machen - vor allem im Zusammenspiel versch. Algorithmen).
    Dann kommt hinzu, dass die Leute ihren Werkzeugkoffer kennen, nicht mit Tensoren, Differentialgleichungen und entsprechenden numerischen Approximationen auskennen, etc.

    Ich behaupte von mir, dass ich sowohl mathematisch absolut fit bin - ich behaupte fitter als die meisten Informatiker (durch meine Forschungsfelder) - und ich programmiere seit dem ich ein Kind bin - heißt ich kann sehr leicht Code überblicken und gegenprüfen.

    (Ist meine persönliche Meinung und Haltung dazu. Jeder kann seine Meinung dazu haben. An sich lehne ich AI nicht ab, nur die Vermarktung und denke, dass Kapitalismus (schon davor) und gerade auch im AI Zeitalter eine ungünstige Gesellschaftsform ist)

    99 zu eins
    # 650

    Die machen aber eher Gefälligkeitsinterviews mit Leuten die eine gewisse Überschneidung mit ihrer eigenen Position haben. Da ist dann Tilo im Vergleich wesentlich gründlicher und bohrt stärker nach. Gleichzeitig weiß ich halt nicht, ob Tilo den Verein und sein internationalen Ableger als relevante israelisch-jüdische Position betrachtet oder die Gruppierung als komische Subkultur einer Gruppe ansieht, die nicht repräsentativ für irgendwas ist oder so. Ich kann mir halt schwer vorstellen, dass er sie als solche nicht zumindest wahrgenommen hat.

    Ich habe gerade gesucht und konnte kein Interview von Tilo mit Vertretern der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost finden, gibt es dafür einen Grund?


    Ansonsten hier der Vorschlag.



    An sich wichtig darauf hinzuweisen - aber ist ja nichts neues - da sind wir wieder bei Manufacturing Consent - finde, dass der Kanadische Ministerpräsident eine schlechte Quelle für irgendeine "Wahrheit" ist.

    Gerade, weil dieses Buch nicht Teil des allgemeinen Lehrplans ist, finde ich es wichtig darauf hinzuweisen - und geneigte Wähler kann man auch gleich daraufhinweisen, dass sie für den informativen Kern des Buches nur die ersten 100-120 Seiten lesen muss.

    Ich schaue es trotzdem mal zu Ende, vielleicht kommt es noch.


    Tilo wendet im Grunde das Prinzip der "selektiven Gerechtigkeit (worthy/unworthy victims - oder wie auch immer das hieß)" fast 1:1 auf die heutige PR-Rhetorik der Bundesregierung an.


    Genau wie im Buch beschrieben, hängt der Wert eines Opfers nur davon ab, wer der Täter ist. Opfer von Feinden werden als "Verbrechen" tituliert und erzeugen maximale Empörung. Zivile Opfer, die durch Verbündete sterben, werden hingegen zu "Kollateralschäden" oder "Tragödien" herabgestuft.


    Der sprachliche Doppelstandard: Tilo zeigt exakt denselben Mechanismus auf, den Chomsky bei den Medien analysiert hat. Für Feinde (wie Russland) nutzt die Regierung harte Begriffe (Kriegsverbrechen, Aggressor). Für Freunde (wie die USA oder Israel) nutzt sie weiche, verschleiernde Worte (Ereignisse, komplexe Situationen, wir sind besorgt).


    Ausflüchte bei Verbündeten: Wenn befreundete Staaten Gräueltaten begehen, heißt es bei der Regierung plötzlich, man habe keine eigenen, unabhängigen Erkenntnisse oder man fordert die Täter auf, gegen sich selbst zu ermitteln. Chomsky beschrieb genau dieses Muster der unkritischen Übernahme offizieller Narrative, wenn es um die eigenen Verbündeten geht.


    Systematische Doppelmoral: Tilo macht klar, dass das kein bloßes Kommunikationsproblem ist, sondern System hat. Das Völkerrecht dient als scharfe Anklageschrift gegen Feinde, ist für Freunde aber nur eine Art unverbindliche Empfehlung. Auch das ist Chomskys Fazit: Diese Doppelmoral ist massiv, systematisch und dient dem reinen Machterhalt.

    Also bis auf das Beispiel ist da leider bisher nichts neues dabei - hoffentlich gibt es zumindest die Leseempfehlung ab - denn ich sehe den Mehrwert in dem Buch, dass es eben keine Meinung ist, sondern seit Jahrzehnten dem wissenschaftlichen Diskurs standhält.

    Was positiv bleibt, Tilo kann gut frei reden und präsentieren, ich stimme auch komplett mit seiner dargelegten Haltung überein, inhaltlich leider nichts neues dabei - ich finde, man sollte einfach jedem das Buch ins Gesicht schlagen, so dass die Leute selber erkennen was schief läuft. Dann glauben Sie es hoffentlich auch endlich und nehmen es wirklich ernst.

    Er kam in den YouTube-Kommentaren etc. jedenfalls sehr gut davon, weil er ausgezeichnet darin ist, realpolitisch induzierte Bauchschmerzen authentisch in Gesichtsausdrucksformen zu präsentieren. Der Arme, er kann einem ja auch leid tun. So nachvollziehbar, so sympathisch, so durchaus menschlich. #Gefühle #sowichtig

    Vor 10 Jahren oder so hätte ich ihn auch gut gefunden, vor 10 Jahren oder so habe ich auch Merkel gewählt. Wenn man sich nicht mit Politik beschäftigt und mit seinem eigenen Leben zu tun hat, klingen viele seiner Aussagen schlüssig und man versteht die Tragweite nicht und die Implikationen einer solchen Haltung.

    Diese Haltung, "ja also der Pispers, Schramm und Rether haben hier und da schon recht, aber die Realität ist halt viel komplizierter, da muss man halt Kompromisse eingehen und sicher, Politiker sind halt auch opportunistisch aber da gibt es ja noch viel schlimmere, der ist schon 'okay'".

    So, oder so ähnlich habe ich damals gedacht - auch bei der Merkel, "die hält den Laden schon zusammen", "was soll Sie denn machen", "es könnte sicher alles besser sein, es könnte aber auch noch viel schlimmer sein", "Stabilität ist auch okay"

    Rechtfertigung:


    Ich habe aber auch meine ganze Schulzeit und während meines Studiums mit schweren Depressionen zu kämpfen (Mobbing, Ausgrenzung, Narkolepsie) und war eher damit beschäftigt trotzdem einen sehr guten Abschluss zu machen und nebenher zu arbeiten, ich habe wenig außerhalb meiner Informatik/Mathematik-Bubble gelernt - weil ich einfach keine Restkapazitäten dafür hatte.


    Erst im Anschluss habe ich angefangen mir Politikverständnis anzueignen. Da hat Tilo sehr viel geholfen aber auch andere Quellen, einzelne Bücher, das Forum, andere Foren, ein breites Meinungsspektrum, ...

    aus meiner Sicht war bei dem Thema der wichtigste Aspekt die Mitverantwortung der Grünen. Accountability.

    alles andere kann man auch andermal besprechen, diskutieren. aber wenn der Grünenchef da ist, ist das das Relevanteste.

    Ist völlig richtig, habe ich dann oben auch eingesehen - der Satz hat bei mir so ein zusammenzucken ausgelöst, und das obwohl ich parallel gerade was anderes mache.

    Impulskontrolle - kann man lernen.

    Was heißt denn Impulskontrolle? Ist halt ein Thema, was !mich! schon triggert, weil es aus meiner Sicht essentiell ist für weitere Schlussfolgerungen, ist, aber natürlich hast du recht mit "pick your battles" und in Anbetracht der Zeit macht es Sinn.

    War vermutlich doch gut, dass an der Stelle nicht aufzumachen.

    Im öffentlich rechtlichen deutschen Qualitätsfernsehen Ressentiments gegen lustige Witze über "kulturfremde" Ausländer schüren erzählen, die das von solchem Ungeist doch eigentlich längst vollends geläuterte deutsche Volk mit importiertem Antisemitismus belästigen, und dabei von woken Linksextremisten unterstützt werden, die unsere #Freiheit hassen - nehme ich jetzt mal an.

    Dann muss Tilo noch die Berühmte 360% Grad Wendung vollziehen, wird wohl doch nichts.


    Ganz unironische gefragt, gibt es (jüdische) Organisationen in Deutschland, die mutig genug sind den echten Kampf gegen Antisemitismus auszuzeichnen und dort Leute wie Tilo, Deborah Feldman, (möglicherweise schlechte Beispiele, weil andere noch viel mehr Leisten) oder vielleicht sogar internationale Kandidaten wie Norman Finkelstein oder so auszeichnen?

    Ja gut, In einem Nachfolgestaat des 3. Reiches. in dem sich kein strammer Demokrat mehr darüber aufregt, wenn ganz offen behauptet wird, die Sowjetunion hätte den 2. Weltkrieg angefangen, kann man auch einem reaktionären Chauvinisten einen Anti-Antisemitismus-Preis durch das Zentralorgan der Israelischen Staatspropaganda in Deutschland verleihen lassen:


    Nächstes Jahr schafft Tilo es dann auch den Preis in seinem Kampf gegen Antisemtismus zu bekommen oder was sind die Kriterien?

    Aber Tilo möchte als Journalist vermutlich einem wenig informierten Publikum präsentieren, wer da vor ihm sitzt - zumindest bei Politikern etc.

    Die richtige Idee, aber wie Du selbst schon schreibst, es wird in einem herumdrucksenden Wertepalaver enden.


    Wenn man die Frage stellen will, sollte man sie mit so viel Zynismus stellen, dass direkt deutlich wird, wie man die Phrasendrescher für ihr Phrasendreschen verachtet:

    "Und, schon freiwillig gemeldet zum Wehrdienst oder schicken Du und Deine Berufspolitikerfreunde der 'Führungselite' da dann doch lieber die Unterschichtkinder hin, denen ihr vorher durch neoliberale Politik die Zukunft genommen habt?"

    Wenn man diese Antwort haben will, muss man sie an verschiedenen Punkten des Interviews - möglichst weit auseinanderliegend, dass die Absicht der einzelnen Fragen nicht klar wird - herausarbeiten und ihn dann mit der logischen Konsequenz der Gesamtheit seiner Antworten konfrontieren und nicht mehr locker lassen. Dazu muss man aber sicherstellen, dass er seine einzelnen Positionen durch mehrfaches nachfragen gut zementiert hat.

    Muss man sich natürlich überlegen, welche seiner Positionen, man auf diese Weise herausarbeiten will, welche Antworten man denkt auf einzelne Positionen bekommen zu können und welche möglichen Schlussfolgerungen, mit wenig bis keinem Ausweichspielraum man kreieren kann. Wenn man dann die Katze aus dem Sack lässt und ihn vorher nicht durch seine eigenen Aussagen schon stabil festgenagelt hat läuft der Pudding einfach die Wand runter.

    Am besten bereitet man dann mehrere solcher Bingos vor, schaut, bei wie vielen man zum Bingo oder fast zum Bingo kommt und wie die beste Strategie ist die einzelnen Säcke zuzumachen.

    Selbst wenn man dann mit einem "Bingo" scheitert, kann man vielleicht die vom Politiker genutzte Ausweichposition vielleicht nutzen um eines der anderen "Bingos" zu vervollständigen.

    Keine Ahnung, so würde ich das machen, wenn ich irgendwas mit Journalismus zu tun hätte. Ich könnte mir vorstellen, dass Tilo je nach Gast bzw. bei politischen Gästen ähnlich vorgeht - weiß ich aber nicht. Wirkt auf jeden Fall aber wie sehr viel Aufwand auf mich...