Beiträge von Hannes628

    @Hannes628 ich bin auch nicht dafür es zu verschweigen oder klein zureden, ich bin nur dagegen es zu instrumentalisieren.

    Was die russische Propaganda zweifellos tut.


    Trotzdem müssen wir das natürlich thematisieren dürfen. Restles Totschlagargument gegen Wagenknecht und Schwarzer, sie machten sich russische Propaganda zu eigen, ist natürlich ein Strohmann und aus meiner Sicht bei ihm ein Hinweis auf das Fehlen echter Argumente.

    Tilman

    Rechtsextremismus und Russenhass waren ja vor der 2022er Eskalation schon verbreitet mitsamt der militärischen Arme dieser Strömungen.


    Was in 2022 unter Kriegsrecht dazukam sind Verbote von (pro-russischen) Oppositionsparteien. Auch die Tötungslisten gab es vorher nicht (hoffe ich zumindest).


    Sicher kann man für all das Entschuldigungen finden und Erklärungen. Aber das war nicht die hier aufgeworfene Frage, sondern ob man es zum Thema des Diskurses macht oder es kleinredet. Parallelen zu russischer Propaganda sollten kein Argument sein für Letzteres.

    Richtig, Roy . Siehe auch oben mein wsws-Link zu Sternenko.


    Die Wahrnehmung von Tilo und Hans in diesem Themenkomplex ist doch sehr selektiv. Dann vielleicht lieber den einfacheren Weg von Stefan gehen, gar nix „auffächern“ und die Vergangenheit Vergangenheit sein lassen.


    Obwohl das natürlich in der Realität nicht funktioniert, zu tief sitzen die Verletzungen, da hat Hans schon recht. Aber sympathischer als selektives Cherry-picking im Sinne eines Mainstream-NATO-Narrativs finde ich es allemal.

    Machst du hier Selenski mitverantwortlich, dass es keine "Versöhnung mit Russland" oder dass es keine Lösung in der Ostukraine gab? Und alles, was dir dazu einfällt ist "manche sagen, der Druck der rechten Kräfte war zu groß"?


    Das kannst du dir nicht ausdenken.

    Ich habe mir die Zuordnung „Rechte Kräfte“ nicht zueigen gemacht, halte sie aber für plausibel. Du selbst schriebst ja gerade:

    Zitat von Tilo zitiert n-TV

    Selenskyj hielt dennoch, gegen Kritik aus der ukrainischen Politik und Gesellschaft, an seiner Friedenspolitik fest.

    Drei Mal darfst du raten, aus welcher Ecke diese Kritik kam.


    Auch wenn n-TV & Co die rechtsextremen (russophoben) Tendenzen in der Ukraine heute nicht mehr thematisieren, findet man immer noch ohne große Mühe ältere Berichte dazu.


    https://taz.de/Rechtsradikale-in-der-Ukraine/!5753853/


    Sergjy Sternenko, den Namen sollte man sich merken. Mehr Infos dazu:


    https://www.wsws.org/de/articles/2021/05/03/ukra-m03.html


    Schtscherbitsch, der Mann, den Sternenko entführt und misshandelt haben soll, ist Aktivist des russlandfreundlichen Antimaidan und Mitglied der prorussischen Partei „Rodina“. Er war kurz vor dem Kidnapping zum Abgeordneten einer Bezirksversammlung in Odessa gewählt worden.


    Odessa, da war doch was. Tilo, du berichtest im Podcast von einem russischen Denkmal, das dort jüngst abgebaut wurde. Wie das, in der doch eigentlich russlandfreundlichen Stadt? Nun, der dortige (traditionell eher pro-russische) Gouverneur wurde kurz nach der Eskalation des Krieges von Selenskyj abgesetzt und zum 1.3.2022 ohne Wahlgang durch einen anti-russischen, um nicht zu sagen rechtsextremen Nachfolger (ehemaliger Kommandeur eines rechtsextremen Bataillons, https://en.m.wikipedia.org/wiki/Aidar_Battalion) ersetzt.


    https://en.m.wikipedia.org/wiki/Serhiy_Hrynevetsky


    https://en.m.wikipedia.org/wiki/Maksym_Marchenko


    Ob die Bevölkerung mit der Entfernung des Denkmals einverstanden war ist also nicht so ohne weiteres klar. Man könnte so von Hundertsten ins Tausendste kommen…


    Und Maaßen? An den musste ich auch denken, als ich gestern meine Zeilen schrieb, Tilo . Wichtig scheint mir darauf hinzuweisen, dass bei uns doch (noch) eine etwas andere politische Kultur herrscht. Kein Maaßen und kein AfDler kann zum Todestag einer Nazi-Führungsfigur an deren Grab pilgern, dort einen Kranz niederlegen und das dann freudig twittern wie Melnyk bei Bandera. Hierzulande ist man mit so einer Aktion politisch erledigt, völlig zu Recht. In der Ukraine herrschen diesbezüglich offenbar andere Maßstäbe.

    Faktencheck: Was hat Merkel in Bezug auf das Abkommen von Minsk wirklich gesagt?


    Ihr Interview mit der ZEIT befindet sich leider hinter einer Bezahlschranke, aber andere Medien haben darüber berichtet. Der Süddeutschen Zeitung traue ich zu, dass die Wiedergabe inhaltlich korrekt ist:


    „Das Minsker Friedensabkommen von 2014 nach der Besetzung der Krim und des Donbass durch Russland nannte sie einen "Versuch, der Ukraine Zeit zu geben". Die Ukraine von 2014/15 sei nicht die Ukraine von heute, das Land sei stärker geworden, und auch hätten die Nato-Staaten Kiew damals weniger helfen können als sie das heute tun.“


    https://www.sueddeutsche.de/po…ussland-politik-1.5711395


    Zeit gewinnen, um stärker zu werden. Wir wissen, dass die Ukraine nach 2014 vom Westen hochgerüstet wurde und dass sich in Kiew und auf den ukrainischen Truppenübungsplätzen westliche Militärs die Klinke in die Hand gaben. Was wir nie wissen werden ist, ob diese Stärke nur der Verteidigung dienen sollte oder möglicherweise auch einer Rückeroberung der Krim (vgl. Selenskyjs Dekret vom Frühjahr 2021), der Russland mit dem Überfall vom 24. Februar 2022 dann zuvorkam. Ein solcher „Preemptive Strike“ wäre übrigens auch im Westen nichts Neues.


    Was hat nun Alice Schwarzer aus Merkels Statement gemacht? „Die Ex-Kanzlerin hat zu meinem Erstaunen und Befremden jüngst erklärt, die Verhandlungen in Minsk seien für den Westen nur eine Farce gewesen und man habe Zeit gewinnen wollen für die Aufrüstung der Ukraine“, so Schwarzer. Die Einordnung als „Farce“ stammt wohl nicht von Merkel selbst. Was die Aufrüstung angeht hat Schwarzer aber zweifellos recht.



    Seit 2014 herrscht in der Ukraine Bürgerkrieg. Mir ist völlig schleierhaft, wie man angesichts dieser Tatsache noch immer von „DER Ukraine“ reden kann oder von der Einigkeit des ukrainischen Volkes im Kampf gegen den Aggressor. Ein Teil der Ukrainer, wenn auch der deutlich kleinere, sieht die Russen als Befreier. Ab und zu sickert so etwas sogar mal in dem Mainstream durch.


    Ebenso unverständlich sind mir Versuche, den Einfluss rechter Kräfte in der Ukraine kleinzureden. Alleine schon die Personalie des rechtsextremen Bandera-Verehrers Melnyk spricht doch Bände. In welcher westlichen Demokratie, die diesen Namen verdient, hätte eine solche Figur ein Chance auf ein öffentliches Amt?


    Und Selenskyj, der demokratische gewählte Präsident? Der verdankt die Wahl unter anderem seinem Versprechen, dass er für eine Beilegung des innerukrainischen Konflikts und für eine Versöhnung mit Russland eintreten wolle. Damit ist er schon lange vor 2022 kolossal gescheitert - mache sagen, der Druck der rechten Kräfte war zu groß. Mir scheint das plausibel, oder hat jemand eine bessere Erklärung für die 180-Grad-Wendung des ursprünglich russischspachigen Präsidenten in dieser Sache?