Beiträge von Mitsch

    Man muss nicht lügen, um seine Inhalte an die Menschen zu bringen, man kann seine Wortwahl auch modifizieren. Oder man kann im richtigen Moment einfach mal die Klappe halten. Und wenn es darum geht, eine Gesellschaft zu überzeugen, die das Wort "Kapitalismus" als marxistischen Kampfbegriff ablehnt, dann benutze ich das Wort einfach nicht - eigentlich eine einfache Sache.


    Und dass Maria Göpel oder Luisa Neubauer moralisch und nicht systemisch argumentieren, kann man ihnen nur vorwerfen, wenn man ihnen nicht zuhört oder - jetzt bin _ich_ mal böse - beim Buzzword-Bingo auf seine Begriffe wartet, um die Message verstehen zu können.

    Mich würde mal ein Interview mit Luisa Neubauer interessieren, in der nicht ein einziges mal über die Klimakatastrophe geredet wird. Aber das war jetzt nicht als Auftrag an Dich gedacht, Tilo. Ich wollte es nur einfach einmal erwähnt haben, weil ich glaube, dass die Frau sehr viel facettenreicher ist, als wir in den Medien von ihr mitgeteilt bekommen. Trotzdem: Ich fand's gut, das Interview!


    Im Übrigen muss ich sie verteidigen: Alleine die konsequente Forderung nach Klimagerechtigkeit ist für unser Wirtschaftssystem derart radikal, dass Forderungen, das schuldige Kind beim Namen zu nennen, völlig überflüssig sind.

    Die Linke hat einen fetischistischen Hang zur Wahrheit. Das ist in mancherlei Hinsicht nützlich, aber manchmal auch einfach strategisch unklug( - und z.B. ein Grund, warum sich faschistische Narrative so viel einfacher verbreiten lassen). Warum also sollte man Begriffe wie "Kapitalismus" überhaupt erwähnen, wenn man genau weiß, dass bei dreiviertel der Normalbevölkerung im Moment des Erwähnens der Laden runter geht(, wohlwissend, dass die Gesamtbevölkerung für den Wandel gebraucht wird)? Ist es nicht 1000x klüger, den System-Change zu proklamieren und gemeinsam zu gestalten, als ihn wegen unpopulärer Begrifflichkeiten zu torpedieren? Die Leute, die Marx kennen (und schätzen), wissen, wie das Narrativ zu deuten ist. Muss wirklich der allerletzte BWLer auch in den Chor der Antikapitalisten einstimmen? Ich denke, es gibt wichtigeres.


    Maria Göpel hat sich übrigens ähnlich geäußert. Man sollte solche Strategien als legitim anerkennen und nicht aufgrund von Selbstbeweihräucherung ("Yeah, ich hab's schon immer gewusst!") auf eine bestimmte Nomenklatur pochen.

    Unseren Frieden, unsere Freiheit, unsere Demokratie und unsere liberale Haltung, unseren Humanismus, unseren Rechtsstaat, unsere Soziaversicherung und unsere fucking LGBTQ-Rechte haben wir nicht, weil wir die Guten sind, sondern weil wir die Reichen sind.

    Na, da hätte ich doch wenigstens behauptet: Einen Großteil der Rechte, die "wir" in den westlichen Demokratien heute mehr oder weniger genießen können, sind uns von den jeweiligen Nationen nicht geschenkt worden, sondern haben sich mutige Menschen in der Vergangenheit von den Mächtigen hart erkämpft.


    Ich will auch gar nicht irgendjemanden ankacken. Ich selbst sitze hier am Laptop in Sicherheit. Ich schmeiß mit Fragen um mich, nicht, weil ich es besser weiß, sondern, weil ich hin und her gerissen bin. Und wahrscheinlich nervt es mich deswegen auch, wenn die eine Seite über die andere herzieht. Es nervt mich, wenn Jürgen Grässlins Thesen in der Heute Show durch den Kakao gezogen werden, es nervt mich, wenn in diesem Forum von "olivGRÜN versifften" die Rede ist. Es mag Leute in der Politik geben, die es sich zu einfach machen, aber es gibt auch eine Menge Leute, bei denen das so pauschal einfach nicht zutrifft.


    Sorry für mein Harmoniebedürfnis. Liegt wahrscheinlich an der Nachrichtenlage. Wenigstens konnte ich ein "wofür ich bin" herauskitzeln. Für ein Verhandlungsteam mit Putin würde ich Serdar Somuncu vorschlagen. Auch, wenn ich von Luisa letztens gelernt habe, dass der Krieg nicht vorbei ist, wenn zwei Männer sich die Hand schütteln.

    […]

    Und weil man die Opferung der Ukraine als Kanonenfutter für dieses zweite russische "Afghanistan" nicht offen als solche bezeichnen kann, ohne das ganze Gefasel von Werten und liberaler Demokratie als hohle Phrasen zu offenbaren, muss man dafür sorgen, dass die schockierte Öffentlichkeit so dermaßen emotional auf David im Kampf gegen Goliath eingeschworen wird, dass es den Geschäftspartnern des russischen Kohlenwasserstoffhändlers moralisch unmöglich gemacht wird, weiter an irgendeiner Form von geschäftlicher oder diplomatischer Beziehung mit ihm festzuhalten, oder gar laut über Friedensverhandlungen nachzudenken.

    […]

    In der Analyse ist das ja alles richtig und kann so auch von mir unterschrieben werden. Und ja: Man hätte mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine andere Sicherheitsstruktur etablieren müssen. Unter Einbezug Russlands.
    Jetzt sind aber in der Analyse ein paar Dinge unter den Tisch gefallen, die die Sache halt doch komplizierter machen:


    a) Trotz aller Widersprüche und Unzulänglichkeiten der sogenannten "westlichen Demokratien" sind EU, Großbritanien und Nordamerika Sehnsuchtsorte der geschassten weltbürgerlichen Unterschicht. Niemand flieht nach Russland oder China. Und das liegt daran, dass - bei allen Einschränkungen und erwähnten Unzulänglichkeiten - bei "den Sehnsuchtsorten" wenig Korruption, ein einigermaßen funktionstüchtiges Rechtssystem, so Dinge wie Gewaltenteiliung, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Pressefreiheit, (für einige besonders wichtig) Freiheit der eigenen Sexualität, etc… pp… zumindest in irgendeiner Form vorhanden sind. Auch die Ukraine zieht es aus genannten Gründen in die EU - und natürlich verspricht sie sich einen wirtschaftlichen Aufschwung dadurch(, was ein böses Erwachen geben wird, wenn sie dort einmal gelandet sein sollten, aber das ist jetzt nicht das Thema). Das führt uns direkt zu Punkt b).


    b) Putinrussland hat militärisch nichts zu befürchten. Was es WIRKLICH kratzt, ist ein ideologisches Problem und das ist die "westliche Lebensweise", die immer näher kommt und den Machtstrukturen gefährlich wird. Es kommt noch etwas dazu, was immer wieder gerne vergessen wird: In D und EU wird demnächst der Schalter umgelegt, um von fossil auf erneuerbar umzuswitchen. Putin war deswegen schon vor dem Krieg ziemlich pissed, denn weder glaubt er an die Klimakatastrophe, noch ist er gewillt, seine wichtigsten Geldquellen versiegen zu lassen. Und jetzt macht er uns allen klar, wie abhängig wir nach wie vor von der Droge der fossilen Energie sind. Aber gut, das ist nur ein nicht ganz unwesentlicher Nebenaspekt. Wie alle Machthaber hat er es natürlich auch drauf mit den vermeintlich guten Gründen für den "gerechten Krieg". Die "guten Gründe" sind: Die NATO bedroht mich! Die Ukraine gibt es gar nicht, bzw. gehört eigentlich sowieso zu Russland! Außerdem sind dort Nazis™! (Wobei es ja leider wirklich Nazis in der Ukraine gibt, aber 1. - wo gibt es diese Arschlöcher denn nicht auf der Welt? und 2. hab ich gelernt, dass in Russland alles "Nazi" genannt wird, was gegen Russland ist.) Alles vorgeschoben, alles Propaganda, nichts davon beschreibt den eigentlichen Grund für diesen Krieg.


    c) Putin führt einen Angriffskrieg. Und wie wir aus Tschetschenien und Georgien gelernt haben, wird der geführt, bis alles platt ist und die Putin'sche Ordnung wieder hergestellt ist.


    So! Und wenn wir diese Punkte Deiner Analyse hinzufügen, für was sind wir dann? Klar sind wir alle für Frieden. Aber wie erreichen wir den? Soll die Ukraine sich ergeben? Soll die EU weg schauen? Soll die NATO eingreifen? Oder soll sie sich genauso unwürdig verhalten, wie damals in Rojava? Oder jetzt in den Kurdengebieten der Türkei? Sollen schwere Waffen in die Ukraine geliefert werden, um etwas gegen die Luftangriffe machen zu können?


    Das sollen jetzt alles gar keine rhetorischen Fragen sein. Sondern jetzt mal im Ernst…!


    Es scheint mir irgendwie einfach, eine Haltung, sofern man denn eine hat, anzugreifen, lächerlich zu machen, für unmöglich zu befinden. Und während wir hier bequem von daheim aus in unsere Laptops tippen, sitzt der Rest der Bevölkerung von Mariupol im Stahlwerk fest und wartet unter unwürdigen Bedingungen auf ihre Verschleppung und Verstreuung nach Russland oder gleich auf den Tod.


    Also: Was wäre jetzt konkret die richtige Vorgehensweise im Konflikt um die Ukraine?

    fand das Interview sehr gut. Ladet öfter kontroverse Leute ein, die nicht 100% auf Eurer Linie sind

    Das klingt jetzt so, als wären die Interviewten in der Regel nach Konformität mit der Linie des Jung&Naiv-Teams ausgewählt…?
    Es gibt sicherlich auch wirklich erhellende Momente in diesem Interview. Streckenweise war es wirklich interessant. Es war bestimmt kein Fehler, sie einzuladen. Was störte und manchmal kaum zu ertragen war, war die Tatsache, dass immer dann, wenn es kontrovers wurde, Marieluise mit wirklich ätzenden Mitteln versucht, sich über ihre Interviewpartner zu stellen. Sie sagt nicht: "Da bin ich aber ganz anderer Meinung", sie sagt sinngemäß: "Hör mal zu, Junge! Und hör gut zu, dann kannst Du noch was lernen! Es ist so und so!" Boomer Cringe vom Feinsten! Mit fremdschäm-Effekt.

    Warum setzt sich Fridays4Future Deutschland nicht für den Erhalt der bestehenden KKW in Deutschland ein[…]?

    Immer diese Phantomdebatte zum Erhalt der letzten deutschen KKW. Ich kann vom GKN Neckarwestheim 2 berichten, dass dieses Kraftwerk auf dem letzten Loch pfeift: Die Kühlrohre im Primärkreislauf sind korrodiert, ungefähr 300 Schadstellen wurden bei der letzten Revision fest gestellt. Nicht auszudenken, was passiert, wenn eines der Rohre, das weit über 100 Bar aushalten muss, abreißt - das reicht vom Freisetzen von Radioaktivität in die Umwelt bis zum Super-GAU. Dass es überhaupt noch läuft, ist der eigentliche Skandal. Die grüne Landesregierung duckt sich weg, sieht die Profite der hauseigenen EnBW gefährdet. Ein Eilantrag zur Stilllegung wird verschleppt - offensichtlich wird gefürchtet, dass den Klägern Recht gegeben werden könnte.


    Der Anteil der Stromerzeugung von Atomenergie ist lächerlich gering, aber er sorgt für jede Menge Probleme. Konservative Kräfte jazzen regelmäßig Diskussionen um die Windenergie hoch, weil sie es offensichtlich nicht ertragen, dass Energieformen, die sie früher ausgelacht haben(, genau wie die Leute, die ihren Einsatz schon vor 50 Jahren gefordert haben), heute als die wenigen seriösen Energiequellen übrig bleiben. Dort, wo Windräder stehen, ist vom Widerstand dagegen nicht mehr viel zu hören. (Ich wohne in eines der wenigen Orte in Baden-Württemberg, die eine Windkraftanlage auf ihrer Gemarkung stehen hat.) Dort wo AKWs stehen, steigt der Widerstand und bleibt, bis sie endlich abgeschaltet werden.

    Wer setzt vor einem Polizeieinsatz auf einer Demonstration die Linie fest? Warum sind Polizisten auf antifaschistischen Demonstrationen grundsätzlich auf Gewalt aus, unabhängig davon wer an der Demo teilnimmt und wie sich die Demo verhält? Und warum hatte die Polizei auf den Anti-Corona-Demonstrationen so große Probleme, die vorher angeordneten Demonstrationsbedingungen durchzusetzen?

    Hi, bezugnehmend auf diesen Tweet

    möchte ich wissen, warum die Deutsche Umwelthilfe Greenwashing zugunsten der Holzverbrennung betreibt, obwohl diese eine der klima-, umwelt- und gesundheitsschädlichsten Methoden zum Heizen und zur Energiegewinnung ist.

    Dein Post ist aus mehreren Gründen irreführend und inhaltlich falsch!
    Die DUH ist eine der wenigen Umweltorganisationen, die sich kritisch mit der Holzfeuerung auseinandersetzt: https://www.duh.de/cleanheat/ (Übrigens: Von der Hauptseite der DUH über die Untermenüs "Luftqualität - Luftverschmutzung: Quellen - Holzfeuerung" zu erreichen).
    Zudem bleibt sehr fraglich, warum Holzverbrennnung per se "eine der klima-, umwelt- und gesundheitsschädlichsten Methoden" der Energiegewinnung sein soll. Das klingt arg nach fossiler Desinformationskampagne. Klar müssen gewisse Standards bei der Holzfeuerung eingehalten werden. Wenn z.B. mehr Holz verfeuert wird, als nachwachsen kann, ist das nicht nachhaltig.

    So einen Quatsch haben zum Beispiel Energieunternehmen vor gehabt, die ihre Kohlekraftwerke mit Holzimporten betreiben wollten - das aber hat die DUH erst publik gemacht und laut Kritik dagegen geäußert: https://www.duh.de/kein-holz-fuer-kohlekraftwerke/
    Für Altbauten ist die Holzfeuerung, beispielsweise mittels Pelletofen, die einzige Möglichkeit, mit erneuerbaren Energien zu heizen, weil Wärmepumpen dort nicht ausreichend arbeiten können. Was schlägst Du stattdessen vor, nungundjaiv? Gas oder Öl?

    Wird das Stromnetz an Bedeutung gewinnen (wegen der ungleichmäßig produzierten Stromerzeugung der Erneuerbaren, die ausgeglichen werden muss) oder verliert das Stromnetz an Bedeutung(, weil zukünftig bei jedem größeren (regenerativen) Stromerzeuger gleich eine Speichermöglichkeit dazu gebaut wird)?

    Insgesamt: Ja, zähes Interview… Einerseits wegen der einschläfernden Stimme von Marieluise, dann die Besserwissereien und Belehrungen, ins Wort fallen, nicht ausreden lassen, Empörungsgehabe, wenn etwas gesagt wird, was man nicht hören will. Schließlich ein dreister und überflüssiger Tausch der Interviewrollen. Was soll das? Dass man in dem Alter mit der Erfahrung und internationalem Austausch immer noch nicht gelernt hat, wie man sich auf Augenhöhe unterhält. Echt schlimm! Ich habe Frau Steinbrück als Relativierungsmaschine bezeichnet. Das hier war nicht ganz so krass, aber schon auch echt schwer auszuhalten.

    Wer auf Vernichtung aus ist, oder diese auch nur in Kauf nimmt, schreckt nicht davor zurück, das Land erstmal aus der Luft plattzumachen, bevor er seine Truppen in einen verlustreichen Kampf am Boden schickt.

    Mmmh - ich glaube, genau das macht die russische Armee jetzt, nachdem sie fest gestellt hat, dass die Ukraine nicht einfach mit Bodentrupen überrollt werden kann. Ganze Städte werden mit Raketen und Bomben dem Erdboden gleich gemacht, egal ob das angegriffene zivil oder militärisch genutzt wird. Letztens wurde von ukrainischer Seite sogar der Einsatz von chemischen Waffen gemeldet. (Klar, keine sichere Quelle…)
    Andererseits kann man natürlich fragen, wenn Vernichtungskrieg, warum dann nicht gleich Atombombe? Vielleicht wäre das etwas, das man dann tatsächlich nicht mehr der Ukraine in die Schuhe schieben kann…

    Die Familien sind nicht nur Opfer: Wenn sich eine Familie ein Haus anschafft, dann meist dauerhaft und passend zur Größe der Familie. Ziehen die Kinder aus, bleiben die Eltern aber meist in den Häusern - das zieht die Durchschnittswohnfläche pro Person auch ganz schön nach oben. Auch hier schlägt die Massivhausbauweise wieder zu, die ein Abtrennen von Wohnbereichen und eine flexible Nutzung der freien Fläche zumindest erschwert.

    Diesen rasende Fanatismus gibt es leider heute noch in manchen politischen Kreisen in Deutschland. Der neue "Opfergang" der Deutschen ist beispielsweise die Energiepolitik. Einzig Deutschland als "reiches Industrieland" kann der Welt zeigen, wie "gute" Energiepolitik funktioniert. Wir sind nicht nur die Guten, wie sind Vorbild. An uns kann sich die Welt ein Beispiel nehmen. Die Erderwärmung ist eine klimatische Katastrophe und Der Deutsche soll dazu bereit sein, die allerhöchsten Preise dafür zu bezahlen - er hat es ja mit zu verantworten.

    Ja, klar, alles Gelaber. Aber dieses Gelaber dockt eben an die anscheinend einzig verfügbaren Schnittstellen der deutschen Politik und der deutschen Bevölkerung an. Jeder vernunftbegabte Mensch versteht das zerstörerische Potential der Klimakatastrophe auch so und benötigt keine Werbebotschaften, erst recht keine nationalistischen, um zu verstehen, dass - ich zitiere die 15-jährige Autistin, die es gebraucht hat, um es auf den Punkt zu bringen - "das Haus brennt".


    Der Nationalstaat ist das Spielfeld, auf dem die Deutschen ihre Politik gestalten können. Aber der Nationalstaat ist eine kaputte Type mit Minderwertigkeitskomplex. "Verpiss Dich, Du kaputte Type!", will man ihn eigentlich ständig anschreien. Aber der Wixer haut einfach nicht ab. Viel zu viele Leute lassen ihn nicht gehen, wollen ihn unbedingt dabei haben, obwohl er eigentlich ein widerliches Arschloch ist. Wenn Du sagst: "Deine Mudda stinkt", dann rastet er aus, holt seine zwielichtigen Freunde und bedroht Dich mit 'ner Atombombe - Dabei hat er gar keine Mudda! Ständig muss er gelobhudelt werden. Es reicht nicht, dass er gut ist, er muss der beste sein! Weltmeister, nein Galaxie-Meister, darunter geht es nicht! Und dann stehen alle da und applaudieren ihm und keiner sagt ihm, was er für 'ne kranke Gestalt ist, weil er sonst komplett austicken würde, bekäme er das mit.


    Und wegen diesem kaputten Typen, der nicht austicken darf, rennen alle rum und schuften sich dumm und dämlich. Was für eine Farce! Man lebt eh schon, wie die Made im Speck. Es gibt gar nichts mehr, für was es sich zu arbeiten lohnt, weil alles schon im Überfluss da ist. Aber dort lauert der Ami! Und da, noch schlimmer, der Chinese! Er will Dir den Schokoüberzug von Deinem Dauerlolli klauen!


    Also: Was sagt man zu der kaputten Type mit Minderwertigkeitskomplex? Ey, Du könntest Weltmeister werden! Und alle würden Dir nacheifern! Und schon steht dem Nationalstaat seine Latte wieder! Dann is er wieder gut drauf und alle sind glücklich!


    So viel zum Thema "Ideologie", mein Freund!


    Zitat

    Kollapsologie, Apokalypse... man kann es nenne wir man will. Die Überhöhung und Fanatisierung von Enzeitdaten (bis 2030 müssen wir, bis 2035 haben wir noch Zeit, nach 2045 können wir nichts mehr machen, 2050 Tipping-Point usw.)

    Okay, Du hältst nichts von Wissenschaftlichkeit. Du machst uns lieber den Nuhr und rückst Klimaaktivismus in die Nähe von menschenvernichtenden Ideologien. Lass es Dir von jemandem sagen, der diejenigen, die diesen Protest organisieren, nicht nur aus der Ferne beobachtet, sondern mit ihnen zusammenarbeitet: Der Antrieb, der diese jungen Menschen dazu zwingt, viel zu früh erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen, ist kein arrogantes Überlegenheitsgefühl, sondern die nackte Verzweiflung - was so ziemlich das Gegenteil der nationalsozialistischen Ideologie darstellen sollte. Man versucht, sich in diesen Zusammenhängen respektvoll und auf Augenhöhe zu begegnen - irgendwie auch das Gegenteil von streng durchzogener Hierarchie der Nazis.
    Der Hass ist aber auch nicht weit - er wird mehr oder weniger ausschließlich von Außen an die Aktivisti herangetragen. Ich war zum Beispiel Zeuge, wie ein Polizist im Einsatz ihnen mal die Meinung gegeigt hat - natürlich ohne sich irgendwelche Gegenargumente anzuhören. Bei der letzten Großdemo im September, hat der Einsatzleiter "vergessen" die Demo vor dem Verkehr zu schützen - auf der dreispurigen Straße fuhr der Verkehr zweispurig und ungebremst an der 1000-Menschen-starken Demo vorbei. (Absicht? Ich denke: Ja!) Gelegentlich schreien sich irgendwelche gut betuchten Boomer den Frust von der Seele. Normal. Weiß der Geier, warum. Wahrscheinlich denken sie sich insgeheim: Die Jugend von heute, die wollen irgendwas ändern. Das ist doch eigentlich genau dasselbe, wie das, was die Nazis wollten!