Beiträge von Skidrow

    Der Umsatzverlust, der so für die kapitalistische Wirtschaft entstanden ist, kann dann an anderer Stelle durch die Steigerung des Konsums (bspw. auch durch die Entstehung komplett neuer Branchen und Technologien, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können) wieder kompensiert werden.

    Noch mal extra, weil's mir echt wichtig ist: Eigentlich belegt das Zitat, dass du das Problem, was ich mit diesem Thread aufdecken wollte, noch gar nicht verstanden hast. Lies doch noch mal meinen Eingangsthread und die drei Links.

    Die Anstalt hatte sich letzten Mai mit diesem Thema beschäftigt. Und wer genau hinhört weiß: Die haben's verstanden. Friedrich Merz löst die Klimakrise durch grünes Wachstum | Die Anstalt

    Der Umsatzverlust, der so für die kapitalistische Wirtschaft entstanden ist, kann dann an anderer Stelle durch die Steigerung des Konsums (bspw. auch durch die Entstehung komplett neuer Branchen und Technologien, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können) wieder kompensiert werden.

    Dann werden uns die Umweltkrisen, Rohstoffkrisen oder Energiekrisen (oder ein Mix daraus) den garaus machen.

    Wenn allerdings global alle Konsumenten innerhalb einer kapitalistischen Wirtschaft ihren Konsum einschränken, dann gibt es keine lohnenden Investitionsmöglichkeiten mehr für das Kapital. Dann krachts.

    Das Krachen wird auf jeden Fall dann kommen, wenn wir so weiter konsumieren, wie bisher.

    Aber wer das wie implentieren und wie das Training der potenziellen kritischen Masse organisiert und finanziert werden soll, darüber schweigt er sich genauso geflissentlich aus, wie darüber, wer die großflächige Abeitszeitverkürzung duchsetzen soll

    Erst kritisierst du Paechs Vorschläge als zu erzieherisch und nun wirfst du ihm vor, sein Konzept sei zu wenig an Menschen oder Gruppen delegiert.

    und durch den Einkommensverlust natürlich auch den enstprechenden materiellen Druck

    Der materielle Druck sinkt, wenn der eigene Lebenstil weniger abhängig ist von kostenintensiven Konsumhandlungen wie Fliegen, Kreuzfahrten und SUV. Ich brauche viel weniger Geld. Und mit einer Regionalökonomie (SOLAWI, nachbarschaftliches Teilen usw.) erhöhe ich meine Resilienz.

    Aber die Frage ist halt, woher die...

    ...kommen soll, um die Gesellschaft zu verändern?

    Bei mir hats durch Aufklärung funktioniert. Gepaart mit Verantwortungsbewusstsein, und davon gibts bestimmt noch mehr Leute.

    Zumindest jeder, der Kinder hat oder vorhat, welche zu bekommen, könnte sich für das Thema interessieren.

    Aber wie gesagt, die Medien erzählen uns ja das Lied, dass all unsere Probleme durch neue Techniken gelöst werden und dass unser Konsumverhalten nicht angepasst werden muss.


    Wieviele Menschen in Deutschland freiwillig ihren Lebensstil anpassen würden - wenn sie erfahren, dass es die Technikinnovationen selbst sind, die die Probleme verursachen und verstärken - können wir wohl höchstens erahnen.

    Warum betreiben Konzerene professionelles Greenwashing, und warum glauben "die Menschen" - also die, die nicht so richtig das Richtige wollen wie Du zum Beispiel - dass sie etwas Gutes für die Umwelt tun, wenn sie das grüngewaschene Zeug kaufen?

    Weil die Menschen in den Konzernen (nicht alle) selbst davon überzeugt sind, dass sie das richtige tun. Sie erkennen es nicht als Green-Washing an (kognitive Dissonanz). Wir alle sind im Zeitalter des Solutionismus aufgewachsen. Das ist tief bis in die feine Unterwäsche des Bewusstseins eingedrungen.

    Nach deiner und Paechts Auffassung, hängt es nur "vom guten Willen" der Leute ab, um die Welt zu ändern. Das funktioniert aber nicht, weil die ökonomische Struktur dadurch nicht geändert wird. Die Gesellschaft und die Menschen passen ihr Leben und ihre Institutionen dieser Struktur an. Um die ökonomische Struktur zu ändern, müssen wir die Form unserer Arbeit ändern. D. h. die Produktionsverhältnissen ändern.

    Dann sag, wie das gehen soll. Und sag, in wie fern sich das auf die Wünsche nach Flugreisen etc. auswirken soll.

    Ganz konkret bedeutet das, dass wir die Produktionsmittel vergesellschaften müssen.

    Wer ist "wir"? Und wer beginnt damit?

    Das wissen wir natürlich nicht, aber der Umstand, dass Paech schon seit fast 17 jahren mit seinem Ansatz hausieren geht, und bis jetzt noch nicht die geringste Spur einer kritischen Masse erreicht wurde, könnte einen Hinweis dazu geben.

    Seit wann sind die Marxianer am hausieren?

    irgendwem dazu erziehen lassen will

    Leuchtet mir nicht ein. Er macht Vorschläge, die aus seiner Sicht sinnvoll sind. Kann doch trotzdem jeder machen, wie er will.

    Dann ist jedes Buch von Precht, Rosa oder Gabriel ein Erziehungsbuch.


    Im Übrigen ist das doch genau das, was man unter einem Wissenschaftler und einer Hochschule versteht: der Transfer von Forschung und Lehre in die Gesellschaft. Ob man danach handelt, ist doch jedem frei gestellt.

    Und bisher folgt fast jede Schule und jede Hochschule der Maxime: Verdiene viel Geld damit du viel konsumieren kannst. Paech dreht das um.

    Wer jetzt genau seine "avantgardistischen" Gegenentwürfe mit welchen Mitteln duchsetzen soll, will er zwar nicht genauer ausführen und beschränkt sich darauf, dass die Avantgarde das eben einfach mal praktisch vorleben müsste

    Niemand soll sie - von oben- durchsetzen. Wie kommst du auf diese Idee, dass er das fordert? Ich z.B, habe damals eine Vortrag von Paech gesehen, woraus mir klar wurde, dass der Einsatz von Technik ohne Lebensstiländerung die Probleme nur verschlimmert, Stichwort Rebound. Seit dem hab ich mein Konsumverhalten geändert, bin Mitglied einer SOLAWI (ich und meine Familie waren selber schon mit auf dem Acker), bringe meine Klamotten zur Näherin in der Nachbarschaft, habe seit 4 Jahren keine Klamotten mehr gekauft und meinen uralten Laptop mit Linux bespielt (LAufzeitverlängerung). Ich könnte jetzt hier noch mehr aufzählen.


    "Erzogen" fühle ich mich Null. Ich mache das nicht für Paech sondern weil ich meine Verhaltensänderungen für richtig halte. Meine Lebensqualität ist sogar gestiegen.

    aber es ist völlig klar, dass er die breite Masse für zu wohlstandsvewahrlost hält

    Weil es exakt so ist.

    auf das Individuum und sein individuelles Verhalten

    Wie oben beschrieben, weil es ohne eine kritische Masse zu keiner gesellschaftlichen Veränderung kommen kann und nie kam. NICHT weil er dem homo oeconomicus anhängt! Das sind zwei völlig verschiedene Motive.


    dass es sich nicht so verhält, wie er es für richtig hält.

    Das ist ja gerade das Problem: Wir sind seit mind. 15 Jahren umgeben von grünen Produkten. Es gibt im Grunde kein Unternehmen mehr, keine Marke mehr, die nicht mit Klimaneutralität wirbt. Und trotzdem steigen die Umweltschäden täglich weiter an.


    Die Menschen glauben, sie tun was gutes für die Umwelt, wenn sie sich einen Demeter-Brühewürfel kaufen oder sich eine PV-Anlage aufs Dach bauen. Oder einen Tesla kaufen oder ein Haus aus Holz bauen.

    Um dann im nächsten Schritt, mit gutem Gewissen, eine Flugreise zu buchen, wo es veganes Essen gibt. (psychologischer Rebound)


    Es gibt keine Energiewende in Deutschland! Die Energiewende ist ein Mythos. Trotdem denken viele Deutsche, wir wären Vorreiter im Umweltschutz.


    Wir leben im Zeitalter des professionellen Green Washings. Das ist das Kernproblem!

    weil Paech - wie Dir nun ja auch von anderen Foristen schon mehrfach dargelegt wurde - den Grund für den steigenden Ressourcenverbrauch im indidviduellen Konsumverhalten in der bürgerlichen Gesellschaft verortet

    Hast du meinen vorherigen Beitrag gelesen?

    Er will zwar die Menschen irgendwie dazu umerziehen,

    Das ist natürlich Unsinn.

    Er ist Wirtschaftswissenschaftler, hat zu diesem Thema geforscht und veröffentlicht seine Ergebnisse. Nicht mehr und nicht weniger.

    Deiner Logik nach, will jede Person andere Menschen umerziehen, sobald sie nur irgendwo eigene Ansichten öffentlich macht.


    Aber ich habe verstanden, dass du Paech nicht magst. Das nehme ich so zur Kenntnis und ist ja auch völlig legitim.


    Sicher ist, dass wenn Rohstoff-, Energie- und Umweltkrisen zunehmen werden, sich Resilienz nur ergibt, wenn Subsistenz, Suffizenz und Regionalökonomie zusammentreffen.

    Die Frage ist, wie man da hin kommen will.

    Das hatte ich ganz zu Beginn schon beschrieben: deutliche Arbeitszeitreduzierung und dann: die marktfreie Zeit nutzen für urbane Subsistenz, Ausbau handwerklicher Kopetenzen und Aufbau sozialer Netze (siehe obige Folie).

    dass die ständige Steigerung sowohl des Profits auf Angebots- als auch die Steigerung des Konsums auf Nachfrageseite innerhalb des Kapitalismus allein aus dem subjektiven Willen der einzelnen Individuen resultieren

    Hier liegt ein Missverständnis vor. Paech spricht davon, dass Genügsamkeit hinsichtlich Ressourcen und Energien nur politisch aufgefriffen werden kann, wenn es in der Gesellschaft zuvor Pioniere und Vorreiter (Reallabore) gibt. Es muss also erst eine kritische Masse (eine kritische Masse ist das Gegenteil von "subjektiven Willen der einzelnen Individuen") geben, damit dann diese neuen Lebensformen (die im übrigen gar nicht neu sind, das gabs alles schon mal, hier muss also nichts neu erfunden werden) politisch anklang finden und sich verbreiten können.


    Der Grund, warum er dies tut ist der: Eben weil es keine nachhaltigen Produkte und Technologien gibt (je effizienter die Motoren von Flugzeugen und Pkws sind, desto höher sind die Umweltschäden!), kann ohne einen vorherigen kulturellen Wandel in der Gesellschaft auch kein politischer Wandel stattfinden. So ist die Politik gezwungen, auf technologische Innovationen zu setzen, die aber alles nur noch schlimmer machen.

    Zitat

    Es gibt oder gab keinen gesellschaftlichen Wandel in einer parlamentarischen Demokratie, der sich nicht zurückverfolgen lässt zu den avangardistischen Zirkeln, Netzwerken, Reallaboren oder sozialen Experimenten.


    Egal ob das Social Media ist, oder Smartphones, Frauenrechte, ökologische Ernährung (z.B. SOLAWI) oder eine bestimmte Popmusik: alles fängt immer an in einem Reallabor, wird erprobt, tritt in Erscheinung, wird imitiert über eine sogenannte soziale Diffusion oder Interaktion verbreitet und kann dann aufgegriffen werden von der Politik, den Medien usw. (Niko Paech)

    Das heißt, gesellschaftliche Entwicklungen gehen immer erst mal von Minderheiten aus.

    Man hätte durch die Beschränkung also nicht einfach weniger, sondern im Extremfall überhaupt nichts mehr, weil man auf diese Art eine Wirtschaftskrise auslösen würde.

    Wenn sich die Menschen nach dem Paech'schen Modell versorgen und aus Konsumenten Prosumenten werden, sind sie resilienter als je zuvor. Wenn wir unsere Nahrung aus dem Umfeld bekommen (Stichwort Solawi) oder über Gemeinschaftsgärten Nahrung selbst anbauen, sind wir resilienter als je zuvor. Eine Wirtschaftskrise kann mich nur hart treffen, wenn mein Lebensmodell stark abhängig ist von industrieller Fremdversorgung.

    damit die Wirtschaft nicht crasht und am Ende gar nichts mehr produziert wird.

    Das ist in einer Postwachstumsökonomie nahezu unmöglich.

    Die Änderung der Eigentumsverhältnisse führen natürlich nicht auf magische Weise dazu, dass die Menschen nicht mehr mit dem flugzeug usw. fliegen wollen. Das hat auch nie jemand behauptet. Aber die derzeitigen Eigentumsverhältnisse führen dazu, dass es unmöglich wird, Alternativen aufzubauen. Weil Eigentum bedeutet, dass man Macht über Ressourcen hat und mit dieser Macht über Ressourcen politischen Einfluss im eigenen Interesse (zb Profitmaximierung) ausüben kann.

    In einer von Paech beschriebenen Postwachstumsökonomie teilen sich die Menschen Konsumgüter. Fünf Familien teilen sich ein Auto, ein Rasenmäher oder eine Waschmaschine. Obst und Gemüse bekommt man von einer Solidarischen Landwirtschaft. Diese ist dem Wettbewerb schon mal weitesgehend entzogen.

    Klamotten werden selbst repariert statt neu gekauft.

    Reparatur ist das ökonomische Konzept der Zukunft.


    Was ich noch nicht verstanden habe:

    1. Wie bewirkt eine Änderung der Eintumsverhältnisse, dass die Leute nicht mehr zu den Malediven fliegen wollen? Beschreib es doch bitte mal ganz konkret! Oder wie bringt man Menschen dazu, Kleidung zum ausbessern/flicken zu bringen, statt sie wegzuschmeißen und neu zu kaufen?


    Utan

    Vieles von dem, was du schreibst, stimme ich zu.

    sondern die mit diesen Mitteln produzierenden Menschen auch aus der Entfremdung von den Produkten ihrer Arbeit befreien würde, indem sie dann selbst gemeinschaftlich - und nicht privat - darüber zu entscheiden hätten, was wie zu welchem Zweck und in welcher Stückzahl produziert würde.

    Aber In wie fern spricht dies gegen eine Postwachstumsökonomie?


    Sorry, ich habe von euch immer noch nicht verstanden, wie Menschen dazu gebracht werden sollen, einen Lebensstil zu pflegen, der sich auf etwa 1-2 T CO2 pro Kopf und pro Jahr beschränkt, was nur möglich ist durch deutliche Konsumreduzierung.

    So ist es. Das ist ja meine Kernaussage.

    "Wir müssen die Lüge dekonstruieren, dass es eine technische Lösung für dieses soziale Problem gibt." (Niko Paech)


    Das ist auch der Grund, warum Forderungen an die Politik nichts bewirken können. Denn eine wirksame Klimapokitik sehe so aus, dass sie den Leuten Flugreisen, Autos und den ganzen Kram verbietet. Und das ist in einer Gesellschaft, die diese Dinge permanent nachfragt, unmöglich, ja paradox. (Die Grünen werden ja schon von den neoliberalen Medien (Springer und Co.) gegrillt, wenn sie einen Veggie-Day fordern.)


    Deswegen muss es eine kritische Maße geben, die nachhaltige Lebensstile praktiziert und vorlebt, die dann von der Politik aufgegriffen werden kann.

    Ich habs noch nicht verstanden.

    Das Ziel ist, die Produktion von Gebrauchswerten direkt an der Bedürfnisbefriedigung der Konsumenten zu orientieren.

    Die Leute wollen Flugreisen, Autofahrten, Kreuzfahrten und Fleischverzehr vermehren und den Wohnraumverbrauch vergrößern. Sie wollen neue digitale Endgeräte mit Leistungssteigerung, sie wollen in 4k streamen und bald in 8k.


    Denn die technischen Entwicklung (erneuerbare Energien, effizientere Produkt, Kreislaufwirtschaft) verspricht , dass dies alles möglich und gleichzeitig gegen die Umweltschäden runter.


    Nochmal: Wie sinkt die Nachfrage nach diesen Konsumgütern bzw konsumförmigen Handlungen? Bitte ganz konkret!

    Insofern, als dass eine gemeinschaftlich organisierte Produktion und Distribution der hergestellten Güter nicht mehr den volkswirtschaftlichen Zweck erfüllen muss, mittels gesellschaftlicher Arbeit auf Teufel komm raus private Profite zu steigern, damit die ganze private Finanzierung nicht aus Mangel an Geldwachstum zusammenbricht.

    Ich habe noch nicht verstanden, wie dadurch die Nachfrage nach bspw. Flugreisen, Autofahrten, Kreuzfahrten, Fleischverzehr, und Wohnraumverbrauch drastisch sinken soll. Kannst du das bitte ganz konkret erläutern?

    Die Marx-Interessierten möchte ich doch bitten, einen eigenen Thread zu eröffnen. Ich habe lediglich darauf hinweisen wollen, dass der Vorwurf, Postwachstumsökonomen würden Marx doof finden, nicht korrekt ist.

    Ob Marx die Unvereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Erhalt der Öko- und Biosphäre vorausgesehen hat, soll hier nicht weiter Thema sein.

    Sein Menschenbild ist der homo oeconomicus - immer auf den gößtmöglichen eigenen Vorteil bedacht.

    Wie passt die Aussage damit zusammen:

    Dinge selbst produzieren z.B.: Gemeinschaftsgärten; „Marke Eigenbau“, Upcycling, ReUse
    Dinge gemeinschaftlich nutzen z.B.: Gebrauchsgüter und technische Geräte mit Nachbarn teilen
    Dinge lange nutzen: Reparieren z.B.: Repair Cafes, Güter achtsam behandeln und Instand halten
    Gesundheit und Selbstwirksamkeit z.B.: Künstlerische und körperliche Aktivität, bewusste Ernährung

    (Quelle: Vortrag von Niko Paech, siehe Anhang)

    wo es eher um Kooperation geht, um die Bildung sozialer Gemeinschaften.


    Paech hat außerdem viel im Bereich Solawi geforscht und ist Mitherausgeber des Handbuchs Solidarische Landwirtschaft - Solawis erfolgreich gründen und gestalten.


    In Oldenburg hat er (zusammen mit anderen) ein kommunales Ressourcencenter gegründet, mit einem Repaircafe, wo Arbeitsstationen für Reparaturleistungen angeboten werden, Wo Lernorte für Schulklassen entstehen, Lastenfahrradverleih usw.


    Was hat das mit dem Menschenbild des homo oeconomicus zu tun?

    jo fand die folge auch nicht so toll

    "Nicht so toll" ist die Untertreibung des Jahres.


    Ich zitiere mal Ole:

    Zitat

    "Kaum jemand wäre für diese Einschritte bereit" "Man gewöhnt sich schnell an gewisse Standards" „Kein Land hat sich bisher selbst freiwillig arm gemacht.“ „Wer würde auf sein Smartphone verzichten?“

    Abgesehen davon, dass es in Paechs PWÖ sehr wohl Smartphones gibt (die halten dann eben 10 Jahre), sind diese Aussagen Oles menschenverachtend und zynisch hinsichtlich der Folgen von Erderhitzung und Artensterben wie Waldbrände, Überschwämmungen, Dürren, verschwindenen Inseln usw. Ole leugnet im Kern die Auswirkungen dieser Umweltkrisen!


    Oder die Aussage von Wolfgang:

    Zitat

    "Paech kritisiert, dass Wohnungen immer größer werden. Wer will sich denn verkleinern?"

    Siehe oben. Mir fallen in der Politik nur wenige Leute ein, die derartigen Aussagen tätigen würden, abgesehen von FDP und AFD.


    Nächstes Zitat von Ole:

    Zitat

    „Die Postwachstumsökonomen finden Marx doof“

    Hierbei handelt es sich um Fakenews auf BILD-Niveau. Zitat von Niko Paech nach 10 Sekunden Internetrecherche: "Nicht nur die Analyse moderner Industriegesellschaften, sondern auch Fragen nach einer menschenwürdigen, gerechten Gesellschaft sind selten so präzise und vorausschauend behandelt worden wie in "Das Kapital" von Karl Marx“ Quelle: https://www.bpb.de/shop/zeitsc…lternativen-zu-karl-marx/


    Paech kritisiert halt nur zurecht, dass Marx nicht erkannte, dass die Vereinbarkeit von Wirtschaftswachstum und Umweltschutz nicht möglich ist.

    Übrigens: Bereits 1932 erkannte die Marx-Kritikerin Simone Weil prophetisch, dass Marx' Thesen zu einer Paradoxie führen, denn für permanentes Wachstum brauche man Energie und Ressourcen, und diese seien endlich. Sie erkannte in Marx' Geschichtsphilosophie eine versteckte Theologie, die darauf beruht, die Steigerung der Produktionsmittel werde die Befreiung des Proletariats bewirken. Und weil diese Produktionsmittel sich ständig optimieren und steigern lassen (Marx erklärt nicht, wie das funktionieren soll), werde der Klassenkampf letztlich zu Gunsten des Proletariats entschieden.


    Ole:

    Zitat

    „1990 hatten wir 1,2 Milliarden Tonnen Treibhausgas, 2019 nur noch 812 Milliarden Tonnen“

    Auch hier zeigt Ole wieder seine Ahnungslosigkeit, indem er die Verlagerung der CO2 Emissionen entlang der Liefer- und Wertschöpfungsketten nach China, Bangladesh usw. leugnet (die CO2-Emissionen sind in Wirklichkeit viel höher) und zudem CO2-Emissionen mit Umweltschäden gleichsetzt (ein eklatanter Fehlschluss!)


    Wolfgang:

    Zitat

    „Rebound-Effekt-These ist mit Vorsicht zu genießen. Wenn man plötzlich nur noch Autos produziert, die 4 l Benzin verbrauchen, dann führt das ja nicht dazu, dass ich nur noch aus Jux und Dollerei durch die Gegend fahre, so viele Kilometer wie‘s nur geht.“

    Wer meinen Eingangspost gelesen und verstanden hat, weiß, dass jeder Viertklässler eine umfassendere Beschreibung der Rebound-Effekte hinbekommt als Wolfgang.


    Wolfgang:

    Zitat

    „Niko Paech lehnt Photovoltaik ab.“

    Das ist eine reine und glatte Lüge. Paech erzählt in fast jedem Interview, dass er seinen Vermieter überzeugen konnte, eine PV Anlage aufs Dach zu setzen. Und er sagte mehrmals, dass PV und Windenergie DIE Energieträger der Zukunft sind. Wichtig ist, dass der Energieverbrauch massiv sinken muss.


    Kurzum: Dieses Video von 'Wohlstand für alle' ist eine Aneinanderreihung von Lügen, Bullshit und Leugnung der Auswirkungen der Umweltschäden.

    Ich kann es leider nicht freundlicher formulieren.

    JonnyMadFox

    Ich stimme dir zu. Aber mein Ziel war hier nicht zwingend, ein vollständiges Konzept darzulegen.


    Mein Ziel war eher, darauf hinzuweisen, warum alle aktuellen Bestrebungen nicht zielführend sein können.


    Und außerdem wollte ich implizit darauf hinweisen, dass dieses Video Degrowth: Zurück in die Höhle mit Niko Paech - WOHLSTAND FÜR ALLE Ep. 105 ein guter Kandidat ist für den Preis Goldenes Brett vorm Kopf 2021.


    Und dass Volker Quaschning unter Solutionismus leidet, man könnte auch sagen: Technikblindheit. Und dass sein Satz (aus einem Jung&Naiv Interview) "Elon Musk hat die Energiewende vorangebracht" vielleicht in die Geschichte eingeht als der dümmste Satz eines deutschen Wissenschaftlers.

    Ob man das noch Kapitalismus nennt oder anders, möchte ich nicht beurteilen. Es kommt auf die inhaltlichen Veränderungen an.

    Nur mit mehr Eigenverantwortung

    Eigenverantwortung auf jeden Fall. Aber nicht im Sinne des neoliberalen Gedankens (Wettbewerb, Konkurrenz, Jeder gegen jeden) sondern das Gegenteil, nämlich Fokus auf Kooperation und Gemeinschaft.

    und ohne Wachstum.

    Ohne Wirtschaftswachstum.

    Ohne jeden Zweifel.

    Mal vorausgesetzt, dass grünes Wachstum nicht funktionieren kann - was wäre dann Deiner Ansicht nach die richtige Vorgehensweise, um die Klimakatastrophe zu verhindern?

    Das ist natürlich die Frage aller Fragen, und ich bin sehr vorsichtig mit der Verkündung, die einzig wahre Lösung gefunden zu haben.

    Aus meinem ersten Beitrag folgt allerdings, und ich hatte es ja im Grunde schon beschrieben: Alle derzeitigen Bestrebungen der Bundesregierung, Erderhitzung und andere Schäden an Bio- und Ökosphäre (Biodiversitätsrückgang etc) zu vermindern, werden scheitern. Denn es sind fast ausnahmslos technische Lösungen, die anvisiert werden.


    Und es folgt noch etwas: Will man die Katastrophe noch irgendwie abwenden, geht das nur, indem Flugreisen, Kreuzfahrten, Autofahrten, Anzahl der Autos, Konsum tierischer Produkte, Nutzung der Digitalisierung usw. usf. drastisch vermindert werden. Es gibt weder grüne Kreuzfahrten noch grüne Flugreisen (und zwar nie! egal was wer wie wo geiles an Technik entwickelt), es gibt keinen grünen Individualverkehr. Es gibt im Grunde nicht mal grünen Strom.


    Nun ist die Frage, wie man eine solche Reduktion hinbekommt. Das Ziel müsste ja so etwas wie Niko Paechs Postwachstumsökonomie sein. Eine andere Konzeption, die die oben genannten Probleme berücktsichtig, habe ich noch nicht gefunden.


    Alles beginnt mit einer deutlichen (durchschnittlichen) Arbeitszeitreduzierung. Aus zwei Gründen: Erstens, damit die Kaufkraft für die oben genannten ruinösen Konsumhandlungen verringert wird und zweitens, damit die Leute mehr Zeit haben für

    • Dinge selbst produzieren z.B.: Gemeinschaftsgärten; „Marke Eigenbau“, Upcycling, ReUse
    • Dinge gemeinschaftlich nutzen z.B.: Gebrauchsgüter und technische Geräte mit Nachbarn teilen
    • Dinge lange nutzen: Reparieren z.B.: Repair Cafes, Güter achtsam behandeln und Instand halten
    • Gesundheit und Selbstwirksamkeit z.B.: Künstlerische und körperliche Aktivität, bewusste Ernährung

    (Quelle: Vortrag von Niko Paech)


    In diese Richtung wird es vermutlich so oder so gehen: by design or by desaster.