Beiträge von Skidrow

    wenn man gegen EE hetzt - und damit deren Zubau abwürgt

    Mich kannst du damit ja nicht meinen, denn ich betonte hier mehrfach, dass Wind- und Sonnenenergie die Energieträger der Zukunft sind.

    wir brauchen für einige Jahrzehnte ein deutlich größeres Wachstum dieser Technologien um die alten fossilen Systeme zu ersetzen

    Aber nur, wenn wir die Energie- und Ressourcenverbräuche gleichzeitig drastisch reduzieren! Tun wir das nicht, wird der Ausbau der EE die Erderhitzung und den Rückgang der Artenvielfalt (um nur zwei Beispiele an Umweltschäden zu nennen) erst so richtig beschleunigen!


    Und ich bezweifele, dass Kemfert das so klar deutlich gesagt hat. Da ich das Video nicht gesehen habe, weiß ich das aber nicht.

    Für mich ist natürlich extrem wohltuend Claudia Kemferts Einschätzung zu grünem Wachstum zu hören.

    Ich habe diese Folge nicht gesehen/gehört (würde es gerne, schaffe es aber aus Zeitgründen gerade nicht) und mir nur kurz die vor dir verlinkten 1 oder 2 Minuten angesehen. Daher meine Frage:

    Kommen Tilo und Kemfert auch auf die Folgen dessen zu sprechen?

    Mir kommt es nämlich so vor, als wenn mittlerweile tatsächlich einige das Grüne Wachstum als das entlarven, was es ist (ein Mythos), aber das, was daraus folgt ist den meisten nicht richtig klar (ich verweise auf meine vier Thesen).

    Cansin hat als Sozialarbeiterin Einblick in die Verhältnisse der sozial Benachteiligten und Albrecht kontert mit einer Anekdote die er nicht mal selbst erlebt, sondern nur erzählt bekommen hat. Nennt man das journalistisch gute Arbeit? Er kennt nicht mal den Hintergrund der Personen aus der Anekdote.

    Das war mir auch aufgefallen. Und wer weiß, was der Handwerker noch so "hinzugeschmückt" hat (bewusst oder unbewusst).


    Was mir allerdings bei der ganzen Diskussion gefehlt hat ist, wie Frau Köktürk die Situation des Prekariats verbessern möchte. Ein mieser Job bleibt mies, auch wenn er besser bezahlt wird. Bei den Gutverdienenden kann auch der Mann mit dem Nachwuchs auf den Kinderspielplatz, während das Prekariat im 3-Schicht-System in Lagerhallen schwitzt. Von diesen miesen Jobs haben wir mehr als genug, Tendenz steigend.

    An einer Stelle bezeichnet sich Köktürk als "echte Grüne"; Davon hab ich, zumindest in diesem Gespräch, kaum was mitbekommen. Dabei wäre es so einfach.

    Ich zitiere mal aus meinem Thread:

    Zitat
    1. Umweltschäden (Erderhitzung, Artensterben usw.) können nicht durch technische Entwicklung reduziert werden1.
    2. Technische Entwicklung führt zu einer Verstärkung der Umweltschäden1.
    3. Der Begriff "Grünes Wachstum2" ist ein Oxymoron3. "Es ist eine in eine Formulierung gegossene Unvereinbarkeit." (Harald Welzer)
    4. "Es gibt keine nachhaltigen Produkte oder Technologien, es gibt nur nachhaltige Lebensstile." (Niko Paech)

    1Sofern sie nicht eingebettet ist in Suffizienz, also Konsumreduzierung, Selbstbegrenzung. Entrümpelung, Entschleunigung,

    2Andere Begriffe sind: Green Economy, Green Growth, Green New Deal u. a.

    3Ein Oxymoron ist ein Stilmittel aus zwei Wörtern, die sich gegenseitig widersprechen.


    Aus 1. - 4. folgt und ich ergänze:


    5. Die individuellen Umweltschäden sind gekoppelt an die zur Verfügung stehenden Kaufkraft.

    Laut des World Inequality Report 2022 setzt das wohlhabendste 10 % der deutschen Bevölkerung sechs Mal so viel Treibhausgase frei wie die gesamte ärmere Hälfte der bundesdeutschen Bevölkerung zusammen.


    Das heißt, wer mehr Geld zur Verfügung hat, ist auch für für mehr Umweltzerstörung verantwortlich! Das wäre das linke/grüne Thema. Geld macht nicht nur nicht glücklich, dessen Kaufkraft geht einher mit Ressourcenverbrauch und Umweltzerstörung.


    Und da sind wir auch gleich beim Thema Bildung. Unser Bildungssystem ist auf Konkurrenz und Konformität ausgerichtet. Es geht um Ausbildung, Aufbewahrung und Aussortierung mit dem Ziel, nach der Schule höchst mögliche Konsummöglichkeiten zu ermöglichen. Oder kurz gesagt: Bildung ist das Düngemittel für das Bruttosozialprodukt.


    Genau hier müsste man ansetzen, weg von "Schule mach ich, um später viel Geld zu verdienen" hin zu einer Bildung, die soziale und handwerkliche Fähigkeiten in den Fokus nimmt: Genügsamkeit. Verantwortungssinn, Urteilsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit. So, wie der Ökonom Schumacher es in seinem Buch "Small Is Beautiful: A Study of Economics As If People Mattered" von 1974 schrieb:

    Warum arbeiten Menschen eigentlich?

    Ein Ökonom würde sagen, weil sie das Geld verdienen müssen um sich dann was kaufen zu können. Wie trivial!

    Schumacher sagt "Nein. Menschen arbeiten um zu reifen. Um wirklich zu spüren, dass mit ihren Händen und ihrem Kopf etwas Sinnvolles entstehen kann, das sie dann auch sehen können, es anfassen können, das sie auch in die Hand nehmen können und jemandem geben können. Der zweite Grund ist, dass die Arbeit dazu führt, dass wir miteinander kommunizieren, dass wir zusammen etwas tun. Die Arbeit führt uns zusammen, sie führt uns aus der Individualisierung heraus, sie lässt uns zu friedliebenden Menschen werden.


    Von all dem hätte ich mir mehr bzw überhaupt mal was gewünscht.

    Ich denke nicht, dass Technologie an sich das Problem ist. Das Problem ist die kapitalistische Anwendung von Technologie.

    Wie möchtest du die kapitalistische Anwendung von Technologie beenden?

    Oder anders gesagt, wo genau möchtest du in der folgenden Kette (in einer parlamentarischen Demokratie) die Schere ansetzen?

    Technologische Entwicklung -> Technologische Beschleunigung -> Ökonomische Beschleunigung (Steigerung des BIP) -> Soziale Beschleunigung (Löhne steigen, Kaufkraft steigt) -> Steigerung der Energie- und Ressourcennachfrage.



    Das Problem ist der Glaube an die Technologie als solches.

    Genau. Wie ich oben schon beschrieb, nennt man das Solutionismus; Also der Glaube, es gebe eine technische Lösung für ein soziales Problem.

    Aber es ist eben nicht nur dieser Glaube, sondern es ist auch die Kaufkraft, die durch die technische Entwicklung steigt und am Ende unweigerlich zu einer gesteigerten Nachfrage führt.

    In einem interview im Weserkurier hat Niko Paech das Kernproblem neulich sehr schön beschrieben. Auf die Frage

    Zitat

    Und wenn ich nicht auf was verzichten möchte und auf Zukunftstechnologien setze?

    antwortete er:

    Zitat

    Dann üben Sie sich in magischem Denken. Technizistische Erlösungshoffnungen sind intellektuell auf mittelalterlichem Niveau. Bis heute existiert kein verallgemeinerbares

    Beispiel dafür, dass sich ökologische Schäden und Ressourcenknappheiten technologisch

    bewältigen ließen. Wir haben die Probleme stets nur räumlich, zeitlich oder physikalisch

    verlagert.

    Und dieses "magische Denken" findet man leider überall, flächendeckend. Auch hier im Forum. Ich kenne keine Umfrage, die das mal eruiert hat, aber ich gehe davon aus, die Mehrheit der deutschen Bevölkerung an "technizistische Erlösungshoffnungen" glaubt.


    Dann ist es auch naheliegend, dass unsere Politik aus den Leuten besteht, aus denen sie eben besteht. Und wenn sogar der Mitgründer der Scientists for Future Volker Quaschning dem magischen Denken verfallen ist, schwindet meine Hoffnung auf einen guten Ausgang der Lage:

    Zitat

    Die Klimakrise ist die größte Bedrohung für unsere Welt, wie wir sie kennen. Wollen wir die Lebensgrundlagen unserer Kinder bewahren, brauchen wir schon in einer halben Generation eine Energieversorgung ausschließlich auf Basis erneuerbarer Energien. Die Wissenschaft und die Industrie haben für uns die Lösungen entwickelt. Handeln müssen wir alle gemeinsam. Quelle: https://www.volker-quaschning.de

    Da klatschen die Wirtschaftsbosse und die Reichen freudig in die Hände, dass sie so einen in ihren Reihen haben wie Volker Quaschning.

    Eine Reduzierung der Umweltschäden im Verkehr ist nur möglich, wenn a) die Anzahl an Autos, LKW drastisch reduziert wird und b) die Anzahl an insgesamt gefahrenen Kilometern drastisch reduziert wird.

    Ein Wechsel von Verbrenner auf E-Auto (oder Wasserstoff) erhöht die absoluten Umweltschäden (Rebound-Effekte).


    Eine grüne Verkehrspolitikerin, die dies nicht verkündet/einsieht/versteht, ist keine grüne Verkehrspolitikerin.

    Gegnern der Energiewende bzw den Klimawandelleugnern befeuert wird, auch wenn es dir/euch nicht gefallen wird wenn man dir/euch das sagt, du/ihr steht da Seite an Seite mit diesen Leuten.

    Wind- und Solarenergie sind die Energieträger der Zukunft! Das hat auch Niko Paech schon tausend Mal gesagt, und das habe ich auch im Eingangsthread geschrieben.

    Aber: Die Umweltschäden bekommen wir nur gesenkt, wenn wir die Energiewende mit Suffizienz kombinieren, also Energie- und Ressourcenverbräuche insgesamt massiv reduzieren. Denn sonst, wenn wir unser derzeitiges Konsummodell weiterzuführen gedenken - einziger Unterschied: EE statt fossiler E. - fahren wir direkt in die Hölle.

    Derzeit sind es ~ 6 Prozent, die wir mit Wind- und Solarenergie decken. (Und diese Zahl ist noch stark geschönt, weil der Energie- und Ressourenverbrauch der Güter, die wir aus dem Ausland importieren und die dort unter Energie- und Ressourcenverbräuchen produziert und transportiert werden, bei uns nicht eingerechnet wird),


    Würden wir jetzt Solar und Wind massiv ausbauen, treten all die Rebound-Effekte zu Tage, die ich beispielhaft im Eingangsthread beschrieben habe, so dass am Ende die absoluten Umweltschäden zunehmen.

    Ich beschäftige mich seit vielen Jahren bzw jetzt über ein Jahrzehnt sehr intensiv damit und verstehe "das Grundproblem" (was genau ist das Grundproblem? Scheint dir überhaupt nicht bekannt zu sein wenn es dir so schwer fällt etwas dazu zu sagen)

    Hast du meinen Eingangsthread a) gelesen und b) verstanden?

    Nö, ich beschäftige mich lange genug damit, ist wissenschaftlich ausreichend gut belegt, gefährlich ist wohl eher deine Behauptung...vorallem einfach so als Einzeiler,hingerotzt ohne irgendeine Begründung.

    Die Begründung steht im Eingangsthread und in den verlinkten Artikeln bzw. in der Studie. Ich sehe nicht ein, das alles zu wiederholen, nur weil du das Grundproblem nicht verstanden hast.

    Gestern ging's bei Deutschlandfunk Kultur in der Sendung "Studio 9 Der Tag mit" um das Thema "Verkehrspolitik - Wie viel Straßen braucht das Land". Zu Gast war Andres Veiel, Macher des Fernsehfilms Ökozid.

    Und Veiel sagt hier etwas ganz Entscheidenes, nämlich, dass wir in Zusammenhängen denken müssen. Er nennt dann auch direkt einige Rebound-Effekte (ohne diese so zu benennen). Zitiert wird übrigens auch Lukas Köhler von der FDP, der, wen wundert es, an den Mythos des Grünen Wachstums glaubt.


    Die Sendung gibt es hier zu hören: https://www.deutschlandfunkkul…tag-andres-veiel-100.html (die ersten 10 min)


    (Köhler war übrigens neulich im Reduell mit Niko Paech: Rededuell: Rettet uns nur der Verzicht – oder technologischer Fortschritt? 01.Dez.2022)

    Was ich übrigens rein technisch bewerten kann ist das Potential der EE, dieses Potential ist so extrem viel größer als es die fossilen Energiequellen je gewesen sind, im Vergleich zu dem auf fossilen Rohstoffen basierenden Energiesystem bieten die EE tatsächlich eine fast schon unendliche Menge an Energie, dagegen ist die fossile Energie ein Witz.

    Dieser Satz ist so falsch und in seiner Wirkung so gefährlich, dass ich echt heulen könnte.

    Einfach nur zu sagen "so wie jetzt geht's nicht weiter und jeder Einzelne muss sein Leben ändern" ist das Gegenteil einer gesellschaftlichen Bewegung.

    Es geht darum, dass in der Gesellschaft flächendeckend bekannt wird, dass es keine nachhaltigen Produkte und Technologien gibt, und das alle derzeitigen Bestrebungen in der Politik und Wirtschaft, Umweltschäden zu vermindern, das exakte Gegenteil bewirken werden.


    - E-Mobilität wird die Umweltschäden erhöhen. Wasserstoffbetriebene Autos werden die Umweltschäden erhöhen.

    Die Anzahl an Autos muss sich drastisch verringern und die Menge an gefahrenen Kilometern muss sich drastisch verringern.*

    Die verwendete Technologie, mit der sie betrieben werden, ist zweitrangig.


    - Der Umweltschaden pro Euro ist nirgends größer als bei Flugreisen. Je effizienter Flugzeugmotoren werden, desto höher sind die absoluten Umweltschäden durch den Flugverkehr.*


    - Je mehr Energie wir durch Solar- und Windkraftanlagen erzeugen werden, desto mehr werden die absoluten Umweltschäden zunehmen.*


    usw. usf.




    Genau darum geht's mir in diesem Thread!

    Wer Ideen hat, wie dieses Wissen flächendeckend Verbreitung (und Anwendung) findet: Immer her damit!


    *sofern der Konsum all dieser Dinge nicht drastisch zurückgeht.

    es sind hauptsächlich die reichen Teile der Bevölkerung, also eine Minderheit,darauf sollte man immer hinweisen, es wird nämlich immer versucht große Teile der Bevölkerung zu manipulieren (man braucht halt demokratische Mehrheiten) und ihnen bei der "Verzichtsdebatte" einzureden sie wären mit die Hauptbetroffenen, dabei stimmt das einfach nicht, die armen Teile der Bevölkerung - also auch in reichen Ländern wie DE wo 50 bis 60% quasi nichts haben - sind davon deutlich weniger betroffen als die reichen Teile der Bevölkerung.

    Ich stimme dir vollständig zu.

    Da es keine nachhaltigen Produkte oder Technologien gibt (siehe die vier Thesen im Eröffungsthread), sind die Schäden, die ein einzelner Mensch zu verantworten hat proportional zur Kaufkraft, die ihm zur Verfügung steht (außer er lagert das Geld im Keller und gibt es nicht aus).

    Einfach gesagt: Je mehr Geld jemand zur Verfügung hat, desto höher ist sein Anteil an den ökologischen Schäden. Und daraus folgt trivialerweise, dass es die Reichen sind, die die größten Schäden verursachen. Beispielsweise weist Niko Paech mehrfach darauf hin. Ich habe noch nie von ihm gehört, dass er Hartz4 Empfängern Genügsamkeit nahelegt.


    Aber in der Gesellschaft fehlt komplett das Verständnis hierfür. Weil alle glauben, dass ein Tesla umweltfreundlicher ist als ein Verbrenner. Weil die meisten glauben, man könne mit Technik die Umweltprobleme in den Griff bekommen, können sich die Reichen sogar in ein positives Licht stellen, indem sie verkünden, in "klimaneutrale" Technologie XY zu investieren.

    Und genau das ist die große Illusion.


    Wäre in der Bevölkerung bekannt, dass derjenige, der mehr Geld zur Verfügung hat, auch automatisch mehr Umweltschäden zu verantworten hat, würde sich das gesellschaftliche Verhältnis zu Reichtum vielleicht ändern.

    Deshalb müssen die gesellschaftlichen Verhältnisse geändert weden. Das ist keine Frage der individuellen Befähigung oder des individuellen Verantwortungsbewusstseins, sondern es muss politisch durchgesetzt werden und dafür braucht es Mehrheiten - nicht in den Parteien und Parlamenten, sondern auf der Straße.

    Aber jede Bewegung auf der Straße muss irgendwo beginnen, nämlich bei einzelnen Leuten. Mehrheiten fallen nicht vom Himmel.

    Offenbar möchtest du mich hier irgendwie festnageln?!? :)

    Ups, da fehlte oben noch was:


    Ich schrieb:

    "Das klingt so, als seien die konsumierenden Menschen dazu gezwungen, zu fliegen, so kreuzfahren und zo SUVfahren."

    Darauf du:

    "Ja. :) Insofern weiterhin die kapitalistische Produktionsweise vorherrscht. Das war mein wesentliches Argument."

    Darauf ich:

    "Noch eine Frage: Was schlägst Du konkret vor, um die kapitalistische Produktionsweise abzuschaffen (was ich mir sehr wünsche)?"

    Darauf du:

    "Das naheliegendste wäre, diese Frage durch eine zentrale Planung zu beantworten, deren Vorgaben auf demokratischem Wege durch alle Gesellschaftsmitglieder mitbestimmt werden können."

    Also ist doch meine doch Zusammenfassung richtig, oder?:

    "Also fassen wir zusammen: Die Menschen werden zum fliegen, kreuzfahren und SUVfahren gezwungen, solange all das, was du da beschreibst, nicht umgesetzt ist. Ist es das, was du aussagen möchtest?"


    PS: Ich bin mal ein paar Tage weg. Hab diverse Dinge zu erledigen. schaue aber wieder rein. Eine schöne Woche euch!

    also da wo richtig viel Energie verschwendet wird - ist unsere Wirtschaft, etwa 75% der Primärenergie wird von der Wirtschaft verbraucht:

    Das ist mir alles bekannt. Und wofür verwendet die Wirtschaft diese Energie? Diese Energie fließt in Konsumprodukte, die die Bürger konsumieren.

    und solche von dir angesprochenen Luxusprobleme wie Fliegerei, Kreuzfahrt oder SUV sind eher ein Problem der reicheren Teile der Bevölkerung

    Der Umweltschaden pro Euro ist nirgends höher als beim Fliegen. Außerdem war meine Aufzählung nur beispielhaft.

    Aber natürlich hast du völlig recht, dass es vor allem die Wohlhabenden sind, die die Umweltschäden verursachen. Diese Wohlhabenden, die teilweise einen CO2 Verbrauch von 50 T pro Kopf und Jahr haben, runter zu bringen auf 1-2 T, wird eine echte Mamutaufgabe sein.


    Vielleicht so: Eine wachsende Menge an Menschen lebt enkeltauglich (siehe Paech), die Politik greift diese Lebensstile auf, wird gewählt, packt diese Lebensstile in Gesetze, und beschließt demokratisch, dass jeder Mensch ein Jahresbudget an CO2 bekommt. Vielleicht in 20 Jahren? Man darf ja wohl noch träumen! ;)

    ...sondern die meisten Menschen in diesem Land werden gezwungen einer Arbeit nachzugehen welche viel Energie verbraucht um die reichen Teile der Bevölkerung noch reicher zu machen...und wie gesagt ist die Wirtschaft für etwa 75% vom Energieverbrauch verantwortlich, du brauchst hier nicht ankommen und glauben es würde alles besser werden wenn man nur das Fliegen oder Kreuzfahrten oder SUV verbietet...

    Stimme dir zu, abgesehen vom letzten Satz, wie gesagt, das war nur beispielhaft. Wohnraum müsste man noch ansprechen, und insgesamt die Flächenversiegelung.

    wir haben ein Problem mit dem System, der Kapitalismus mit seinem Wachstumszwang ist das Problem, wenn du wirklich was verändern willst solltest du genau da ansetzen.

    Wenn du den Kapitalismus abschaffen willst, bin ich sofort dabei!

    Wo und wie fangen wir an?

    Ja. In einer gewissen Weise ist es in der Tat so. Wo sollen Sie mit ihrer leeren Existebz, dem Leistungsdruck, den eskapistischem Brainwashing, dem Kobkurrenzgehabe, dem hektischen RatRace und ihrer Ausweglosigkeit denn sonst hin?


    Für irgendwas muss es sich doch lohnen, arbeiten zu gehen.

    Das klingt für mich nach einem Menschenbild, wo der eizelne die eigene Urteilsfähigkeit komplett an den Nagel gehängt hat, Und damit auch das Wesen der Demokratie.

    Dazu zwei Zitate:

    1. Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! (Kant)

    2. „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann“ Böckenförde-Diktum


    In einer Demokratie gibt es eine enorm wichtige Grundvoraussetzung. Ohne diese Grundvoraussetzung kann eine Demokratie nicht bestehen: Die Mündigkeit des Bürgers. Oder ein anderer Begriff: Urteilsfähigkeit.


    Hätte man z.B. Technikfolgenabschätzung seit der ersten industriellen Revolution in das Bildungssystem eingebracht, wären wir heute nicht da, wo wir sind. Und hätten die Bürger nicht jahrezehntelang Parteien gewählt, deren Politik darin besteht, Umweltschäden zu externalisieren zum materiellen Wohle des eigenen Volkes, wären wir heute auch nicht da, wo wir sind.


    Dann sind wir vielleicht einfach (noch) nicht reif für die Verantwortung, die eine Herrschaft des Volkes unweigerlich mit sich bringt. Und deswegen sind wir jetzt in der ausweglosen Situation, dass die Parteien gewählt werden, die Geschenke verteilen und dem einzelnen nichts zumuten.

    Offenbar möchtest du mich hier irgendwie festnageln?!?

    Na klar! ;)

    Mein Gedanke war einfach der, dass es doch eigentlich ganz sinnvoll wäre, diesen Sachzwang zu beseitigen.

    Bin ich dabei.

    Das naheliegendste wäre, diese Frage durch eine zentrale Planung zu beantworten, deren Vorgaben auf demokratischem Wege durch alle Gesellschaftsmitglieder mitbestimmt werden können. Das Problem mit diesem Ansatz ist, dass hier die genaue Funktionsweise der gesamten Wirtschaftsstruktur verstanden werden muss, die aber in der bekannten Marktwirtschaft ultrakomplex ist.

    Also fassen wir zusammen: Die Menschen werden zum fliegen, kreuzfahren und SUVfahren gezwungen, solange all das, was du da beschreibst, nicht umgesetzt ist. Ist es das, was du aussagen möchtest?

    Mein wesentliches Argument bestand darin, dass die von dir bemängelte ständige Steigerung des Konsums eines vermeintlich durchschnittlichen deutschen Privathaushalts, das notwendige Resultat einer systemimmanenten Eigenlogik des Kapitals, sich selbst zu vermehren, ist.

    Das klingt so, als seien die konsumierenden Menschen dazu gezwungen, zu fliegen, so kreuzfahren und zo SUVfahren.

    Ich vestehe nicht, warum Du mir jetzt unterstellst, ich fände es "nicht zumutbar", wenn Leute selbständig auf Flugreisen verzichten.

    Du hast mir bzw Paech doch unterstellt, er bzw ich würden damit lediglich das Individuum ansprechen. Was du doch für grundfalsch ansiehst. In wie fern irre ich mich da, deiner Ansicht nach?

    Ich bitte dich, mir mal ganz konkret zu erläutern, wie du von geschätzten* durchschnittlichen 17-25 T CO2-Äquivalenten pro Kopf und pro Jahr in Deutschland auf 1-2 T runter kommen willst.


    Wie genau sehen deine Vorschläge aus, dass die Menschen all die ganzen Konsumtätigkeiten drastisch reduzieren?

    Es würde mich freuen, wenn du darauf eingehen würdest. Ohne auf Paech oder mich zu verweisen. Einfach deinen Plan offenlegen, wie das geschehen soll.

    Ich werfe vielmehr Niko Paech vor (der Dir persönlich offenbar eine so wichtige Person und ein so großes Vorbild ist, dass Du hier jetzt alle möglichen Strohmänner abfackeln musst, um Dich nicht mit der eigentlichen kritik auseinanderzusetzen, die Dir hier jetzt mehrfach und zur genüge von verschiedener Seite erörtert wurde), dass er sich als Ideologe einer neuen Genügsamkeit in Eigenverantwortung betätigt, aber keinen Plan hat, wie er ausreichend Leute von seiner guten ideologie überzeugen soll, damit sie dann aus dem Kapitalismus eine private Gemeinwohlökonomie machen - außer indem er dafür plädiert, die Wirtschaft zu deindustrialisieren und die Leute so zu ihrem Glück zu zwingen.

    Nenn es Strohmänner. In meinen Augen sind es Argumente.

    Ich bekomme es echt nicht in den Sinn, wie eine Transformation der Gesellschaft stattfinden soll, wenn nicht einzelne Leute beginnen, woraus sich dann eine kritische Masse bildet, woraus sich dann eine Transformation auf politischer Ebene vollzieht. Das ist mir eigentlich erst im Verlaufe dieses Threads klar geworden.

    So schwer und unrealistisch dies auch zu sein scheint, das ist mir bewusst.

    Wie genau und ganz konkret sieht denn Niko Paechs Plan aus, um eine ausreichend "kritische Masse" an sich selbst ganz eigenverantwortlich zu einer Avantgarde resilienter ProsumentInnen erziehenden BürgerInnen zu erzeugen, die dann die Tansformation in die Postwachstumsökonomie einleitet? Wie gesagt, er predigt das seit gut 17 jahren.

    Wie ich schon sagte, ich habe nicht diesen Anspruch an Paech. Paech ist ein Wissenschaftler, der seine Ergebnisse kundtut. Er ist kein Messias, kein Politiker, er ist nicht mal Transformationsforscher. Ich nehme von ihm mit, was mir einleuchtet, anderes, lass ich liegen. Er sagt selbst, und das zurecht, dass es ihm nicht darum gehe, Mehrheiten mit seinen Vorschlägen zu generieren.


    Es ist doch so: Egal was wir uns wünschen, egal was wir uns vorstellen, wie es weitergehen soll: ALLE Wege dorthin, die wir uns nur ausdenken können, erscheinen derzeit unrealistisch.

    Den Menschen müssen Alternativen angeboten werden.

    Was für Alternativen?

    Diese Bewegung soll dann zb die Idee der Demokratischen Betriebe verbreiten, Aktionen dazu machen, die Massen mobilisieren.

    Finde ich gut.

    Nur verstehe ich immer noch nicht, wie und warum Menschen dadurch ihre Lebensstile drastisch verändern sollten.

    folgt auch bei Niko Paech nicht weniger materieller Druck aus einem zuvor auf Postwachstum und Gemeinwohl umgewandelten Lebensstil, sondern durch die mit der Deindustrialisierung dann reduzierte Erwerbsarbeit entsteht ein individueller Druck, sich mehr um alternative Subsistenz- und Tauschwirtschaft zu bemühen.

    Das stimmt. Dieser Druck entsteht. Da der Druck aber flächendeckend entsteht, stehen alle vor den selben Herausforderungen.

    Aber all das existiert ja schon. Alles, was Paech beschreibt, existiert irgendwo schon. Schau dir bei Youtube eine Doku über das Wohnprojekt Kalkbreite in Zürich an. Das ist ein Blick in die Zukunft. Ein Beispiel: Wohnprojekt Kalkbreite Zürich. Die Leute kommen mir nicht vor, als stünden sie unter enormen Druck, im Gegenteil.


    Aber wie gesagt, du hast Recht, zu einer radikalen Lebensstiländerung gehören auch radikale, individuelle Anpassungen. Deswegen war ja schon mehrfach meine Frage, wie euer Weg aussieht zu einer drastischen Reduzierung des Konsums. Ein typischer Deutscher (zwei Flugreisen im Jahr, SUV in der Garage, Wohnfläche pro Kopf bei 50 qm, jedes Jahr das neue Iphone) wird sich so oder so drastisch umstellen müssen, darum kommt er nicht herum. Dafür kann aber Niko Paech nichts.


    Fakt ist: Wenn Krisen wie Dürre, Überschmemmungen, Hitze und Rohstoffmangel kommen, wird noch ein ganz anderer Druck auf uns zu kommen. Frag mal Inselbewohner oder Küstenbewohner in Europa, was sie tun, wenn ihr Dorf oder ihre Stadt bald zu Meeresboden wird. Aber sag ihnen bitte auch gleich, dass du es nicht zumutbar findest, wenn Leute selbstständig auf Flugreisen verzichten und sich in Gemeinschaftsgärten organisieren. Ich bin auf deren Blicke gespannt.


    Die Schritte zur "schrittweisen Reduktion des Verkehrs- und Produktionsvolumens" werden einfach irgendwie von irgendwem durch igendwas vollzogen, und die verbliebene Erwerbsarbeit (also der Tausch von Arbeitskraft gegen Lohn) wird dann ebenfalls von irgendwem irgendwie so verteilt, dass weiterhin Vollbeschäftigung herrscht -

    Schreib Herrn Paech doch eine Email und frag ihn. Er antwortet recht zügig.

    Ich habe nicht den Anspruch an ihn, mir eine Schritt für Schritt Anleitung vorzulegen. Ich habe jedenfalls meine Arbeitszeit reduziert indem ich zu meinem AG gengangen bin und dies beantragt habe. Dafür brauchte ich niemanden sonst. Im Gegenteil, durch die SOLAWI habe ich viele neue Leute kennengelernt, alle sehr hilfsbereit.

    Das ist die Zukunft.

    Aber wessen unsichtbare Hand das alles bewirken soll, verrät uns der Herr Ökonomieprofessor leider nicht.

    Das Warten auf eine Person, eine Institution oder was auch immer, ist in meinen Augen eine Ausrede, um bloß nichts am eigenen Lebensstil ändern zu müssen.


    Ich bitte dich, mir mal ganz konkret zu erläutern, wie du von geschätzten* durchschnittlichen 17-25 T CO2-Äquivalenten pro Kopf und pro Jahr in Deutschland auf 1-2 T runter kommen willst.


    Wie genau sehen deine Vorschläge aus, dass die Menschen all die ganzen Konsumtätigkeiten drastisch reduzieren?


    * Der in Deutschland gemessene CO2-Ausstoß liegt derzeit lt. Umweltbundesamt bei 11-12 T Äquivalenten pro Kopf und pro Jahr. Aber: Seit 1990 hat vor allem eine Verlagerung CO2-intensiver Bestandteile unserer Wertschöpfungsketten und -lieferketten stattgefunden: Die Produktion unserer Konsumgüter findet ganz wo anders statt, in China, Bangladesh oder Indien usw. Wenn also in China Kohlekraftwerke gebaut werden, dann nicht nur für die Chinesen, sondern auch für unsere Konsumgüter, die dort produziert werden.

    Schweden plant, die Emissionen von Importwaren im eigenen Land anzurechnen.

    Täten wir dies auch, würde der tatsächliche Wert auf 17-25 T steigen. Das heißt: Eigentlich rechnet sich das Umweltbundesamt und die gesamte Politik die Zahlen schön.