Beiträge von AlienObserver

    Ich meine nicht, das du jemanden diskriminierst, aber du setzt es als selbstverständlich voraus. Wichtige Positionen werden laut deinem Post von Personen mit einem bestimmten Habitus (also einer sozialen Schicht) besetzt. Gleichzeitig sprichst du aber von einer Leistungsgesellschaft.


    Das ist innerer Widerspruch. Wenn wir eine Leistungsgesellschaft hätten dann würde natürlich die Befähigung alleine bei der Besetzung einer Position eine Rolle spielen. In Wirklichkeit reproduzieren sich soziale Ungleichheiten (wie viele Studien zeigen). Angehörige unterer Schichten haben in Universitäten und in der freien Wirtschaft bei gleicher Qualifikation schlechtere Chancen als die Konkurrenz aus der Oberschicht.


    Desweiteren sagst du, dass Kapitalismuskritik das System delegitimiert, wobei du ausserdem zeigst, dass deine Definition von Kapitalismus, die irgendwie wohl Marktwirtschaft und Demokratie beinhaltet, mit dem was man wissenschaftlich als Kapitalismus bezeichnet nichts zu tun hat.


    Du scheinst zu glauben, dass es sich bei Hans Werner Sinn um einen Wissenschaftler handelt und nicht jemand der im Geschäft der Ideologieproduktion ist.


    Offenbar hast du die neoliberale Ideologie vollkommen verinnerlicht, daraus ziehe ich die die Schlussfolgerungen das du am bestehenden System nichts verändern willst. Denn wer die Ideologie schluckt, der kann keine Änderung wollen. idologie ist wiederum als wissenschaftlicher Begriff in den Sozialwissenschaften zu verstehen, also das Denken der Herrschenden Klasse.


    Ich halte weder Hans Werner Sinn noch Stefan Brunnhuber für geeignete Beispiele von Wissenschaftlern. Du hast dir die beiden Ausgesucht die nichts anderes tun als Ideologie von sich zu geben. Der Club of Rome z.B. sagt etwas völlig anderes.


    Zitat von 1% ist Genug (Graeme Maxton, Direktor des CoR)

    Um zu funktionieren, benötigt das derzeitige Wirtschaftssystem einen Ressourcendurchsatz – also Ressourcenverbrauch –, der unaufhörlich wächst. Das ist in der DNA des Systems angelegt. Die Menschen müssen immer mehr konsumieren und die Hersteller immer mehr produzieren, um einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern und das Fortbestehen des derzeitigen Systems zu sichern. In diesem Prozess aber nimmt die Menge der emittierten Treibhausgase zu, die das Klima unseres Planeten verändern.

    Der Klimawandel ist bereits so weit fortgeschritten, dass sich in den kommenden Jahrzehnten die globalen Wettermuster verschlechtern und die Meeresspiegel steigen werden, und zwar unabhängig davon, was gegenwärtig dagegen unternommen wird. Jeder Versuch, das Wirtschaftswachstum zu steuern und die Schädigung der Umwelt zu verlangsamen, drosselt aber gewissermaßen den Treibstoffzufluss, der den Wirtschaftsmotor am Laufen hält.

    Wahrscheinlich hat dir das Interview mit Ulrike Hermann dann weniger gefallen.

    Wahnsinn, hier findet in einem Absatz soziale Schichtung, Diskriminierung von Andersdenkenden und Leistungsprinzip gleichzeitig statt. Das sind die eigentlich unvereinbaren Widersprüche neoliberaler Ideologie in einem schönen Paket.


    Übrigens sehen die meisten Kapitalismuskritiker kein Problem darin die Erfolge des Kapitalismus anzuerkennen.

    Anstatt dir das völlig ausgearbeitetes Alternativsystem anzubieten muss ich aber fragen warum der Kapitalismus anscheinend keine Rechtfertigung in Zeiten des Klimawandels braucht.

    Der fortgesetzte Kapitalismus führt gerade dazu dass wir den nächsten Generationen den Planeten zerstören. Ich sehe da durchaus Anlass zu Kritik und einer Abschaffung dieses Systems.


    Anscheinend ist deine Selbstwahrnehmung die eines rationalen, aufgeklärten Intellektuellen. Eine irgendwie aufgeklärte und rationale Vorstellung der Welt die eine realistische Zukunftsperspektive bietet sehe ich aber leider nicht, nur die völlig idiotische Vorstellung, dass alles so weitergehen kann wie bisher.


    Deine Haltung kann man nur haben wenn man Wissenschaft ignoriert oder einem die nächsten Generationen egal sind. Völlige Ignoranz (also zum Beispiel der Glaube Kapitalismus hätte nichts mit dem Klimawandel zu tun ) wäre allerdings auch noch möglich.

    @Cle Wow, bin sprachlos.

    Wenn ich mich also nur genug mit der Neoklassik beschäftige werde ich ebenfalls erkennen dass ich als unwissenschaftlicher, linker und unwürdiger (womoglich sogar marxistischer) Kritiker des Kapitalismus fehlgeleitet bin und mich dann gleich dir an der Weisheit des H.W. Sinn erfreuen? Verstehe ich dich da richtig?

    Das ist sehr nett von dir das zu sagen.

    Es zeigt sich (um den Thread aufzugreifen) dass die SPD kein bisschen ne Vorstellung hat wie ernst die Lage ist. Sie haben tatsächlich nix kapiert.


    In meiner Fantasie hört sich das so an:

    "Wir, die SPD, haben mit dem Klimakompromiss das beste rausgeholt was möglich war! Wir können total Stolz auf die SPD sein, weil wir haben ja richtig was gegen den Klimawandel getan. Dass was die Fridays for Future fordern, (Oder die Scientists for Future, oder der Club of Rome, oder das IPCC) ist eh total unrealistisch und im Moment politisch nicht machbar, aber da ist halt nur die Union dran schuld. Die SPD ist nämlich die geilste aller Klimaretterparteien! Und das tollste ist, unsere Freunde in der Industrie sind auch voll zufrieden. Das Klima muss jetzt der Industrie auch ein bisschen entgegenkommen.

    Das gleiche gilt für die Flüchtlinge. Wir können ja auch nicht JEDEN rein lassen oder? Wir haben lauter Rentner die uns wählen, die haben Angst vor Fremden, die muss man auch ernst nehmen.

    Und Vermögenssteuer, das kündigen wir jetzt vielleicht im Wahlkampf an, aber das merkt gar niemand wenn die wieder nicht kommt und das mit dem hartz4, da hat zwar das Verfassungsgericht gesagt, dass das nicht ok war, aber wenn wir jetzt das wieder Rückgängig machen, dann wollen die Leute ja vielleicht alle mehr Geld verdienen? Was wird dann aus der Schwarzen Null und der Exportweltmeisterschaft .... usw."


    Sorry für die Unterbrechung. Wir waren hier stehengeblieben: Bei der Feststellung, dass die Wissenschaft nicht wirklich frei ist, mit der Ergänzung von mir, dass das mehr oder weniger für alle Fakultäten gilt. Was man in diesem Kontext noch erwähnen sollte ist die Abhängigkeit von Geldern aus der Industrie.

    Dass die Politikwissenschaft Gelder aus der Industrie kriegt bezweifle ich mal schwer.

    Ich vermute eher die Angst durch zu harsche Kritik und politische Positionierung als "unwissenschaftlich" weil "nicht neutral" zu gelten.

    Ich hab das alles im Konjunktiv geschrieben weil ich mir da auch nicht ganz sicher bin ob es einen Ausleseprozess in deutschen Unis gibt. Ich wünsche mir eben nur etwas handfestere Kritik wenn man schon in einer solchen Position ist.


    Es gibt wahnsinnig viele Wissenschaftler in aller Welt die richtig losledern über den Kapitalismus und da keine Hand vor den Mund nehmen. Wenn nicht im akademischen Umfeld wo dann? Wo soll den diese weichgespülte Kritik hinführen?


    Der Wolfgang Streeck hatte wohl übrigens schon vorher nen Freibrief, weil er mit verschiedenen SPD Regierungen ziemlich dicke war. Mir persönlich ist der Streeck auch noch etwas zu "mild".


    In der Soziologie find ich dass eher Urgesteine wie Klaus Dörre oder Stefan Lessenich die richtigen Worte finden. Politikwissenschaftler kenn ich kaum, hatte aber schon immer das Gefühl dass diese Disziplin eher "Staatstragend" ist.

    @JonnyMadFox Sorry, ich entschuldige mich. Ich hab das wirklich nicht ernst gemeint. Aber deine Art ist evtl. nicht immer so liebenswert wie du vielleicht denkst?

    Ich bin bin sicher ebenfalls nicht immer so nett wie ich denke.

    Weil Grenzen des Wachstums ein viel zu schmalspuriger Kritikpunk ist. Kapitalismus soll abgeschaft werden, weil er systematisch Mensch und Natur zerstört. Das Wachstum offensichtlich Grenzen hat, ist nur ein Problem des Kapitalismus von vielen seinen Problemen. Man muss schon viel früher ansetzen.

    Ausser dass du Bock auf streit hast und mich evtl. nicht magst, was ist dein Punkt?


    Wenn ich in der Wüste grade verdurste dann kann ich mich auch darüber beschweren, dass diese Wüste extrem unangenehme Sandflöhe hervorbringt.


    Ja ich halte den Kapitalismus insgesamt für ein unsäglich dummes Wirtschaftssystem. Es geht aber grade darum ob zukünftige Generationen eine bewohnbare Erde vorfinden. Wo würdest du jetzt statt dessen die Prioritäten setzen?

    Ist das denn so schwer? Warum man das gerade in diesem Forum erklären muss, dass der vom Kapitalismus verursachte Klimawandel diesen in eine Krise führt aus dem er nicht herauskommt ist mir schleierhaft. Wie viele Gäste gab es bei Tilo die dazu forschen und schreiben?


    Was an der Kapitalismuskrise ist noch Rätselhaft? Die Forschung zu den Grenzen des Wachstums existiert seit 50 Jahren und kommt doch für einige anscheinend als Überraschung?

    Surprise! Die Erde ist endlich groß!