#796 - Jekaterina Schulmann über Putin & Russland

  • Donnerstag, 4. Dezember, ab 15 Uhr LIVE



    Zu Gast im Studio: Jekaterina Michailowna Schulmann, russische Politikwissenschaftlerin. Seit April 2022 hält sie sich aufgrund des Kriegs in der Ukraine in Deutschland auf und arbeitet als Fellow bei der Robert Bosch Academy. Seit dem 15. April 2022 ist Jekaterina Schulmann in Russland als „ausländische Agentin“ eingestuft.


    Her mit euren Fragen zu Russland, Putin, Ukrainekrieg etc!


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  • Welche Möglichkeiten sieht Frau Schulmann, das System von organisierter Kriminalität in den Kommandostrukturen des russischen Militärs aufzubrechen?


    Hintergrund: Kommandeure verdienen fleißig am Krieg mit.

    - Kommandeure verkaufen "gebrauchtes" Material (also von getöteten Soldaten eingesammelte Ausrüstung) an neue Rekruten

    - sie stecken Soldaten für "Fehlverhalten" in "Löcher" (Erdlöcher, wo Soldaten Wind und Wetter, Prügel und Hunger ausgesetzt werden)

    - sie nötigen Soldaten dazu ihren Sold an die Kommandeure zu übertragen wenn sie nicht in "Meat Assaults" geschickt werden wollen

    - sie verkaufen Positionen im Battalion, die halbwegs sicher vor Beschuss sind

    - sie erpressen Angehörige von gefassten Fahnenflüchtigen

    - usw.

    • Was ist bei der Verfassungskrise 1993 passiert? Welche langfristigen Folgen hatte die Verfassungskrise für die heutige russische Staatsorganisation und die Macht des Präsidenten?
    • Anschließend daran: Welche Rolle spielt die Verfassung heutzutage noch?
    • Russland umfasst über 190 ethnische Gruppen und verschiedene Föderationssubjekte mit eigenen Sprachen und Kulturen. In welchem Sinne ist Russland ein multikultureller Staat und wo sind die Grenzen bei der Anwendung dieses Begriffs? (190 ethnische Gruppen laut Wikipedia https://en.wikipedia.org/wiki/Ethnic_groups_in_Russia)
    • Wie nehmen unterschiedliche Gruppen innerhalb Russlands Putins Entscheidungen wahr? Überwiegt das Narrativ des strategischen Genies, oder gibt es eher Unsicherheit und Informationsmangel? Flapsiger: gibt es eine Fanbase, die glaubt, Putin spiele 5D-Schach in der internationalen Politik?
    • Wie wird die westliche Erzählung vom globalen Konflikt zwischen Demokratien und Autokratien in Russland wahrgenommen? Und wie erklärt man, dass autoritäre Staaten sich trotz ähnlicher Regierungsformen häufig gegenseitig misstrauen oder konkurrieren?
    • Wie sehr sieht sie den "Rapallo-Komplex" zwischen Berlin und Moskau am Werk?
    • Wie groß sind die (kulturellen, politischen) Unterschiede zwischen den großen Städten (im Westen) und den Regionen in Osten bzw. auf der asiatischen Hälfte?
    • Gibt es "noch mehr Putins"? Also, wenn es Putin nicht geben würde, würde ein Machtvakuum entstehen oder würde das relativ nahtlos geschlossen werden?
    • Wie steht die Erinnerungskultur in Russland zu Stalin und was wird warum verehrt oder eher verdrängt?
  • Ich gehe nicht davon aus ,dass diese Frage so gestellt werden wird, aber da ich finde, man sollte sie unbedingt immer wieder stellen, bis sie endlich mal konkret und belegbar beantwortet wird, stelle ich sie einfach trotzdem:

    • Kann man irgendwo (auch auf russisch) nachlesen, dass Wladimir Putin die eindeutige Absicht hat, die Ukraine "in ihrer Staatlichkeit" zu vernichten, oder NATO- und EU-Mitglieder im Baltikum anzugreifen, so wie es in deutschen Medien und von deutschen ExpertInnen mit großer Medienpräsenz fast unisono immer wieder behauptet wird, oder sind das eher Interpretationen nicht so eindeutiger Aussagen des russischen Autokraten?
  • Ich gehe nicht davon aus ,dass diese Frage so gestellt werden wird, aber da ich finde, man sollte sie unbedingt immer wieder stellen, bis sie endlich mal konkret und belegbar beantwortet wird, stelle ich sie einfach trotzdem:

    • Kann man irgendwo (auch auf russisch) nachlesen, dass Wladimir Putin die eindeutige Absicht hat, die Ukraine "in ihrer Staatlichkeit" zu vernichten, oder NATO- und EU-Mitglieder im Baltikum anzugreifen, so wie es in deutschen Medien und von deutschen ExpertInnen mit großer Medienpräsenz fast unisono immer wieder behauptet wird, oder sind das eher Interpretationen nicht so eindeutiger Aussagen des russischen Autokraten?

    Zuletzt noch schön zu hören, dass nicht nur Expert*innen und Medienerschaffende das behaupten, sondern auch so jemand wie eine Außenministerin Österreichs (nicht einmal NATO), aber immerhin von Precht Widerspruch erhielt. Spoiler, Katja Kallas wird natürlich auch genannt <3


    https://www.servustv.com/aktue…ion&utm_content=Kommentar

  • Ich gehe nicht davon aus ,dass diese Frage so gestellt werden wird, aber da ich finde, man sollte sie unbedingt immer wieder stellen, bis sie endlich mal konkret und belegbar beantwortet wird, stelle ich sie einfach trotzdem:

    • Kann man irgendwo (auch auf russisch) nachlesen, dass Wladimir Putin die eindeutige Absicht hat, die Ukraine "in ihrer Staatlichkeit" zu vernichten, oder NATO- und EU-Mitglieder im Baltikum anzugreifen, so wie es in deutschen Medien und von deutschen ExpertInnen mit großer Medienpräsenz fast unisono immer wieder behauptet wird, oder sind das eher Interpretationen nicht so eindeutiger Aussagen des russischen Autokraten?

    Ab ca 1:22:00 folgt ein langes, unanusgesprochenes "Nein", aber mit ganz viel "Aber". Das "Aber" enthält:


    Man ist eigentlich zu sehr mit der innenpolitik Russlands vertraut, udn weniger mit der im Ausland (das klassische "Ich bin Experte für dies und das, aber bei Themen, wo ich unliebsame Meinungen korrekt wiedergeben müsste, bin ich kein Experte.") Die Ziele der Militäroperation wurden so vage wie möglich ausgedrückt, und das war Absicht (und damit ist ja praktisch auch Holocaust Tür und Tor geöffnet). Dann Presidence Article 2021 "We are one people". Hier kann man die entsprechende Putin-Exegese betreiben. Es ist im Prinzip der gleiche Wichs, wie der Monolg, dem er Tucker Carlson vorgetragen hat:


    http://en.kremlin.ru/events/president/news/66181


    Sehr schön,


    "This kinda predetermines the idea of a non-existence of a seperate Ukrainian Nation".


    Gut, eine Nichtexistenz von Staaten, damit kennen wir uns auch aus (I'm looking at you, Palistine!)


    "It's an interesting twist on for example the antisemitism of the Third Reich. Hitler did not consider Jews were actually GErmans that lost their mind and are a seperate ethnic entity. He recognized the Jewishness and found that they ought to be exterminated. Here we have a slightly different idea. The idea is, that the Ukraine does not exist as a nation, it's a malicious invention by [....] so the Ukranians who do not believe in their primal Russianess have to be destroyed....sadly. In this mindset Ukrainian statehood has no place, unless it's run by a pro Russian government."


    Obwohl (der von mir hervorgehobene Satz) natürlich quatsch ist, ist sie immerhin so nett sich selbst zu widersprechen, indem sie im Anschluss sagt, dass Russlands erstes Ziel in dem ganzen Unterfangen sei eine pro-russische Regierung in Kiew zu installieren- und zwar NOCH VOR Gebietseroberungen. Dat hätte man billiger haben können, z.B. durch Cyberangriffe auf Sozialen Medien, lol. Für mich als NATO-Mitglied heißt das ganz klar, der Russe wird erst mit der Frontlinie haltmachen, bis in Berlin eine pro-russische Regierung ist!

  • Ab ca 1:22:00 folgt ein langes, unanusgesprochenes "Nein", aber mit ganz viel "Aber". Das "Aber" enthält:


    Man ist eigentlich zu sehr mit der innenpolitik Russlands vertraut, udn weniger mit der im Ausland (das klassische "Ich bin Experte für dies und das, aber bei Themen, wo ich unliebsame Meinungen korrekt wiedergeben müsste, bin ich kein Experte.") Die Ziele der Militäroperation wurden so vage wie möglich ausgedrückt, und das war Absicht (und damit ist ja praktisch auch Holocaust Tür und Tor geöffnet). Dann Presidence Article 2021 "We are one people". Hier kann man die entsprechende Putin-Exegese betreiben.

    Ja danke. Den Artikel habe ich gelesen, Ich habe ihn jetzt sogar extra nochmal gelesen, und was sie da auf Tilos Frage (danke zumindest dafür) hin antwortet ist eben genau das was ich unterstelle: eine Interpretation der länglichen Ausführungen Putins, die auf die These hin angestellt wird, er sehe die Ukraine nicht als eigenständige Nation und habe vor, sie wieder dem russichen Imperium einzuverleiben. Das steht da so aber (jedenfalls in der offiziellen englischen Übersetzung des Kreml, die ich gelesen habe) überhaupt nicht drin.


    Man kann den Text - im Gegenteil - auch so interpretieren, dass Putin darin die Ukraine sogar explizit als eigenständigen Staat betrachtet. Ich schreibe hier bewusst, dass man das kann, nicht dass es auch zwingend genau so gemeint sein muss.

    Aber was man an dem, in meiner Formatierung immerhin 22 Seiten langen Aufsatz auf jeden Fall erkennen muss, wenn man ihn nicht von vorne herein nur mit dem Ziel liest, ihn zum Beweis eines hitleresken, faschistischen Eroberungswahns des russischen Autokraten zu machen, ist dass Putin seine ellenlange historische Exkursion bis zurück ins frühe Mittelalter nicht einfach so betreibt, weil er gerne Geschichten erzählt, sondern weil er versucht, die komplexe Historie der Entstehung der heutigen Nationalstaaten Russland, Belarus und Ukraine aus einem - seiner Ansicht nach - gemeinsamen Ursprung zu erklären, um damit seine gleich zu Beginn getroffene Aussage Russen und Ukrainer seien "ein Volk" (in der englischen Fassung "one people") durchaus differenziert zu begründen.


    Wie akkurat seine historische Erzählung ist, kann ich nicht beurteilen und natürlich betreibt er sein Geschichtsstudium nicht als Wissenschaftler, sondern als nationalistischer Politischer Führer der russischen Föderation. Er verfolgt damit durchaus einen imperialistischen Zweck. Aber was der kollektive "liberale" Westen meiner Ansicht nach falsch versteht, oder absichtlich falsch verstehen will, und was auch Jekaterina Schulmann hier zumindest zu bedienen scheint - vielleicht weil sie weiß, dass das bei westlichem Publikum gut ankommt -, ist dass der russische Nationalismus für den Wladimir Putin steht, viel weniger völkisch als tatsächlich multiethnisch-imperial ist - weshalb auch der Hitler-Verlgeich so blödsinnig ist. Es geht ihm - jedenfalls in diesem Aufsatz, der noch kurz vor dem Beginn der "militärischen Spezialoperation" verfasst wurde - einfach nicht um Wyschiwankas und ukrainische Volksdichtung. Auch das gehört für ihn darin alles zum gemeinsamen kulturellen Erbe der russischen Welt.


    Vielleicht versteht man das in Westeuropa gerade deshalb wirklich nicht, weil die EU auch 80 Jahre nach dem Ende des letzten großen, von völkischen deutschen Ultranationalisten angezettelten Krieges keine politisch geeinte Großmacht ist, sondern ein Bündnis von immer noch fleissig gegeneinander um Absatzmärkte und Investitionsanreize (und dabei gleichzeitig um begehrte Fachkräfte aus dem Ausland und möglichst niedrige Kontingente kulturfremder Flüchtlinge) konkurrierenden Nationalstaaten, die sich alle ihre eigene völkische Kultur bewahren wollten, sich nach dem Ende des kalten Krieges auch noch eine ganze Reihe anderer, besonders völkisch orientierter, frisch in die Unabhängigkeit entlassener Nationalstaaten dazu holten, und die jetzt dafür mit dem europaweiten Aufstieg völkisch-natioalistischer Parteien belohnt werden, die gar kein Interesse mehr an einer multikulturellen europäischen Union haben.

  • Zumindest räumt Jeka mit der hiesigen Fantasie auf, die Russen hätten von Anfang an geplant die komplette Ukraine einzunehmen und die Ukraine wäre einfach zu stark gewesen. :thumbup:


    Von der grausamen KGB Taktik, in einem Gespräch nach dem Namen zu fragen obwohl (!) man den (vermutlich) doch kennt, hatte ich noch gar nicht gehört aber es klingt wie die Schnürsenkelszene bei Hot Shots. Tiere.

    • Gibt es "noch mehr Putins"? Also, wenn es Putin nicht geben würde, würde ein Machtvakuum entstehen oder würde das relativ nahtlos geschlossen werden?
    • Wie steht die Erinnerungskultur in Russland zu Stalin und was wird warum verehrt oder eher verdrängt?

    die erste Frage hier https://www.youtube.com/live/0…i=SRurANDykmgVFbQI&t=7714 (timestamp)


    Die zweite Frage kommt eins vorher so halb vor als historische Parallelen zwischen Stalin und Putin

  • Hallo!
    Bin n bisschen spät dran. Sorry- Ich finde es halt regelmäßig sonderbar, wenn Profis wie Jekaterina (als Potitikwissenschaftlerin), den Grund für die Invasion Putin-Russlands in die Ukraine erklären wollen… Ist nicht speziell auf sie gemünzt, aber, ich meine, es gibt doch wirklich strategisch nachvollziehbare Gründe für den Überfall und nicht nur die psychischen Herausforderungen der Pandemie.
    Wenn man sich die Welt kurz vor der Pandemie ansieht, dann kann man lapidar festhalten: Die Stimmung war eine ganz andere! Man muss sich das nochmal glasklar vor Augen führen: Da waren Kinder, die für ihre Zukunft auf die Straße gingen, und es gab konservative Kräfte wie Frau von der Leyen, die sich tatsächlich genötigt gefühlt haben, auf europäischer Ebene etwas für den Klimaschutz zu reißen - mit dem kurz nach der Pandemie in die Wege geleitete european green new deal. Kurze Zeit später kam in einem der einflußreichsten Länder der EU - Deutschland - die - laut Adam Tooze - progressivste Regierung der Welt zum Zuge. Und just in diesem Augenblick zieht Putin sein Militär an der Grenze zur Ukraine zusammen.
    Klar kann man behaupten, Putin hätte wegen der Isolation in der Pandemie zu spinnen angefangen. Aber soll DAS wirklich eine wissenschaftlich fundierte Aussage sein? Was sind denn die Exportschlager Russlands? Sind das - neben Rüstungsgütern - nicht hauptsächlich fossile und nukleare Brennstoffe? Was wäre denn passiert, wenn Deutschland, wenn Europa tatsächlich vor gehabt hätten, den fossilen Energien ein Ende zu setzen, um sich ausschließlich auf erneuerbare Energien zu fokussieren? Als Leuchtturmprojekt für die Welt? Womit kann Russland Geld verdienen und Machtansprüche stellen, wenn Erdöl und -gas passe sind?


    Und gerade in der Retrospektive wird doch folgendes klar: Putin hat mit dem Einmarsch in die Ukraine zusammen mit der hybriden Kriegsführung über Youtube/Facebook/TikTok und seinen Botarmeen die Stimmung komplett gedreht. Da hat ein Christian Lindner anfangs vielleicht noch gesagt, erneuerbare Energien seien Freiheitsenergien. KeinE NeoliberaleR und keinE KonservativeR würde das heute noch so in den Mund nehmen. Im Gegenteil. Heute sollen Erdgas und Nuklearenergie Brückentechnologien zu den Fussionskraftwerken werden. Damit wäre das Geschäftsmodell Russlands (und damit auch das des fossilen Multimilliardärs Putin) immerhin deutlich verlängert - denn bis Fussionskraftwerke konkurrenzfähig oder überhaupt erst einmal energiepositiv sind, vergehen bekanntlich immer noch 30 Jahre, egal, wann man fragt…

    Man sagt immer so: Die fossile Lobby ginge über Leichen. Aber dass das wirklich so ist, das scheint dann anscheinend doch gar nicht so leicht vorstellbar, selbst, wenn die entsprechenden Leute den rauchenden Colt noch in der Hand halten…

    Jedenfalls, wie gesagt, ich finde das höchst sonderbar, dass niemand, wirklich niemand in der Politikwissenschaft diesem Aspekt Aufmerksamkeit verschafft.

  • Jedenfalls, wie gesagt, ich finde das höchst sonderbar, dass niemand, wirklich niemand in der Politikwissenschaft diesem Aspekt Aufmerksamkeit verschafft.

    Vielleicht, weil es höchst sonderbarer Quatsch ist und andere Gründe, die den Westen nicht vom Haken lassen, sehr viel wahrscheinlicher sind. Ist ja auch nicht so als würde puuuutiiiin jetzt sein Verkaufsmodell in Europa gerettet haben. :)

  • Stimmt, das Verkaufsmodell hat er (noch) nicht gerettet, aber die Stimmung hin zu Rüstung und fossiler Energie kippen lassen, das hat er schon geschafft. Genau so, wie er den Einfluss der Grünen - mit willfähriger Hilfe konservativer Kräfte - auf ein Minimum reduziert und den der AfD gestärkt hat. Und letztere wird bekanntlich wieder voll in den Import russischer Energie einsteigen, sobald sie - wo auch immer - das Ruder übernehmen kann. Wie übrigens auch andere rechtslastige Regierungen in der EU. (Oder das BSW, aber das scheint gerade in der Bedeutungslosigkeit zu versinken…)
    Ob der Versuch, sein Geschäftsmodell nachhaltig zu stabilisieren, fehl geschlagen ist, lässt sich heute noch gar nicht abschätzen. Jedenfalls hält der europäische Hunger nach fossiler Energie an und Russland ist bereit, einzuspringen, falls es eng wird. Wäre die russische Armee nicht in die Ukraine eingefallen, wären fossile Energien absehbar ausgelaufen. Stattdessen werden heute in Deutschland und der EU neue fossile Abhängigkeiten geschaffen.

  • Wer inhaltlich nichts beizutragen hat…

    Aber was mir echt so 'n bisschen Sorge macht: Da schreibt man alle Jahre wieder mal einen Beitrag und es antworten sofort immer dieselben - und zwar genau denselben Quark wie vor Jahren. Also, ich hab keine Zeit, mein Leben in irgendeinem Forum zu verschwenden. Man könnte bei so viel angesammelter Klugheit ja davon ausgehen, dass die auch in der "echten" Welt genutzt wird.

    Klar, is Weihnachten… Gerade Aktivismus-Flaute… Aber bei euch ist's ja echt egal, wann man schreibt…

  • Zurück zum Inhalt: Habe ich das richtig verstanden, dass die Invasion 2022 in die Ukraine für euch alle, die ihr euch auf meinen Beitrag bezieht, keine Zäsur für die Europapolitik war? Dass es das Handeln der - ich wiederhole mich - laut Tooze "progressivsten Regierung der Welt" hin zu einer wenigstens irgendwie rechnerisch wirksamen Klimapolitik massiv einschränkte? Dass die Klimabewegung dadurch nicht von heute auf morgen erledigt war? Dass die Sicherheit vor "den Russen" heute im hegemonialen Diskurs nicht wichtiger zu sein scheint, als die Sicherheit vor der Auslöschung der Zivilisation durch den Klimawandel?

    Oder ist für euch die Aussage "Putin spinnt" tatsächlich politikwissenschaftlich fundiert genug, um die Invasion 2022 in die Ukraine zu erklären?

  • Habe ich das richtig verstanden, dass die Invasion 2022 in die Ukraine für euch alle, die ihr euch auf meinen Beitrag bezieht, keine Zäsur für die Europapolitik war? Dass es das Handeln der - ich wiederhole mich - laut Tooze "progressivsten Regierung der Welt" hin zu einer wenigstens irgendwie rechnerisch wirksamen Klimapolitik massiv einschränkte? Dass die Klimabewegung dadurch nicht von heute auf morgen erledigt war? Dass die Sicherheit vor "den Russen" heute im hegemonialen Diskurs nicht wichtiger zu sein scheint, als die Sicherheit vor der Auslöschung der Zivilisation durch den Klimawandel?

    Ich kann zwar nur für mich selbst sprechen, aber ich glaube nicht, dass hier irgendwer etwas aus dieser Aufzählung bestreiten würde (außer vielleicht Adam Toozes Bezeichnung der Ampel als "progressivste Regierung der Welt").


    Was ich allerdings doch sehr stark bestreiten würde, ist die These, Wladimir Putin habe das alles mit seinem Überfall auf die Ukraine,...

    Putin hat mit dem Einmarsch in die Ukraine zusammen mit der hybriden Kriegsführung über Youtube/Facebook/TikTok und seinen Botarmeen die Stimmung komplett gedreht. Da hat ein Christian Lindner anfangs vielleicht noch gesagt, erneuerbare Energien seien Freiheitsenergien. KeinE NeoliberaleR und keinE KonservativeR würde das heute noch so in den Mund nehmen. Im Gegenteil. Heute sollen Erdgas und Nuklearenergie Brückentechnologien zu den Fussionskraftwerken werden. Damit wäre das Geschäftsmodell Russlands (und damit auch das des fossilen Multimilliardärs Putin) immerhin deutlich verlängert

    ...sozusagen gezielt bewirkt, um "das Geschäftsmodell Russlands" zu verlängern.

    Das Geschäftsmodell Russlands bestand vor der Invasion immerhin zu einem sehr großen Teil darin, billige fossile Energieträger an eine sehr zahlungskräftige Kundschaft in Westeuropa zu liefern und damit ist jetzt erst mal auf längere Zeit Schluss.


    Dass "Putin spinnt" mag sein oder nicht, aber das wäre meiner Ansicht nach eine der dümmsten und falschesten Erklärungen dafür, dass er diesen Krieg angefangen hat.

  • Wer inhaltlich nichts beizutragen hat…

    Aber was mir echt so 'n bisschen Sorge macht: Da schreibt man alle Jahre wieder mal einen Beitrag und es antworten sofort immer dieselben - und zwar genau denselben Quark wie vor Jahren. Also, ich hab keine Zeit, mein Leben in irgendeinem Forum zu verschwenden. Man könnte bei so viel angesammelter Klugheit ja davon ausgehen, dass die auch in der "echten" Welt genutzt wird.

    Klar, is Weihnachten… Gerade Aktivismus-Flaute… Aber bei euch ist's ja echt egal, wann man schreibt…

    Wenn man zweimal im Jahr kurz reinschaut, verpasst man halt zwangsläufig, was dazwischen bereits durchgekaut und ggf. wieder verworfen wurde. Und „politikwissenschaftlich“ waren das nun wirklich keine dicken Bretter... wenn man hier häufiger mitarbeitet statt sporadisch zu dozieren, darf man sich auch über mehr Ernsthaftigkeit im Echo wundern, trust me bro. Und zu diese eurozentrische Selbstüberhöhung, als habe Putin mit seiner Aktion den Fossilismus gerettet, das hält für mich als Thesehält einfach nicht stand. Der klimawandel und die Nutzung fossiler Energien wären auch ganz ohne Puuuuutiiiiiin munter weitergelaufen, weil es immer noch im "politilwissenschaftlich" gleichen Syszem stattfindet und den damit einhergehenden glorreicheb Konsumversprechen des freien Westens. Klar, Putin handelt aus Machtlogik und imperialen Sicherheitsinteressen heraus, aber damit wäre er ja in dem Gesamtkonstrukt völlig austauschbar.

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