Ökonom Moritz Schularick (Kiel Institut für Weltwirtschaft)


  • Ich war am 29. August 2024 zu Gast auf der "Utopie-Konferenz" der Leuphana-Universität in Lüneburg. Ich wurde eingeladen ein Gespräch mit dem Ökonomen Moritz Schularick zu führen. Moritz ist seit 2023 Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Ich bekam für den Talk kein Honorar. Stattdessen veröffentlichen wir das Gespräch nun in voller Länge mit Genehmigung der Uni. Viel Spaß.


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  • Den nominellen Wert, wohlgemerkt: Immobilienpreise sind gestiegen, u.a. durch eine Verknappung des Angebots. Der Nutzwert bleibt natürlich der gleiche: Man kocht und pennt in der Bude.

    Du musst das profitorientierter sehen, wenn Du verstehen willst welcher - bzw wessen - Wohlstand damit gefördert wird. Wenn der Wert der Immobilie steigt, bleiben z.B. die Zinsen für die Abzahlung des Kredites niedrig, den man aufnehmen musste, um sie zu kaufen.


    Wenn die gute Betongoldanlage dann auch noch zu stetig - natürlich im Rahmen des bürgerlichen Gesetzbuches - zu erhöhendem Mietzins vermietet, anstatt einfach nur doof selbst bewohnt wird, dann ist das Eigentum ruck-zuck fertig refinanziert, und andere Leute müssen dafür arbeiten (Pro-Tipp: wenn die Wohung "möbliert" ist, gilt die Mietpreisbremse nicht!).


    Ist die Bude dann fertig abbezahlt, kann sie bei steigendem Wert auch wieder besser und billiger als Sicherheit für z.B. einen weiteren Hypothekenkredit dienen, mit dem man sich dann als tüchtiger Kleinsparer das nächste Objekt kauft, und ebenfalls so teuer vermietet, wie es gerade noch erlaubt ist. :)

  • Ja aber was soll es den fleissigen deutschen Kleinsparer denn interessieren, dass "das Ding" nach 10 Jahren viermal so viel Wert ist, wenn er einfach nur selbst darin wohnen will?


    Du brauchst schon das richtige, wettbewerbs- und erfolgsorientierte Mindset eines echten deutschen Ökonomen, um zu erkennen, dass viermal so viel Eigentumswert eben auch viermal soviel Kapitalanlage und viermal soviel profitables Verwertungspotenzial bedeutet - und sei es nur für die Bank, bei der Du Deinen Kredit abstotterst und Zinsen dafür zahlst, dass sie im Grundbuch als Gläubiger eingetragen ist.

  • Tilo

    Hat den Titel des Themas von „Ökonom Moritz Schularik (Kiel Institut für Weltwirtschaft)“ zu „Ökonom Moritz Schularick (Kiel Institut für Weltwirtschaft)“ geändert.
  • Man kann nur hoffen, dass auf der „Utopie-Konferenz“ zum Thema „VERTRAUEN – EINE UTOPISCHE PRAXIS?“ auch Veranstaltungen mit wirklich zukunftsweisenden Ideen der Teilnehmenden stattgefunden haben. Dieses Gespräch erfüllte den Anspruch jedenfalls nicht, was aber nicht an Tilo lag, der gut vorbereitet argumentierte.


    Aber was macht es für einen Ökonomen so schwer begreifbar, dass Geld für Rüstungsausgaben zwangsläufig für alle anderen Bereiche des Staates fehlt. Und je mehr Geld für Rüstung ausgegeben wird, umso mehr Geld fehlt dann in den anderen Bereichen.


    Nachhaltigkeitsziele kann man mit Aufrüstung und Militarisierung natürlich auch nicht erreichen. Und Umverteilung findet bei Aufrüstung von unten nach oben statt, Steuergelder verwandeln sich in Dividende für Aktionäre. Also verschärfen sich die bestehenden Krisen. Ein Weg zur Vertrauensbildung ist das jedenfalls nicht. Im Gegenteil, national und international schreitet der Vertrauensverlust mit großen Schritten voran. Konfrontation statt Kooperation ist angesagt - Transformation pervers.


    Deutlich näher an eine Utopie und mit begründetem Widerspruch zum Wachstumsfetisch kommt da der Dissens-Podcast #312 „Ökologische Planung als kollektive Rückeroberung der Zukunft“ mit Matthias Schmelzer von der Europa-Universität Flensburg über Degrowth und Planung:

    https://podcast.dissenspodcast.de/312-degrowth

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