Kapitalismus

  • Gerade noch was über die Stahlbarone in der Frühindustrialisierung gesehen, die haben selbst Wohnungen und Krankenhäuser für Arbeiter gebaut ... komisch, damals konnte man das noch, heute ist außer Space-Selfies vom Boss nichts mehr zu haben : )




    Wer günstig leben will, muss dreimal täglich beten


    Jakob Fugger, genannt „der Reiche“, begann vor 500 Jahren den Bau von Wohnungen für Arme. Im Kern seines Engagements stand nicht der Mietzins, sondern sein Seelenheil und das seiner Angehörigen.

  • Gerade noch was über die Stahlbarone in der Frühindustrialisierung gesehen, die haben selbst Wohnungen und Krankenhäuser für Arbeiter gebaut ... komisch, damals konnte man

    Wenn ich als Linker mit Konservativen alter Schule spreche spüre ich, dass man da durchaus immer mal wieder unter dem Aspekt "Gemeinwohl" Konsenz finden kann, für beide Seiten durchaus überraschend. Da galt "wertekonservativ" auch durchaus wirklich noch diesen ominösen christlichen Werten.


    Etwas, das mittlerweile komplett aus der gesellschaflichen Wahrnehmung getilgt wurde: Das wir alle in dem gleichen Boot sitzen. Und wenn dieses kentert, weil eine Gruppe das Gleichgewicht verliert, dann saufen alle gemeinsam ab.


  • sollen sich die babies halt mal anstrengen und profitabler für den kapitalismus werden


  • sollen sich die babies halt mal anstrengen und profitabler für den kapitalismus werden

    Die Formulierung mit der Profitabilität ist irgendwie seltsam, aber vllt auch dem Englischen geschuldet?


    Anscheinend ist das wirkliche Problem quasi Monopol bzw Oligopol am Markt zusammen mit potenziell schrumpfendem Markt, also nicht weniger Kapitalismus und eigentlich sogar noch deutlicher herausstellbar das Kapitalismus, also vllt dann doch wieder mit Absicht so formuliert?!?


    https://fortune.com/2022/05/14…ortage-milk-monopoly-fda/


    das ganze führt dann halt zu dem daraus zu erwartenden Ergebnis. Wenn man Profit nicht durch Wachstum steigern kann, dann muss man es durch Einsparungen tun


    Zitat

    “If you can't grow your market share, then you look at how you can reduce costs,” says Penfield. “And sometimes when you reduce the costs, you may not have the right protocols or procedures in place to make sure that you're doing things properly.”


    “I’m not saying that's what Abbott Laboratories did,” he cautions. “But that would be an assumption of mine.”

  • Schönes Beispiel für nudging und kapitalistische Optimierungsprozesse


    Leserbrief zur Bierflaschen-Knappheit:


    ich arbeite bei einem Maschinenbauer für Abfüllanlagen. Der letzte Einsender hat Recht, Rückgabe von Pfandflaschen ändert nichts an der Anzahl an Neuglas das Produziert werden muss (außer evtl. im 1. Jahr). Auch gibt es die Meldung fast jedes Jahr in verschiedenen Zeitungen (mal Wasserflaschn, mal Bierflaschen).Im Winter gibt es die Meldungen übrigens nicht. Der Grund ist, dass der Bier-/Wasserkonsum nicht gleichmäßig ist. Im Sommer sind mehr Flaschen bei den Konsumenten, im Winter nehmen die Flaschen viel Lagerplatz ein. Wenn man den Konsumenten erziehen kann, die Flaschen (und Rahmen) im Sommer schnell zurück zu bringen, braucht man insgesamt weniger Flaschen (gebundens Kapital) und somit weniger Lagerplatz im Winter.
    Jeder Maschinenbauer für Abfüllanlagen versucht natürlich den Verschleiß der Flaschen bei der Abfüllung zu reduzieren. Das reduziert tatsächlich den Neuglasbedarf.
    Die Flaschen schaffen je nach Form und Anlage irgendwas zwischen 40 und 80 Umläufe. Daher haben sich die großen deutschen Brauereien abgestimmt und schleusen einen gewissen Anteil an neugls in die Abfüllung ein. Es wäre mathematischer Unsinn den Anteil langfristig zu reduzieren, wenn die Flaschen schneller zurück gegeben würden. Kurzfristig kann man es natürlich machen, um den gesamten Haushalt an Flaschen zu reduzieren.

    Der Grund für die Knappheit ist also mal wieder Profitmaximierung von Kapitalisten.

    https://blog.fefe.de/?ts=9c7bb419

  • Time to say goodbye : )


  • Kann man so sehen und sagen (noch!)



  • Ernten lohnt sich halt nicht. Dann lieber Nahrungsmittel vernichten.


    Die Welt ist kaputt.

  • https://www.businessinsider.co…ofits-supply-chain-2022-2


    In fact, a good number of the rising prices we're paying weren't strictly necessary at all


    During the last quarter of 2021, for example, Starbucks reported an eye-popping 31% increase in profits, and revenue increased for the quarter by almost 20% to just over $8 billion. On the same call that Starbucks announced those terrific numbers, the corporation also announced that it would raise its prices over the next year — probably more than once.



    The company blamed "supply-chain disruptions" and higher costs for labor for the price hikes, but Jake Johnson at media nonprofit Common Dreams said that they didn't mention one raise in particular: Starbucks CEO Kevin Johnson's pay increased by almost 40% last year to more than $20 million.


    It's not just Starbucks: Many American corporations see inflationary panic as an opportunity to boost their profits. The Wall Street Journal reported that Todd Kahn, the CEO of luxury fashion brand Coach, even admitted that his company's "rise in [prices] isn't really about inflation … it's about reducing discounting."


    Journalist Matt Stoller estimated that 60% of the price increases that ordinary Americans are paying are going directly to corporate profits, not to compensate for global supply issues or compensate for higher-priced goods.



    Sag bloß wir leben im Kapitalismus und die Pandemie und der Krieg werden als Vorwand benutzt, um Kohle zu machen? Irgendwie geht man in den USA viel offener mit Inflation und corporate greed um als in De, oder hat jemand einen ähnlichen Artikel für die Situation in De gefunden?

  • hat jemand einen ähnlichen Artikel für die Situation in De gefunden?

    Vielleicht nicht ganz ähnlich aber prinzipiell eng verwandt:

    Bitte nicht, liebe Konzerne

    Politiker glauben an die Verantwortung von renditegetriebenen Wohnungskonzernen. Während sie auf freiwilligen Verzicht hoffen, erhöhen diese die Mieten.


    1,7 Milliarden Euro Gewinn hat Deutschlands – und auch Berlins – größter Vermieter Vonovia im vergangenen Jahr erzielt. Das freute insbesondere die Aktionäre, die sich über eine Rekorddividende von insgesamt fast 1,3 Milliarden Euro freuen konnten. Umgerechnet auf die 565.000 Wohnungen, die der Konzern besitzt, zahlte je­de:r Mie­te­r:in monatlich 190 Euro direkt an die Aktionäre. Quasi zum Dank hat der Konzern nun Mieterhöhungen in Aussicht gestellt.

    Begründet hat Vonovia-Chef Rolf Buch das Vorhaben mit der Inflation. Liege diese „dauerhaft bei vier Prozent“ – momentan ist es etwa doppelt so viel – „müssen Mieten dementsprechend ansteigen“, so Buch. Angesichts dessen, dass die derzeit besonders erhöhten und preistreibenden Energiepreise aber direkt an die Mie­te­r:in­nen weitergereicht werden, genauso wie höhere Wartungskosten oder eventuell steigende Lohnkosten für Hausmeister:innen, also angesichts dessen, dass Vonovia selbst von der Inflation kaum betroffen ist, ist Buchs Aussage schlicht gelogen.

    Die Mieten müssen nicht wegen der Inflation steigen, sondern werden angehoben einzig aufgrund des Strebens des Konzerns nach Maximalprofit – wie es einem Börsenunternehmen inhärent ist. Man kann das mit einem Schulterzucken quittieren oder als Beweis dafür sehen, dass wichtige Lebensbereiche nicht dem Kapitalismus überlassen werden dürfen. Aber den Fakt, den sollte man akzeptieren.

    Große Teile der Politik tun das nicht – und hängen der Illusion an, man könne Aktienkonzerne durch freundliches Zureden dazu bewegen, freiwillig auf ihre Gewinne zu verzichten: Als sei ein gutes Herz an der Unternehmensspitze wichtiger als die Gewinnerwartungen der Aktionäre.[...]

  • Vielleicht nicht ganz ähnlich aber prinzipiell eng verwandt:

    Bitte nicht, liebe Konzerne

    Politiker glauben an die Verantwortung von renditegetriebenen Wohnungskonzernen. Während sie auf freiwilligen Verzicht hoffen, erhöhen diese die Mieten.

    Ich bin jetzt kein Experte, aber ich glaube der Satz


    "Umgerechnet auf die 565.000 Wohnungen, die der Konzern besitzt, zahlte je­de:r Mie­te­r:in monatlich 190 Euro direkt an die Aktionäre."


    ist nicht ganz korrekt, denn normalerweise werden Dividenengewinne mit 25-27% versteuert. Für die Mieter:innen macht das keinen Unterschied in der Rechnung, allerdings zahlen sie den Steuer-Anteil der 190€ direkt an den Staat und nicht direkt an die Aktionäre. Oder?

  • Vielleicht nicht ganz ähnlich aber prinzipiell eng verwandt:

    Bitte nicht, liebe Konzerne

    Politiker glauben an die Verantwortung von renditegetriebenen Wohnungskonzernen. Während sie auf freiwilligen Verzicht hoffen, erhöhen diese die Mieten.

    Ich wohne zur Miete in Berlin bei einer Person, die zwei Häuser besitzt und die diese Wohnungen selbst vermietet, also ohne Verwalter dazwischen. Ich habe mal eben überschlagen und ich würde sagen meine Vermieterin macht mindestens (eher mehr) so viel Gewinn pro Monat und Wohnung wie Vonovia. Wobei in der Rechnung 50% Ihrer Mieteinnahmen für z.B. Tilgung vorgesehen sind. Die Miete pro m³ ist auch ähnlich wie im Durchschnitt bei Vonovia.


    Wo ist da dann letztlich der Unterschied für Mieter? (also Großkonzern vs. Privatperson)


    Ich denke man sollte auch anmerken, dass die Erhöhung um die Inflationsrate schlicht illegal ist, da es klare staatliche maximale Erhöhungen gibt. Nur bei Indexmieten, gilt das nicht. Der Vonovia Chef kann also auf gar keinen Fall bei normalen Mietverträgen einfach jedes Jahr um 4% erhöhen, zumindest in Berlin ist es auf 15% bzw 10% und frühestens alle 3 Jahre gedeckelt.

  • Für die Mieter:innen macht das keinen Unterschied in der Rechnung, allerdings zahlen sie den Steuer-Anteil der 190€ direkt an den Staat und nicht direkt an die Aktionäre. Oder?

    Ich sag's mal so: Wo keine Kapitalerträge anfallen, muss auch keine Kapitalertragssteuer (bzw. Abgeltungssteuer-Pauschale von 25%) gezahlt werden. Für die MiterInnen ist es völlig wurst wohin ihre Kaufkraft verschwindet, während die Inflationsrate sich der 10%-Marke nähert.


    Der Vonovia Chef kann also auf gar keinen Fall bei normalen Mietverträgen einfach jedes Jahr um 4% erhöhen, zumindest in Berlin ist es auf 15% bzw 10% und frühestens alle 3 Jahre gedeckelt.

    Das ist vollkommen richtig. Mit Sicherheit werden die sich bei ihren Mieterhöhungen an die gesetzlichen regelungen halten. Deshalb ist Vonovia allerdings auch kein Kleinvermieter, sondern ein Börsennotierter DAX-Konzern. Wie bei jedem Konzern macht die Masse den Profit. Abgesehen davon ziehen solche Großvermieter den Leuten das Geld aber nicht nur über die Miete aus der Tasche, sondern auch über die Nebenkosten, indem sie selbst Tochterfirmen betreiben, die z.B. Hausmeisterdienste, Servicehotlines und Instandsetzungen anbieten, die dann wiederum auf die MieterInnen umlegbar sind.

    Da greift keine Mietpreisbremse und keine Millieuschutzverordnung. Wer gegen seine Nebekostenabrechnung Einspruch erheben will, muss im Ernstfall gegen einen Konzern Klage erheben, der sich eine Armee von Anwälten hält, die keine andere Aufgabe haben, als dafür zu sorgen, dass die Rendite stimmt.


    Hinzu kommt, dass die Konzerne ihre Dividenden z.T. auch aus reinen Bilanzgewinnen finanzieren. Dabei profitieren sie - grob vereinfacht - von horrenden Steigerungen der Bodenpreise, durch die das Konzernkapital - also die bebauten Grundstücke - von ganz alleine stetig an Marktwert gewinnt.

    Durch geschickte Bewertungsmodelle, können dann gegen diese "Werte" als Sicherheiten immer neue Kredite aufgenommen, und somit entweder Kapitalrendite ausgeschüttet werden, owohl die Mieten gar nicht angehoben wurden, oder im Zweifel wenig rentable Objekte mit Gewinn wieder verkauft werden - zum beispiel an die sPD das Land Berlin, welches letztes Jahr noch kurz vor der Wahl für ein paar Milliarden Euro ein fettes Paket maroder Plattenbausubstanz der Deutsche Wohnen kaufen "durfte" und dafür der Übernahme durch Vonovia zustimmte.


    Die Umrechnung der Aktiengewinne auf die einzelnen MieterInnen ist natürlich betriebswirtschaftlich nicht so ganz korrekt, aber sie drückt eben das Ausbeutugsverhältnis zwischen abhängig Wohnenden und WohnungseigentümerInnen in Geldwert aus.


    Viele "Kleinvermieter" (nicht alle) fallen dann eher damit auf, dass sie sich schlicht nicht an gesetzliche Regelungen halten und - in sehr vielen Fällen erfolgreich - darauf spekulieren, dass die MieterInnen auf extrem angespannten Wohnungsmärkten lieber die Füße still halten und zu viel zahlen, als es sich mit ihren Wohnungsgebern zu verscherzen.

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