#725 - Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk

  • Oder verwechselst nur Appetenz mit Aggression?


    Tut mir leid, aber ich bin zu ungebildet um zu wissen was "Appetenz" heißt und zu faul um es zu googeln.


    Naiv wie ich bin frage ich mich nur, was damit bezweckt werden soll, die Befassung anderer Leute mit einer Sache zu "hinterfragen" die man für gesellschaftlich so irrelevant hält, dass man der Meinung ist, sie sei eigentlich gar keiner Rede wert, und die Beschäftigung damit diene auch gar keinem höheren Zweck, denn dann wäre es ja - jedenfalls nach meiner perversen Logik - auch völlig egal ob sie irgendwo in einem Hinterhof des Internets vor zwei-drei Hanseln stattfindet oder nicht. :/


    Man kann natürlich auch einfach mal seinen Senf dazu geben und sich denken, die Hauptsache sei doch, dass etwas gesagt wurde, aber das wäre dann ja erst recht keiner größeren Sache zweckdienlich, und somit auch erst recht keines Kommentars von dritter Seite wert.


    Mir persönlich macht es jedenfalls einfach Spaß und es spendet mir als alternder Salonmarxist in einer im rechtsradikalen Niedergang begriffenen bürgerlichen Demokratie ein kleines bisschen schwachen Trost, mich über einen absoluten System- und Staatsräger lustig zu machen, der sich berufsmäßig recht erfolgreich darin eingerichtet hat, sich öffentlich(!) als großer Rebell und Nonkonformist zu produzieren, und der gleichzeitig u.a. auch ein gefeierter Sachbuchautor, Objekt einer SPIEGEL-Homestory, Freund von Ex-Bundespräsidenten und bekannten Ex-DDR-Dissidenten, Ostdeutschlandexperte einer ehemaligen Regierungspartei, bedeutender Zeithistoriker und gern gesehener Gast in anspruchsvollen Rundfunksendungen, Laienprediger in Martin Luthers Stammkirche, Festreden-auf-Karl-Marx-Geburtsagsfeiern-Halter, sowie Träger des Karl-Wilhelm-Fricke Preises ist (ich habe sicher einiges vergessen und bitte um Verzeihung dafür!). Ob das in den Augen anderer Leute irgendeiner guten Sache dient oder nicht ist mir dabei erst mal ziemlich egal.


    Ich freue mich natürlich darüber, wenn mein Geschwafel auch andere Leute anspricht, und ich nicht nur Selbstgespräche führe, wie so ein verwirrter alter Mann an der Straßenecke. Und wenn Euch nicht gefällt was ich hier schreibe, dann ist das natürlich sehr schade, aber daran, dass ihr es überhaupt zur Kenntnis nehmt und Euch dazu berufen fühlt, Euren Unmut darüber auszudrücken könnt wirklich nur ihr selbst etwas ändern. :)


  • Utan Also ich hab das, was Du seit Samstag hier geschrieben hast, gelesen und mich sehr amüsiert.

    Ich sehe das ähnlich: Anhand des Aufstieges einer solchen Figur, lassen sich durchaus Ableitungen auf den Medien- und Staatsapparat treffen. Gleichzeitig ist dieser Typ auch derart dünnhäutig, dass man davon ausgehen kann, dass er sich eines Tages quasi selbst demontiert.

    Dieser Thread ist als eine Art Glosse rund um einen B-Promi mit politischer Strahlkraft zu verstehen. Ich ärgere mich auch oft über seine Twixxe und Interviews, aber wundern kann ich mich nicht mehr. Der Typ ist ein einziger intellektueller Unfall. So einen haben sie als Figur im Film „Schtonk“ vergessen. Er ist der Teil, der unseren heutigen Medien- und Staatsapparat in eine Parodie kippen lässt.

  • Ich glaube dieser Plus-gesicherte Artikel ist von Kowalczuk geschrieben:


    https://www.spiegel.de/geschic…ad-473b-a9e5-0aeb1cfe53da


    Zitat

    Politische Polarisierung
    Wie sich Populismus bekämpfen lässt

    Autokratische Kräfte versuchen mit Lügen und hasserfüllter Rhetorik, die Demokratie in Deutschland zu unterwandern. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk beschreibt, welche Gegenmaßnahmen es gibt.


    Sie geben den Autor nicht direkt an, aber so verstehe ich den Anrisstext.


    Zitat

    Die berühmtesten Populisten der Weltgeschichte waren Hitler, Lenin und Stalin oder Mao. Ihr Weltbild, ihre Ideologie und ihr Handeln waren auf Erzählungen gegründet, die wir heute »Fake News« nennen.


    Bei Hitler war es unwissenschaftliche Rassenlehre bei den anderen drei die Lüge der Entfremdung der Arbeit im Kapitalismus oder wie?


    Weiter unten wird Rawls empfohlen - immerhin. (Der übrigens auch eine sozialistische Variante als möglichen Umsetzungsrahmen seiner Gerechtigkeitsgrundsätze gesehen hat. Einen Staat mit sozialistischer Planwirtschaft nicht, aber da liegt er natürlich falsch.)

  • Ich glaube dieser Plus-gesicherte Artikel ist von Kowalczuk geschrieben:


    https://www.spiegel.de/geschic…ad-473b-a9e5-0aeb1cfe53da

    Ein faszinierender Artikel, in dem der bedeutende deutsche Großhistoriker erneut mit gewohnter wissenschaftlicher Akribie nachweist, dass man dem in liberalen Kreisen letzterdings recht viel zitierten Diktum des Rechtsphilosophen und Carl Schmitt-Schülers Ernst-Wolfgag Böckenförde vom säkularen demokratischen Staat, der seine eigenen Voraussetzungen nicht garantieren könne, am Besten dadurch gerecht wird, dass man sich als wahrhafter Demokrat für die größtmögliche #Freiheit der StaatsbürgerInnen stark macht, ohne dabei diese ekelhaften populistischen Hassworte "Lohnarbeit", "Kapital" oder "Privateigentum" in den Mund zu nehmen!:thumbup:

  • Utan Also ich hab das, was Du seit Samstag hier geschrieben hast, gelesen und mich sehr amüsiert.

    Ich sehe das ähnlich: Anhand des Aufstieges einer solchen Figur, lassen sich durchaus Ableitungen auf den Medien- und Staatsapparat treffen. Gleichzeitig ist dieser Typ auch derart dünnhäutig, dass man davon ausgehen kann, dass er sich eines Tages quasi selbst demontiert.

    Dieser Thread ist als eine Art Glosse rund um einen B-Promi mit politischer Strahlkraft zu verstehen. Ich ärgere mich auch oft über seine Twixxe und Interviews, aber wundern kann ich mich nicht mehr. Der Typ ist ein einziger intellektueller Unfall. So einen haben sie als Figur im Film „Stonk“ vergessen. Er ist der Teil, der unseren heutigen Medien- und Staatsapparat in eine Parodie kippen lässt.

    hat jemand Schtonk! gesagt?

    kotze schtonk gibt es noch menschen mit geschmack 😊


    und zu ISK,der ist mir nichtmal polemik wert,ich kannte den vorm interview mit Tilo überhaupt nicht. 😀


  • Und weil es mir so egal ist, was Sie über mich denken, oder ob Sie das lesen, schreibe ich mit allergößter Gelassenheit diesen völlig uneitlen, wohl überlegeten, strukturierten und gar nicht affektiert und mit heller Empörung verfasst wirkenden Text ohne Absätze auf eine dicht gepackte Seite Din A 4 mit Times New Roman, Schriftgröße 10 und stelle ihn ins Internetz. :)


    Danke Ilko-Sascha!



    (Der ableistische Artikel ist gottseidank online nicht lesbar, und die Karikatur sieht ihm wirklich ü-ber-haupt-nicht ähnlich.)

  • Ich bin ja jetzt kein DDR-Historiker, aber wurden die Tarnnamen von inoffiziellen Mitarbeitern nicht nur intern für die Akten verwendet? Die Leute haben die doch nicht tatsächlich selbst benutzt, oder?

    Das habe mich ich auch direkt gefragt als ich es gelesen habe.


    Auf der Suche nach Informationen dazu bin ich dann im Wikipedia-Artikel "Inoffzieller Mitarbeiter" auf folgende interessante Passage gestoßen, die das zwar nicht klärt aber in einem Thread zum Preisgekrönten DDR-Historiker I.-S. Kowalzcuk nicht fehlen sollte:


    "Im Laufe seiner Existenz führte das MfS rund 624.000 Menschen als inoffizielle Mitarbeiter.[7] Ihre Zahl stieg im Kontext innergesellschaftlicher Krisen wie dem Aufstand vom 17. Juni 1953, dem Mauerbau oder der deutsch-deutschen Entspannungspolitik sprunghaft an. Mitte der 1970er Jahre erreichte das IM-Netz mit über 200.000 Mitarbeitern seine größte Ausdehnung.[7] Das Einführen einer veränderten IM-Richtlinie zum Ziel einer weiteren Professionalisierung führte Ende der 1970er Jahre zu einer leicht sinkenden Anzahl von inoffiziellen Mitarbeitern. Zuletzt beschäftigte das MfS noch 173.081 IMs (Stand: 31. Dezember 1988, ohne Hauptverwaltung A).[8] 2010 errechnete eine Studie von Helmut Müller-Enbergs für das Jahr 1989 die Zahl von 189.000 inoffiziellen Mitarbeitern.[9] Somit kam auf 89 DDR-Bürger ein IM. Der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk stellte diese Zahl 2013 in Frage, ohne jedoch eine andere Angabe zur Zahl der inoffiziellen Mitarbeiter zu machen. In Müller-Enbergs’ Hochrechnung seien aber Personen, die unter verschiedenen Decknamen und IM-Kategorien geführt wurden, mehrfach in die Statistik eingegangen. Ebenso habe das MfS viele Personen erfasst, die in der Praxis gar nicht berichtet hätten. Aus diesem Grund habe das MfS 1987 knapp 10.000 IM-Vorgänge als so genannte Karteileichen archiviert. Das MfS selbst habe die Zahl seiner IM 1988 intern mit 110.000 angegeben. Die Hochrechnung der inoffiziellen Mitarbeiter im Ausland stellte Kowalczuk in Frage.[10] Die IM-Zahlen Kowalczuks sind selbst umstritten, da seine Thesen keineswegs empirisch überzeugend fundiert sind. Auch gravierende methodische Fehler in seinen logischen und statistischen Schlussfolgerungen wurden bemängelt. Die Behauptungen Kowalczuks in der Presse, die Zahl der IMs sei nur halb so groß gewesen, wie bisher angenommen, seien unzutreffend und verharmlosend, da sie die massive Ausweitung der Informationsgewinnung des MfS gegen Ende der DDR, der fast jeder zweite DDR-Bürger zum Opfer fiel, nicht berücksichtigt.[11]

    Der Arbeitgeber von Kowalczuk, der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen (BStU), hat sich von den Zahlen Kowalczuks inzwischen „faktisch distanziert“. So stellte die Bundesregierung in einer kleinen Anfrage 2013 klar. Der BStU rechne nach wie vor, wie von Müller-Enbergs errechnet, mit einer Gesamtzahl von 189.000 IM, denen die IMK und GMS zugeschlagen werden. Darin enthalten sind nach BStU-Angaben 3000 bis 3500 inoffizielle Mitarbeitern des MfS, die in die Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) wirkten, davon berechnete 1550 von der Hauptverwaltung A. Es ist allerdings seit Bestehen der Stasi-Unterlagenbehörde immer wieder darauf hingewiesen worden, dass IM nicht gleich IM ist, und dass sehr genau der Einzelfall geprüft werden muss, um die individuelle Verantwortlichkeit oder gar Schuld einer Einzelperson zu beurteilen.[12] Die Einzelfalldifferenzierung gilt sowohl für die Überprüfung des öffentlichen Dienstes wie für die Forschung. Die Überprüfungspraxis und IM-Forschung ist aber wesentlich differenzierter, als von manchen behauptet worden ist.[13] Die Debatte um die Zahlen hat mit der Klarstellung des BStU und dem Verweis auf die Solidität der Zahl von 189.000 IM eine gewisse Beruhigung erfahren."

    ________________________________________


    Jetzt würde ich sagen, allein der Umstand, dass Kowalzcuks Kritik auch von der zuständigcen BRD-Staatsbehörde als nicht fundiert abgetan wurde, beweist natürlich nicht, dass sie das auch tatsächlich nicht war. Immerhin haben der deutsche Staat und prominente Leiterinnen dieser Behörde wie etwa der Kowalzcuk-Freund, Ex-"Dissident" und Ex-Bundespräsidialprediger Joachim Gauck - ein nachhaltiges Interesse daran, die DDR in einer Form abzuwickeln und zu vergangenheitsbewältigen, die ganz unmissverständlich klar macht, wie gemein das SED-Regime "fast jede[n] zweite[n] Staatsbürger" der DDR bespitzelt habe um das Volk zu freiheitsfeindlichem Kommunismus zu zwingen.

    Andererseits könnte man mit fast dem selben Argument auch unterstellen, dass der staatstragende Ostdeutschlandexperte und Agitator der freien demokratischen Marktwirtschaft Kowalczuk seinerseits ein großes Interesse daran habe, die DDR als möglichst volksfeindliche, brutale (marxistisch-)leninistische Diktatur darzustellen, deren gepeinigte (aber insgeheim, genau wie er selbst, absolut freiheitsliebende) BürgerInnen sich in großer Zahl - trotz, und gerade wegen des allgegenwärtigen Konformitätsdruckes - nicht mit dem Regime gemein machen wollten, und dass es ihm dazu gerade recht gewesen sei, die Zahl der inoffiziellen Mitarbeiter des staatlichen Spitzelvereins geringer zu beziffern, als der Ex-Leiter der Spionageabwehr beim Bundesamt für Verfassungsschutz Müller-Enbergs es mit seiner von Kowalzcuk kritisierten Studie ausgerechnet hatte.

  • P.s.:

    Neue Studie zu DDR-Spitzeln - Die schlanke Stasi

    War der Überwachungsapparat der DDR kleiner als angenommen? Eine neue Studie stellt die hohe Zahl von Spitzeln in Frage - diese habe auf teils abenteuerlichen Rechnungen basiert. Auch das Bild des Stasi-Offiziers wird relativiert: Die Überwacher wurden selbst genauestens beobachtet.


  • Etwas missverständlich ist das aber schon, lieber Ilkosascha. Man könnte fast meinen, Du plädiertest dafür, dass Politiker*innen hierzulande auch Geld für Kremlpropaganda erhalten sollten.


    Aber zum Glück kennen wir Dich ja als strammen Antifaschisten und Aufständischen wider das SED-Regime und seine Geheime Staatssicherheitspolizei, dem nichts mehr zuwider ist als Denunzianten, die sich dafür stark machen, anderen Leuten aus politischen Gründen das Maul zu verbieten und sie zu drakonischen Strafen zu verurteilen.

  • Das ist doch egal. Wenn es unserem besten Staatshistoriker nicht gefällt, dann war es vermutlich gegen die #Freiheit und das ist nicht zu tolerieren!!!

    Da er ja nichts unter der Erhängung Putins in Den Haag und die Zerschlagung der russischen Nation akzeptiert, muss es ja nicht einmal auf unsere breitere Zustimmung hier treffen....

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