#703 - China-Expertin Susanne Weigelin-Schwiedrzik

  • Donnerstag (2. Mai), ab 15 Uhr, LIVE



    Zu Gast im Studio: Sinologin Susanne Weigelin-Schwiedrzik. Ihre Hauptforschungsbereiche sind chinesische Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts, chinesische und ostasiatische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, zeitgenössischer chinesischer Diskurs über die Große Chinesische Hungersnot und die Kulturrevolution, sowie zeitgenössische chinesische Politik, insbesondere zu Fragen der Beziehung von Staat und Gesellschaft sowie von Zentrale und Peripherie in den Politikbereichen öffentliche Gesundheit, Minderheitenfragen, Urbanisierung und Umwelt.


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  • Vielen Dank für diese Interview!

    Das Deiecksmodell darf man vermutlich nicht überstrapazieren, aber gerade globale Machtpolitik ist ein grober Klotz, da schadet ein grober Keil zum Zwecke des Überblicks nicht. Das Herunterskalieren auf kleinere Regionen ist eine interessante Auffassung der Multipolarität (immernoch ein Begriff der sich nicht soweit gesetzt hat, dass man leider jedem der ihn verwendet eine Definition abnötigen muss), wobei man da bei den Grenzziehungen und Auswahl der Eckpunkte schon viel Kopfzerbrechen haben kann.

    Es hätten noch ruhig zwei Stunden historisches China Thema sein können, dann wäre auch der Begriff des unwürdigen Diktators nicht ganz so überraschend gewesen. Aber vielleicht hat Frau Weigelin-Schwiedrzik nochmal Zeit für uns.

  • Endlich mal eine deutsche Expertin, die es schafft sich mit einer anderen Kultur zu befassen, ohne sie permament an den Maßstäben der westlichen Kultur und deren offenbar in moralisierenden Dauerschleifen gefangenem Kulturchauvinismus zu messen. Sehr gut.

  • Ihre Analyse zur Konstellation USA - Süd Korea - Nord Korea - China war enorm interessant. Deutschland wäre vermutlich immer noch nicht geeint, wäre die Sowjetunion nicht kollabiert.

    10-- 1-01 10=- 1-00 1--2 10=0 1-2= 1-01 10=0 1-01 1-20 10=1 10=2 10=1 1-10 10=0 10=1 1-00 1-21 1-21 1-02

  • Jo. Zukunft mit China geht halt nicht, weil der Boss, die USA was dagegen hat. Und die machen eher den dritten Weltkrieg als das etwas passiert, dass nicht ihren Interessen entspricht.

    Wenn du nach diesem Interview nur diesen zwanghaft anmutenden Antiamerikanismus ablassen kannst, dann kümmer dich doch wieder um Quantenmechanik, da sind die "si tacuisses, philosophus mansisses"-Fettnäpfchen weniger offensichtlich.

  • Wenn du nach diesem Interview nur diesen zwanghaft anmutenden Antiamerikanismus ablassen kannst, dann kümmer dich doch wieder um Quantenmechanik, da sind die "si tacuisses, philosophus mansisses"-Fettnäpfchen weniger offensichtlich.

    Hast wohl vergessen, das Adam Tooze Interview zu schauen, Herr Oberfeldwebel🫡


    Zu dem Begriff "Antiamerikanismus": Der ist aus der US-Propagandaschmiede, mit dem Dissidenten diskreditiert werden. Auch interessant, dass bisher in der Geschichte nur autoritäre Staaten oder Militärdiktaturen Begriffe mit Name des Landes + ismus benutzt haben. Z. B. war es das schlimmste Verbrechen in der Soviet-Union, wenn du Antisoviet warst.


    Das wichtigste für dich war aber der Spruch auf latein😅, oder?

  • Ich les gerade wieder von Chomsky "Wirtschaft und Gewalt", im Grunde die Geschichte der USA und ihrem semi-imperialismus und offenen Klassenkampf gegen alles, was den Anschein von Sozialismus und Alternativen zum Kapitalismus und ihrem Weltbild hat.


    Wir sollte doch mal ehrlich sein, wenn die USA kein Interesse hat an den Transformationen, die wir dringend für eine nachhaltige und friedliche Zukunft brauchen, egal in welchem Bereich, ob in der Wirtschaft, Geopolitik oder Klimawandel, dann wird es sehr schwierig, was davon umzusetzen. Was den Klimawandel angeht: In den USA gibt es mit den ESG Standards für Investoren wenigstens den minimalsten Versuch in Projekte zu investieren, die nicht unsere Zukunft zerstören. Und was ist damit? Die Republikaner bestrafen Unternehmen, die in ESG investieren wollen. Die Unterlaufen jeden Versuch wenigstens ein bisschen vom jahrzehnte langen status-quo abzuweichen und vielleicht mal Ansätze von einer Wirtschaft aufzubauen, in der nicht share-holder-value das oberste Ziel ist. Es muss ja nicht sofort Sozialismus sein.

    Das gleiche mit Geopolitik. Adam Tooze hat schon gemeint, es gäbe für ihn keinen einzigen möglichen Weg, der nicht zu einem Krieg mit China führt. Jedenfalls nicht wenn die USA sich nicht grundlegend in ihrer Außenpolitik ändert. Mit Russland und der Ukraine das gleiche.

    Wo soll das hinführen? Die USA hat zwar Macht verloren, aber nach wie vor ist sie die größte Militärmacht des Planeten. Und da sitzen Leute in der Regierung, die geisteskrank sind.


    Zu was die Fähig sind:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Madman-Theorie?wprov=sfla1


    Was wenn die wieder sowas abziehen?

    Und einfach zu sagen, das sei "anti-amerikanismus" ist doch lächerlich und zeugt von nicht viel Ahnung davon, was eigentlich auf dem Spiel steht. Das liegt aber auch daran, dass wir es schon als normal ansehen, wenn alles den Bach runter geht. Wir beschweren uns schon gar nicht mehr. Was sind das für verrückte Standards mit denen wir leben wollen?


    Russland und China sind bestimmt keine Unschuldslämmer. Aber es wurden Jahrzehnte an möglichen diplomatischen Beziehungen und Aufbau von gegenseitigem Vertrauen und Entwicklung mit diesen Ländern zu nichte gemacht. Als ob man mit Gewalt schonmal etwas erreicht hätte. Das geht einfach alles insgesamt in die falsche Richtung, egal in welchem Bereich.

  • Ich habe mir den Teil mit dem Dreiecksmodell mal ein bisschen angesehen und das ist eher fragwürdig. Angefangen damit, dass Russland aus Sicht der USA bis vor kurzem überhaupt nicht als relevant genug angesehen wurde, um eine Ecke in einem Mächtedreieck darzustellen. Im Prinzip erst dadurch, dass der Westen Schwächen im Ukrainekrieg zeigt, hat es an Relevanz zurückgewonnen. Und dabei muss man in Rechnung ziehen, dass diese Relevanz in den USA immer noch als deutlich geringer wahrgenommen wird, als hier in Europa. Dann dass Putin aus dem Motiv das Dreieck zu erhalten in den ukrainischen Bürgerkrieg eingegriffen hat und nicht etwa weil ihm die Defacto-NATO-Integration zu weit ging, halte ich für völlig abwegig.


    Ich würde auch sagen die Analyse setzt zu sehr auf das chinesisch-sowjetische Zerwürfnis. Das ist allerdings sehr typisch im Westen. Lange nachdem die Wiederannäherung in den 1970ern längst auf dem Weg war, galt dieser Antagonismus als ewige Konstante. Werden aktuell potentielle Konflikte zwischen Russland und China durch ihre unerklärte Allianz gegen den Westen sublimiert? Kann sicherlich sein, aber die Überschneidung bei den Interessen ist so groß, dass solche Konflikte vermutlich begrenzt blieben.

  • Einfach großartig - eine Entdeckung. Ich hab mir das Buch sofort bestellt - (tu ich eher selten).

    Sachverstand, Kritisch ohne Moralin und dazu noch wortgewandt und von schöner Sprache.

    Ich war von Anfang bis Ende bebannt.


    Und: ein richtig unparteiischer Tilo - sehr schön - wäre schön, wir hätten wieder mehr davon.

    Einzig die Frage nach der Freundin in China war absolut unpassend - doch Weigelin hat ja prächtig parriert, aber schön wird's nicht für sie gewesen zu sein.

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