#609 - Beachvolleyballerin Karla Borger ("Athleten Deutschland e.V.")

  • Freitag (18. November), ab 16 Uhr LIVE



    Zu Gast im Studio: Beachvolleyballerin Karla Borger. Sie gewann die Universiade und wurde 2013 Vize-Weltmeisterin. 2014 und 2019 wurde sie deutsche Meisterin. 2016 und 2021 nahm sie an den Olympischen Spielen teil. Seit dem 30. Oktober 2021 ist Borger Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland e.V., der sich für die Rechte, den Schutz und die Perspektive von deutschen Kaderathleten einsetzt.


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  • Als begeistertem Amateursportler stellen sich mir einige Fragen:


    Warum sollte Leistungssport eigentlich gesellschaftlich (im Sinne von durch Steuergelder) getragen (finanziert) werden?

    • gesundheitlich ist dieser für die Athleten selbst alles andere als gut
    • die Strukturen verschlingen eine Menge Geld, die im Breitensport fehlt (und natürlich ist "man sollte beide gut finanzieren" kein Argument, in Zeiten der schwarzen Null schon gleich gar nicht)
    • welches Vorbild (da ich davon ausgehe, dass das als Argument kommt) sind Leistungssportler, die man vielleicht ein Mal im Jahr in einem Sportschauschnipsel ein paar Sekunden sieht und Vorbild wofür überhaupt?
    • Leistungssport ist fast ausschließlich eine Beschäftigung, der man maximal eine handvoll Jahre nachgehen kann, danach gibt es dann für viele Weiterbeschäftigung bei Polizei, BGS, Militär, also im Staatsdienst - das sehe ich kritisch
    • gerade Olympiaden und vergleichbares befeuern Nationalismus, warum soll ich mich über Leistungen deutscher Sportler freuen?
    • Warum sind eigentlich alle großen Sportdachorganisationen korrupte Geldsammelstellen?
    • Was ist überhaupt der Beitrag des Sports zur Kultur eines Landes? Auch heute kennt jeder noch Beethoven, Bach und Schubert, aber auch Dürer, Richter und Cranach oder Goethe, Schiller und Lenz, weil deren Werke die Zeit überdauern und auch immer wieder neu erschlossen werden können? Wer kennt den deutschen Meister im wasweißich Ringen z. B. aus irgendeinem Jahr?

    Einiges davon wird im Interview selbst vermutlich eh angesprochen werden, aber vielleicht bleibt ja etwas offen.

  • 1. Was hält Karla von dem Vorschlag, die Wettkampf-Einteilung Männer/Frauen durch eine Einteilung nach anderen körperlichen Parametern (Größe, Gewicht, BMI, Muskelanteil, ... ich bin kein Arzt) zu ersetzen?

    Das wird ja beim Boxen teilweise auch gemacht, siehe Gewichtsklassen.


    2. Gibt es Bestrebungen um ein europäisches Kadersystem, statt Nationalkadern?


    3. Schill-Latour (Wie) Wehrt man sich dagegen, ein politisches/nationales Aushängeschild zu sein?

    Myrddin


    Wenn wir uns alle ein wenig mehr Mühe geben, wird das schon.

    Oder?

    • Also wer als Leistungssportler ernsthaft was davon erzählt, Doping brächte in seinem Sport nichts, der stellt sich absichtlich dumm oder hat keine Ahnung. Für ahnungslos halte ich sie nach diesem Interview definitiv nicht.
    • Und danke an Hans für das Stellen einiger meiner Fragen, bringt aber auch nicht wirklich was, wenn sie dann keine davon beantwortet.
  • fruchtoase

    Naja, vielleicht meinte sie es so:

    Doping bringt wenig bis nichts, im Vergleich zu den ganzen anderen Faktoren, die gerade bei Team-Sportarten relevant sind, also z. B. Spiel-Strategien (jenseits von individueller Kraft-Einteilung) zu erkennen und umzusetzen.

    Myrddin


    Wenn wir uns alle ein wenig mehr Mühe geben, wird das schon.

    Oder?

  • Es gibt einige Sportarten (wie Fahrradfahren) die eben prädestiniert sind für Doping, dass ja immer eine körperliche Eigenschaft auf Kosten anderer fördert (z.B. Kraft auf Kosten der Ausdauer, oder umgekehrt). Da gehört Volleyball nicht dazu. Ausdauer und Kraft machen ab einem bestimmten Niveau nicht mehr so viel aus. Da reicht es gut trainiert zu sein um ein Spiel durchzustehen, über den Sieg entscheidet dann Können und Psyche.


    Ausserdem muss man den Nutzen zum Aufwand des "nicht erwischt werdens" sehen.


    Alles in allem ist es nicht unglaubwürdig, dass im Volleyball Doping einfach zu wenig Vorteile im Verhältnis zum Aufwand verspricht.

  • fruchtoase

    Naja, vielleicht meinte sie es so:

    Doping bringt wenig bis nichts, im Vergleich zu den ganzen anderen Faktoren, die gerade bei Team-Sportarten relevant sind, also z. B. Spiel-Strategien (jenseits von individueller Kraft-Einteilung) zu erkennen und umzusetzen.

    Ist halt trotzdem Quatsch.

    Doping (bzw. gewisse Formen des Dopings, es gibt ja da diverse Ansätze und Zielorientierungen) kann dafür sorgen, dass die Erholungsphasen kürzer werden, das heißt, man kann schneller wieder trainieren (Superkompensation). Wer jahrelang in Auswahlkadern trainiert hat, der weiß das.

    Und das ist abseits all der anderen leistungssteigernden Mittel, die es zum Muskelwachstum usw. gibt.

    Wer behauptet, in seinem Sport, der auf körperlicher Leistung beruht, brächte Doping nichts, ist entweder dumm oder will einen für dumm verkaufen. Ich hatte nicht den Eindruck, dass ersteres auf sie zutraf.

    Und nur für die, die da so gar keinen Einblick haben: Doping heißt nicht, man müsse dann weniger trainieren. Doping heißt, gezielte Trainingssteuerung ist noch effektiver.


    Ich kann natürlich den Ansatz, sich so weit wie möglich von Doping zu distanzieren, weil das (auch und vor allem im Sinne der Sponsoren) schlechte Publicity bedeutet, verstehen. Wenn das ihre Motivation sein sollte, ist die Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, die sie im Sport(business) von anderen bzw. den Strukturen verlangt aber auch nicht ganz so...

  • Es gibt einige Sportarten (wie Fahrradfahren) die eben prädestiniert sind für Doping, dass ja immer eine körperliche Eigenschaft auf Kosten anderer fördert (z.B. Kraft auf Kosten der Ausdauer, oder umgekehrt). Da gehört Volleyball nicht dazu. Ausdauer und Kraft machen ab einem bestimmten Niveau nicht mehr so viel aus. Da reicht es gut trainiert zu sein um ein Spiel durchzustehen, über den Sieg entscheidet dann Können und Psyche.


    Ausserdem muss man den Nutzen zum Aufwand des "nicht erwischt werdens" sehen.


    Alles in allem ist es nicht unglaubwürdig, dass im Volleyball Doping einfach zu wenig Vorteile im Verhältnis zum Aufwand verspricht.

    Hört man immer wieder, solche Argumentation.

    Meist halt (no offence) von Leuten, die vom Thema keine Ahnung haben.

    Ausgerechnet bei einer Beachvolleyballerin so zu argumentieren...

    Vielleicht einfach selbst mal versuchen, aus weichem Sandboden bis über die Netzkante zu springen (über mehrere Sätze, idR mehrere Spiele am Tag und evtl. mehrer Tage am Stück bei Turnieren), dann reden wir nochmal drüber. ;)

    Zum "Können" gehört halt fundamental die physische Basis. Ohne die Leistungsfähigkeit des Körpers, macht die Psyche einen Scheiß.

    (Was natürlich die psychische Komponente in jeglichem Wettkampf nicht kleinreden will.)

  • Im Vergleich zu den Anforderungen eines Tour de France Fahrers, eines Gewichthebers oder eines Fussballers ist das pipifax was die Athletik angeht. Das kann man LOCKER mit normalen Training so hinkriegen dass mehr Physys keine großen Auswirkungen auf das Ergebnis des Spiels hat.


    aber ja, die Erholungsphase würde eine Rolle spielen, das hat sie aber auch gesagt.

  • Wenn wir verloren haben dann weil die Ballannahme nicht gut genug war, das Timing beim Block nicht stimmte oder die Pässe und Angriffe nicht gut genug platziert waren. Nicht weil wir dem Ball nicht mehr hinterherkamen. Selbst im Amateurbereich waren alle fit genug, dass Erschöpfung so gut wie keine Rolle spielte.

  • Ich hab schon Beachvolleyballturniere gespielt. Danke.

    Aha.
    Und auf welchem Niveau?
    Wir reden hier von einer Olypiateilnehmerin, die sich mit den Besten der ganzen Welt misst.

    Im Vergleich zu den Anforderungen eines Tour de France Fahrers, eines Gewichthebers oder eines Fussballers ist das pipifax was die Athletik angeht. Das kann man LOCKER mit normalen Training so hinkriegen dass mehr Physys keine großen Auswirkungen auf das Ergebnis des Spiels hat.


    aber ja, die Erholungsphase würde eine Rolle spielen, das hat sie aber auch gesagt.

    LOCKER

    Wie sie uns ja im Interview berichtet hat.

    Weil das alles so locker hinzubekommen ist, kommt sie kaum zum Schlafen.


    Die Erholungsphase spielt in der Leistungsarithmetik mindestens eine so große Rolle, wie das Training selbst. Das nur mal so als Info.


    Sorry, aber wenn Du keine Ahnung vom Thema hast, dann muss man sich dazu auch nicht auslassen.

  • Wenn wir verloren haben dann weil die Ballannahme nicht gut genug war, das Timing beim Block nicht stimmte oder die Pässe und Angriffe nicht gut genug platziert waren. Nicht weil wir dem Ball nicht mehr hinterherkamen. Selbst im Amateurbereich waren alle fit genug, dass Erschöpfung so gut wie keine Rolle spielte.

    Du hast es einfach nicht verstanden...

    Mit (gewissem) Doping kann man öfter trainieren.

    Und was könnte man da so z. B. trainieren? Vielleicht den Block, die Pässe oder die Angriffe?

    ...

    Mal ganz davon abgesehen, dass die Qualität der genannten Sachen massiv nachlässt bei körperlicher Erschöpfung (u. A. weil man sich nicht mehr ideal zum Ball stellt, den einen Schritt extra nicht mehr geht, um den Folgespielzug ideal ausführen zu können oder schlicht, weil mit körperlicher Erschöpfung auch die Konzentration einfach nachlässt usw.).

  • fruchtoase

    Ich mag nicht, wie du in drei Beiträgen hintereinander auf sehr rüpelhafte Weise unterstellst, dass jemand keine Ahnung hat und deswegen am besten den Mund halten sollte.

    Du magst in Sachfragen Recht haben, und wenn es 'dein' Sport ist, verstehe ich auch dein erhitztes Gemüt.

    Das kann man aber sachlicher und höflicher vorbringen.


    Und jetzt sagst du mir vielleicht: "Mimimi ..." - aber ich bin in diesem Forum (und nicht bei Twitter), weil ich die sachliche Debatte schätze und würde das gerne so beibehalten.


    Dankeschön.:thumbup:

    Myrddin


    Wenn wir uns alle ein wenig mehr Mühe geben, wird das schon.

    Oder?

  • Ich hätte den Ton nicht so gewählt, wie ich ihn gewählt habe, wenn dieser Unsinn nicht seit Jahrzehnten schon von denen erzählt worden wäre, die, wie ich bereits mehrfach sagte, entweder keine Ahnung haben oder sich wissentlich naiv geben.


    Und Volleyball ist nichteinmal mein Sport, auch wenn ich es ein Mal die Woche spiele.


    Aber an der Stelle wird eben auch deutlich, warum ich mit einem anderen Aspekt ebenso nicht glücklich bin, den sie als Antwort auf eine meiner Fragen ansprach: Leistungs- und Amateursport wären eng verbunden, meinte sie. Das ist natürlich ebenso völliger Käse. Amateursport hat mal so rein gar nichts mit Leistungssport zu tun. Das wird, wie sie an anderer Stelle ja durchaus richtig ansprach, in frühester Jugend schon rigide getrennt und auf der einen Seite ist der Sport dann Freizeitgestaltung, auf der anderen Seite quasi einziger Lebenszweck, ansonsten bringt man es international (und selbst national, wenn es nicht eine absolute Randsportart ist) einfach nicht weit. So ehrlich sollte man sich dann doch machen, aber gut, dann hätte sie meine Fragen vielleicht auch differenzierter beantworten müssen.


    Ich will hier sicher niemandem auf die Füße treten, aber ich lasse mich eben auch ungern für dumm verkaufen. Wenn das im Ton zu viel des Schlechten war, dann bitte ich an der Stelle um Entschuldigung, bleibe in der Sache aber bei meinen Aussagen.

  • Also wenn meine talentierten Fußballkameraden damals im Alter von 9 Jahren 3x die Woche nach Leverkusen gefahren wurden (aus der Eifel, 2 Stunden fahrt in toto), dann hatte das nicht mehr viel mit Hobby zu tun. Und nun sprechen wir hier von Kindern- die Leistungskurve steigt da innerhalb weniger Jahre rapide an. Ich habe nur vage Berührungen mit Profisportlern gehabt, aber das hat wirklich nur noch begrenzt etwas mit Spaß zu tun wenn man es drauf anlegt. Ist schon lustig, wenn selbst als ordentlich gebauter Typ Marke Ü100kg einfach so von einem 1,73 großen Rugbyspieler umarmt wird und wie ein Blumenstraße durch die Gegend getragen wird. Ich kenn nur eine handvoll Leute persönlich, die mal "höher" gespielt/trainiert haben und noch einer davon ist im Profisport aktiv. Ein paar von denen waren extrem talentiert, nur hatte sie ein bisschen zu viel Interesse daran, sich auch den anderen Sachen im Leben hinzugeben (und so etwas in der Jugend). Der andere ist vermutlich der krasseste Workaholic, den ich kenne. In seiner Trainertätigkeit ist der damals nachts aufgewacht und hat dann noch die Aufstellung und Taktik angepasst, weil ihm was im Traum eingefallen ist. Der denkt 24/7 an den Blödsinn. Wieder ein anderer hat es irgendwie nicht geschafft, sein Chemiestudium zu regeln und zeitgleich in der Bundesauswahl für Langläufer mitzuhalten. Leute, die 'nen Halbmarathon unter 1;15 laufen sind sowieso keine seriösen Menschen für mich, das ist einfach bekloppt.


    Und in den 90ern mag ein Mario Basler noch ein Phänomen gewesen sein, aber schon Anfang der 2000er hat sich angedeutet, das dieser Typ Fußballer (mit Talent gesegnet war er ja und Ehrgeiz im Spiel selbst hatte er auch) ausstirbt. Die Top-BuLispieler laufen dir teilweise mit über 35 km/h über den Platz. Da kann Mario Basler noch so viel Talent haben, der kommt einfach nicht an die Kugel. Vor allem nicht in den letzten 20 Minuten. Physis ist einfach unglaublich wichtig. Selbst im Snooker sterben langsam die beleibteren Spieler aus...

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