#602 - Ökonomin Isabella Weber

  • Vielleicht ist aber auch ganz gut, dass wir hier nicht ganz so hemdsärmlig sind und erstmal Fragen, gibt es Einwände oder Abweichung von bisherigen Prinzipien. Bevor wir machen, fragen, ist es der Sache angemessen jetzt von diesen Prinzipien abzuweichen oder werden da unangenehme Präzedenzfälle geschaffen, werden die Prinzipien da so verändert, dass es einem später auf die Füße fällt.


    Einfach mal machen, weil man etwas für notwendig hält und sich davon Vorteile verspricht und dann erst hinter her gucken ob das denn dann wirklich so ist, ist ja überall das Prinzip in den USA. Bei Zulassung von Produkten durch Firmen Vorsorgeprinzip vs Produkthaftungsprinzip.

    Das hat manchmal eben auch mit Nachteilen, siehe Opiod-Krise (lassen wir mal zu, darum welche Verschreibungsvorschriften angemessen sind kümmern wir uns später), Gasversorgung, Fracking (einfach mal machen, über angemessene Umweltvorschriften kümmern wir uns später), Erweiterte Verhörmethoden (einfach mal machen, über Menschenrechte kümmern wir uns später).

  • Nicht zu vergessen: Die Kommission arbeitet immer noch (am Endbericht). Wer da name dropping und finger pointing erwartet, ist wirklich naiv

    Guter Punkt mit dem späteren Endbericht. Habe ich peinlicherweise um die frühe Uhrzeit, an dem ich meinen Post geschrieben habe, ganz vergessen.

    Aber abgesehen vom Name-Dropping, was jetzt für mich persönlich auch nicht so wichtig ist, wirkt sie halt allgemein eher so, als sei sie eine, die in der stillen Ecke sitzt und den Lauteren nachgibt.

    Vielleicht ist sie aber auch in Wirklichkeit richtig gut und spielt ihre "echte" Art ein wenig runter, um dann ein bisschen den Überraschungseffekt oder Ähnliches in der Endrunde zu haben. Ich persönlich glaube das jedoch nicht.


    Time will tell, wie es unsere Anglizismen-Schleuder Hohli wahrscheinlich sagen würde.

  • sie sagt aber doch explizit, dass "erst mal machen" nur in Krisensituationen sinnvoll sei.


    Jetzt könnte man natürlich sagen, dass Kapitalismus immer Krisen produz...


    Ach was soll's.

    Wo du es sagst. Stimmt. Ich hatte nur noch den Halbsatz im Kopf, dass die Amerikaner allgemein viel pragmatischer seien und in der Krise einfach Machen.


    Ich finde wir standen jetzt auch nicht so viel schlechter da als die Amerikaner mit dem Impfen. Wäre bei uns schneller losgegangen, wenn die Amis nicht unsere Dosen einfach für sich selbst benutzt hätten. Ist ja nicht so als hätten wir von Januar bis April groß mehr imfpen können wenn wir die Altersgrenze nach unten aufgehoben hätten. Wenn das Angebot knapper ist als die Nachfrage, ist es schon richtig, dass der Staat das knappe Gut an die Verteilt dies am meisten brauchen.

    Man könnte es auch umdrehen. Nachdem dem Drivethroughimpfen haben die Amerikaner es auch gut sein lassen und nicht noch Jahrelang über ein ganzes Regelwerk an Impfpflichten und Zugangsbeschränkungen zu diskutieren.


    Sorry bin heute im Erbsenzählermodus.


    Manches dauert bei uns echt zu lange. Andererseits hören wir in diesem Kontext ja eher den Vergleich mit China. Wäre vielleicht was fürs nächste Gespräch. USA, Deutschland, China verglichen bezüglich Pragmatismus und Halten an abstrakte Prinzipien.

  • Bräsige Neoliberale Ideologen Liberale deutsche Promi-Ökonomen, die sich damals mit höchstem Eifer am erwähnten #Shitstorm gegen Frau Weber beteiligten, haben auch eine Meinung zum Interview:




    (Thread)


    Der impertinente Videojournalist hat ein Clownsgesicht gemacht!!!

  • Danke für das Interview! Besonders hervorheben möchte ich, dass der eigentliche Charakter der sogenannten „Gaspreisbremse“ gut herausgearbeitet wurde, die, anders als der Name suggeriert, keine Preisbremse ist, sondern eine staatliche Subventionierung. Nutznießer sind, je nach Sichtweise, zum einen die Rohstoffhändler, die (anderes als bei einer Preisdeckelung) weiterhin ihre Mondpreise einfordern können und diese (in Teilen) aus der Staatskasse bezahlt bekommen, zum anderen die Verbraucher, die ebendiese Wahnsinnsforderungen nicht vollständig aus eigener Tasche begleichen müssen.


    Ein bisschen gestört hat mich, dass Isabella den Scholz‘schen „Doppelwums“ so oft zitiert hat. Man sollte der ohnehin schon zu weit fortgeschrittenen Infantilisierung der Gesellschaft nicht durch die Verwendung von solchen idiotischen PR-Begriffen noch mehr Vorschub leisten.

  • Nachdem ich jetzt durch bin noch ein Wort zur deutschen bzw. europäischen Zurückhaltung beim „Gelddrucken“ im Vergleich zu den USA, die diesbezüglich so viel lockerer drauf zu sein scheinen (das kam bei Hans im MMT-Kontext dran). Sie tun sich damit einfach leichter, weil sie trotz weitgehender Deindustrialisierung einen Mechanismus haben, der ihre Währung stabil hält: die Bindung des Ölhandels an den Dollar.


    Dieses Privileg haben die Deutschen bzw. Europäer nicht, sie müssen selbst erzeugte Güter auf den Weltmarkt bringen, um ihrer Währung Wert zu verleihen (die Währung zu „decken“). Die USA hingegen verteidigen ihr Privileg mit allen Mitteln - und aktuell „bis zum letzten Ukrainer“.

  • Hab mal geschaut was Rudi sonst so macht:



    Das ist genau der Unsinn der rauskommt wenn Ökonomen ihren Schwachsinn in die Welt Kotzen.


    Dass Energie und Produktion in der echten Welt 1:1 Korreliert sind und das ein Einbruch von 8% der Energie daher zu MINDESTENS 8% Rückgang der Wirtschaftsleistung führen muss (Weil eben Maschinen ohne Energie Skulpturen sind), das ficht die Schwachmaten wie Rudi Bachmann nicht an.


    Das Problem, auf solche Paper stützt sich die Politik, und ist dann ganz überrascht wenn die Wirtschaft zusammenbricht wo doch Rudi sagt das wird nicht passieren.


    Is It Really Possible To Decouple GDP Growth From Energy Growth? |  Investing.com


    Da gibt es inzwischen massenweise Paper, dass die Entkopplung von Energie und Wachstum in der nächsten Zukunft sicher nicht gelingt, aber die Rudi Bachmanns dieser Welt wissen es besser, wir schafffen das noch dieses Jahr.

  • Wobei Bachmann und Konsorten mit dieser Excel-Expertise zu einem möglichen Energieembargo selbst bei überzeugten Knechten des Kapitals wie CumEX-Olaf auf Widerstand gestoßen sind, so dass der sich im Fernsehen bei Frau Will gar dazu genötigt sah zu verkünden, dass man den Ökonomen jetzt auch nicht jede Theorie abkaufen müsse.

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