#611 - Soziologe Hartmut Rosa

  • Am Donnerstag (24. November), ab 18 Uhr, LIVE



    Zu Gast im Studio: Soziologe und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa. Er lehrt an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ist Direktor des Max-Weber-Kollegs der Universität Erfurt und Mitherausgeber der Fachzeitschrift Time & Society sowie des Berliner Journals für Soziologie


    Habt ihr Fragen an Hartmut? Her damit in den Livechat oder am besten vorab in unserem Forum!


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  • Einer unserer Altbundespräsidenten sagte jüngst "Pazifismus ist ehrenvoll, führt aber nicht zum Guten. Er zementiert nur die Dominanz der Bösen, der Unmenschlichen und der Verbrecher".


    Wie definiert Hartmut "das Böse" und was sind typische Dynamiken hinter diesem Label?

  • mir fällt immernoch keine frage ein, hab aber auch nicht viel von ihm gelesen hm

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

    • Glaubst Du, dass der in der sozialmedialen Öffentlichkeit immer stärker zu beobachtende Drang, die Welt in eine binäre moralische Ordnung zwischen Gut und Böse einzuteilen, eine Art Kompensation der Entfremdung der Menschen in der spätkapitalistischen Moderne von ihrer "Resonanz-"Beziehung mit der restlichen Welt darstellt, oder siehst Du darin eher ein (positives) Anzeichen für mehr tatsächliche Resonanz?
  • Eine oft angeführte Legitimation des Kapitalismus ist, dass er in der Lage sei, materielle Zwänge zu beenden. Auf der anderen Seite benötigt der Kapitalismus aber dauerhaftes Wachstum oder anders gesagt, er schafft letztendlich doch wieder materielle Zwänge. Wie ist das miteinander vereinbar?

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

    Einmal editiert, zuletzt von JonnyMadFox ()

  • Eine oft angeführte Legitimation des Kapitalismus ist, dass er in der Lage sei, materielle Zwänge zu beenden. Auf der anderen Seite benötigt der Kapitalismus aber dauerhaftes Wachstum oder anders gesagt, er schafft letztendlich doch wieder materielle Zwänge. Wie ist das miteinander vereinbar?

    Bullshit. Kapitalismus ist ein Allokationsinstrument, also ein Zuteilungsverfahren frei von Bedarfen und Bedürftigkeiten.


    Fragt Rosa also lieber, welche über Klimakleber hinaus gehende Resonanzerfahrungen für eine "Externalisierungsgesellschaft" (Stephan Lessenich) erforderllich wären – und wie man sie provozieren kann.

  • 😅wenn du wüsstest

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

  • Bullshit. Kapitalismus ist ein Allokationsinstrument, also ein Zuteilungsverfahren frei von Bedarfen und Bedürftigkeiten.


    Fragt Rosa also lieber, welche über Klimakleber hinaus gehende Resonanzerfahrungen für eine "Externalisierungsgesellschaft" (Stephan Lessenich) erforderllich wären – und wie man sie provozieren kann.

    Vielleicht kurz was zur Einordnung von Rosas These: Seine These beinhaltet einen Kritik am derzeitigen Kapitalismus. Ähnlich wie Ulrich Beck, sagt Rosa, dass die Moderne (zu der der Kapitalismus gehört) sich in einer Weise entwickelt hätte, dass sie ihre eigenen Versprechen von Freiheit und Individualität untergräbt. Der Kapitalismus sei so dynamisch (soziale Dynamisierung) geworden durch seinen Zwang nach Wachstum und Beschleunigung, dass diese zwei Versprechen nicht mehr eingelöst werden können. Für Lösungen der Probleme bleibt er im bürgerlichen Spektrum (was man ja vertreten kann).

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

  • Noch ein paar andere Fragen:


    Sollten Soziologen politisch sein?


    Sollten Soziologen die Menschen aufklären?


    Was ist ein gelingendes Leben aus der Sicht der Soziologie?


    (das sind alles themen, die in seinen arbeiten vorkommen, damit hat er die chance darüber zu reden)

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

    3 Mal editiert, zuletzt von JonnyMadFox ()

  • Sooo für Hartmut habe ich mir endlich mal einen Account hier zugelegt, da ich ua. meine Bachelorarbeit zu ihm geschrieben habe. Ich habe viele Fragen, aber zwei sind mir (die erste sogar auch mehreren Freundinnen) besondern wichtig:


    1. Warum verweist du nicht auf ost-asiatische/japanische Philosophie (Kyoto-Schule (Nishida Kitaro); Rolf Elberfeld 'Resonanz als Grundmotiv ostasiatischer Ethik' (1998))?

    2. Liegt das vielleicht an einem zu starken Bruch mit der frankfurter Tradition/Subjektverständnisses und müsste eine relationale Resonanztheorie nicht eben genau mit dieser (auf ein autonomes Menschenbild gerichtetes Verständnis) brechen? Also ist Autonomie des Subjekts, als Ausdruck modern-substanzieller Ontologie nicht eben DER Verhinderungsgrund resonanter Weltbeziehungen? Dass du verstuchst Autonomie zu differenzieren ist klar, nur müsste sie nicht eigentlich problematisiert werden?


    Es würde mich so sehr freuen, seine Reaktionen auf diese Fragen, die ich schon lange mit mir trage zu hören!

  • Warum wurde das Interview schon so früh angekündigt eigentlich? Andere 24 Stunden vorher.

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

  • Tilo

    Hat den Titel des Themas von „#607 - Soziologe Hartmut Rosa“ zu „#611 - Soziologe Hartmut Rosa“ geändert.
  • Fand ich super.


    Grade den Aspekt der Resonanztheorie, gegen den viele die Kritik vorbringen, dass das irgendwie "esoterisch" wäre, halte ich für so stark. Weil eben dieses Bedürfnis nach Resonanz da ist und weil sie eben diese im Kapitalismus nicht empfinden, gibt es so viele die dann ins Okkulte driften. In dem drückt sich ein wesentliches Problem des Kapitalismus aus, der ja dann wieder dieses Bedürfnis nach Resonanz nutzt um es zu Vermarktwirtschaftlichen. (In dem auf der Esoterik Messe dann irgendein Okkulter Mist für wahnsinnig viel Geld an die Entfremdeten verkauft wird die ihr Loch in der Seele damit stopfen sollen).


    Gerade im Anschluss an das Intrview mit Oliver Nachtwey und seiner Arbeit über die Querdenker, muss man eine Entwicklung hin zu mehr Resonanz Einfordern wenn wir über ein Postkapitalistisches System reden. Das Misstrauen gegenüber dem Kollektiv dass bei Oliver Nachtwey geschildert wird, hat was mit mangelnder Resonanz zu tun.


    Ich hätte auf die Frage am Ende, darüber wie man die Transformation hinkriegt ohne dass uns die Gesllschaft um die Ohren fliegt, dehalb genau darauf hingewiesen. Wie wir das schon im Transformationsthread diskutiert hatten, braucht es wohl eine solche "spirituelle?" Komponente um diejenigen mitzunehmen die eine Erlösung aus dem Entfremdungsempfinden im Kapitalismus suchen. Diese Komponente wird häufig vergessen oder Geringschätzig von linken Intellektuellen abgelehnt, aber sie ist vielleicht die entscheidende wenn wir den Kollaps des Gemeinwesens verhindern wollen.

  • Wie wir das schon im Transformationsthread diskutiert hatten, braucht es wohl eine solche "spirituelle?" Komponente um diejenigen mitzunehmen die eine Erlösung aus dem Entfremdungsempfinden im Kapitalismus suchen. Diese Komponente wird häufig vergessen oder Geringschätzig von linken Intellektuellen abgelehnt,

    Da fühle ich mich als linker "Intellektueller" natürlich angesprochen, und gebe gerne zu, dass ich beim ersten Überfliegen von Beschreibungen zu Rosas "Resonanz"-Theorie sofort dachte, dass mir da wieder einer irgendeinen esoterischen Quark andrehen will. Das hielt sich auch noch ein bisschen in den ersten Teilen des Interviews, als es um die Kirche und seinen Glauben ging.

    Aber er hat mich dann im weiteren Verlauf davon überzeugt, dass er eigentlich (zumindst im Herzen) "Marxist" ist, und unter "Resonanz" keine "spirituelle" Beziehung zur Welt in einem esoterischen Sinn versteht, sondern eher die Ent-Entfremdung der Menschen von ihrem hyperrationalisierten, funktionalen Dasein als Marktsubjekte und Arbeitskaftspender in der Warenwelt - was mich natürlich dazu bringt, mich in meinem verbohrten Festhalten an der Prägung des gesellschaftlichen Bewusstseins durch das verdinglichte Sein im neoliberalen Spätkapitalismus bestätigt zu fühlen.8)


    Vielen Dank auch an Tilo für die Kapitalismuskritischen Fragen und an hansj., der meinen verschachtelten Fragesatz tatsächlich vorgelesen hat.

  • geee nice 👌

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

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