Die große Transformation

  • Die USA ist nicht alleine für alle faschistischen Diktaturen verantwortlich. Z. B. für keine vor dem Ende des 2. WK🙄

    Natürlich nicht für alle, aber auch schon vor dem 2. WK. haben die USA "Regime Change" betrieben um zu Kolonialisieren, und Faschismus ist was auf lange sicht oft dabei entstanden ist. Ohne den Spanisch-Amerikanischen Krieg 1898 kann man weder das Kubanische Batista Regime noch die Revolution von 1959 vestehen.


    Klar haben vor allem Mussolini und Hitler z.B. durch Unterstützung von Franco in Spanien, vorher den Faschismus vorangetrieben. Aber natürlich war vor allem das britische Empire auf internationaler Bühne vor dem 2. WK viel einflussreicher als die USA. Diese Macht haben die USA erst im 2. WK geerbt.


    Ich finde dass es z.B. durchaus interessant ist, dass Mussolini vom britischen Geheimdienst MI5 vor der Machtergreifung finanziert wurde.

    Recruited by MI5: the name's Mussolini. Benito Mussolini

    Documents reveal Italian dictator got start in politics in 1917 with help of £100 weekly wage from MI5


    Wie groß der EInfluss der Großkapitalisten bei Hitlers Machtergreifung war ist wohl zu debattieren, aber dass es diesen Einfluss gab ist völlig klar.


    Was man aus der Vergangenheit lernen kann ist, dass das Kapital um den Sozialismus und die Überwindung des Kapitalismus zu verhindern in unzähligen Fällen auf den Faschismus gesetzt hat.

  • Vecna DieM25 will aber über die bürgerliche Demokratie den Wandel schaffen. Das ist leider vergblich. Nur Grassroots-Activism kann uns ans Ziel bringen. War auch historisch immer so.

    Das mit der "Bürgerlichen Demokratie" ist durchaus ein wichtiger Punkt. Da gebe ich dir ja recht. Mir ging es um deine Fundamentalkritik an linken politischen Parteien in einer parlamentarischen Demokratie, die ich nicht teile.

  • Das Erbe des Britischen Empires und sein Einfluss auf die Welt war natürlich nicht besser.


    The British Empire Was Much Worse Than You Realize


    In the twentieth century’s hierarchy of state-sponsored violence, Hitler’s Germany, Stalin’s Russia, and Hirohito’s Japan typically take top spots. The actions of a few European empires have invited harsh scrutiny, too—Belgium’s conduct in Congo, France’s in Algeria, and Portugal’s in Angola and Mozambique. Britain is rarely seen as among the worst offenders, given a reputation for decency that the Harvard historian Caroline Elkins has spent more than two decades trying to undermine. “Legacy of Violence” (Knopf), her astringent new history of the British Empire, brings detailed context to individual stories like Tudor’s. Visiting archives in a dozen countries over four continents, examining hundreds of oral histories, and drawing on the work of social historians and political theorists, Elkins traces the Empire’s arc across centuries and theatres of crisis. As the sole imperial power that remained a liberal democracy throughout the twentieth century, Britain claimed to be distinct from Europe’s colonial powers in its commitment to bringing rule of law, enlightened principles, and social progress to its colonies. Elkins contends that Britain’s use of systematic violence was no better than that of its rivals. The British were simply more skilled at hiding it.

  • Das Erbe des Britischen Empires und sein Einfluss auf die Welt war natürlich nicht besser.


    Ja aber z. B. war der Liberal-Consensus und Anti-Kommunismus erst in den 1950igern als Reaktion auf Stalin formuliert. Das Aufkommen der faschistischen und totalitären Regime Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts ist auf die Krisen des Kapitalismus, auf die sozial und kulturell zersetzende Marktwirtschaft, die das gesamte traditionelle Gesellschaftsgefüge im Kern zerrüttet hat, zurückzuführen und auf die Unzulänglichkeiten der liberalen Ideologie, nicht auf den Einfluss der USA oder des British-Empire. Siehe auch heutzutage wieder Rechtspopulismus in Europa.

    Und ein Vergleich des Kolonialismus mit dem Nationalsozialismus ist auch relativierend. In GB konnten sich wenigstens Bewegungen wie Abolitionismus entwickeln, der natürlich auch nur unzureichend war, weil die befreiten Sklaven sich in mehr oder weniger gleiche Bedingungen wie in Sklaverei, nur diesmal über Lohnarbeitsverträge, begeben mussten.


    Mehr dazu (zum vergleich Nazi vs. Kolonialismus):

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Historikerstreit

  • Das Aufkommen der faschistischen und totalitären Regime Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts ist auf die Krisen des Kapitalismus, auf die sozial und kulturell zersetzende Marktwirtschaft, die das gesamte traditionelle Gesellschaftsgefüge im Kern zerrüttet hat, zurückzuführen und auf die Unzulänglichkeiten der liberalen Ideologie, nicht auf den Einfluss der USA oder des British-Empire.

    nur aus sehr eurozentischer Perspektive

  • Was für ein Zufall. Prof Wolffs neue Folge über das britische Empire


    Niemand bestreitet hier die Grausamkeiten des British Empire. Ich hab aber schon wieder vergessen, was dein Punkt war. Auf jeden Fall entstanden die faschistischen und totalitären Regime Anfang des 20. Jahrhunderts bis Mitte. Und an denen mache ich die Theorie, dass die Sozialdemokratie zum Faschismus führt fest. Sieht man ja auch heutzutage wieder mit dem Populismus in Europa und USA. Und die Frage ist, wieso taucht dieses Phänomen immer wieder auf? Man könnte glatt meinen, dahinter steck eine größere Struktur, die das immer wieder hervorbringt und das auch in Ländern, in denen die USA keinen Diktator installiert hat. Bei den US-Unterstützten Diktatoren ist auch gar nicht klar, in wie weit man die zum Faschismus oder Totalitarismus wie die Nazis oder Stalin zuordnen kann. Von Totalitarismus sind die jedenfalls weit entfernt. Dafür gibt es in der Geschichte eigentlich auch nur die Nazis als Beispiel, und vielleicht bald China mit ihrem Sozialkreditsystem.

  • Niemand bestreitet hier die Grausamkeiten des British Empire. Ich hab aber schon wieder vergessen, was dein Punkt war. Auf jeden Fall entstanden die faschistischen und totalitären Regime Anfang des 20. Jahrhunderts bis Mitte. Und an denen mache ich die Theorie, dass die Sozialdemokratie zum Faschismus führt fest. Sieht man ja auch heutzutage wieder mit dem Populismus in Europa und USA. Und die Frage ist, wieso taucht dieses Phänomen immer wieder auf? Man könnte glatt meinen, dahinter steck eine größere Struktur, die das immer wieder hervorbringt und das auch in Ländern, in denen die USA keinen Diktator installiert hat. Bei den US-Unterstützten Diktatoren ist auch gar nicht klar, in wie weit man die zum Faschismus oder Totalitarismus wie die Nazis oder Stalin zuordnen kann. Von Totalitarismus sind die jedenfalls weit entfernt. Dafür gibt es in der Geschichte eigentlich auch nur die Nazis als Beispiel, und vielleicht bald China mit ihrem Sozialkreditsystem.

    Die eigentliche Aussage war ja eher, dass Kapitalisten Nazis erzeugen, um Sozialismus zu unterdrücken. USA als Kapitalistisches Empire eben hat das mehr betrieben als alle anderen.


    Was man aus der Vergangenheit lernen kann ist, dass das Kapital um den Sozialismus und die Überwindung des Kapitalismus zu verhindern in unzähligen Fällen auf den Faschismus gesetzt hat.

  • Die eigentliche Aussage war ja eher, dass Kapitalisten Nazis erzeugen, um Sozialismus zu unterdrücken. USA als Kapitalistisches Empire eben hat das mehr betrieben als alle anderen.

    Die USA war aber ein externer Faktor. Der Faschismus, den ich meine, entstand aus der eigenen Gesellschaft in den Länder heraus. Es war keine fremde Macht, die den Faschismus in die Länder brachte. Die Bevölkerung oder Teile der Bevölkerung haben den Faschismus selbst gelebt und gewählt. Es ist ein riesiger Unterschied, ob ein faschistischer Diktator willkürlich die Macht übernimmt, von einer fremden Macht der Bevölkerung auferlegt wird oder ob die Bevölkerung selbst einen faschistischen Diktator wählt. Das Ende der Weimarer Republik war auch nicht wirklich eine Zeit der sozialistischen Revolution, sondern der Welt-Wirtschaftskrise.


    Und Faschismus hat nicht nur damit zu tun, dass ein Diktator an der Macht ist. Faschismus ist eine (auch ideologische) Bewegung, die die Gesellschaft durchdringt. Got it?

    Gute Idee Hannah Arendt mal wieder rauszukramen.

  • Das Ende der Weimarer Republik war auch nicht wirklich eine Zeit der sozialistischen Revolution, sondern der Welt-Wirtschaftskrise.

    Das Ende der Weimarer Republik bestand darin, dass ein ausgewiesener Faschist mit Unterstützung des konservativ-bürgerlichen Lagers erst zum Reichskanzler gewählt, und dann zum Diktator ernannt wurde, nachdem er schon Jahre zuvor ein Buch verfasst hatte, in welchem er eine jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung zwischen der globalen "Hochfinanz" und kommunistischen russischen Revolutionären als Ursache allen Übels herbei fantasierte, und den Marxismus als das gefährlichste Instrument des Weltjudentums zur Mobilisierung der arbeitenden Massen gegen die deutsche Leitkultur bezeichnete.


    Letzteres - die Identifizierung von "(neo-/cultural-)marxism" als Überbegriff für alles was sich gegen traditionelle, weiße, christliche und patriarchale Verhältnisse richtet, und die angebliche Absicht hat, die große amerikanische Leitkultur und ihre angestammte Ordnung mit gefährlichem Chaos zu zerstören - ist in den heutigen Vereinigten Staaten von Amerika längst common sense im konservativen bis rechtsradikalen Teil der bürgerlichen Mitte.

    Nur das "Weltjudentum" hat man natürlich nicht mehr als eigentlichen Urheber der ewigen Chaosstifterei im Angebot. Man kapriziert sich statt dessen auf andere, noch durchgeknalltere Verschwörungstheorien aus dem alten antisemitischen Märchenbuch, die von Kinderblut saufenden Pädophilenzirkeln handeln, welche im Washingtoner Hintergrund die Fäden ziehen, der Jugend mit allerlei Unzucht den Charakter verderben, und mit dem Satan im Bunde stehen.


    Gleichzeitig setzt man im Land der Freien und Mutigen eisern vereint mit dem "progressiv"-neoliberalen politischen Erzfeind die größte Waffenschmiede aller Zeiten in Alarm- und erhöhte Produktionsbereitschaft, um einen obersten Satansdiener in der russischen Hauptstadt des Bösen und sein ehemals von Jahrzehntelangem Kommunismus verrohtes Barbarenvolk ein für allemal aus der Weltgeschichte zu tilgen, obwohl der ganz ähnlich verrückte Ansichten über die Bedrohung seiner eigenen großartigen Kultur durch finstere Satanisten vertritt.


    Das Ende der Berliner Republik wird hingegen unter anderem davon flankiert, dass ein bundesdeutscher Finanzminister die herbe Niederlage seiner erzneoliberalen Partei bei einer Landtagswahl darauf zurück führt, dass deren Stammwählerschaft wohl der irrigen Ansicht sei, sie habe sich in der Koalition mit zwei anderen neoliberalen Parteien zu weit nach links bewegt, während im konservativen bis hart rechten Lager ansonsten als "links"grün verschriene PolitikerInnen aus jener selben Koalition die militärische Verteidigung ihrer Leitkultur durch ein auserwähltes Volk von StellvertreterInnen zur ultimativen Staatsräson erklären, und dafür sogar dazu bereit sind, die ökonomische Basis der kapitalistischen Gesellschaft über die sie herrschen aufs Spiel zu setzen, sofern es nur dem Zweck gerecht wird, eine andere kapitalistische Gesellschaft und deren ebenfalls selbst behauptete Leitkultur moralisch und ökonomisch zu ruinieren.


    Geschichte -> Farce

  • Zitat

    [...] The point is that the alternative system has to be so appealing to them, that they voluntarily come to your side in want of the alternative system. [...]


    Hast Du das schon fertig, das alternative System? Das ist ja praktisch. Da macht man dann einfach mit, und schwupps ist der Kapitalismus beendet!


    Andererseits...


    Zitat

    [...] Many people don't like the way the system is functioning, be it politics or the economy. So they often claim that "change is coming if you elect/follow me/my group/party ect. [...]


    Da behaupten also welche, der große Wandel würde kommen, wenn man nur ihrer Gruppe / Partei, etc. folge. Das ist natürlich Mumpitz. Außer bei den Leuten vom JonnyBadFox-Kollektiv. Die haben ja den Plan für den echten Wandel. Denen kann man glauben, denn...


    Zitat

    [...] But change is always possible, just look at history. The social order is alway contingent.


    ...die Geschichte hat schliesslich gezeigt, dass man dem Pöbel nur endlich mal als gutes Beispiel voran gehen, und vorleben muss, wie das richtige alternative System funktioniert und was eine ordentliche Kontingenz ist. Dann kommen die ganz von alleine und wollen auch Teil des richtigen Systems werden,


    Da brauchte es in der Vergangenheit gar keine bewaffneten Aufstände oder irgendwelche revolutionären Kader, die die Massen dazu anstachelten, das alte System mit nackter Gewalt umzuwälzen und den alten Systemträgern die Köpfe abzuschlagen. Die französischen Bürger in Paris haben den anderen Untertanen einfach ganz friedlich und humanistisch vorgelebt, was ein richtiger Liberalismus ist, und ruck zuck war die bürgerliche Revolution vollzogen und alle waren frei!


    Genau wie die Bolschewisten, die revolutionären Arbeiter in Deutschland mach dem ersten Weltkrieg, oder die spanischen Anarchisten kurz vor dem zweiten. Die haben einfach beim Amtsgericht Genossenschaften angemeldet und Syndikate gegründet, und dann allen im Internet erzählt dass das das alternative System ist, und zack waren der Zar und die Bürgerlichen, die Faschisten und der ganze Kapitalismus besiegt, und alle waren Brüder und Schwestern in der klassenlosen Gesellschaft.



  • Kann man auf jeden Fall drauf aufbauen.

    Es gibt Ordnung, weil die einen befeh­len und die anderen gehorchen. Aber um einem Befehl zu gehorchen, bedarf es mindestens zweier Dinge: man muss den Befehl verstehen, und man muss verstehen, dass man ihm gehorchen muss. Und um das zu tun, muss man bereits dem gleich sein, der einen befehligt. Dies ist die Gleichheit, die jede natürliche Ordnung aushöhlt.


    Jacques Rancière

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