Textesammlung

  • Einige Internetprovider haben die Schattenbibliothek sci-hub.se (oder ähnliche Adressen) wissenschaftlicher Journal-Artikel gesperrt.


    https://www.golem.de/news/sci-…nordnung-2404-184105.html


    Die Sperre könnt ihr ganz einfach umgehen, wenn ihr einen anderen DNS Server als den von eurem Provider benutzt. Eine gute Alternative ist der DNS Server von Google:


    https://de.wikipedia.org/wiki/Google_Public_DNS?wprov=sfla1




    Ihr müsst jeweils gucken, wie man bei euch den DNS Server ändert. Bei meinem Smartphone ging es ganz leicht:




    Funktioniert problemlos😁

  • Mal zwei englische Texte zur Kritik an der PISA-Studie:


    Pisa Kritik 1:

    David Labaree, Let's measure what no one teaches: PISA, NCLB, and the shrinking aims of education, in Teachers College Record, 2014.

    15 Seiten.


    Im Text geht es um die Verengung des Maßstabs, mit dem wir messen, was erfolgreiche Bildung bedeutet. Die PISA-Studien haben eine sehr simple Definition von Bildung, die auch vom neoliberalen Zeitgeist geprägt ist. Im Grunde fragt Pisa nur Fähigkeiten ab, die als besonders geeignet gelten für den individuellen Wettbewerb im Arbeitsmarkt (wie z. B. bloßes Abfragen von Fakten, Auswendiglernen von Fakten). Andere Aspekte der Bildung wie die Fähigkeiten der Lehrer und die Methoden, wie gelehrt wird, werden nicht von Pisa bewertet.


    Pisa Kritik 2:


    Yong Zhao, Two decades of havoc: A synthesis of criticism against PISA, in Journal of Educational Change, 2020.

    22 Seiten.


    Der zweite Text ist mehr eine Zusammenfassung und ein Überblick von Kritik an der PISA-Studie, die seit ihrer Anwendung bisher daran geäußert wurde. Unter anderem auch Kritik an den Methoden der Studie (statistische Methoden, Definitionen von Begriffen in den Studien ect.), auch die übertriebene mediale Inszenierung und wie Politikern und den Eltern Angst gemacht wird kommt vor.


    Ich wollte das eigentlich schon vor langer Zeit posten, weil das im Aufwachen Podcast vorkam. Aber besser spät als nie :) Die Texte sind, was das englische angeht, leider etwas anspruchsvoll. Vielleicht geht es mit einem Programm zum übersetzen besser, ich denke, dass man da viel machen kann.


    In den Medien hört man so gut wie nie eine Kritik an Pisa. Es wird wie immer nur das Resultat kritisiert und wie die Welt kurz vor dem Abgrund steht und wer alles Schuld daran hat. Typische Form von oberflächlichem Umgang mit gesellschaftlich wichtigen Themen und Behandlung von Symptomen, wie wir es auch bei anderen Themen kennen.

  • Neues Buch von Grace Blakeley.


    Vulture Capitalism



    Aus dem letzten Kapitel:


    Making Capital Scream


    If capitalism is not de?ned by the presence or absence of markets, but by the domination of society by capital, then socialism is not de?ned by the presence or absence of planning, but by the democratization of society. Rather than a system of top-down control, true democratic socialism would be a project of collective liberation, which would allow workers to take control over production and citizens to take control over government.

    This shift will not, however, happen on its own. Working people must organize to ?ght for it. Traditionally, this ?ght has been organized in the main by the labor movement. Working people came together in unions to ?ght for better wages and conditions, and successive victories made them steadily more con?dent in articulating wider political demands. The workers who organized to take control of Lucas Aerospace are a fantastic example of how the labor movement plays a dual role, both protecting workers in the economy today and supporting them to build a better world for tomorrow.


    Deutsch:


    Das Kapital zum Schreien bringen


    Wenn der Kapitalismus nicht durch die Anwesenheit oder Abwesenheit von Märkten, sondern durch die Beherrschung der Gesellschaft durch das Kapital definiert wird, dann wird der Sozialismus nicht durch die Anwesenheit oder Abwesenheit von Planung definiert, sondern durch die Demokratisierung der Gesellschaft. Statt eines Systems der Top-down-Kontrolle wäre wahrer demokratischer Sozialismus ein Projekt der kollektiven Befreiung, das es den Arbeitern ermöglichen würde, die Kontrolle über die Produktion und den Bürgern die Kontrolle über die Regierung zu übernehmen.


    Dieser Wandel wird jedoch nicht von selbst geschehen. Die arbeitenden Menschen müssen sich organisieren, um dafür zu kämpfen. Traditionell wurde dieser Kampf hauptsächlich von der Arbeiterbewegung organisiert. Die arbeitenden Menschen schlossen sich in Gewerkschaften zusammen, um für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen zu kämpfen, und aufeinanderfolgende Siege machten sie immer selbstbewusster, umfassendere politische Forderungen zu formulieren. Die Arbeiter, die sich organisierten, um die Kontrolle über Lucas Aerospace zu übernehmen, sind ein fantastisches Beispiel dafür, wie die Arbeiterbewegung eine doppelte Rolle spielt: Sie schützt die Arbeiter in der heutigen Wirtschaft und unterstützt sie dabei, eine bessere Welt für morgen aufzubauen.



    👏👏

  • Kurzer rant von mir, den ich irgendwo auf Facebook geschrieben habe:


    Wir haben eine neofaschistische Partei kurz vor Regierungsverantwortung.

    Aber warum passiert sowas eigentlich? Weil, meiner Meinung nach, die parlamentarisch-repräsentative Demokratie und das System Staat am Ende ist. Alles hat ein Anfang und ein Ende.


    Seit über 70 Jahren mischen wir jetzt die Parteien durch, aber was ist eigentlich besser geworden in all der Zeit? Die Politiker interessieren sich nicht mehr für die Normalverdiener, sondern nur noch für die eh schon Reichen und für die Konzerne oder für alles andere als die normal lebende Bevölkerung in Deutschland. Das wird sich auch nicht ändern, wenn wir die "richtige" Partei wählen, wie wir es seit 70 Jahren versuchen.


    Es spielt keine Rolle, welche Partei wir wählen. Die sind alle am Ende. Entweder durch indirekte Korruption oder dadurch, dass sie den Neoliberalismus vertreten, eine Ideologie, die uns erst in diese Misere gebracht hat. Selbst wenn ein Politiker oder eine Politikerin mal vernünftige Politik machen will, haben sie eine sehr geringe Chance das durchzusetzen. Von Dieter Plehwe und der Otto-Brenner Stiftung gibt es eine Studie, die zeigt, dass alle die Bundesregierung beratenden Institutionen zur Mehrheit besetzt sind von Ökonomen, die dem Neoliberalismus anhängen. Als Politiker kann man dem gar nicht entkommen, selbst wenn man will.


    Abgesehen davon: Die Probleme, die wir derzeit haben und die noch auf uns zukommen, sind zu komplex für so ein Staats- und Parteiensystem.

    Das sieht man schon am Klimawandel.

    Der Klimawandel betrifft jeden Bereich des Lebens und deswegen brauchen wir auch so viel Demokratie wie möglich. Es gibt Bibliotheken davon, wie man ein solches System gestalten könnte, viele von renommierten Politikwissenschaftlern. Alles machbar. Aber dafür müssen wir erstmal ehrlich sein und einsehen, dass es so nicht mehr weitergeht.


    Wir brauchen nicht weniger Demokratie, wie es einige wollen, sondern mehr davon. Und wenn ich von mehr Demokratie rede, meine ich nicht einfach Bürgerentscheide. Ich meine mal tatsächlich basisdemokratische Institutionen in Bürgerversammlungen, wo die Leute mitreden können.


    Übrigens gerade in Deutschland könnte man das gut umsetzen, weil es auf der lokalen Ebene oft solche Ansätze schon gibt, die müsste man aber erheblich ausbauen. Bei mir in der Stadt gibt es z. B. eine Zukunftswerkstatt, wo die Bürger mit Experten Themen bearbeiten können, war auch schon erfolgreich, aber unser Bürgermeister hat sich nicht daran gehalten, wie üblich.


    Ein weiterer Bereich ist mehr Demokratie am Arbeitsplatz. Ist es nicht merkwürdig, dass wir immer Demokratie in der Politik fordern, aber dort wo die meisten Menschen einen riesigen Teil ihres Lebens verbringen, am Arbeitsplatz, dort herrschen noch Zustände wie in Monarchien, mit dem Chef als Monarch? Das könnte man lösen mit zum Beispiel genossenschaftlichen Strukturen (weniger Verstaatlichung). Demokratie sollte es auch in der Wirtschaft geben.


    Wir brauchen weniger unverantwortliche Repräsentation, sondern mehr direkte Partizipation der Bürger. Wenn wir das haben, dann werden wir auch sehr schnell sehen, dass der Extremismus zurück geht. Weil wenn Menschen merken, dass sie ernstgenommen werden und das sie tatsächlich etwas verändern können, dann passiert es ganz schnell, dass sie von diesen ganzen verrückten Ideologien abkehren.

  • Die ursprüngliche Akkumulation war nötig, damit der Kapitalismus funktionieren konnte. Der Adel hat die Bauern enteignet und deren Land in Schafweiden verwandelt. Durch den Verkauf der Wolle haben sie dann ein Vermögen verdient, während die Bauern ihrem Elend überlassen wurden. Das Gleiche passiert eigentlich auch derzeit mit Künstlern und deren Kunst. Sie werden enteignet von ihrer Kunst durch autoritäre Techunternehmen, die dann mit ihren Produkten horrende Summen an Geld verdienen.


    Passende Analogie zur ursprünglichen Akkumulation.

  • Wie ich sehe, werden die Texte, die ich hier hochlade von einigen Leuten runterladen. 👍Freut mich, dass das ankommt. Wahrscheinlich sind das Leute, die übers Internet im Forum gelandet sind, oder so.

    Ich schaue, ob ich in nächster Zeit mal wieder mehr Sachen hier reinstelle, die ich interessant finde (und auch andere interessant finden könnten) :)

  • https://www.cambridge.org/core…BABA0B5CA802EC3AB4F76B818


    (open access, pdf kann einfach runtergehen werden)


    Guter Artikel über Disinformation Online und Vertrauensverlust in Institutionen. Abstract:


    Summary


    In the opening chapter Bennett and Livingston define the nature of disinformation and outline the challenges for healthy democratic discourse. Their account focuses on the rise of political influence networks anchored in think tanks, lobbying, tax supported “charitable”political organizations, and electoral campaign finance laws that have compromised the representative capacity of government and the credibility of many elected officials. The result has been a political backlash on both left and right. But the right has organized politically around basic precepts of ethnic nationalism, anti-immigration, and other divisive political issues. These political ruptures are magnified and supported by the large disinformation networks that have grown with the help of wealthy “libertarian” business interests and the elected officials that they support.



    Das ist ein Aufsatz aus dem Buch The Disinformation Age, was komplett open-access ist. Es kann hier runterladen werden:



    https://www.cambridge.org/core…19C7C4693E514C249E0F0F997

  • Wolfgang Streeck, Wie wird der Kapitalismus enden?, 2015.

    Teil 1&2 im Anhang. Beide ca. 13 Seiten


    Schon etwas älter, aber immernoch lesbar :)


    Hier noch ein aktuellerer Artikel von Streeck vom 5. Juni:


    https://www.soziopolis.de/dies…d-kein-leichter-sein.html

  • Passend zu dem von Jack noch das Essay von George Stigler, ein einfluchreicher Neoliberaler (der Chicago Schule):


    Economics: The Imperial Science?

    Author(s): George J. Stigler Source: The Scandinavian Journal of Economics,Vol. 86, No. 3 (Sep., 1984), pp. 301-313 Published by: on behalf of Wiley Scandinavian Journal of Economics Stable URL: http://www.jstor.org/stable/3439864 Accessed: 10-01-2016 18:38 UTC




    Da das pdf komprimiert ist und man die Schrift möglicherweise nicht gut lesen kann, hier der kopierte Text:



    Heinrich Gossen, a high priest of the theory of utility-maximizing behav- ior, compared the scope of that theory to Copernicus' theory of the movements of the heavenly bodies. Heavenly bodies are better behaved than human bodies, but it is conceivable that his fantasy will be approached through the spread of the economists' theory of behavior to the entire domain of the social sciences.



    Heinrich Gossen, ein Hohepriester der Theorie des nutzenmaximierenden Verhaltens, verglich den Umfang dieser Theorie mit der Theorie der Bewegungen der Himmelskörper von Kopernikus. Himmelskörper verhalten sich besser als menschliche Körper, aber es ist denkbar, dass seine Fantasie durch die Verbreitung der Verhaltenstheorie der Ökonomen auf den gesamten Bereich der Sozialwissenschaften angenähert wird.


    Im Grunde will er durch die vollständige Ökonomisierung aller Sozialwissenschaften so etwas wie ein kopernikanisches Modell der Sozialwissenschaften erreichen, das man in jeder Hinsicht vorhersehen kann, wie die Bewegung von Himmelskörpern.



    Im Anhang das paper von Stigler.

  • Der Vortrag von Graupe ist der Hammer! Schaue ihn gerade. JckProtoRogge1.1 sehr schön👏 Am Ende nochmal den Kern dargestellt. Auf der einen Seiten traurig, auf der anderen Seite kann man Angst bekommen.

    tbh ich find es spannend, wenn VWLer selbst sagen, dass es eig eine Art Ingenieurswissenschaft sei und es um Utopien geht. Wann immer ein Wirtschaftswissenschaftler auftritt, sollte man daran denken.


    Auch öffnet das viel mehr diese ganze "Wissenschaft".

  • Über den Markt und Freiheit (deutsche Übersetzung unten).


    Aus: Living with the Invisible Hand, Waheed Hussain, Oxford.



    Perhaps the most common view of the relationship between markets and freedom comes out of the classical liberal and libertarian traditions.

    Th theorists such as Friedrich Hayek (1960), Milton Friedman ([1962] 1982), and Robert Nozick (1974) conceive of the importance of freedom in terms of the importance of an individual’s control over her labor and property. Market governance respects the value of freedom, on this view, mainly because it accords each person the authority to decide for herself what she will do with her time and her possessions.


    The problem with the property rights view, however, is that it does not ap-preciate the systemic character of markets. A market arrangement gives each person control over her labor and property, but the options that are open to her in virtue of these forms of control are powerfully shaped by external forces. Imagine, e.g., that a particular individual fi nds that her control over her labor power opens up certain options for her in the automotive industry. These options exist, in part, because consumers have certain preferences. If consumer preferences change, the market process may scale back her options in the automotive industry and expand her options elsewhere, perhaps in the healthcare sector. At a certain point, these gradual changes in her option set will move her from one way of life to another. When the market process moves her in this way, it plays an important part in the determination of her conduct. You might say that the market process is like a scientist in a lab, opening and closing doors to lead mice through a maze: it shapes people’s lives without necessarily overruling their authority over their labor and property.


    Another view of the relationship between markets and freedom focuses on the power to choose from a wide range of options. We sometimes think of freedom in terms of consumers having the power to choose among a wide range of products, investors having the power to choose among a wide range of investments, and workers having the power to choose among a wide range of job opportunities (see, e.g., Sen 1999).

    The choice- centered view has significant merits, but it also suf f ers from a failure to appreciate the systemic character of markets. A social arrangement that provides individuals with a diverse range of options to choose from may nonetheless embody a form of social control over people’s lives. It may do so if the arrangement manages people’s option sets in such a way as to generate and maintain a certain overall pattern of activity in society. Consider a system of trafficlights in a city. A green light opens up a set of options for a driver; a red light closes them of f . If a computer program controls the lights in a city, it can generate and maintain a certain pattern of driving activity— e.g., a trafficjam— by constantly funneling drivers toward a few main streets. Drivers would always have more than one option open to them at intersections, and as drivers each make their choices, they might think that the overall pattern is simply a product of their private choices. But in fact, the pattern is substan-tially the product of the program that manages the lights.

    Much like a system of traffic lights, prices in a market arrangement can change the option sets open to individuals in such a way as to draw everyone into a certain pattern of production activity and consumption activity.

    Individuals may think that the overall pattern is simply a result of their private choices as consumers, workers, and investors, but the pattern is importantly shaped by the market arrangement.


    The key point here is that a market arrangement is a mechanism of social control. When members of a community adhere to the requirements of the arrangement, they take part in an enterprise that draws individuals into a certain pattern of conduct— i.e., an efficient pattern of production and consumption— and maintains the pattern. Moreover, the arrangement draws individuals into the pattern without regard for the private judgments of individuals about the pattern. An arrangement that bypasses individual judgments to maintain a certain pattern may or may not be consistent with an appropriate respect for freedom. But the property rights view and the choice- centered view both lack the resources to bring the problem into focus.


    Deutsch:


    Die vielleicht am weitesten verbreitete Sichtweise auf die Beziehung zwischen Märkten und Freiheit entstammt den klassisch liberalen und libertären Traditionen.


    Theoretiker wie Friedrich Hayek (1960), Milton Friedman ([1962] 1982) und Robert Nozick (1974) verstehen die Bedeutung der Freiheit im Hinblick auf die Bedeutung der Kontrolle eines Individuums über seine Arbeit und sein Eigentum. Die Marktsteuerung respektiert nach dieser Sichtweise den Wert der Freiheit vor allem deshalb, weil sie jedem Menschen die Autorität zuspricht, selbst zu entscheiden, was er mit seiner Zeit und seinem Besitz tun wird.


    Das Problem mit der Eigentumsrechtssicht ist jedoch, dass sie den systemischen Charakter der Märkte nicht anerkennt. Eine Marktordnung gibt jedem Menschen Kontrolle über seine Arbeit und sein Eigentum, aber die Optionen, die ihm aufgrund dieser Kontrollformen offen stehen, werden stark von externen Kräften geprägt. Stellen Sie sich beispielsweise vor, dass ein bestimmter Mensch feststellt, dass ihm seine Kontrolle über seine Arbeitskraft bestimmte Optionen in der Automobilindustrie eröffnet. Diese Optionen bestehen teilweise, weil die Verbraucher bestimmte Vorlieben haben. Wenn sich die Vorlieben des Verbrauchers ändern, kann der Marktprozess seine Optionen in der Automobilindustrie einschränken und seine Optionen anderswo erweitern, vielleicht im Gesundheitssektor. Ab einem bestimmten Punkt werden diese allmählichen Änderungen seiner Optionen ihn von einer Lebensweise zu einer anderen bewegen. Wenn der Marktprozess ihn auf diese Weise bewegt, spielt er eine wichtige Rolle bei der Bestimmung seines Verhaltens. Man könnte sagen, der Marktprozess ist wie ein Wissenschaftler in einem Labor, der Türen öffnet und schließt, um Mäuse durch ein Labyrinth zu führen: Er formt das Leben der Menschen, ohne notwendigerweise ihre Autorität über ihre Arbeit und ihr Eigentum außer Kraft zu setzen.


    Eine andere Sichtweise der Beziehung zwischen Märkten und Freiheit konzentriert sich auf die Macht, aus einer breiten Palette von Optionen zu wählen. Wir denken bei Freiheit manchmal an die Macht der Verbraucher, aus einer breiten Palette von Produkten zu wählen, an die Macht der Investoren, aus einer breiten Palette von Investitionen zu wählen, und an die Macht der Arbeitnehmer, aus einer breiten Palette von Beschäftigungsmöglichkeiten zu wählen (siehe z. B. Sen 1999).


    Die wahlzentrierte Sichtweise hat erhebliche Vorteile, leidet aber auch darunter, dass sie den systemischen Charakter der Märkte nicht erkennt. Eine soziale Ordnung, die den Menschen eine breite Palette von Optionen zur Auswahl bietet, kann dennoch eine Form sozialer Kontrolle über das Leben der Menschen darstellen. Dies kann der Fall sein, wenn die Ordnung die Optionen der Menschen so verwaltet, dass ein bestimmtes allgemeines Aktivitätsmuster in der Gesellschaft erzeugt und aufrechterhalten wird. Betrachten wir ein Ampelsystem in einer Stadt. Eine grüne Ampel eröffnet einem Fahrer eine Reihe von Optionen; eine rote Ampel schließt sie aus. Wenn ein Computerprogramm die Ampeln in einer Stadt steuert, kann es ein bestimmtes Muster der Fahraktivität erzeugen und aufrechterhalten – z. B. einen Stau – indem es die Fahrer ständig auf einige wenige Hauptstraßen lenkt. An Kreuzungen hätten die Fahrer immer mehr als eine Option zur Auswahl, und während sie ihre Entscheidungen treffen, könnten sie denken, dass das allgemeine Muster einfach ein Produkt ihrer privaten Entscheidungen ist. Tatsächlich ist das Muster jedoch im Wesentlichen das Produkt des Programms, das die Ampeln steuert.


    Ähnlich wie ein Ampelsystem können Preise in einer Marktordnung die Optionen, die den Einzelnen offen stehen, so verändern, dass jeder in ein bestimmtes Muster von Produktions- und Konsumaktivitäten gedrängt wird.


    Einzelne mögen denken, dass das Gesamtmuster einfach das Ergebnis ihrer privaten Entscheidungen als Verbraucher, Arbeitnehmer und Investoren ist, aber das Muster wird maßgeblich durch die Marktordnung geprägt.


    Der entscheidende Punkt hierbei ist, dass eine Marktordnung ein Mechanismus der sozialen Kontrolle ist. Wenn Mitglieder einer Gemeinschaft die Anforderungen der Ordnung erfüllen, nehmen sie an einem Unternehmen teil, das die Einzelnen in ein bestimmtes Verhaltensmuster – d. h. ein effizientes Produktions- und Konsummuster – drängt und dieses Muster aufrechterhält. Darüber hinaus drängt die Ordnung die Einzelnen in das Muster, ohne Rücksicht auf die privaten Urteile der Einzelnen über das Muster. Eine Ordnung, die individuelle Urteile umgeht, um ein bestimmtes Muster aufrechtzuerhalten, kann mit einem angemessenen Respekt für die Freiheit vereinbar sein oder auch nicht. Doch sowohl der Eigentumsrechtsansicht als auch der wahlzentrierten Ansicht fehlen die Mittel, um das Problem in den Fokus zu rücken.



    Die Analogie mit der Ampel gefällt mir sehr gut!

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