#549 - Rahel Süß (Politische Theoretikerin)

  • Krass wie die Zeit wieder rennt. Hab noch nicht mal Käßmann fertig, aber gut. Hier meine Frage an Rahel:

    • Inwiefern ist die derzeitige Zunahme autoritärer Herrschaftsformen weltweit z.B. in Brasilien, China und der Türkei, aber auch in liberalen Demokratien (z.B. USA, Ungarn, Polen, Großbritannien usw.) mittels Grundrechtseinschränkungen in der Politikwissenschaft erforscht? Was ist da der aktuelle Forschungsstand hinsichtlich dieser Entwicklungen? Und welcher Begriff aus der politischen Theorie beschreibt diese Tendenzen deiner Meinung nach am treffendsten? Faschisierung, Neofaschismus,....?
  • In den 60igern und 70igern gabs halt eine ernsthafte gesellschaftliche Debatte darüber, in wie weit Arbeitnehmer im Unternehmen mitbestimmen dürfen. Laut Christian Testorf gibt es fast zu keinem Thema in Deutschland eine so große Zahl von Veröffentlichungen wie zur Mitbestimmung. Und er schreibt auch, dass Diskussionen zur Mitbestimmung damals auf der wirtschaftpolitischen Tagesordnung standen. Die Anzahl der Mitbestimmungsmodelle, die damals diskutiert wurden, beläuft sich auf ca. 35. Komisch, dass Süß anscheinend keine Ahnung davon hat, oder ihr dieses Thema nicht wichtig erscheint🤔 Oder das Thema ist halt irgendwie vergraben.


    Was auch interessant ist und wo man noch an heutigen Diskussionen anschließen könnte, wäre die Verstaatlichung von den großen Techkonzernen. Fritz Napthali hat in seinem Buch "Wirtschaftsdemokratie" darüber geschrieben, dass die Konzerne so groß und mächtig sind (damals schon), dass sie relevant für das Gemeinwohl und daher reif für die Demokratisierung sind. Heutzutage gibt es ja auch Stimmen, die z. B. Facebook verstaatlichen wollen. Dabei reicht aber eine reine Verstaatlichung nicht, wo nur Staatsbürokraten die Kontrolle haben.

    Die Angestellten selbst müssen in den wichtigsten Kontroll- und Entscheidungsinstitutionen Mitspracherecht haben. Diese Art von Verstaatlichung und die vollparitätische Mitbestimmung sind IMO die realistischste und niederschwelligste Idee, wie man die kapitalistischen sozialen Verhältnisse und den Konflikt zwischen Arbeit und Kapital überwinden könnte.

    Ok Vollparität bedeutet nur jeweils 50% Arbeitnehmer/Arbeitgeber. Aber ich denke, dass es zu einem Prozess der sozialen Integration kommen würde, der dazu führt, dass die Arbeitgeber letztenendes sich auch für das Gemeinwohl interessieren werden.

    Wenn man allerdings nur Arbeiterkontrolle hat, dann bliebe noch die Marktwirtschaft erhalten, d. h. es gäbe dann in diesem vollparitätischen Modell eine Art Marktsozialismus. Aber ich denke, dass man auch Märkte überwinden kann durch die Methoden der Planung, die die großen Konzerne schon heutzutage benutzen. Amazon, Walmart ect. koordinieren ihre Lieferketten ja schon in einer Art Planwirtschaft. Das ist ja das "gute" an den Konzernen. Sie bauen selbst eine Infrastruktur der Planwirtschaft auf, um dem Wettbewerb zu entkommen und um Konkurrenz auszuschalten. Dann muss demokratisiert werden.

  • Pessimusmus des Verstandes und Optimismus des Willens" ist ein richtig genialer Spruch.


    Er bedeutet, dass man immer denken soll, dass das, was man macht, nie funktionieren kann. Man also immer pessimistisch denken soll. Aber man soll dagegen so handeln wie als würde das, was man macht, erfolgreich sein. Also z. B. bei einer sozialen Bewegung: Man organisiert zb eine Aktion (Demo, Blockade usw.) und glaubt, dass sie scheitern wird. Man organisiert die Aktion aber so gut, dass sie morgen die Revolution auslöst ;)

    Ich besitze übrigens die Gesamtausgabe der Gefängnishefte, alle 10 bände😂 Wenn mir langweilig ist, stöbere ich darin immer und fast jedes mal, lerne ich wieder etwas neues (wie bei Marx auch).

  • hier nochmal mal mein feedback frisch aus den youtube kommentaren... leute das war schwer nicht ins lenkrad zu beißen beim hören während ner längeren autofahrt.


    Zitat

    also sie gibt das weltfremdeste elfenbeinturm geschwafel von sich was ich seit langem gehört habe. leider ist es typisches verhalten für das, was die schwurbler so gerne als vertreter der "woke kultur" bezeichnen. konkret meine ich beispielsweise als tilo nachfragt wer denn das volk, der demos, im staate ist bzw wer denn mitglieder einer staatsform ist. es war so klar das sie es nicht auf die kette bekommt ihre vorstellung von unverhandelbaren rechten für alle aber ohne irgendein kriterium was zu ausschluss führt in einklang zu bringen weil es logischerweise unmöglich ist. aber man will ja keine "verlierer" haben. entschuldigung ich kritisiere hier wirklich nur die substanzlosigkeit ihrer "theorien", ich finde so heiße themen gehören unbedingt intermenschlich übergreifend diskutiert, aber wenn das jetzt die akedemische speerspitze von irgendwas sein soll gebe ich hier mal die rückmeldung das war ein Schuss in den Ofen!


    Tilo und Rahel haben aber davon ab ein angenehm ausgewogenes Gespräch geführt und ich hatte das Gefühl das hier der Journalismus nicht zu kurz gekommen ist, politisch war das ja wahrscheinlich ein Heimspiel :)

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