#543 - Modellierer Dirk Brockmann

  • Ab 21:15 Uhr LIVE (mit der Hans Jessen Show als Tilos Urlaubsvertretung)



    Zu Gast im Studio: Dirk Brockmann, Physiker und Professor am Institut für Biologie der Humboldt-Universität zu Berlin, Wissenschaftler am Robert Koch-Institut und Leiter der Arbeitsgruppe Research on Complex Systems. Dirk ist bekannt für seine Arbeiten zu komplexen Systemen, komplexen Netzwerken, computergestützter Epidemiologie, menschlicher Mobilität und anomaler Diffusion. + eure Fragen


    Sein aktuelles Buch: "Im Wald vor lauter Bäumen: Unsere komplexe Welt besser verstehen" (dtv Verlag)


    Vorheriges Jung & Naiv-Interview mit Dirk: Folge 503



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  • Tilo

    Hat den Titel des Themas von „#543 - Modellierer Dirk Brockmann (mit Hans)“ zu „#543 - Modellierer Dirk Brockmann“ geändert.
  • Frage an Dirk Brockmann: er ist ja Komplexitätsforscher... Was ist der Effekt von klaren + verständlichen + nachvollziehbaren (Verhaltens-)Regeln in einer hochkomplexen Situation wie einer Pandemie? Inwieweit wäre dieses Vorgehen auf andere hochkomplexe Situationen wie den Klimawandel anwendbar?

  • Nur mal so als mathematisch Interessierter ein paar Fragen dazu, wie bestimmte Sachen in Modellen berüchsichtigt werden und was Modelle können. Und ob Dirk Erklärungen für bestimmte Sachen im Pandemieverlauf hat, die passiert sind.


    Dunkelziffer...kein neues Thema, hatte Dirk auch letztes Mal schon was zu gesagt. Wenn, wie im Moment die Testpositivrate steigt, würde ich davon ausgehen, dass auch die Dunkelziffer größer wird. Auch das die Inzidenz unter den über 80 Jährigen in den letzten Wochen wieder schneller gestiegen ist als im Bevölkerungsschnitt deutet vielleicht darauf hin. Aber gibts Möglichkeiten die „wahre Inzidenz” abzuschätzen, oder bleibt die Dunkelziffer/der Dunkelfaktor eher konstant? Ist das überhaupt relevant?


    Wir haben dieses Jahr seit Anfang Juli im Prinzip einen R-Wert von 1,2. Bis auf die ersten drei Septemberwochen wo die Inzidenz gesunken ist. Wie erklärt Dirk sich diese drei Wochen? Oder was hat zu dem R-Wert von 1,2 im August beigetragen und waren es die gleichen Faktoren die im Oktober zu einem R-Wert von 1,2 geführt haben?


    Letztes Jahr wurde vor Weihnachten als Infektionstreiber gewarnt, ist das Eingetreten oder eher nicht?

    Die Daten des RKI zeigen einen R-Wert unter 1 schon ab dem 17.12.. Lag das an den weniger Testungen über Weihnachten und gab dementsprechend weniger auf kurz vor Weihnachten rückdatierte Erkrankungen, oder haben die Leute ihre Kontakte vor Weichnachten eingeschränkt um dann Weihnachten sicherer zu sein, dass sie keine Infektionen auf eine Familienfeier mitbringen?

    Auch Dirks Mobilitätsdaten zeigen ja eine Abnahme der Mobilität 4-5 Tage vor Weihnachten letztes Jahr und eine extreme Abnahme über Weihnachten.


    Umzetzung der Kontaktreduktionen durch die Bevölkerung: Letztes Jahr hatten wir im November einen Wellenbrecher Shutdown/Lockdown, wie auch immer, der es zwar geschafft hat den weiteren Anstieg der Inzidenz zu bremsen, aber nicht sie zu senken. Deswegen wurde er in den Dezember verlängert. Im Dezember ist dann, trotz gleicher Maßnahmen, die Inzidenz wieder stark gestiegen. Hat die Bevölkerung sich letzten Dezember einfach nicht mehr an die Maßnahmen gehalten? Oder hatte die Bevölkerung im November weniger Kontakte, als sie trotz Maßnahmen hätte haben können und im Dezember dann im Rahmen des Erlaubten wieder mehr?


    Bei Dirks neuen Studie kam raus, an 84%-91% der Infektionen Ungeimpfte beteiligt sind, obwohl sie nur 35% der Bevölkerung ausmachen. Andererseits könnte man aus der Studie auch entnehmen das an 50-62% der Infektionen Geimpfte Beteiligt sind, mit entsprechend 65% Bevölkerungsanteil.


    Kann man das seriös in eine Zahl verrechnen die angibt wie viel mehr eine Ungeimpfte zum Infektionsgesechen beiträgt?

    Also zum Beispiel

    Code
    (Beiteiligung_Ungeimpfte/Anteil_Ungimpft) * (Anteil_Geimpft/Beteiligung_geimpft)
    = (91%/35%)*(65%/50%) = 3.4
    Oder (84%/35%)*(65%/62%) = 2.5


    Wie wurde berücksichtigt, dass bei manchen positiv Getesteten der Impfstatus nicht bekannt ist?


    Was hätte einen größeren Effekt auf die Anzahl der Menschen die ins Krankenhaus kommen: Die „Impflücke” bei den Auffrischungsimpfungen zu schließen (vor 6 Monaten waren 19% Zweifach geimpft, jetzt sind erst 13% geboostert), oder alle 5-18 Jährigen zu impfen? Also wozu nutzt man das Impfen im Moment am Besten, um die Inzidenz zu drücken oder um die Hospitalisierungsrate niedrig zu halten, oder haben wir die Kapazitäten für beides?





    Ich hoffe ich habe meine Fragen nicht zu konfus und durcheinander formuliert. Ich erwarte auch nicht das das alles so 1zu1 gefragt wird, es sind eher die Sachen über die ich im Moment nachdenke. Vielleicht führt euch das Gespräch sowieso zu dem ein oder anderen Punkt.

    Ich denke es wird in jedem Fall, so oder so, wie das letzte Mal, eine sehr interessant Unterhaltung :thumbup:

  • Ouh, noch was:


    Wie hat sich die Pandemieforschung durch Corona verändert? Also die Modelle, die Datengrundlage, die Mathematik die genutzt wird, die Herangehensweise, die Ansätze, die Mittel die die Wisschenschaftler zur Verfügung haben? Was waren die größten Fortschritte der Forschung in den letzten anderthalb Jahren?

    Es sind ja wahrscheinlich auch viele neue Modellierer und Modelliererinnen dazugekommen, die vorher eher etwas anderes gemacht haben. Machen die das Feld eher unübersichtlicher, oder sind die eine gute Unterstüztung, oder Bereichern die sogar die Diskussionen, weil sie neue Ideen und Ansätze mitbringen?

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