#533 - Millionen-Erbin Marlene Engelhorn

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    Auch die Idee, Staatliche Grundstücke günstig für private Bauherren abzugeben, - so wie die fdP es ebenfalls fordert - würde an diesen grundsätzlichen Problemen der Vermarktung eines knappen, aber lebensnotwendigen Gutes nichts ändern.

    Es würde damit nur noch mehr privates Eigentum geschaffen, welches dann weiter am Markt verwertet werden könnte.


    Eine viel bessere Alternative zum privaten Wohneigentum wäre gemeinschaftliches Eigentum, bei dem nicht einzelne Individuen oder Familien die alleinige Verfügungsgewalt und das Verwertungsrecht am knappen Gut Wohnraum inne haben, sondern eine Gemeinschaft der BewohnerInnen (Hausverein, Genossenschaft, o.ä.) die nur gemeinsam darüber entscheiden kann, wie damit zu verfahren ist und idealerweise Regelungen trifft, die verhindern, dass Wohneigentum überhaupt noch auf dem "freien" Markt angeboten werden kann.


    Die LINKE würde z.B.wohl am liebsten das Wohneigentum komplett verstaatlichen, bzw. es - wie die berliner Initiative zur "Enteignung" großer Vermieterkonzerne vorschlägt - in das Eigentum einer Gesellschaft öffentlichen Rechts überführen.

    Allerdings haben wir in der Vergangenheit schon häufig gesehen, dass solches staatliches Eigentum bei klammen Staatskassen auch gerne mal massenhaft an Investoren verschleudert wird - selbst da wo die Linkspartei an der Staatsregierung beteiligt war.


    Auch bei der Vergemeinschaftung oder Vergesellschaftung gibt es unterschiedliche Formen mit Vor- und Nachteilen. Die sicherste Variante, um Wohnimmobilien nachhaltig dem Markt zu entziehen und somit einen Anstieg der Mieten zu verhindern, praktiziert derzeit das Mietshäuusersyndikat.

    Für solche linken Modelle ist allerdings nur sehr wenig bis gar keine staatliche Förderung zu haben, so dass das bei den heutigen Preisen in vielen Fällen nicht mehr finanzierbar ist. Wollte man den Mietenwahnsinn und die laufende Betongold-Bonanza in den Innenstädten dauerhaft unterbinden, müsste man allerdings genau solche kollektiven Modelle fördern, anstatt - wie die fdP - nach immer neuen Wegen zu suchen, wie man das Marktgeschehen noch weiter Individualisieren kann.


    Ein weiteres - und leider hoch explosives - Thema bei der Mietenfrage ist der Umstand, dass heute ja längst nicht nur von spekulativen Privatanlegern und Investmentfirmen in Betongold investiert wird, sondern auch von saatlichen Pensions- und Rentenfonds, die aufgrund mangelnder "sicherer" Investitionsmöglichkeiten mit Billionen von weltweitem Anlagekapital auf die Immobilienmärkte drängen und so die Preise weiter in die Höhe treiben, während viele Menschen, die ihre Rücklagen für den Lebensabend - so wie die fdP das für richtig hält - auf solche Kapitalmarktvehikel gesetzt haben, sich die Mieten nicht mehr leisten können.

    Wenn die Immobilienblase dann unweigerlich irgendwann platzen sollte, stünden nicht nur die Renditejäger blöd da, sondern auch Millionen von RentnerInnen weltweit, die dann leider nichts mehr von ihrer Kapitalgedeckten Altersvorsorge hätten.


    Aber auch hiervon profitieren zur Zeit vor allem die großen privaten Investmentfirmen und ihre AnlegerInnen, die immer häufiger Partnerschaften mit den staatlichen Fonds eingehen, um ihr eigenes Anlagekapital mit den Rücklagen der beitragszahlenden ArbeitnehmerInnen aufzuhebeln. Und genau für dieses Klientel machen Leute wie Christian Lindner Politik.

  • Utan


    Danke für deine Ausführliche Antwort. Ich bin gerade auf dem Sprung und werde nochmal mehr dazu sagen. Aber vorweck zwei Kleinigkeiten:

    1. Ich weiß das man gesetzlich genug vererben kann. Aber man kann halt auch viiiiiiiiiiiel mehr als genug vererben. Das will ich abschaffen. Das unterscheidet meine "Vision" auch total von FDP und eigentlich allen anderen Ansätzen.


    2.

    Zitat

    2. Sollte ich dann allerdings meine Arbeit verlieren und nicht mehr in der Lage sein, den Kredit abzubezahlen, dann müsste ich mein auf Pump gekauftes "Eigentum" wieder verkaufen, um den Kredit ablösen zu können.

    Nur wenn das Konzept "steif" umgesetzt wird. Es wäre konzeptionell einfach das wesentlich problemfreier umzusetzen. Wenn du deinen Job verlierst, dann musst du ja weiterhin wohnen und Miete bezahlen. Ob du das jetzt vom Amt bekommst oder wie auch immer. Irgendwie haben ja die allermeisten Menschen bei uns ein Dach überm Kopf. Ob diese Zahlung jetzt an den Vermieter geht oder in den "Mietkauf-Pott" spielt doch keine Rolle.


    Also nur damit das nochmal deutlich wird:

    Damit das funktioniert müsste sich der Staat massiv in den Immobilienmarkt einmischen. Also am besten selbst Immobilien besitzen (Am besten die, welche durch meine vorgeschlagene Zwangsenteignung in den Besitz des Staates kommen). Der Kredit würde auch nicht bei der Bank aufgenommen werden sondern das wäre ein Mietkaufprojekt vom Staat. Die Bewohner dieser Staatlichen Immobilien würden keine Miete zahlen sondern in einen "Mietkaufpott" zahlen. Dieses Geld (abzgl. anteiliger Renovierungskosten und anderer Kosten die dem Staat zur pflege von Immobilien aus diesem Projekt entstehen) kann dann entweder zum Kauf der bewohnten Immobilie genommen werden (wenn der Kaufpreis erreicht ist) oder für eine andere Immobilie aus dem Programm.


    Klar, dass es auch Anreize geben muss wieder in Arbeit zu kommen und nicht seinen Mietkauf vom Staat finanzieren zu lassen aber das ist eine andere Baustelle. Beispielsweise könnte vom Amt gezahltes Geld einfach nicht in den Mietkaufpott fließen. Man würde also nicht auf eine bestimmte Immobilie sparen.

  • Ja gut. Das unterscheidet sich natürlich hinsichtlich der Finanzierung von den Plänen der fdP.


    Aber wie willst Du sicherstellen, dass fertig finanziertes mietgekauftes Wohneigentum dann nicht profitabel vermietet oder an Spekulanten verkauft wird?

  • Insgesamt zielen aber alle meine "Forderungen" auf geerbtes Vermögen ab. Selbst erwirtschaftetes Vermögen kann meinetwegen vollkommen Steuerfrei vererbt werden. Mir geht es darum, dass nicht Mehrfamilienhäuser oder große Vermögen von Generation zu Generation weitergereicht werden. Leute die sich etwas erarbeiten oder erbauen und das DIREKT ihren Kindern und Enkeln vererben, sollen das gerne können. Nur die Kinder können Ihr Erbe eben nicht weitervererben.

    Wenn du also 5 mio geerbt hast und bei deinem Tod 5 mio Vermögen hast, dann kannst du nur meine Freigrenzen vererben. Falls du 5 mio geerbt hast und bei deinem Tod 6 mio auf deinem Konto hast, dann kannst du mindestens 1 mio vererben.


    Ich hoffe jetzt ist meine Idee etwas deutlicher

    Finde die Idee gar nicht mal so schlecht. Das einzige Problem ist, dass es dann sehr heftig wird, wenn zwei Generationen kurz nacheinander sterben. Bsp. der Großvater, dem der Betrieb noch gehört, stirbt mit 82 Jahren und hat das Unternehmen bis dahin auch geleitet. Ein Jahr später stirbt die erbende Tochter mit 59 Jahren an Krebs und der Enkel (25 Jahre) muss die Firma übernehmen, was eh schon hart wird und auch noch die komplette Summe versteuern. Es bleibt also nur der Verkauf an einen Finanzinvestor und viele mittelständische Unternehmen überleben sowas nicht, Hunderte Arbeitsplätze gehen verloren. An jedem Arbeitsplatz hängt eine Existenz und oft eine Familie.


    Wie würdest du dieses Thema gestalten in deinem Konzept?

  • Da nehmen wir einfach das Sterben raus. Wir machen das fiktiv alle 30 Jahre wie bei den Stiftungen und erstrecken das gleich über alle eingetragenen Gesellschaftsformen, dann kann man das schön planen.

    naja, dann besteht aber das Problem, wenn ich weiß, wann dieser Zeitpunkt sein wird, ist es ziemlich einfach für mich, zu dem Zeitpunkt ein sehr niedriges Vermögen zu haben oder auch gar nicht in Deutschland zu leben.

    Das ist dann eben auch eine "Dummensteuer", so wie auch die Grunderwerbsteuer...

  • naja, dann besteht aber das Problem, wenn ich weiß, wann dieser Zeitpunkt sein wird, ist es ziemlich einfach für mich, zu dem Zeitpunkt ein sehr niedriges Vermögen zu haben oder auch gar nicht in Deutschland zu leben.

    Das ist dann eben auch eine "Dummensteuer", so wie auch die Grunderwerbsteuer...

    Dann schau mer eben in die letzten 30 Jahresabschlüsse, wenn die Bude jedes Jahr mit runtergelassener Hose dasteht kriegt sie eben nix finanziert; oder eine saubere Steuerprüfung weil arm aber goldene Wasserhähne...

  • Das ist dann eben auch eine "Dummensteuer", so wie auch die Grunderwerbsteuer...

    Genau Indi!


    So ist das. Der Ehrliche ist immer der Dumme - weiß der Volksmund.


    Immerhin sind die schlauen Unehrlichen immer noch dumm genug, sich für ihre Betrügereien auch noch abzufeiern. Wenn ich mal stalinistischer Diktator bin weiß ich wenigstens bei wem ich anfangen muss, das Villengrundstück zu planieren. Mit den Trotzkis kann man sich auch später noch befassen.

  • Ich fand das Interview bissl arg unkritisch, vor allem halt, wie ich oben schon geschrieben habe, die Frage, ob man die Reichen einfach so freiwillig dazu bringen kann, Steuern zu bezahlen, was IMO unmöglich ist. Das muss keine individuelle Schuld sein, sondern das ist halt einfach ein Strukturproblem. Auch gefällt mir diese Selbstgefälligkeit von Marlene nicht, die sich äußert in einer stark überhöhten Selbstdarstellung.


    Ich vermute:

    1. Tilo hat die gleiche Meinung wie ich.

    2. Er findet Marle aber sympathisch und will sie nicht mit zu kritischen Fragen "bedrängen" (ist ja immer auch ein Geben und Nehmen), findet aber ihr Anliegen gut und will Werbung dafür machen.

    3. Marlene hat eine mittlere bis wenige Relevanz bei Tilos Auswahl an Interviews, daher hat er sich für Punkt 2 entschieden.


    Von daher sehe ich das Interview eher als Werbung für das was Marlene macht, was ja auch legitim ist.

  • na wo gehst du denn hin, wenn sich die proletarierer aller länder mal wirklich vereinigen? mit space daddy elon zum mars?

    was habe linke mit der Arbeitsklasse noch zu tun?



    auf der eine Seite wählen die Arbeiter eher die Reps als auch die AFD auf der anderen Seite verachten die Akademiker der linke Parteien immer mehr die Arbeiterschaft!

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