Nach der Wahl ist vor der Wahl - US-Politik nach Trump

  • Hm, wenn ich so auf die US-Neuinfektionszahlen schaue, könnten die nächsten zwei Wochen einen Anstieg auf den nächsten peak bedeuten. Sieht jedenfalls nach der Sommerkurve aus, die ja schon besser gemessen war. Im Prinzip, wenn sie nicht in den letzten Wochen ausreichende Gegenmaßnahmen ergriffen haben, müsste es eigentlich so kommen.


    Konventionell nichts was Trump hilft, aber könnte zu dem unkonventionellen Versuch, die Wahl abzusagen führen.

  • Ich habe mich schon gefragt, wann Intercepted mal weiter geht. Jetzt fängt Jeremy Scahill erstmal mit einer mehrteiligen Podcast-Dokumentation von Trumps Präsidentschaft wieder an, "American Mythology: The Presidency of Donald Trump". Ich muss selbst noch reinhören. Die Titel der veröffentlichten Teile (kommen vielleicht noch mehr) klingen nach einer Generalabrechnung:


  • https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=485896


    imho: Ice Cube zieht sein Argument durch, dass Trump am ersten Tag rausfliegt und keiner daran denkt, was danach kommt. Bei Biden wird es dasselbe sein wie bei Trump nur eben unter Biden und den Dems. Man muss also jetzt vor der Wahl den Dems signalisieren, dass da mehr kommen muss als das bisherige und man durchaus mit der Vorstellung der "richtigeren" Wahlen spielen kann.


  • Ah, ich finde man darf da aber auch nicht zu unterkomplex rangehen. Vorausgesetzt das stimmt, als Sanders Biden seine Unterstützung zugesagt hat, da wollte er vielleicht noch gar nicht Teil seiner Regierung werden und hat sich eher Sorgen gemacht, ob Biden mit seinem dünnen Angebot an den Wähler Trump überhaupt schlagen kann. Im Gegensatz zu vielen seiner Mitkandidaten war das für ihn keine Maßnahme der Karriereförderung, er wollte sicherlich nur die Präsidentschaft.


    Mittlerweile sieht es danach aus, als ob die Demokraten sogar den Senat gewinnen könnten, was überhaupt erstmal die Voraussetzung ist, dass sie auch in einem bedeutungsvollen Maß Gesetze erlassen können anstatt der sonst zu erwartenden Dauerblockade. Da wird dann vielleicht auch eine Position im Kabinett interessanter, weil legislative Initiative natürlich auch von der Regierung kommt, in der die Linke deutlich unterrepräsentiert sein wird. Zudem hat Sanders wie andere progressives geringe Aussichten an Bidens Leuten vorbeizukommen. Seine beste Chance auf einen Posten wäre also die persönliche Beziehung zu Biden, der diese Opposition überstimmen kann.

  • Ah, ich finde man darf da aber auch nicht zu unterkomplex rangehen. Vorausgesetzt das stimmt, als Sanders Biden seine Unterstützung zugesagt hat, da wollte er vielleicht noch gar nicht Teil seiner Regierung werden und hat sich eher Sorgen gemacht, ob Biden mit seinem dünnen Angebot an den Wähler Trump überhaupt schlagen kann. Im Gegensatz zu vielen seiner Mitkandidaten war das für ihn keine Maßnahme der Karriereförderung, er wollte sicherlich nur die Präsidentschaft.

    Da wünsch ich mir @Clive zurück. Bernies Erfolg war nicht unbedingt die Kampagne "Wir wählen Trump ab", sondern ein Bewältigen der Probleme, deren Symptom Trump ist. Und dieser Standpuntk wurde bei Biden nicht übernommen.


    Momentan macht Bernie in Michigan Wahlkampf für Biden und niemand hört ihn zu, weil er nicht die Standpunkte vertritt oder unterbringen kann. Wenn man die Linke gegen Trump mobilisieren will, muss da eben mehr her als die Angst vor Trump oder: wenn man Trump abwählen will, muss mehr her als "my good friend"-Biden, der bei den Linken inzwischen als Kriegsverbrecher zu Trump relativiert wird.


    Und zum Punkt Karriereförderung: Wurde nicht eher Bernies Karriere gesichert dadurch, dass er konfrom ist mit den Demokraten? Von wegen trete niemanden auf die Füße und alles ist in Ordnung. Er hat einfach nicht verhandelt oder Forderungen gestellt. Wenn er Maximalforderungen gestellt hätte, wie "Ich will das oder jenes Amt", dann hätte er davon nach und nach abweichen können, aber man hätte die Demokraten bewegt. Das ist nicht individuelle Karrieregeilheit, sondern eher sowas wie eine Diskussion mit dem Chef, ob man nicht auch mal eine Gehaltserhöhung bekommen könnte oder so.

  • Es war stets Hauptvorwurf an Sanders seit seinem Ausscheiden und dem darauffolgenden bedingungslosen Unterwerfen unter den DNC, er müsse für seine Unterstützung und die seiner Wähler wenigstens ein paar Dinge einfordern.


    Den Vorwurf kann ich verstehen. Ich persönlich glaube nicht, dass da ohne die Bereitschaft Biden zu bekämpfen, etwas bei rumgekommen wäre. Und wie gesagt, ich denke Sanders dachte eher so in die Richtung Biden braucht alle Hilfe, die er kriegen kann.


    Das ist nicht unterkomplex, sondern ein told you so.


    Na vielleicht wenn Sanders vor einem halben Jahr tatsächlich Teil von Bidens Regierung werden wollte und gedacht hat, ich warte lieber ab. Aber ich glaube nicht, dass irgendwer, auch nicht Kulinski, Sanders geraten hat, eine Position für sich einzufordern. Denn die meisten dachten, er ist durch. Ich auch. Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob da überhaupt was dran ist.


    (Weiß nicht wie es genau funktioniert, aber eine weitere Karte hat Sanders vielleicht auch noch, nämlich, dass sie ihn aus seiner Seniorität herauskaufen können.)

  • Den Vorwurf kann ich verstehen. Ich persönlich glaube nicht, dass da ohne die Bereitschaft Biden zu bekämpfen, etwas bei rumgekommen wäre. Und wie gesagt, ich denke Sanders dachte eher so in die Richtung Biden braucht alle Hilfe, die er kriegen kann.


    Na vielleicht wenn Sanders vor einem halben Jahr tatsächlich Teil von Bidens Regierung werden wollte und gedacht hat, ich warte lieber ab. Aber ich glaube nicht, dass irgendwer, auch nicht Kulinski, Sanders geraten hat, eine Position für sich einzufordern. Denn die meisten dachten, er ist durch. Ich auch. Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob da überhaupt was dran ist.


    (Weiß nicht wie es genau funktioniert, aber eine weitere Karte hat Sanders vielleicht auch noch, nämlich, dass sie ihn aus seiner Seniorität herauskaufen können.)

    Doch, hat Kulinski - zwar nicht um Position für Bernie einzufordern, aber eben um die Stanpunkte zu vertreten:


    Und imho ist das eine ähnlich Idee.

  • Da wünsch ich mir @Clive zurück.


    Ist Clive weg? Er hat eine Weile nichts geschrieben, das stimmt wohl.


    Ansonsten, Sanders hätte halt gewinnen müssen, ich habe nie geglaubt, dass er irgendwas groß herausholen wird, wenn er verliert. Der Punkt für das Establishment war ja nicht Biden zu helfen oder Sanders zu verhindern, sondern die Linke von der Macht wegzuhalten. Und Sanders ist einfach nicht jemand, der riskiert hätte, Trump zu helfen, um Zusagen herauszuholen. Was wie gesagt aus meiner Sicht notwendig gewesen wäre. Das bisschen an linkem Programm, was diese mit Biden ausgehandelte Komission bekommen hat, ist schon mehr als ich gedacht hätte und war vielleicht auch nur möglich, weil seine Leute davon ausgehen durch die Kriselage nichts davon umsetzen zu müssen.


    Und ich nehme auch nicht Anstoß an "Karrieregeilheit", schließlich ist es ja im konventionellen politischen System Teil der Arbeit eines Politikers auch persönlich mehr und mehr Macht zu erlangen. Aber Sanders hat glaube ich zurecht gesehen, dass er nur als Präsident wirklich bedeutsam Einfluss nehmen kann, und alles darunter in seinem Alter gegenüber der Senatsposition nicht wirklich attraktiv ist. Nochmal deswegen habe ich auch Zweifel, dass er wirklich den Posten will.

  • Doch, hat Kulinski - zwar nicht um Position für Bernie einzufordern [...]


    Aber darum geht es. Dass Kulinski wollte, dass Sanders Biden seine Unterstützung wenigstens teuer verkauft, ist ja klar. Ich denke halt nur, dann hätte Biden gesagt, brauche ich nicht. Und - dachte ich zwar damals nicht - aber mittlerweile ich glaube, er hätte sie wirklich nicht gebraucht. Man hätte mit dem Entzug linker Stimmen drohen müssen, und dafür hat es Sanders immer für zu wichtig gehalten, Trump zu besiegen. Das war auch mein Punkt gegenüber Clive. Der ist bloß überzeugt, dass aus Sanders bisheriger Haltung zwingend folgt, dass er diese Drohung hätte machen müssen.

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