#521 - Nachhaltiges Bauen | Annette Hillebrandt

    • China hat zwischen 2011 und 2013 ca. 6,6 Mrd. Tonnen Beton verbraucht, die USA im gesamten 20. Jahrhundert "nur" 4,5 Mrd. Tonnen. Gibt es solche Zahlen auch für den europäischen Raum oder für Deutschland? (Quelle: SZ)
    • Kann man nachvollziehen wie sich die Urbanisierung auf den Ressourcenverbrauch von Baustoffen auswirkt? Ist es nachhaltiger den Zuzug in die Städte zu fördern oder eher eine Suburbanisierung bzw. Entwicklung des ländlichen Raumes?
    • Wo kommen eigentlich die Rohstoffe her, die in Deutschland für das Bauen verwendet werden? Ist es absehbar, dass es irgendwann z.B. zu wenig Sand, Holz oder andere Rohstoffe geben wird?
    • Kann man nachvollziehen, welche Sektoren es beim Rohstoffverbrauch gibt, z.B. Gebäudebau, Verkehr? Welcher Sektor verbraucht da am meisten?
    • Gibt es auch Unterschiede in den Bauweisen von Land zu Land? Warum ist z.B. das Holzhaus in den USA so beliebt, während in Europa eher mit Ziegeln gebaut wird?
    • Kannst du erklären, warum die Holzpreise derzeit stark ansteigen? Hat das auch etwas mit dem Waldsterben bedingt durch den Klimawandel zu tun?
    • Inwieweit verändert der Klimawandel die Zielsetzungen nachhaltigen Bauens? D. h. wird über Lüftungssysteme ohne massig Stromverbrauch, die Gebäude halbwegs kühl halten in Hitzewellen, nachgedacht; verändern sich Ansprüche an Materialien weg vom Kauf- und Verarbeitungspreis hin zu "nachhaltigen" Betriebskostenabwägungen usw.?
    • Wie kann man an der Verzahnung zwischen baurechtlichen Vorschriften einerseits und nachhaltigen und sozialverträglichen Bauweisen vor allem in der Stadt andererseits arbeiten bzw. passiert da überhaupt etwas?
    • Wie sehr schlägt grundsätzlich das Pendel im Bauwesen zwischen Nachhaltigkeit einerseits und Sozialverträglichkeit andererseits aus?
    • Welche Rolle kann die Pandemie als Chance für nachhaltige Architektur einnehmen? Stichworte: Homeoffice, coworking spaces, Datenmobilität statt Menschenmobilität usw.
    • Der Wohnraum pro Person wird aus vielerlei Gründen seit Jahrzehnten größer, welche (wenn überhaupt) Denkanstöße kann nachhaltige Architektur liefern, um diese Entwicklung auszugleichen?
    • Gibt es ernsthaftes Interesse an ihrem Forschungs- / Arbeitsgebiet aus der (Berufs-)Politik?
  • Interessantes Thema, hatte leider keine Zeit das Interview live zu gucken weil es so kurzfristig kam, werde das Video jetzt erst gucken.

    China hat zwischen 2011 und 2013 ca. 6,6 Mrd. Tonnen Beton verbraucht, die USA im gesamten 20. Jahrhundert "nur" 4,5 Mrd. Tonnen. Gibt es solche Zahlen auch für den europäischen Raum oder für Deutschland? (Quelle: SZ)

    Keine Ahnung ob deine Fragen beantwortet wurden, aber ich hab mir ein paar Sachen für dieses Video auch mal kurz rausgesucht.

    Ist zwar nicht speziell für Beton, aber beim UBA findet man für Rohstoffe folgende Grafik, die Baumineralien dort sind ja die Vorstufe für Beton/Zement etc.

    uba_de_20155pjbs.jpg

    Wo kommen eigentlich die Rohstoffe her, die in Deutschland für das Bauen verwendet werden? Ist es absehbar, dass es irgendwann z.B. zu wenig Sand, Holz oder andere Rohstoffe geben wird?

    Auch hier wieder eine Grafik vom UBA, man sieht zwar nicht genau woher die Rohstoffe kommen, dafür müsste man halt jeweils den Import nachgucken, aber man sieht hier zumindest schonmal welcher Anteil aus dem Ausland importiert wird:

    in_ex_anteil_rmi_dewnjue.jpg

    Kann man nachvollziehen, welche Sektoren es beim Rohstoffverbrauch gibt, z.B. Gebäudebau, Verkehr? Welcher Sektor verbraucht da am meisten?

    Auch wieder vom UBA:

    rgsec_de2uj4x.jpg

    rmidenvjgj.jpg

    Kannst du erklären, warum die Holzpreise derzeit stark ansteigen? Hat das auch etwas mit dem Waldsterben bedingt durch den Klimawandel zu tun?

    Auch wenn es weitere Gründe dafür gibt, soweit ich das mitbekommen habe sind hauptsächlich die USA mit ihrem riesigen Krisen-Investitionsprogramm dafür verantwortlich.

    Der Schlüsselmarkt 2020 waren die USA. Consulter Russ Taylor, Russ Taylor Global, beschrieb die derzeitige Marktlage mit: „So etwas gab es noch nie“. Der Hausbau und der DIY-Bereich legten im Vorjahr zu. „Demografisch müsste noch mehr gebaut werden“, analysierte Taylor. Dennoch lag der Bedarf mit 82 Mio. m3 Nadelschnittholz doch deutlich unter dem Peakkonsum von 107 Mio. m3 2005. Dass es 2020 auch jetzt zu diesen Rekordpreisen kommt, liege daran, dass der 90 %-Versorger Kanada nicht mehr produzieren kann.

    Bis 2023 wird der Nadelschnittholz-Bedarf der USA weiter steigen. Allein für heuer werden +4,5 % vorhergesagt. „Diese Mehrmenge wird nicht aus Kanada kommen – hier tun sich weitere Chancen für europäische Lieferanten auf“, sagt Taylor voraus. 2020 ist die Produktion in Kanada gesunken. ...

  • LDR


    Jo danke, die Ankündigung kam ja recht kurzfristig und dann hab ich es auch direkt geguckt ohne meinen Fragen parallel nachzugehen. Daher danke ich dir für deine kurze Nachforschung.


    PS: Aber es ist ein wirklich gutes Interview geworden. Die 2h40 lohnen sich und vergehen wie im Flug Hillebrandt ist eine echte Sympathieträgerin und tolle Kommunikatorin!

  • Tilo

    Hat den Titel des Themas von „#521 - Nachhaltige Architektur | Annette Hillebrandt“ zu „#521 - Nachhaltiges Bauen | Annette Hillebrandt“ geändert.

  • Kann man eigentlich irgendwie abschätzen in welchem Umfang (z.B.) in der Bauwirtschaft Externalisiert wird? Sprich, gibt es Abschätzungen die einigermassen belastbar sind wie hoch die Kosten, die der Gesellschaft aufgebürdet werden, im Vergleich zu den Profiten sind? Gibt es da eine Zahl in Euro?


    Wie steht es mit Wachstum? Wachstum ist ne Zahl die in Euro ausgedrückt wird (als % vom BIP. Demgegenüber steht eine Kontraktion der Ökosphäre. Nachhaltiges Wachstum, die berühmte Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch, müsste nicht nur CO2 neutralität beinhalten. Nachhaltges Wachstum wäre nur dann erreicht wenn trotz Wachstum die Kontraktion der Ökosphäre insgesamt bei null angelangt ist und keinerlei Externalisierung stattfindet.


    Sind solche Überlegungen in Studien über nachhaltiges Wachstum eingeflossen?


    Ich hab ne weile im Web gesucht, aber ich fürchte da muss man in Bibliotheken suchen, falls es dazu überhaupt was gibt. Ich sags mal so, drittmittel aus der Wirtschaft kriegt man für so eine Studie sicher nicht.

  • In dem Gespräch geht es sehr viel über den Bergbau. Tatsächlich spielt Nachhaltigkeit im Bergbau leider so gut wie keine Rolle, es ist ziemlich erschütternd.


    Falls jemand da zusätzliche Infos wünscht, diser Vortrag von Bergbau-Professor Simon Michaux ist schon ein paar Jahre alt aber eine tolle Erläuterung der Probleme die wir mit ungeheurer idiotie in unserem Wirtschaftssystem seit vielen Jahren ignorieren.


  • Ein extrem interessantes Gespräch!
    Die Rückbaufähigkeit, der Neubau ohne Bodenversiegelung und die Priorisierung von bereits versiegelten Flächen sollte auf jeden Fall zur Pflicht gemacht werden. Das würde von der Bevölkerung auch eher akzeptiert werden als ein Verbot von Einfamilienhäusern und ein erzwungenes Wohnen in Hochhäusern.
    Versiegelte Flächen (und damit genügend Platz) haben wir bereits durch die vielen überflüßigen Straßen und Parkplätze. Wie wäre es wenn "die Linken" das soziale mit dem ökologischen verbindet indem sie Alternativen zum Auto propagiert/fördert und gleichzeitig mehr attraktiven Wohnraum propagiert/fördert, der auf den Straßen errichtet werden kann die durch die Mobilitätsalternativen überflüßig geworden sind?

    Es wären sicherlich viel mehr Menschen bereit ihr Auto aufzugeben, wenn sie dafür eine bessere Lebensqualität in Bezug auf ihre Wohnsituation erhalten würden. Ich meine damit nicht, dass jedem jetzt ein Einfamilienhaus hingestellt werden soll. Aber mehr Platz für jeden sollte doch drin sein. Es gibt so viele Kinder - besonders von Geringverdienern - die nicht mal ein eigenes Zimmer haben, obwohl es ihnen vom Gesetz her zusteht. Aber auch Besserverdienende für die Homeoffice ein Thema ist würde man damit vielleicht abholen.

    Die Frage ist nur wieviel Neubau möglich ist, ohne den ökologischen Gewinn den die alternative Mobilität einbringen würde wieder kaputt zu machen.

    • China hat zwischen 2011 und 2013 ca. 6,6 Mrd. Tonnen Beton verbraucht, die USA im gesamten 20. Jahrhundert "nur" 4,5 Mrd. Tonnen. Gibt es solche Zahlen auch für den europäischen Raum oder für Deutschland? (Quelle: SZ)
    • Kann man nachvollziehen wie sich die Urbanisierung auf den Ressourcenverbrauch von Baustoffen auswirkt? Ist es nachhaltiger den Zuzug in die Städte zu fördern oder eher eine Suburbanisierung bzw. Entwicklung des ländlichen Raumes?
      • Ich kann deine Frage, nicht generell beantworten, jedoch ist seit 30 Jahren. der weltweit, andauernde Trend zur Urbanisierung hin zu Megastädten, ein soziales und ökologisches Problem. Jene die vorher im ländlichen Raum in recyclebaren, in Häusern aus Naturbaustoffen lebten, ziehen nun in Städte mit Betonburgen oder in Wellblechhütten. Oft herrschen dort katastrophale hygienische Bedingungen, sowie toxischen Umweltverhältnisse – Mit einem Blick nach Bangladesch, Indien, Pakistan sollte klar werden was ich meine.
    • Wo kommen eigentlich die Rohstoffe her, die in Deutschland für das Bauen verwendet werden? Ist es absehbar, dass es irgendwann z.B. zu wenig Sand, Holz oder andere Rohstoffe geben wird?
      • Eher geringe Anteile der Rohstoffen kommen aus Deutschland, der Rest wird zu Weltmarktpreisen auf der Welt eingekauft. Bei Metallen ist es mir nicht bekannt das es in Deutschland Erzmienen gibt. Kupfer, Alu (Bauxid), Zink, Zinn uvm. Die Rohstoffe kommen von irgendwo her und werden hier zu Produkten verarbeitet. (Stahl ist ein veredeltes Produkt). Annette Hillebrandt nannte ein sehr gutes Beispiel, die Aluminumfelgen fürs Auto. Die Rohstoffpreise werden unaufhaltsam steigen, weil der Abbau/Gewinnung immer teuer und aufwendiger wird. Den Anteil von Rohstoffen aus Recycelten Materialien, kann ich nicht einschätzen. Hillebrandt sehr gut dargestellt wo je nach Werkstoff die Probleme mit Recycling liegen. Metalle Super, Kunststoffe keine Chance.
    • Kann man nachvollziehen, welche Sektoren es beim Rohstoffverbrauch gibt, z.B. Gebäudebau, Verkehr? Welcher Sektor verbraucht da am meisten?
      • Theoretisch ja, weil die unterschiedlichen Sektoren, wie Hochbau, Tiefbau, Straßenbau, traditionell eine starke Trennung aufweisen. Die schwierigkeit ist eher das Erfassen aller Baumaßnahmen.
    • Gibt es auch Unterschiede in den Bauweisen von Land zu Land? Warum ist z.B. das Holzhaus in den USA so beliebt, während in Europa eher mit Ziegeln gebaut wird?
      • In den USA baut man primär deswegen aus Holz weil es Kostengünstiger ist.
    • Kannst du erklären, warum die Holzpreise derzeit stark ansteigen? Hat das auch etwas mit dem Waldsterben bedingt durch den Klimawandel zu tun?
      • Es wird gesagt das die Nachfrage nach Bauholz global gestiegen ist, weil weltweit plötzlich sehr viel gebaut wird. Holz ist zwar ein Nachwachsender Rohstoff, jedoch auch immer nur begrenzt verfügbar. Und wenn die Wälder kleiner werden, gibts auch weniger Holz.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!