#507 - Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)

  • Wer hätte gedacht, dass jemand von solcher Statur komplett ohne Rückgrat auskommt?

    Wer hätte gedacht, dass man als Wendehals garkeinen Hals braucht?

    Der Typ kann zwei Teile einer Frage in einem Satz vollkommen widersprüchlich beantworten, ein Großmeister des Doppeldenk.


    Tilo deine Körperbeherrschung ist übermenschlich.

  • Sry, ich kann mir das (vielleicht noch) genausowenig anschauen wie ein Interview mit Gauland. Vielleicht kommt das ja noch irgendwann. Aber mit Altmeier verbinde ich immer noch diesen fiesen Auftritt bei Böhmermann im Neo Magazin Royal. Irgendwie waren die Gäste dazu aufgerufen mit einem für sie bedeutenden Gegenstand in der Sendung aufzutauchen. Und mit was kommt Altmeier?

    Mit 'ner Scheiß Pickelhaube!

    Ich meine Preußennostalgie ist er in Berlin/Potsdam und Umgebung sowieso "der Shit". Und auch so beschissene Kandidaten wie der Exkanzler fandens andscheinend ganz geil sich so ein riesiges Preußengemälde ins Büro zu hängen.

    Rückwärts immer, vorwärts nimmer.

  • Ich verstehe nicht so ganz, warum man sich das nicht ansehen mag. Natürlich passt es mir wie vielen anderen auch nicht, was Peter Altmaier für Antworten und Ausführung von sich gibt. Sie spiegeln aber wunderbar Altmaiers gesellschaftlich konservativ-patriarchialische und wirtschaftlich-liberale Ideologie wieder, die nicht mehr zeitgemäß ist. Mehrere Male habe ich die Ohren spitzen müssen als er u.a. sagte: "Diese Menschen [die Unternehmen] mögen es nicht, wenn sie reguliert werden" oder "Ich als Wirtschaftsminister bin zuständig für die Unternehmen." Das waren mit Sicherheit keine Freud'schen mehr, sondern in ziemlich zutreffender Weise das Bild, welches Altmaier von der Gesellschaft Nämlich, dass es die kapitalstarken Großunternehmen aus Industrie und Dienstleistung sind, die Träger von Staat und Gesellschaft sind. Die Gesellschaft, v.a. bestehend aus der working poor veräußerst sich und ihre Arbeitskraft trotz pandemiebedingter Gesundheitsrisiken für die Großunternehmen. Gestüzt werden die für UnserWohlstand sorgenden Unternehmen vom Staat, der in möglichst brutaler partriarchialer Weise Maßnahmen beschließt, die das Privatleben der working poor reguliert, jedoch jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren.


    Interessanterweise finden bei Altmaier die kleinen Unternehmen, die unseren Alltag bereichern - wichtige Dienstleister und Dienstleister:innen, wie Friseur:innen, Buchhändler:innen, die gesamte Kulturbranche, die auch allesamt Akteure innerhalb der Wirtschaft sind - keine Erwähnung. Selbst bei Tilos Fallbeispiel geht die Leugnung weiter. Es deckt sich mit den Erfahrungen über nicht gezahlte Leistungen, die ich in meinem Bekanntenkreis gemacht habe. Das geht soweit, dass ich von Friseur:innen mitbekommen hab, die trotz Kontaktbeschränkungen und geschlossenen Salons illegalerweise Hausbesuche gemacht haben, damit sie Miete + Essen + Rechnungen bezahlen konnte. Sowas scheint es in Altmaiers Fabelwelt nicht zu geben.


    Kleinunternehmer:innen scheinen aufgrund ihres geringen Kapitals nicht schützenswert oder systemrelevant. Wenn Altmaier sein ministerialies Selbstverständnis konsequent in der Praxis anwenden würde, müsste er ja alles daran setzen, dass auch diese Unternehmen (und ihre Arbeitnehmer:innen) nicht vor dem bankrott oder Arbeitslosigkeit stehen. Das war zumindest aus dem ersten Teil über die Pandemie, was ich über Altmaier lernen konnte.


    Ansonsten, was mir auch schon in diversen BPKs (und die paar Talkshowauftritten) aufgefallen ist, ist er vom Politiker-Typus "dem Polterer" a la Sigmar Gabriel zuzuordenen. Auf kritische Nachfrage wird gerne lauter gar patzig geantwortet, ich vermute mal nicht ganz unkalkuliert. Fragen werden konsequent ignoriert bis er bis zum bitteren Ende seine eigenen Talking Points untergebracht hat. Im Gegensatz zum Interview mit Siggi aber top vorbereitet Tilo . Nicht unterkriegen lassen und das mediale Echo bei Anne Will spricht für sich! Von daher: Guckt euch diese 1h40 Altmaier an. Es lohnt sich, auch wenns nicht eurer Ideologie entspricht!

  • Neben Expert:innen Interviews, die den Wissensdurst stillen, sind Interjuhs mit Unionler:innen immer die Besten, finde ich^^


    Letzter Punkt noch zu Altmaier: Es ist ja auch insofern spannend, als dass so gut wie jeder Mensch zu spüren bekommt, wenn Regierungshandeln- und verantwortung sich mit dieser Altmaier'schen Ideologie kreuzt. Die Pandemie betrifft uns alle ohne Ausnahme, egal welcher Ideologie wir anhängen, egal welche Meinung wir zu bestimmen politischen Thema haben. Jeder und jede ist in irgendeiner Weise im sozialen schwer getroffen, steht vor großen finanziellen/existenziellen Problemen, vom Virus selber infiziert gar mit symptomatischen Verlauf und hat sogar Mitmenschen im eigenen Umfeld verloren. Das ist es, was die von mir oben beschriebene Ideologie so perfide macht. Selbst in einer gesellschaftlichen Ausnahmesituation, die von allen die letzten Ressourcen abverlangt, fordert sie Menschenleben zugunsten von Profit.

  • Ich verstehe nicht so ganz, warum man sich das nicht ansehen mag. Natürlich passt es mir wie vielen anderen auch nicht, was Peter Altmaier für Antworten und Ausführung von sich gibt. Sie spiegeln aber wunderbar Altmaiers gesellschaftlich konservativ-patriarchialische und wirtschaftlich-liberale Ideologie wieder, die nicht mehr zeitgemäß ist.

    Ja nun, Schafe machen mäh.

    Deshalb stelle ich mich ja nicht stundenlang auf die Wiese und lausche gespannt, ob sie auch wirklich mäh machen.


    Das soll jetzt bitte nicht als Kritik an Tilo, seinen Interviews oder sonstwas verstanden werden, aber dass Peter Altmaier Peter Altmaier-Sachen sagt, überrascht wenig und genau das, was Du ihm im Zitat oben inhaltlich ja wunderbar zuschreibst, ist auf Dauer einfach ermüdend.


    Vielleicht muss man dafür auch einfach mehr in Stimmung sein als ich das aktuell bin.

  • Das Problem mit Leuten wie Altmaier ist auch, dass es sich um Politiker ohne jedes Programm und ohne jede Vision handelt. Ich erwarte also nichts von so einem Gespräch, was er nicht schon an anderer Stelle als Sprechblase abgesondert hat. Und über das was er wirklich als Minister macht, nämlich die Energiewende verhindern, darüber spricht er nicht. Jung und Naiv ist leider nicht das Format, das dem auf den Grund gehen würde.


    Andere Politiker haben ja schon mal neue Gedanken, so im Laufe eines Jahres. Da kann man sich dann auch mal ein zweites Interview anschauen. Aber Altmaier nicht.

  • Sie spiegeln aber wunderbar Altmaiers gesellschaftlich konservativ-patriarchialische und wirtschaftlich-liberale Ideologie wieder, die nicht mehr zeitgemäß ist.

    Der ist über Ideologie hinaus, der ist komplett entkernt und wenn morgen "die Wirtschaft" (die Parteispenden und Posten bietenden Teile) morgen Ozeanien als Erbfeind deklarieren mit denen wir im ewigen Krieg stehen, dann ist das so in Peters Welt. Morgen ist dann eben wieder schon immer Krieg mit Ostasien gewesen...

  • Marner


    Ich bin mir nach dem Interview nicht ganz sicher, dass er wie vom Hölzchen aufs Stöckchen seine Meinung ändert. Natürlich ist er opportun, wenn sich das Fähnchen günstig dreht oder umgekehrt der Druck in bestimmten Themen zu groß wird. Ich meine damit viel eher, dass er mir so erscheint, er ist religiös-dogmatisch von der endzeitkapitalistischen Ideologie überzeugt. Und aus dieser Überzeugung heraus muss er nun qua Amt den Großunternehmen stets als Diener zur Verfügung stehen.

  • Zum Thema Dividende trotz Kurzarbeitergeld:

    Dem Interviewgast nach profitieren die Unternehmen vom Kurzarbeitergeld überhaupt nicht. Sie können auch einfach mal so eine größere Zahl von Arbeitnehmer ohne Umstrukturierung entlassen.

    Der Unterschied zwischen Kurzarbeitergeld und Entlassung ist doch, dass der Arbeitnehmer in beiden Fällen seine Arbeitslosenversicherung (die Höhe der Beträge sind gleich (60%)) ausgezahlt bekommt, in dem ersten Fall allerdings mit Arbeitsvertrag in der Tasche.

    Das Unternehmen kann also im ersten Fall relativ schnell, wenn die wirtschaftliche Lage sich verbessert hat, seine Produktion wieder aufnehmen. Im zweiten Fall müssen die Stellen wieder ausgeschrieben und besetzt werden, das dauert deutlich länger und lässt sich sicher auch in Kosten bzw. Verlusten für das Unternehmen ausdrücken.

    Man könnte den Eindruck gewinnen, dass, dem Interviewgast nach, die Unternehmen nur dafür sorgen, das die Menschen von der Straße weg sind und dankenswerter Weise auch die Alimentierung (aus welchen Gründen auch immer) gleich mit übernommen wird.

  • Kurz zu seiner Behauptung, es wäre "bewiesen", dass der Staat ein schlechter Unternehmer oder so wäre:

    Wirtschaftswissenschaft ist eine Sozialwissenschaft, Beweise, selbst bei empirische Studien, gibt es nicht. Genauso wie es keine Beweise gibt, dass die Menschen gerne Kekse essen, selbst wenn es eine empirische Studie dazu geben würde. Es ist immer ein Resultat von vielen unterschiedlichen Kontexten, Bedingungen, Interpretationen, Geschichte ect.

    Ob der Staat ein besserer "Unternehmer" ist, kann man nicht einfach so beantworten. In mancher Hinsicht ja, in mancher nein, das gilt genauso für normale Unternehmen.

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