Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Das ist doch logisch.


    Die NATO ist ein Verteidigungsbündnis, also werden Länder NATO-Mitglied, damit die NATO sich nicht gegen sie verteidigt. Da muss die NATO natürlich zustimmen, denn jedes neue Mitglied ist ein Land weniger, gegen das sie sich verteidigen muss, und dadurch kann sie sich besser verteidigen. Ob die NATO sich gegen ein Land verteidigt oder nicht, ist also dessen freie Entscheidung. Leider kann man nicht gleichzeitig Mitglied bei der NATO und bei anderen Bündnissen sein, die nicht zur NATO gehören, denn dann müsste man sich ja gegen sich selbst verteidigen und das ergäbe keinen Sinn.

  • A propos...

    Differenzierung hilft weiter.

    Hier ein bisschen differenzierter und ohne Polemische Ausfälle:

    Warum der Ukraine-Krieg in absehbarer Zeit nicht enden wird

    Eine Lösung des Ukraine-Konfliktes ist nicht absehbar. Das liegt auch an Interessen außerhalb des Kriegsgebiets. Das sind die Perspektiven.

    [...] Zunächst würde deutlich, Russland wäre nicht einmal eine "Regionalmacht" [...], wie der ehemalige US-Präsident Barack Obamas einmal sagte. Denn Russland erwiese sich als unfähig, einen Staat an seinen eigenen Grenzen militärisch zu besiegen. Mit diesem Image als nicht einmal vollwertige Regionalmacht würde die russische Einflusssphäre im postsowjetischen Raum dahinschmelzen.

    Selbst innerhalb Russlands könnten die latenten Separatismustendenzen wieder an Auftrieb gewinnen – Stichwort: Tschetschenien. Mit einem erneuten Aufbrechen eines Bürgerkrieges in Tschetschenien wäre ein separatistischer Dominoeffekt denkbar.

    Und tatsächlich wird im Westen über die Zerschlagung der Russischen Föderation spekuliert. Die Erklärung des US-amerikanischen Verteidigungsministers Lloyd Austin – "Wir wollen, dass Russland so weit geschwächt wird, dass es zu etwas wie diesem Einmarsch in die Ukraine nicht mehr in der Lage ist" –, bietet zumindest Interpretationsspielraum.

    Diese Aussage muss nicht als intendierte Zerschlagung Russlands interpretiert werden, man kann einen Willen zu diesem Ziel aber auch nicht ausschließen. Zumindest könnte die staatliche Desintegration der Russischen Föderation eine angenehme Nebenwirkung für westlichen Strategen sein. Hinweise auf solche Debatten gibt es tatsächlich in den USA. Dort ist dann die Rede von der "Dekolonisierung Russlands". [...]


    Für die russische Führung ergibt sich daraus tatsächlich eine existenzielle Bedrohung - zumindest ihres eigenen Machtanspruches über das russische Staatsgebiet. Wenn Putin und seine Gang den Krieg verlieren, dann muss die NATO gar nicht in Moskau einmarschieren, um Russland zu "ruinieren" (A. C. A. B.).

    Natürlich geht es dem Kreml dabei genauso wenig um das Schicksal der unter ihrer Herrschaft lebenden Bevölkerung, wie es dem Wertewesten darum geht, das ukrainische Volk vor noch mehr Tod und Zerstörung zu bewahren.

    Beide Seiten nutzen den Machtwillen der ukrainischen Staatsführung, sich die Herrschaft über ihr eigenes nationales Territorium und über die darauf lebenden Arbeits- und Streitkräfte zu sichern, um letztere entweder entweder gegen den Erhalt der russischen Machtansprüche ins Feld zu führen, oder sie für deren Rechtfertigung zu vereinnahmen, indem man sie als von russlandfeindlichen Mächten usurpierte Opfer bezeichnet, die mit Gewalt von ihrer Knechtschaft befreit werden müssen.

    Für beide Seiten ist die Ukraine dabei das geopolitische Schachbrett, und an Sieg oder Niederlage in dieser Partie wird sich ihrer Ansicht nach entscheiden, wer künftig in der globalen Konkurrenz die Regeln zu bestimmen hat, und wie viel Einfluss Russlands neuer engster "Verbündeter" China, der gleichzeitig der ökonomische Endgegner der USA ist, darauf haben wird


    Der verlinkte Artikel in The Atlantic zur "Dekolonialisierung" der russischen Föderation beruft sich unter anderem auf solche wahren Beförderer des Weltfriedens und der Menschenrechte, wie George Bush Seniors damaligen Verteidigungsminister und späteren Vizepräsidenten von Bush Junior, Dick Cheney, als Kronzeugen eines viel zu laxen Umganges der freien Welt mit den Restbeständen der Sowjetunion nach dem Ende des ersten kalten Krieges:

    [...] In September 1991, as the Soviet Union was falling apart, President George H. W. Bush convened his National Security Council. In the lead-up to the meeting, the White House seemed unsure how to handle the splintering superpower. Some of Bush’s closest advisers even called for trying to keep the Soviet Union together.

    Defense Secretary Dick Cheney was not one of them. “We could get an authoritarian regime [in Russia] still,” he warned during the meeting. “I am concerned that a year or so from now, if it all goes sour, how we can answer that we did not do more.” His end goal was clear: as Deputy National Security Adviser Robert Gates later wrote, Cheney “wanted to see the dismantlement not only of the Soviet Union and the Russian empire but of Russia itself, so it could never again be a threat to the rest of the world.”

    Bush demurred. Rather than accelerate the Soviet disintegration, he tried to avoid antagonizing Moscow, even as President Boris Yeltsin’s administration began pushing the anti-Ukrainian animus that Putin now embodies. For years—as Russia stabilized and eventually prospered, and as Cheney masterminded some of the most disastrous American foreign-policy decisions in recent decades—many believed that Bush had selected the better strategy. Armageddon, as one historian phrased it, was averted.

    In 2022, as Putin tries to restore the Russian empire by littering corpses across Ukraine, Bush’s position appears myopic. He—and American policy makers after him—failed to see the end of the Soviet Union for what it was: not just a defeat for communism, but a defeat for colonialism. Rather than quash Russia’s imperial aspirations when they had the chance, Bush and his successors simply watched and hoped for the best. As Bush’s National Security Adviser Brent Scowcroft later said about the Soviet collapse, “In the end, we took no position at all. We simply let things happen.”

    We no longer have that luxury. The West must complete the project that began in 1991. It must seek to fully decolonize Russia. [...]

    Dass die USA hier in der geradezu heiligen - aber leider versäumten - Pflicht gesehen werden, die Regeln der neuen regelbasierten Weltordordnung nach dem Ende des großen Konflikts der Systeme und Ideologien nach ihren eigenen Maßstäben festzusetzen, ist an sich schon ein Ausweis des absolut imperialistischen Selbstverständnisses dieser sich selbst als "indispensible"(M. Albright) - als für die Sicherung der globalen Ordnung unentbehrlich - begreifenden Nation und ihrer herrschenden Klasse.


    Bei Telepolis heißt es weiter:

    [...] Die Niederlage des Westens hätte Auswirkungen auf das Image der USA als Supermacht, der Nato als größte und mächtigste Militärallianz der Menschheitsgeschichte, der EU als europäisches Integrationsprojekt einschließlich der Ambition, unter US-Führung ein "Global Player Jr." zu werden.

    Der relative Machtverlust der USA im globalen System würde beschleunigt. [...]

    Es sei denn, die USA zögen den machtpolitischen Showdown mit China zeitlich vor, was eine Konzentrationsverlagerung aller ihrer Potenziale in diesen Raum erforderlich machen würde, mithin die Schicksalsfrage über die künftige Weltordnung geografisch verlagert werden würde.

    Der Autor, der Ex-Bundestagsabgeordnete der LINKEn, Alexander Neu, wird natürlich dem "Wagenknecht-Flügel" der Partei zugerechnet und betreibt hier ganz klar das Werk des Bösen indem er das antiamerikanische Narrativ des Feindes verbreitet.

  • leider hat alexander neu alle seine social media auftritte im februar 22 gelöscht. sonst könnte man sich jetzt noch ein bild davon machen, wie neutral seine meinung in dieser sache ist.

  • Au, das schaffe ich heute nicht mehr. Ich muss jetzt ins Bettchen ...



    (Ein Punkt fällt mir grad noch ein, bei Siggi, als es um das Handelsabkommen mit den USA ging, wo er, sich unbeobachtet fühlend, in den USA abfällig über die Dummheit seines deutschen Wahlvolkes redete, oder so ähnlich. Nur um ein Beispiel zu nennen, wo der Typ mir auf den Sack ging.)

  • Die Frage, ob die Ukrainer eine Kinschal-Rakete mit einem ihrer neuen Patriot-Systeme abgeschossen haben, wird gerade in Form eines gleichermaßen amüsanten wie nervigen Hickhack unter Russland- und Ukraine-Fans auf Twitter ausgetragen.


    Es gibt die Behauptung. Ein paar Bilder, die zumindestens nicht so eindeutig sind, dass die objektiveren Pro-Russen sie akzeptiert haben - ich habe da natürlich keine Ahnung. Ein Dementi von der ukrainischen Luftabwehr, was dann aber offenbar zurückgenommen oder geändert wurde. Und das neuste ist das hier:


    https://edition.cnn.com/europe…fabadba404011bbc0ffecb47e



    Finde ich auch merkwürdig. Zum einen scheint es eine Quelle zu sein, die über das Pentagon spricht, nicht eine Quelle im Pentagon. Sie hatten keinen "Berater" vor Ort, aber wenn so ein Abschuss gelungen ist, kann ich mir kaum vorstellen, dass man nicht sofort die Daten des Abfangvorangs aus dem System genommen und an die US-Amerikaner weitergeleitet hätte. Insofern bisschen verdächtig, dass sie lediglich sagen können, sie hätten hohes Vertrauen in die Richtigkeit der Behauptung. Die Ukrainer haben ihnen Daten geschickt und sie sind sich einigermaßen sicher, die sind echt?


    Ach ja, es soll keine Berichte über den Einsatz des typischen Trägerflugzeugs zu dem Termin gegeben haben, die normalerweise schnell verbreitet werden, wenn Russland Flugzeuge aufsteigen lässt.

  • Ja. leider fehlen heute alle fotos von ihm stolz beim empfang der russischen botschaft, ihm stolz auf dem roten platz, ihm stolz vor russischen fahnen. ihm mit seiner russischen führungsoffizierin reiseführerin, ihm mit dem motorradclub nachtwölfe. alles weg.

    Und weil der in Russland war und mit lauter verdächtigen Russen auf irgendwelchen Fotos posiert hat, ist eindeutig belegt, dass seine Argumente in dem Artikel reine Propaganda sind, und dass man sie daher auch gar nicht groß mit anderen Argumenten zu widerlegen braucht.


    Immer wieder faszinierend, wie sich aufgeklärte. mündige BürgerInnen hier in der liberalen Demokratie ihren freien politischen Willen bilden.

  • Immer wieder faszinierend, wie sich aufgeklärte. mündige BürgerInnen hier in der liberalen Demokratie ihren freien politischen Willen bilden.

    alexander neu ist acht jahre bundestagsabgeordneter meiner partei im nachbarkreis gewesen und hatte ein büro fussläufig von meiner wohnung. ich habe im laufe der jahre mehr veranstaltungen mit ihm besucht und mehr diskussionen mit ihm geführt als mir lieb ist.

  • alexander neu ist acht jahre bundestagsabgeordneter meiner partei im nachbarkreis gewesen und hatte ein büro fussläufig von meiner wohnung. ich habe im laufe der jahre mehr veranstaltungen mit ihm besucht und mehr diskussionen mit ihm geführt als mir lieb ist.

    Ja das mag ja sein. Aber was ist denn jetzt falsch an dem Artikel?

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