Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Andersherum: 2,5 gefallene russiche Soldaten pro einem gefallenen ukrainischen Soldaten.


    35.500 bis 43.500 gefallene russiche Soldaten und 16.500 bis 17.500 gefallene ukrainische Soldaten ist das Original.


    16.500 bis 17.500 gefallene russische Soldaten und 61.500 bis 71.500 gefallene ukrainische Soldaten die Fälschung.

    Jetzt blicke ich nicht mehr durch.

  • Veränderte Version Links, Orginal Rechts.

    Jeweils oben Russland unten Ukraine.

    Wobei ich mich am Aufrechnen von Gefallenen nicht weiter beteiligen möchte.

    Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird, wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten eines Inhalts die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ihre verfassungsmäßige Ordnung beschimpft oder böswillig verächtlich macht oder die Farben, die Flagge, das Wappen oder die Hymne der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder verunglimpft.

  • Andersherum: 2,5 gefallene russiche Soldaten pro einem gefallenen ukrainischen Soldaten.


    35.500 bis 43.500 gefallene russiche Soldaten und 16.500 bis 17.500 gefallene ukrainische Soldaten ist das Original.

    Jetzt blicke ich nicht mehr durch.


    Achso hatte ich übersehen, ja das Original sagt, dass deutlich mehr Russen als Ukrainer gestorben sind und irgendwo anders scheint auch zu stehen, dass sie dementsprechend deutlich mehr Tote und Verwundete haben:


    https://edition.cnn.com/2023/0…ng-allies-foes/index.html


    Zitat

    According to one of the documents, Russian forces had suffered 189,500 to 223,000 casualties as of February, including as many as 43,000 troops killed in action. Ukraine, meanwhile, had suffered 124,500 to 131,000 casualties, with up to 17,500 killed in action, the report says.


    Deshalb sagte ich, man kann anhand dieser Zahlen behaupten der Ukrainer wären erfolgreicher. Wobei, wenn man zumindestens darüber mal nachdenkt - wenn schon nicht über die Plausibilität - da bei den Ukrainern mehr Verwundete auf weniger Tote kommen, ist das Verhältnis nur noch 1 zu 1.6:


    (223000 + 189500)/(124500 + 131000) ~ 1.6


    Aber selbst wenn man die 1 zu 2.5 nimmt. Die russische Bevölkerung ist um den Faktor 3.6 größer und davon sind anteilig längst nicht so viele geflüchtet, wenngleich wohl vorallem Männer im wehrfähigen Alter. Man könnte sagen der Erfolg ist nicht groß genug. Das hört man ja zum Teil von den "Experten", natürlich gleichzeitig der alte Topos der Überwältigung mit Masse.


    Klar, man sollte beim Hinterfragen woanders anfangen. Zum Beispiel bei dem Umstand, dass die Ukraine schon etliche Mobilisierungswellen hatte und die Russen erst eine, auch wenn in westlichen Medien regelmäßig weitere angekündigt werden. Die Rekrutierung durch Wagner könnte man vielleicht noch dazu nehmen.


    Kombiniert mit der russischen Mobilisierung, umfangreichem Aufbau von Verteidigungsanlagen entlang der Front über den Winter, dem Aufkommen von Gleitbomben, die jetzt im hohen Takt eingesetzt werden, und einer als erschöpft eingeschätzten Luftabwehr der Ukrainer, also vier Bedingungen, die für die recht erfolgreiche monatelange Verteidigung in Nordwest-Kherson (bevor man sich doch zur Aufgabe der Position entschloss) nicht galten, kann ich mir nur schwer vorstellen, wie das nicht in einem kompletten Desaster enden soll.


    Hier kann man noch russische Verluste in Betrachtung ziehen. Also nehmen wir die 200 K Verluste und sagen das sind wirklich Leute, die nicht mehr einsetzt werden können. Sie haben 300 K zusätzlich einberufen, 150 K hatten sie am Anfang. 450 K - 200 K wären mit 250 K immer noch Hundertausend mehr als letztes Jahr, würden die alle tatsächlich eingesetzt (vermutlich nicht). Klar, sie sollen auch 6000 Fahrzeuge verloren haben (übrigens da gibt es auch die Vermutung, dass das aus einer offenen Quelle stammt, nämlich Oryx), aber zum einen war das noch nicht alles und im Verteidigungsfall braucht man vielleicht auch nicht ganz so viel davon.


    Wie schonmal gesagt, stimmen müssen diese Zahlen nicht, aber man sieht selbst, wenn man an dem kratzt, was die westliche Seite an Angaben akzeptiert, ist das Bild nicht unbedingt positiv.

  • Der Zeitabstand zur letzten großen Raketenangriffswelle (nicht Drohnen) ist jetzt schon recht groß. Sollte der 9. März gewesen sein: RE: Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt also fast einen Monat. Im Detail muss man sagen, es gab wohl häufigere kleinere Angriffe, mutmaßlich auf Sammelpunkte hinter der Front, aber ich weiß nicht, ob dafür Marschflugkörper verwendet werden. Interessanterweise ist mir jetzt, wo man nach der über ein Jahr ständig wiederholten Behauptung vielleicht einen Anhaltspunkt hat, dass den Russen die Raketen tatsächlich ausgegangen sind, kaum jemand untergekommen, der das sagt. Aber kann natürlich sein, dass ich das nur übersehe.


    https://kyivindependent.com/mi…acks-since-february-2022/


    Zitat

    Since the beginning of April, Russian troops have reportedly launched 44 missile strikes and 38 drone attacks on the Ukrainian civilian infrastructure. Ukrainian forces destroyed 29 of these drones.


    Also von den Grafiken sehe ich hier im April nur eine:


    https://t.me/s/kpszsu


    Am vierten April: https://t.me/kpszsu/2440


    Zählen sie die Gleitbomben? Wenn nicht, gab es zwar keine große Angriffswelle aber offenbar einzelne Angriffe, die dann vielleicht auch nicht mehr von dem ukrainischen Telegram-Kanal jeweils berichtet werden. Ich hätte vermutet, dass die Russen in Vorbereitung auf die ukrainische Offensive horten.

  • Na, schauen wir mal, ob die suprematische Bräsigkeit, die du repräsentierst, nochmal davonkommt. Ich vermute diesmal nicht.

    Hoffst du wohl eher. :)



    Das war eine Anknüpfung an die Entwicklung in Westeuropa, insofern meinethalben an den Okzident. Im Nachhinein wird das oft als eine europäische Ausrichtung aus Affinität verstanden, inklusive von vielen Russen, aber in der machtpolitischen Dimension ging es um die Kontrolle von Häfen, die einen besseren Zugang zu den Weltmeeren ermöglichen, im Gegensatz zur russischen Polarküste (inklusive Weißem Meer) und der weit entfernt liegenden, noch nicht lange erschlossenen Pazifikküste. Deswegen hat auch Peter I. schon in Richtung des Schwarzen Meeres expandiert, konnte sich trotz gewissem Erfolg aber noch nicht gegen die Osmanen durchsetzen. Gegen die Schweden dagegen schon, so dass Russland zuerst einen baltischen Hafen bekam. Dazu benötigte man auch die Expertise im Schiffbau für die Hochseeschiffahrt und das war mit der Grund für die kulturelle Anpassung, um so den Austausch zu fördern. Also alles recht zweckgebunden.

    Und der deutsche Name Petersburg war da hilfreich? Peter der Große hat außerdem seine Bojaren(?) gezwungen, sich die Bärte abzurasieren, im Dienste der Expansion in die Ostsee?


    Das Russland von Peter dem Großen dürfte man weder dem Abendland noch dem Morgenland zugeordnet haben, aber im Gegensatz zu den meisten anderen orthodoxen Gebieten war es frei von osmanischer Herrschaft und gehörte damit in der Tendenz eher zu ersterem als Teil der Christenheit.

    Russland wurde bis 1918 ganz selbstverständlich als Teil Europas und der europäischen Kultur gesehen. Die Hälfte der Zaren waren Deutsche und die russische Verwaltung von Deutschen durchsetzt. Der russische Ministerpräsident beim Ausbruch des 1. Weltkriegs hieß Boris Wladimirowitsch Stürmer. Ich glaube nicht, dass russische Zaren viele türkische Prinzessinnen geheiratet haben oder chinesische Beamte in den Staatsdienst berufen. Oder türkische/chinesische Siedler, um russisches Land zu kultivieren. Als die drei großen europäischen Rassen wurden Romanen, Germanen und Slawen (also Russen) gesehen. Die Niederlage der Russen 1905 gegen die Japaner, löste weltweit Erstaunen aus, weil zum ersten Mal einen farbige Rasse eine weiße Großmacht besiegt hat. Die Russen wurden weltweit als Weiße, also Europäer, gesehen und eben nicht als Asiaten. Diese Ambivalenz, die du aufmachst, existiert meiner Meinung nach nicht.


    Zitat

    Mit "dem Westen", über den wir hier sprechen, hat das aber nichts zu. Wie ich sagte, etwas über hundert Jahre, der Westen im gegenwärtigen Sinne - mal davon ab, dass es ein weiches Konzept geblieben ist - schreibt zwar die Vorstellung vom Abendland weiter, ist aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden.

    Stimmt.


    Ich nehme an, den radikalen Reformen der ersten Generation der Sowjets kannst du nicht viel abgewinnen. Ich habe keine Ahnung, was du mit Bevölkerungsentwicklung sagen willst. Sie haben zu wenig Kinder bekommen oder zu viele?

    Zu viele.



    Wie gesagt nur ein Artikel unter vielen.

    Da geht es doch nur um die Zusagen für dieses Jahr. Der Artikel sagt nicht, dass es der EU prinzipiell unmöglich ist, solche Munitionsmengen zu produzieren.



    Naja, weil die "Attraktivität des Westens" nicht die Sowjetunion zum Zusammenbruch gebracht hat. Genausowenig wie Gorbatschow eine "Verwestlichung" betrieben hat.

    Ähm. Demokratie und Kapitalismus, die Gorbatschow einführen wollte, hatte er sich in China abgeschaut, oder wie? Worauf willst du eigentlich hinaus?


    Das ist einfach nur die propagandistische Umkehrung. Die Russen führen relativ offensichtlich einen Abnutzungskrieg. Diese Beobachtung hat man in der ukrainischen/westlichen Propaganda aufgenommen und sagt das würden die Ukrainer tun. (Gut, dass die Russen riesige Verluste haben, wurde natürlich von Anfang an behauptet.) Aber was auf der ukrainischen Seite nicht zu dieser Strategie passt, sind die großen Offensiven mit Durchbruch der Front, die bereits durchgeführten und die, über die seit Monaten geredet wird. Diese Operationen verbrauchen sehr viele Ressourcen und spielen den Russen bei einem Abnutzungskrieg in die Hände. Was auch nicht passt, der elendig lange Versorgungsweg zur Front. Die Ukrainer müssen bei Materiallieferung und Reparaturen auf die Nachbarländer allen voran Polen zurückgreifen, die Nachschubwege der Russen zum weitgehend unbehelligten Hinterland sind deutlich kürzer. Da wo sie noch am aufwendigsten waren, die Versorgung von Nordwest-Kherson über den Dnjepr, hat man das Gebiet konsequenterweise aufgegeben.


    Ne, die Siegeshypothese bleibt: Plötzlicher russischer Zusammenbruch. Das erreicht man, indem man entweder durchhält bis er kommt oder man muss ihn auslösen vielleicht durch einen spektakulären Anschlag, vielleicht durch eine Offensive, die infolge des Gesichtsverlustes die Regierung stürzt.

    Ich glaube nicht, dass Russland einen Abnutzungskrieg führt. Russland führt einen Bewegungskrieg, es klappt nur nicht gut. Die Idee war Bachmut einzunehmen, nicht einen Stellungskrieg mit unzähligen Opfern zu provozieren. Beide Seiten versuchen Land einzunehmen, aber der Ukraine fehlen die Mittel, während Russland die Mittel hat, aber sie irgendwie nicht erfolgreich einsetzen kann. Daher kommt am Ende ein Abnutzungskrieg heraus, den keine der beiden Seiten will.


    Wieso können die Ukrainer keine Reparaturen frontnah durchführen? Ich meine der "General" hat gesagt, dass sie das tun.


    Da wüsste ich schon gerne, woher du die strategischen Planungen der USA kennst. Das erste was ich machen würde, wenn ich einen Zusammenbruch der Russen will, wäre die Brücke wegbomben. Kann nicht so schwer sein, den Ukrainern ein paar Dutzend Mittelstecken-Raketen zu geben, wo das Ziel zuvorkommender Weise schon einprogrammiert ist, so dass sie die nur noch abfeuern müssen. Auch die Waffensysteme, mit denen die Ukraine die russische Front vielleicht destabilisieren könnte, Kampfpanzer, Jets und Artillerie/Raketen mit hoher Reichweite rücken die Amis nicht heraus. Das wirkt auf mich, als ob sie tatsächlich auf Zermürbung setzen wollen.


  • Toi, toi, toi.


    Über der Ostukraine wurden 2014 schon mit veralteter Technik alles vom Himmel geholt, jetzt ist die neue Technik da. Piloteneinsätze wie in Deutschland im April 1945, im Schnitt eine halbe Stunde geflogen vor dem Abschuss. Am Ende werden das noch Kamikaze-Flüge.

  • Also dem Original zufolge fallen 2,5Ukrainer pro Russe.

    Umgekehrt. Die hat ein Verhältnis 1:4 für die Russen. Tatsächlich angegeben wurde wohl ein Verhältnis 2:5 (1:2.5) für die Ukrainer.


    Auf dem Foto sieht man nicht, welche Zahlen rechts für die Russen und welche für die Ukrainer sind. Aber laut den Zeitungsartikeln dazu soll Russland 2,5 mal höhere Verloste haben:


    https://www.bundle.app/de/nach…53-497D-A3C6-5525A0813DB3


    Eines der geleakten Dokumente enthält nun Zahlen der US-Geheimdienste zu Gefallenen bis Februar 2023. Demnach hatten die russischen Streitkräfte bis Februar 189.500 bis 223.000 Verluste zu beklagen, darunter bis zu 43.000 Gefallene. Die Opferzahlen der Ukraine hingegen würden sich auf 124.500 bis 131.000 belaufen, darunter bis zu 17.500 Gefallene, heißt es in dem Bericht.


    Also so:

    FtlcrumXgAAR-gP.jpg

  • Und der deutsche Name Petersburg war da hilfreich? Peter der Große hat außerdem seine Bojaren(?) gezwungen, sich die Bärte abzurasieren, im Dienste der Expansion in die Ostsee?


    Ist die Frage, inwiefern er selbst diesen Namen festgelegt hat. Er hat erstmal nur die zunächst gebaute Festung nach dem Heiligen Petrus benannt:


    https://ru.wikipedia.org/wiki/История_Санкт-Петербурга


    Zitat

    Название было выбрано Петром I в честь святого апостола Петра. Название Санкт-Петербург установилось не сразу — существуют документы 1703—1705 годов, где новостроящийся город и крепость назывались Петрополем, Питерполом, и S. Петрополисом. Первоначальное Sankt-Piter-Burch было имитацией голландского произношения Sint-Petersburg, так как Пётр жил и учился некоторое время в Нидерландах. В 1720 году название Санкт-Питербурх меняется на Санкт-Петербург (близкое к нем. Sankt Petersburg). Кроме официального названия, в народе появляется также сокращённое, на русский манер — «Питер-град» или просто «Питер».


    Via Google Translate:


    Zitat

    Der Name wurde von Peter I. zu Ehren des heiligen Apostels Petrus gewählt. Der Name St. Petersburg wurde nicht sofort festgelegt - es gibt Dokumente aus den Jahren 1703-1705, in denen die neu erbaute Stadt und Festung Petropolis, Piterpol und S. Petropolis hießen. Der ursprüngliche Sankt-Piter-Burch war eine Nachahmung der niederländischen Aussprache von Sint-Petersburg, da Peter einige Zeit in den Niederlanden lebte und studierte. 1720 änderte sich der Name [Санкт-Питербурх] in [Санкт-Петербург] ([nahe dem deutschen Sankt Petersburg]). Neben dem offiziellen Namen erscheinen die Personen auch abgekürzt, in russischer Manier - "Peter-grad" oder einfach "Peter".


    Also von "Piterburch" in "Peterburg". Da Peter I. gerade auch deutsche Handwerker, Kaufleute usw. eingeladen hat nach Russland zu kommen und den deutschen Adel der neuen russischen Territorien integrieren wollte, wäre so eine Geste dafür sicherlich auch nützlich gewesen.


    Veränderte Kleidervorschriften und ähnliche ästhetische Anpassungen sind bei solchen Reformen, Modernisierung wenn man so will, gerade in Gesellschaften mit noch Uniformierung nicht wirklich ungewöhnlich. In der Türkei gab es unter Atatürck zum Beispiel das Hutgesetz, mit dem unter anderem der Fes verboten wurde.


    Russland wurde bis 1918 ganz selbstverständlich als Teil Europas und der europäischen Kultur gesehen. [...] Die Russen wurden weltweit als Weiße, also Europäer, gesehen und eben nicht als Asiaten. Diese Ambivalenz, die du aufmachst, existiert meiner Meinung nach nicht.


    Du bist halt woke und rührst alle Europäer zusammen ohne die qualitativen Unterschiede der europiden Rassen zu erkennen. Ich hatte Piłsudski zitert:


    Piłsudski wird dieser Ausspruch zugeschrieben, "Rosja jest azjatycką bestią ukrytą pod europejską maską" - Russland ist eine asiatische Bestie, die sich hinter einer europäischen Maske versteckt.


    Sowie diese Arbeit:


    https://hcommons.org/deposits/…_nationalsozialismus.pdf/


    Zitat

    Die Vorstellungen von Russland als einer „asiatischen Macht“ reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Englische und deutsche Autoren beurteilten das "Moskauer Reich" jener Zeit als außereuropäische Macht und besetzten es mit Negativklischees wie "fremdartig, barbarisch und unchristlich", die eine erstaunliche Langlebigkeit aufweisen sollten.


    Wiederum aus der Arbeit, die referenziert wird: https://www.degruyter.com/docu…hzhz.1987.245.jg.265/html


    Zitat

    SEIT der Übernahme des Christentums aus Byzanz im späten 10. Jahrhundert gehört Rußland kulturgeschichtlich - also nicht nur in ethnischer und sprachlicher Hinsicht - zu Europa. In dem seither vergangenen Jahrtausend ist diese Zugehörigkeit durch vielfältige historische Wechselbeziehungen weiter gefestigt worden. Dieser Einschätzung entspricht auch Günther Stökls Feststellung, „daß es historisch nicht angeht, Rußland und Europa als Exponenten grundverschieden angelegter gegensätzlicher Welten zu betrachten, sondern daß es darauf ankommt, den Ort Rußlands in Europa jeweils geschichtlich zu bestimmen".


    Dieser Auffassung steht die gegenteilige Ansicht gegenüber, Rußland sei ein asiatisch oder doch wenigstens halbasiatisch geprägter Staat. In sehr unterschiedlichen Zusammenhängen ist diese Meinung seit dem Beginn der Neuzeit immer wieder geäußert worden. Sie entstand, wie vor allem die Forschungen von Karl-Heinz Ruffmann und Andreas Kappeler gezeigt haben, bereits im 16. Jahrhundert. Wie Ruffmann darlegt, betrachteten die Engländer der Zeit Shakespeares Moskowien als einen „außerhalb der,Alten Welt' [...]


    Ansonsten wie gesagt natürlich galt Russland Anfang des 20. Jahrhunderts als europäische Macht. Aber Osteuropa war Jahrhunderte davor nicht Teil des Abendlandes also des ursprünglichen Okzident oder Westen. Das Abendland war eigentlich nur das weströmische Reich, irgendwann nehme ich an ergänzt um die deutschen Lande. Ich habe etwa Zweifel, dass Nordeuropa wirklich als Teil des Abendlandes galt. Russland war im Mittelalter und in der Frühmoderne denke ich orthogonal zu Okzident und Orient. Der zugeschriebene Raum der abendländischen Kultur, der im 20. Jahrhundert dann als "Westen" konstruiert wurde, war natürlich größer als der westeuropäische Ursprung, aber zum Beispiel bei Spengler ist Russland nicht dabei. Dort sieht er stattdessen eine neunte Hochkultur entstehen:


    https://de.wikipedia.org/wiki/…es_Abendlandes#Hochkultur


    Zitat

    8. Abendländische Kultur: seit 900 n. Chr. in Westeuropa, später auch Nordamerika.


    Mit der neunten, der russischen Kultur identifiziert Spengler einen weiteren Kultur-Organismus, dem die Zukunft des kommenden dritten Jahrtausends gehöre.


    Hier eine schöne Fußnote direkt aus dem Untergang:


    https://www.lernhelfer.de/site…/pdf/BWS-DEU2-0518-06.pdf


    Zitat

    Hier steht der Historiker auch unter dem verhängnisvollen Vorurteil der Geographie (um nicht zu sagen unter der Suggestion eines Landkartenbildes), die einen Erdteil Europa annimmt, worauf er sich verpflichtet fühlt, auch eine entsprechende ideelle Abgrenzung gegen »Asien« vorzunehmen. Das Wort Europa sollte aus der Geschichte gestrichen werden. Es gibt keinen »Europäer« als historischen Typus. Es ist töricht, im Falle der Hellenen von »europäischem Altertum« (Homer, Heraklit, Pythagoras waren also »Asiaten«?) und von ihrer »Mission« zu reden, Asien und Europa kulturell anzunähern. Das sind Worte, die aus einer oberflächlichen Interpretation der Landkarte stammen und denen nichts Wirkliches entspricht. Es war allein das Wort Europa mit dem unter seinem Einfluß entstandenen Gedankenkomplex, das Rußland mit dem Abendlande in unserm historischen Bewußtsein zu einer durch nichts gerechtfertigten Einheit verband. Hier hat, in einer durch Bücher erzogenen Kultur von Lesern, eine bloße Abstraktion zu ungeheuren tatsächlichen Folgen geführt. Sie haben, in der Person Peters des Großen, die historische Tendenz einer primitiven Völkermasse auf Jahrhunderte gefälscht, obwohl der russische Instinkt »Europa« sehr richtig und tief mit einer in Tolstoi, Aksakow und Dostojewski verkörperten Feindseligkeit gegen das »Mütterchen Rußland« abgrenzt. Orient und Okzident sind Begriffe von echtem historischem Gehalt. »Europa« ist leerer Schall. Alles, was die Antike an großen Schöpfungen hervorbrachte, entstand unter Negation jeder kontinentalen Grenze zwischen Rom und Cypern, Byzanz und Alexandria. Alles, was europäische Kultur heißt, entstand zwischen Weichsel, Adria und Guadalquivir. Und gesetzt, daß Griechenland zur Zeit des Perikles »in Europa lag«, so liegt es heute nicht mehr dort.


    Schließlich, es sind nicht alle so woke wie du:


    https://twitter.com/matze2001/status/1514002398477524995



    Sie hat da durchaus in eine Tradition gegriffen, vielleicht ohne es zu wissen.

  • Hoffst du wohl eher. :)


    Wie gesagt, es ist nicht so, dass der Prozess nicht schon lief. Also nein, ich vermute es.


    Da geht es doch nur um die Zusagen für dieses Jahr. Der Artikel sagt nicht, dass es der EU prinzipiell unmöglich ist, solche Munitionsmengen zu produzieren.


    Zur EU kann ich mich nicht an Zielvorgaben für die Produktion erinnern, aber nehmen wir die USA:


    https://www.wsj.com/amp/articl…-to-help-ukraine-8224d985


    Zitat

    [...] Before the war started, the U.S. could produce roughly 13,000 rounds a month of 155mm ammunition, according to the U.S. Army.


    That monthly figure has jumped to about 20,000 rounds this year, and the U.S. hopes to increase it to 50,000 rounds by next year.


    https://www.nytimes.com/2023/0…n-ukraine-ammunition.html


    Zitat

    The Army’s top acquisition official says production of the 155-millimeter shells badly needed by Kyiv will rise to 90,000 a month in two years


    Also 50000 pro Monat (ca. 1700 pro Tag) nächstes Jahr, 90000 pro Monat (ca. 3000 pro Tag) übernächstes Jahr. Der Verbrauch der Ukrainer lag auch schon bei 7000 pro Tag (die Russen das dreifache davon als Durchschnitt). Wenn die EU auf ähnliche Mengen kommt, klingt es alles andere als üppig.


    Ähm. Demokratie und Kapitalismus, die Gorbatschow einführen wollte, hatte er sich in China abgeschaut, oder wie? Worauf willst du eigentlich hinaus?


    Also erstmal wollte Gorbatschow wirtschaftliche Reformen und die waren eigentlich eine Wiederbelebung von Lenins Neuer Ökonomischer Politik. Schlecht für das Schicksal dann auch Russlands hatte er sich dabei zu viel auf Kooperation mit dem Westen eingelassen. Wie ich schon sagte, die Strukturen der fehlbenannten Demokratie hatte die Sowjetunion längst. Inwiefern Gorbatschow losgegangen ist, um die Zügel zu lockern, mit denen diese von der Kommunistischen Partei unter Kontrolle gehalten wurden, anstatt etwa eine gewisse Lockerung für das Gelingen der Reformen als notwendig anzusehen, keine Ahnung. Er wurde am Ende weggeputscht. Das Ausmaß der Lockerung war nehme ich an insofern nicht in seinem Sinne.


    Ich dachte mit Attraktivität des Westens meinst du, dass sich die Sowjetbürger nach dem Westen gesehnt haben und es deshalb zum Umsturz kam. Da würde ich sagen nein, das war nicht die Peripherie des Sowjetreiches, wo das eine gewisse Rolle gespielt hat.


    Ich glaube nicht, dass Russland einen Abnutzungskrieg führt. Russland führt einen Bewegungskrieg, es klappt nur nicht gut. Die Idee war Bachmut einzunehmen, nicht einen Stellungskrieg mit unzähligen Opfern zu provozieren.


    Also mal ab von der Abnutzung, wann haben sie bei Bachmut angefangen, so im Juli, August? Du willst mir allen Ernstens ein Dreivierteljahr offensichtlichen Stellungskrieg als einen langgezogenen verhinderten Versuch einer Bewegungskriegsführung verkaufen? Die Russen haben das am Anfang des Krieges erfolgreich demonstriert, an allen möglichen Ecken der Ukraine außer entlang der Donbass-Frontlinie aus dem Bürgerkrieg. Warum? Weil die Ukrainer dort über Jahre mehrere Verteidigungslinien mit Festungen aufgebaut hatten. Und es ist genau ein Stellungskrieg, mit dem die Russen diese langsam überwinden, wobei sie die Unwilligkeit der Ukrainer ausnutzen, diese Linien auch bei hohen Kosten preiszugeben, um die ukrainischen Streitkräfte inklusive dem Material, das der Westen bereit ist zur Verfügung zu stellen, abzunutzen.


    Ich nehme halt diese Geschichten über Wellen von Soldaten, die Wagner ins Feuer schickt, nicht ernst, wenn ich gleichzeitig die Berichte von der ukrainischen Seite lese darüber, was für eine Hölle Bachmut ist, weil die Russen so einen Artillerievorteil haben.


    Wieso können die Ukrainer keine Reparaturen frontnah durchführen? Ich meine der "General" hat gesagt, dass sie das tun.


    Natürlich kann man vieles reparieren. Der Betrieb von Werkstätten ist ab einer gewissen Größe aber schon gefährlich, weil die als Ziel wertvoll genug sein können und mit Drohnen oder Marschflugkörpern können die Russen im Prinzip das gesamte Territorium abdecken. Aufwendige Reparaturen, die vielleicht auch westliche Techniker benötigen, werden in der Ukraine daher nicht durchgeführt.


    https://www.wsj.com/articles/t…krainian-arms-11674920742


    Zitat

    The Covert Polish Repair Shop Patching Up Ukrainian Arms


    Poland has set up a major repair operation aimed at returning damaged Ukrainian artillery and armor to the battlefield


    Da wüsste ich schon gerne, woher du die strategischen Planungen der USA kennst. [...] Das wirkt auf mich, als ob sie tatsächlich auf Zermürbung setzen wollen.


    Mein Eindruck ist die fahren da auf Sicht. Insofern gehe ich nicht von einer Planung großer Tiefe aus, sondern genauso von sowas vagem wie Siegeshypothese plötzlicher russischer Zusammenbruch. Man sollte nicht vergessen, die USA bereiten sich eigentlich auf einen Krieg mit China vor.

  • https://www.realclearpolitics.…h-end_semiconductors.html



    Naja also eigentlich:


    Zitat

    REP. MICHAEL MCCAUL: You know, I personally think it is about democracy and freedom. And we need to stand up for that, like we're doing in Ukraine. and if we don't do that, the other island nations are going to be threatened by Chairman Xi who wants to restore imperial China. [...]


    Upps.


    Aber in Wirklichkeit geht es eher darum: https://www.rand.org/content/d…00/RR1140/RAND_RR1140.pdf


    Zitat

    Although advances in targeting enable conventional counterforce warfare and reduce U.S. warfighting dominance, they do not point to Chinese dominance or victory. War between the two countries could begin with devastating strikes; be hard to control; last months, if not years; have no winner; and inflict huge losses on both sides’ military forces. The longer such a war would rage, the greater the importance of economic, domestic political, and international effects. While such non-military effects would fall hardest on China, they could also greatly harm the U.S. economy and the United States’ ability to meet challenges worldwide.


    Letzte Chance den chinesischen Aufstieg abzuwenden.

  • Der junge Mann mit dem Leak


  • Ich glaube, er ist gerade in den USA:


    https://twitter.com/MorawieckiM/status/1646139085205938177



    Da holen die Polen ihren favorite Reagan raus.

  • Gottseidank! Nach dem peinlichen Versagen des französischen Sonnenkönigs und der deutschen Frauenärztin schickt Europa nun endlich eine richtige Außenpolitikerin ins Feld, um dem Imperator mal ordentlich die demokratischen Leviten zu lesen und ganz klar Position im Westpazifik zu beziehen.

    Baerbock im Interview - "Klare Haltung" im Umgang mit China

    Außenministerin Baerbock setzt auf eine gemeinsame europäische China-Politik. Es gehe nicht um Abkoppelung, sondern um wirtschaftliche Sicherheit und eine klare Haltung gegenüber einem Land, das internationale Regeln selber definieren wolle.


    [...] "Wir als Europäische Union können nur gemeinsam unsere wirtschaftlichen Interessen verteidigen", sagte Baerbock in einem Interview mit den tagesthemen. "Und das im besten Sinne mit denen, die unsere Werte teilen."

    China habe den Anspruch, Weltmacht zu werden und wolle dabei die internationalen Regeln selber definieren. "Wir als Europäer müssen jetzt zusammen ausloten, was das für unsere Zusammenarbeit mit China bedeutet und wie wir aus den Fehlern der Vergangenheit - gerade auch mit dem Blick auf den russischen Angriffskrieg - lernen können", so die Außenministerin. [...]

    Auf die Frage, ob der französische Präsident Emmanuel Macron mit seinen Äußerungen zur China- und Taiwan-Politik für eine Spaltung gesorgt hätte, verwies Baerbock darauf, dass Macron zuletzt betont habe, dass die französische China-Politik im Einklang stehe mit der europäischen China-Politik. "Wir haben gemeinsame Wirtschaftsregeln und wir müssen diese auch gegenüber Drittstaaten deutlich machen", so Baerbock. "Erst Recht auch Ländern gegenüber wie China, die manche unserer gemeinsamen Regeln eben nicht teilen." Eine China-Politik könne nur funktionieren, wenn sie gemeinsam europäisch eingebettet ist.[...]

    Für Freitag und Samstag sind laut Auswärtigem Amt unter anderem Gespräche Baerbocks mit dem chinesischen Außenminister Qin Gang, dem ranghohen chinesischen Außenpolitiker Wang Yi und dem stellvertretenden Staatspräsidenten Han Zheng geplant. Im Anschluss will die Ministerin am Samstag nach Südkorea weiterfliegen.[...]

    Regeln - so wichtig. Danke Annalena Charlotte Alma!


    Natürlich scheut Imperator Xi, der alte weissegelbe Mann, die eigene persönliche Konfrontation mit der überlegenen ManWomanpower der wertebasierten feministischen Außenpolitk und schickt an seiner Stelle feige seine Handlanger vor.


    Das wird sicher wieder ein herber Schlag für Putin.

  • Ein 21-Jähriger bei der Nationalgarde in Massachusetts hatte Zugriff auf Einschätzungen zur Planung einer Offensive durch die Ukraine?

    Tja. Merkwürdig. Also entweder sind die Zugangsvoraussetzungen minimal oder die technische Sicherung ist so schwach und/oder das Training so gut, dass deren Securitymeasures für einen 21Jährigen mal keine wesentliche Hürde darstellen.


    Im Hinblick auf sein Alter und seine Freizeitaktivität als "Leader of a Gaming Group" wäre er das ideale Missbrauchsopfer, um ihn ein bisschen mit classifiedDocs prahlen zu lassen und jemand hat das schamlos ... aber das wäre quergedacht.


    Immerhin hat der Bengel ordentlich Kollateralschaden verursacht, denn bspw. war sich Bellingcat nicht zu schade, der staatstragenden NYT bei der Suche nach einem Leaker zu helfen - openSourceIntelligenceFromCitizenForCitizen hin oder her. Wer seit MH17 eher quer- statt mitgedacht hat, den wundert das natürlich nicht.


    Verwundert tut hingegen die Bildzeitung, da den Leaks des Jungen zufolge die UA urplötzlich so schwach dasteht - und erklärt sich damit zum Opfer ihrer eigenen Investigativabteilung bzw Berichterstattung des gesamten vergangenen Jahres. Wer statt dessen wenigstens ab und zu russische Telegramkanäle konsultiert hat, der ist überraschenderweise weit weniger überrascht ... aber das wäre ja quergelesen.


    Zeiten sind das...

  • Im Hinblick auf sein Alter und seine Freizeitaktivität als "Leader of a Gaming Group" wäre er das ideale Missbrauchsopfer, um ihn ein bisschen mit classifiedDocs prahlen zu lassen und jemand hat das schamlos ...

    Das hatte ich auch schon als interessante VT angedacht.


    Die Frage wäre dann allerdings zu welchem Zweck man den armen Kerl der versammelten Meute aus dem military-media-industrial-open-source-intelligence-fact-checking-non-profit-cybersecurity-complex zum Fraß vorgeworfen hätte, denn die Echtheit der geleakten Inhalte scheint ja allgemein weder bei Freund noch Feind wirklich in Frage zu stehen.


    Cui bono=O?

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!