Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Das russische Verteidigungsministerium hatte laut dem interpretationsfreudigen Artikel in der NZZ (s.o.) über den russischen Kommandowechsel allerdings bis vor kurzem auch noch was anderes verkündet:


    [...]


    Gut, sie erwähnen nicht, dass Wagner-Kräfte Soledar erobert haben. Aber ich glaube sie haben noch nie in den Berichten das Unternehmen explizit benannt oder seine Aktivitäten groß ausgeführt. In dem Mittwochsbericht steht lediglich:


    https://eng.mil.ru/en/special_…re.htm?id=12451100@egNews


    Zitat

    Airborne Troops blockaded Soledar from the northern and southern parts of the city. The Russian Aerospace Forces strike at enemy strongholds. Assault squads are fighting in the city.


    Zu den Angaben von Wagner am Dienstagabend gehörte auch, dass ukrainische Soldaten in Soledar eingeschlossen sind. ("Außerdem wurde im Zentrum der Stadt ein Kessel gebildet, in dem sich die Überreste der UAF-Kämpfer befinden. Laut Prigozhin wird die Zahl der Gefangenen morgen bekannt gegeben.") Insofern war klar, dass Kämpfe im Stadtinnern weitergehen, wenn die sich nicht ergeben. Auch der Bereich um den Bahnhof im Westen - kann sein, dass der als Vorort zählt - war wohl noch umgekämpft. Denke das Verteidigungsminsterium hat einfach auf die Befriedung gewartet, Prigoschin hatte nur vermeldet, dass sie im Wesentlichen das ganze Stadtgebiet besetzt haben


    Wenn die "assault squads" nur Wagner-Kräfte sind, wird auch bei den beteiligten Kräfte nicht wirklich etwas Gegenteiliges behauptet. Die Luftlandetruppen haben ja lediglich blockiert, sollten also nicht weit in die Stadt vorgedrungen sein und dann gab es noch Luftunterstützung. Heute im Bericht wurden die verschiedenen Kräfte, die an der Eroberung beteiligt waren noch etwas ausführlicher behandelt, aber auch wieder nur unspezifisch "assault detachments" erwähnt:


    https://eng.mil.ru/en/special_…re.htm?id=12451318@egNews


    Zitat

    The set of measures, adopted by the Russian Group of Forces, has led to successful offensive operations of assault detachments in liberating Soledar.


    Diese Idee, dass Surowikin der "wichtigste Verbündete" von Prigoschin ist, basiert soweit ich gesehen habe, eigentlich nur darauf, dass letzterer sich postiv über ersteren geäußert hat (und das mag abgesprochene PR gewesen sein, nachdem der Rückzug aus Charkow zu dieser öffentlichen Auseinandersetzung geführt hatte). Insofern, wenn es wirklich so oberflächlich ist, taugt das nicht diese weitreichenden Spekulationen zu stützen.


    Was mir an westlichen Meldungen auffällt, viele verdeutlichen nicht, dass mit

    Gerasimow Surowikins Vorgesetzter das Kommando über die Militärische Spezialoperation übernommen hat und Surowikin einer von seinen drei Stellvertretern bei diesem Kommando ist (neben seiner Führung der Luft- und Weltraumkräfte).

  • Sie haben gerade eine Klarstellung dazu veröffentlicht:


    https://t.me/mod_russia_en/5778


  • https://www.reuters.com/world/…operator-says-2023-01-13/


  • Echte Helden der Wertekriegsberichterstattung und die Geister die sie riefen..


  • Der frz. LeFigaro hat heute einen ganz interessanten Artikel (E.Todd ) veröffentlicht, der eine ganz andere Sicht auf das aktuelle geopolitische Grosstheater samt Glühdraht Ukraine präsentiert. EIne der Kernthesen: uncleSam darf das nicht verlieren... und das hört sich ( leider aus aus 2.Hand) so an:


    "America is fragile. The resistance of the Russian economy is pushing the American imperial system towards the precipice. No one had expected that the Russian economy would hold up against the 'economic power' of NATO. I believe that the Russians themselves did not anticipate it.

    If the Russian economy resisted the sanctions indefinitely and managed to exhaust the European economy, while it itself remained, backed by China, American monetary and financial controls of the world would collapse, and with them the possibility for United States to fund their huge trade deficit for nothing. This war has therefore become existential for the United States.

    No more than Russia, they cannot withdraw from the conflict, they cannot let go. This is why we are now in an endless war, in a confrontation whose outcome must be the collapse of one or the other."


    Der Artikel wurde auch von TASS aufgegriffen und in Auszügen zitiert.


    Um derlei würdig zu besprechen, fehlt in DE dem MSM schlicht geeignetes Personal. Vllt. Scobel. Dann aber fehlt der Mut.


  • Ganzer Thread hier:

    https://threadreaderapp.com/thread/1613828368088326146.html


  • Ganzer Thread hier:

    https://threadreaderapp.com/thread/1613828368088326146.html

    Ist das die Art Rhetorik, die du überzeugend findest?


    Das ist doch nur die Essenz von 12 Monaten Markus Lanz und Familie Beck. Der weinerliche Kanon im Stile eines Hofreiters.


    Das substanzlose Geschwätz von allen, für die dieser Konflikt erst seit Februar 22 besteht.


    Schwach, ganz schwach.

  • Auf jeden Fall einer der interessanteren Threads heute:

    https://threadreaderapp.com/thread/1613924570725244928.html


  • Ganzer Thread hier:

    https://threadreaderapp.com/thread/1613828368088326146.html

    Beeindruckend!

    niemand Seriöses schreit „Hurra, Panzerwende“

    Ja das stimmt.



    (Google Translate: President @AndrzejDuda in #Lviv: A company of Leopard tanks for Ukraine will be transferred as part of building an international coalition. Such a decision is already in Poland.)


    Niemand seriöses macht sowas.


    Der Rest widerlegt sich eigentlich von selbst:


    [Q: ] Fragt bitte auch nach, welche „militärische Eskalation“ genau (zusätzlich zur existierenden) diejenigen fürchten, die dergestalt argumentieren [...]

    [A:] Dass mit dem Krieg ein erhebliches Maß an Ungewissheit einhergeht, kann niemand abstreiten. Genau so wenig, wie die Tatsache, dass niemand vorhersagen kann, wie dieser Krieg ausgehen wird.

    Auch das nukleare Eskalationsrisiko steht im Raum – wenngleich die Drohung für Putin bis auf Weiteres noch nützlicher ist als die Tat. Aber es bleibt gefährlich [...]

    Dialektik!


    Schuld und Sühne - auch ganz wichtig:

    [...] dass aus Solidarität Beistand mit der Ukraine geboten ist; dass der eklatante Rechtsbruch Russland nicht akzeptiert werden kann, weil …

    … sonst Völkerrecht erodiert; dass ein erfolgreicher von nuklearen Angriffsdrohungen gedeckter Angriffskrieg einen globalen Proliferationsimpuls nach sich ziehen könnte; dass die europäische Sicherheitsarchitektur auf Jahre hinaus …

    … instabil würde, wenn Russland große Teile der Ukraine einfach annektieren könnte – und als nächstes womöglich Georgien, Moldawien?; dass mit westlichen Waffen Menschen getötet werden, was Schuld bedeutet – in Abwägung aber im Lichte…

    … der Gräueltaten Russlands an der ukrainischen Zivilbevölkerung diese Schuld weniger schwer wiegt als die des Nichthandelns; [...]

    Wir haben zwar keinen Schimmer, was am Ende dabei rauskommt - Globale Wirtschaftskrise mit grausamsten Auswirkungen auf den globalen Süden, inklusive neuer Kriege um knappe Ressourcen, noch ein paar hunderttausend tote Ukrainierinnen und russische Soldaten mehr, Atomkrieg, usw.- Aber es ist einfach unsere moralische Pflicht, der deutschen Rüstungsindustrie neue Absatzgelegenheiten für ihe Exportschlager zu verschaffen die Ukraine im Kampf gegen das Böse zu unterstützen. Daran besteht kein Zweifel. Völkerrecht würde erodieren, wenn man es hinnähme, dass eine Atommacht einfach irgend ein anderes Land überfällt und in Schutt und Asche bombt. Wer da nicht mindestens Leopard 2 liefert, belädt sich mit der Schuld des Nichthandelns.

    [...] Aber ich beobachte, zumindest bislang, eben eher eine Schieflage, eine false balance, …[...]


    Argumente dagegen, die einfach ohne wertebasierten moralischen Kompass daher rationalisiert werden, dürfen keinen öffentlichen Raum gewinnen, denn das wäre "false balance".


    Ja, schlimm ist das, Herr Doktor Sauer. Überall wird medial gegen die Solidarität mit der Ukraine gehetzt. Die Talkshows, Nachrichtensendungen, Magazine und Qualitätszeitungen sind allesamt voll mit "ExpertInnen", die den wetebasierten Kurs der Bundesregierung und der NATO infam kritisieren, oder gar offen dem Putinismus frönen, und die Schuld des Nichthandelns relativieren.


    [...] Und wenn es eigentlich anders ist und sich rausstellt, dass ich schlicht nicht durchblicke und hier quasi aus Versehen einen Strohmann abgebrannt habe, dann lösche ich diesen Thread. [...]


    LOL :|?(:S

  • Das Grundschul-Niveau des nationalen Kriegsexpertentums auf den Punkt gebracht:


  • Der Begriff wurde sicherlich aus Propagandagründen gewählt, aber was hat die Teilmobilmachung der Reserve mit dem Überzeugen der russischen Bevölkerung zu tun? Das war offenkundig eine Maßnahme, die sich an den Notwendigkeiten des Krieges orientiert hat

    Weil daran der Unterschied zwischen der Propaganda im TV und der Wirklichkeit deutlich wird. Im TV wird irgendwas von "Spezialoperation" erzählt, und in Wirklichkeit werden Hunderttausende rekrutiert, um an der Front verheizt zu werden. Die Mobilmachung macht deutlich, dass zwischen dem was im TV erzählt wird und der Realität kein Zusammenhang besteht.

    Aber du vergisst vielleicht in den vielen Jahren davor als bei uns auch noch über das "Nazi-Problem" der Ukraine berichtet wurde, haben russische Medien das Thema deutlich intensiver behandelt.

    Vorbereitende Propaganda für die Invasion. Ich will gar nicht bestreiten, dass das in Russland vielleicht alles geglaubt wird. Aber das ist letztlich nichts anderes als die "Hussein/Assad ist der neue Hitler" Propaganda, die auf jeden angewendet wird, den wir angreifen wollen. Es besteht unzweifelhaft ein gewisser Wille der eigenen Seite zu glauben, aber bis zu echter Kriegsbegeisterung (bombt sie alle weg) ist da glaube ich noch ein Schritt.

    Nun, wie die Ukraine am Ende des Krieges aussehen wird, ist ja wohl einigermaßen unklar.

    Und für Russland ist das nicht unklar?

  • Unterstellt auch niemand. Was bei dieser Waffenlieferbegeisterung mehr Sorgen macht, ist diese hirnrissige Zufersicht, dass sich am Ende alles zum Besten wendet. Völlig ignorierend dass es bösartig für die gesamte Menschheiit ausgehen könnte.

    Nichtstun eignet sich natürlich viel besser als Ausgangspunkt um die Hände in Unschuld zu waschen. Ich hab ja nix gemacht.

    Dass das auch bös ausgehen kann, einfach unter den Teppich zu kehren... kann man machen, muss man aber nicht.

  • Für mich ist das fordern von Waffenlieferungen (als Deutscher) eher die Hände in Unschuld waschen. Wer für Waffenlieferungen ist sollte auch bereit sein die Ukraine im Schützengraben zu verteidigen.

    Oder alternativ, wer der Ukraine konventionelle Waffen liefert, sollte ihr auch Atomwaffen liefern? Das Argument gibt glaube ich nicht viel her, weil es ausschließlich aus der Warte prinzipieller Moral urteilt und die utilitaristische Moral (größtes Glück der größten Zahl) völlig außer Acht lässt.

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