Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Johnson plaudert:


    https://edition.cnn.com/2022/1…-comments-intl/index.html


    Zitat

    Johnson told CNN’s partner network CNN Portugal on Monday that the attitudes of Western nations varied widely before Moscow launched its all-out invasion of Ukraine on February 24, singling out three leading EU countries in comments that are unlikely to be welcomed in European capitals.


    Jepp.


    Deutschland:


    Zitat

    “The German view was at one stage that if it were going to happen, which would be a disaster, then it would be better for the whole thing to be over quickly, and for Ukraine to fold,” Johnson claimed, citing “all sorts of sound economic reasons” for that approach.


    Immerhin hatten wir, wenn das stimmt, vor dem Kriegsbeginn die richtige Perspektive und die Befürchtung hat sich ja auch bewahrheitet.


    Zitat

    “I couldn’t support that, I thought that was a disastrous way of looking at it. But I can understand why they thought and felt as they did,” Johnson went on.


    Nicht sicher, ob er wirklich versteht, dass neben seiner katastrophalen Implementierung des EU-Austritts auch der Wirtschaftskrieg ein Grund für den Niedergang seines Landes ist.


    Frankreich:


    Zitat

    “Be in no doubt that the French were in denial right up until the last moment,” Johnson also said.


    Italien:


    Zitat

    Johnson also criticized Italy’s initial response to the threat of an invasion. He told Quest that its government – at the time led by Mario Draghi – was “at one stage simply saying that they would be unable to support the position we were taking,” given their “massive” reliance on Russian hydrocarbons.


    Im Gegensatz zu der überlegenen britischen Abhängigkeit von europäischen Gasspeichern, die typischerweise - auch dieses Jahr wieder - zu einem guten Teil mit russischen Hydrocarbonen gefüllt werden - nun vermutlich wurden.


    Aber hey, ist ja alles gut ausgegangen:


    Zitat

    Johnson said that once Russia launched its invasion in February, attitudes across Europe changed quickly.


    “What happened was everybody – Germans, French, Italians, everybody, (US President) Joe Biden – saw that there was simply no option. Because you couldn’t negotiate with this guy (Putin). That’s the key point,” the ex-Prime Minister said, adding that the “the EU has done brilliantly” in its opposition of Russia since that time.


    “After all my anxieties … I pay tribute to the way the EU has acted. They have been united. The sanctions were tough,” Johnson went on.

  • ^^

    Also das scheint sogar nicht falsch zu sein.



    https://www.history.com/news/prehistoric-ages-timeline

    Zitat

    The Prehistoric Period—or when there was human life before records documented human activity—roughly dates from 2.5 million years ago to 1,200 B.C. It is generally categorized in three archaeological periods: the Stone Age, Bronze Age and Iron Age.

    https://en.wikipedia.org/wiki/Prehistory

    Zitat

    Prehistory, also known as pre-literary history,[1] is the period of human history between the use of the first stone tools by hominins c. 3.3 million years ago and the beginning of recorded history with the invention of writing systems. The use of symbols, marks, and images appears very early among humans, but the earliest known writing systems appeared c. 5000 years ago. It took thousands of years for writing systems to be widely adopted, with writing spreading to almost all cultures by the 19th century. The end of prehistory therefore came at very different times in different places, and the term is less often used in discussing societies where prehistory ended relatively recently.

    [...]

    The Bronze Age is the earliest period in which some civilizations have reached the end of prehistory, by introducing written records.



    https://latvians.com/index.php…mes/zimes-10-rhetoric.ssi

    Zitat

    The oldest example ever found of the swastika, ugunskrusts ("fire-cross") in Latvian, is 15,000 years old, carved in mammoth tusk, unearthed in Ukraine.


    https://en.wikipedia.org/wiki/Swastika

    Zitat

    The earliest known swastika is from 10,000 BCE – part of "an intricate meander pattern of joined-up swastikas" found on a late paleolithic figurine of a bird, carved from mammoth ivory, found in Mezine, Ukraine.



    https://en.wikipedia.org/wiki/…early_20th_century#Latvia

    Zitat

    The Latvian left-facing swastika or Thunder Cross dates back to Bronze Age. It is widely seen scratched on surfaces like rocks, and on weapons and pottery as a protector sign.




    So darüber wie die dann wirklich aussahen damals und wie sehr die dem was da auf der Treppe zu sehen war ähneln und ob das nicht doch ein klares Symbol ist, gerade auch bei Beachtung der Punkte 1. - 5., darauf wollt ich jetzt eigentlich nicht explizit eingehen müssen.

  • Also es ist ein einfaches Symbol, insofern kann ich mir schon vorstellen, das auch in prähistorischen Zeiten verwendet wurde. Was ich belustigend finde, dass sich offenbar auch die Letten - ähnlich wie die Ukrainer - eine durchgezogene Geschichtslinie zu dieser Zeit zuschreiben.


    An die Belege würde ich allerdings auch Fragezeichen dranmachen. Etwa diese Seite:



    Neben dem Mammutzahn, sprechen sie von einem über zehntausend Jahre alten Schal mit den Symbolen:


    Zitat

    Fragments of the Stāmeriene shawl. Unearthed in 1898, it was woven some time during the late Iron Age age, 10th-11th centuries. Latviešu Tautas Tērpu Vēsture (History of Latvian Folk Costume), 1936.


    Oder hier:


    Zitat

    The earliest known swastika is from 10,000 BCE – part of "an intricate meander pattern of joined-up swastikas" found on a late paleolithic figurine of a bird, carved from mammoth ivory, found in Mezine, Ukraine.


    Die Referenz ist ein Buch von Joseph Campbell.


    Hier wird gar keine Referenz für die Behauptung angegeben:


    Zitat

    The Latvian left-facing swastika or Thunder Cross dates back to Bronze Age. It is widely seen scratched on surfaces like rocks, and on weapons and pottery as a protector sign.


    Kommt mir wie eine Mischung aus tatsächlichen historischen Belegen und Pseudohistorie vor.

  • Ist doch vollkommen irrelevant, ob irgendwelche Höhlenmenschen das Ding vor 20.000 Jahren schon verwendet haben oder nicht.


    Die Original-Nazis haben das Hakenkreuz auch nicht selbst erfunden und trotzdem wurde es zum Symbol ihres völkischen Todeskultes.

  • An die Belege würde ich allerdings auch Fragezeichen dranmachen

    klar, die ganze Seite latvians.com ist aufn ersten Blick strange.

    Dass die da was von 15k BCE erzählen und auf wikipedia verweisen wo dann was von 10k BCE steht ist ja auch schon deutlich. Hab ja nich umsonst beides zitiert...


    Aber ganz egal, ich glaub erstmal, dass es da durchaus prähistorische Funde mit entsprechenden Symbolen geben wird. Ob die dann auf 15k BCE, 10k BCE oder doch nur 1200 BCE datiert werden und innerhalb welcher heutigen Landesgrenzen das dann rumgelegen haben mag sei mal dahingestellt. Genauso gehts auch nich darum ob das nun linksrum, rechtsrum oder noch bissl künstlerisch freier gestaltet ist.

  • Dein Naturzustand ist mit der nationalen Propaganda übereinzustimmen. Verstehe.

    Ne. Ich finde nur seltsam, wieso das unnatürlich ist.

    ...dass die Eroberung und Annektion des Ostens und Südens der Ukraine schon immer sein Staatsziel war, und dass die Einhaltung der Minsker Abkommen durch die ukrainische Kommandostruktur ihn auch nicht daran gehindert hätte, wissen wir ganz genau, denn Diktatoren sind böse Menschen die Böses im Schilde führen und das schreiben deutsche QualitätsjournalistInnen, KriegsprofessorInnen und OsteuropaexpertInnen in der Zeitung und im Internet, und das sagen sie auch in Sicherheitspodcasts und bei Markus Lanz, weil dort immer alles auf den Tisch kommt, was Putin uns verschweigt.

    Und was genau willst du mit dieser Polemik aussagen? Putin hätte eine neutrale Ukraine nicht angegriffen und annektiert, weil er zu anständig und vernünftig ist, so eine günstige Gelegenheit zu nutzen?


    Diese Annahme ist aus meiner Sicht im Lichte jüngster Ereignisse nicht mehr haltbar. Ich war selber vor der Invasion ein Befürworter der Neutralisierung. Ausgehend von der Annahme, dass Putin ein kühl kalkulierender Machiavellist ist. Dass ihm bewusst ist, dass sich Geschichte nicht zurückdrehen lässt, wie eine Taschenuhr, und der Versuch, ein Land von der Größe Frankreichs in Europa zu erobern, scheitern muss.


    Putin hat aber offenbar eine andere Einschätzung von den politischen und militärischen Möglichkeiten Russlands. Selbst wenn der Westen bereit gewesen wäre das Baltikum und die Ukraine Putin als Einflusssphäre zu überlassen - was mir früher als richtige Politik erschien - hätte das nur für ein friedliches Miteinander gesorgt, wenn Putin das nicht als Zeichen der Schwäche versteht, die es auszunutzen gilt.

  • Eine neue Angriffswelle, erneut im ganzen Land der Strom weg und die ukrainische Führung ergeht sich in Machtphantasien:


    https://twitter.com/OleksiyDan…tatus/1595377161174921216



    https://twitter.com/OleksiyDan…tatus/1595426374864494592



    Ich habe auch meine Zweifel, dass die Angriffe mit einem Ultimatum für Verhandlungen verbunden sind. Denke eher das soll die Behauptung stützen, dass die Russen den Krieg am Boden verlieren und nur noch diese Angriffsmöglichkeit haben. Den gleichen Sinn haben die immer erneuerten Behauptungen, dass den Russen bald die Raketen ausgehen. Die Botschaft: Da muss man jetzt nur durch und bald ist der Sieg da.


    Die Ukrainer haben offenbar eine Reihe von Notversorgungszentren aufgebaut, "пункт незламності" etwa "unzerbrechlicher Punkt":


    https://nezlamnist.gov.ua


    Zitat

    ПУНКТ НЕЗЛАМНОСТІ


    Місце твоєї безпеки під час тривалого відключення електроенергії чи тепла.


    План росії – будь-що залишити жителів України без електроенергії, світла та тепла. В разі аварійного відключення електроенергії більш ніж на 24 години, Пункти Незламності стануть острівком безпеки, стабільності, тепла та нашої єдності, які функціонуватимуть цілодобово і безкоштовно для тимчасового перебування.


    Via Google Translate:


    Zitat

    Punkt der Unzerbrechlichkeit


    Ihr sicherer Ort bei einem längeren Strom- oder Wärmeausfall.


    Russlands Plan ist, alles zu tun, um die Bewohner der Ukraine ohne Strom, Licht und Wärme zu lassen. Im Falle eines Notstromausfalls von mehr als 24 Stunden wird Points of Unbreakability zu einer Insel der Sicherheit, Stabilität, Wärme und unserer Einheit, die rund um die Uhr und für einen vorübergehenden Aufenthalt kostenlos zur Verfügung steht.


    Dort gibt es Wasser, Wärme, Mobilkonnektivität usw. Sicherlich auf der Basis von Notstromaggregaten. Aber ich sehe nicht, wie man das Land so durch den Winter bringen will. Schon die Versorgung dieser Punkte, wird auf Dauer ein Problem. Ich fürchte um eine umfangreiche Evakuierung wird man nicht herumkommen. Und für die gibt es im Wesentlichen zwei Ziele: Russland oder die EU.

  • Und was genau willst du mit dieser Polemik aussagen? Putin hätte eine neutrale Ukraine nicht angegriffen und annektiert, weil er zu anständig und vernünftig ist, so eine günstige Gelegenheit zu nutzen?

    Nein. damit wollte ich vor allem zum Ausdruck bringen, dass Du nach wie vor offenbar der Ansicht bist, die im deutschen Mainstream verbreiteten Erzählungen darüber, was Putin will aber nicht sagt, oder was er sagt aber nicht will - je nachdem was gerade besser zur laufenden Dramaturgie des Medienkrieges passt - könne man einfach für bare Münze nehmen.


    Denn sonst würdest Du ja nicht gleich im Anschluss brav wiederholen, was Dir vorgesagt wird und Vermutungen über des Kremlhitlers finstere Hintergedanken anstellen, die Du nicht belegen kannst...

    [...] der Versuch, ein Land von der Größe Frankreichs in Europa zu erobern [...]

    [...] das Baltikum und die Ukraine Putin als Einflusssphäre zu überlassen [...] wenn Putin das nicht als Zeichen der Schwäche versteht, die es auszunutzen gilt.

    ...wie zum Beispiel die Behauptung, er habe die gesamte Ukraine (ein Land von der Größe Frankreichs) erobern wollen, oder dass er jedes Zeichen der Schwäche dazu ausnutzen werde, sich noch weiteres territorium unter den Nagel zu reissen.


    Vielleicht ist das ja sogar richtig. Aber vielleicht auch nicht.


    Das Problem das ich damit habe, ist diese Gewissheit, mit der seit der Zeitenwende allenthalben irgendwelche Spekulationen als objektive Analysen angepriesen, und von Leuten wie Dir dankbar angenommen werden - so als hätte man noch nie etwas davon gehört, dass in einem Krieg auf beiden Seiten Propaganda betrieben wird bis der Arzt kommt, um den Gegner als möglichst verkommenen, durchtriebenen Unmenschen darzustellen, der aber natürlich geleichzeitig dumm genug ist, seine eigene Fähigkeit zum Sieg völlig zu überschätzen und deshalb garantiert irgendwann im Felde geschlagen werden wird, wenn man an der Heimatfront nur die Reihen fest geschlossen hält, hart genug die Zähne zusammenbeisst, und den Krieg bis zum bitteren Ende weiterführt.

  • Das ist das was mich am meisten erschreckt. Wie Leute (Politiker, Journalisten) die offensichtilch keine Ahnung haben, so tun als könnten sie mit absoluter Gewissheit sagen, was in diesem Krieg jetzt zu tun ist. (Beispiel: „Alles für den Sieg”, Zitat Lauterbach).


    Das Journalisten meistens keine Experten auf dem Gebiet sind über das sie grade berichten, ebensowenig Politker selten Experten auf dem Gebiet sind auf dem sie grade was Entscheiden — klar. Erstens ist niemand Experte in Allem und zweitens wird jeder das schon einmal aufgefallen sein, wenn über etwas berichtet wird, wo sie sich gut auskennt.

    Wenn allerdings schon Grundzug des Krieges ist, das vieles im Nebel verschwindet, hätte ich doch erwartet, das hier ein Schritt zurückgetreten wird, anstatt sofort strammen Schrittes loszumaschieren.*


    Andererseits kommt es mir manchmal so vor als gibt es hier bei machen genau entgegengesetzt zudem was bei uns in den Leitmedien stattfindet, ein Schönfärben der russischen militärischen Situation, anstatt eines viel zu postitiven Darstellens der ukrainische Situation.


    *Kann natürlich auch sein, dass das Innehalten schon stattgefunden hat, im März, bis Onkel Joe den Marschbefehl gegeben hat

  • Oh, eine regierungsnahe russische Zeitung hat 2012 berichtet, Russland plane Sewastopol aufzugeben. Das ist der unwiderlegbare Beweis für Putins friedliche Absichten!


    Der Marinestützpunkt Noworossijsk wurde tatsächlich als möglicher Ersatz für den Standort der Schwarzmeerflotte vorgesehen. Bevor Putin und Janukowitsch eine Verlängerung beschlossen hatten, bestand die ukrainische Vorgängerregierung auf einem Ende der russischen Präsenz bis 2017. Hier zum Beispiel von 2009:


    http://rusnavy.com/news/navy/i…D=8015&sphrase_id=3163380


    Zitat

    Russia intensified activities on establishing new Black Sea Fleet naval base. That was said by Ekho Moskvy radio referring to Vice Admiral Oleg Burtsev, Main Navy HQ Deputy Chief-of-Staff.


    [...]


    "In Novorossiysk we have intensified activities on creation new basing system for Black Sea Fleet", said the Vice Admiral.


    Die Ernsthaftigkeit kann man im Prinzip an dem Budget messen, das dort hingeflossen ist. Trotz der auch hier erwähnten in bestimmten Aspekten geringeren Eignung des Standorts:


    Zitat

    Answering the remark that there is no appropriate bay, the Navy Deputy COS said: "Indeed. So what?.. All my life I had been serving in north regions, watched at Varanger Fjord and was envious of Norwegians' good fortune to have such fjords. Since we have just Kola Bay...".


    Klar, zu einem gewissen Grad wird das eher Vorbereitung für alle Eventualitäten gewesen sein, als dass man enthusiatisch an einer Aufgabe des traditionellen Standortes gearbeitet hat. Aber zu glauben, dass die russische Regierung seit Mitte der 2000er eine territoriale Eroberung der Ukraine plant und den Ausbau von Noworossijsk damals nur in Auftrag gab, um alle zu täuschen, ignoriert viele Vorgänge, die in der Zwischenzeit passiert sind.

  • Andererseits kommt es mir manchmal so vor als gibt es hier bei machen genau entgegengesetzt zudem was bei uns in den Leitmedien stattfindet, ein Schönfärben der russischen militärischen Situation, anstatt eines viel zu postitiven Darstellens der ukrainische Situation.


    Gut ich weiß nicht was Schönfärben heißen würde. Ich vermute die russische militärische Situation ist einfach nicht besonders schlecht. Ich denke der Rückzug im Norden war keine Niederlage, also nur insofern man auf einen Zusammenbruch der ukrainischen Regierung gehofft hat, Charkow war keine katastrophale Niederlage, die der Generalstab zudem in Kauf genommen haben sollte, und Cherson war keine Niederlage. Natürlich wenn man diesen erzwungenen und zwei freiwilligen Rückzüge als Zeichen grundsätzlicher Schwäche interpretiert, kommt man vielleicht zum Bild einer Krise. Aber wenn man diese Gelegenheiten, bei denen die Russen sich entschieden haben, nicht zu beharren, mal ausnimmt, spricht viel weniger dafür, dass so eine Krise besteht.


    An PR gemessen waren es natürlich Niederlagen sowieso in der westlich kontrollierten Mediensphäre, aber abhängig davon wie gut das intern gemanagt wird, zu irgendeinem Grad auch in der "russischen Welt" und anderen nicht westlich dominierten Öffentlichkeiten. Der Raum, den die russische Militärführung hat, ihrer politischen Führung diese PR-Niederlagen zu zufügen, scheint mir wiederum eher für grundsätzliche Zuversicht zu sprechen.


    Es ist möglich, dass die Situation für die Russen deutlich schlechter ist als sie scheint. Das müsste sich daran zeigen, dass das bisher demonstrierte Niveau an Materialverfügbarkeit über längere Zeit ins Stocken gerät, oder dass die Verluste sich in einer ähnlichen Höhe wie die der Ukrainer bewegen. Beides wird von der ukrainischen und hiesigen Propaganda sicherlich behauptet. Ich habe nicht den Eindruck, dass es wirklich belegt ist. Es ist auch möglich, dass die Ukrainer und wir viele der Probleme, die immer mal wieder kommuniziert werden, übertreiben. Beide dieser Möglichkeiten scheinen mir mit dem sichtbaren Geschehen nicht wirklich vereinbar zu sein, auch wenn das Sichtbare zweifellos von beiden Seiten manipuliert wird.


    Was mich zu dieser Einschätzung zurückführt:


    Die Siegeshypothese für die Ukrainer war schon immer, dass die Russen einfach irgendwann wegbrechen - die gleiche Hypothese, die wir für unseren Wirtschaftskrieg gegen Russland haben.

  • ...wie zum Beispiel die Behauptung, er habe die gesamte Ukraine (ein Land von der Größe Frankreichs) erobern wollen, oder dass er jedes Zeichen der Schwäche dazu ausnutzen werde, sich noch weiteres territorium unter den Nagel zu reissen.

    Da würde ich die Tatsache, dass es bereits zweimal Annexionen gab, als Beleg anführen, und dass die russische Armee auf Kiew marschiert ist. Natürlich lässt sich alles auch anders beurteilen, so dass die NATO Putin gezwungen hat, alles zu annektieren, was er in die Finger kriegt.


    Das Problem das ich damit habe, ist diese Gewissheit, mit der seit der Zeitenwende allenthalben irgendwelche Spekulationen als objektive Analysen angepriesen, und von Leuten wie Dir dankbar angenommen werden - so als hätte man noch nie etwas davon gehört, dass in einem Krieg auf beiden Seiten Propaganda betrieben wird bis der Arzt kommt

    Aber die Darstellung der russischen Propaganda zu übernehmen ist in Ordnung nehme ich an, nur die westliche Propaganda ist immer falsch?

  • Da würde ich die Tatsache, dass es bereits zweimal Annexionen gab, als Beleg anführen, und dass die russische Armee auf Kiew marschiert ist.

    Annektiert wurden aber nur Gebiete, die die russische Regierung als ohnehin von ethnischen Russen bewohnt, und somit als "kulturell" russisch sieht, und die ihrer Ansicht nach von der ukrainischen Regierung bedroht wurden.

    Man hat sich sogar die Mühe gemacht, dort Referenden über den Beitritt zur russischen Föderation abzuhalten - wohl wissend, dass der Westen die sowieso nicht anerkennen würde - , nachdem man Donetsk und Luhansk immerhin während des seit acht Jahren andauernden Bürgerkrieges nicht einfach annektiert hat.


    In den Minsker Abkommen, die Russland unterzeichnet hat, waren ebenfalls - international überwachte - Volksentscheide über den weiteren Status der beiden "Volksrepubliken" innerhalb des ukrainischen Staates vorgesehen, und auch auf der Krim hat man einen solchen durchgeführt, der zwar erzwungen wurde und gegen die ukrainische Verfassung verstieß, der aber ein ziemlich eindeutiges Ergebnis für die Abspaltung der Halbinsel von der Ukraine geliefert hat.

    Ob das jetzt "Scheinreferenden" waren, oder ob man die vor allem in den jetzt nach der Invasion besetzten Gebieten wirklich für repräsentativ und ohne Zwang durchgeführt halten sollte, ist eine berechtigte Frage, aber wäre es einfach nur um die Eroberung von Territorium gegangen, hätte man sich das auch sparen können.


    Der Vorstoß auf Kiew war ziemlich sicher als Enthauptungsschlag gegen die Regierung Zelenskyj gedacht, aber daraus zu schliessen, man habe vorgehabt, die gesamte Ukraine militärisch zu erobern ist einfach haltlose Spekulation.

    Bis zum Angriff auf die Brücke zur Krim haben die Russen die gesamte Westukraine - mal abgesehen von gelegentlichen Raketen gegen vermutete Waffenlager oder Nachschubwege aus dem Westen - eigentlich überhaupt nicht angegriffen, und auch jetzt machen sie keinerlei Anstalten dort einzumarschieren.

    Auch hier kann man natürlich sagen, Russland sei ein "Terrorstaat", der die Zivilbevölkerung zermürben, und den ukrainischen Staat zerstören wolle - was mittlerweile vielleicht sogar irgendwie stimmt -, aber wenn man von Anfang an eine Eroberung des gesamten Staatsgebietes im Sinn gehabt hätte, dann wären diese Luftangriffe schon gleich zu Beginn der Invasion erfolgt, um das Land sturmreif zu schiessen - so wie die USA und ihre Verbündeten das zum Beispiel im Irak gemacht haben, wo sie erst mal ein-zwei Wochen lang einen massiven Bombenkrieg führten, bevor der erste westliche Panzer richtung Bagdad rollte.

    Natürlich lässt sich alles auch anders beurteilen, so dass die NATO Putin gezwungen hat, alles zu annektieren, was er in die Finger kriegt.

    Die NATO hat Putin nicht "gezwungen" irgendwas zu annektieren. Das haben er und seine Gefolgsleute schon selbst zu verantworten. Aber sie haben ihre bisherigen Annektionen aus russicher Sicht durchaus begründet - auch wenn uns das im Westen überhaupt nicht passt.


    Von einer Annektion weiterer Gebiete war allerdings nie die Rede, und Putin zu unterstellen, er habe habe vor, "alles zu annektieren, was er in die Finger kriegt" ist ebenfalls eine nicht zu belegende Spekulation, die nur "Sinn" ergibt, wenn man die westliche Erzählung für bar Münze nimmt, dass es ihm bei seinem Angriffskrieg nur darum gehe, das russische Staatsgebiet auszuweiten und das großrussische Reich wieder herzustellen.

    Aber die Darstellung der russischen Propaganda zu übernehmen ist in Ordnung nehme ich an, nur die westliche Propaganda ist immer falsch?

    Zeig' mir mal, wo ich hier gesagt habe, es sei in Ordnung, russische Propaganda zu übernehmen und dann nehme ich vielleicht zurück, dass das ein saublödes Strohmannargument ist, das in der westlichen Propaganda und im sie hirnlos wiederkäuenden deutschen Qualitätsjournalismus leider Standard geworden ist, um alles was der eigenen Erzählung widerspricht als Produkt der feindlichen Desinformation zu diskreditieren.


    Es ist überhaupt nicht in Orndung, irgendeine Propgandaerzählung zu übernehmen - egal ob man die Ziele der jeweiligen Kriegspartei nun unterstützt oder nicht. Aber ich werfe Dir (stellvertretend für einen großen Teil der öffentlichen und veröffentlichten Meinung in Deutschland) vor, dass Du genau das tust, indem Du hier immer wieder spekulative Behauptungen aus dem Mainstream übernimmst und als Fakten verargumentierst, die sich einfach nicht belegen lassen.

  • Ein New York Times-Artikel, der mal einräumt, dass durch US-amerikanische Waffen in der Ukraine auch Zivilisten zu Schaden kommen:


    https://www.nytimes.com/2022/1…ine-american-missile.html



    Der Grund warum die Geschichte von der New York Times aufgegriffen wurde:


    Zitat

    Almost immediately after the blast, images of debris and shrapnel posted to a local Ukrainian-run Telegram channel contained manufacturer numbers and decals that indicated the missile was a U.S.-made AGM-88B High Speed Anti-Radiation Missile, or HARM.


    Zu Einsatzform und Qualität der eingesetzten US-amerikanischen Raketen:


    Zitat

    The arrival of Western weapons into the Ukrainian military’s arsenal has at times required a degree of jury-rigging and improvisation — in this case, to enable Ukraine’s Soviet-era MiG fighters to fire the AGM-88, a missile it was not designed to carry.

    Zitat

    The Pentagon has long dipped into aging stocks of equipment to supply Kyiv, sometimes leaving Ukrainian forces troops with worn-down matériel. An American officer, who spoke on the condition of anonymity because he was not authorized to speak publicly about the missile’s use, added that the AGM-88B that struck the apartment in Kramatorsk almost certainly came from old surplus stocks, as it has been replaced by a newer model in service with American forces.


    Den Russen konnte man es leider nicht anhängen:


    Zitat

    According to two U.S. defense officials there were no indications that Russian forces in Ukraine had managed to capture or use HARM missiles since the United States began supplying the weapons.


    Schließlich bezeichnen sie die Möglichkeit, dass die ukrainische Luftabwehr für einige der Zerstörungen rein ziviler Strukturen und den Tod für Zivilisten verantwortlich sind, als russische Propaganda:


    Zitat

    There are no recorded instances of Ukrainian forces purposely targeting cities completely under their control, indicating that the missile was likely off-target and may have malfunctioned. Russian troops, however, have often targeted civilian infrastructure and population centers as a central and repeated tactic.


    To mask their attacks on civilians, the Kremlin has often falsely attributed some such casualties to malfunctioning Ukrainian air defenses that struck residential areas instead of intercepting incoming Russian missiles and drones.


    Natürlich ergibt diese Gegenbehauptung nur bedingt Sinn. Sicherlich können russische Raketen ihr eigentliches Ziel verfehlen oder die Trümmer einer erfolgreich abgefangenen Rakete noch Schaden anrichten. Aber die Behauptung verstehe ich so, dass die Russen bewusst auf zivile Ziele feuern, diese erfolgreich treffen und dann vorschieben, die ukrainische Luftabwehr sei verantwortlich. Wir sprechen hier allerdings über Angriffe, die auch klar Ziele mit militärischer Rechtfertigung treffen, mittlerweile in großen Raketenangriffswellen. Da beschädigen die Russen eine Reihe wichtiger Infrastrukturziele, irgendwelche Kommandozentren (darüber gibt es immer die wenigsten Informationen) und zusätzlich feuern sie neben einen Kinderspielplatz oder auf irgendein Wohnhaus. Es ist nicht undenkbar, dass man das so plant, aber mal ehrlich wer plant das so?


    Das hat also klar die Merkmale der Kriegspropaganda. Unsere Seite zielt nicht auf Zivilisten, sondern macht höchstens mal einen Fehler. Die andere Seite zielt bewusst auf Zivilisten und immer wenn sie getroffen werden gab es keinen Fehler.


    Das führt auf die interessante Einschränkung im ersten Satz des letzten Zitats:


    Zitat

    There are no recorded instances of Ukrainian forces purposely targeting cities completely under their control, indicating that the missile was likely off-target and may have malfunctioned.


    Und damit zu der Behauptung, mit der der Artikel einsteigt:


    Zitat

    An American-made missile fired by Ukrainian forces wounded three civilians in eastern Ukraine in September, according to residents and debris recovered from the scene, marking a rare instance where U.S.-supplied weapons were linked to civilian casualties in the nine-month-old conflict.


    Die New York Times recherchiert natürlich nicht vor Ort in russisch kontrollierten Gebieten und nimmt die Behauptungen dortiger Behörden oder auch nur der Anwohner über Angriffe auch mit westlichen Waffen - würde mich wundern, wenn darunter keine US-amerikanischen wären - auf Zivilisten und zivile Strukturen nicht ernst.

  • https://www.spiegel.de/wirtsch…60-4ea8-8813-e6940e0db127


    [EU: Handelskommissar Valdis Dombrovskis warnt vor Handelskrieg mit den USA]


    Ja, natürlich. Was auch sonst.


    Für einen Handelskrieg braucht man: 1.) Kriegskasse ☑


    https://www.politico.eu/articl…o-save-european-industry/



    Warte was ist das hier:


    Zitat

    With a diplomatic solution seeming unlikely and Brussels wanting to avoid an all-out trade war, a subsidy race now looks increasingly likely as a contentious Plan B.


    Laaangweilig.

  • Wenn Diktatoren rationaler klingen wie unser Mainstream, dann läuft was falsch.


    Lukashenko: "Everything is in Ukraine's hands now. If they don't want doom, we have to stop. We have to stop it, because further on there will be a complete destruction of Ukraine. This is not what Putin said long before the operation, that would be the loss of Ukraine's statehood. It will be the destruction of Ukraine! We have to stop!"


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