Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Laut IMF Daten und Bank-Analysten aus GB, war Russland seit 2017 auf dem Weg die größte Volkswirtschaft in Europa zu werden und weltweit würden die USA nur noch Platz 3 sein und Deutschland gerade noch so in den Top 10 mit Platz 10:


    gdp-2030-projections.png


    Ob der Krieg auch damit was zu tun hat bezw. der Westen mit dem Ukraine-Krieg (durch USA-Coup in Ukraine in 2014 erst entstanden) versucht sich noch irgendwie am Leben zu halten, indem man dem Konkurrenten Russland schadet und die westliche Einflusssphäre durch die Ukraine vergrößert?

  • Ob der Krieg auch damit was zu tun hat bezw. der Westen mit dem Ukraine-Krieg (durch USA-Coup in Ukraine in 2014 erst entstanden) versucht sich noch irgendwie am Leben zu halten, indem man dem Konkurrenten Russland schadet und die westliche Einflusssphäre durch die Ukraine vergrößert?

    Ich glaube es ging den Geostrategen in Washington D.C. bei der schon ab dem Regierungswechsel 2004 (orange "Revolution") verstärkt voran getriebenen Westanbindung der Ukraine weniger darum, Russland als ernsthafte Konkurrenz auszuschalten, sondern vor allem darum, einen Keil in die sich anbahnende ökonomische Vernetzung Russlands mit Westeuropa (und insbesondere mit dessen größter Volkswirtschaft Deutschland) zu treiben.

    Die Verbindung russischer Rohstoffe mit westlichem Know How und deutscher Exportmacht war den Amerikanern nicht geheuer, weil sie befürchteten, dadurch auch ihren strategischen Einfluss auf die alte Welt zu verlieren.


    Was heute - nach der #Zeitenwende - im westlichen Diskurs als reine Ausgeburt der imperialistischen Gelüste des Russenhitlers geframed wird ("von Lissabon bis Wladiwostock"), war die nicht nur von Russland, sondern auch von vielen westeuropäischen Eliten avisierte Idee einer für das Großkapital höchst lukrativen eurasischen Wirtschaftsunion.

    Als sich dann auch noch China als ökonomische Großmacht emanzipierte, mit seinem Projekt der neuen Seidenstraße die Handelswege in den Westen auszubauen versuchte, und sich darüber auch enger mit seinem alten Erzfeind Russland verband, sah man das auf der anderen Seite des Atlantiks erst recht als Bedrohung der von den USA dominierten "regelbasierten Weltordnung" nach dem ende des kalten Krieges an.


    Die Vorstellung, Asien und Europa könnten sich gemeinsam zum Handelsimperium entwickeln, scheint den Imperialisten in Washington D.C. eine so unerträgliche Vorstellung zu sein, dass sie darüber auch den Ruin der europäsichen Handelpartner, oder sogar einen dritten Weltkrieg riskieren. Die Ukraine ist dabei nur der erwähnte Keil, der mit aller Gewalt voran getrieben wurde. Der Wohlstand, die Freiheit, oder irgendeine nationale Souveränität der ukrainischen Bevölkerung spielt dabei - analog zu Putins nicht minder verlogenem Narrativ von der "Spezialoperation" zur "Entnazifizierung" und dem Schutz der russischstämmigen UkrainerInnen vor dem "Genozid" - nur insofern eine Rolle, als man sie als moralische Imperative für nützliche Idiot*innen in Parlamenten und Regierungsparteien westlicher Demokratien braucht, die sich ernsthaft einbilden, es ginge in diesem grausamen Machtspiel um irgendwelche Werte, die nur verteidigt werden könnten, wenn dem russischen und chinesischen "Imperialismus" ein für alle mal der Garaus gemacht werde.

  • We Should Have Listened to Bernie Sanders About Ukraine

    In early February, Bernie Sanders advocated US involvement in peace talks to head off an “enormously destructive war” in Ukraine. We should have listened.

    Ich bin mir zwar nicht so sicher wie Mr Burgis, dass Sanders - wäre er Präsident geworden - wirklich so ernsthaft und gegen härteste Widerstände aus dem politischen establishment (auch der demokratischen Partei) Auf eine Verhandlungslösung insistiert hätte, aber das Biden es nicht einmal versucht hat ist leider nicht zu bestreiten. Selbst die jüngste Ankündigung des Außenministers Blinken, mit seinem russischen Pendant Lawrow über Gefangenenaustausche und Getreidelieferungen reden zu wollen, wird medial von der Frage der Weiterführung des Krieges isoliert - selbst wenn man davon ausgehen kann, dass sie natürlich Gegenstand der Gespräche wäre - während in Kiew immer lauter vom Endsieg geträumt wird.

  • Selbst wenn man nach GDP(PPP) geht scheint dass doch eher fraglich. Bedenkt man dass das Russische BIP in den letzten 10 Jahren von ~2.2 Billionen auf ~1.8 Billionen gesunken ist ergibt sich aber auch hier ein weiterer Faktor für den diesjährigen imperialistischen Eroberungsfeldzug.

  • Also genau das war eine Vorhersage von PricewaterhouseCoopers von 2017 für 2050 wohlgemerkt Report: "The Long View - How will the global economic order change by 2050?":


    http://www.pwc.com/gx/en/world…mmary-report-feb-2017.pdf


    In deren ranking wechselt Deutschland von Platz 5 auf Platz 9, Russland bleibt auf Platz 6 und ist damit die größte Wirtschaft mit europäischem Territorium. Dahinter steht, dass das projezierte russische Wachstum mithalten kann, das deutsche nicht. In der Analyse berufen sie sich auch auf Daten vom IWF.

  • Ich sehe hier auf den ersten Blick wieder nur das BIP mit Kaufkraftparität. Ob Russland wirklich die hier angenommenen 2.2% Wirtschaftswachstum über die nächsten 30 Jahre schafft löst bei mir dann doch eher Skepsis aus. Im Jahr 2017 als die Studie erstellt wurde war man wohl noch optimistischer was die russische Außenpolitik betrifft.

  • Ich bin mir zwar nicht so sicher wie Mr Burgis, dass Sanders - wäre er Präsident geworden - wirklich so ernsthaft und gegen härteste Widerstände aus dem politischen establishment (auch der demokratischen Partei) [...]


    Nun es hätte schonmal keinen Blinken und keine Nuland gegeben:


    https://www.atlanticcouncil.or…en-good-news-for-ukraine/


    https://nationalinterest.org/f…ia-could-get-worse-176516


    Vielleicht ist euch Anders Åslund während dieser ganzen Zeit mal untergekommen. Aus seinem "paper" The view from Washington: How the new Biden administration views the EU's eastern neighbourhood:


    https://journals.sagepub.com/d…10.1177/17816858211000484


    Zitat

    As an experienced foreign-policy politician, Biden has a highly qualified foreign-policy team. His first nominations were Anthony Blinken, who has been his top foreign-policy adviser for many years, as secretary of state, and young star Jake Sullivan as his national security adviser. Both are perceived as the best and brightest of Washington’s foreign-policy specialists, and they are very close to Biden both personally and in their views. The next level down is also impressive. Victoria Nuland has been nominated as under-secretary of state for policy. Several others have already been appointed or nominated for various roles, and they all appear highly competent and aligned in their views with Biden’s policy.


    These people have well-known views. They are internationalists and Atlanticists with a strong commitment to values—democracy, freedom, human rights and the rule of law. They believe in multilateralism and want the US to coordinate its policies other truly democratic states and with the EU. They strongly support NATO.


    Spezifisch stellt er nochmal klar:


    Zitat

    Some have argued that these people were responsible for the mistakes of the Obama administration, such as not delivering lethal weapons to Ukraine, but they actually formed the opposing camp to that policy (Thiessen 2019). Ukraine seems to have been a dividing line for Biden. He and his people took a hard line on Russia’s antidemocratic domestic policies and aggressive foreign policy, and those who wanted a reset or to go soft on Russia do not now hold jobs related to foreign policy. Thus, any deduction that Biden will pursue the same policy as Obama in Eastern Europe is likely to be wrong. Biden knows where he stands, and so do his people.

  • Ich sehe hier auf den ersten Blick wieder nur das BIP mit Kaufkraftparität. Ob Russland wirklich die hier angenommenen 2.2% Wirtschaftswachstum über die nächsten 30 Jahre schafft löst bei mir dann doch eher Skepsis aus. Im Jahr 2017 als die Studie erstellt wurde war man wohl noch optimistischer was die russische Außenpolitik betrifft.


    Nun in der Wachstumsprojektion für europäische Staaten war 2017 aber auch nicht enthalten, dass sie sprunghaft und womöglich dauerhaft ihre Energiekosten anheben.


    Abhängig von der Intensität des Feedbacks aus der Atmosphärenerwärmung ist realwirtschaftliches Wachstum schon in der näheren Zukunft sowieso fraglich. Auf dem Papier ist natürlich alles möglich. Allerdings zur gerade untergehenden westlich-hegemonialen Kontrolle gehört auch die über die Metrik der Weltwirtschaft. Vielleicht sehen wir in Zukunft von den Multipolen Statistikansätze, die ganz unterschiedliche Stärken priorisieren und dementsprechend andere Länder (also vorallem das eigene) besonders hoch platzieren. Für mich persönlich ist auch das Bruttoinlandsprodukt mit Kaufkraftparität kein besonders guter Vergleichsmaßstab.

  • Du meinst sie bilden die aus, obwohl sie davon ausgehen, dass der Krieg zu Ende ist, bevor die zum Einsatz kommen? Warum das?


    Der einfachste Grund ist, was meine These war, nämlich, dass es im Moment keinen Plan mehr gibt und erstmal alles so weiterläuft. Aber spezifisch für Großbritannien sehe ich da weitere Gründe.


    Zum einen habe ich die gesamte Zeit den Eindruck, dass sie die Ukrainer als Vehikel sehen, um Russland zu schaden, allerdings mehr ihrer Reputation. Die Eignung für diesen Zweck muss nicht daran hängen, dass die Ukraine den Krieg gewinnen kann.


    Johnson hat sowieso nichts besseres zu tun und hat vor einer Weile die Ukraine als Hobby zum Ausgleich entdeckt, wenn ihm britische Innenpolitik zu schwierig vorkommt. Und Truss, die im Gegensatz zu Sunak ja noch in der Regierung ist, profiliert sich als Ukraine-Hardlinerin.


    Tatsächlich muss man sagen, es lohnt sich vermutlich für die Außenpolitik des UK hier auf höherem Niveau investiert zu bleiben, weil es glaube ich von den Ukrainern als Unterstützer am meisten geschätzt wird, mehr als andere Länder, selbst wenn sie objektiv einen größeren materiellen Beitrag leisten. (Hab jetzt noch nicht gehört, dass Straßen nach Biden benannt werden, aber vielleicht gibt es die auch.) Und den Osteuropäern sind sie damit ebenfalls deutlich näher. Da sie immer Wege suchen die EU zu spalten, zahlt sich das vermutlich früher oder später aus. Gleichzeitig gibt es im UK für die Regierung denke ich ein geringeres Risiko hinterher für den Beitrag kritisiert zu werden, wenn am Ende alles vergebens war, weil sie immer darauf verweisen können, dass es an den anderen gelegen hat, die zu wenig gemacht haben.


    Das gesagt, nach dem Datensatz des Ukraine Support Tracker, haben auch sie ihre Unterstützung nach dem Höhepunkt im Mai etwas reduziert, wenn auch nicht so stark wie andere Geberländer. (Ich nehme an die Juli-Daten fehlen noch):


    https://www.ifw-kiel.de/public…pport-tracker-data-17410/


    Monat Unterstützung UK [Millarden EUR]
    Januar 0
    Februar 0.7944517937
    März 0.9376995305
    April 1.4251946856
    Mai 1.562535319
    Juni 1.3986340008
    Juli 0
  • Nibulon ist ein ukrainisches Unternehmen: https://www.nibulon.com


    https://www.reuters.com/articl…bulon-owner-idAFL8N2ZC04V


    Der Eigner und Gründer von Nibulon soll zusammen mit seiner Ehefrau heute oder gestern einem russischen Angriff zum Opfer gefallen sein. Angeblich wurde ihre Wohnstätte in Nikolajew getroffen. Die sollte kein militärisches Ziel sein.


    Zitat

    The governor said on Telegram that the couple were killed in their home in the city of Mykolaiv, which was shelled overnight and on Sunday morning.

  • Because that's how good guys roll...

    Die großen Entnazifizierer mit Kommando- und Kommissarbefehl in der Hand.


  • Die großen Entnazifizierer mit Kommando- und Kommissarbefehl in der Hand.


    "Nur tote Russen sind gute Russen" ließ Twitter auch stehen nach internationalen Shitstorm und getippt 1 Mio Meldungen : )


    Da steckt man nicht drin, vielleicht war nur der Praktikant im Dienst?


    Auf der Dokumenta (?) werden Kunstwerke großflächig inspiziert und gebannt, mutmasslich rechts, aber wir untestützen Hitlertattooträger in der Ukraine und nicht wenige...

  • Ich muss sagen, so wie das ukrainische Verteidigungsministerium den Krieg im eigenen Land als Werbefläche für potentielle Sponsoren anbietet, das macht schon sehr den Eindruck, dass es zu Ende geht:


    https://twitter.com/DefenceU/status/1553716593590505472



    Mit Arbeitsprobe:


    https://twitter.com/DefenceU/status/1553689686245269504


  • The World Does Not Want a Global NATO

    Most of the world rejects NATO’s policies and global aspirations and does not wish to divide the international community into outdated Cold War blocs

    [...] Although NATO’s member states may believe that they possess global authority, the overwhelming majority of the world does not. The international response to the war in Ukraine indicates that a stark divide exists between the United States and its closest allies on the one hand and the Global South on the other.

    Governments representing 6.7 billion people – 85 percent of the world’s population – have refused to follow sanctions imposed by the U.S. and its allies against Russia, while countries representing only 15 percent of the world’s population have followed these measures. According to Reuters, the only non-Western governments to have enacted sanctions on Russia are Japan, South Korea, the Bahamas and Taiwan – all of which host U.S. military bases or personnel.[...]

    Meanwhile, despite intense backing from NATO, efforts to win support for Ukraine in the Global South have been a complete failure. On June 20, after several requests, Ukrainian President Volodymyr Zelensky addressed the African Union; only two heads of state of the continental organisation’s 55 members attended the meeting. Shortly thereafter, Zelensky’s request to address the Latin American trade bloc, Mercosur, was rejected.

    It is clear that NATO’s claim to be “a bulwark of the rules-based international order” is not a view which is shared by most of the world. Support for the military alliance’s policies is almost entirely confined to its member countries and a handful of allies which together constitute a small minority of the world’s population. Most of the world’s population rejects NATO’s policies and global aspirations and does not wish to divide the international community into outdated Cold War blocs. [...]

    Wenn die größten Imperialisten sich als heilige Krieger*innen gegen den Imperialismus inszenieren, kommt das bei den Objekten der globalisierten Ausbeutung offenbar nicht so besonders gut an.

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!