Cold War Reloaded - Der neue Ost-West Konflikt

  • Erinnert sich noch jemand daran, dass die Franzosen ziemlich angepisst waren, weil Australien vor einiger Zeit einen eigentlich schon eingetüteten Deal mit Frankreich über neue nuklear getriebene (Jagd-) U-Boote platzen ließ, und sich statt dessen von den Amerikanern deren eigene Boote andrehen ließ?

    Australia chose Aukus and now it faces the prospect of having no submarine capability for at least a decade

    The provision of American Virginia-class subs depends on US industrial development, military needs, politics – and possibly Trump. Australia has no agency or leverage over any of these

    [...] Scott Morrison’s big idea in Aukus was to cancel a submarine construction program with France which would have given us new boats to replace the Collins-class subs as they retired in the 2030s, with a partnership to build new (as yet design incomplete) nuclear-powered “Aukus SSN” submarines with the UK assisted by the United States, the first of which would not be available, assuming all went on time, until the 2040s.

    But how do you fill the capability gap left by the retirement of the Collins-class submarines in the 2030s? Most big defence projects run late and the UK contractor, BAE, has consistently run late and over budget on its naval projects, including the most recent UK Astute-class submarine and the Australian Hunter-class frigate.

    The solution was to acquire three, possibly five Virginia-class submarines from the US, with the first arriving in 2032 and the next two in 2035 and 2037, with an additional two if the Aukus SSNs are late.

    They would be a mix of secondhand boats, with 20 years of life left, and new boats. These would cover our submarine needs until the Aukus SSNs were constructed. [...]


    Es stellt sich allerdings heraus, dass die Amerikaner nicht mal mehr ausreichende industriekapazitäten haben, um ihre eigenen U-Boote zu warten, geschweige denn fünf neue davon für die australische Kundschaft zu produzieren. Die Australier sind jetzt ein bisschen irritiert, weil sie eigentlich ursprünglich dachten, ihre eigne stark veraltete U-Boot-Flotte bis Anfang der 2030er - bevor sie ihre ebenfalls gepanten eigenen, in UK produzierten AUKUS-Boote bekommen sollten - mit den Zukäufen flott zu halten, jetzt aber eher bis mindestens 2040 damit warten müssten - allerdings auch nur dann, wenn die Amerikaner bis dahin ihre eigenen Kapazitäten weit genug ausgebaut haben, und wenn sich - z.B. durch einen Konflikt mit China, für den auch die Australier eine eigene U-Boot-Flotte zu brauchen glauben - nicht noch größerer Eigenbedarf in den USA auftut.



    Die Amerikaner haben aber schon eine tolle Idee dazu, wie Australien trotzdem nicht ohne U-Boote bleiben muss:

    Is there a plan B? Well, nobody in Canberra seems to have one, but the US certainly does. It is set out, in considerable detail, in an official research paper prepared by the US Congress and is described as a “Military Division of Labor” whereby Australia would have no submarines. The US navy would base some of their own in Perth, at the submarine base we are building for them, and Australia would invest the money it has saved into other capabilities. Or it could just hand over more cash to the US government – pay for our own protection perhaps, like South Korea or Japan do.

    This arrangement could continue until such time as the Aukus SSNs, to be built in partnership with the UK, arrive (some time in the 2040s we hope) or continue for ever. Royal Australian Navy officers and sailors could perhaps be included in the crew of some of these Virginias.[...]

    Trump’s second-favourite slogan is “America First” and that is very much the zeitgeist in Washington nowadays, on both sides of the aisle. So if there is any contention or suggestion that the US navy cannot spare Virginias for Australia, there is no mystery where Trump will land.

    It seems to me the most likely outcomes will be that the Virginias will not be available to Australia because the US navy cannot spare them and the Aukus SSNs will almost certainly be late. This would mean an extended capability gap from the early 2030s when Australia will have a diminishing and then no submarine fleet. Even someone with the most optimistic perspective would have to acknowledge this scenario was a serious possibility. [...]


    Also die USA lassen sich einfach von den Australiern - natürlich auf deren eigene Kosten - einen schönen neuen U-Boot-Hafen in Perth bauen, der für ihre fetten Vrginia-Class Jagd-U-Boote geeignet ist, stationieren dann erst mal auf unbestimmte Zeit ihre eigenen dort und lassen vielleicht auch ein paar australische Seeleute mitfahren, damit die so ein Ding wenigstens auch mal von innen gesehen haben. Ein voller Erfolg also für die Australier.

    [...] We could look back and reflect that with the now-cancelled Attack-class submarine program with France, Australia was entirely in control of its own destiny. All of the relevant IP had been transferred to Australia, where the submarines were being built. Their completion depended on us. France had no possible motive or reason to be anything other than supportive. The design was established and nuclear-powered versions of the submarine were already in the water. Compared with Aukus it was a much lower-risk, and lower-cost, exercise.

    But it is now too late to revive the French partnership. There was a window of opportunity to do that after the election of the Albanese government, but it resolved to stick with Morrison’s policy and the risks it carried.

    At the time Aukus was announced I was concerned the nuclear-powered submarines, using weapons-grade uranium provided by the US or the UK, would not be able to be operated without foreign supervision and support. This was not, to my way of thinking, a sovereign submarine capability.

    We now have to face the real prospect, for much of the next decade and beyond, of not having any Australian submarine capability at all. [...]

    Ja gut, aber dafür haben sie eben eine ganz tolle Wertepartnerschaft mit den transpazifischen Freunden.

  • Nice, ist ja wie mit „unseren“ krass coolen neuen Düsenjägern in spe.

    Nee. Von denen haben sie ja genug. Die passen bloß nicht so gut zu unserem besten deutschen Militärflughafen für nukleare Teilhabe. Deshalb konnte Generalluftnummerinspekteur Gerhartz ja damals auch leider gar nicht beim Taurus-Briefing seiner Tech-Bros mit Pistolius (cooler typ, übrigens) dabei sein, weil er zu dem Termin im Verteidigungsausschuss erklären musste, warum man dem (für kurze Starts und vertikale Landungen konstruierten ) neuen Superflieger jetzt eigentlich erst mal für teures deutsches Sondervermögen neue Landebahnen bauen muss.

  • Nee. Von denen haben sie ja genug. Die passen bloß nicht so gut zu unserem besten deutschen Militärflughafen für nukleare Teilhabe. Deshalb konnte Generalluftnummerinspekteur Gerhartz ja damals auch leider gar nicht beim Taurus-Briefing seiner Tech-Bros mit Pistolius (cooler typ, übrigens) dabei sein, weil er zu dem Termin im Verteidigungsausschuss erklären musste, warum man dem (für kurze Starts und vertikale Landungen konstruierten ) neuen Superflieger jetzt eigentlich erst mal für teures deutsches Sondervermögen neue Landebahnen bauen muss.

    Ja richtig. Aber die Wartung kann man doch auch nicht selbst durchführen und muss ein teures Service Abo bei Captain America abschließen, oder? Is schon geil, wie die mit der silicon Valley Ideologie selbst fremdnationale Armeen in ihre Abhängigkeit ziehen.

  • Heißt das, wenn wir die Bundeswehrausgaben auf 4% BIP hieven, dass wir uns dann von den USA entmilitarisieren lassen können, indem wir nur teuer bestellen, aber nichts bekommen?

    Ja aber Pistolius (cooler Typ. übrigens) erklärt in dem Phoenix Video auch, dass man das Geld nicht nur den Amis, sondern parallel dazu auch der eigenen Rüstungsindustrie in den Hals stopfen will, damit die irgendwann in 20-30 Jahren auch mal ein neues Flugzeug (mit skynet und "combat cloud"!) bauen können. Bis dahin muss die Ukraine wohl leider noch durchhalten.

  • Heißt das, wenn wir die Bundeswehrausgaben auf 4% BIP hieven, dass wir uns dann von den USA entmilitarisieren lassen können, indem wir nur teuer bestellen, aber nichts bekommen? NATO ist Frieden.

    Das heißt, dass sie uns genauso verheizen würden, wie den letzen Ukrainer, nur dass wir vorher noch ausgenommen werden, damit auch deine Urenkel noch etwas davon haben.

  • Putin sieht "radikale Islamisten" als Täter

    Russlands Präsident Putin geht nun davon aus, dass radikale Islamisten den Terroranschlag bei Moskau ausführten. Von seinem ursprünglichen Verdacht einer "ukrainischen Spur" weicht er aber nicht ganz ab


    [...]


    Mit anderen Worten: sie haben überhaupt keine stichhaltigen Beweise dafür, dass die ukrainische Führung etwas damit zu tun hatte, oder wie die mutmaßlichen Täter überhaupt lebendig über die von beiden Seiten schwer belagerte, verminte und verdrohnte Grenze hätten kommen sollen, und deshalb beschränkt sich Putin hier auf unkonkretes Geraune. um wenigstens den Verdacht in der Schwebe zu halten.


    Also es gibt zumindestens Indizien, die eher zu einem von den Ukrainern arrangierten Anschlag passen. Zu einem guten Teil produziert durch die Warnung der britischen und US-Botschaft, wenn man davon ausgeht, dass sie diesem Ereignis galt.


    Aber man kann sich hier zwei Dinge überlegen:


    Erstens, angenommen, dass sie verantwortlich sind, haben die Ukrainer sich vermutlich um eine Islamischer Staat-Legende bemüht, damit man ihnen die Urheberschaft des Anschlag nicht so ohne weiteres nachweisen kann. Sie könnten natürlich einen groben Fehler gemacht haben oder der potentielle "Verrat" der Five Eyes geht noch weiter.


    Zweitens, im Gegensatz zu der Prämisse der anderen Verschwörungsthese, dass es ein russischer Anschlag unter falscher Flagge war, denke ich nicht, dass die Russen dieses Ereignis irgendwie "brauchen". Im Gegenteil es wirkt so, als wären sie mit dem derzeitigen Kriegsverlauf zufrieden. Dass die eher nach dem Motto "never change a running system" operieren, ist denke schon öfters klargeworden.


    Mit anderen Worten die Idee, dass die Ukrainer verantwortlich sein könnten, steckt die Möglichkeit sie später noch konkreter zu beschuldigen in die Hintertasche, während die (behauptete) Gewissheit, dass sie verantwortlich sind, einen nötigen würde, Dinge zu unternehmen. Würde mich also nicht wundern, wenn wir unabhängig der tatsächlichen Beweislage, erstmal nicht so viel in die Richtung hören. So oder so, nicht sofort mit allem, was man hat, rauszukommen, kann helfen, noch mehr herauszufinden.


    ---


    Wo allerdings die Tagesschau ihrer Erkenntnisse hernimmt, ist mir ein bisschen ein Rätsel. Wahrscheinlich haben sie statt der tatsächlichen russischen Angaben das massierte Narrativ im Westen zur Grundlage genommen:


    https://www.tagesschau.de/ausl…putin-islamisten-100.html


    Zitat

    Den Ableger der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS), der die Tat für sich reklamiert hatte, erwähnte Putin nicht. Auch den IS selbst nannte er nicht. Der Präsident erwähnte auch keinen anderen mutmaßlichen Auftraggeber des Anschlags.


    Der Artikel bezieht sich offensichtlich auf das Treffen, das Putin zu dem Thema gestern abend hatte. Ich musste sogar schmunzeln, wie er "IS" erwähnt hat:


    http://en.kremlin.ru/events/president/news/73732


    Zitat

    We know that the crime was perpetrated by radical Islamists. The Islamic World itself has been fighting this ideology for centuries. But we are also seeing how the United States is using different channels to try and convince its satellites and other countries of the world that, according to its intelligence, there is supposedly no sign of Kiev’s involvement in the Moscow terrorist attack, that the deadly terrorist attack was perpetrated by followers of Islam, members of ISIS, an organisation banned in Russia.


    Wenn man russische Medien liest, fällt einem schnell auf, dass bei jeder Nennung einer Russland verbotenen Organisation (zum Beispiel Meta, also Facebook), der Vermerk, dass sie verboten ist, auch immer nochmal hinzugefügt wird. Ich gehe mal davon, das ist eine gesetzliche Vorschrift. Fand ich belustigend, dass das selbst in einer Ansprache von Putin der Fall ist.


    Wie auch immer, er hat den Islamischen Staat nicht genannt?


    Zitat

    Mit seinen jüngsten Aussagen wich Putin etwas von seiner ursprünglichen Linie ab, in der er eine "ukrainische Spur" hinter der Bluttat vermutet hatte. Allerdings sagte er, es solle geklärt werden, warum die Terroristen nach der Bluttat in die Ukraine entkommen wollten. "Und wer sie dort erwartet hatte."


    Also nicht nur weicht er davon nicht ab, sondern geht noch weiter. Bei seiner ersten Ansprache Samstagnachmittag hatte Putin in etwa das gesagt, was die Tagesschau behauptet jetzt die neue Linie sei:


    http://en.kremlin.ru/events/president/news/73703


    Zitat

    Regarding the investigation of this crime and the results of the operational search action, we can currently say the following. All four perpetrators, who were directly involved in the terrorist attack, all those who shot and killed people, have been found and apprehended. They attempted to escape and were heading towards Ukraine, where, according to preliminary information, a window was prepared for them on the Ukrainian side to cross the state border. A total of 11 people have been detained. The Federal Security Service and other law enforcement agencies are working diligently to identify and expose the accomplice base behind these terrorists: those who provided them with transport, planned escape routes from the crime scene, and prepared caches with weapons and ammunition.


    Putin hat die Ukrainer vorher, soweit ich mitbekommen habe, gar nicht beschuldigt. Was er gestern gesagt hat, kann man als Explizitmachen seiner Andeutung verstehen:


    http://en.kremlin.ru/events/president/news/73732


    Zitat

    Of course, we must also answer the question of why the terrorists, after committing their crime, attempted to flee specifically to Ukraine. Who was waiting for them there? It is clear that those supporting the Kiev regime do not wish to be implicated in acts of terrorism and be seen as sponsors of terrorism. But there are indeed numerous questions.


    Aber darüberhinaus stellt Putin den Vorgang in eine Reihe (auch von gestern):



    Was einem hier auffallen sollte, nicht nur sagt er der Anschlag passt zu anderen Angriffen und Anschlägen der Ukrainer:


    Zitat

    [...] This act of violence is likely just one in a series of attempts by those who have been fighting against our country since 2014, using the neo-Nazi Kiev regime as a pawn. [...]


    Er deutet auf uns, also den Westen, und sagt, der Anschlag passt zu unseren diversen Versuchen gegen Russland vorzugehen.


    Das wurde hier für das Publikum mal schön wegmassiert.

  • Putin hat die Ukrainer vorher, soweit ich mitbekommen habe, gar nicht beschuldigt. Was er gestern gesagt hat, kann man als Explizitmachen seiner Andeutung verstehen:


    Wie dem auch sei. Außer "die waren auf dem Weg in die Ukraine als wir sie geschnappt haben" hat Putin überhaupt keinen Beleg oder gar Beweis dafür, dass die mutmaßlichen Täter auch im Auftrag der ukrainischen Regierung unterwegs waren. Er schwurbelt halt was zusammen, damit die Konspiratisten was zum spekulieren haben. Ich verstehe nicht, warum man sich daran beteiligen sollte.


    Mal abgesehen davon gestehst Du zwar den Russen zu, sie bräuchten das gar nicht, es wäre also nutzlos als false flag Aktion...


    Erstens, angenommen, dass sie verantwortlich sind, haben die Ukrainer sich vermutlich um eine Islamischer Staat-Legende bemüht, damit man ihnen die Urheberschaft des Anschlag nicht so ohne weiteres nachweisen kann. Sie könnten natürlich einen groben Fehler gemacht haben oder der potentielle "Verrat" der Five Eyes geht noch weiter.


    Zweitens, im Gegensatz zu der Prämisse der anderen Verschwörungsthese, dass es ein russischer Anschlag unter falscher Flagge war, denke ich nicht, dass die Russen dieses Ereignis irgendwie "brauchen". Im Gegenteil es wirkt so, als wären sie mit dem derzeitigen Kriegsverlauf zufrieden. Dass die eher nach dem Motto "never change a running system" operieren, ist denke schon öfters klargeworden.

    ... aber wozu "brauchen" die Ukrainer denn dieses Ereignis?


    Dem Endsieg wird es sie jedenfalls nicht näher bringen und sie liefern im Zweifel den Russen einen Grund dafür, ihrerseits gezielt irgendein größeres ziviles Ziel mit vielen ZivilistInnen als Vergeltung anzugreifen.

  • ... aber wozu "brauchen" die Ukrainer denn dieses Ereignis?

    Ein Paar mehr tote Orks?

    Überdehnung der russischen Kriegsmaschine auf einen neuen, weiteren Feind?

    Ablenkung von den Geländegewinnen in der Ukraine?

    Eine neue, bessere Verhandlungsposition, jetzt, so man sie (unter der Hand) auch mit Islamisten beschmeissen kann?


    :)


    Disclaimer: Ich habe noch keine abschliessende Meinung dazu, aber es wäre nicht der erste Anschlag in Russland, den Voldemort erst nicht für sich reklamiert aber sich dann später damit rühmt.

  • Ein Paar mehr tote Orks?

    Überdehnung der russischen Kriegsmaschine auf einen neuen, weiteren Feind?

    Also für "ein paar mehr tote Orks" zu riskieren, dass die Ukraine mit dem IS in Verbindung gebracht wird, der im ganzen Westen als das absolute Böse angesehen wird, halte ich für sehr weit hergeholt.


    Und das mit dem Umlenken der russischen Aufmerksamkeit auf einen "neuen" Feind würde überhaupt nur dann Sinn ergeben, wenn die Russen nicht schon vor der Terror-Warnung der Amerikaner selbst die Vereitelung eines IS-Anschlags auf eine Synagoge verkündet hätten.

  • Wie dem auch sei. Außer "die waren auf dem Weg in die Ukraine als wir sie geschnappt haben" hat Putin überhaupt keinen Beleg oder gar Beweis dafür, dass die mutmaßlichen Täter auch im Auftrag der ukrainischen Regierung unterwegs waren. Er schwurbelt halt was zusammen, damit die Konspiratisten was zum spekulieren haben. Ich verstehe nicht, warum man sich daran beteiligen sollte.


    Nun ich war damit schon fertig, als Putin gestern überhaupt losgelegt hat.


    Mal abgesehen davon gestehst Du zwar den Russen zu, sie bräuchten das gar nicht, es wäre also nutzlos als false flag Aktion...


    [...]


    ... aber wozu "brauchen" die Ukrainer denn dieses Ereignis?


    Also ein großer Teil der Taten, die man sehr wahrscheinlich dem ukrainischen Geheimdienst zuschreiben kann oder für die sie gelegentlich die Verantwortung übernehmen, ergeben im Prinzip nicht wirklich Sinn. Das sind Nadelstichangriffe, deren Häufigkeit aber nicht ausreicht, um im Kriegsgeschehen einen Unterschied zu machen, sowohl materiell als auch mit Bezug auf die Psyche des Feindes. Am ehesten binden sie Ressourcen, erzwingen Vorsorgemaßnahmen in viel größerer Breite als einzelne Ziele getroffen werden usw. Aber sie haben auch einen Nachteil, denn wann immer die Ukrainer die Opferrolle verlassen, geben sie den Russen die Möglichkeit zu relativ geringen Kosten für ihre internationalen Beziehungen zu eskalieren. Oft sind sogar die Erwartungen, was die Russen in Reaktion tun werden größer, als das was dann passiert. Was zeigt, dass die eher die Ereignisse für ihren stehenden Fahrplan nutzen, also ihn danach auszurichten.


    Nun kann man sich natürlich darüber täuschen, wieviel es bringt. Viele der Aktionen der Ukrainer auch auf dem regulären Schlachtfeld machen den Eindruck von überambitionierten Plänen mit niedriger Erfolgswahrscheinlichkeit. Das wäre dann aber genau das, wo das "Brauchen" ins Spiel kommt. Ich denke diese Geheimdienstaktionen decken ein psychisches Bedürfnis der ziemlichen Asymmetrie gegenüber dem Feind etwas entgegenzusetzen und den Eindruck von Kontrolle zu erwecken. Also im Prinzip das Äquivalent hiervon:


    Insofern hat diese Anspruchshaltung der Ukrainer, die man nicht wirklich verstehen kann, wenn man nicht Teil des Hypes ist, sehr viel mit den Ukraine-Fans zu tun, die den Narzissmus der Führung genährt haben und jetzt Grandiosität und große Gesten und Projekte zurückgespiegelt bekommen, die man, außen vor, genauso wenig nachvollziehen kann. [...]


    Aber konkret zu diesem Anschlag. Wie gesagt das Bild wäre anders, wenn es nicht diese Warnung gäbe. Nebenbei die US-Amerikaner haben soweit ich weiß bisher nicht behauptet, dass sie etwas anderem galt. Durch die Warnung haben wir ein Zeitfenster, was uns in Kombination mit dem Tatort nicht nur zu diesem potentiellen Alternativziel führt:


    Also am 9. März ist das erste Shaman-Konzert in der Crocus City Hall. Das ist im 48-Stunden-Fenster der Warnung und eine Woche vor der Präsidentschaftswahl. Wäre der Anschlag vom Freitag da erfolgt, hätte man nicht nur direkt vor der Wahl demonstriert, dass die russische Regierung die Bevölkerung nicht schützen kann, sondern auch ein Symbol der russischen Unterstützung der militärischen Spezialoperation getroffen.


    Sondern sich dann ja auch mit einem (anderen) Störversuch der Ukrainer verbunden hätte. Am 10. März kam Videomaterial heraus von russischen Angriffen, die angeblich einen ersten Versuch in Belgorod einzufallen vereitelt haben:


    https://twitter.com/VigorousFa…tatus/1766948060767150260



    Spezifisch soll die Einheit Artan, die zum GUR/HUR gehört, getroffen worden sein. Zumindestens ein bisschen vorgedrungen sind sie dann erst zwei Tage später am 12. März. Aber es kann sein, dass der Angriff eigentlich nahe zu dem 48-Stunden-Fenster hätte stattfinden sollen. Könnte mir auch vorstellen, dass die Russen die Warnung als Teil einer dazu gehörenden Kampagne verstanden haben.


    Also ein großer Anschlag in der Hauptstadtregion und dann fällt opportunistisch der Feind ein, wäre insgesamt schon ein schönes Chaos vor den Präsidentschaftswahlen. Dabei ergibt vielleicht sogar ein Fluchtplan Sinn, wo man sich in Richtung einer Grenze absetzt, die gleichzeitig eine Kriegsfront ist. Also insbesondere für denjenigen, der die Täter auf die eine oder andere Weise verschwinden lassen will.


    Hätte das außer vielleicht beim Prozentwert, etwas an dem Ausgang der Präsidentschaftswahlen geändert? Mit ziemlicher Sicherheit nicht. Schon für sich genommen, da hier militärische Ressourcen eingesetzt wurden, sieht die ganze Belgorod-Operation nach ziemlicher Verschwendung aus. Aber man leistet sich das für das Gefühl dem Gegner auch zusetzen zu können und dieses Narrativ nach innen und gegenüber den Verbündeten zu unterfüttern.

  • http://en.kremlin.ru/events/president/news/73732


    Zitat

    [...] But we are also seeing how the United States is using different channels to try and convince its satellites and other countries of the world that, according to its intelligence, there is supposedly no sign of Kiev’s involvement in the Moscow terrorist attack, that the deadly terrorist attack was perpetrated by followers of Islam, members of ISIS, an organisation banned in Russia.


    Ich meine offensichtlich, entweder die USA wissen sehr viel mehr als sie uns wissen lassen, oder sie haben keinen inhaltlichen Grund so definitive (falsche oder wahre) Aussagen zur Täterschaft zu treffen. Eher zu erwarten und damit geschickter, wäre sowas wie die Russen sollen keine Anschuldigungen erheben, wenn sie keine entsprechenden Beweise vorlegen können.


    Manche sehen darin Nervosität oder sogar ein Eingeständnis von Komplizenschaft, aber ich vermute erstmal, die sehen es wie ich:


    Also unabhängig davon wie nah das an sowas wie dem tatsächlichen Geschehen dran ist, daran dass ich Budanows Laden das nicht zutrauen würde, scheitert es nicht.


    Bzw. glauben, dass viele Leute es wie ich den Ukrainern durchaus zutrauen. Und daher kommt die Versicherung, dass es keinesfalls der Fall ist. Aber bei der PR-Arbeit, wen wundert es:


    https://news.yahoo.com/we-will…chief-vows-232156674.html


    Zitat

    [...] Asked about this allegation, Budanov said, “Don’t continue with that topic. All I will comment on is that we’ve been killing Russians and we will keep killing Russians anywhere on the face of this world until the complete victory of Ukraine.”

  • Exzellentes timing:


    https://www.pravda.com.ua/eng/news/2024/03/26/7448227/



    Also wohlgemerkt das ist nicht der GUR/HUR, sondern der SSRU. Ist nicht so, dass Budanow ersetzt wird. Tatsächlich wird sein Stellvertreter zum Behördenchef befördert.


    Aber das ist nochmal deutlich interessanter. Danilow ist raus als Chef des Nationalen Sicherheitsrats und wird durch den vorherigen Chef des SSRU, Litwinenko ersetzt:


    https://www.pravda.com.ua/eng/news/2024/03/26/7448225/


    Zitat

    Volodymyr Zelenskyy, President of Ukraine, has fired Oleksii Danilov from the position of the secretary of the National Security and Defence Council of Ukraine.


    Source: decree of Zelenskyy from 26 March


    Details: He appointed Oleksandr Lytvynenko, Chief of the Foreign Intelligence Service of Ukraine, as the new secretary with another decree.


    Das entsprechende Dekret: https://www.president.gov.ua/documents/1882024-50205


    Danilow wird angeblich Botschafter in Norwegen:


    https://t.me/oleksiihoncharenko/40769


    Zitat

    | ГОНЧАРЕНКО

    | Данілов йде в посли


    Відправився в Норвегію.


    Via Google Translate:


    Zitat

    | GONCHARENKO

    | Danilov goes to the ambassadors


    Went to Norway.


    :/

  • Aber konkret zu diesem Anschlag. Wie gesagt das Bild wäre anders, wenn es nicht diese Warnung gäbe.

    Diese Warnung kam am 07. März - Amerikanische Zeit. Am 07. März - russische Zeit, also mehrere Stunden früher - gaben die Russen selbst bekannt, dass sie diesen IS-Anschlag auf eine Synagoge verhindert hätten. Dabei wurde auch auf andere Aktivitäten des IS in der russischen Föderation, bzw, entsprechende Bekämpfungsmaßnahmen des FSB hingewiesen. Die Russen brauchten also gar keine amerikanische Warnung, sondern es sieht eher so aus, als hätten die Amerikaner die Berichte der russischen Behörden zum Anlass genommen, eine Warnung vor dem Besuch größerer Veranstaltungen heraus zu geben.


    Du konstruierst da einen Zusammenhang, bzw eine kausale Abfolge - von 1) USA/Ukraine nach 2) Russland - für die es in dieser Richtung überhaupt keine Belege gibt.


    Der Vergleich mit den Aktionen in Belgorod hinkt auch, weil es da immer diese "russischen" Widerstandskämpfer sein sollen, die Angriffe von ukrainischem Territorium gegen das Russische Kernland veranstalten. Das ist doch propagandistisch eine ganz andere Hausnummer für die ukrainische Seite, als der angebliche geheime Auftrag an irgendwelche Islamisten, in Moskau ein Massaker anzurichten, das man sich als ukrainischer Geheimdienst dann gar nicht öffentlich als große Kriegstat an die Brust heften kann.

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